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Title: Handbuch der Pharmakognosie: Erster Band : Allgemeine Pharmakognosie
Author: Tschirch, Alexander
Language: German
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*** Start of this LibraryBlog Digital Book "Handbuch der Pharmakognosie: Erster Band : Allgemeine Pharmakognosie" ***
ERSTER BAND  ***


  ####################################################################

                     Anmerkungen zur Transkription

  Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1909 so weit
  wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
  wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
  verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;
  fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.

  Schreibweisen für die Namen von Rohprodukten, Handelswaren, sowie
  Personen- und Ortsnamen sind nicht einheitlich. In mehreren
  nummerierten Listen fehlen einige Listenpunkte; dies wurde so aus dem
  Original übernommen.

  Zur Kennzeichnung der ausgestellten Waren und Gerätschaften auf den
  Tafeln XXX und XXXI waren im Original die betreffenden Bezeichnungen
  auf ein Deckblatt aus transparentem Papier gedruckt. In der
  vorliegenden Fassung wurde die Beschriftung vom Bearbeiter direkt in
  die Abbildungen eingefügt.

  Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; besondere
  Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden
  Sonderzeichen gekennzeichnet:

        kursiv:      _Unterstriche_
        fett:        =Gleichheitszeichen=
        gesperrt:    +Pluszeichen+
        Kapitälchen: ~Tilden~

  ####################################################################



                              HANDBUCH DER
                             PHARMAKOGNOSIE

                                  VON

                              A. TSCHIRCH

                              ERSTER BAND

                       ALLGEMEINE PHARMAKOGNOSIE

                             [Illustration]

                              LEIPZIG 1909
                    VERLAG VON CHR. HERM. TAUCHNITZ



                              HANDBUCH DER
                             PHARMAKOGNOSIE

                                  VON

                              A. TSCHIRCH

                            ERSTE ABTEILUNG

                      MIT 324 ABBILDUNGEN IM TEXT
              UND AUF EINGEHEFTETEN TAFELN, SOWIE 3 KARTEN
                             UND 3 BEILAGEN

                             [Illustration]

                              LEIPZIG 1909
                    VERLAG VON CHR. HERM. TAUCHNITZ



     Das Recht der Übersetzung in fremde Sprachen ist vorbehalten

                          DIE VERLAGSHANDLUNG



Vorwort.


Während an Lehrbüchern der Pharmakognosie, besonders solchen, die
auf botanischer Grundlage ruhen, kein Mangel ist, fehlt in der
Literatur ein modernes illustriertes Handbuch der Pharmakognosie, in
dem gleicherweise die botanischen (systematischen, morphologischen,
anatomischen, physiologischen und pathologischen) wie die chemischen,
handelstechnischen und handelsgeographischen, sowie endlich auch die
historischen Verhältnisse und die bei der Kultur, Einsammlung und
Erntebereitung der Drogen üblichen Methoden unter kritischer Benutzung
auch der älteren Literatur und +auf Grund eigener Beobachtungen des
Verfassers+ geschildert werden.

In dem vorliegenden Werke mache ich nun den Versuch, nach neuen
Gesichtspunkten und auf breitester Basis +ein modernes Handbuch
der Pharmakognosie+ zu schaffen. Seit 25 Jahren vorwiegend mit
pharmakognostischen Fragen -- und zwar sowohl auf pharmakobotanischem
wie auf pharmakochemischem Gebiete -- beschäftigt, trage ich als
akademischer Lehrer seit Jahrzehnten Pharmakognosie nach neuer
Lehrmethode vor, und habe in einem modern eingerichteten, mit einem
grossen Drogenmuseum verbundenen Institute zahlreiche Schüler aus aller
Herren Länder in dem Fache ausgebildet. Diese von mir befolgte und in
der Praxis des Lehramtes erprobte Methode wurzelt in der Erkenntnis,
dass die Pharmakognosie nicht nur ein Zweig oder Anhängsel der Botanik
ist, sondern eine +selbständige Wissenschaft, zu der auch in sehr
hervorragendem Masse die Chemie, speziell die physiologische und
Pharmako-Chemie, als Hilfswissenschaft gehört+, zu der Sprachen- und
Länderkunde, Geschichte und Handelsgeographie ihr Scherflein beitragen
und die nicht nur eine Sammlung von nebeneinander gestellten Tatsachen
ist, sondern die lebensvolle Verknüpfung derselben unter höheren
Gesichtspunkten erstrebt. Ich versuche zu zeigen, dass zahlreiche
Fragen der Pharmakognosie experimenteller Behandlung zugänglich sind
und dass ganz besonders die Einführung der Pharmakophysiologie in
das Arbeitsprogramm der Pharmakognosie zu einer wissenschaftlichen
Vertiefung der Pharmakognosie führt und sie aus einer rein deskriptiven
zu einer experimentellen naturwissenschaftlichen Disziplin erhebt.

Um mir ein eigenes Urteil zu bilden, habe ich aber nicht nur in
Gemeinschaft mit meinen Schülern einzelne Gebiete der Pharmakognosie,
wie das der Harze, der Abführmittel, der Samendrogen usw., chemisch und
botanisch durchgearbeitet, sondern auch die wichtigsten Einfuhrhäfen
Europas und ihre Dockhallen besucht und bin ein Jahr nach Indien
gegangen, um die +Indischen Heil- und Nutzpflanzen+ an Ort und Stelle
zu studieren. Ich habe sie in einem besonderen Werke geschildert. In
langjährigen Laboratoriumsarbeiten sind dann die dort und bei Reisen
durch die Länder Europas gesammelten Materialien bearbeitet worden.

Der»+Anatomische Atlas+«, den ich mit Professor ~Oesterle~
herausgegeben habe und bei dem die entwicklungsgeschichtliche Methode
auf pharmakognostisches Gebiet verpflanzt wurde, war eine der Früchte
dieser Studien. Er beschränkt sich auf Pharmako-Morphologie und
Pharmako-Anatomie. Das +Handbuch+ geht weiter und zieht auch alle
anderen Hilfswissenschaften mit herbei. So werden hier zum ersten
Male eingehend die +Arzneipflanzenkulturen+ und die zahlreichen
+Methoden der Erntebereitung+ (Fermentieren, Rollen usw.), die
pharmakogeographischen +Drogenreiche+, die Verhältnisse des
+Grossdrogenhandels+ und die +Handelswege+, die Behandlung der Droge im
Einfuhrhafen und die +Handelssorten+ und +Packungen+ unter Beifügung
von Karten und zahlreichen, z. T. von mir selbst auf meinen Reisen
aufgenommenen Abbildungen eingehend und auf +Grund eigener Erfahrungen+
und Erkundigungen bei zuverlässigen Gewährsmännern behandelt. Dann
aber ist auch ganz besonders der in den modernen Lehrbüchern der
Pharmakognosie stark vernachlässigten +Chemie der Drogen+, die ja in
den letzten 15 Jahren die grösste Wandlung erfahren hat, Aufmerksamkeit
gewidmet worden.

Einen breiten Raum nimmt die +Geschichte der Pharmakognosie+ ein,
die im allgemeinen Teile behandelt wird. Hier kam es mir besonders
darauf an, den Leser zu den Quellen zu führen und alles Wesentliche
aus denselben aufzuführen, so dass dieser Teil eine ganze Bibliothek
ersetzen wird. So werden z. B. alle Pflanzen des ~Dioscurides~, des
~Theophrast~, der ~Hildegard~, vollständige Listen der Drogen des
~Cordus~, die Alphita, Circa instans, die Tabula des ~Simon Januensis~,
die Liste des ~Serapion~ u. a. m. in extenso mitgeteilt.

Zum ersten Male wird auch hier der Versuch gemacht, die +Entwicklung
der Pharmakognosie+, gestützt auf Quellenstudien, in ausführlicher
Weise zu schildern.

Ein Gebiet, das in den Lehrbüchern in der Regel ebenfalls
vernachlässigt wird, das +ethnologische+ (Betelkauen, Opiumrauchen,
Matetrinken, Pfeilgifte usw.), findet ebenfalls +Berücksichtigung+ und
auch die +Linguistik+ und +Etymologie+ ist dort, wo es nötig erschien,
mit herangezogen. Sodann sind auch der +Bibliographie+ einige Kapitel
gewidmet, +fehlt doch bisher eine Bibliographie der Pharmakognosie+
ganz. -- Und wenn endlich auch dem +Unterrichte in der Pharmakognosie+
die Aufmerksamkeit zugewendet wird, so dürfte dies gerade heute, wo
über die Frage: +was ist Pharmakognosie und wie soll man sie treiben+?
-- vielfach noch Unklarheit herrscht, vielen willkommen sein und zur
Klärung der Anschauungen beitragen.

Dass überall den Fragen der +Angewandten Pharmakognosie+
(Verfälschungen, Prüfung auf Reinheit und Gehalt, mikroskopische und
chemische Analyse, Aufbewahrung usw.) gebührende Beachtung geschenkt
wird, ist selbstverständlich.

So entrollt sich in dem Werke, das das Resultat der auf alle Gebiete
der Drogenkunde ausgedehnten Lebensarbeit des Verfassers darstellt, ein
Gesamtbild der Pharmakognosie im weitesten Sinne. Wir sehen, zu wie
zahlreichen Disziplinen +die Drogenkunde, die nunmehr sich zu einer
Drogenwissenschaft ausgewachsen hat+, -- gebend und empfangend -- in
Beziehung steht und wie wichtig sie nicht nur für den +Apotheker+,
sondern auch für den +Arzt+, den +Medizinalbeamten+, den +Chemiker+,
den +Drogisten+, kurz alle die, welche mit Arzneidrogen in Berührung
kommen, ist, die alle ohne Ausnahme aus ihrem Borne schöpfen werden.
Das Buch wird vielen die Augen darüber öffnen, ein wie ungeheuer
reiches und +interessantes+ Gebiet die Pharmakognosie ist, wie viele
grosse Ausbeute versprechende Bezirke desselben noch unerschlossen sind
und wie sehr +gerade diese+, in ihrer Anwendung auf die pharmazeutische
Praxis so eminent wichtige +Disziplin+ wissenschaftlicher Behandlung
und Vertiefung zugänglich ist.

        Pharmazeutisches Institut der Universität +Bern+.      TSCHIRCH.



Inhaltsverzeichnis zur ersten Abteilung.

  Allgemeine Pharmakognosie:                                       Seite

  Erste Abteilung, Allgemeines.

  I. +Begriff und Aufgaben der Pharmakognosie+                         3

  II. +Die Objekte der Pharmakognosie+:

  1. Die Droge                                                        14

  2. Paralleldrogen und Quid pro quo                                  18

  3. Entwicklungsgeschichte des Arzneidrogenschatzes                  23

  III. +Pharmakoërgasie+:

  Kultur, Einsammlung und Erntebereitung:

  1. Kultur der Arzneipflanzen                                        28

  2. Einsammlung                                                      75

  3. Erntebereitung                                                  104

  IV. +Pharmakoëmporia+                                              145

  1. Handelswege:

  a) Handelswege in früherer Zeit                                    145

  b) Handelswege in unserer Zeit                                     156

  2. Die Behandlung der Droge im Einfuhrhafen                        166

  3. Produktions- und Exportziffern                                  182

  4. Maße und Gewichte                                               185

  5. Handelssprache                                                  186

  V. +Pharmakodiakosmie+                                             187

  1. Handelssorten                                                   187

  2. Verpackungen                                                    203

  VI. +Pharmakognostische Systeme+, Bibliographie der Hand- und
      Lehrbücher der Pharmakognosie, sowie verwandter Zweige,
      von ~Pomet~ an                                                 216

  VII. +Die für die Pharmakognosie in Betracht kommenden
       Zeitschriften, Jahresberichte, Institutspublikationen,
       Handels-, Ausstellungs- und Kongreßberichte+                  247

  1. Zeitschriften                                                   247

  2. Jahresberichte                                                  253

  3. Institutspublikationen                                          253

  4. Handelsberichte und dergl.                                      255

  5. Ausstellungsberichte                                            256

  6. Kongreßberichte                                                 257

  7. Bibliographie                                                   257

  VIII. +Der Unterricht in der Pharmakognosie+                       260

  IX. +Angewandte Pharmakognosie+                                    275

  1. Prüfung der Drogen auf Identität und Reinheit                   276

  2. Aufbewahrung der Drogen                                         284

  X. +Die Beschreibung der Droge+                                    286



  Erster Teil.


Allgemeine Pharmakognosie.

~Pfaff~ nennt die Pharmakognosie «+physiographische Arzneimittellehre+»
und rechnet sie zur Pharmakologie, ~Göbel~ «+pharmazeutische
Warenkunde+», ~Fristedt~«+organische Pharmakologie+», ~Flückiger~ und
~Hanbury~«+Pharmacographia+», die Engländer «+materia medica+», die
Franzosen «+matière médicale+». Auch der Ausdruck «+Drogenkunde+»,
«+Histoire des drogues+», ist gebräuchlich. Der von ~Humphrey~ (1902)
vorgeschlagene Ausdruck +Pharmacopaedia+ (παιδεία = Wissenschaft)
hat sich noch nicht eingebürgert, obwohl gerade in ihm der
wissenschaftliche Charakter der reinen Pharmakognosie gut zum Ausdruck
kommt. Ich hätte ihn gern als Titel benutzt, wollte aber nicht den
eingebürgerten Ausdruck Pharmakognosie unterdrücken.

Die Pharmakognosie ist, wie alle pharmazeutischen Wissenschaften,
aus der Medizin, speziell der Arzneimittellehre (Pharmakologie),
hervorgegangen und wurde erst seit dem ersten Drittel des XIX. Jahrh.
von dieser ganz abgetrennt.

Eigentlich hat schon ~Dodart~ in seinen «+Mémoires pour servir à
l’histoire des plantes+»(Pariser Akademie 1676) die Aufgaben der
Pharmakognosie vorausschauend ganz richtig erkannt, wenn er auch
der von ihm in ihren Zielen klar vorgezeichneten Wissenschaft nicht
diesen Namen, ja überhaupt keinen Namen gab. Er fordert folgendes: 1.
Beschreibung der Pflanze, 2. Abbildung derselben, 3. Kulturregeln, 4.
Festsetzung der Heilkräfte, 5. Feststellung der chemischen Natur. Das
ist ungefähr auch der Umfang der heutigen Pharmakognosie mit Einschluß
eines Teiles der Pharmakologie, die wir jetzt abtrennen.

[Illustration: Fig. 1.

Von einem thebanischen Grabe des XV. Jahrhunderts v. Chr. Thot, der
ibisköpfige Ärztegott (als Lotse vorn in der Barke des Tum), hier
(links oben) als Ph-ar-maki bezeichnet =«achtgebend auf die Barke»,
also: Beschützer. Die ersten 6 Zeichen sind zu lesen: ar(t) mꜥki(t).
ph ist der hier fehlende Artikel, die beiden letzten Zeichen sind
Determinative (+Oefele+). Aus +Dümichen+, Die Flotte einer ägyptischen
Königin.]

Die von ~Martius~ gegebene Umgrenzung (s. oben) hat sich im Laufe
von 75 Jahren in doppelter Weise verschoben. Zunächst wurden
die Vertreter des «Dritten Reiches» ausgeschieden und der sich
selbständig entwickelnden pharmazeutischen Chemie überwiesen und
die Pharmakognosie auf Pflanzen und Tiere beschränkt. So entstanden
die drei pharmazeutischen Disziplinen: Pharmakognosie, Pharmazie
und pharmazeutische Chemie, wie sie noch heute bestehen. Dann aber
entwickelte sich die Pharmakognosie, speziell die des Pflanzenreiches,
immer mehr zu einer umfassenden selbständigen +Wissenschaft+ mit
zahlreichen Hilfswissenschaften. Der Begriff Pharmakognosie, wie wir
ihn heute meist verstehen, ist von ~Flückiger~ (in der «Pharmakognosie
des Pflanzenreiches», I. Aufl. 1867, II. Aufl. 1883, III. Aufl.
1891) geschaffen und von ~Flückiger~ und mir (in den «Grundlagen
der Pharmakognosie», II. Aufl. 1885) näher erläutert worden, also
besonders von dem Gelehrten, der die Pharmakognosie, die im Begriffe
stand, zu einer seichten Warenkunde zu versimpeln oder im Schlepptau
der Botanik zu segeln und ein bescheidenes Dasein als Anhängsel
derselben zu fristen, +ganz auf eigene Füße stellte und mit wahrhaft
wissenschaftlichem Geiste erfüllte+, die +Drogenkunde+ also zu einer
+Drogenwissenschaft+, die Pharmakognosie zu einer Pharmakopädie
machte. ~Flückiger~ betonte, daß die Pharmakognosie +eine selbständige
Wissenschaft+ und keine rein botanische Disziplin ist, und daß als
Hilfswissenschaften außer Botanik in erster Linie die Chemie, dann aber
auch die Geographie und die Geschichte herbeigezogen werden müssen.
Ich habe dann diesen Gedanken weiter gesponnen (In dem Aufsatze «Die
Pharmakognosie als Wissenschaft», Pharm. Zeit. 1881). Die Bedeutung der
Chemie als einer gleichberechtigten Hilfswissenschaft neben der Botanik
hob übrigens auch ~Buchheim~ (1879) hervor. Die Anatomie war schon seit
~Schleidens~ berühmt gewordener Untersuchung über die _Sarsaparille_,
und ~Bergs~ +Atlas+ als notwendige Hilfswissenschaft erkannt worden.
Die Entwicklungsgeschichte ist dann von mir (im «+Anatom. Atlas+»)
hinzugefügt worden, indem ich den Satz vertrat, daß die richtige
Deutung pharmakoanatomischer Tatsachen oft nur durch das Studium der
Entwicklungsgeschichte möglich ist. Die moderne Morphologie war schon
vorher durch ~Arthur Meyer~ (in der «+Wissenschaftl. Drogenkunde+») zur
Lösung pharmakognostischer Fragen herbeigezogen worden, die Mikrochemie
noch früher durch ~A. Vogl~. Die Geschichte der Drogen fand außer durch
~Flückiger~ besonders durch ~Schär~ und ~Hartwich~, die Ethnologie der
Drogen durch ~Hartwich~ Förderung. Pharmako+physiologische+ Fragen
habe ich mit meinen Schülern mit Vorliebe studiert. Der Gefahr, daß
die in bester Entwicklung begriffene neue Wissenschaft, die sich
einen Platz neben der Geographie und Pharmakologie erobert hatte,
wieder dadurch verflache, daß sich botanisch oder chemisch ungenügend
geschulte Kräfte mit pharmakognostischen Fragen beschäftigten, bin
ich bei jeder Gelegenheit entgegengetreten und habe deshalb als
Motto auf den Anatomischen Atlas, den ich mit ~Oesterle~ herausgab,
die Worte gesetzt: «Die Pharmakognosie hat keine anderen Methoden
wie die der reinen Botanik und reinen Chemie, wohl aber eine andere
Fragestellung, andere Aufgaben und Ziele». In neuerer Zeit haben sich
denn auch viele gut geschulte Chemiker (z. B. ~Jahns~, ~Hesse~, ~E.
Schmidt~, ~Bourquelot~, ~Schlagdenhauffen~) mit pharmakochemischen,
gut geschulte Botaniker (~Guignard~, ~Perrot~ und ihre Schule) mit
pharmakobotanischen Fragen beschäftigt.

So zerfällt denn die moderne wissenschaftliche Pharmakognosie
(wissenschaftliche Drogenkunde) in sehr zahlreiche (15) Zweige,
die +selbständig betrieben werden können, aber von dem Lehrer der
Pharmakognosie in ihren Grundzügen beherrscht werden müssen+. Es sind
dies nach meiner Definition (vgl. ~Tschirch~, Was ist eigentlich
Pharmakognosie? Zeitschr. des österr. Apoth.-Vereins, 1896 und Pharm.
Zentralh. 1907, S. 283):

   1. +Pharmakoërgasie+ (von ἐργασία = Kultur), Kultur, Einsammlung,
      Erntebereitung.

   2. +Pharmakoëmporia+ (von ἐμπορία = Großhandel), Handelswege,
      Ausfuhr- und Einfuhrhäfen, Behandlung der Droge im Einfuhrhafen.

   3. +Pharmakodiakosmie+ (von διακοσμεῖν = Sortieren), Handelssorten,
      Verpackungen.

   4. +Pharmakobotanik+, Systematik, Morphologie, Anatomie, Physiologie,
      Pathologie.

   5. +Pharmakozoologie.+ -- 6. +Pharmakochemie.+ -- 7.
      +Pharmakophysik.+

   8. +Pharmakogeographie.+ -- 9. +Pharmakohistoria.+

  10. +Pharmakoëthnologie.+ -- 11. +Pharmakoëtymologie.+

Der Begriff Pharmakognosie hat sich also vertieft und erweitert.
Und wir können die Definition jetzt so fassen: «+Unter dem Namen
Pharmakognosie begreift man die Wissenschaft, deren Aufgabe es ist, die
Drogen pflanzlichen und tierischen Ursprungs nach allen Richtungen hin
-- mit Ausnahme der physiologischen Wirkung -- wissenschaftlich kennen
zu lernen, korrekt zu beschreiben und unter allgemeinen Gesichtspunkten
miteinander zu verknüpfen+». Es soll «die Pharmakognosie bis zu einem
gewissen Grade alles umfassen, was zu einer +monographischen Kenntnis
der Arzneistoffe+ gehört»(~Flückiger~-~Tschirch~, Grundlagen), aber
darüber hinaus +nicht nur ein Mosaik ohne inneren Zusammenhang
schaffen, sondern eine lebensvolle Verknüpfung der Drogen auf Grund
ihrer Bestandteile erstreben+». «La science ne consiste pas en faits,
mais dans les conséquences que l’on en tire»(~Claude Bernard~).
Ich betrachte also, und damit gehe ich über ~Flückiger~ und alle
anderen Pharmakognosten hinaus, die Aufgabe der wissenschaftlichen
Pharmakognosie nicht durch eine monographische Beschreibung der Drogen,
auch wenn dieselbe noch so umfassend und ins Einzelne eindringend ist,
als erschöpft, wennschon dies natürlich ihre nächste Aufgabe ist.
Ich fasse ihre Aufgaben weiter, stecke ihre Ziele höher. +Letztes
Ziel der Pharmakognosie ist die wissenschaftliche Verknüpfung der
zusammengehörigen Drogen auf Grund ihrer wichtigsten Bestandteile.+
Denn nicht die botanische Beschreibung trifft das Wesen der Droge als
Heilmittel. Die chemischen Bestandteile sind es, wegen deren wir die
Droge als Heilmittel benutzen. Sie sind also das wichtigste. Oberste
Aufgabe der Pharmakognosie wird es daher sein, die Drogen nach ihren
Bestandteilen in Beziehung zueinander zu bringen, das Zusammengehörige
zu vereinigen und so allmählich zu einem pharmakochemischen Systeme
der Drogen zu gelangen, das zur Pharmakologie hinüberleitet. +Erst
hierdurch wird die Drogenkunde zur Drogenwissenschaft, werden die
Drogengeschichten zu einer Drogengeschichte.+

~Husemanns~ Vorschlag (in der Realenzyklop. d. ges. Pharmazie,
I. Aufl.), die wissenschaftlichen Grundlagen der Pharmakognosie
«allgemeine», die Einzelbehandlung der Drogen als «spezielle
Pharmakognosie» zu bezeichnen, entspricht der üblichen Terminologie.

Dieser wissenschaftlichen oder reinen Pharmakognosie steht
nun die angewandte Pharmakognosie zur Seite, die wesentlich
praktisch-diagnostisch ist. Sie ist weniger eine Wissenschaft wie
«eine Kunst für praktische Zwecke» (~Wigand~) und für den Apotheker
von größter Bedeutung. Der Name «Angewandte Pharmakognosie» ist zuerst
von mir gebraucht worden (~Tschirch~, Anwendung der vergleichenden
Anatomie zur Lösung von Fragen der angewandten Pharmakognosie. Schweiz.
Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 1897).

In den «Grundlagen» (1885) ist diese Abtrennung noch nicht gemacht.
«Ganz besonders müssen wieder», heißt es dort, «aus diesem reichen
Inhalte (des Gesamtbildes der Drogen) diejenigen Züge hervortreten,
welche zu einer +raschen, annähernden Wertbestimmung+, zunächst
ohne wirkliche chemische Analyse, führen können, wo dies nur irgend
angeht.» Und auch ~Wigand~ sagt: «Der praktische Zweck steht obenan,
ohne ihn würde die Pharmakognosie gar nicht existieren.» Dasselbe
oder etwas ähnliches finden wir in ~Arthur Meyers~ Definition (1907),
«die Pharmakognosie ist eine Disziplin, welche die Drogen in einer
den Bedürfnissen der pharmazeutischen Praxis entsprechenden Weise
wissenschaftlich zu bearbeiten hat.» Diese praktische Seite fällt jetzt
zum Teil wenigstens der +angewandten Pharmakognosie+ zu.

+Aufgabe der angewandten Pharmakognosie+, deren Begriff sich etwa
mit dem deckt, was ~Martius~ unter Pharmakognosie verstanden wissen
wollte, ist es, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Pharmakognosie
für die Praxis des Apothekers zu verwerten. Die Ergebnisse der
+Pharmakobotanik+ dienen durch Vergleich der morphologischen Merkmale
zur Feststellung der Identität der Heilpflanze und zur Feststellung
etwa vorkommender Verwechslungen oder Verfälschungen. Die anatomische
Untersuchung führt zu dem gleichen Ziel und läßt noch am Pulver
Identität und Reinheit feststellen. Die Ergebnisse der Pharmakoërgasie
und der Pharmakophysiologie führen zu einer praktischen Verbesserung
des Anbaus der Heilpflanzen. Die Ergebnisse der +Pharmakochemie+
dienen dazu, zunächst durch qualitative Reaktionen die Identität
festzustellen, dann aber durch quantitative Methoden zu einer
Wertbestimmung zu gelangen.

Ausschließlich der wissenschaftlichen Pharmakognosie gehören an:
Geographie, Geschichte, Ethnologie und Etymologie.

Die Beschäftigung mit +wissenschaftlicher Pharmakognosie+ ist Sache
der Fachgelehrten (resp. ausreichend vorgebildeter Praktiker), die
angewandte Pharmakognosie dagegen Sache der praktischen Apotheker.

In der Lehrzeit soll der Eleve die Elemente der Pharmakognosie an der
Hand von Drogen und frischen, sowie Herbarpflanzen praktisch erlernen
und namentlich so weit gebracht werden, daß er -- eventuell unter
Zuhilfenahme der Lupe -- rasch die Identität einer Droge feststellen
kann, also die Droge und Heilpflanze «kennt». Es ist dies zugleich
ein vorzügliches Mittel beobachten zu lernen -- das Ziel jedes
naturwissenschaftlichen Unterrichts.

Auf der Universität soll er die Grundzüge der wissenschaftlichen
Pharmakognosie (in ihrer obigen weitesten Fassung) kennen lernen: durch
allgemeine Vorlesungen über das Gesamtgebiet und Spezialvorlesungen
über einzelne Teile der Pharmakognosie, mikroskopische und
pharmakochemische, besonders auf die Wertbestimmungen gerichtete
Übungen. Hierbei ist dann auch der Analyse pflanzlicher Pulver die
gebührende Beachtung zu schenken. So ausgerüstet tritt dann der
Apotheker in die Praxis, um hier die angewandte Pharmakognosie zu üben,
und sich vor Betrug zu schützen. Denn die Drogen, ja sogar ihre Pulver
lassen sich, und zwar meist mit der gleichen Schärfe wie die chemischen
Präparate, auf Identität, Reinheit und Gehalt prüfen.

+Die Aufgaben der reinen Pharmakognosie sind rein wissenschaftliche.+

Die Aufgaben der reinen +Pharmakobotanik+ sind nur zu lösen, wenn
die systematische Botanik, die Morphologie, die Anatomie (und
Entwicklungsgeschichte), sowie die Physiologie der Pflanzen als
Hilfswissenschaften herangezogen werden. Die Feststellung der
Stammpflanze, des morphologischen Aufbaues des als Droge benutzten
Organs und des anatomischen Baues desselben sind selbstverständliche
Elemente der Pharmakobotanik, nicht nur der deskriptiven, sondern
auch der diagnostischen (z. B. bei der anatomischen Wertbestimmung
eines Pulvers), aber auch die Physiologie, ja sogar die Pathologie
der Pflanzen müssen oft herangezogen werden, z. B. bei dem Harzfluß,
bei der Feststellung der besten Einsammlungszeit, bei der Beurteilung
des Fermentierungsprozesses, dem viele Drogen unterworfen werden.
Hier spielen bisweilen sogar bakteriologische Fragen mit hinein. Die
chemische Physiologie ist von größter Wichtigkeit. Viele Fragen der
Pharmakophysiologie sind experimenteller Behandlung zugänglich und
gerade durch sie wird die Pharmakognosie aus einer rein beschreibenden
zu einer experimentellen naturwissenschaftlichen Disziplin. Die
Einführung der Pharmakophysiologie in das Arbeitsprogramm der
Pharmakognosie bedeutet also eine wissenschaftliche Vertiefung und
Erweiterung der Aufgaben unserer Wissenschaft und eröffnet ganz neue
und weite Perspektiven.

Man muß geschulter Botaniker sein, um Pharmakobotanik wissenschaftlich
betreiben zu können. Doch sei betont, daß die Pharmakognosie
keine botanische Disziplin, sondern die Botanik nur eine der
Hilfswissenschaften ist. Schon 1879 sagte ~Buchheim~: «Solange der
Unterricht der Pharmazeuten in der Drogenkunde von einem botanischen
Standpunkte ausgeht und vorzugsweise in den Händen von Fachbotanikern
liegt, ist ein erheblicher Fortschritt dieser Disziplin nicht zu
erwarten.»

Die +Pharmakozoologie+ spielt bei der geringen Zahl tierischer Drogen
nur eine untergeordnete Rolle. Viele Lehrbücher ignorieren sie daher.
Neuerdings (1895) hat ~Sayre~ die Aufmerksamkeit auf die tierischen
Schädlinge der Drogen gelenkt. Ich werde im folgenden auch die
Krankheiten der Arzneipflanzen behandeln, die ebenfalls hierher oder in
das Gebiet der +Pharmakopathologie+ gehören.

Sehr wichtig ist die +Pharmakochemie+, die als Zweig der Phytochemie
mit der rapiden Entwicklung der Chemie zwar nicht gleichen Schritt
gehalten, aber doch gerade in den letzten 20 Jahren bedeutende
Fortschritte gemacht hat. Sie bietet noch ein ganz ungeheueres Feld
für die Forschung dar. Nur ein verschwindend kleiner Teil der Drogen
ist bis jetzt chemisch durchforscht, bei den untersuchten sind oft
nur einige wenige oder gar nur ein Bestandteil gut studiert. Darauf
kommt es aber bei der Pharmakochemie (im Gegensatz zur Phytochemie)
nicht an. Sie muß -- und so faßten ihre Aufgabe schon die älteren
Pharmakochemiker, wie ~Trommsdorff~, ~Pelletier~, ~John~ auf --
das Ensemble möglichst aller Bestandteile kennen lehren, denn die
Wirkung der Droge ist nur selten das Korrelat eines Bestandteils,
und meist eine Mischwirkung. Deshalb ist auch die Arbeitsweise
bei pharmakochemischen Arbeiten eine andere, wie bei gewöhnlichen
phytochemischen. Der Abbau des Drogenauszuges wird zur Hauptsache,
das genaue rein chemische Studium eines isolierten Körpers und die
Ermittelung seiner Konstitution Nebensache. Das sind dann Aufgaben,
die eher der reinen Chemie zufallen, aber natürlich auch vom
Pharmakochemiker gelöst werden können und gelöst werden sollen, wenn
er die nötige Schulung besitzt. Denn auch in der Pharmakochemie ist
man längst von der Reaktionschemie abgekommen und begnügt sich nur
dort mit Reaktionen, wo ein anderer Weg noch nicht gangbar ist. Oft
ist es schon jetzt möglich geworden, die Ergebnisse rein theoretischer
pharmakochemischer Forschung auch praktisch zu verwerten. Zunächst ist
ja das chemische Studium einer Droge oder eines ihrer Bestandteile
reine Wissenschaft, es führt aber zur angewandten, beispielsweise durch
Verwertung der Resultate zur chemischen Wertbestimmung und weiter
zur Beurteilung der Einsammlungszeit u. dergl. m. Zahlreiche Drogen
stehen ja schon jetzt unter ständiger chemischer Kontrolle. Man muß
geschulter Chemiker sein, um Pharmakochemie wissenschaftlich treiben
zu können, denn besondere Methoden gibt es in der Pharmakochemie
nicht. Es muß dies deshalb betont werden, weil sich vielfach in den
Kreisen der Chemiker die Ansicht breit macht, es gäbe eine besondere
-- natürlich minderwertige -- «Apothekerchemie», und Botaniker
bisweilen in wegwerfender Weise von einer «Apothekerbotanik» sprechen.
Diese irrige Ansicht, die auf den Erfahrungen einer vergangenen Zeit
beruht, wird dadurch am besten bekämpft, daß der Dilettantismus in der
Pharmakobotanik und Pharmakochemie dauernd überwunden und nur botanisch
und chemisch vollwertige Arbeit in der Pharmakognosie geleistet wird.
~Flückiger~ ging nicht ganz so weit wie ich hier gehe. Er meinte, die
Pharmakognosie solle nur die chemischen Bestandteile aufzählen, die
Lücken andeuten und zu ihrer Ausfüllung beitragen oder anregen, die
+erschöpfende+ Behandlung der chemischen Bestandteile wies er der
Chemie zu. Der +Mikrochemie+ sollte noch mehr Beachtung geschenkt
werden als seither geschehen ist, denn es eröffnet sich hier die
Möglichkeit, den Sitz der sog. wirksamen Bestandteile zu ermitteln.

+Physikalische Methoden+ werden nur selten in der Pharmakognosie
benutzt. Immerhin sind das Kolorimeter, der Polarisations- und der
Spektralapparat schon oft sowohl in der reinen wie in der angewandten
Pharmakognosie mit Erfolg herangezogen worden.

Von großer Bedeutung ist die +Geographie+ für die Pharmakognosie. Sie
sollte auch in den Vorlesungen viel mehr als bisher berücksichtigt
werden. Die Kenntnis der Produktionsländer, der Ausfuhrhäfen und
der Handelswege gehört zu einer erschöpfenden Behandlung der
Droge. Und auch die Kulturen der Heil- und Nutzpflanzen sind ohne
pflanzengeographische und klimatologische Kenntnisse nicht verständlich.

Sehr schwierige Gebiete sind +Geschichte+ und +Linguistik der Drogen+,
z. B. die Etymologie der Namen. Um sie als Forscher treiben zu können,
muß man außer Pharmakognost (und Botaniker) auch geschulter Historiker
und Sprachforscher sein. Das dürfte sich selten zusammenfinden, und so
gibt es denn auf diesem Gebiete die meisten Irrtümer (denn auch ein
Historiker und Linguist, der nicht Pharmakognost ist, irrt oft auf
diesem Boden) und das meiste ist noch zu tun. Merkwürdig ist es, daß
jeder Pharmakognost, fast ohne es zu wollen, ganz unwillkürlich zu
historischen Studien geführt wird. Kein Gebiet ladet ja so sehr dazu
ein wie gerade das uralte der Heilpflanzen und Drogen.

Fast ganz vernachlässigt wurde bisher das Studium der +Verpackungen+
der Drogen. Der erste Versuch, sie zu sammeln, zu beschreiben und
übersichtlich zu gruppieren, wurde 1893 im pharmazeutischen Institute
in Bern gemacht. Zum vollständigen Bilde einer Droge gehören auch sie.

Da ich den «praktischen Zweck», von dem ~Wigand~ spricht, aus den
Aufgaben der +reinen+ Pharmakognosie ausschalte, könnte man fragen, ob
denn überhaupt die Pharmakognosie als selbständige +reine Wissenschaft+
Existenzberechtigung hat, da ja ihr botanischer Teil von Botanikern,
ihr chemischer von Chemikern, ihr handelsstatistischer von Kaufleuten,
ihr handelsgeographischer von Geographen, ihr historischer von
Historikern betrieben werden könne. Und es hat ja auch nicht an
Befürwortern gefehlt, die diese Teilung anstreben möchten. Aber die
Selbständigkeit der Pharmakognosie als reine Wissenschaft hat die
gleiche Berechtigung wie die Selbständigkeit der Pharmakologie und der
Geographie. Die Pharmakologie setzt sich auch aus heterogenen Elementen
(Chemie, Physik, Physiologie, Anatomie) zusammen, und verfolgt zunächst
auch nur rein wissenschaftliche Ziele. Sie ist als eine «angewandte
Physiologie» bezeichnet worden und doch wird jetzt keiner mehr ihr den
Charakter einer selbständigen reinen Wissenschaft absprechen. Auch der
Arzt hört auf der Universität reine Pharmakologie und treibt in der
Praxis angewandte. Ebenso stecken in der Geographie ein ganzes Bündel
von Wissenschaften (Geologie, Botanik, Zoologie, Meteorologie) und doch
ist ihr selbständiger Charakter jetzt allgemein anerkannt.

[Illustration: Fig. 2.

+Dioscurides+ und die +Heuresis+ mit der _Mandragora_, zu deren
Füssen ein sich in Schmerzen krümmender Hund. Aus dem Wiener Codex
Constantinopolitan. des +Dioscurides+ (512 n. Chr.) verkleinert.]

Bei der Pharmakognosie sammeln sich alle Hilfswissenschaften in dem
Brennpunkte der Pharmazie. +Die ganze Ausbildung des Apothekers
prädestiniert ihn zum Pharmakognosten+, wie den Arzt zum Pharmakologen,
und es sollten sich daher die Pharmakognosten nur aus Apothekern
rekrutieren, da nur diese in allen, oder doch wenigstens in den
hauptsächlichsten Hilfswissenschaften der Pharmakognosie gleichmäßig
ausgebildet werden. Ich verkenne ja keineswegs die große Bedeutung der
+angewandten Pharmakognosie+. Aber genau so wie der Mediziner reine
Anatomie und Physiologie des Menschen hören muß, bevor er sie praktisch
anwendet, genau so muß der Apotheker reine Pharmakognosie hören, bevor
er in der Praxis angewandte treibt. Es muß also auch Vertreter der
reinen Pharmakognosie, muß eine wissenschaftliche Pharmakognosie geben,
wie es eine reine Anatomie und Physiologie geben muß. Sie darf nicht
von vornherein eine angewandte Wissenschaft sein. Das hieße das Pferd
am Schwanze aufzäumen. Kein Chemiker wird doch mit der angewandten
Chemie beginnen. Die angewandte pharmazeutische Chemie war solange
eine rein empirische Pröbelei, als sie sich nicht auf die reine
Chemie stützte und sie zur Voraussetzung hatte. Und so ist ein wahrer
Fortschritt in der angewandten Pharmakognosie nur möglich, wenn die
reine Pharmakognosie als +reine Wissenschaft+ betrieben wird. Die Ziele
der reinen Pharmakognosie aber sind einfach und klar vorgezeichnet und
so wissenschaftliche, wie die aller anderen naturwissenschaftlichen
Disziplinen.

[Illustration: Fig. 3.

+Valerius Cordus+ (1515–1544).]

[Illustration: Fig. 4.

+Nicolaus Monardes+ (1493–1578).]

[Illustration: Fig. 5.

+Carolus Clusius+ (1526–1609).]

Von allen drei Disziplinen: Pharmazie, Pharmakognosie und
pharmazeutische Chemie ist die Pharmakognosie die älteste, die
pharmazeutische Chemie die jüngste. Die Rhizotomen waren die ersten
Pharmakognosten, die ersten berufsmäßigen Kenner, Sammler und
Beschreiber von Arzneipflanzen (_Rhizotomica_) und ~Dioskurides~ der
erste hervorragende Lehrer der Pharmakognosie, da er zum Zwecke der
Lehre Heilpflanzen beschrieb. Neue Impulse erhielt dann die Lehre
von den Arzneipflanzen durch die Araber, die als die Schöpfer der
Pharmazie in unserem Sinne, der dritten Schwester, betrachtet werden
können, obwohl die pharmazeutische Kunst sehr viel älter ist, und
wie uns die Tempelinschriften, die Papyri und die Keilschrifttafeln
lehren, schon 3000 v. Chr. geübt wurde. ~Ibn Baitars~ Kitāb al-dschāmi
al-kabīr (+liber magnae collectionis+) ist das bedeutendste Werk der
arabischen Pharmakognosie, aber doch viel zu sehr auf fremde Autorität
und zu wenig auf eigene Beobachtung aufgebaut. Die Pharmakognosie
blieb lange eine «philologische» Wissenschaft. Als die eigentlichen
+Patres pharmacognosiae+ müssen wir ~Monardes~, ~Clusius~ und ~Cordus~
betrachten. Sie stellten die eigene Beobachtung in die erste Reihe. Bei
ihnen finden wir die ersten gedruckten, nach der Natur gezeichneten
Abbildungen von Drogen und Heilpflanzen. Es war die Entdeckung
Amerikas und des Seeweges nach Ostindien, die der Pharmakognosie
neues Leben eingehaucht, ja sie eigentlich erst geschaffen hat. Aus
dieser Zeit stammt denn auch die Errichtung des ersten Lehrstuhls der
Pharmakognosie «+lectura simplicium+» 1533, in Padua, den ~Buonafede~
innehatte, der also der erste Professor der Pharmakognosie war.
Dann blieb sie lange stehen, bis auf ~Pomet~, ~Nicolaus Lémery~
und ~Etienne François Geoffroy~, denen wir die ersten Lehrbücher
der Pharmakognosie verdanken. Die beiden letztgenannten waren aus
dem Apothekerstande hervorgegangene Ärzte, und bis in unsere Zeit
haben sich zahlreiche Ärzte als Pharmakognosten erfolgreich betätigt
(~Pereira~, ~Dierbach~, ~Schroff~, ~Phoebus~, ~Vogl~, ~Moeller~).
~Pereiras~ «+Elements of materia medica+»(1839) ist das beste Erzeugnis
dieser Periode. Eine neue Epoche bezeichnet dann ~Guibourf~, der die
Pharmakognosie, ganz losgelöst von der Medizin, als eine eigene, eine
pharmazeutische Disziplin auffaßte, aber ohne ihren ganzen Gehalt
auszuschöpfen. Dann trat die Pharmakognosie in ihre botanische Periode.
An ihrem Anfang stehen die Namen ~Nees von Esenbeck~ und ~Jussieu~,
und in ihrem Verlaufe waren es ~Schleiden~ und ~Berg~, ~Wigand~ und
~Oudemans~, ~Fristedt~ und ~Hanbury~, die am Ausbau der Pharmakognosie
als botanische Disziplin mit großem Erfolge arbeiteten. Durch sie
erhielt die Pharmakobotanik erst ihre eigentliche Gestaltung. Die
Pharmakognosie verdankt ihnen außerordentlich viel. Die Einführung
der Lupe und des Mikroskopes eröffnete neue Gebiete. Aber die
Pharmakochemie kam zu kurz dabei. Es darf wohl auf den Einfluß, den die
mächtig vorwärtsdrängende Chemie auf alle Gebiete der Naturforschung
in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrh. übte, zurückzuführen sein, daß
sich auch auf dem Gebiete der Pharmakognosie chemische Aspirationen
bemerklich machten. Es ist ~Flückigers~ Verdienst der Pharmakochemie
als gleichberechtigter Hilfswissenschaft neben der Pharmakobotanik zu
der ihr zukommenden Bedeutung verholfen, gleichzeitig aber auch das
Gesamtgebiet der Pharmakognosie durch Heranziehung von Geographie und
Geschichte, Handelswissenschaft und Linguistik erweitert zu haben.
+Die wissenschaftliche Pharmakognosie im modernen Sinne datiert von
ihm und seinem «Lehrbuch der Pharmakognosie»+, das zum ersten Male
alle Teile des Faches gleichmäßig behandelt. Es war nun nur noch
nötig, die Einzelfächer weiter zu vertiefen, in die Pharmakochemie die
Methoden der modernen Chemie, in die Pharmakobotanik die Methoden
der modernen Botanik (z. B. die Entwicklungsgeschichte) einzuführen
und die Einzelbeschreibungen unter allgemeinen Gesichtspunkten
zusammenzufassen, also von der Analyse zur Synthese vorzuschreiten,
um die Pharmakognosie auf die Höhe einer mit den anderen
Naturwissenschaften ganz gleichwertigen Wissenschaft zu erheben.

So ist die moderne wissenschaftliche Pharmakognosie, nicht nur wegen
der engen Beziehungen zur +Heil+kunde und der großen praktischen
Bedeutung der angewandten Pharmakognosie für das öffentliche Leben die
wertvollste -- nennt sie doch ~A. P. de Candolle~ «die unmittelbar
nützlichste unter den menschlichen Kenntnissen»-- wegen der Zahl ihrer
Hilfswissenschaften, die umfassendste, und wegen des wissenschaftlichen
Wertes der letzteren, die tiefgründigste, sondern auch die bei weitem
interessanteste der drei pharmazeutischen Disziplinen -- allerdings
auch die am schwierigsten zu bewältigende. Eine wahre scientia regia!
-- und historisch betrachtet, wie ~Schleiden~ sagt, «+die Mutter aller
naturwissenschaftlichen Disziplinen+».

[Illustration: Fig. 6.

Lectura simplicium im XVI. Jahrh. Holzschnitt aus dem +Ortus
sanitatis+.]

Jetzt steht sie freilich noch wenig beachtet im Winkel, aber es
wird schon wieder eine Zeit kommen, in der man den Arzneidrogen und
Heilpflanzen, deren Verwendung so alt ist wie das Menschengeschlecht,
mehr Beachtung schenkt wie heute. Und wenn sich die Drogenkunde erst
voll zur Drogenwissenschaft ausgewachsen hat, dann wird ihr auch der
ihr zukommende Platz +neben+ der Chemie und Botanik und nicht +unter+
ihnen angewiesen werden.

Vielleicht grünet, das jetzt herfürkeimet mit der Zeit (~Paracelsus~).



                        «Je niedriger die Kulturstufe eines Volkes
                        ist, desto kleiner ist die Zahl der Pflanzen,
                        die für die praktischen Bedürfnisse der Menschen
                        verwendet werden.»
                                                      ~Björkman~.


II. Die Objekte der Pharmakognosie.


1. Die Droge.

In der oben (S. 6) gegebenen Definition des Begriffes und der Aufgaben
der Pharmakognosie sind die Objekte der Behandlung kurzweg „Drogen“
genannt worden. Der Ausdruck ist in seiner Ableitung nicht ganz klar.

  Im Französischen schreibt man drogue, droguiste, im Italienischen:
  droga, drogheria, im Spanischen: droga, drogueria, im Holländischen:
  droge, drogist, im Englischen: drug, druggist. Welcher Stamm aber
  dem Worte Droge zugrunde liegt, ist unsicher. Die einen (~Frisch~,
  ~Diez~) leiten das Wort von dem deutschen drog, droge, droêge,
  drög = trocken ab (im Niederdeutschen: droog, sächsisch: drêge,
  berndeutsch: troche, alt-bayrisch-österreichisch (Buch d. Natur):
  trucken, trücken, alt-englisch: dréze, holländisch: trook, in der
  heutigen Niederlausitzer Volkssprache: tre oder trëe); andere von dem
  keltischen droch = schlecht, noch andere von dem illyrischen drug =
  kostbar oder dem persischen (?) drogua = Betrug.

  Es erscheint, wie ~Flückiger~ bemerkt, nicht sehr wahrscheinlich,
  daß die romanischen Sprachen das Wort aus den germanischen
  herübergenommen haben. Denn es waren zuerst romanische Völker
  (Italiener, Portugiesen, Spanier), die die Drogen nach Deutschland,
  Holland und England brachten. Doch ist es nicht ohne Beispiel, daß
  eine Bezeichnung von den Empfängern gegeben und von den Liefernden
  übernommen wurde.

  Nur in England ist das Wort sicher bis in den Anfang des XIV. Jahrh.
  zurück zu verfolgen. In +Close Roll+ I Edw. III. 1. mem. 32 (einem
  Jahrbuch aus der Regierung Eduard III.) aus dem Jahre 1327 findet
  sich die Stelle: «Novem balas de +drogges+ de spicerie», dann 1386
  oder 1388 (bei ~Chaucer Canterbury~ +Tales Prol.+ 426 Apothecaries):
  «to send him +drogges+» und 1398 (in ~Trevisas~ +Übersetz. d.
  Bartholomaeus de proprietatibus rerum+, gedr. 1495): «of stronge
  +drouges+». Dann auch 1513 (in ~Douglas~, +Aeneis+): «huilsum of
  small as ony spicery, Tryakle, +droggis+ or electuary», und 1655 in
  ~Thomas Gage~, +New survey of the West-Indias+ XVII: «+drugs+ for
  Chocolatte, also Apothecary drugs as Zarzaparilla». (Hier werden also
  bereits die «Arzneidrogen» von den anderen unterschieden!) Außer
  diesen Formen findet sich im Englischen noch: drogis, drougges,
  droigis, drugges, drougs, druggs, drogs, drugge, ja sogar später auch
  die Formen drogue und drogues! Das Wort war also im XIV. Jahrh. schon
  in England gebräuchlich und zwar in der ältesten Form ohne u.

  Bei den lateinisch schreibenden Schriftstellern läßt sich das Wort
  Drogue bestimmt nicht weiter als bis ins XV. Jahrh. verfolgen. Es
  findet sich im +Dispensatorium ad aromatarios+ des ~Pseudo-Nicolai~,
  eines unbekannten Verfassers (Lugd. 1536) einer Kompilation aus dem
  XV. (?) Jahrh. (in einzelnen Teilen aber wohl älter). Dort heißt es:
  «Et voco +droguas+ medicinas magni precii quae ad nos deferentur
  a longinquis partibus», und der Verfasser zählt folgende «Drogen»
  auf: _Ambra_, _Amomum_, _Balsamus_, _Bombax_, _Ben album_ und
  _rubrum_, _Blacte bisaucie_, _Carpobalsamum_, _Camphora_, _Cassia
  lignea_, _Calamus aromaticus_, _Cardamomum_, _Cinnamomum_, _Cubebae_,
  _Celtica_, _Crocus_, _Doronicum_, _Folia_, _Galanga_, _Gariofili_,
  _Lapdanum_, _Lign. Aloes_, _Macis_, _Muscus_, _Malabatrum_, _Nux
  indica_, _Nux muscata_, _Piper_, _Ribes_, _Spica Nardi_, _Spongia_,
  _Spuma maris_, _Unicornum_, _Zinziber_, _Zedoaria_, _Zuccara_.

  Das sind, wie ~Flückiger~ (Arch. d. Pharm. 1881) bemerkt, in
  der Mehrzahl Aromata und auch ~Garcia da Orta~ betrachtet diese
  Eigenschaft als wesentlich für den Begriff Droge: «aromaticum voco
  non odoratum -- quod vulgo +droguam+ vocant» (in der ~Clusius~schen
  Übersetzung, im spanischen Original steht droga, nicht drogua).

  Es würde also ursprünglich das Wort Drogua oder Droga für einen
  wertvollen Arzneirohstoff, vorwiegend aus der Gruppe der Aromata
  gebraucht worden sein, wie das noch heute in dem illyrischen Worte
  für Droge dragomiris (drug = kostbar, miris = wohlriechend) zum
  Ausdrucke kommt. Doch scheint man auch schon im XVI. Jahrh. das
  «trocken» als wesentlich für den Begriff Droge betrachtet zu haben,
  da ~Marco Guazzo~, wo er davon spricht, daß die «+Drogherie+» der
  Drogensammlung (Spetieria) des ~Buonafede~ in Padua durch die Schiffe
  der Venetianer geliefert werden müssen, ausdrücklich von «cose secche
  di levante» spricht.

  ~Husemann~ meint, daß die oben genannte Stelle im Dispensatorium
  des ~Pseudo-Nicolaus~ der Ort sei, wo das Wort zuerst auftritt und
  von dem Verfasser wohl erfunden sei («et voco»). Der Verfasser ist
  unbekannt, könnte aber nach Lage der Sache ein im Orient lebender
  Kompilator sein oder ein aus orientalischen Quellen schöpfender, so
  daß der orientalische Ursprung des Wortes doch nicht ganz unmöglich
  wäre. (Sein Werk muß jedenfalls höher hinauf als ins XV. Jahrh.
  gesetzt werden, wohin es ~Choulant~ verweist.) Doch fehlt das Wort
  sowohl in den arabischen, spanisch-arabischen, algerischen und
  ägyptischen, persischen und türkischen Lexicis (~Hess~).

  In Italien scheint schon im XV. Jahrh. der Ausdruck droga ganz
  gebräuchlich gewesen zu sein.

  In +Convent. Saonae+ (1526) findet sich die Stelle: «pro quibuscunque
  generibus specierum s. aromatum et drogariarum», und +Drogaria+
  wird in ~Canges~ Glossar. mediae et infimae latinitatis definiert:
  «aroma quodvis materia ex qua medicamenta et aliae compositiones
  conficiuntur».

  In Frankreich findet sich das Wort «drogue» mit u (Provenc.: drogua)
  zuerst im XIV. Jahrh. in Nat. à l’alch. err.: «dissoudre et distiller
  Tes drogues pour les congeler Par alambics» (~Littré~). Dann im XV.
  Jahrh. bei ~Basselin~: «il n’y a chez l’apothicaire De drogue»,
  auch 1484 in einer Verordnung über das Meisterstück der Apotheker,
  wo verlangt werden: «cognoissances de drogues». Im XVII. Jahrh. ist
  es allgemein gebräuchlich und wird z. B. auf den Titeln der Werke
  ~Pomets~ und ~Lémerys~ benutzt.

  ~Littré~ denkt bei der Ableitung auch an drwg (kelt. kimry), droug,
  drouk (breton.) und droch (irländ.), was soviel wie eine schlecht
  schmeckende Substanz (tout ce qui est mauvais) bedeutet, und von ihm
  auf den gewöhnlich schlechten Geschmack der Arznei bezogen wird (?).
  Merkwürdigerweise wird der Ausdruck drogue in Frankreich auch für ein
  eingekerbtes Holzstück benutzt, das dem Verlierer bei einem gewissen
  Spiele auf die Nase geklemmt wird!

  In Deutschland scheint die Bezeichnung Drogist oder Trochist
  älter zu sein wie Droge. -- Droge kommt im Altdeutschen und
  Mittelhochdeutschen nicht vor, auch nicht in den Arzneibüchern des
  XVI. Jahrh. und wird erst im XVII. Jahrh. gebräuchlich, so daß
  ~Hörnig~ noch 1646 den Trochisten von den Trochisci viperini, die
  er einzuführen habe, ableiten konnte, was aber offenbar falsch ist
  (~Husemann~).

Ziehen wir aus Vorstehendem die Schlüsse, so müssen wir zugeben, daß
die Herkunft des Wortes +Droge+, das wir in deutschen Texten am besten
wohl ohne u schreiben werden, unsicher ist. Es war schon im Anfang des
XIV. Jahrh. in der Form drogge in England und zu gleicher Zeit in der
Form drogue in Frankreich ganz gebräuchlich, dürfte daher kaum von dem
Kompilator des +Dispensatorium ad aromatarios+ erfunden sein, bei dem
sich die Worte «et voco» wohl nur auf die Form «drogua» beziehen.

Die alten Griechen sprachen von ὕλη, d. h. Rohstoff (ursprünglich Holz)
und nannten einen arzneilichen Rohstoff ὕλη ἰατρική -- so z. B. auf
dem Titel von ~Dioskurides~ Arzneimittellehre. ~Galen~ braucht diese
Worte als identisch mit materia medica. Die Lateiner des Mittelalters
nannten die arzneilichen Rohstoffe Simplicia, im Gegensatz zu den
zusammengesetzten Arzneimitteln (Composita), dieser Ausdruck findet
sich, wie es scheint, noch nicht im IV. Jahrh. -- ~Apulejus Barbarus~
schreibt z. B. de medicaminibus herbarum, ~Placitus Papyriensis~ de
medicamentis ex animalibus -- aber noch auf zahlreichen Schriften «de
simplicibus» im XV. und XVI. Jahrh. und verschwindet allmählich erst im
XVIII. Jahrh. Immerhin nennt noch 1730 ~Neumann~ die Drogen Simplicia,
~Valentini~ gab 1716 eine +Historia simplicium reformata+ und ~Monti~
1724 +Exoticorum simplicium varii indices+ heraus.

In Holland ist bei den Apothekern der Ausdruck Simplicia für Drogen
noch heute in Anwendung und auch in Frankreich nennt man sie
«médicaments simples».

Berühmt ist des ~Matthäus Platearius~ +liber de simplici medicina+
(Circa instans) aus dem XII. Jahrh., und auch bei ~Constantinus
Africanus~ (XI. Jahrh.) findet sich ein Abschnitt +de gradibus
simplicium+. Der ~Macer Floridus~ aus dem X. Jahrh. schreibt aber noch
de viribus oder de virtutibus herbarum.

Im +Dispensatorium Nicolai+ (XII. Jahrh.) beginnt das erste Kapitel:
«Medicina alia est simplex, alia composita. Simplex est quae talis
qualis eam natura produxit vel quae artificio paratur sine alterius
admistione talis autem est sicut piper, scammonea et multae in hunc
modum».

In diesen Worten liegt eine Definition des Wortes Simplicia und damit
auch des Wortes Droge, die an Klarheit nichts zu wünschen übrig läßt.

Da in dem jetzigen Sprachgebrauch das Wort «Droge» für alle Rohstoffe,
mit Ausnahme der mineralischen, angewendet wird -- und zwar für
trockene, im Gegensatz zu frischen Pflanzen und Tieren -- empfiehlt
es sich, die technischen Rohstoffe als technische Drogen von den
arzneilichen Rohstoffen, den =Arzneidrogen=, abzutrennen. Die
Pharmakognosie beschäftigt sich, wie schon ihr Name sagt, nur mit
den letzteren. Doch fasse ich den Begriff ziemlich weit und werde im
Folgenden z. B. auch die Genußmittel (z. B. die Purindrogen), die
ja auch gelegentlich Heilmittel sind und auch manches andere, z. B.
einige Klebemittel, Farbstoffe usw. mit hineinziehen, da sich ja
ganz scharfe Grenzen auch hier nicht ziehen lassen, und die Lehre
von den technischen Rohstoffen auch vielfach auf pharmakognostisches
Gebiet übergreift. Aber ich möchte doch nicht unterlassen zu betonen,
daß die Verwendung des _Pfeffer_ als Gewürz, der _Quebracho_- und
_Eichenrinde_ als Gerbemittel, von _Catechu_, _Rhabarber_, _Kamala_,
_Indigo_, _Tournesol_ in der Färberei, des _Meccabalsam_, _Perubalsam_
und _Weihrauch_ zu rituellen Zwecken, des _Mohn_ zum Bestreuen von
Backwerk, des _Sandelholz_ zu kunstgewerblichen Gegenständen, der
_Hopfendrüsen_ in der Brauerei, eigentlich schon außerhalb der
Pharmakognosie liegt. Endlich werden auch die Drogen noch eingehend
behandelt werden, die zwar selbst mehr und mehr aus dem Handel
verschwinden, die aber Ausgangsmaterialien für die Darstellung
wichtiger chemischer Heilmittel bilden (_Cina_, _Podophyllum_, _Fol.
cocae_).

«Freilich muß zugestanden werden, daß erhebliche Willkür in der
Abgrenzung und Behandlung des pharmakognostischen Lehrstoffes nicht
auszuschließen ist. Die Pharmakognosie ist keineswegs ein scharf
begrenzter Wissenszweig, und darin liegt eben das Wesen und wohl auch
ein besonderer Reiz des Faches, daß er die Hilfsmittel verschiedener
Disziplinen zu dem einen Zwecke gründlicher Kenntnis der Rohstoffe
des Arzneischatzes oder sonst vom Standpunkte der Pharmazie aus
wichtiger Pflanzenteile oder Produkte verwertet»(~Flückiger-Tschirch~,
Grundlagen).

Zu den +Arzneidrogen+ gehören nun aber sowohl die Pflanzendrogen wie
die Tierdrogen, die arzneilich angewendet werden; also wenn man alle
jemals arzneilich angewendeten Vertreter beider Reiche herbeizieht,
ein ungeheueres Material. ~Dioscurides~ führt bereits gegen 500
Heilpflanzen auf, bei ~Plinius~ finden sich gegen 1000, bei ~Kaspar
Bauhin~ ca. 6000 Pflanzennamen, überwiegend auch Heilpflanzen, die
Alphita (XIII. Jahrhundert) verzeichnet 645, bei ~Cordus~ finden
sich rund 800. In ~Schröders~ +Pharmacopoea medico-chymica+ (1641),
die ca. 6000 Simplicia enthält, figurieren noch 150 Arzneistoffe aus
dem Tierreiche. Noch ~Berg~ und ~Wittstein~ behandeln eine recht
stattliche Anzahl. Diese nach Hunderten zählenden Arzneidrogen in der
oben charakterisierten Weise wissenschaftlich abzuhandeln, nach allen
Richtungen genau zu beschreiben, ist für einen Einzelnen ein Ding
der Unmöglichkeit, da die überwiegende Zahl noch gar nicht genauer
untersucht ist. Es ist aber auch gar nicht nötig, da die Zahl der
noch heute wirklich arzneilich angewendeten Drogen relativ gering
ist. Während die Gesamtzahl der seit dem Altertum jemals auf der Erde
arzneilich benutzten Pflanzendrogen nach der ~Dragendorff~schen Liste
(in den «+Heilpflanzen+», 1898) über 12700 beträgt -- ~Pickering~ führt
gar in seiner allerdings unkritischen +History of plants+ (Boston 1879)
ca. 15000 Arznei- und Nutzpflanzen auf -- werden jetzt in Deutschland,
wie aus den Preislisten der Großdrogenhäuser hervorgeht, nur etwa 800
benutzt, und die Pharmakopoeen enthalten noch sehr viel weniger, das
deutsche Arzneibuch IV 166 (dazu kommen im Ergänzungsbuch noch 171),
die Edit. quarta der Pharmac. helvet. 218 Heilpflanzen und Drogen.
Da es der modernen Heilkunde widerstrebt, Arzneidrogen zu benutzen,
deren Zusammensetzung unbekannt oder ungenügend bekannt ist, hat sich
die Zahl der von den Ärzten angewendeten Arzneidrogen seit der Mitte
des XIX. Jahrh. fortdauernd verringert. Nur das Volk benutzt noch
zahlreiche Pflanzen, die es teils selbst sammelt, teils kauft. In
diese Verhältnisse erhält man erst einen Einblick, wenn man sich die
Verkaufsziffern sog. obsoleter Drogen von einer größeren Drogenfirma
verschafft. Man ist erstaunt, aus denselben zu ersehen, daß oft von
den obsoletesten noch viele Zentner jährlich abgesetzt werden und doch
kauft das Volk nur einen Teil beim Drogisten, viele werden in den
Bauerngärten für den Hausgebrauch gebaut und die wildwachsenden selbst
gesammelt. Einen Teil der «obsoleten» Drogen verwendet übrigens die
Spezialitätenfabrikation.

Ich werde mich in diesem Handbuche auf die wichtigsten Drogen
beschränken, diese aber eingehender behandeln.

Ausgeschlossen sind jetzt von der Pharmakognosie die +Mineralien+,
die «lapides» der früheren Autoren, von denen die oben erwähnte
~Schröder~sche +Pharmakopoee+ noch 30 enthielt und alle +chemischen
Präparate+ und +chemischen Rohstoffe+, die der pharmazeutischen Chemie
zuzuweisen sind.

In den «Grundlagen» haben wir uns dahin ausgesprochen, daß die
Substanzen auszuschließen seien, von denen die Chemie schon allein
imstande ist, eine erschöpfende Schilderung zu gewähren, wie die Fette,
Wachse, ätherischen Öle, Zuckerarten u. dergl. Ich möchte sie jedoch,
soweit sie medizinische Anwendung finden, einschließen und nur die
technischen Produkte der chemischen Rohstofflehre überweisen. Übrigens
will ja auch ~Flückiger~ Ausnahmen zulassen.

Ganz ausgeschlossen werden die Bauhölzer und das Papier, während die
Gespinstfasern wegen ihrer vielen Beziehungen zur Medizin -- die
Baumwolle steht ja sogar in den Pharmakopoeen -- wenigstens teilweise
behandelt werden müssen.

Einige Drogen sind beides, technische und Arzneidrogen. Von
Arzneidrogen, die gleichzeitig z. B. auch als Farbdrogen zu betrachten
sind, sei der _Rhabarber_, die _Hydrastis_ und die _Calumbawurzel_
genannt. Der (europäische) _Rhabarber_ ist in der Lyoner Seidenfärberei
noch bis heute in Benutzung.

So spinnen sich zwischen der technischen und der medizinischen
Rohstofflehre Fäden hinüber und herüber und es verwischen sich die
Grenzen. Keinesfalls erscheint es aber zulässig, daß die technischen
Rohstoffe einfach kurzweg als «Rohstoffe» bezeichnet werden, wie dies
auf dem Titel von ~Wiesners~ Buche: +Die Rohstoffe+ geschieht. Zu den
Rohstoffen gehören unbedingt auch die Arzneidrogen, die ja schon von
~Dioscurides~«arzneiliche Rohstoffe»genannt wurden.

Die +Stellung der Arzneidrogen im Systeme der Arzneimittel+ überhaupt
geht aus folgender Übersicht hervor, die ich für die schweizerische
Pharmacopoee (Edit. IV, 1907) entworfen habe.

+Arzneimittel+ (Arzneistoffe, Arzneisubstanzen, Arzneien, Medikamente)
sind Substanzen oder Substanzgemenge, welche zur Verhütung oder
Beseitigung abnormer Zustände oder Vorgänge im menschlichen oder
tierischen Organismus oder zur Beschwichtigung störender, unangenehmer
oder gefährlicher Erscheinungen in Anwendung gezogen werden. Sie
zerfallen in folgende Kategorien:

  I.  In solche, die nicht in eine +Arzneiform+ gebracht worden
      sind (Arzneiwaren).

      a) +Chemikalien+ mit Einschluß der anorganischen und organischen
         chemischen Präparate.

      b) Pflanzliche und tierische +Rohstoffe+ oder +Arzneidrogen+.

  II. In solche, die in eine Arzneiform gebracht worden sind.

      a) +Einfache Arzneimittel.+

         1. Die einfachen +pharmazeutischen+ oder +galenischen
            Präparate+.

         2. Die organotherapeutischen, serumtherapeutischen,
            bakteriotherapeutischen und verwandten Präparate.

      b) +Zusammengesetzte Arzneimittel+, aus mehreren Substanzen oder
         einfachen Arzneimitteln oder beiden zusammengesetzte
         Mischungen.


2. Paralleldrogen und Quid pro quo.

Die Organisation der menschlichen Rassen ist so wenig verschieden,
daß auf der ganzen Erde bei allen Menschen ungefähr die gleichen
Bedürfnisse nach bestimmten Genuß- und Heilmitteln bestehen. Da jedoch
die Flora der Erde, die diese Genuß- und Heilmittel liefert, nicht
überall dieselbe ist, so findet man auch nicht überall die gleichen
Heilpflanzen. Das bestehende Bedürfnis kann nun auf doppelte Weise
befriedigt werden, entweder durch Einfuhr der Droge von außen oder
durch Aufsuchen von Paralleldrogen in der Heimat.

Die Einfuhr der Droge setzt das Bestehen von Handelsbeziehungen
voraus. So gelangten viele wertvolle Drogen und Gewürze schon im
Altertum aus Indien und Afrika in die Mittelmeerländer. Der _Costus_,
der _Weihrauch_, die _Myrrha_, die _Asa foetida_, der _Zimt_ sind im
Mittelmeergebiet nicht heimisch. Aber oft genug haben ganz isoliert
wohnende Völker, von einem natürlichen Instinkte geleitet, von sich
aus Heil- und Nutzpflanzen in der Flora ihrer Heimat aufgefunden, die
in der Wirkung im allgemeinen mit denen übereinstimmten, die andere
ebenso isoliert wohnende in ihrer Heimat auffanden. So entstanden, aus
demselben Bedürfnisse geboren, die =Paralleldrogen=. Das klassische
Beispiel bilden die Glieder der Gruppe der Purindrogen, die sämtlich,
wie wir jetzt wissen, ihre Wirkung Purinkörpern verdanken. Das
wußten aber die Völker nicht und wissen es auch heute nicht. Der
Abyssinier hat die _Kaffeepflanze_, der Assamit den _Teestrauch_, der
Zentralafrikaner die _Kolanuß_, der Bewohner des Amazonasgebietes die
_Guarana_, der Zentralamerikaner den _Kakao_, der Brasilianer den
_Mate_ aufgefunden und in Benutzung genommen, ohne davon eine Ahnung zu
haben, daß anderwärts Drogen mit ähnlichen Bestandteilen und ähnlicher
Wirkung in ähnlicher Weise benutzt werden. Es bestand ein Bedürfnis
nach Anregungsmitteln und dies wurde aus der Flora des eigenen Landes
gedeckt. Ein natürlicher Instinkt leitete das Volk und eine lange,
einzelne Erfahrungstatsachen allmählich summierende Erfahrung tat
das übrige. Ähnlich ist es mit den Bandwurmmitteln der Filixgruppe.
Hier sehen wir in Europa _Aspidium Filix Mas_, in Finland und
Schweden _Aspidium spinulosum_, in Südafrika _Aspidium athamanticum_
(die _Panna_), in Nordamerika _Aspidium marginale_ und _goldieanum_
dem gleichen Zwecke dienen, ohne daß das eine Volk vom anderen und
seinen Bandwurmmitteln etwas wußte. Ähnlich verhält es sich mit den
_Terpentinen_, dem amerikanischen, französischen und Tiroler (Lärchen-)
_Terpentin_; mit dem kleinasiatischen, dem amerikanischen und
Formosa-_Styrax_; mit _Podophyllum Emodi_ in Indien und _Podophyllum
peltatum_ in Amerika; mit _Cort. frangulae_ und _Cascara Sagrada_; mit
der _Rhiz. veratri alb._ Europas und der _Rhiz. veratri virid_. in
Amerika. Die genannten sind Paralleldrogen, ein Ausdruck, der, soviel
ich weiß, zuerst von ~Hartwich~ in dem Buche «+Die neuen Arzneidrogen+»
(Berlin 1897) benutzt wurde. Der Ausdruck Ersatzdrogen, den ~Hartwich~
auch benutzt, ist weniger glücklich gewählt, da er voraussetzt, daß die
eine die Hauptdroge, die andere das Ersatzmittel, gewissermaßen also
nur ein Surrogat ist.

Die oben erwähnten Beispiele stellen also nur eine besondere Form der
Paralleldrogen dar. Sie wurden gewissermaßen unbewußt gefunden. Man
ging nicht etwa darauf aus, ein Bandwurmmittel oder ein Anregungsmittel
zu suchen und musterte die ganze Flora daraufhin durch, sondern man
beobachtete wohl einmal bei einem ganz gelegentlichen Genusse die
eigenartige Wirkung, verfolgte die Sache weiter und kam so in den
Besitz des Mittels.

Diesen aus dem Volke heraus geborenen Paralleldrogen stehen nun die
bewußt gesuchten gegenüber. Dieselben datieren aus neuerer Zeit,
sind aber zahlreicher als die vom Volke gefundenen, allerdings dafür
auch in ihrem Werte umstrittener. Zu den Genußmitteln und Taeniciden
traten die Herzmittel, die einen Ersatz der _Digitalis_ oder eine
verbesserte Auflage derselben bilden sollten, die Abführmittel «ohne
schädliche Nebenwirkung», die _Stomachica_, die _Diuretica_ u. a. m.
Aber nur wenige derselben haben sich bisher behauptet und sind als ein
bleibender Erwerb des Arzneischatzes zu betrachten. Immerhin soll auch
ihnen im Folgenden Aufmerksamkeit gewidmet werden. Bestrebungen, die
erst der neuesten Zeit angehören, sind die, welche darauf abzielen,
für natürliche Pflanzenstoffe künstliche Ersatzmittel synthetisch
darzustellen. So hat man für _Chinin_, _Emodin_ u. and. Ersatzmittel
darzustellen versucht, ist aber meist zu ganz neuen pharmakologischen
Individuen gelangt mit neuen Eigenschaften. Diese Bestrebungen liegen
schon außerhalb des Rahmens der Pharmakognosie.

Der +Heilpflanzenschatz des Volkes+ ist noch lange nicht
ausgeschöpft und für die Heilkunde wirklich nutzbar gemacht. Wenn
die wissenschaftliche Medizin wieder mehr als heute zu den Drogen
zurückgekehrt sein und die lange Liste, die ~Dragendorff~ in seinen
+Heilpflanzen+ mitteilt, vorurteilslos durchmustern wird, dürfte
sie manch eine finden, an der man jetzt während der Jagd nach neuen
chemischen Heilmitteln achtlos vorübergeht. Dann werden sich nicht
nur Paralleldrogen, sondern ganz neue pharmakologische Individuen
finden, die aller Beachtung wert sind. Denn auch die Paralleldrogen
sind doch niemals miteinander ganz identisch, sind nur ähnlich und
jede zeigt wieder ihre besonderen Eigenheiten. _Kaffee_, _Tee_,
_Kakao_, _Guarana_, _Kola_ und _Mate_ enthalten zwar alle Körper der
Puringruppe, aber die begleitenden anderen Substanzen modifizieren so
außerordentlich die Wirkung, daß keines dem anderen gleicht.

Nicht nur bei uns aber finden sich noch brauchbare, wenig beachtete
Heilpflanzen, auch in den übrigen Weltteilen hat das Volk vieles
entdeckt, was der wissenschaftlichen Heilkunde von Nutzen sein kann. Es
gab aber auch wenigstens ehedem Leute, die die z. B. aus der Entdeckung
Amerikas und der Auffindung des Seeweges nach Ostindien herrührende
Vergrößerung des Arzneischatzes mit kritischen Augen ansahen und sich
nichts Gutes davon versprachen, daß die Bewohner gemäßigter Klimate mit
tropischen Heilmitteln behandelt wurden.

Auch ~Paracelsus~ bemerkt: «Wie kann man Krankheiten, die in
Deutschland auftreten, durch Arzneimittel heilen, die Gott am Nil
wachsen läßt».

Die uns heute so merkwürdig anmutende Idee, daß die Heilmittel der
Völker, die in gemäßigten Klimaten wohnen, nur im gemäßigten Klima
gesucht werden dürfen, und daß die Pflanzen der Tropen nur Heilmittel
für tropische Völker sein können, war im Beginn des XVI. Jahrh. weit
verbreitet.

«Dieu et nature ont donné à chascune province ce que est nécessaire
pour la vie de celle region: car Dieu et nature ne abondent en choses
superflues ne délaissent en choses nécessaires et utiles aux vivans»,
sagt z. B. ~Symphorien Champier~, der Verfasser des +Myrouel des
Appothiquaires+, Lyon 1532 (oder 1533).

Dies merkwürdige Buch -- eine spätere Auflage trägt den Titel «+Le
Mirouer des Apothiquaires+» -- ist von dem Lyoner Arzte ~Champier~
(Campese, Champerius, Camperius, Campegius, Campesius) (* 1471, †
1540) verfaßt und uns durch ~Dorveaux~ (Paris, Welter 1895) zugänglich
geworden. Er hält dem Apotheker (Apothecarius, Pharmacopola) einen
Spiegel (Myrouel = miroir) vor und weist, kräftig polemisch, auf
zahlreiche wirkliche oder vermeintliche Irrtümer in der materia
medica hin. Aber nicht nur in diesem, mehr noch in anderen Werken:
+Castigationes+ (Lyon 1532), +Hortus gallicus+ (Lugdun. 1533), +De
gallica theriaca+ (Lugdun. 1533) vertritt ~Champier~ die Ansicht, daß
man die Heilmittel für Frankreichs Söhne in Frankreich suchen müsse. Er
macht auch die verschiedensten Vorschläge. In den beiden letztgenannten
Werken finden sich Kapitel «Analogia Medicinarum Judarum et Gallicarum»
-- «Simplicia quae maxime valent contra veniem et quae in Gallia
reperiuntur». _Lärchenschwamm_ soll den _Rhabarber_, _Flieder_ die
_Aloe_, _Helleborus_ das _Scammonium_, die _Pflaumen_ die _Tamarinde_
ersetzen.

Das war nun freilich auch im XVI. Jahrh. nichts Neues mehr. Denn
bekanntlich besitzen wir schon von ~Galen~ ein (übrigens wahrscheinlich
unechtes, d. h. ihm nicht zuzuschreibendes) Werk, περὶ ἀντεμβαλλομένων,
und auch die Araber (wie z. B. ~Avicenna~ und ~Abul Muna~ in seinem
+Minhag ed dukkân+) und die ganze Salernitaner Schule lehrten, daß die
Verwendung der naturgemäß meist (aber nicht immer) der heimischen Flora
entnommenen +Succedanea quid pro quo+ oder +Antiballomena+ zulässig
sei. Dem +Antidotarium+ ~Nicolai~ war gewöhnlich ein +Tractatus
quid pro quo+ angehängt, ebenso dem +Ricettario fiorentino+ und dem
+Dispensatorium des+ ~Cordus~, in dem z. B. (Autor: ~Sylvius~)
als erlaubt bezeichnet wird _bittere Mandeln_ durch _Absinth_,
_Coloquinten_ durch _Ricinus_, _Ingwer_ durch _Pyrethrum_, _Zedoaria_
durch _Aristolochia_ zu ersetzen. Und auch in dem +Compendium
aromatariorum+ des ~Saladin von Ascolo~ (XV. Jahrh.), «dem ersten
wirklichen Apothekerbuche in unserem modernen Sinne», ist als vierter
Abschnitt ein quid pro quo eingefügt. Anfänge eines quid pro quo
finden wir übrigens schon in einem griechischen Zauberpapyrus, den
~Leemann~ und ~Dieterich~ bekannt machten. In ihm finden sich auch
Arzneidoppelbenennungen. Die Umnennung von Arzneistoffen in Rezepten
ist also schon altägyptisch (~Oefele~).

Auch noch in späterer Zeit sind Bestrebungen aufgetaucht, die
ausländischen Drogen durch heimische zu ersetzen. ~Tabernaemontanus~
vertrat in seinem +Kräuterbuch+ diese Idee in Deutschland,
~Bartholinus~ in der +Epistola de simplicibus medicamentis+ Hafn.
1669 in Dänemark, ~Beverovicius~ in Holland, ~Jean Praevotius~ in
Italien. Aus der Schweiz stammt ein Schriftchen von ~Jac. Constant
de Rebecque~«+Essay de la Pharmacopée des Suisses+: En laquelle l’on
prétend faire voir que les Médicaments qui naissent en Suisse ou d’eux
mêmes ou par artifice, sont suffisans pour composer une Pharmacopée
entière et pour la guerison de toutes les maladies du Corps humain,
Berne 1709», und aus Belgien: ~François Xavier Burtin~’s «+Mémoire
sur la question: Quels sont les végétaux indigènes que l’on pourrait
substituer dans les Pays-Bas aux végétaux exotiques relativement aux
différens usages de la vie?+ Bruxelles 1784», sowie ~Pierre Engelbert
Wauters~ gekrönte Preisschrift «+Repertorium remediorum indigenorum
exoticis in medicina substituendorum+, Gaud. 1810», und «+de plantis
belgicis in locum exoticarum sufficiendis+, Gaud. 1785».

Besonders aber in Frankreich fand die Lehre von der Ersetzbarkeit der
ausländischen Simplicia durch einheimische auch dann noch Vertreter,
als Frankreich selbst schon Kolonien besaß; ja bis in die allerneueste
Zeit. Außer ~Champier~ (s. oben) traten besonders dafür ein ~Antoine
Constantin Garidel~ (+Histoire des plantes+, Aix 1715), sowie ~Coste~
und ~Willemet~ (+Matière médicale indigène+ ou traité d. plant. nation.
substit. avec succès à des végét. exot., Nancy 1793), ferner ~P. H.
H. Bodart~ (+Cours d. bot. méd. comparée+ ou exposé des substances
végétales exotiques comp. aux plant. indigènes, Paris 1810) und ~J. L.
A. Loiseleur-Deslongchamps~ (+Flora gallica+ 1806, +Hist. médic. des
succédanées+ 1830 und +Herbier général de l’amateur+ 1816, 1832 und
1839), sowie in neuester Zeit ~F. J. Cazin~ in seinem +Traité pratique
et raisonné de l’emploi des plantes médicinales indigènes+ (Paris 1850.
Fünfte Auflage 1886) und ~Gribault~ und ~Bouyssons~ in den +Plantes
médicinales indigènes+ (Paris 1905). Und der Apotheker ~Mouchon~ hat
1856 ein Schriftchen verfaßt: +Monographie des principaux fébrifuges
indigènes considérés comme succédanés du quinquina+, in dem er eine
ganze Reihe von Ersatzmitteln der _Chinarinde_ aufführt, die aber alle
nicht im entferntesten dies Standard-Heilmittel ersetzen können.

Dem Aufsuchen eines heimischen Ersatzmittels für den teuren indischen
Zucker aus Zuckerrohr verdankt ja auch die Rübenzuckerindustrie ihre
Entstehung. ~Marggraf~ fand 1747 dieselbe Zuckerart (Rohrzucker) in
vielen heimischen Pflanzen.

Das Bestreben, den Arzneibedarf des Landes im Lande selbst zu decken,
tritt auch in unserer Zeit vielfach hervor. «Schutzzoll!» «Schutz
für die heimische Industrie» sind Schlagworte geworden. Und so tönt
denn auch da und dort auch der Ruf: «Fort mit den ausländischen
Arzneipflanzen! Decken wir den eigenen Bedarf im eigenen Lande!»
Solche Bestrebungen treten z. B. neuerdings in Nordamerika hervor.
In Frankreich in dem erweiterten Sinne, daß die These: «Alles aus
Frankreich und seinen Kolonien!» auch in allerneuester Zeit von vielen.
z. B. von ~Heckel~, verfochten wird. Der Chinese verwendet seit
Jahrhunderten fast nur chinesische Drogen, wenigstens nur solche, die
in China gebaut werden. Der Drogenschatz Chinas hat seit Jahrhunderten
keine Bereicherung von außen her erfahren.

Der Sache liegt ja ein brauchbarer Gedanke zugrunde, indem bei uns
besonders in der letzten Zeit die fremden Drogen gegenüber den
einheimischen über Gebühr bevorzugt wurden -- man verfiel eben in
das entgegengesetzte Extrem -- und sicher auch die heimische Flora
manch brauchbares Arzneimittel liefern kann. Ich erinnere nur an das
ganz obsolet gewordene _Equisetum_, das ein ganz ausgezeichnetes
Diureticum ist. Aber wer wollte heutzutage auf _Rhabarber_ und _Aloe_,
_China_ und _Ipecacuanha_, _Calabarbohnen_ und _Coca_, _Strophanthus_
und _Cubeben_, _Hydrastis_ und _Senna_, die sicher alle den alten
Ehrentitel der «medicinae benedictae» verdienen, verzichten? Gewiß kann
man in +manchen Fällen+ _Cascara Sagrada_ durch _Rhamnus Frangula_
ersetzen und auch an den Anbau von _Rheum palmatum_ in einigen Gebirgen
Europas denken -- wozu schon ~Constant~ 1709 riet --, aber die
einheimischen Pflanzendrogen sind doch nicht eigentlich Ersatzmittel
der ausländischen, sondern +besondere+, in vielen Fällen gewiß sehr
der Beachtung werte pharmakologische Individuen und die tropischen
Heilpflanzen lassen sich nie und nimmermehr bei uns kultivieren.

Bei einem Heilmittel frägt man heutzutage nicht mehr woher es kommt,
sondern ob es wirksam ist.

  Eine sehr originelle Bestimmung hat das +Indian and Colonial Addendum
  der British Pharmacopoeia+. Es führt offizielle Ersatzmittel einiger
  in der britischen Pharmacopoee enthaltenen Drogen auf, +die aber nur
  in den jeweils näher bezeichneten Teilen des britischen Weltreiches
  als Ersatz dispensiert werden dürfen+. Das Addendum stellt folgende
  Zonen auf:

  1. Indien, 2. Afrikanische Kolonien, 3. Australische Kolonien, 4.
  Östliche Kolonien, 5. Mittelmeer-Kolonien, 6. Nordamerikanische
  Kolonien, 7. Westindische Kolonien.

  So darf z. B. _Cort. quercus_ in 1, 3 und 4 durch _Cort. Acaciae_,
  _Rad. senegae_ in 1 und 4 durch das Kraut von _Acalypha indica_,
  _Chirata_ in 1 und 4 durch _Andrographis paniculata_, _Rhiz.
  serpentariae_ in 1 und 4 durch Stengel und Wurzel von _Aristolochia
  indica_, _Rhiz. Arnicae_ in 6 durch _Flores Arnicae_, _Cort. fructus
  aurantii_ in 1 und 4 durch die Fruchtschale indischer _Citrusarten_,
  _Lignum quassiae_ in 1 und 4 durch die Rinde von _Melia azadirachta_,
  _Malabar-Kino_ in 1 und 4 durch das Kino von _Butea frondosa_, in 3
  durch _Eucalyptus-Kino_, _Santonin_ in 1 und 4 durch _Buteasamen_,
  _Gambier_ in 1, 4 und 6 durch _Cutch, Rad. Pareirae_ in 1 und 4
  durch die Wurzel von _Cissampelos Pareira_, _Rad. calumbae_ in
  1 und 4 durch die Stengel von _Coscinium fenestratum_, _Folia
  belladonnae_ in 1, 4 und 7 durch die Blätter von _Datura fastuosa
  var. alba_ ~Nees~ und _D. Metel_ L., _Kusso_ und _Filix_ in 1 und
  4 durch _Embeliafrüchte_, _Secale cornutum_ in 1, 4, 6 und 7 durch
  die Wurzel von _Gossypium herbaceum_, _Gummi arabicum_ in 1 und 4
  durch _Indisches Gummi_ von _Anogeissus latifolia_, _Sem. lini_
  durch _Plantago ovata_, _Tub. jalapae_ in 1 und 4 durch die Samen
  von _Ipomoea hederacea_, _Gallae_ in 1 und 4 durch _Myrobalanen_,
  _Ol. olivarum_ in 1, 2, 3 und 4 durch _Ol. arachidis_, _Rad.
  sassafras_ in 3 durch die Rinde von _Cinnamomum Oliveri_ ~Bailey~,
  _Rhiz. podophylli_ in 1 und 4 durch das Rhizom von _Podophyllum
  Emodi_ ~Wallich~, _Lignum Campechianum_ in 1 und 4 durch das Holz
  von _Caesalpinia Sappan_ L., _Rad. calumbae_ durch die Stengel von
  _Tinospora cordifolia_, _Cortex cuspariae_ durch die Wurzel von
  _Toddalia aculeata_, _Tubera Jalapae_ in 1, 4 und 6 durch _Rad.
  Turpethi_, _Rad. Ipecacuanhae_ in 1 und 4 durch die Blätter von
  _Tylophora asthmatica_, _Bulbus Scillae_ in 1 und 4 durch die
  Zwiebeln von _Urginea indica_, _Rad. valerianae_ in 1 und 4 durch das
  Rhizom von _Valeriana Wallichii_ DC. ersetzt werden.

  Diese Liste stellt also ein ganz modernes, aus dem XX. Jahrh.
  stammendes Quid pro quo dar, das allerdings durch die enorme
  Ausdehnung des britischen Reiches bedingt ist und gerechtfertigt
  werden kann, letzteres allerdings wohl nicht in allen Punkten.

Die +Antiballomena+ oder +Succedanea quid pro quo+ waren ursprünglich
nicht pharmakologischen Bestrebungen entsprungen, sondern einer
Notlage, die daher kam, daß es für den Apotheker in damaliger Zeit,
besonders bei den unvollkommenen Verkehrsverhältnissen, nicht immer
leicht war, die in den Dispensatorien vorgeschriebenen vielen Hunderte
von Heilpflanzen und Drogen zu beschaffen, die ihm zudem meist nur
durch den Namen, den sie trugen, nicht durch eine klare und sichere
Beschreibung bekannt waren, deren Namen zudem so wechselnd und in ihrer
Synonymie so schwankend waren, daß die Beaufsichtiger der Apotheken im
XV. und XVI. Jahrh. jedem Apotheker die Anschaffung eines Synonymariums
oder Glossariums zur Pflicht machen mußten. Heutzutage ist die
Verwendung der Succedanea mit Recht verboten, da ja bei der geringen
Zahl und leichten Beschaffbarkeit, sowie der scharfen Charakterisierung
der Drogen ein Notstand nicht besteht. Aber wir können uns doch den
in den oben zitierten Werken liegenden fruchtbaren Gedanken zunutze
machen und mehr als bisher in der heimischen Flora nach brauchbaren
Heilpflanzen suchen. Dort werden sich nicht nur Paralleldrogen und
Succedanea längst auch von der Schulmedizin anerkannter Arzneipflanzen,
sondern auch neue pharmakologische Individuen finden. Um sie
aufzusuchen, brauchen wir nur einmal ein solches altes Verzeichnis der
Succedanea, wie es den Antidotarien angehängt zu werden pflegte (s.
oben), zur Hand zu nehmen. Da findet sich mancher Fingerzeig.

Auch der andere fruchtbare Gedanke, es mit der Kultur ausländischer
Pflanzen bei uns zu versuchen, ist, wennschon, wie erwähnt, nur in
beschränktem Maße, diskutabel.

Außer von Paralleldrogen spricht ~Hartwich~ noch von
Erweiterungsdrogen. «Sie schließen sich den alten an, übertreffen
sie aber in irgend einer Richtung, sei es, daß sie kräftiger und
sicherer wirken, sei es, daß ihnen schädliche Nebenwirkungen beim
Gebrauche abgehen.»Dahin gehören: _Hydrastis_, _Cascara Sagrada_,
_Condurango_, _Strophanthus_. Die Grenze zwischen den Paralleldrogen
und den Erweiterungsdrogen ist vielfach verwischt. _Guarana_ rechnet
z. B. ~Hartwich~ zu den Erweiterungsdrogen, ich zähle sie zu den
Paralleldrogen. Das gleiche gilt von der _Sagrada_.

Als _Strophanthus_ und _Hydrastis_ bekannt wurden, begann man überall
lebhaft nach neuen Pflanzendrogen zu suchen und in der zweiten Hälfte
des XIX. Jahrh. wurden gegen 1500 neue Drogen aus aller Herren Länder
angeboten -- meist solche, die in der Volksmedizin der betreffenden
Länder in Anwendung waren.


3. Entwicklungsgeschichte des Arzneidrogenschatzes.

Die +Entwicklungsgeschichte des Arzneidrogenschatzes+ vollzog sich in
folgenden großen Zügen (das Detail im historischen Teile). Die von den
Ägyptern, Babyloniern und Juden im Altertum benutzten Drogen (_Mastix_,
_Ladanum_, _Lein_, _Mohn_, _Sesam_, _Ricinus_, _Coriander_, _Faenum
graecum_, _Gummi_, _Myrrha_, _Weihrauch_, _Galbanum_, _Curcuma_), zu
denen China den _Zimt_, Vorderasien noch den _Safran_, das _Olivenöl_
und _Aloeholz_, die Phönizier durch ihre Handelsbeziehungen _Aloe_ und
_Ingwer_, sowie den _Costus_ beisteuerten, kamen auf die Griechen, die
den Arzneischatz nicht sehr vermehrten; die Züge Alexanders brachten
ihnen aber z. B. den _Pfeffer_. ~Hippokrates~ kannte nur etwa 60
pflanzliche Simplicia (darunter _Scilla_, _Nieswurz_, _Mandragora_
und _Opium_ -- durch Pressen gewonnen), durch die Weltherrschaft der
Römer, die sie mit fast allen bekannten Völkern in Berührung brachte,
stieg der Bestand des Arzneischatzes rasch und ~Dioscurides~ kannte
schon ca. 800 Arzneipflanzen (darunter _Absinth_, _Agaricum_, _Kalmus_,
_Bdellium_, _Cardamomen_, _Iris_, _Levisticum_, _Salep_). Auch das
_Süßholz_, _Cort. granati_, _Euphorbium_, _Castoreum_, _Sandarac_,
_Scammonium_, _Terebinthina_, _Traganth_, _Succus liquiritiae_,
_Styrax_ und _Rhiz. filicis_ wurden damals bekannt Diesen fügten dann
die Araber _Tamarinden_, _Fruct. Sennae_, _Rhabarber_, _Myrobalanen_,
_Sem. strychni_, _Cubeben_, _Nelken_, _Narde_, _Galgant_, _Campher_
hinzu. Im späteren Mittelalter trat dann noch _Cina_ dazu und nun kamen
auch die zahllosen heimischen Arzneipflanzen zu Ehren (_Pimpinella_,
_Anis_, _Althaea_, _Mentha_, _Petroselinum_, _Rosmarinus_, _Ruta_,
_Salvia_, _Sinapis_, _Inula_, _Thymus_, _Valeriana_, _Aconitum_,
_Conium_, _Daphne_, _Angelica_), einige derselben als Ersatz
orientalischer Drogen, also vom Charakter der Paralleldrogen (z. B.
_Carum carvi_ für _Cyminum_). Die Schule von Salerno brachte die
schon früher bekannte _Asa foetida_ und _Ammoniacum_ zu Ehren und
fügte _Benzoe_, _Fol. Sennae_, _Macis_ und _Sanguis draconis_
hinzu, die Kreuzzüge die _Agrumi_ (_Citrus_arten), _Zuckerrohr_,
_Baumwolle_ und _Datteln_. Die Entdeckung des Seeweges nach Ostindien
führte dem Arzneischatz _Sternanis_, _Tee_ (1638), _Colombowurzel_,
_Coccelskörner_ und _Gutti_ zu.

Die wertvollste Bereicherung brachte die Entdeckung Amerikas, durch
welche Europa viele neue Drogen erhielt (_Chinarinde_, _Ipecacuanha_,
_Jaborandi_, _Cacao_, _Tabak_, _Peru_-, _Tolu_- und _Copaivabalsam_,
_Jalape_, _Vanille_, _Sabadilla_, _Guajac_, _Cascarilla_, _Elemi_,
_Capsicum_, _Piment_, _Campeche_ und _Fernambuc_, _Sassafras_,
_Sarsaparille_, _Serpentaria_, _Orlean_, _Rhiz. podophylli_).

Da zu den altüberlieferten und amerikanischen nun auch noch immer
mehr einheimische Arzneidrogen traten, erreichte der pflanzliche
Arzneischatz Europas im XVII. und XVIII. Jahrh. seinen Höhepunkt (s.
oben S. 17). Im XIX. Jahrh. trat ein Rückschlag ein, der zunächst zu
einem Zustande des Drogen-Nihilismus, dann aber, als wertvolle neue
Drogen gefunden wurden, zu einer Gegenreaktion führte. Die Drogen
kommen jetzt wieder zu Ehren. Die Entdeckung Australiens brachte das
_Acaroid_, die Neu-Seelands das _Kauriharz_.

Das XVIII. +Jahrh.+ fügte von wertvollen Drogen _Lignum quassiae_
(1730 resp. 1742), _Rad. Senegae_ (1738 ~Tennent~), _Rad. ratanhia_
(1746 ~Reif~), _Capaloe_ (1773), _Herb. menth. pip._ (1705 ~Dale~,
1724 ~Ray~), _Ol. cacao_ (1719 ~de Quelus~), _Rhiz. podophylli_
(1731 ~Catesby~), _Ol. cajeputi_ (1731), _Cort. simarubae_ (1718),
_Spigelia marylandica_ (1739), _Kino_ (1757), _Cort. salicis_ (1763
als _Chinaersatz_), _Rad. calumbae_ (1771), _Ol. jecoris_ (1782),
_Cort. Geoffroyae_ und _Angosturae_ (1788), _Ol. menthae pip._ dem
Arzneischatze ein.

Das XIX. Jahrh.: _Rad. ratanhiae_ (1816), _Cubebae_ (1818), _Herb.
lobeliae_ (1813 ~Cutler~, 1830 in Deutschland), _Malabarkino_
(1811), _Glandulae lupuli_ (1813), _Ol. crotonis_ (1819 ~Conwell~,
1830), _Kusso_ (1822 ~Breyer~, 1834), _Bucco_ (1821), _Spilanthes_
(1823), _Fol. Matico_ (1827 in Amerika, 1839 in Europa eingeführt),
_Quassiabecher_ (1835), _Copalchi_ (1817), _Sem. Calabar_ (1863
~Fraser~), _Coca_ (1860), _Dammar_ (1820, resp. 1827), _Guttapercha_
(1845 resp. 1847), _Kautschuk_ (1840) und _Balata_ (1860), _Quebracho_
(1879), _Condurango_ (1871), _Coto_, _Boldo_, _Damiana_, _Rad.
Gelsemii_ (1830), _Eucalyptus_ (1866), _Guarana_ (1817 ~Cadet
Gassicourt~), _Penghawar Djambi_, _Cascara Sagrada_ (1877, resp.
1883), _Kamala_ (1841), _Japanwachs_ (1846), _Herb. cannab. ind._
und _Rad. sumbul_ (1847), _Piscidia erythrina_ (1835), _Ol. sinapis_
(1836), _Styrax_ (1865), _Carrageen_ (1831 resp. 1834), _Laminaria_
(1834), _Sem. strophanthi_ (1860), _Cort. adstringens_, _Araroba_
(1874), _Palmöl_ (1827), _Patchouli_ (1825, resp. 1844), _Rad.
ozizabae_ (1833), _Tampicojalape_ (1863), _Tupeloholz_ (1879),
_Balsamum Dipterocarpi_ (1842), _Cera japonica_ (1834), _Gallae
chinenses_ (1845), _Fol. jaborandi_ (1871), _Chrysarobin_ (1874),
_Cort. quillajae_ (1857), _Rhiz. hydrastidis_ (1833 in Amerika, 1884
in Europa), _Sem. arecae_ (1803), _Carnaubawachs_ (1846), _Anacahuit_
(1860).

[Illustration: Fig. 7.

Die Erdteile bringen der thronenden Medizin ihre Gaben an
Arzneipflanzen und Tieren dar. Verkleinertes Titelblatt der
Pharmacopoea regia des +Charas+ (1684).]

+Neuesten Datums sind+: _Cort. quillayae_, _Cort. Simarubae_ (erneut
aufgekommen), _Cort. winteranus_, _Cort. piscidiae erythrinae_
(_Dogwood Bark_), _Cort. gossypii radicis_ (_Cotton Root Bark_),
_Agar-Agar_ (1885), _Fol. Boldo_, _Fol. liatris_, _Mate_, _Sem. Colae_
(1880), _Rhiz. podophylli_, _Syzygium Jambolanum_, _Cort. hamamelidis_
(_Witch Hazel Bark_) und _Fol. hamamelidis_, _Cort. monesiae_, _Cort.
rhois aromaticae_, _Cort. Yohimbéhé_, _Herb. grindel. robust._, _Herb.
capillor. canad._, _Yerba Santa_, _Rad. Kawa Kawa_, _Rad. Manaca_,
_Ustilago Maidis_.

Noch wenig studiert ist +die Abhängigkeit der Entwicklung des
Arzneidrogengebrauches von Klima und Boden+. Nur bezüglich der
Fiebermittel wissen wir Einiges.

Eine sehr bemerkenswerte Erscheinung ist die, daß =altbekannte Drogen
oft lange Zeit vergessen waren, dann aber von neuem entdeckt und wieder
zu Ehren gezogen wurden=.

So kamen z. B. _Conium_, _Aconit_, _Hyoscyamus_, _Stramonium_,
_Datura_ und _Veratrum_, die lange vernachlässigt wurden, 1760 wieder
durch ~Störck~ zu Ehren, das schon den Ägyptern bekannte, dann lange
vergessene _Ricinusöl_ 1764 durch ~Cauvane~, die schon ~Celsus~
bekannte _Cort. granati_ 1805 durch ~Buchanan~, der von den Arabern
längst benutzte _indische Hanf_ 1839 durch ~O’Shanghnessy~, die schon
seit Jahrhunderten bekannte _Digitalis_ erst 1785 durch ~Withering~,
die _Fructus quercus_ und das _Ledum palustre_ erst 1774, die schon
1671 von ~Redi~ beschriebene, dann vergessene _Colombowurzel_ 1773
durch ~Percival~, die schon von ~Tabernaemontanus~ angewandte _Viola
tricolor_ erst 1782 durch ~Strack~ von neuem zu Ehren. Auch das schon
den Alten (und auch in China) bekannte, dann von ~Lonicerus~ (1582),
~Thalius~ (1588) und ~Camerarius~ (1709) angewendete _Mutterkorn_
wurde eigentlich erst im XIX. Jahrh. Arzneimittel, der _Giftlattich_
und das _Lactucarium_ waren schon den Alten bekannt, gerieten dann in
Vergessenheit und wurden erst Anfang des XIX. Jahrh. wieder arzneilich
benutzt. _Styrax_ war lange vergessen und wurde erst wieder seit der
Mitte des XIX. Jahrh. medizinisch beachtet. Auch die schon den Alten
wohlbekannte _Herbstzeitlose_ ist erst in neuester Zeit wieder -- als
Gichtmittel -- zu Ehren gekommen, trotzdem der Samen schon 1820 (die
Knollen 1763) empfohlen wurden.

Das den Alten auch bezüglich seiner taeniciden Wirkung wohlbekannte
_Filix_rhizom wurde jahrhundertelang wenig beachtet und erlangte erst
seit Einführung des _Extr. filicis aethereum_ (1825) wieder Bedeutung,
wie das _Mutterkorn_ durch die Darstellung der _Ergotin Bonjean_ (1842).

Vom _Aconit_, der den Alten wohlbekannt, dann lange vernachlässigt
war, werden die Blätter seit 1762, die Knollen erst in unserer Zeit als
Arzneimittel benutzt.

Die _Cubeben_, im Mittelalter als Gewürz beliebt, wurden dann vergessen
und kamen erst 1818 wieder zu Ansehn, und zwar als Arzneimittel.

Das _Opium_, den Alten bekannt und gut von dem μηκώνειον, dem
Extrakte der ganzen Mohnpflanze, unterschieden, ist während des
ganzen Mittelalters vernachlässigt worden und erst in neuerer Zeit,
seit ~Sertürner~ in ihm (1811) das +Morphin+ entdeckt hatte, mehr
beachtet und dann bald als eines der wichtigsten Heilmittel erkannt
worden. Es gehört jetzt zu den sex principes simplicium: _Rhabarber_,
_Ipecacuanha_, _Chinarinde_, _Opium_, _Digitalis_, _Secale cornutum_.

Oft hat übrigens ein =Wechsel in der Benutzung der Organe einer
Arzneipflanze= im Laufe der Jahrhunderte stattgefunden. So wurde
im Altertum das Öl der Samen von _Hyoscyamus_, nicht der Same, im
Mittelalter vorwiegend die Blätter, Samen und Wurzeln von _Verbascum_,
nicht die Blüten und von der _Malve_ die Samen und die Wurzel,
nicht die Blüten und Blätter verwendet (vgl. die ~Cordus~-Liste im
historischen Teil).

Auch sonst ist bei den Drogen bisweilen ein =Wechsel in der botanischen
Herkunft= zu konstatieren. So wurde ursprünglich (vom VI. Jahrh. an)
der _Borneo_- (_Dryobalanops-_)_Campher_, später (vom XVII. Jahrh. an)
der _Laurineen-Campher_ in Europa benutzt. Das Drachenblut der Alten
stammte von _Dracaena cinnabari_, das jetzt im Handel befindliche
stammt von _Daemonorops Draco_. Wahrscheinlich wurde auch die _Aloe_
der Alten von einer anderen _Aloe_ bereitet als die heutige. Die im
Altertum benutzten _Cardamomen_ waren nicht die von uns gebrauchten
von _Elettaria Cardamomum_, sondern die anderer Arten. Unter _Styrax_
verstand man im phönizischen Altertum das feste Harz von _Styrax
officinalis_, erst seit dem VI. Jahrh. den flüssigen Balsam von
_Liquidambar orientalis_. Das Altertum verwendete als Bilsenkraut
hauptsächlich _Hyoscyamus albus_, als Stechapfel besonders _Datura
Metel_.

Natürlich hat auch die =Wertschätzung einzelner Drogen= im Laufe der
Zeit so abgenommen, daß sie jetzt als obsolet zu betrachten sind
oder doch nur noch in geringem Ansehn bei der Schulmedizin stehen.
Der im Altertum und Mittelalter hochgeschätzte _Meccabalsam_, das
ehedem mit Gold aufgewogene _Silphium_, der _Costus_, die edle
_Narde_, die ewige Jugend bringende _Soma_, die heilige _Mistel_, die
_Myrobalanen_ und die vielgepriesene _Mandragora_ sind jetzt ganz oder
fast ganz vergessen, und auch _Guajac_, _Sarsaparille_ und _Tubera
chinae_, an die sich im XVI. Jahrh. so außerordentliche Hoffnungen
für die Behandlung der Syphilis knüpften, sind durch das Quecksilber
entthront. Nur das Volk, das zäh an seinen Gewohnheiten festhält, und
die Naturheilkünstler benutzen noch die zahllosen Kräuter unserer
Flora, die im XV. bis XVIII. Jahrh. so hoch gepriesen und auch von der
damaligen Schulmedizin so viel angewendet wurden; übrigens zweifellos
mehr Wirksames enthalten, wie man heute gewöhnlich meint.

Auch vom Arzneischatze kann man sagen: πάντα ῥεῖ. Es ist alles im Fluß.
Altes versinkt, neues taucht auf und wird durch neuestes verdrängt, bis
man wieder zum Alten greift und Vergessenes zu neuen Ehren bringt. Es
ist ein ständiges auf und ab. Ein Allheilmittel, ein wahres _Opopanax_
(von ὀπός Saft, πᾶν und ἄκη Heilmittel), ein Saft, der alle Krankheiten
heilt, ist noch nicht gefunden und kann nie gefunden werden.

Contra vim mortis nulla herba in hortis! steht schon im +Regimen
sanitatis+.



                              Der Herr läßt die Arznei aus der Erde
                              wachsen und ein Vernünftiger verachtet sie
                              nicht.                +Sirach+ 38, 4.


III. Pharmakoërgasie.

Kultur, Einsammlung und Erntebereitung.


1. Kultur der Arzneipflanzen.

Die +Pharmakoërgasie+ (von φάρμακον und ἐργασία = Kultur) oder
+Arzneipflanzenkultur+ ist kein neuer Zweig der Pharmakognosie, sondern
sehr alt. Wir müssen hier zunächst die zum Zwecke wissenschaftlichen
Studiums unternommene, also gewissermaßen theoretisch-wissenschaftliche
Kultur von Arzneipflanzen ausscheiden. Diese wird weiter unten
besprochen (im Kapitel Pharmakobotanik). Hier interessiert uns nur
der +Anbau zwecks Gewinnung von Drogen+, also der gewissermaßen
praktisch-geschäftliche Drogenanbau. Ganz scharf läßt sich beides
allerdings nicht auseinanderhalten, wenigstens nicht in alter Zeit,
wo es z. B. vielfach vorkam, daß ein Arzt für seinen Privatbedarf
Arzneipflanzen zog und sie dabei natürlich auch studierte.

Der griechischen Sage nach war Iberien und Colchis die Heimat der
Heilpflanzen und es hatte bereits ~Hekate~ (φαρμακίς, s. S. 3) in
Phasis einen von hohen Mauern umschlossenen, von Artemis bewachten
Heilpflanzengarten, in dem _Asphodelos_, _Adiantos_, _Mandragora_,
_Dictamnos_, _Megon_, _Smilax_, _Panakes_, _Stoechas_, _Eurycimon_,
_Aconiton_ und andere Heilkräuter gezogen wurden.

Der +Versuch, Pflanzen außerhalb ihrer Heimat zu kultivieren+, ist
uralt. Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung schon legte die Königin
~Hatschepsut~ ein Treibhaus für Heilpflanzen an und ließ lebende
_Weihrauch_pflanzen mit den Wurzelballen nach Ägypten bringen, um sie
dort zu kultivieren.

Uralt ist die Kultur des _Lein_. _Linum usitatissimum_ ist eins
der allerältesten Kulturgewächse des Orients, z. B. Ägyptens (IV.
Jahrtausend v. Chr.), wie _Linum angustifolium_ (die Urform des _Lein_)
des Nordens. Letzteres wurde z. B., wie Pfahlbaufunde zeigen, in der
jüngeren Steinzeit in der Schweiz gebaut. _Ricinus_ wurde im alten
Ägypten angebaut, wie Gräberfunde von Samen schon aus der Zeit der
XII. Dynastie zeigen. Uralt ist die Kultur der _Indigo_pflanze in
Indien und Ägypten. _Indigo_ läßt sich bereits an Mumien aus dem Jahre
1580 v. Chr. nachweisen. Sehr alt sind auch die _Mohn_kulturen, denn
schon in den Pfahlbauten (c. 2000 v. Chr.) finden sich _Mohnsamen_.
Auch eine _Mohn_kultur zwecks _Opium_gewinnung scheint in den Ländern
südlich vom Schwarzen Meer ziemlich frühzeitig geblüht zu haben. Die
griechische Stadt Sicyon heißt bei ~Hesiod~ +Mekone+, «+Mohnstadt+».
Daß _Pfefferminze_ oder wenigstens eine nahe verwandte _Mentha_art
im alten Ägypten kultiviert wurde, ist durch einen Grabfund aus der
Zeit zwischen 1200 bis 600 v. Chr. und durch Inschriften bezeugt. Noch
älter sind die Zeugnisse für das Vorhandensein einer _Coriander_kultur
daselbst, sowie der Kultur der _Feige_ (XII. Dynastie).

Die Kultur der _Dattel_ schildert bereits ~Theophrast~. Vielleicht
bestand auch bei den Israeliten so etwas wie eine Heilpflanzenkultur
oder doch -pflege, da wiederholt in der Bibel von Würzbergen,
Weihrauchhügeln, Myrrhenbergen die Rede ist (~Schelenz~). Daß bei
Jericho zur Zeit des Herodes «Balsamgärten» bestanden, ist erwiesen.

~Plinius~ gibt zahlreiche Kulturvorschriften. Das ganze 17. Kap. z. B.
handelt von angepflanzten Bäumen und das 19. Kap. von der Kultur der
Gartengewächse. Er gibt auch an, wann einige derselben zuerst nach
Italien gebracht wurden.

Bei Beginn unserer Zeitrechnung muß in Ägypten eine ziemlich
umfangreiche Arzneipflanzenkultur bestanden haben, denn oft wird bei
Drogen (z. B. _Anis_) eine ägyptische Sorte erwähnt.

Auch Kulturen der _Mastix-Pistacie_ bestanden schon im frühen Altertum.

Die _Mandel_ (_nuces_ oder _avellanae graecae_) wurde im Altertum
besonders in Griechenland kultiviert. Der _Weinstock_ wurde durch die
Phönizier zuerst nach den Inseln des Archipelagus und von dort durch
eine Kolonie von Phokiern nach Marseille gebracht. Nach den ersten
griechischen Feldzügen dehnte sich der Weinbau über ganz Süditalien
aus und schon im V. Jahrh. v. Chr. war Italien das Hauptweinland.
_Citrus medica_, die schon ~Theophrast~ beschreibt, wurde im I. Jahrh.
n. Chr. in Italien akklimatisiert, _Pomeranze_ und _Zitrone_ kamen
aber erst zur Zeit der Kreuzzüge nach Italien. (Der Apfel des Paris,
die Äpfel der Hesperiden waren _Quitten_.) Die Kultur der _Orangen_
(_Hesperides_), der ersten und lange Zeit einzigen Gewächshauspflanze,
besang ~Jovianus Pontanus~ in dem Werke +Hesperidum libri+ II, Flor.
1514. Dieser Kultur gedenkt auch ~Monardes~ (1565).

Der Anbau der _Feige_ in Italien scheint in die Zeiten der griechischen
Kolonisation zurückzureichen. Der erste Anbau der _Feige_ in
Griechenland fällt in die späthomerische Zeit (~Hehn~). Die _Mandel_
ist wohl zur Zeit ~Catos~ eingeführt worden. Den Anbau des _Ölbaums_
lernten die Römer von den Griechen zur Zeit der ~Tarquinier~ kennen.
Der _Granatbaum_ war in Italien seit ~Catos~ Zeiten allgemein
verbreitet. Aber erst die Araber brachten das _Zuckerrohr_, die
_Mannaesche_ (?) und die _Baumwollstaude_ nach Sizilien (~Wenrich~).

Im Altertum war +Kreta+ ein bekanntes und zeitweise berühmtes Zentrum
der Arzneipflanzenkultur, gegen dessen Arzneipflanzenmonopol in
späterer Zeit vielfach angekämpft wurde mit der Begründung, daß auch
außerhalb Kretas sicher ebensogute Arzneipflanzen gezogen werden können
(s. Geschichte).

Von den Rhizotomen und wohl auch den Pharmakopolen der Griechen
dürfen wir annehmen, daß sie einige der Pflanzen, die sie den Ärzten
lieferten, anbauten. Daß dies bei den Römern geschah, ist sicher. Das
ersehen wir schon aus den Werken der römischen Schriftsteller über
Landwirtschaft, ~Cato~, ~Varro~, ~Vergil~, ~Columella~, ~Palladius~
u. a., von denen im historischen Teile die Rede sein wird. Bei
~Palladius~ z. B. wird bereits die Kultur von _Anis_, _Coriander_,
_Cydonia_, _Malve_, _Serpyllum_, _Inula_, _Foeniculum_ direkt erwähnt.
Während sich zur Zeit des ~Tarquinius~ (571 v. Chr.) noch kein
_Ölbaum_ in Italien befand, scheint Marseille schon um 600 v. Chr.
solche besessen zu haben, die wohl von den Phöniziern dahin gebracht
wurden. Unter ~Appius Claudius~ waren aber die Ölbaumkulturen in
Italien schon so zahlreich, daß 249 v. Chr. 12 Pfund Öl nur 8 Pfennige
kosteten und unter ~Pompejus~ schon Öl exportiert werden konnte. Die
Gewinnung des _Olivenöls_ schildert ~Plinius~ ausführlich.

Und auch im Orient stoßen wir schon in sehr früher Zeit auf Anfänge
einer Heilpflanzenkultur. Die _Crocus_kultur z. B. läßt sich in Persien
bis ins X. Jahrh. verfolgen (~Edrisi~ und ~Istachri~). Der Kalender des
~Harib~ berichtet von Arzneipflanzenkulturen in Spanien im X. Jahrh.
Es wurde dort _Melisse_, _Majoran_, _Reis_, _Crocus_, _Zuckerrohr_,
_Mohn_, _Senf_ gebaut, und ~Harib~ gibt an, wann diese zu pflanzen oder
zu säen und wann sie zu ernten sind.

Sehr alt ist jedenfalls auch die Tabakkultur in Südamerika, die sich
schon vor der Entdeckung Amerikas auch nach Nordamerika bis nach
Canada hin verbreitet hatte. Das alte Mexiko besaß nicht nur die
berühmten königlichen Gärten von Hoaxtepec (bei Mexiko), über die schon
~Cortés~ 1522 an Kaiser Karl V. berichtete und in denen z. B. der
_Perubalsambaum_ (Huitziloxitl) gezogen wurde, sondern auch zahlreiche
andere, vorwiegend der Arzneipflanzenkultur dienende botanische Gärten.
~Fernandez~ berichtet (1514–1523) von Cacaogärten in Mexiko.

Den Garten der Königin ~Ultrogotho~ in Paris (um 560) kennen wir aus
~Fortunatus~ Gedichten.

Die Teekultur in China -- die Teepflanze stammt aus Assam -- ist
alt. Sie scheint bis ins IV. Jahrh. zurückzureichen (?), doch erst
im IX. Jahrh. größeren Umfang angenommen zu haben. In Japan begann
umfangreichere Teekultur erst im XV. Jahrh.

Jedenfalls uralt ist die Kultur der _Hennah_ (_Lawsonia alba_), die
schon in sehr früher Zeit sich von Persien über Indien und Nordafrika
verbreitete. Sehr alt sind wohl auch die Kulturen der als Zuspeise
benutzten _Angelica_ in Island und Norwegen.

Der Anbau des _Krapp_, der ebenfalls schon im Altertum kultiviert
wurde, wurde von ~Karl dem Grossen~ empfohlen, verbreitete sich aber
in Frankreich erst einige Jahrhunderte später, erlosch dann und war im
XVI. Jahrh. fast nur auf Holland beschränkt. Im XVIII. Jahrh. blühte
der Krappbau in Frankreich und wurde von dort aus auch nach dem Elsaß
übertragen. In Böhmen und Schlesien blühte er seit dem XIV. Jahrh.
Den größten Aufschwung nahm der Krappbau im XIX. Jahrh. durch die
Einführung der roten Hosen beim französischen Militär. Jetzt ist er
durch die Entdeckung der künstlichen Darstellung des Alizarins bis auf
kleine Reste vernichtet.

  «Der große Wohlstand, der in den letzten Jahrhunderten des
  Mittelalters in Deutschland herrschte, wurde nicht zum geringsten
  durch den Anbau von Farbpflanzen bedingt»(~Lauterbach~). Es wurden
  in erster Linie _Waid_ (_Isatis tinctoria_), dann _Krapp_ (_Rubia
  tinctorum_), seltener _Wau_ (_Reseda luteola_), _Scharte_ (_Serratula
  tinctoria_) und Färbe-_Ginster_ (_Genista tinctoria_), aber auch
  _Safran_ und _Saflor_ für Färbezwecke gebaut, und Deutschland
  versorgte besonders mit den zuerst genannten auch das Ausland.

  _Waid_, die wichtigste Färbepflanze des Mittelalters, muß aber
  schon von den Briten und Galliern um Christi Geburt gebaut worden
  sein, von den Slaven wohl schon vor ihrer Unterwerfung unter die
  Deutschen. Doch datiert die älteste deutsche Urkunde über größere
  Waidkulturen erst aus dem Jahre 1236. Am Ende des XIII. Jahrh.
  bestand ein umfangreicher Waidbau besonders in Thüringen, dann bei
  Magdeburg, in Sachsen, Braunschweig, Schlesien, am Niederrhein, bei
  Nürnberg und in Österreich. Die Dörfer, die _Waid_ bauten, mußten ein
  bestimmtes Waidgeld entrichten. Die Erfurter «Waidaristokratie»war
  so reich, daß sie 1392 die Mittel für Gründung und später auch für
  Erhaltung der ehedem berühmten Universität Erfurt aufbringen konnte,
  die also gewissermaßen aus den Erträgnissen der Waidkultur errichtet
  wurde. Die Einführung des _Indigo_, die selbst durch die strengsten
  Gegenverordnungen aus dem XVI. und XVII. Jahrh. nicht aufgehalten
  werden konnte, führte zum Untergange der einst so ertragreichen
  Waidanpflanzungen.

  Außer _Waid_ wurde _Krapp_ in Deutschland seit den ältesten Zeiten
  gebaut und seine Kultur, die besonders im XIV. Jahrh. blühte, hielt
  sich am längsten. Die Kultur des _Wau_ scheint dagegen keinen
  größeren Umfang erlangt zu haben.

  Der _Hanf_ ist sehr wahrscheinlich noch vor der Auswanderung der
  Angelsachsen nach Nord-Europa gelangt. Die _Hopfen_kultur wurde aber
  erst im Laufe des Mittelalters in Nord-Europa eingeführt (~Hoops~).

Berühmt und eine der größten Sehenswürdigkeiten des Orients war im
Mittelalter der künstlich angelegte, durch den heiligen Quell aufs
beste bewässerte und sorgfältig bewachte Balsamgarten von +Matarea+,
eine Stunde von Kairo, am Rande der Wüste, in dem die besten
Balsamsträucher der Erde (eine Varietät von _Balsamodendron gileadense_
Kunth) gezogen wurden, die den Sultanen von Ägypten den kostbaren
«Balsam»(_Meccabalsam_) lieferten (Fig. 8).

[Illustration: Fig. 8.

Der Balsamgarten von Matarea mit der Bethalle und (links) dem
Bewässerungswerk. Rechts die Gewinnung des Balsams. Aus +Pomet+, Hist.
gen. des drogues 1694. Verkleinert.]

Im Mittelalter, währenddessen sich ja fast das ganze geistige Leben in
die Klöster zurückgezogen hatte, waren in Europa die +Klostergärten+
(auf die ich im historischen Teile noch zu sprechen komme) Hort und
Hüter, und da die Klöster untereinander in Verbindung standen, auch
Verbreiter der Arzneipflanzenkultur. Daß diese auch außerhalb derselben
blühte, ist wohl das Verdienst des +Capitulare de villis et cortis
imperialibus+ ~Karls des Grossen~, dessen Pflanzen noch heute in den
Bauerngärten Frankreichs, Deutschlands, Österreichs und der Schweiz
den Stamm der dort kultivierten Gewächse bilden. Im Mittelalter waren
auch sog. (schon in Pompeji bekannte) =Viridarien=, die den Bedarf
einer Stadt oder einer Apotheke an Drogen zu decken hatten, häufig und
noch im XV. Jahrh. gehörten sie zu einer wohleingerichteten Apotheke
in Italien und Deutschland. Zweifellos ist der zur Westgotenzeit auf
dem Monte Casino gestiftete +Benediktinerorden+ als gemeinsame Quelle
der altdeutschen Gartenkultur und damit auch der der volkstümlichen
Heilkräuter anzusehen. Er war es, der die Heilpflanzenkultur im
Mittelalter über die Alpen brachte und in den Klostergärten
heimisch machte. Sie ist also ein Erbteil der Römer, die man als
die eigentlichen Schöpfer des Gartenbaues überhaupt betrachten muß
(s. d. historischen Teil). In dem um 1240 geschriebenen Werke +De
vegetabilibus libri+ VII gedenkt der Benediktiner ~Albertus Magnus~ in
dem Kapitel de plantatione viridariorum auch der Arzneipflanzenkultur.

Daß _Crocus_ und _Melisse_ im X. Jahrh. in Spanien, _Isatis tinctoria_
schon 1290 um Erfurt, und _Süßholz_ (ursprünglich auf Befehl der
Kaiserin Kunigunde, «culturam liquiritiae saeculi primum XI initio in
agro Bambergensi instituit S. Cuningundis imperatrix» sagt ~Walafridus
Strabo~) im XV. Jahrh. bei Bamberg gebaut wurde, ist sicher. Aber
noch früher, wohl schon im XIV. Jahrh., wurde Süßholz in Italien
kultiviert (~Crescenti~) und auch die spanischen Kulturen sind sicher
sehr alt. Im XV. Jahrh. brachten es die Benediktiner nach Bamberg,
und schon zu ~Cordus~ Zeiten hatte die Kultur dort großen Umfang
angenommen. Auch in ~Walter Ryff~ +Reformierte deutsche Apotheke+,
Straßburg 1573, finden sich einige Angaben über Arzneipflanzenkulturen,
z. B. von _Süßholz_ bei Bamberg. Arzneipflanzenkulturen bestanden
im XVI. Jahrh. in Deutschland vielfach. So berichtet ~Bock~ über
solche des _Coriander_ (er nennt ihn fälschlich _Anis_) bei Metz
und Trier, solche des _Anis_ bei Straßburg und Speier, solche der
_Mandel_ in der Pfalz. Auch _Melisse_ wurde damals viel kultiviert.
~Sebitz~ scheint 1591 den _Kalmus_ bei Straßburg verbreitet zu haben.
(~Sebitzius~, +de alimentorum facultatibus lib. V. Argent.+ 1650).
~Johann Bauhin~ (+Histor. plant.+ II 1650) verpflanzte den _Kalmus_ aus
süddeutschen Gärten nach Montbéliard. Eingeführt und durch Mitteleuropa
verbreitet wurde der _Kalmus_ um 1564 durch ~Clusius~, +dem um
die Arzneipflanzenkultur viel verdienten pater pharmacognosiae+.
_Amygdalus_ wurde in Straßburg, Breslau und Torgau angebaut,
_Angelica_ bei Stettin, im Harz, in Sachsen und in Steiermark. Auch
_Cardobenedicten_ wurde vielfach gebaut. _Kümmel_, der sicher aus
Kulturen stammte, traf ~Anguillara~ als Großhandelsartikel auf der
Rialtobrücke. _Römische Kamille_ ward bei Stolberg, Torgau, Basel,
Straßburg gebaut. ~R. Cysat~ kultivierte in seinem Garten in Luzern
_Kirschlorbeer_.

Auch über Kulturen von _Angelica_ bei Freiburg besitzen wir Nachrichten
aus der ersten Hälfte des XVI. Jahrh. Sie sind längst eingegangen.
_Anis_ und _Fenchel_ wurde schon im XII. Jahrh. in Castilien und Icon
gebaut, _Iris_ im XIII. Jahrh. in der Umgegend von Florenz. Letzteres
berichtet ~Crescenti~, in dessen landwirtschaftlichem Werke +Opus
ruralium commodorum+ aus dem Jahre 1305 wir überhaupt viele Angaben
über Arznei- und Nutzpflanzenkulturen finden. In +Meddygon Myddfai+
(XIII. Jahrh., s. Geschichte) findet sich die Angabe, daß jeder Arzt
für seinen Gebrauch _Aconit_ anbauen solle.

Ein Zentrum der Arzneipflanzenkultur in Italien war in früherer Zeit
+Aquila+ in der Provinz Abruzzo ulteriore secondo, dem Vestinerland,
wo man z. B. _Crocus_ («Safran vom Adler») viel kultivierte, der auch
in England (zwischen Saffron Walden und Cambridge), in der Schweiz
(Wallis, Basel), in Deutschland (Altenburg, Landau, Worms), in
Niederösterreich (Meissau, Ravelsbach, Krems, Melk, Hürm, Loosdorf,
Tullnerfelde), in Ungarn (Neutra und Premsin), in Frankreich (Agen,
Narbonne) ehedem gebaut wurde. Die Aufführung zahlreicher Sorten
_Safran_ in ~Paxis~ +Tariffa+ (1540) deutet auf eine ausgebreitete
Crocuskultur in Italien im XVI. Jahrh. In Italien wurde _Cassia
obovata_ im XVI. Jahrh. bei Florenz gebaut. Sie hieß«toskanische
Senna»und wurde auch in Südfrankreich und Spanien kultiviert.
_Cassia acutifolia_ hatte ~Anguillara~ 1561 in seinem Garten.
_Indigo_pflanzungen befanden sich gar schon 1239 bei Palermo in
Sizilien. Alle diese Kulturen sind jetzt eingegangen.

Im XV. Jahrh. scheint _Indigo_ auch in Spanien gewonnen worden zu
sein (~Häbler~). Das Zuckerrohr kam im XII. Jahrh. aus Indien zuerst
in das Mittelmeergebiet (Malta oder Melite -- _Saccharum meliteum_
--, Candia -- _S. candum_ --, Sizilien), dann (Anfang des XV. Jahrh.)
auf die Azoren und Canaren -- _Canarizucker_ -- und bereits im XVI.
oder Ende des XV. Jahrh. nach Südamerika und Westindien, wo es sich
rasch akklimatisierte. Über die Einführung der Kultur des Zuckerrohres
nach Frankreich im XVI. Jahrh. berichtet ~Fournier~ (+Bull. de Géogr.
histor.+ 1903).

[Illustration: Fig. 9.

Kräutergarten und Destillierherd. Holzschnitt (um 1530) vom Meister des
Trostspiegels.]

  ~Conrad Gesner~ berichtet in seinen +Horti germanici+ über
  Arzneipflanzenkulturen Mitte des XVI. Jahrh. bei sich selbst
  in Zürich, durch den Arzt ~Occo~, in Straßburg durch den Arzt
  ~Massarius~, in Freiburg im Garten der Mönche, in Rom von ~Scipio~ im
  Garten von St. Apostoli, dann in Florenz in den Gärten der Herzöge,
  in San Gervasio (Venedig) durch den Venezianer ~Petrus Michaelis~ und
  durch den Kaufmann ~Joan. Schmidlappius~ in Schorndorf (Württemberg),
  und teilt die Liste der von diesen dreien kultivierten Pflanzen mit.
  ~Petrus Michaelis~ in Vico S. Gervasio in Venedig kultivierte über
  70 Arzneipflanzen, darunter: _Sementina ex Oriente_, _Canella seu
  Cinnamomum_, _Eugenia caryophyllata_, _Aristolochia_, _Asphodelus_,
  _Carus_, _Daucus creticus_, «_Ficus Aegyptica_», _Faenum graecum_,
  «_Hyoscyamus aegypticus_», _Hyssopus_, _Nardus montana vera_,
  _Mandragora_, _Smilax lenis ex Creta_, _Rhaponticum_, «_Panaces
  Chironium_», _Spina cervina_, _Verbascum viscosum ex Creta_ u. a.
  In den Gärten der Herzöge von Florenz fanden sich: _Myrtus laurea_,
  _Laurocerasus_, _Solanum somniferum verum_, _Thapsia_, _Ferula_,
  _Smilax laevis vera_ und einige andere. In ~Schmidlapps~ Garten waren
  114 Arzneipflanzen, darunter: _Absinthium rom._, _Alcea hortens._,
  _Calendula_, _Caryophyllus turcicus_, _Centaurium majus_, _Coriandrum
  venetum_, _Digitalis Fuchsii major_, _Elleborus alb._ und _nig._,
  _Gentiana_, _Hyoscyamus alb._, _Iris sylvatica_, _Malva crispa_,
  _Melilotus italicus_, _Melissa major_, _Papaver crispum_, _Piper
  indicum_, _Pyrethrum odoratum_, _Solanum indicum_ u. a. Wie wir durch
  ~Bock~ und ~Fuchs~ wissen, wurde zur selben Zeit der nordafrikanische
  _Anacyclus Pyrethrum_ in deutschen und (nach ~Dodonaeus~) auch in
  holländischen Gärten gezogen. ~Rauwolf~ erwähnt (1583) einen Garten
  von Simplicien des Apothekers ~Sebastian Volmar~, Hortulanus des
  Herzogs von Württemberg in Eßlingen.

Sehr frühzeitig sind amerikanische Drogen, Nahrungs- und Genußmittel
nach Europa und Asien übergeführt worden, so früh, daß man für einige,
wie z. B. den _Mais_, die _Ananas_, _Capsicum_ und _Guajac_ früher
sogar asiatischen Ursprung annahm oder sie als an beiden Orten heimisch
betrachtete.

_Ananas_ muß schon 1599 in Java kultiviert worden sein, und um die
gleiche Zeit _Mais_ in China. Und auch in Europa wurden frühzeitig
amerikanische Pflanzen angebaut, so z. B. im +Hortus Eystettensis+
schon Mitte des XVI. Jahrh. _Capsicum_, _Helianthus_, _Nicotiana_,
_Lycopersicum_, _Canna_, _Aloe_.

Den _Tolubalsambaum_ zog der Direktor des Chelseagartens bei London,
~Ph. Miller~, aus Samen, die er 1736 aus Cartagena erhalten.

Die ersten Samen der _Nicotiana Tabacum_ brachte der Franziskaner
~André Thevet~ 1558 nach Europa. ~Jaques Gohory~ kultivierte _Nicotiana
Tabacum_ bereits 1572 in Paris.

Wie aus den Küchenausgaben des Piaristen-Konvents in Szeged vom Jahre
1750 hervorgeht, wurde aber erst zu dieser Zeit _Paprika_ in Ungarn in
Klostergärten gebaut (nicht schon 1585!). In ungarischen Wörterbüchern
findet er sich schon 1604. Die Ungarn erhielten den Paprika von den
Südslaven (Bulgaren), wo er «Piperka» genannt wird, diese von den
Griechen (~Augustin~).

_Sassafrasbäume_ wurden schon 1597 und 1633 (~Johnson~) in England
kultiviert.

Berühmt war seinerzeit der Garten von ~John Gerarde~ (1545–1607). Er
war Wundarzt in London und besaß einen botanischen Garten, über dessen
reiche Schätze er einen +Catalogus+ arborum, fruticum ac plantarum tam
indigenarum quam exoticarum in horto Gerardi nascentium (London 1596,
II. Edit. 1599) herausgab. Aus diesem und seinem reich illustrierten
Werke: +The herball or generall historie of plantes+ (London 1597)
erfahren wir viel über damals neu eingeführte oder bekannte, in England
kultivierte Pflanzen und Drogen. So z. B. über _Sarsaparille_ (Ende
des XVI. Jahrh. reichlich eingeführt), über _Cocculus indicus_ (schon
1597 in England bekannt), _Arnica_ (_Calendula alpina_), _Cochlearia
Armoracia_, _Herb. Scopariae_, in Italien kultivierte _Senna_,
_Rosa canina_, _Capsicum longum_ (_Ginnie Pepper_, vor 1597 gut
bekannt), _Mentha viridis_ (_Mentha romana vel sarracenica_, _Common
Garden Mint_), _M. Pulegium_, _Ricinus commun._, _Aschantipfeffer_,
_Orchisknollen_, _Veratrum album_, _Tub. colchici_ (_Mede Saffron_).
Vor 1597 wurden in England kultiviert: _Kirschlorbeer_, _Datura
Stramonium_, _Thymus vulgar._, _Sassafras officin._, _Hopfen_, _Iris
germ._ und _florentin._

~Peter Coudenberg~, ein belgischer Apotheker, «le père de la Pharmacie
belge», wie ihn ~Broeckx~ nennt, kultivierte um die Mitte des XVI.
Jahrh. _Guajacum_ in seinem Garten. Am besten werden wir über das, was
um Amsterdam im XVII. Jahrh. kultiviert wurde, orientiert durch das
von ~Frederic. Ruyschius~ und ~Francisc. Kiggelarius~ herausgegebene
posthume Werk des ~Joh. Commelinus~, +Horti medici Amstelodamensis+
Rariorum tam orientalis quam occidentalis, aliarumque peregrinarum
plantarum descript. et. icones., Amsterd. 1697.

Aus dem XVI. Jahrh. sei noch erwähnt: ~Giambattista Portas~ +Villae+
libr. XII, domus, sylva caedua, sylva glandaria, cultus et insitio,
pomarium, olivetum, vinea, arbustum, hortus coronarius, hortus
olitorius, seges, pratum. Frankf. 1592, ein wichtiges Werk über Land-
und Forstwirtschaft, Gartenbau und Verwandtes, in dem alle erdenklichen
Nutz- und Heilpflanzen und deren Kultur erwähnt werden, z. B. die
Korkeiche, die Stockrose (_Alcea rosea_) u. a. m.

[Illustration: Fig. 10.

Afjun Karahissar. Eines der Zentren der kleinasiatischen
Opiumgewinnung. [Aus +Tchihatcheff+, Asie mineure.]]

_Campherbäume_ wurden 1724 in Leipzig, 1757 in Dresden kultiviert.
Berühmt ist der riesige alte Campherbaum auf der Isola bella. Auch
sonst trifft man Campherbäume allenthalben in Italien, meist in sehr
alten Exemplaren.

Im XVII. Jahrh. erhielt ~Prosper Alpin~ in Baden von Bulgarien durch
den Arzt ~F. Grassus~ in Ragusa _Rheum Rhaponticum_ und kultivierte es.
Auf diese Kulturen ist wahrscheinlich der Rhaponticbau in Westeuropa
zurückzuführen (~Hartwich~).

Im XVII. Jahrh. gab es in Rußland zahlreiche «Apothekengärten», in
denen Heilpflanzen für die Apotheke kultiviert wurden (~Lachtin~).

Im XVII. und XVIII. Jahrh. bestanden durch die Jesuiten angelegte,
jetzt eingegangene Kulturen der _Mate_pflanze in Südamerika.

In neuerer Zeit sind durch den 1907 gestorbenen Deutschen ~Fr. Neumann~
in Paraguay _Yerba-Mate_kulturen angelegt worden, ebenso in Argentinien
durch ~Martin & Co~. Bei dem Raubbau, dem die _Ilex_wälder unterworfen
sind und ihrer weiten Entfernung von bewohnten Gegenden, dürften diese
eine große Zukunft haben.

_Vanille_ wird in Mexiko seit der Mitte des XVIII. Jahrh. kultiviert.

[Illustration: Fig. 11.

Ansicht von Grasse, dem Zentrum der französischen Industrie ätherischer
Öle, links ein alter Olivenbaum.

[+Roure Bertrand fils+ phot.]]


=Anleitungen zur Kultur einzelner Arzneipflanzen= finden sich in
beschränkter Zahl schon bei den Alten. Die erste ausführliche Anleitung
gab aber erst ~Pierre Belon~ in seinen +Remonstrances sur le défaut
du labour et culture des plantes+, et de la connoissance d’icelles,
contenant la manière d’affranchir les arbres sauvages, Paris 1558 (von
~Clusius~ ins Lateinische übersetzt und den Exotica angehängt, s.
Geschichte). ~Belon~, der den Orient kannte, kultivierte selbst einige
Heilpflanzen.

Für die =Akklimatisation außereuropäischer Heilpflanzen= und ihre
weitere Verbreitung wirkten natürlich die botanischen Gärten
außerordentlich nützlich. Gar oft gelangten Samen oder junge Pflanzen
aus der ursprünglichen Heimat zunächst in einen botanischen Garten
Europas und wurden von diesem dann weiter verbreitet. Eignete sich
die Pflanze zur Kultur in Europa, so wurde sie hier angebaut, war
es ein tropisches Gewächs, so wurde sie in eine der Kolonien des
Landes gesandt, dem der Garten gehörte. So bildeten lange Zeit die
holländischen botanischen Gärten die Vermittelung zwischen Amerika
und Niederländisch-Indien. Für die portugiesischen Besitzungen war
der botanische Garten in Coimbra wichtig. Und jetzt versorgt der
Pariser und Marseiller Garten die französischen, der Garten in Kew die
englischen, der Garten in Berlin die deutschen Kolonien.

[Illustration: Fig. 12.

Kina-Etablissement und Chinaplantage in Riung-Gunung (Java) am Rande
des Urwaldes.

[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

Die +Kataloge der botanischen Gärten+ (Verzeichnis in
~Pritzel~, +Thesaurus+) enthalten daher manche Angaben über
Akklimatisationsversuche. So erfahren wir, um nur ein Beispiel
anzuführen, aus einem solchen, daß _Kirschlorbeer_ schon 1654 in
Königsberg kultiviert wurde.

Berühmt ist ja die Rolle, die die botanischen Gärten Hollands,
besonders die von Lüttich und Leiden, in der Geschichte der
Akklimatisation der _Cinchonen_ und der _Vanille_ in Java gespielt
haben. In dem Garten in Lüttich hat ~Morren~ 1836 die künstliche
Befruchtung der _Vanille_ erfolgreich ausgeführt. Durch diese
Versuche wurde die Überführung der _Vanille_ in ein Land, dem die die
Befruchtung vermittelnden Insekten fehlen, erst möglich. (Vgl. auch das
Kap. Pharmakosystematik.)

Tausende von ~Ward~schen Kisten mit lebenden Pflanzen (-- ~Ward~
publizierte sein Verfahren 1842 --) gehen jetzt alljährlich von
den botanischen Gärten Europas in die Kolonien, und Tausende von
Samensendungen der tropischen botanischen Gärten, besonders des
Buitenzorger Gartens bewirken die Verteilung tropischer Gewächse
innerhalb der Tropenzone. Die botanischen Gärten sind die wichtigsten
Vermittler der Kultur von Heil- und Nutzpflanzen geworden. In
zahlreichen tropischen Gärten, wie im Kultur-Tuin in Buitenzorg, in
Peradenija (Ceylon), in Trinidad, in Amani (Ostafrika) u. a. werden
fortdauernd Kulturversuche mit den verschiedensten Arzneipflanzen
(_Coca_, _Kola_, _Calumba_, _Ipecacuanha_, _Cardamomen_, _Jalape_,
_Cinnamomum_, _Myroxylon_ u. a.) gemacht. Die «Reports» berichten
regelmäßig über die Erfolge. Denn die größte Aufgabe, vor die die
+Pharmakoërgasie+ gestellt wurde und fortdauernd noch wird, ist ja die
+Akklimatisation wertvoller Heil- und Nutzpflanzen außerhalb ihrer
Heimat+.

[Illustration: Fig. 13.

Blick auf den Tankubanprahu (Mitteljava) und die ihn bedeckenden
Chinakulturen von Lembang aus. Rechts Reisfelder. [+Tschirch+ phot.]]

Das klassische Beispiel bilden die _Cinchonen_, die durch ~Markham~
und ~Spruce~ in den sechziger Jahren des XIX. Jahrh. aus Amerika nach
Vorderindien, und schon 1854 durch ~Hasskarl~ nach Java gebracht worden
waren und an beiden Orten sich vortrefflich akklimatisierten -- dank
der Einsicht und Energie der leitenden Beamten und der eigenartigen
Verbindung botanischer Kenntnisse, gärtnerischer Geschicklichkeit und
der Sorgfalt chemischer Kontrolle.

  «Überblicken wir das ganze Bild der Einführung der Kultur der
  _Chinabäume_, so sehen wir, daß sie nicht das Werk +eines+ Mannes,
  ja auch nicht einmal +eines Landes+ ist, sondern daß gar viele
  anregend, fordernd, selbst mit angreifend, dabei beteiligt waren.
  Schon ~Condamine~ hatte 1744 junge Cinchonenpflänzchen nach Europa
  bringen wollen. Sie gingen zugrunde wie die Pflanzen von ~Jussieu~.
  Dann regten ~Royle~ (1839), ~Falconer~ (1850), ~Fée~ (1842) und
  in Holland ~Korthals~ (1829), ~Blume~ (1830), ~Mulder~ (1838),
  ~Vrolik~ (1839), ~Miquel~ (1846), ~Fromberg~ (1848) immer von neuem
  zur Kultur der _China_ an. Dann brachte -- der erste Erfolg --
  ~Weddell~ 1848 _Calisaya_samen in Paris zum Keimen und erzielte
  in den Gärten von ~Thibaut~ und ~Keteleer~ exportfähige Pflanzen.
  Einige derselben wurden im April 1852 in Java gelandet. Dann kamen
  zuerst (1854) ~Hasskarls~, dann (1865) ~Ledgers~ Samen nach Indien.
  Es folgte (1860) ~Markhams~ und ~Spruces~ erfolgreiche Expedition,
  die unter Mithilfe von ~Cross~ und ~Taylor~ Samen und Pflänzchen,
  besonders von _Succirubra_, die neben _Ledgeriana_ heute wichtigste
  aller Arten, sammelten und nach Britisch Indien sandten. Dabei half
  auch ~William Hooker~ mit durch Rat und Tat. ~Markhams~ Feuereifer
  hat dann die indischen Kultivateure entzündet und die Fabrikation
  billiger Febrifuge durchgesetzt, bei deren Darstellung wieder ~de
  Vrij~ half.»(~Tschirch~, Die Chinologen des XIX. Jahrh. Schweiz.
  Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 1900).

  Jetzt stehen in Java c. 9 Millionen Cinchonen allein in den
  Regierungsplantagen und wohl zehnmal mehr in den Privatpflanzungen.

  Die ersten Versuche, _Cinchonen_ in Afrika anzupflanzen, erfolgten
  in Algier (1849). Dorthin gelangten Samen direkt von Bogotá. Die
  Versuche scheiterten -- natürlich -- ebenso wie ihre Wiederholung
  (1866). Auch die 1814 begonnene Cinchonenkultur hatte zunächst
  keinen Erfolg, größer war derselbe 1868. Jetzt ist die Kultur
  zurückgegangen, wie auch auf Teneriffa. In Réunion, wohin _Cinchonen_
  1865 gebracht wurden, gelang die Kultur. 1894 zählte man dort schon
  80000 Bäume. Mißlungen ist die Kultur auf Mauritius, Madagaskar, den
  Kapverden, in Angola und Abyssinien.

  Gut geglückt ist sie besonders auf S. +Thomé+, wo schon 1891 250000
  _Chinabäume_ standen. Nach Kamerun kamen _Cinchonen_ 1900 und 1902
  aus Java.

  Schon 1685 sah übrigens ~Temple~ im Botanischen Garten in Chelsea bei
  London lebende _Cinchonen_, die ~Watts~«Keeper of the Apothecaries
  garden of simples at Chelsea»aus Samen gezogen hatte.

  Den ersten -- allerdings gescheiterten -- Versuch, lebende
  _Cinchonen_ nach Europa zu bringen, machte ~de la Condamine~,
  den ersten Versuch, _Cinchonen_ in ihrer Heimat zu kultivieren,
  ~Mutis~ in Bogotá -- doch sei daran erinnert, daß noch früher die
  Jesuitenpatres den Cascarilleros das Versprechen abnahmen, für jeden
  gefällten Chinabaum 5 Stecklinge in Kreuzesform ⸭ zu pflanzen.

Die _Vanille_ wurde besonders auf ~Morrens~ Betreiben 1841 nach Java
überführt. Schon 1820 war sie durch ~Perrottet~ nach Réunion gebracht
worden. 1839 wurde dort mit der künstlichen Befruchtung begonnen. Die
erste _Vanille_ von Réunion erschien 1862 im Großhandel. «Vanilleries»
finden sich aber dort schon seit 1841. _Vanilla_ gelangte im ersten
Drittel des XVIII. Jahrh. nach England und wurde zuerst in den
Warmhäusern von ~Ph. Miller~ kultiviert, zur Blüte gelangte sie 1800
in den Gärten ~Grevilles~ in Paddington. Von hier kam sie (1812)
nach Amsterdam, Paris, Brüssel, Löwen, Gent, Lüttich und (1819) nach
Buitenzorg. Es waren von ~Greville~ erhaltene Pflanzen, an denen
~Morren~ sein berühmtes Befruchtungsexperiment (1836) in Lüttich
vornahm.

Jetzt gibt es keine wertvolle amerikanische Heil- und Nutzpflanze,
die nicht z. B. im Kultur-Tuin des botanischen Gartens in Buitenzorg
kultiviert würde, _Coca_ und _Myroxylon_, _Hevea_ und _Manihot_,
_Cacao_, _Bixa Orellana_, _Ipecacuanha_ und viele andere werden dort
gezogen und auch für die in Indien heimischen Pflanzen ist der Garten
eine Pflegstätte geworden. Daß wir der allmählichen Ausrottung der
wilden Guttaperchabäume ohne große Besorgnis entgegensehen können,
verdanken wir besonders den daselbst und in Tjipetir schon vor
vielen Jahren in weitsichtiger Weise angelegten _Palaquium_- und
_Payena_-Kulturen.

Aber nicht nur die Verbreitung der amerikanischen Heilpflanzen über
andere tropische Gebiete, zunächst Asiens, dann Afrikas ist versucht
und erfolgreich durchgeführt worden, auch unter sich tauschten die
Länder Asiens ihre Produkte aus. So gelangte der Teestrauch von Assam
nach China und in neuerer Zeit auch nach Vorderindien und Java. Die
Verbreitung der _Gewürznelken_ und der _Muskatnuß_ füllt ein ganzes
Kapitel, das in seinem ersten Teile, wo von der Verhinderung der
Verbreitung seitens der holländisch-ostindischen Kompagnie die Rede
ist, nicht in die Ehrentafeln der Kulturgeschichte der Menschheit
gehört. Das _Muskat_monopol der genannten Kompagnie, das durch die
berüchtigten Hongitogten geschützt wurde, bestand von 1621–1796. Aber
schon 1750 (bezw. 1754) brachte trotz aller Wachsamkeit der Holländer
der französische Gouverneur von Isle de France und Bourbon, ~Poivre~,
die ersten _Muskatnüsse_ und _Nelken_ nach Isle de France. Eine zweite
Expedition brachte 1769 450 _Muskat_- und 70 _Nelken_pflänzchen, 10000
_Muskat_nüsse und eine Kiste _Nelken_samen dorthin und die Kultur hatte
Erfolg. Nach Penang wurde die _Muskatnuß_ durch ~Chr. Smith~ (c. 1797)
überführt, nach Sumatra brachte sie ~Hugh Moore~ 1798. Die ersten
Nelken gelangten schon 1793 nach Cayenne und bald darauf (1800) von
Mauritius nach Sansibar. Zur Zeit, da England die Gewürzinseln besetzt
hielt (1796–1802), brachte ~Roxburgh~ den _Muskatbaum_ nach Bengkulen
und Penang.

[Illustration: Fig. 14.

Rubber-Plantage von _Hevea brasiliensis_ (Para rubber tree) in
Heneratgoda (Ceylon).

[Kew Museum.]]

Die +heutigen+ _Ceylonzimt_-Plantagen (Cinnamom gardens) wurden 1770
von ~de Koke~ gegründet und von dem Gouverneur ~J. W. Falck~ 1785
konsolidiert. Die Kultur des Zimtes in Ceylon reicht übrigens bis
in das XIV. Jahrh. zurück; sie nahm zuerst unter den Portugiesen
(1505–1656), dann unter den Holländern (1656–1797), die beide die Insel
besaßen, einen großen Aufschwung. Die englisch-ostindische Kompagnie
monopolisierte dann den _Zimt_ (bis 1833).

Mitte der siebziger Jahre des XIX. Jahrh. wurde die wichtigste
_Kautschuk_pflanze, die im Amazonasgebiet heimische _Hevea
brasiliensis_, nach Indien, speziell Ceylon, gebracht. Die Anpflanzung
von _Kautschuk_pflanzen in Ceylon hat in kurzer Zeit enorm zugenommen.
Während 1890 nur 300, 1900 1750 acres damit bepflanzt waren, waren 1905
schon 40000, 1907 bereits 120000 acres (1 acre = 4000 qm) mit _Hevea
brasiliensis_ bepflanzt (Fig. 14). Auf der malayischen Halbinsel gab es
1906 schon 6 Millionen _Hevea_bäume.

Ein solches rasches Ansteigen nennt man in Englisch-Indien einen
«+rush+». Es gab seinerzeit auch einen «rush into coffee» und einen
«rush into tea». Solche rushes sind in Niederländisch-Indien unbekannt.
Der bedächtige Holländer meidet solche Sprünge.

Die _Teepflanze_ kam 1826 durch ~Siebold~ nach Java. Schon 1827 besaß
Buitenzorg eine Pflanzung von 800 Bäumchen und 1839 waren schon
8 Millionen Teesträucher auf Java. Die ersten Versuche, _Tee_ in
Vorderindien zu pflanzen, wurden schon Ende des XVIII. Jahrh. von
~Kyd~ in Kalkutta gemacht, im größeren Stil aber erst 1834 bezw.
1839. 1852 brachte ~Fortune~ 20000 lebende Teepflanzen aus China in
die Himalayagegenden. 1842 kam die Teepflanze nach Ceylon. Lebende
Teepflanzen erhielt ~Linné~ 1763 für den Garten in Upsala.

Die _Kaffeepflanze_ gelangte im VI. Jahrh. nach Arabien, im IX.
Jahrh. nach Persien, 1696 nach Java, aber erst im Anfang des XVIII.
Jahrh. nach Amerika. _Theobroma Cacao_ kam schon in der Mitte des
XVI. Jahrh. nach Celebes, aber erst im XVIII. Jahrh. von dort nach
Java. Die Holländer brachten dann die Pflanze auch nach Ceylon.
_Nicotiana Tabacum_ gelangte 1558 nach Frankreich und Italien, 1605
nach Japan. Der _Ölbaum_ kam um 1560 nach Peru, wenig später nach
Chile und Kalifornien, auch die _Tamarinde_ wurde um diese Zeit nach
Amerika gebracht; der _Ingwer_ gelangte zu Beginn des XVI. Jahrh. oder
schon Ende des XV. Jahrh. durch die Spanier (~Francisco Mendoca~)
nach Westindien. Die _Tapiokapflanze_ (_Manihot utilissima_) wurde
von den Portugiesen aus Brasilien nach Indien gebracht. 1786 kam sie
von Mauritius nach Ceylon, 1794 aus Südamerika nach Kalkutta und
Serampur. _Aloe vera_ (_A. vulg._) ist im XVI. Jahrh. nach den Antillen
(Barbados) gekommen. 1650 war sie in Barbados schon ganz heimisch.

[Illustration: Fig. 15.

Ein Wald von _Pinus Laricio_ in Niederösterreich mit geharzten
Stämmen.

[+Mitlacher+ phot.]]

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß auch vielfach, und zwar natürlich
erfolgreich, der Versuch gemacht worden ist, =tropische Heil- und
Nutzpflanzen in ihrer Heimat selbst zu kultivieren=. Dies geschieht
z. B. mit der _Cinchona Calisaya_ in Bolivien, mit _Castilloa_ in
Nicaragua und Mexico, mit _Vanille_ in Mexico, mit _Ipecacuanha_ in
Brasilien, mit den _Balsambäumen_ in San Salvador, mit _Mate_ in
Südamerika (s. oben).

Von Kulturen europäischer Heilpflanzen seien nur einige erwähnt. (Im
übrigen verweise ich auf die Tabellen weiter hinten.)

Die Kultur der _Lactuca virosa_ zur _Lactucarium_gewinnung im
Moselgebiet wurde besonders durch den Apotheker ~Alois Goeris~ in Zell
an der Mosel 1847 in Gang gebracht.

[Illustration: Fig. 16.

Junge Plantage von _Myroxylon Pereirae_ im Kultur-Tuin in Tjikeumeu bei
Buitenzorg (Java).

[+Tschirch+ phot.]]

_Mohn_kulturen zwecks _Opium_gewinnung fanden sich 1828–1830 bei
Erfurt, 1860 bei Bern, 1870 in Süddeutschland und Schlesien; noch in
der zweiten Hälfte des XIX. Jahrh. bei Clermont Ferrand (Frankreich).
_Mohn_, zum Teil zur _Opium_gewinnung, wird übrigens auch seit 1788 in
den Vereinigten Staaten östlich vom Mississippi gebaut.

[Illustration: Fig. 17.

_Mannaeschen_-Hain bei Castelbuono (Sizilien). [+Benedicenti+ phot.]]

[Illustration: Fig. 18.

Kinatuin (Chinaplantage) von _Cinchona Succirubra_ in Lembang (Java).

[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

[Illustration: Fig. 19.

_Cocospalmen_-Hain, Java. [+Tschirch+ phot.]]

Im allgemeinen besteht ein =Vorurteil gegen kultivierte
Arzneipflanzen=. Dasselbe gründet sich darauf, daß in einer Anzahl
von Fällen kultivierte _Digitalis purpurea_, _Aconitum Napellus_,
_Artemisia Absinthium_, _Atropa Belladonna_, _Hyoscyamus niger_ und
_Datura Stramonium_ bisweilen eine geringe Verminderung ihres Alkaloid-
bezw. Glukosidgehaltes gegenüber den wildwachsenden Pflanzen zeigten.
(Trotzdem verlangt übrigens Pharm. nederl. ausdrücklich kultivierte
_Atropa_, _Digitalis_, _Conium_, _Hyoscyamus_.)

Das kommt nun aber nicht daher, daß die Kultur überhaupt den
Alkaloidgehalt vermindert. Die _Cinchonen_ sind ja ein flagrantes
Beispiel dafür, daß man durch Kultur sogar den Alkaloidgehalt erhöhen
kann -- sondern daher, daß die obengenannten Arzneipflanzen in
+ungeeigneter+ Weise kultiviert wurden. Wenn man eine Schattenpflanze
in der Sonne, eine Sonnenpflanze im Schatten, eine an Sandboden
akkomodierte Pflanze in fetten Böden mit starker Düngung, eine an
nährstoffreiche Böden angepaßte in armen Böden kultiviert, so wird
die natürliche Folge die sein, daß sich ihre Bestandteile ändern. Es
kommt also nur darauf an, die Arzneipflanzen in geeigneten Böden und
unter dem natürlichen Standorte nahekommenden Beschattungsverhältnissen
anzubauen und man wird nicht nur gleichwertige, sondern unter
Umständen sogar höherwertige Produkte erzielen. Nicht die Kultur
an sich beeinflußt also den Gehalt der Arzneipflanzen an wirksamen
Bestandteilen ungünstig, sondern die +ungeeignete+ Kultur. Alle
Erfahrungen sprechen dafür, daß dies richtig ist. Die _Cinchonen_ sind
schon oben erwähnt. Auch alle unsere Nutzpflanzen, die _Obstsorten_,
der _Wein_, das _Getreide_, die _Feige_ sind gegenüber den wilden
Mutterpflanzen wertvoller geworden und haben erst durch die Kultur
ihre Bedeutung für uns erlangt. Die _Dattelpalme_ ist zum Fruchtbaum
erst durch die Veredelung geworden, die ihr in ihrer Heimat, den
Ebenen des Euphrat und Tigris zuteil geworden ist; von hier aus hat
sich der Baum dann nach Palästina, Phönizien und Afrika, besonders
Ägypten und Kyrene weiter verbreitet. Fortdauernd vollziehen noch
heute die Gärtner die «Veredelung» durch Auslese und geeignete Kultur.
Warum in aller Welt sollen allein die Arzneipflanzen von dem Gesetze,
daß Kultur veredeln kann, eine Ausnahme bilden? Es kommt also nur
darauf an, die Verhältnisse bei jeder Pflanze genau zu studieren
und die Kulturen richtig zu leiten. Das kann aber nur geschehen,
wenn wir, von physiologischen Gesichtspunkten ausgehend und mit
physiologischen Methoden arbeitend, nicht nur die Ernährungsbedingungen
der Arzneipflanzen, die zu einem kräftigen Wachstum führen, sondern
auch den Stoffwechsel innerhalb der Pflanze und die Bedingungen, unter
denen Alkaloide, Glukoside und andere für die Arzneiwirkung wertvolle
Substanzen in vermehrter Menge entstehen, kennen lernen. Gerade in
diesen physiologischen Studien liegt eine der Hauptaufgaben der
künftigen Arzneipflanzenkunde (vgl. S. 7). Einige Anfänge sind schon
gemacht (vgl. meinen Artikel «Arzneipflanzen» in der Realenzyklopädie
der gesamten Pharmazie und das Kapitel Pharmakophysiologie).

[Illustration: Fig. 20.

Am Rande einer Muskatnussplantage (Perk). Rechts zwei Muskatnussbäume
(Java).

[+Tschirch+ phot.]]

Wenn wir die Bedeutung der einzelnen Stoffe für die Pflanze selbst
erkannt haben, so werden wir auch Mittel und Wege finden, hier hemmend,
dort fördernd einzutreten und durch geeignete Kultur die Stoffe, auf
die wir namentlich Wert legen, in größerer Menge zu erzielen. Auf rein
empirischem Wege ist man hier schon zu einigen Resultaten gelangt.
Man hat durch Schälen bei den _Cinchonen_ eine alkaloidreichere Rinde
(renewed bark), bei der _Korkeiche_ einen besseren _Kork_ erzielt.
Auch das Studium der einzelnen Bestandteile zueinander führte schon
zu einigen Resultaten. Wir wissen beispielsweise, daß zwischen dem
Stärkegehalte und dem Gehalte an mydriatischen Alkaloiden bei der
_Belladonnawurzel_, zwischen dem Gehalte an Stärke und dem an Harz bei
dem _Galgantrhizom_ Beziehungen bestehen.

Wir wissen, daß der Boden von großem Einfluß für die Bildung gewisser
Stoffe ist, daß z. B. trockener Boden die Bildung ätherischer Öle
und Schleimstoffe begünstigt. Auf trockenem Boden erzogene _Althaea_
ist schleimreicher als auf feuchtem gewachsene, auf trockenem
Boden gebauter _Baldrian_ ist ölreicher und kein Boden erzeugt so
aromatischen _Ceylonzimt_ wie der trockene weiße Quarzsand der Cinnamon
Gardens an der Küste Ceylons. «Bei _Taraxacum_ zeigt die Wurzel in
chemischer Hinsicht große Unterschiede, je nach ihrem Standorte und der
Jahreszeit» (+Grundlagen+).

[Illustration: Fig. 21.

Plantage von _Cinchona Ledgeriana_, davor eine Pepinière von _Cinchona
Succirubra_ in Lembang (Java). [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 22.

Tabakpflanzung in Sumatra. [Abbild. im Kew Museum]]

Das sind Verhältnisse, die in das Kapitel Pharmakophysiologie gehören
und die von physiologischen Gesichtspunkten betrachtet werden müssen.

Der Fall, daß Arzneipflanzen in der Kultur -- aber einer Kultur
jedenfalls am unrechten Orte -- degenerieren, kommt allerdings vor. Die
Rhizome der in Europa kultivierten _Rheum officinale_ und _palmatum_
z. B. gleichen nicht mehr dem echten _Rhabarber_ und sind chemisch
minderwertig geworden. Daß aber ein _Rhabarber_, der bei uns in der
Ebene gebaut wird, degeneriert, ist leicht begreiflich, da er in den
Gebirgen von Szetchuan am besten zwischen 8000 und 12000´ gedeiht und
bis auf 14000´ steigt.

[Illustration: Fig. 23.

Balsamal in San Salvador. Kultivierte (und wilde) Pflanzen von
_Myroxylon Pereirae_.

[Nach +Preuss+.]]

Der günstige Einfluß einer richtigen und der ungünstige einer falschen
Kultur wird vortrefflich durch das Beispiel der _Chinarinden_
illustriert. Während die von wildwachsenden Pflanzen gesammelten
_Chinarinden_ Südamerikas c. 2% Alkaloid enthalten, bringen es
die einer geregelten Kultur entstammenden Rinden Javas auf 10–16%
Alkaloid; die in europäischen Gewächshäusern -- also unter ungünstigen
Bedingungen erzeugten -- Rinden enthalten dagegen gar kein Chinin (~A.
Vogel~, 1886).

Daß Klima und Standort von Einfluß sind, zeigt auch die Beobachtung
~Rochleders~, daß der in Schottland wachsende _Schierling_ nicht
giftig ist (war der untersuchte aber auch wirklich echter _Schierling_
oder nicht vielmehr eine physiologische Varietät?) -- zeigten die
ersten verunglückten Kulturversuche der _Cinchonen_ in Java. Jetzt
wissen wir, daß man _Cocos_ und _Cacao_ nicht in den Bergen, _Tee_,
_Kaffee_ und _Cinchonen_ nicht im tropischen Tiefland kultivieren
darf. Bevor man heutzutage eine Kultur in Angriff nimmt, werden nicht
nur die klimatischen Bedingungen (Meereshöhe, Regenmenge, mittlere
Jahrestemperatur) der alten Heimat der Arzneipflanze, sondern auch die
der neuen aufs sorgfältigste studiert. Bisweilen ist der Erfolg, d. h.
die Erzielung vollwertiger Droge, von scheinbar ganz nebensächlichen
Dingen bedingt, wie Anpflanzung an Südhängen, Schutz gegen Wind u. a. m.

Daß vernünftige Kultur den Gehalt der Indigopflanze an Indican
bedeutend zu steigern vermag, zeigten neuere Versuche in Indien und
die in Shenandoah Valley (Virginia) unter vernünftigen Bedingungen
kultivierte _Belladonna_ lieferte Blätter mit 0,32–0,68% Alkaloid
(~Reppetoe~), also vollwertige Droge.

Auch für das «Harzen» der Coniferen gilt das gleiche: Nur
unvernünftiges und irrationelles Harzen schädigt den Baum.

[Illustration: Fig. 24.

Terassiertes Reisfeld (Savah) in Mitteljava.

[+Tschirch+ phot.]]

Natürlich sind +die chemischen und physikalischen Eigenschaften des
Bodens+, Drainage oder Wasserzufuhr von größter Wichtigkeit für das
Gelingen der Kultur der Arzneipflanzen. Für jede Pflanze müssen die
Bedingungen ihrer Kultur besonders ermittelt werden. Hier können die
Großkulturen in den Tropen als mustergültige Vorbilder betrachtet
werden, bei denen diese Bedingungen oft bis ins kleinste ermittelt
wurden.

Der erste, der den Einfluß verschiedener Bodenarten auf die Entwicklung
der Arzneipflanzen studierte, war der erste Direktor des botanischen
Gartens in Montpellier, ~P. R. de Belleval~ (1593).

~Gordon~ machte Kulturversuche mit _Belladonna_, _Hyoscyamus_ und
_Carthamus_ auf verschiedenen Böden (Am. Journ. pharm. 1900).
Den Einfluß der Kalidüngung studierten ~Felber~ und ~Walta~ (Die
Kalidüngung in den Tropen und Subtropen, Halle 1907); die
Elektrokultur ~Lemström~ (Elektrokultur, Erhöhung der Ernteerträge
aller Kulturpflanzen durch elektrische Behandlung, übers. v. ~O.
Pringsheim~, Berlin 1902).

[Illustration: Fig. 25.

_Musa paradisiaca_ (Pisang, Banane) in Plantagenkultur auf Java.
[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 26.

Links: _Indigofera_-, rechts: _Lemongras_-Kultur. Im Hintergrunde ein
Dorfwäldchen mit _Mango_, _Areca Catechu_, _Musa_ u. a.

[+Tschirch+ phot.]]

Neuerdings (1905) wurde von ~A. Poehl~ mitgeteilt, daß ein Radiumgehalt
des Bodens die Arzneipflanzenkultur günstig beeinflußt (?).

Besonders wichtig ist für die Kultivateure die ertragreichste und das
beste Produkt liefernde Art zu finden. So hat man _Coffea arabica_
vielfach durch die fruchtreiche, großfrüchtige und kräftigere _Coffea
liberica_, die kleinblätterige _Thea sinensis_ durch die großblätterige
_Thea assamica_ ersetzt und statt _Theobroma Cacao_ wird jetzt vielfach
(z. B. in Ecuador) _Theobroma bicolor_, die fettreichere Samen
liefert, kultiviert. (Über physiologische Varietäten vgl. das Kapitel
Pharmakophysiologie.)

[Illustration: Fig. 27.

_Citrus_-Kulturen am Gardasee.

Liefern jährlich c. 15 Millionen _Citronen_.]

Daß die Besitzer einträglicher Kulturen den Wunsch hegen, sich ein
Monopol für dieselben zu sichern, ist natürlich. Heutzutage ist dies
aber kaum mehr möglich, da Samen aller Gewächse jetzt erhältlich
sind. Früher ist der Versuch aber öfter gemacht worden und die 1602
gestiftete holländisch-ostindische Kompagnie hat bekanntlich durch
künstliche Einschränkung der Muskatnuß- und Nelkenkultur auf wenige
Inseln, Einführung einer +Zwangskultur+ und strenge Überwachung der
Kulturen durch die Hongitogten (Hongifahrten) viele Jahre sich das
Monopol gesichert. Das Monopol erlosch ganz erst 1873.

Die _Nelke_ wurde auf Amboina beschränkt und auf Ternate, Loho und
Cambello ausgerottet, die _Muskatnuß_ wurde auf Banda und Amboina
beschränkt und auf Kelang und Nila (südlich von Ceram) ausgerottet.

Die holländisch-ostindische Kompagnie handhabte auch das Zimtmonopol
mit großer Strenge und eine künstliche Einschränkung der Kulturen
ordnete auch zur Zeit der Herrschaft der englisch-ostindischen
Kompagnie der englische Gouverneur ~North~ 1802 bei den Cinnamon
Gardens auf Ceylon an.

Die in Rußland noch heute bisweilen an einzelne Unternehmer erteilten
Handelskonzessionen für gewisse Drogen machen die Konzessionäre zu
Monopolisten. So besitzt z. B. eine Kapitalistengruppe das alleinige
Ausbeutungsrecht für _Flor. Cinae_ in Turkestan.

Die Phönizier hatten lange Zeit den Handel mit Farbdrogen (_Purpur_,
_Safran_, _Granatblüten_) monopolisiert und ebenso Kreta zur Zeit der
Römer die Kultur und den Handel mit Arzneikräutern.

Die Kulturen der _Mastix-Pistacie_, die schon im Altertum bestanden und
vom XIII.–XVII. Jahrh. von genuesischen Kaufleuten ausgebeutet wurden,
waren später türkisches Staatsmonopol.

Die _Krapp_kulturen bei Braunschweig und Speyer waren im XIV. Jahrh.
durch strenge Gesetze eingeschränkt, um sie ertragreich zu erhalten.

In Java bestand ehedem (seit 1850) =Zwangskultur= für _Kaffee_,
_Zucker_, _Indigo_, _Pfeffer_, _Tee_, _Tabak_, _Zimt_ und _Cochenille_.
Dieselbe war aber für die meisten schon 1865 eingegangen, für _Zucker_
erlosch sie 1890 (~Greshoff~).

[Illustration: Fig. 28.

_Citronen_-Kultur am Gardasee in Limone.

[Nach O. +Zieher+.]]

[Illustration: Tafel I

Kaffeeplantage (ohne Schattenbäume) in +Ceylon+ mit Pulping Mill und
(rechts oben) Assistentenwohnung.]

[Illustration: Tafel II

Teeplantagen im Hochlande von Ceylon (ohne Schattenbäume).]

[Illustration: Tafel III

Die großen Kulturen von _Rosa_, _Mentha_ usw. bei Miltitz (Leipzig).
Inmitten der Felder die Fabrik ätherischer Öle von Schimmel & Co.]

[Illustration: Fig. 29.

_Tee_-Plantage in Ceylon. Eine Singhalesin beim Pflücken. [+Tschirch+
phot.]]

[Illustration: Fig. 30.

Junge _Ceylonzimt_-Plantage in Cinnamon gardens bei Colombo auf Ceylon.
[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 31.

Die großen _Citrus_kulturen im Redlands-Tal in Kalifornien am Fuße des
San Bernardino-Gebirges. [Aus d. +Prometheus+.]]

[Illustration: Fig. 32.

Typische Dorfwäldchen, d. h. Baum- und Strauchvegetation aus allen
möglichen Nutzpflanzen gemischt.

Rechts _Cocos_hain. (Buitenzorg Java.) [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Tafel IV

_Saccharum_, _Eriodendron_, _Cocos_, _Musa_, _Coffea_. Dorfwäldchen in
Ceylon.

Der Singhalese hält Bananen (Pisangs) feil.]

[Illustration: Fig. 33.

Jenalöbnitz b. Jena, der Typus der Kleinkultur.

Im Hintergrunde der Gleissberg (Mönchsberg), an dessen Hängen sich
vornehmlich die Arzneipflanzenkulturen befinden -- meist nur wenige
qm für jede Art. Auf dem Gipfel wird Seifenwurzel gebaut. [+Tunmann+
phot.]]

[Illustration: Fig. 34.

_Tamarinde_ in Alleekultur in Batavia. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Tafel V

Korkeichen in Alleekultur bei Bayonne (Frankreich).

[+Oesterle+ phot.]]

[Illustration: Tafel VI

_Cinchona Succirubra_ in Alleekultur.

Die Arbeiter sind im Begriff die Rinde in langen Streifen vom Baume
zu lösen -- behufs Erzeugung von Renewed bark. Rechts Bäume mit den
stehengebliebenen Rindenstreifen.]

[Illustration: Fig. 35.

_Dammara alba_ in Alleekultur bei Batu-Tulis auf Java. [+Tschirch+
phot.]]

[Illustration: Fig. 36.

Plantage von _Liberia-Kaffee_ mit _Albizia moluccana_ als
Schattenpflanze. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 37.

_Kaffee_pflanzung mit Urwaldbäumen und Bananen als Schattenpflanzen in
Nicaragua. [Aus +Preuß+, Zentral- und Südamerika.]]

[Illustration: Fig. 38.

Junge _Guttapercha_plantage (_Payena Leerii_) auf Java mit _Albizzia
moluccana_ als Schattenpflanze.

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 39.

Die erste _Guttapercha_plantage auf Java von _Palaquium Gutta_ ohne
Schattenbäume, Kulturtuin in Tjikeumeu.

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Tafel VII

+Tabakkultur in Portorico+

unter über mehrere Hektare große Flächen straffgespannten leichten
Stoffen. Dies neue Verfahren gibt Schatten, schützt gegen Insektenfraß
und erzeugt eine gleichmäßig hohe Temperatur und hohe Feuchtigkeit.]

Ich habe auf Grund der Erfahrungen, die ich 1888–1891 sowohl in Indien
wie bei Reisen in die Gebiete der Arzneipflanzenkultur in Europa
sammelte, vier =Typen von Arzneipflanzenkulturen= aufgestellt:

  1. +die Plantagen- oder Feldkultur+, Kultur im Großen,

  2. +die Kampong- oder Gartenkultur+, Kultur im Kleinen,

  3. +die Alleekultur+,

  4. +die Mischkultur.+

1. Die +Plantagen+- oder +Feldkultur+ ist die Kultur im Großen. Bei
ihr werden größere Areale mit der betreffenden Pflanze bestellt. In
Plantagenkultur befinden sich auf +Java+ und +Ceylon+ z. B.: _China_
(Fig. 12, 13, 18, 21), _Kaffee_ (Taf. I), _Cacao_, _Tee_ (Taf. II),
_Banane_ (_Pisang_, Fig. 25), _Reis_ (Fig. 24) und die _Kautschuk_-
und _Guttapercha_-Pflanzen (Fig. 14), auf Sumatra: _Tabak_ (Fig. 22),
auf Ceylon: der _Ceylonzimt_ (Fig. 30), bei Mitcham: die _Pfefferminze_,
in Deutschland, bei Cölleda z. B.: _Angelica_, _Mentha_, _Alant_,
in Miltitz bei Leipzig: _Rosa_ (s. Taf. III), bei Nürnberg und
Schweinfurt: _Althaea_ und andere _Malvaceen_, in Rußland: _Anis_, in
Holland: _Kümmel_, in England: _Rhabarber_, in Grasse (Fig. 11): die
Pflanzen mit ätherischem Öl, in Frankreich: die _Seestrandfichte_ (zur
Terpentingewinnung), in Österreich: _Pinus Laricio_ (Fig. 15), in der
Schweiz: _Absinth_.

In großem Stil werden in Frankreich die «_Absinthkräuter_», d. h.
die Kräuter gebaut, die zur Herstellung des Absinthlikörs gebraucht
werden. Es sind dies in erster Linie der große _Absinth_ (_Artemisia
Absynth._), dann die aromagebenden Beisätze: der kleine Absinth
(_A. pontica_), der _Ysop_ (_Hyssopus offic._) und die _Melisse_.
Die _Absinth_kulturen der Schweiz gehen ihrem Ende entgegen, da der
Absinthlikör jetzt verboten wird.

Lichte Haine bildet die _Mannaesche_ in Sizilien (Fig. 17) und die
_Cocospalme_ in Südasien (Fig. 19), Wälder die _Cinchonen_ (Fig. 18),
große Waldbestände die _Seestrandfichte_ in dem Departement des Landes
in Frankreich.

[Illustration: Fig. 40. _Tee_felder in Südchina. [Aus Illustr. Welt.]]

Ganz eigenartig ist die Kultur des _Reis_ auf den +Sawahs+ (Fig. 24).
Hier wird in terrassierten, gestreckt viereckigen, durch niedrige
Wälle rings umschlossenen Abteilungen, die periodisch unter Wasser
gesetzt werden, die junge Reispflanze in den Schlammboden gesetzt und
bis zur Reife im Wasser erhalten. Erst dann wird das Wasser abgelassen.

Höchst eigenartig sind auch die großen _Citrus_kulturen am Gardasee
(Fig. 27 u. 28), wo besonders die _Citrone_ im großen Stil kultiviert
wird. Es sind terrassenartig übereinanderliegende «Orangerien», die so
eingerichtet sind, daß sie oben und an der Vorderseite nötigenfalls
gedeckt, resp. verschlossen werden können. Mit ihren weißen Pfeilern
bieten sie ein sehr eigenartiges Bild.

Ganz anders sind die großen _Citrus_kulturen in Kalifornien angelegt
(Fig. 31), wo das außerordentlich günstige Klima offene ungeschützte
Anpflanzungen erlaubt. Hier wird der Boden entweder terrassiert oder
man wählt sanft abgedachte Hänge, in beiden Fällen um eine möglichst
ausgiebige Bewässerung zu ermöglichen, die bei dem ziemlich trockenen
und heißen Klima unbedingt erforderlich ist.

In Plantagenkultur findet sich auch der _Mohn_ in Kleinasien, Persien,
Indien und China.

2. Die +Kampong+- oder +Gartenkultur+ ist die Kultur im Kleinen.
Kampong ist der malaiische Name für das Dorfwäldchen. In Indien wird
_Cocos_, etwas _Kaffee_, vielfach auch _Myristica_ und _Vanille_ sowie
_Betel_ in Dorfwäldchen kultiviert (Taf. IV, Fig. 22 u. 32), in China
steht der _Tee_ bei den Bauern vielfach in Kleinkultur, in Abyssinien
_Kusso_.

[Illustration: Fig. 41.

_Canarium commune_ in Alleekultur. Die berühmte «Kanarie Laan» des ’s
lands plantentuin in Buitenzorg (Java). [+Tschirch+ phot.]]

In Deutschland ist Jenalöbnitz (Fig. 33) der Typus für die Kultur
im Kleinen. Hier werden die Arzneipflanzen in kleinen Parzellen
gebaut. Dann sind hier auch die +Bauerngärten+, die ihren Überschuß
an die Apotheken abgeben, und die allerdings immer seltener werdenden
+Apothekengärten+ zu nennen, in denen _Königskerze_ und _Malven_,
_Calendula_ und _Kamille_, _Estragon_, _Absinth_ und _Melisse_
blühen, und von der Frau Apothekerin geerntet werden. Besonders die
Bauerngärten liefern, wie mich Erkundigungen in etwa 100 Drogerien
und Apotheken lehrten, mehr als man glauben sollte. In den deutschen
und schweizerischen +Bauerngärten+ werden jetzt noch folgende
Arzneipflanzen regelmäßig kultiviert: _Calendula_, _Chamomilla_,
_Paeonia_, _Monarda_, _Rosa_, _Tanacetum_, _Verbascum_, _Malva
arborea_, _Althaea_, _Absinthium_, _Majorana_, _Petroselinum_,
_Cerefolium_, _Levisticum_, _Armoracia_, _Carum Carvi_, _Melisse_,
_Salvia_, _Rosmarin_, _Thymus_, _Mentha crispa_, _Anethum_, _Sambucus_.
Viele davon stehen schon in ~Carls~ Capitulare. Die Bauern bringen ihre
kleine Ernte dem Apotheker.

3. Die +Alleekultur+, die bei unseren Obstbäumen so viel benutzt wird,
fand ich in Indien bei _Dammara_ (Fig. 35) und in beschränktem Maße
-- jetzt verlassen -- auch bei _Cinchona_ (Taf. VI) und _Vanilla_. In
Alleekultur findet man auch in Südfrankreich die _Korkeiche_ (Taf.
V), in Indien die _Tamarinde_ (Fig. 34). Die Lindenalleen liefern
den großen Bedarf an _Lindenblüten_. Als Heckenpflanze wurde in Java
_Ananas_ und _Bixa orellana_ gepflanzt.

[Illustration: Fig. 42.

_Piper Cubeba_ an dem Stützbaum kletternd (Java). [+Tschirch+ phot.]]

4. +Mischkultur.+ Sie hat viel Ähnlichkeit mit der Kampongkultur
im «Dorfwäldchen». Während aber bei dieser alle möglichen Pflanzen
durcheinander gepflanzt werden, besteht die Mischkultur meist nur aus
zwei Arten, die durcheinander gepflanzt werden. In Mischkultur befindet
sich z. B. _Cacao_ und _Kaffee_ auf Ceylon und in Südamerika, _Uncaria
Gambier_ und _Pfeffer_ auf dem Rioux-Lingga-Archipel (besonders Rioux
und Bintang), _Süßholz_ und _Weizen_ in Calabrien, _Süßholz_ und
_Erbsen_ bezw. _Mais_ in Teramo usw.

Die Holländer nennen die Chinapflanzung +Kina tuin+ (d. h.
Chinagarten), die Muskatnußpflanzung +Noten tuin+ (d. h. Nußgarten).
Die großen Muskatplantagen auf den Bandainseln werden +Perk+ (d. h.
Park) genannt, die sie besorgenden Männer +Perkeniere+. Die Engländer
sprechen von +China plantation+, +Tea plantation+, +Coffee estate+.
Die Vanillepflanzungen heißen bei den Spaniern +Vainillales+, bei den
Franzosen +Vanilleries+. Ein Garten von Balsambäumen in San Salvador
wird +Balsamal+ genannt (Fig. 23). Die Matewälder in Südamerika heißen
+Yerbales+, die Cacaogärten +Huertas+.

In +Cölleda+ a. d. Unstrut nennt man die Arzneipflanzen-Kultivateure
+Botaníker+ (mit dem Ton auf dem i) und die Arzneipflanzenkultur
+Botanisie+.

       *       *       *       *       *

Nicht alle tropischen Pflanzen können in freier Sonne kultiviert
werden. Einige verlangen =Schattenpflanzen=, d. h. Schatten spendende.
Die erste Pflanze, welche als Schattenpflanze angewendet wurde, war
_Erythrina Corallodendron_, die «+madre del Cacao+» oder «+Arbol
madre+» in den Cacaopflanzungen Südamerikas. In Java wird beim _Kaffee_
und den _Guttapercha_pflanzen jetzt meist die rasch wachsende _Albizzia
moluccana_ (Fig. 36 u. 38) oder -- seltener -- _Hypophorus subumbrans_,
_Cassia florida_ oder _Sponia velutina_, in Südamerika beim _Kaffee_
wohl auch _Castilloa_ benutzt. In Ceylon wird der _Kaffee_ ohne
Schattenpflanze kultiviert (Taf. I), wie auch der _Tee_ (Taf. II),
ebenso der _Tabak_ in Sumatra (Fig. 22).

Schattendächer verwendet man auch bei den Nurseries der _Cinchonen_
in Java, des _Kaffee_, der _Hevea_ u. a. (Fig. 21, 53–55, 57, 58).
In den sumatranischen Tabakspflanzungen werden die jungen Pflänzchen
durch breite «Schattenhölzchen», die man neben die Pflanze in den Boden
steckt und später entfernt, gegen die Strahlen der Sonne geschützt
(Fig. 59). Bei den jungen Sämlingen der Korkeiche dient in Portugal der
_Wein_ als Schattenpflanze.

In Indien werden junge _Cacao_pflanzen mit _Musa_ (besonders _M.
textilis_) beschattet, ältere mit _Albizzia moluccana_ oder _Erythrina
lithosperma_ (Dadap). In Ceylon sah ich _Erythrina_arten dem Zwecke
dienen (_E. indica_ und _lithosperma_), sowie _Artocarpus integrifolia_
(Djaktree). Auch in Venezuela werden _Erythrinen_ dazu benutzt (_E.
Corallodendron_, _velutica_, _umbrosa_), für junge Anlagen an Stelle
der _Bananen_ auch _Yuccas_.

[Illustration: Fig. 43.

_Pfeffer_plantage in Java. Stützbaum: _Eriodendron anfractuos_.
(Kapok). [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 44.

_Vanille_plantage von Combani (Mayotte) auf Réunion. Stützbäume.
[+Lecomte+ phot. durch +Roure-Bertrand+.]]

[Illustration: Fig. 45.

_Vanilla planifolia_ in Spalierkultur in Java, links im Laub ein
Fruchtbündel. [+Tschirch+ phot.]]

In Venezuela wird der _Kaffee_ stets mit Schattenbäumen gepflanzt --
der Schattenbaum heißt «+Koffiemama+» -- und zwar werden in der Tierra
caliente und templada _Erythrina glauca_ und _micropteryx_ (Bucares),
_Pithecolobium Saman_ und _Inga_arten (Guamos), in der Tierra fria
mehrere _Inga_arten (_Inga longituba_, _Hartii, marginata_, _edulis_
usw.) dazu benutzt. Beim _Cacao_ werden in Trinidat _Erythrina_arten
(_E. amasisa_, _micropteryx_, _glauca_) oder _Pithecolobium Saman_,
in Surinam _Erythrina glauca_ oder _umbrosa_ -- «+Kakaomama+» -- als
Schattenbäume gepflanzt. _Hura crepitans_ und _Artocarpus incisa_ haben
sich nicht bewährt. In Grenada pflanzt man _Cacao_ ohne Schattenbaum.
In Guatemala dienen als Schattenpflanzen entweder stehengebliebene
Urwaldbäume (besonders Leguminosen, Fig. 37) oder gepflanzte
_Inga_arten, _Gliricidia sepium_ -- hier die «+Madre del Cacao+» --,
_Trema micrantha_ und _Erythrina_arten (z. B. _E. amasisa_). In San
Andres-Osuna dient _Cinchona Succirubra_, in San Isidro _Castilla
elastica_, bei Guatemala sogar eine _Cypresse_ als Schattenbaum des
_Kaffee_ (~Preuss~). _Manihot_ wird auf Sansibar als Schattenbaum der
_Vanille_ gepflanzt. In Portorico werden neuerdings die _Tabak_felder
auf weite Strecken mit leichten Stoffen überspannt (Taf. VII).

Auch das Zurückschneiden (topping, pruning) ist eine bei vielen in
Plantagenkultur befindlichen Arzneipflanzen wichtige Operation.
So werden die _Tee_- und _Ceylonzimt_bäumchen stets so stark
zurückgeschnitten, daß sie Strauchform annehmen (Fig. 29, 30, 40 u.
Taf. II). Bei dem _Cacao_baum kappt man den Gipfeltrieb und läßt,
um den Baum breiter und niedriger zu halten, nur zwei oder drei
gleichwertige Basaltriebe sich entwickeln, so daß man in der Plantage
meist zwei- oder dreigabelige Stämmchen findet.

Eine besondere Rolle spielen die dem Rande der Plantage entlang
gepflanzten Windbrecher (windbrekers), die dem Windschutz dienen. Bei
_Cacao_pflanzungen fand ich in Java oft _Bixa Orellana_ als Windbrecher
gepflanzt (Fig. 56), bei _Kaffee_pflanzungen auch _Morus indica_ und
_Hibiscus elatus_.

In Südamerika wird _Cedrela odorata_ zu gleichem Zwecke benutzt.

[Illustration: Fig. 46.

_Dioscorea alata_ an dem Stützbaum kletternd (Java). [+Tschirch+ phot.]]

Eine besondere Gruppe bilden die Pflanzen, die nur mit einer Stütze
wachsen können, also zur Klasse der Klimmpflanzen (climbing plants)
gehören. Sie werden entweder an Spalieren gezogen (Fig. 45) oder an in
einiger Entfernung voneinander gepflanzten Stützbäumen (Fig. 42–44)
oder an beiden, d. h. an zwischen Stützbäumen angebrachten Spalieren.
Alle drei Methoden werden bei der _Vanille_ benutzt. Nur an Stützbäumen
werden der _Pfeffer_ (Fig. 43) und die _Cubebe_ (Fig. 42) gezogen.

Als Stützbäume des _Pfeffers_ sind folgende Arten benutzt worden:
_Erythrina indica_ (Dadap), _Eriodendron anfractuosum_ (Kapok), _Areca
Catechu_ (Pinang), _Artocarpus integrifol._, _Hyperanthera Moringa_,
_Morinda citrifolia_, _Mangifera indica_. Sie dienen gleichzeitig als
Schattenbäume. An Bäumen gerankt wird die _Vanille_ auf den Seychellen,
was sich dort mehr bewährt als die Spalierkultur.

Der eigentlichen Kultur im engeren Sinne steht =die
forstwirtschaftliche Pflege= gegenüber, die darin beruht, daß man
+vorhandene+ Bestände möglichst schonend ausbeutet und eventuell wieder
aufforstet, wo Lücken eintreten. In solcher forstwirtschaftlicher
Pflege steht bei uns z. B. die _Eiche_, in China der _Zimtbaum_ und
neuerdings, seit die japanische Forstverwaltung eingegriffen hat,
in Formosa der _Campherbaum_, ferner in Amerika und in Frankreich
(Departement des Landes) die Harz liefernden _Coniferen_. In
forstlicher Pflege befinden sich auch die _Korkeichen_wälder in
Algerien, Tunis und Marokko.

Übrigens hatte schon ~Mutis~ und dann auch die Jesuiten vorgeschlagen,
die _Cinchonen_ in Bolivien und Peru in forstliche Pflege zu nehmen, um
der drohenden Ausrottung zu begegnen.

Bei den «_Yerbales_», den _Matebaum_wäldern in Südamerika kann von
«forstlicher Pflege» wohl kaum die Rede sein, ebensowenig bei den
_Quebracho_wäldern Argentiniens.

Bisweilen werden die =Ernteprodukte sogleich am Orte der Kultur weiter
verarbeitet.= So destilliert man z. B. in Cölleda das _Pfefferminzöl_,
in den Rosendistrikten Bulgariens und in den Öldistrikten
Südfrankreichs wandert man mit den Destillierblasen durch die Kulturen
und destilliert die ätherischen Öle an Ort und Stelle und mitten in den
Rosenfeldern von Miltitz haben ~Schimmel & Co~. ihre Fabrik errichtet
(Taf. III).

Bei der Anpflanzung spielt die richtige =Pflanzweite= eine große Rolle.
Sie wird durch Versuche festgestellt. Die _Tee_pflanzen z. B. werden
in Java 2–4 Fuß voneinander gesetzt in 3–4 Fuß voneinander entfernten
Reihen, die _Cacao_pflanzen 10–20 (meist 15) Fuß voneinander, die
_Cinchonen_ sehr verschieden, jetzt meist 4 Fuß voneinander.

[Illustration: Fig. 47.

_Vanilla planifolia_ an einem Stützbaum kultiviert (Ceylon).

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Tafel VIII

Typischer Urwald an den Abhängen des Gedé (Java).

Gemischter Regenwald der tropischen Zone. _Lianen_, im Unterholz _Musa_
und _Baumfarn_.

[Aus +Tschirch+, Der javanische Urwald, 1891.]]

[Illustration: Tafel IX

Beginn der Anlage einer Plantage in Sumatra. Fällen des Urwaldes. Im
Vordergrunde einige Keimbeete.]

[Illustration: Fig. 48.

_Cacaofarm_ der westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Bibundi in
Kamerun.]

[Illustration: Fig. 49.

Anlage einer _Tabak_plantage auf Sumatra. Der Wald ist gefällt, die
Wege angelegt.

[Kolon. Mus. Haarlem.]]

[Illustration: Fig. 50.

Der niedergelegte Urwald. Beginn der Anlage einer _China_plantage in
Mitteljava.

[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

[Illustration: Fig. 51.

Anlage einer Teeplantage auf einer niedergelegten Urwaldspartie in
Ceylon.

[Aus +Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]

Auch beim _Safran_ wird eine ganz bestimmte Pflanzweite innegehalten.
Die Knollen werden hier in Abständen von 8–10 cm in Reihen gesetzt,
die 20 cm voneinander entfernt sind. Daher kommt es, daß für den Anbau
ziemlich große Flächen gebraucht werden.

Bei tropischen Kulturen (_Cacao_, _Tee_) werden auch oft zwischen den
Pflanzreihen Gräben zur Drainage gezogen. Die Einzelheiten sind
in meinem Buche: «+Indische Heil- und Nutzpflanzen und deren Kultur+»
(Berlin 1892) nachzusehen.

Schon ~Plinius~ empfiehlt alternierende Reihen als beste
Anpflanzungsart, d. h. eine Anordnung:

                          ■     ■     ■     ■
                             ■     ■     ■
                          ■     ■     ■     ■

Die sog. +Quincunx+, weil drei Bäume jedesmal eine römische V bilden.

[Illustration: Fig. 52.

Ausheben der Pflanzlöcher in einer neuangelegten _Kautschuk_plantage in
Indien. [F. O. +Koch+ phot.]]

Nur bei einigen der Kulturen im großen Stil (Plantagenkulturen) --
_Tee_, _Cacao_, _Kaffee_, _China_, Riechstoffpflanzen -- sind auch
Versuche mit =Kreuzungen= (Hybridenbildung), =Pfropfungen= u. dergl.
gemacht worden und nur bei ihnen hat man auch den Einfluß der Düngung,
der Bodenbeschaffenheit, der Beschattung, der Drainage, der Meereshöhe
und Regenmenge systematisch studiert. Hier bleibt noch ein großes Feld
für weitere wissenschaftliche Arbeit im Dienste der Praxis. Denn nur
bei den _Cinchonen_ sind die Versuche bisher nach +allen+ Richtungen
hin durchgeführt worden, haben aber hier zu sehr bemerkenswerten
Resultaten geführt. So liefert z. B. gerade die Hybride zwischen
_Cinchona Succirubra_ und _C. officinalis_ eine sehr wertvolle Rinde.

Besondere in den Kulturen geübte Verfahren sind das «+Erneuern der
Rinde+» bei den _Cinchonen_, das zur Entstehung der hochwertigen
«Renewed barks» führt und das ähnliche Verfahren bei der _Korkeiche_,
wo der sog. «+männliche+» Kork abgeschält wird und sich aus dem
Korkcambium der viel wertvollere «+weibliche+» Kork entwickelt (s.
Einsammlung).

[Illustration: Fig. 53.

Neue Saatbeete einer _Kautschuk_pflanzung in Indien. Im Hintergrunde
der Urwald. [F. O. +Koch+ phot.]]

In den alten berühmten Arzneikulturorten +Clermont Ferrand+
(Frankreich), +Puglia+ und +Acquila+ (Italien) und den vielen Orten,
die uns aus den Namen der Safransorten des Mittelalters bekannt
sind (vgl. Pharmakodiakosmie) -- noch erinnern einige Ortsnamen
(Capo Zaffarano bei Palermo, Zaffarana bei Marsala) daran -- sind
jetzt die Kulturen von Arzneipflanzen ganz zurückgegangen. Auch
die _Crocus_kultur +Frankreichs+ ist jetzt ganz auf Gâtinais, wo
im XVII. Jahrh. mit der Kultur begonnen wurde, beschränkt und von
1143 Hektar (1869) auf 477 (1902) zurückgegangen. Vorwärts gehen die
Kulturen eigentlich nur in +Amerika+, wo das zielbewußte Vorgehen
des +Agriculture Department+ einen Fortschritt anbahnt, in +Spanien+
bezüglich des _Safran_ und besonders in +Rußland+, dessen riesige
unbebaute Landflächen billiges Land und dessen arme Bevölkerung
billige Arbeitskräfte darbietet, das also für die Arzneipflanzenkultur
prädestiniert ist. Schon 1886 habe ich der damals entsandten russischen
Studienkommission die Arzneipflanzenkultur warm empfohlen. Auch
+Ungarn+ produziert steigende Mengen.

In +Deutschland+ gehen allenthalben die Arzneipflanzenkulturen zurück.
Ich wiederhole, was ich schon in meinem Aufsatze: «Der Anbau der
Arzneigewächse in Deutschland» 1890 sagte: «Es wird Sache der großen
Drogenfirmen sein, die dabei zunächst interessiert sind und allein eine
genaue Übersicht über den wirklichen Bedarf, über die Nachfrage haben,
auf Erhaltung und Hebung der heimischen Arzneipflanzenkultur durch
sachgemäßen, den Kultivateuren erteilten Rat hinzuwirken.»

Gut rentabel wird die Arzneipflanzenkultur in Mitteleuropa nur bei
billigen Bodenpreisen und niedrigen Löhnen. Die _Mohn_kultur (zwecks
_Opium_gewinnung) und die _Safran_kultur wurden in Deutschland
verlassen, da sie zu viel teure Arbeitskräfte verlangten. Doch ist
überall dort, wo Böden frei werden, z. B. in von der _Phylloxera_
verwüsteten Weinbergen (vgl. die Lit.) oder wo der Boden eine
Fruchtfolge verlangt durch Anbau von Arzneipflanzen eine Rendite zu
erzielen und der Apothekergarten lohnt auch heute noch die darauf
verwendete Mühe. Der Anbau von _Mohn_ zur _Opium_gewinnung ist
meines Erachtens auch in Europa noch heute lohnend, da die Samen als
Nebenprodukt gewonnen werden können.

[Illustration: Fig. 54.

_Cinchona_-Nursery unter Schutzdächern auf Java. [+Schröter+ phot.]]

Einjährige Pflanzen werden aus Samen erzogen, mehrjährige (_Mentha_) am
besten aus Setzlingen (Stecklingen). Der Boden, die Bewässerung, die
Beschattung sind für jede Art auszuprobieren. Alle die, welche sich mit
Arzneipflanzenkultur beschäftigen wollen, verweise ich auf die unten
angegebene Spezialliteratur (besonders auf ~Löbe~ und ~Schöller~). Die
Hauptsache tut aber die eigene Erfahrung.

In starker Progression wachsen die =tropischen Arzneipflanzenkulturen=,
die durch Einführung der landwirtschaftlichen Maschinen neue
Impulse empfingen. +Von Boden und Klima+ begünstigt, werfen sie,
rationell betrieben, guten Nutzen ab. So haben besonders die
_Cinchona_pflanzungen auf Java und in Vorderindien, die _Tee_- und
_Kaffee_pflanzungen in Java, die Kulturen der _Kautschuk_bäume
(besonders _Hevea_) in Sumatra, Malacca, Ceylon, Mysore, Travancore,
Assam, Birma, Neu-Guinea, Samoa, der _Guttapercha_bäume auf Java,
die _Kaffee_pflanzungen in Brasilien, die _Vanille_kulturen auf
Bourbon, den Seychellen, Comoren und Madagaskar und auf Tahiti, die
_Pfeffer_kulturen im Malaiischen Archipel bedeutende Dimensionen
angenommen und auch in den deutschen Kolonien schreitet man kräftig
vorwärts und versucht es mit allen möglichen Heil- und Nutzpflanzen
(_Cacao_, _Tabak_, _Kautschuk_, _Kaffee_, _Cinchonen_), wirksam
unterstützt von der heimischen Versuchsstation in Berlin und
der Station in Amani (D. O. A.). Diese tropischen Kulturen, bei
deren Anlage alle Faktoren (Meereshöhe, Regenmenge, Temperatur)
berücksichtigt werden, werden jetzt mit allen modernen Hilfsmitteln
betrieben. In der Estate (Fig. 48) wohnt der europäische Direktor
oder Assistentdirektor und seine Assistenten, in einiger Entfernung
liegen die Hütten der unter besonderen Chefs (Mantri besar in Java)
stehenden Eingeborenen (Fig. 12). Zunächst wird der tropische Urwald
(Taf. VIII) niedergelegt (Taf. IX, Fig. 49–51), die Bäume entweder
verbrannt oder verrotten gelassen oder nutzbar gemacht. Dann stellt man
mit eisernen Stöcken Pflanzlöcher her (Fig. 51 u. 52). In Keimbeeten
(Saatbeeten, Fig. 55 u. 57) werden die Samen zum Keimen gebracht,
in Nurseries (Pepinièren, Fig. 59–61) die jungen Pflänzchen bis zur
Höhe einiger Dezimeter gezogen, dann in die sorgfältig drainierte und
reingehaltene, wohl auch rationell gedüngte Plantage überpflanzt und
auch hier noch dauernd überwacht, wie ich dies in meinen +Indischen
Heil- und Nutzpflanzen+ ausführlich geschildert habe. Auch dem Trocknen
und (event.) Fermentieren wird die größte Sorgfalt gewidmet. Nicht
selten wird dann sogar das Endprodukt einer chemischen Kontrolle
unterworfen. So gleicht eine solche Pflanzung einem in jeder Hinsicht
wohlorganisierten Staate.

[Illustration: Fig. 55.

Saatbeete für keimende _Cinchona_samen auf Java.

[+Schröter+ phot.]]

[Illustration: Fig. 56.

_Bixa Orellana_ (in Blüte) als «Windbrecher» am Rande einer
_Cacao_plantage in Java gepflanzt.

[+Tschirch+ phot.]]


[Illustration: Fig. 57.

Gedeckte Keimbeete (Kweekereij) in der Regierungschinaplantage in
Tjibouroum (Java).

[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

[Illustration: Fig. 58.

_Kaffee_-Saatbeet in Surinam mit Schattendach. [Aus +Preuß+, Zentral-
und Südamerika.]]


[Illustration: Fig. 59.

Pepinièren einer sumatranischen _Tabak_pflanzung, die jungen Pflänzchen
durch Schattenhölzer geschützt.

[Nach +Haarsma+, Tabakbau in Deli.]]

In Java bestehen sowohl +Gouvernements+ Kina Ondernemingen (seit
1854) wie +Particuliere+ Kina Ondernemingen (ungefähr seit 1870),
d. h. sowohl Regierungs- wie Privatchinaplantagen. Letztere sind viel
umfangreicher als erstere. So kamen 1906 aus den Gouvernementskulturen
777660 kg, aus den Particulierekulturen 8016820 kg _Chinarinde_ nach
Amsterdam. Auch in Ostindien bestehen beide nebeneinander.

Sehr umfangreich sind in +extratropischen+ Gegenden die _Oliven_- und
_Agrumen_kulturen in Italien und Südfrankreich, die immer noch in
aufsteigender Richtung sich bewegenden _Rosen_kulturen in Bulgarien,
die _Pfefferminz_kulturen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika
und Japan, die _Anis_kulturen in Rußland (1906: 5000 Desjätinen), die
_Kümmel_kulturen in Holland, die _Süßholz_kulturen in Südrußland.

Einen besonderen Zweig der Kulturen bilden die Kulturen von Pflanzen
mit Riechstoffen (Miltitz b. Leipzig, Grasse, Rumelien). Hier gelangen
die kultivierten Pflanzen nicht in den Handel, sondern direkt in die
Fabriken der ätherischen Öle, Riechstoffe und Parfüms, wo sie sofort
verarbeitet werden.

       *       *       *       *       *

Über die =Verbreitung der Arzneipflanzenkultur= orientieren folgende
Tabellen (S. 61 u. flgd.).

Bisweilen hat der Versuch, eine außereuropäische Arzneipflanze in
Europa zu kultivieren, zwar nicht zu einem gleichwertigen Produkte
geführt, aber eine Kultur hervorgerufen, die sich doch als ganz
lukrativ erwies. Der Versuch, _Rheum palmatum_ und _Rheum officinale_
in Frankreich und England so zu akklimatisieren, daß ein dem
chinesischen _Rhabarber_ gleichwertiges Produkt erhalten wird, darf
als vorläufig gescheitert betrachtet werden. Es scheint, daß diese
Gebirgspflanzen in der Ebene degenerieren (s. oben). Aber die Rhizome
sind doch als «_europäischer Rhabarber_»(neben der _Rhapontic_)
verkäuflich, allerdings minderwertig.

1889 wurden auf Anregung des +Vereins zur Beförderung des Gartenbaues
in den königl. preußischen Staaten auf den Rieselfeldern bei
Blankenburg+ (bei Berlin) systematische Versuche mit dem Anbau von
_Mentha_, _Datura_, _Hyoscyamus_, _Salvia_, _Hyssopus_, _Aconitum_ und
_Pyrethrum_ gemacht und zum Trocknen eine ~Mayfarth~sche Darre benutzt.
Über diese Versuche habe ich (Arch. d. Pharm. 1896) berichtet.

[Illustration: Fig. 60.

Etwas ältere (einjährige) _Cinchona_pflänzchen vor der Überführung in
die Tuins auf Java. [+Schröter+ phot.]]

Bisweilen mischt sich der +Aberglaube+ -- wie überall hinein -- auch
in die Arzneipflanzenkulturen. So berichtet ~Usteri~ (Beobacht. über
tropische Märkte und ihre vegetabil. Prod. Atti soc. elvet. sc. natur.
1903), daß auf Negros die Eingeborenen die Kulturen von _Piper Betle_
aufs Sorgfältigste gegen Eindringlinge schützen, da sie glauben,
daß die Pflanzen zum Absterben gebracht werden, wenn drei Personen
gleichzeitig den Garten betreten, wenn ein Weib zu den Pflanzen tritt
oder jemand Salz an eine seiner Pflanzen wirft.

Die =deutschen Arzneipflanzenkulturen=, die ich in der folgenden
Tabelle spezialisiert zusammengestellt habe, sind an bestimmte
=Zentren= gebunden. Seit alter Zeit bauen +Sachsen+, +Thüringen+
und +Franken+ Arzneipflanzen. Die Kulturen des Thüringer Hügellandes
betreffen besonders: _Coriander_, _Alant_, _Liebstock_, _Angelica_,
_Baldrian_, _Verbascum_, die +Cölledas+ (an der Unstrut): _Angelica_
und _Mentha piperita_, und so heißt denn die Bahn, welche von Cölleda
nach Großheeringen führt, die «Pfefferminzbahn». Dann finden sich bei
+Jena+ (Jenalöbnitz) Kulturen zahlreicher Arzneipflanzen, und zwischen
Leipzig und Halle, Borna, Altenburg, Lützen, Weißenfels Kulturen z. B.
der _römischen Kamille_, von _Kümmel_, _Fenchel_, _Mentha_, _Malven_,
_Angelica_, _Majoran_, _Anis_, _Calendula_. In Franken blühen die
_Malvaceen_kulturen (Schweinfurt).

[Illustration: Fig. 61.

_Tee-Nursery_ auf Ceylon. [Aus +Tschirch+, Indische Heil- und
Nutzpflanzen.]]

Auch =außerhalb Deutschlands= gibt es besonders bevorzugte Zentren
der Arzneipflanzenkultur, so in England: +Bedfordshire+, +Suffolk+,
+Surrey+, in Frankreich: +Languedoc+, in Rußland: die Gouvernements
+Moskau+, +Poltawa+, +Jaroslaw+. Holland diktiert jetzt den Marktpreis
für _Kümmel_ und _Senf_, Rußland den für _Anis_. Der Spezialmarkt
für _Anis_ ist +Krasnoje+, das inmitten des größten Anisbaubezirkes
liegt, der für _Canthariden_ +Poltawa+. Auf die Märkte von +Nischnij
Nowgorod+ und +Irbit+ werden auch Drogen gebracht. Zentren der
_Citrus_kulturen für die sog. «Messinaer und Calabreser Essenzen»,
d. h. die _Citrusöle_, sind Sizilien und Calabrien mit den Exporthäfen
Messina, Palermo und Reggio, Zentren der _Veilchenwurzel_kultur sind:
+Florenz+ und +Verona+, der _Rosen_kultur für türkisches _Rosenöl_:
+Kezanlik+, für _Crocus_: +Spanien+, für amerikanische _Mentha_:
+Michigan+ und +Indiana+, für amerikanische _Colophonium_-Nadelhölzer:
+Alleghany+, für _Mohnkultur_ zur _Opium_gewinnung: das nördliche und
das südwestliche Kleinasien, für _Chinarinde_: +Java+ u. a. m.

Die Angaben in den folgenden Tabellen beruhen auf Erkundigungen im
Lande selbst, bezw. auf eigenen Erfahrungen. In Deutschland und der
Schweiz erhielt ich Auskünfte bei den Drogenfirmen, dann in Nürnberg,
Cölleda, Jena (Jenalöbnitz) bei mit der Sache Vertrauten, für Rußland
erhielt ich Angaben von ~W. Ferrein~ und ~Gauchmann~, für Frankreich
von ~L. Planchon~ und ~Collin~, für Belgien von ~Ranvez~, für
Holland von ~van Itallie~, für England von ~Greenish~ und ~Holmes~,
für Österreich von ~Fritz & Co~., für Ungarn von ~Augustin~ und
~Weber~. Für Nordamerika benutzte ich die Berichte des +Department of
Agriculture+ und ~Kraemers~ Angaben.


Verzeichnis der in Deutschland kultivierten Arzneipflanzen.

  ======================+==================+============================
    Name der Pflanze    | Benutzter Teil   |      Ort der Kultur
  ======================+==================+============================
  Lilium candidum L.    |Blüten            | Jenalöbnitz.
                        |                  |
  Acorus Calamus L.     |Rhizom            | Danzig, Neustäderwald und
                        |                  | Praust bei Danzig, Stettin,
                        |                  | Liebenwerda (Thüring.).
                        |                  |
  Cannabis sativa L.    |Frucht            | Schwarzwald, Württemberg,
                        |                  | Baden, im Donau- und
                        |                  | Illergebiet.
                        |                  |
  Saponaria officinalis |Wurzel            | Jenalöbnitz, Heldrungen.
    L.                  |                  |
                        |                  |
  Adonis vernalis L.    |Kraut und Blüte   | Jenalöbnitz, Greußen i.
                        |                  | Thür.
                        |                  |
  Nigella sativa L.     |Samen             | Bei Erfurt, Söflingen b.
                        |                  | Ulm.
                        |                  |
  Aconitum Napellus L.  |Kraut und Knollen | Mittenwald a. Isar
                        |                  | (Ober-Bayern), Jenalöbnitz,
                        |                  | Ebingen (Württemberg),
                        |                  | Blankenburg b. Berlin.
                        |                  |
  Paeonia officinalis   |Blüten (Korolle)  | Jenalöbnitz (bes. auf dem
    L.                  |und Samen         | Mönchsberg).
                        |                  |
  Papaver somniferum L. |Samen (und Frucht)| Angermünde, Magdeburg,
                        |                  | Gotha.
                        |                  |
  Papaver Rhoeas L.     |Blüten (Korolle)  | +Jenalöbnitz+, Schweinfurt,
                        |                  | Nürnberg.
                        |                  |
  Cheiranthus Cheiri L. |Blüten            | Jenalöbnitz.
                        |                  |
  Sinapis alba L.       |Samen             | Aken a. Elbe,
                        |                  | Klosterzimmern (östl.
                        |                  | Ries.).
                        |                  |
  Brassica nigra Koch   |Samen             | Elsaß.
                        |                  |
  Cochlearia            |Kraut             | Jenalöbnitz, Eisfeld b.
    officinalis L.      |                  | Hildburghausen, Saarunion.
                        |                  |
                        |                  |
  Malvaceen]            |        --        | Umgegend von +Nürnberg+
                        |                  | (Großreuth, Kleinreuth,
                        |                  | Lohe, Almoshof, Kraftshof,
                        |                  | Thon, Buch, Wetzendorf,
                        |                  | Rohnhof, Poppenreuth, Sack,
                        |                  | einiges auch in
                        |                  | Ziegelstein, Maiach,
                        |                  | Erlenstegen, Leih, Bislohe,
                        |                  | Schnepfenreuth), Umgegend
                        |                  | von +Schweinfurt+
                        |                  | (Sennfeld, Gochsheim,
                        |                  | Schwebheim, Räthlein,
                        |                  | Prichsenstädt),
                        |                  | +Jenalöbnitz+, ferner Groß-
                        |                  | u. Klein-Langheim,
                        |                  | Gerolzhofen, Castell,
                        |                  | Rüdenhausen (Bez.-Amt
                        |                  | Kitzingen), +Schlauraf+.
                        |                  | Eingegangen sind die
                        |                  | Kulturen in Aken,
                        |                  | Ringleben, Haßleben und
                        |                  | Klosterzimmern (östl.
                        |                  | Ries.), +Bauerngärten+.
                        |                  |
  Malva vulgaris Fries} |Kraut             | Dorndorf i. Thür.
  Malva silvestris L. } |                  |
                        |                  |
  Althaea officinalis   |Wurzel und Blätter| Bei +Nürnberg+,
    L.                  |                  | +Schweinfurt+ (Gochsheim,
                        |                  | Sennfeld, Schwebheim),
                        |                  | Jenalöbnitz, Söflingen b.
                        |                  | Ulm.
                        |                  |
  Althaea rosea Cav.    |Blüten            | Bei +Nürnberg, Jena+ und
                        |                  | +Jenalöbnitz+,
                        |                  | +Schweinfurt+
                        |                  | (Prichsenstädt), Cölleda,
                        |                  | Schlauraf, Heldrungen
                        |                  | (Hemleben, Gorsleben),
                        |                  | Donndorf, Ebingen, Gotha,
                        |                  | Bamberg, Blaubeuren,
                        |                  | Hegnach (Württemberg) und
                        |                  | in Bauern- und
                        |                  | Apothekengärten.
                        |                  |
  Ruta graveolens L.    |Kraut             | Aken a. Elbe, Gernrode a.
                        |                  | Harz, Jenalöbnitz,
                        |                  | Ringleben, Haßleben,
                        |                  | Nürnberg, Söflingen b. Ulm
                        |                  | und in Bauerngärten.
                        |                  |
  Rhus toxicodendr.     |Blätter           | Jenalöbnitz.
    Mich.               |                  |
                        |                  |
  Pimpinella Anisum L.  |Frucht            | Bei Weißenfels, Halle und
                        |                  | Erfurt, ferner in Franken
                        |                  | und Württemberg.
                        |                  |
  Carum Carvi L.        |Frucht            | +Erfurt+, bei Weißenfels,
                        |                  | Halle, Merseburg, Cölleda,
                        |                  | Bitburg, Ostseeprovinzen,
                        |                  | Hegnach (Württemberg),
                        |                  | Söflingen b. Ulm.
                        |                  |
  Archangelica          |Wurzel            | +Cölleda+, Frohndorf,
    officinalis Hoffm.  |                  | Neuhausen, Orlishausen,
                        |                  | Stödten, Ober-Heldrungen,
                        |                  | +Schneeberg+ (Bockau,
                        |                  | Lauter, Zschorlau,
                        |                  | Sachsenfeld), Schweinfurt
                        |                  | (Gochsheim, Schwebheim),
                        |                  | Miltitz b. Leipzig.
                        |                  |
  Levisticum officinale |Wurzel            | Cölleda (Frohndorf,
  Koch                  |                  | Orlishausen, Stödten,
                        |                  | Neuhausen), Miltitz b.
                        |                  | Leipzig und in
                        |                  | Bauerngärten.
                        |                  |
  Foeniculum            |Frucht            | Weißenfels, Leipzig, Halle,
    capillaceum Gilib.  |                  | Erfurt, Markranstädt-Lützen
                        |                  | (b. Merseburg), Cölleda,
                        |                  | Aken, Blankenburg b.
                        |                  | Berlin, Söflingen b. Ulm,
                        |                  | ferner in Franken und
                        |                  | Württemberg.
                        |                  |
  Anethum graveolens L. |Frucht            | Magdeburg, Quedlinburg,
                        |                  | Kahla (Thüringen), Jena.
                        |                  |
  Petroselinum sativum  |Kraut und Wurzel  | Jenalöbnitz, Miltitz b.
  Hoffm.                |                  | Leipzig, bei Nürnberg und
                        |                  | in vielen Bauern- und
                        |                  | Apothekengärten.
                        |                  |
                        |Frucht            | Quedlinburg, Jenalöbnitz.
                        |                  |
  Meum athamanticum     |Rhizom            | +Schneeberg+ (Bockau,
    Jacq.               |                  | Lauter, Zschorlau,
                        |                  | Sachsenfeld).
                        |                  |
  Coriandrum sativum L. |Frucht            | Bei +Erfurt+, Walschleben,
                        |                  | Elxleben, Gr. Dachwig,
                        |                  | Großrudestedt, Udestedt,
                        |                  | Söflingen b. Ulm.
                        |                  |
  Conium maculatum L.   |Kraut             | Aken, Eisfeld b.
                        |                  | Hildburghausen.
                        |                  |
  Punica Granatum L.    |Blüten            | Leipzig u. and.
                        |                  |
  Rosa gallica L.       |Blüten (Korolle)  | Vierlanden (b. Hamburg),
                        |                  | Jenalöbnitz (Nürnberg).
                        |                  |
                        |                  |
  Rosa centifolia L.    |Blüten (Korolle)  | Jena, Jenalöbnitz, Greußen
                        |                  | i. Thür., Gotha.
                        |                  |
  Rosa damascena Miller |Blüten (Korolle)  | Miltitz bis Markranstädt
  (bulgar. Rose)        |                  | (Sachsen).
                        |                  |
  Trigonella Faenum     |Samen             | Bei Erfurt, Großengottern,
  graecum L.            |                  | Mühlhausen i. Thür.,
                        |                  | Cölleda, Söflingen b. Ulm,
                        |                  | im Vogtland.
                        |                  |
  Melilotus officinal.  |Kraut             | Jenalöbnitz, Schweinfurt.
    Desr. und M.        |                  |
    altissimus Thull.   |                  |
                        |                  |
  Glycyrrhiza glabra L. |Wurzel            | Schweinfurt (Schwebheim).
                        |                  |
  Menyanthes trifoliata |Blätter           | Cremmen (Brandenburg),
    L.                  |                  | Zehdenick, Leichholz b.
                        |                  | Frankfurt a. O.,
                        |                  | Alt-Ruppin, Ebnath
                        |                  | (Bayern), Nürnberg.
                        |                  |
  Borago officinalis L. |Blüten und Kraut  | Jenalöbnitz (Löberschütz,
                        |                  | Beutnitz, Golmsdorf,
                        |                  | Frauenprießnitz).
                        |                  |
  Cynoglossum           |Kraut             | Jenalöbnitz.
    officinal. L.       |                  |
                        |                  |
  Hyoscyamus niger L.   |Blätter und Samen | Blankenburg b. Berlin,
                        |                  | Gernrode, Schweinfurt
                        |                  | (Schwebheim), Jenalöbnitz,
                        |                  | Hegnach (Württemberg),
                        |                  | Aken, Eisfeld b.
                        |                  | Hildburghausen, Oberhausen
                        |                  | und in einigen
                        |                  | Apothekengärten.
                        |                  |
  Atropa Belladonna L.  |Blätter           | Blankenburg b. Berlin,
                        |                  | Blankenburg am Harz, im
                        |                  | Rhein- und Ruhrgebiet und
                        |                  | in einigen Apothekengärten.
                        |                  |
  Datura Stramonium L.  |Blätter, Samen    | Blankenburg b. Berlin,
                        |                  | Aken, Gernrode.
                        |                  |
  Verbascum Thapsus L., |Blüten (Korolle)  | +Neudorf+  (Bruchsal),
  V. thapsiforme,       |                  | +Schweinfurt+ (Schwebheim,
                        |                  | Räthlein), +Aken+,
  V. phlomoid. L.       |                  | Ballenstedt a. Harz,
                        |                  | Blaubeuren, Schwarzenfeld
                        |                  | (Nabburg), Sonderburg
                        |                  | (Alsen) und in vielen
                        |                  | Bauern- und
                        |                  | Apothekengärten.
                        |                  |
  Veronica officinalis  |Kraut             | Leichholz b. Frankfurt
    L.                  |                  | a. O., Kemnath (Bayern),
                        |                  | Jenalöbnitz.
                        |                  |
  Mentha piperita L.    |Kraut             | +Cölleda, Aken+ a. Elbe,
                        |                  | +Neudorf+ (Bruchsal),
                        |                  | Lustaedt, Weingarten
                        |                  | (Rheinpfalz), Ringleben
                        |                  | (Thüring.), +Gebesee+ a.
                        |                  | Gera, Heldrungen,
                        |                  | Jenalöbnitz, Schweinfurt
                        |                  | (Gochsheim), Blankenburg b.
                        |                  | Berlin, Saarunion,
                        |                  | Söflingen b. Ulm, Nürnberg,
                        |                  | Hegnach (Württemberg),
                        |                  | Sonderburg (Alsen),
                        |                  | Gnadenfrei (Schlesien),
                        |                  | Wallmerod, Miltitz b.
                        |                  | Leipzig und in vielen
                        |                  | Apothekengärten.
                        |                  |
  Mentha crispa L.      |Kraut             | +Aken+ a. Elbe, +Cölleda+,
                        |                  | Ringleben, +Gebesee+,
                        |                  | Jenalöbnitz, bei Nürnberg,
                        |                  | Söflingen b. Ulm, Hegnach,
                        |                  | Blankenburg b. Berlin,
                        |                  | Neudorf (Bruchsal) und in
                        |                  | Bauerngärten.
                        |                  |
  Pulegium vulgare      |Kraut             | Jenalöbnitz.
    Mill.               |                  |
                        |                  |
  Salvia officinalis L. |Blätter           | +Gernrode, Jenalöbnitz+,
                        |                  | Aken, Greussen, bei
                        |                  | Leipzig, Blankenburg b.
                        |                  | Berlin, Heldrungen,
                        |                  | Cölleda, Saarunion (Els.),
                        |                  | Söflingen b. Ulm, Zanow,
                        |                  | Hegnach (Württemberg),.
                        |                  | Miltitz b. Leipzig und in
                        |                  | vielen Bauern- und
                        |                  | Apothekengärten
                        |                  |
  Salvia Sclarea L.     |Blüten und Kraut  | Jenalöbnitz.
                        |                  |
  Rosmarinus officinal. |Kraut             | Söflingen b. Ulm und in
    L.                  |                  | Bauerngärten.
                        |                  |
  Glechoma hederacea L. |Kraut             | Nürnberg, Jenalöbnitz.
                        |                  |
  Melissa officinalis   |Blätter           | Aken a. Elbe, Heiligenstadt
    L.                  |                  | (Thür.), Gotha,
                        |                  | Jenalöbnitz, Saarunion
                        |                  | (Els.), +Heldrungen+
                        |                  | (Hemleben, Gorsleben),
                        |                  | Cölleda, Ringleben,
                        |                  | Haßleben, Wernigerode,
                        |                  | Sonderburg (Alsen),
                        |                  | Söflingen b. Ulm, Hegnach
                        |                  | (Württemb.), ferner in
                        |                  | Baden und im Schwarzwald
                        |                  | und in zahlreichen Bauern-
                        |                  | und Apothekengärten.
                        |                  |
  Hyssopus officinalis  |Kraut             | Aken, Quedlinburg,
    L.                  |                  | Nürnberg, Jenalöbnitz,
                        |                  | Blankenburg b. Berlin,
                        |                  | Söflingen b. Ulm, Miltitz
                        |                  | b. Leipzig und in
                        |                  | Bauerngärten.
                        |                  |
  Thymus vulgaris L.    |Kraut             | Quedlinburg, Greußen,
                        |                  | Schweinfurt, Jenalöbnitz,
                        |                  | Zanow, Miltitz b. Leipzig
                        |                  | und in Bauern- und
                        |                  | Apothekengärten.
                        |                  |
  Lavandula vera DC.    |Blüten            | Blankenburg b. Berlin,
                        |                  | Söflingen b. Ulm, Miltitz
                        |                  | b. Leipzig.
                        |                  |
  Lamium album L.       |Blüten (Korolle)  | +Elbing+, Memel,
                        |                  | Jenalöbnitz.
                        |                  |
  Origanum Majorana L.  |Kraut             | Döbris i. Thüringen,
                        |                  | Heldrungen, Wuschlaub b.
                        |                  | Leipzig, Schweinfurt,
                        |                  | Blankenburg b. Berlin,
                        |                  | Zanow und in der
                        |                  | sächsischen Lausitz, sowie
                        |                  | in zahlreichen Bauern- und
                        |                  | Apothekengärten.
                        |                  |
  Ocimum Basilicum L.   |Kraut             | Jenalöbnitz, Quedlinburg,
                        |                  | ferner in Württemberg,
                        |                  | Baden und dem Schwarzwald.
                        |                  |
  Satureja hortensis L. |Kraut             | Jenalöbnitz, Gernrode.
                        |                  |
  Teucrium Scordium L.  |Kraut             | Praust b. Danzig, Greußen.
                        |                  |
  Bryonia vulgaris L.   |Wurzel            | Jenalöbnitz.
    u. B. dioica Jacqu. |                  |
                        |                  |
  Asperula odorata L.   |Kraut             | Rodigast i. Thür.
                        |                  |
  Sambucus nigra L.     |Blütenstand       | Franken und allenthalben.
                        |                  |
  Valeriana officinalis |Rhizom            | Gebesee, Cölleda,
    L.                  |                  | Neuhausen, Frohndorf,
                        |                  | Orlishausen, Stödten,
                        |                  | Büchel, Schneeberg (Bockau,
                        |                  | Lauter, Zschorlau,
                        |                  | Sachsenfeld), Ringleben,
                        |                  | Aschersleben, Pansfelde
                        |                  | (Harz), Ballenstedt,
                        |                  | Jenalöbnitz, Schweinfurt
                        |                  | (Schwebheim).
                        |                  |
  Artemisia Absynthium  |Kraut             | +Aken+ a. Elbe,
    L.                  |                  | +Steinkirchen+ (Spreewald),
                        |                  | Cölleda, Heldrungen
                        |                  | (Hemleben, Gorsleben),
                        |                  | Leichholz (Neumark),
                        |                  | Gernrode (Harz), Salzwedel
                        |                  | (Thüringen), Krausnick
                        |                  | (Brandenb.), Neudorf
                        |                  | (Bruchsal), Jenalöbnitz,
                        |                  | Miltitz b. Leipzig, ferner
                        |                  | in Württemberg, Baden und
                        |                  | im Schwarzwald und in
                        |                  | Bauerngärten.
                        |                  |
  Artemisia Abrotanum   |Kraut             | Jenalöbnitz, Jena,
    L.                  |                  | Söflingen b. Ulm.
                        |                  |
                        |                  |
  Artemisia Dracunculus |Kraut             | Bei +Erfurt, Blankenburg+
    L.                  |                  | b. Berlin, Ringleben,
                        |                  | Haßleben, Jenalöbnitz,
                        |                  | Miltitz b. Leipzig und in
                        |                  | Bauerngärten.
                        |                  |
  Pyrethrum             |Blütenstand       | Blankenburg b. Berlin.
    cinerariaefol.      |                  |
    Trev., P. carneum   |                  |
    Bieb., P. roseum    |                  |
    Bieb.               |                  |
                        |                  |
  Anacyclus officinarum |Wurzel            | Magdeburg, Gernrode a.
    Hayne               |                  | Harz.
                        |                  |
  Calendula officinalis |Blüten            | +Erlangen, bei +Nürnberg+,
    L.                  |                  | +Jenalöbnitz+, Bamberg,
                        |                  | Gotha, Ebingen, Donndorf.
                        |                  |
  Spilanthes oleracea   |Kraut             | Jenalöbnitz.
    Jacq.               |                  |
                        |                  |
  Anthemis nobilis L.   |Blütenstand       | Zwischen Leipzig und
                        |                  | Altenburg (Borna,
                        |                  | Kieritzsch-Leuka).
                        |                  |
  Silybum marian.       |Samen             | Jenalöbnitz, Jena,
    Gärtn.              |                  | Dorndorf.
                        |                  |
                        |                  |
  Lappa major Gärtn. u. |Wurzel            | Jenalöbnitz.
  andere Lappaarten     |                  |
                        |                  |
  Lactuca virosa L.     |Kraut u.          | Jenalöbnitz, Zell (Mosel).
                        |  Lactuarium      |
                        |                  |
  Tanacetum vulgare L.  |Blütenstand       | Neudorf (Bruchsal).
                        |                  |
  Inula Helenium L.     |Wurzel            | Cölleda (Frohndorf,
                        |                  | Orlishausen, Stödten),
                        |                  | Groß-Neuhausen (Weimar),
                        |                  | Schweinfurt (Schwebheim),
                        |                  | Nürnberg, Heldrungen,
                        |                  | Jenalöbnitz, Söflingen b.
                        |                  | Ulm und in Bauerngärten.
                        |                  |
  Scorzonera hispanica  |Wurzel            | Nürnberg, Jenalöbnitz.
    L.                  |                  |
                        |                  |
  Cnicus benedictus     |Kraut             | +Gernrode+ a. Harz,
    Gärtn.              |                  | +Jenalöbnitz+, Erfurt,
                        |                  | Heldrungen, bei Nürnberg,
                        |                  | Eisfeld b. Hildburghausen,
                        |                  | Aken a. Elbe, Söflingen b.
                        |                  | Ulm, Cölleda, Ringleben,
                        |                  | Haßleben u. in einigen
                        |                  | Apothekengärten.
                        |                  |
  Reseda                |Blüten            | Miltitz b. Leipzig.
                        |                  |
  Heracleum             |                  | Miltitz b. Leipzig.
                        |                  |
  Pastinak              |                  | Miltitz b. Leipzig.
                        |                  |
  Sellerie              |                  | Miltitz b. Leipzig.
                        |                  |
  Rubia tinctorum       |Wurzel            | Elsaß.
                        |                  |
  Cichorium Intybus     |Wurzel            | Große Anpflanzungen in der
                        |                  | Gegend von Mainz, Worms,
                        |                  | Mörisheim.


Die Bezirke Deutschlands und die wichtigsten von ihnen gelieferten
+wilden+ und +kultivierten+ Arzneipflanzen.


  Ostpreußen.

  Flores Chamomillae, Herba Millefolii, Radix Artemisiae, R.
  Consolidae, R. Cynoglossi, R. Taraxaci, Rhiz. Calami.


  Schlesien.

  Baccae Juniperi, Cortex Frangulae, Flores Chamomillae, Herba
  Equiseti, Lichen islandicus, Zuckerrübe.


  Sächsische Lausitz.

  Cortex Frangulae, Herba Majoranae, Rhiz. Calami.


  Erzgebirge.

  Radix Angelicae, Rad. Levistici, Rad. Pimpinellae.


  Hessen.

  Herba Pulmonariae arbor., H. Salviae Sclareae, Rad. cichorei, Flor.
  Verbasci, Baccae Myrtilli.


  Franken.

  Lupulin, Baccae Myrtilli, Boletus cervinus, Flores Acaciae, Fl.
  Arnicae, Fl. Chamomillae, Fl. Calendulae, Flor. Cyani, Flor. Lamii
  alb., Fl. Primulae veris, Fl. Paeoniae, Fl. Anthyllidis, Fl. Tiliae,
  Fl. Rhoeados, Fl. Sambuci, Herba Absynthii, H. Althaeae, H. Arnicae,
  H. Centaurii, H. Polygalae, H. Rorellae, H. Violae tricoloris,
  H. Menyanth., H. Majoranae, H. Millefol., H. Agrimoniae, Radix
  Althaeae, R. Arnicae, R. Bryoniae, R. Asari, R. Caryophyllatae, R.
  Tormentillae, R. Carlinae, R. Ononidis, Rhiz. filicis, R. Valerianae,
  Semen Colchici, S. Phellandrii, Fructas Anisi, Fr. Cynosbati.


  Pfalz.

  Baccae Myrtilli, Flores Arnicae, Herba Arnicae, H. Farfarae, H.
  Rorellae, H. Menth. pip., H. Nicotian., H. Melissae, H. Trifolii
  fibrini, Lichen islandicus, Rhiz. Arnicae, Rad. Cichorei, Rhiz.
  Calami, R. Tormentillae.


  Thüringen.

  Boletus cervinus, Cortex Nucum Jugland., C. Quercus, Flores Arnicae,
  Fl. Verbasci, Fl. Hyperici, Fl. Boraginis, Fl. Tiliae, Folia
  Juglandis, Herba Absynthii, H. Arnicae, H. Belladonnae, H. Centaurii,
  H. Cochleariae, H. Digitalis, H. Farfarae, H. Hyssopi, H. Melissae,
  H. Menthae piperitae, H. Petroselini, H. Polygalae, H. Pulsatillae,
  H. Rutae, H. Salviae Germ., H. Salviae Sclareae, H. Taraxaci, H.
  Thymi, H. Saniculae, H. Agrimon., Rhiz. Filicis, Radix Angelicae, R.
  Bardanae, R. Helenii, R. Levistici, R. Ononidis, R. Pimpinellae, R.
  Taraxaci, R. Valerianae, Fruct. Anethi, Fr. Coriandri, Fr. Anisi,
  Sem. Cardui Mariae, S. Faenugraeci.


  Schwarzwald, Württemberg und Baden.

  Boletus chirurgorum, Herba Absynthii, H. Basilici, H. Belladonnae,
  H. Cannabis sativae, H. Melissae, H. Pulsatillae, H. Aron., H. Viol.
  tricolor., H. Stramon., H. Hyoscyam., Flor. Arnicae, Fl. Chamom.
  vulg., Fl. Acaciae, Fl. Malvae Arboreae, Fl. Verbasci, Rhiz. Meu., R.
  Iperator., R. Asari, Rhiz. Filicis, Rh. graminis, Rad. Taraxac., R.
  Caryophyllat., Sem. Urticae Fruct. Junip., Fr. Papav., Hopfen.


  Harz.

  Fruct. Petroselini, Flor. Arnicae, Fol. Belladonnae, Digitalis,
  Hyoscyami, Herb. Petroselini, Fol. Salviae, Herb. Thymi, Majoranae,
  Radix Valerianae, Fruct. Anisi, Coriandri.


  Rheinpreußen.

  Herba Galeopsidis, H. Salviae Sclareae, Rhiz. Polypodii, Lactuca
  virosa.

  Provinz Sachsen.

  Fruct. Papaveris, Herba Cardui benedicti, H. Majoranae, H. Menthae
  crispae, H. Menthae piperitae, Rhiz. Calami, Rad. Pyrethri Germ., R.
  Saponariae rubr., R. Valerianae, Semen Erucae, Fruct. Foeniculi, S.
  Nigellae, S. Papaveris, S. Faenugraeci, Inula Helenium, Zuckerrübe.


  Sachsen.

  Bei Miltitz b. Leipzig: Rosen (zu Rosenöl, Rosenpomade, Rosengeraniol
  und Rosenwasser), Pfefferminze, Angelica, Reseda, Ysop, Basilicum,
  Levisticum, Heracleum, Pastinak, Muskateller Salbei, Thymian,
  Estragon, Petersilie, Sellerie, Wermut.

  Anthemis nobilis (zwischen Leipzig und Altenburg).


  Vogtland.

  Trigonella faenum graecum.


  Elsaß.

  Flor. Chamom. vulg., Fl. Malv. arbor., Trigonella faenum graecum,
  schwarzer u. weißer Senf, Fol. Digitalis, Fol. Nicotian.


  Bayern.

  Malvaceen, Hopfen.


  Kulturen von Arzneipflanzen ausserhalb Deutschlands.

  Holland.

  +Noordwyk+ (Prov. Zuid-Holland): Quercusarten, Salixarten, Sambucus
  niger, Althaea officinalis, Calendula, Lavendula vera, Humulus
  Lupulus, Matricaria Chamomilla, Melilotus officinalis, Tanacetum
  vulg., Verbascumarten, Aconitum Napellus, Atropa Belladonna, Conium
  maculatum, Digitalis purpurea, Hyoscyamus niger, Lactuca virosa,
  Melissa officinalis, Mentha crispa, Mentha piperita, Rosmarinus
  officinalis, Salvia officinalis, Datura Stramon., Anethum vulg.,
  Archangelica officinalis, Cnicus benedictus, Levisticum officinale,
  Papaver somniferum, Petroselinum sativum, Artemisia Abrotanum,
  vulgaris und Absynthium, Asperula odorata, Cochlearia officinalis,
  Armoracia rustic., Gratiola officinalis, Origanum Majorana, Ruta
  graveolens, Sabina officinalis, Saponaria officinalis, Viola odorata,
  Foeniculum capillaceum, Inula Helenium, Helleborusarten, Rosa
  centifolia und andere Rosa-Arten.

  +Wassenaar+ (Prov. Zuid-Holland): Althaea officinalis, Salvia,
  Artemisiaarten, Menthaarten, Foeniculum capillac., Origanum Majorana.

  +Zuid-Holland+: Prunus Laurocerasus, Brassica campestris, Senfsamen,
  Carum carvi, Beta vulgaris, Rubia tinctorum, Linum usitatissimum,
  Cannabis sativ.

  +Meppel+ (Prov. Drenthe): Hyoscyamus niger, Atropa Belladonna,
  Digitalis purpurea, Aconitum Napellus, Cochlearia offic., Armoracia
  rustic., Cnicus benedictus, Datura Stramonium.

  +Prov. Noord-Holland+: Prunus Laurocerasus, Inula Helenium (Alkmar),
  Brassica campestris, Papaver somniferum, Senfsamen, Carum carvi, Beta
  vulgaris, Linum usitatissimum.

  +Utrecht+: Senfsamen, Carum carvi, Beta vulgaris, Tabak.

  +Zeeland+: Papaver somniferum, Senfsamen, Carum carvi, Beta vulgaris,
  Cichoriumwurzel, Rubia tinctorum, Linum usitatissimum.

  +Groningen+: Camelina sativa, Senfsamen, Carum Carvi, Beta vulgaris,
  Cichoriumwurzel, Linum usitatissimum.

  +Overysel+: Camelina sativa, Linum.

  +Gelderland+: Camelina sativa, Beta vulgaris, Humulus Lupulus, Tabak.

  +Friesland+: Papaver somniferum, Senfsamen, Carum carvi, Beta
  vulgaris, Cichoriumwurzel, Linum.

  +Noord-Brabant+: Senfsamen, Carum carvi, Beta vulgaris,
  Cichoriumwurzel, Rubia tinctorum, Linum, Cannabis sativ., Humulus
  Lupulus.

  +Limburg+: Cichoriumwurzel, Humulus Lupulus.


  Niederösterreich.

  Faenum graecum (Retz), Sinapis nigra und alba, Mentha piperita,
  Melissa officinalis und Chenopodium ambrosioides (Waidhofen a. d.
  Th.), Pinus Laricio (für Harz). Die Kulturen von Lactuca und Safran
  sind eingegangen.


  Mähren.

  Glycyrrhiza glabra und Rheum Rhaponticum (Auspitz, Austerlitz,
  Poppitz), Salbei, Anis, Fenchel, Kümmel, Coriander, Faenum graecum
  (Znain), Tilia.


  Böhmen.

  Schwarzer Senf, Hopfen (Saaz, Auscha, Pilsen).


  Galizien.

  Anis, Fenchel, Kümmel, Coriander.


  Dalmatien, Montenegro, Herzegowina.

  Pyrethrum cinerariaefolium (dalmatische Insektenblüte), Rosmarin
  (süddalmatische Inseln).


  Ungarn.

  Juniperus, Capsicum (Paprika aus Szegedin), Verbascum, Flor. Malv.
  arbor.

  ~Agnelli~ in Csári bei Sassin (Komit. Neutra) kultivierte:
  Abrotanum, Absynthium, Aconitum Napellus, A. viros., Adiantum
  aureum, A. pedatum, Adonis auctumnalis, A. vernalis, Agrimonia,
  Althaea officinalis, A. rosea nigra, Alkekengi (Baccae), Anchusa
  officinal., A. tinctor., Anethum, Angelica (Radix), A. silvestris,
  Anisum, Anthemis nobilis (Flor.), A. Cotula (Flor.), Arachis Hypog.,
  Aristolochia Clemat. (Radix), A. pallida (Radix), A. rotund. (Radix),
  A. sempervirens (Radix), A. Serpentaria (Radix), Arnica, Artemisia
  glacialis, A. pontica, A. vulgaris, Asarum canadens., A. europaeum,
  Asclepias syriaca, Asparagus officinalis, Asperula odorata, A.
  tinctoria, Asphodelus albus, Asphodelus luteus, Asphodelus ramos.,
  Astragalus bacticus (Fruct.), Ballota nigra, Bardanna (Radix),
  Basilicum, Belladonna, Betonica, Borago, Bryonia alb. (Radix),
  Calamus, Calendula, Cannabis sativ., Capsicum annuum (Fruct.),
  Carduus benedict., C. marian. (Sem.), Caram carvi, Carthamus tinct.
  (Flor.), Centaurium min., Cerasus acid. und dulc., Cerefolium,
  Chelidonium majus., Chenopodium ambr., C. atripl., C. Botryos,
  C. Quinoa (Fruct.), C. rubr., Cichoreum Intyb. (Rad.), C. sativ.
  (Rad.), Cochlearia, Colchicum (Sem. et Bulb.), Conium maculat.,
  Convallaria maj. (Flor.), Corchor. tect., Coriandr. sat., Corylus
  avellan. (Fruct.), C. Lambert (Fruct.), Crocus sativus, Cucumis Melo
  (Sem. et Fruct.), Cucurbita Pepo (Sem.), Cyanus (Flor.), Cynanch.
  vincetoxic., Cynoglossum, Daphne Mezereum (Rad. et Cort.), Digitalis
  purp., Dipsacus full., Dracuncul., Eryngium (Rad. et Herb.),
  Euphorbia., Foeniculum, Glycyrrhiza, Gratiola, Hedera terrestris,
  Helianthus annuus (Flor. et Fruct.), H. pip. (Flor. et. Fruct.),
  Hepatica triloba, Herniaria glabra, Hyoscyamus, Hyssopus, Indigofera
  tinctoria, Inula bifront., I. Helenium (Rad.), Iris florentina,
  I. germanica, Isatis tinctoria, Iva moschata, Jalapa mirabilis,
  Lactuca virosa, Lavendula (Flor.), Levisticum, Lilium alb. (Flor.),
  Linum (Sem.), Lobelia inflata, Majorana gal. (annua), M. germ.
  (peren.), Malva silvestris, M. vulgaris, Marrubium alb., Matricaira,
  Melilotus, Melissa, Mentha aquatica, M. crispa, M. piperita, M.
  Pulegium, Millefolium, Morus nigra, Orchis fusca, O. Morio, Origanum
  vulgare, Paeonia, Papaver alb. (Sem. et Capita), P. coer. (Sem.
  et Capita), Parietaria, Patchouli, Petroselinum, Plantago major,
  Psyllium, Pulmonaria mac., Pulsatilla, Pyrethrum carneum (Flor.),
  P. parthenium (Flor. et Herb.), P. roseum (Flor.), Reseda luteola,
  Rheum Emodi, R. palmat., R. offic., Rhus Toxicodendron, Ribes rubr.
  (Fol.), Rosa centifolia (Flor.), Rosmarinus offic., Rubia tinct.
  (Rad.), Ruta hortensis, Salicaria, Salvia horminum, S. officinalis,
  S. Sclarea, Sambucus Ebulus (Fruct.), S. niger (Flor.), Sang. urb.,
  Saponaria offic., Sarracenia purpurea, Satureja gallica, S. hortens.
  germ, Scolopendrium off., Scordium, Serpyllum, Sideritis, Sinapis
  alb. (Sem.), S. nig. (Sem.), Solanum nigrum, Spilanthes acmella, S.
  oleraceus, Stramonium, Symphitum, Tanacetum (Flor.), Thymus gallicus
  (annuus), T. hortensis (germ.), Urtica dioïca, U. urens, Verbascum
  phlomoides (Flor.), V. thaps. (Flor.), Verbena, Veronica, Viola
  tricolor, Xanthium spinos., X. strumar.

  Nach ~Ströcker~ und ~Augustin~ werden jetzt (1907) kultiviert:
  Althaea rosea, Cnicus benedictus, Inula Helenium (in Gärten), Linum
  usitatissimum (im Kleinen überall, an manchen Stellen [Bölcske,
  Komitat Tohna] im Großen), Melissa officinalis, Mentha piperita (im
  Großen in Böös, Kom. Pozsony, neben der äth. Öl-Fabrik Rezió-Laib)
  und in Csári (Kom. Nyitra bei Pfarrer ~Agnelli~), Mentha crispa
  (Kom. Tolna), Origanum majorana (Bauerngärten), Salvia officinalis
  (in Gärten, Kom. Tolna), Sinapis nigra u. Humulus Lupulus (Kom.
  Báes-Bodrog).

  Besonders kultivieren die Apotheker ~Laib~ und ~Várady~ in Böös
  (Komit. Preßburg) und ~Szkitsák~ in Privigye (Komit. Neutra).
  ~Laib~ und ~Várady~ cultivierten (1907): Absynth. gallic., Car.
  Carvi (hollandic.), Cnic. benedict., Calend. off., Chamom. vulg.
  u. rom., Foenicul. graec. u. roman., Hyssop., Iris Florent.,
  Liquirit., Majoran., Malva arbor., Menth. crisp., Levistic., Ruta,
  Salvia, Thymus, Satureja, Valeriana. In Mezökövesd, Békéscsaba
  und Kolozsoár (Klausenburg) bestehen auf Anregung des ungarischen
  Ackerbauministers errichtete, +staatlich subventionierte Anlagen für
  Arzneipflanzenkultur+.


  England.

  Schwarzer Senf, Sumbul.

  +Essex+: Coriander.

  +Chesterfield+: Kümmel, Baldrian.

  +Bedfordshire+, in Steppingley: Belladonna, Lavendel, Bilsenkraut,
  Mentha, Fingerhut, Pennyroyal, in +Ampthill+: Loamy, Moister,
  Belladonna, Aconit, Mohn, Gurken, Lavendel, Conium, Lactuca virosa,
  Rosa gallica, Rosmarin, Sadebaum, Pennyroyal, Rhabarber: Rheum
  rhaponticum und Rh. officinale (Rh. undulat.).

  +Suffolk+, in Long Melford: Pfefferminz, Mangelwurz, Bilsenkraut,
  Mohn. Zur Öldestillation: Kümmel, Dill, Lavendel, Pfefferminz.

  +Surrey+ (bei Carshalton): Pfefferminz, Yssop, Schafgarbe, Beifuß,
  Wermut, Wurmkraut (Rainfarn), Pennyroyal, Feverfew, Marshmallow
  (Samtpappel), Gamander (Teucr. chamaedrys), Raute, Lavendel, Melisse,
  Santolina chamycyp., Solidago, Comfrey (Wallwurz), Chelidon. maj.,
  Artemisia Abrotanum, Chenopod. olidum, Belladonna, Bilsenkraut,
  Sadebaum, Datura Tatula, Kamille und Lavendula.

  +Surrey+ (bei Mitcham): Anthemis nobilis, Rosa gallica, Mentha,
  Süßholz.

  +Yorkshire+: Süßholz (Pontefract).

  +Cambridgeshire+: Belladonna, Aconitum Napellus (Foxton).

  +Hertfordshire+: Mentha,

  +Oxfordshire+: Rosa gallica.

  +Lincolnshire+: Mentha.

  +Derbyshire+: Rosa gallica.

  +Schottland+: Lactuca, Lavendula vera.


  Italien.

  Süßholz (Teramo und in Sizilien b. Caltanisetta), Mannaesche
  (Calabrien und Sizilien), Iris (b. Florenz und Verona), Pomeranze
  (Sizilien) [Fol. aurant., Fr. aurant. immatur., Cort. fruct.
  aurantii], schwarzer Senf (Puglia), Citrone (Gardasee, z. B.
  bei Gardone), Ricinus, Mandeln (Sizilien und Apulien), Agrumen,
  Faenum graecum, Fenchel, Oliven, Feigen, Orangen, Anis (Apulien),
  Johannisbrot (Puglia), Crocus (Acquila).

  Ferner liefert Italien nach dem Norden (nach ~Siegfried~-Zofingen):
  Rad. Saponariae, Rhiz. Graminis, Rad. Althaeae, Fol. Malvae, Flor.
  Chamomill., Sem. Psylli, Stip. Dulcamar., Fol. Jugland., Fol.
  Adianti, Fol. Lauri, Fruct. Lauri, Bacc. Juniperi, Rad. gentian.,
  Bulb. Scillae.


  Frankreich.

  Mentha piperita, Coriander, Anis, Rheum rhaponticum (Dep. d. l.
  Drôme, eingeg. in der Bretagne), Lavendula (zur Ölgewinnung in
  Montpellier, Grasse, Ventoux), andere Pflanzen, die ätherische
  Öle enthalten (Grasse), Althaea off., Malva u. Verbascum Thapsus
  (Nordfrankreich), Belladonna (bei Paris), Fenchel (Nimes), Wacholder
  (Jura u. Südfrankreich), Rosmarin (Südfrankreich), Glycyrrhiza glabra
  (Südfrankreich), Faenum graecum (Südfrankreich), Safran (Pithiviers
  en Gâtinois, weniger bei Orleans, Avignon u. Vinaisson), Mandeln,
  Oliven, Citronen u. Orangen (Südfrankreich), Rosa gallica (Lyon,
  Champagne, Nizza, Cannes u. Grasse), Eucalyptus u. Pomeranze (Nizza),
  Jasmin, Tuberose, Cassia, Veilchen u. Orangenblüten (Südfrankreich);
  Artemisia Absynthium, Artemisia pontica, Hyssopus officinalis u.
  Melissa officinalis (zur Absinthfabrikation), Krapp (Avignon),
  Tournesol-Crozophora tinctoria (Grand Gallargues, Dep. Gard), Pinus
  maritima (im Dep. des Landes für Harz).

  +Clermont Ferrand+ (Kulturen früher groß, jetzt unbedeutend):
  Lactucarium, Angelica (Wurzel), Kirschstiele, Erdbeer- u. Nußblätter.

  +Languedoc+ (Meynes, Montfrin, Jonquières): Alant, Mentha, Ysop (der
  wildwachsende in La Drôme u. La Crau besser), Melisse, Fenchel,
  Carotte, Salbei, Toute-bonne, Rainfarn.

  +Houdan+ (zwischen Chartres u. Versailles, Kulturen von ~Fouché~
  und ~Oudin~): Hundsgras (Quecke), Kresse, weiße Nessel, Hyoscyamus,
  Belladonna, Borago offic., Angelica, Artemisia, Absinth,
  Cochlearia, Rosmarin, Ysop, Melisse, Angelica, Lavendel, Baldrian,
  Saponaria, Pranus Laurocerasus, Althaea, Anthemis, Gentiana purp.,
  Erythraea Centaurium, Rheum Rhapont., Spartium Scoparium, wilde
  Stiefmütterchen, Mauerkraut, Mentha, Carduus benedictus, Chamomilla,
  Erdrauch, Schafgarbe, Raute, Beifuß, Datura Stramonium, Salbei,
  Rainfarn, Hirtentäschelkraut, Petersilie, Samtpappel, Fenchel,
  Melilotus, Rhus Toxicodendron.


  Belgien.

  Hopfen (Alost), Baldrian, Anthemis nobilis. In der Provinz Hainaut
  (Hennegau) in Lessines, Deux Acren, Flobeeg: Römische Kamille, Mohn
  (sehr große Mohnfrüchte), Baldrian, Angelica, Bardanna, Malve,
  Althaea offic. (Blüten), Verbascum Thapsus. Kleine Kultur von
  Belladonna, Bilsenkraut, Stramonium, Cigue, Inula Helenium, Aconit.
  Kulturen im Aussterben.


  Schweiz.

  Levisticum, Faenum graecum, Absynth, Inula Helenium, Hyssop.,
  Juglans, Tilia, Sambucus, Matricaria, Melissa, Mentha, Rosa gallica,
  Thymus, Salvia, Cochlearia, Datura (Zofingen), Morus, Linum, Crocus
  (Mundt bei Brig, Sitten, Faido).


  Spanien.

  Glycyrrhiza glabra (Alicante, Tortosa, Cordova, Barcelona, Elche),
  Mandeln (Malaga, Valencia, Alicante u. Majorca), Anis (Alicante),
  Crocus (La Mancha, Albacete, Murcia, Alicante, Mallorca), Kümmel,
  Capsicum annuum (Alicante), Punica Granatum, Coloquinte (Südspanien),
  Johannisbrot (im Süden Spaniens), Feigen, Citronen, Pomeranze
  (Malaga), Kork.


  Portugal.

  Mandeln (bei Lissabon u. Oporto), Scilla, Quitten, Citronen,
  Johannisbrot, Kork.


  Griechenland.

  Mandeln, Feigen, Anis, Coloquinte (Cypern), Johannisbrot (Cypern
  u. Candia), Scilla (Malta u. Cypern), Pistacia lentiscus (Chios),
  Korinthen (Jonische Inseln, Golf von Corinth).


  Macedonien.

  Papaver (für Opium), Capsicum annuum (Salonichi).


  Bulgarien.

  Rosa (für Rosenöl), Papaver (für Opium).


  Schweden.

  Im Versuchsgarten in +Landskrona+: Conium maculatum, Atropa
  Belladonna, Cnicus benedictus, Hyoscyamus niger, Achillea
  Millefolium, Trifolium repens, Pimpinella Anisum, Coriandrum sativum,
  Petroselinum sativum, Foeniculum officinale, Carum Carvi, Matricaria
  Chamomilla, Datura Stramonium, Salvia officinalis, Nicotiana Tabacum,
  Melilotus officinalis, Mentha crispa, Melissa officinalis, Allium
  sativum, Mentha piperita, Viola tricolor, Sinapis nigra, Sinapis
  alba, Taraxacum officinale, Cynoglossum officinale, Arctostaphylos
  Uva Ursi, Digitalis purpurea, Vaccinium Myrtillus, Verbascum Thapsus,
  Juniperus communis, Lycopodium clavatum, Ledum palustre, Hypericum
  perforatum, Arnica montana, Lavendula officinalis, Rosa centifolia,
  Papaver somniferum, Rosa gallica, Carthamus tinctorius, Convallaria
  majalis, Tanacetum vulgare, Cochlearia officinalis, Solanum
  Dulcamara, Pontentilla Tormentilla, Iris speciosa, Aconitum Napellus,
  Pimpinella Saxifraga, Levisticum officinale, Humulus Lupulus,
  Colchicum autumnale, Linum usitatissimum, Artemisia vulgaris, Althaea
  officinalis, Inula Helenium, Hyssopus officinalis, Thymus vulgaris,
  Artemisia Absinthium.


  Finland.

  Kümmel (nicht bester Qualität).


  Ostseeprovinzen.

  Lein, Kümmel, Kalmus.


  Rußland.

  Tee (Kaukasus, Tiflis), Lein (Mittelrußland), Coriander, Anis
  (Krasnoje ist Anismarkt), Kümmel, Süßholz (auf den Inseln des
  Wolgadeltas und weiter südlich), Brassica Besseriana (Südrußland,
  Gouv. Astrachan, Sarepta), Quitten (Südrußland), Pyrethrum
  coronopifolium Willd. (Kaukasus), Hanf (südl. von Moskau), Krapp
  (Derbent am Caspimeer), Fruct. Capsici (Gouv. Samara, Saratow, nied.
  Wolga), Sem. Cinae (Gouv. Orenburg u. Turkestan), Oliven (Krim,
  Kaukasus), Mentha piperita (Gouv. Tula u. Bezirk Rostow).

  +Gouv. Jaroslaw+: Herba Basilici, Fol. Melissae, Herb. Majoranae,
  Fruct. anisi vulg., Herb. Hyssopi, Origani vulg., Petroselinum (Rad.
  Fol. u. Fruct.), Herb. Estragon., Rad. Dauci, Fol. Ribis Nigri, Herb.
  Rutae graveolens, Cardui benedicti, Herb. u. Flor. Millefolii. Im
  Njest Rostewski: Menth. pip., Salvia, Majoran.

  +Gouv. Poltawa+: Petroselinum (Flor., Fol. u. Fruct.), Flor. Malvae
  Arboreae, Flor. Rosae centifoliae (auch Krim), Flor. Acaciae alb.
  (auch in Loubny), Herb. u. Flor. Millefolii, Flor. Verbasci Rossic.
  In +Lubnij+: Althaea, Chamomilla.

  +Gouv. Moskau+: Herb. Estragon, Capita Papaveris, Stroboli Lupuli,
  Fol. u. Flor. Helianthi annui (auch in Prilouky), Flor. Chamomill.
  vulg., Fol. Belladonnae, Fol. Cardui benedic., Fol. Cardui Mariae,
  Fol. Digitalis, Fol. Petroselini, Herb. Tanaceti balsamit., Herb.
  basilici, Herb. Centaurii minor., Herb. u. Flor. Millefolii.

  +Gouv. Tambow+: Menth. pip.

  +Gouv. Woronesch+: Anis.

  +Nordkaukasien+ (Baku, Jelisawetopol, Derbent): Ricinus. Crocus
  sativus var. α autumnalis und var. B. Pallassii (C. Pallassii Marsch.
  Bieb.) werden in Rußland bei Elisabethpol, Tiflis, Derbent und Baku,
  am Kaspischen Meer und in Nordpersien gebaut.


  Kleinasien.

  Anis (Smyrna), Feigen (Smyrna, bes. Aïdin), Pyrethrum (Armenien),
  Glycyrrhiza (Smyrna u. Sohia), Papaver für Opium (im Nordwesten
  bei Karahissar Sahip, Balarhissar, Geiwa u. Bogaditsch, im Süden
  bei Uschak, Afjunkarahissar u. Hamid), Colocynthis (Palästina),
  Liquidambar orientalis (kleinasiatische Küste, gegenüber von Kos u.
  Rhodus), Krapp (Smyrna), Rosinen (Smyrna), Crocus (Zafiran Boli),
  Rad. Scammonii.


  Persien.

  Papaver, Feigen, Pyrethrum, Rosa gallica (Schiras), Crocus
  (Chorassan).


  Vorderindien, Ceylon und Straits Settlements.

  Senf (Brassica juncea u. and.) (Bengalen), Tee, Baumwolle, Zucker,
  Kaffee, Myristica (Penang), Lein (Bengalen), Pfeffer (Pulopinang,
  Malakka u. Penang), Hevea brasiliensis für Kautschuk (Malakka u.
  Ceylon), Areca Catechu (Ceylon), Coca und Ipecacuanha (Ceylon),
  Chinarinde (Ceylon, British Sikkim u. in den Nilagiris), Tamarinden,
  Ricinus, Cannabis indica, Rosa (Bengalen u. Ghazipur), Elettaria
  Cardamomum (Malabar u. Ceylon), Indigo, Fenchel, Zimt, Zingiber
  (Bengalen u. Cochin), Cocos, Cassia, Coriander, Curcuma (Bengalen),
  Papaver für Opium (Indien, Bengalen, Malva, in den Holkarländern),
  Senna (Tinnevelly), Faenum graecum, Citronella (Ceylon), Pfeffer
  (Malabar in Tilicheri u. Aleppi, Assam), Jalappe (Ipomoea purga in
  British Ind., Nilagiris), Andropogonarten (Ceylon), Jute (Bengalen).


  Java und andere südasiatische Inseln.

  Reis, China, Tee, Kaffee, Curcuma, Cubebe, Indigo, Coca, Palaquium
  u. Payena, Zuckerrohr (Java), Tabak (Sumatra), Hevea für Kautschuk
  (Java u. Sumatra), Gambier, Pfeffer (Sumatra, Rioux Lingga, Lampong
  auf Java), Andropogon Schoenanthus (Java), Vanille (Tahiti), Areca
  Catechu (Java), Myristica (Bandainseln), Melaleuca minor (auf den
  Burruinseln zwischen Celebes u. Ceram), Gewürznelken (Amboina und
  auf den Ulyasserinseln: Nusalaut, Saparua u. Haraku), Ylang-Ylang
  (Manila), Cassia Fistula (Java), Cacao (Samoa).


  Japan.

  Mentha piperita (Prov. Uzen), Laurus Camphora (Formosa), Aralia
  Ginseng, Papaver für Opium (Osaka), Sikimi.


  China.

  Papaver für Opium, Ingwer, Galgant (auf Heinan und in China),
  Elettaria Cardamomum, Tee, Aralia Ginseng, Rheum (Hupeh), Baumwolle,
  Sternanis, Laurus Camphora, Cinnamom, Cassia.


  Afrika.

  Faenum graecum (Ägypten u. Marokko, Mazagan), Brassica, Mandeln
  (Marokko), Lein (Algerien u. Ägypten), Quitten (Cap), Coriander
  (Marokko), Kümmel (Marokko), Papaver (Ägypten, Algerien), Feige
  (Nordafrika), Tamarinden (Ägypten), Gewürznelken (Sansibar u. Pemba,
  Réunion), Rosa (Tunis u. Ägypten), Hagenia abyssinica (Abyssinien
  in Dörfern), Scilla (Algerien), Ingwer (Sierra Leone), Baumwolle
  (Ägypten), Vanille (Bourbon, Mauritius, Madagaskar, D. O.-Afrika
  u. Seychellen), Anacyclus Pyrethrum (Tunis u. Algerien), China
  (Sao Thomé, in Deutsch-West- u. Deutsch-Ostafrika, Réunion), Kola
  (Westafrika), Tee (Mauritius), Zuckerrohr (Mauritius), Henna,
  Yohimbéhé.


  Australien.

  Baumwolle (Hawaï), Eukalypten.


  Centralamerika nebst Inseln.

  Cacao, Brassica juncea, Citrusarten, Anis (Mexiko), Vanille
  (Vera-Cruz, Guadeloupe, Martinique), Feigen, Tabak (Cuba), Tamarinden
  (westind. Inseln), Croton (New Providence), Guajac (San Domingo),
  China (Jamaica: Blue mountains), Aloë (Barbados, Curaçao), Maranta
  (Bermuden, auf St. Vincent), Myroxylon Pereirae (San Salvador),
  Citrus vulg. (Curaçao), Piment (Jamaica), Ingwer (Jamaica u.
  Barbados), Baumwolle u. Ricinus (westind. Inseln), Kola (Jamaica,
  Trinidat), Indigo (Mexico).


  Südamerika.

  Paullinia Cupana (Mané, Villa bella und Imperatrix), Kaffee,
  schwarzer Senf, Anis (Chile), Vanille (Westabhang der Cordilleren),
  Ipecacuanha, Mate (Uruguay u. Parana), Capsicum baccatum (Cayenne),
  Coca (Bolivien u. Peru, Cuzko u. Trujillo), Guajac, Cacao, Jaborandi
  (Ceará, Paraguay), Indigo (Columbien, Venezuela), Tonco (Venezuela),
  Nelken (Cayenne), Baumwolle (Brasilien), China (Bolivien). Die
  Cinchonenkulturen Boliviens liegen in den Seitentälern des Beni und
  am Mapiri.


  Vereinigte Staaten von Nordamerika.

  +Kultivierte Arzneipflanzen+: Mentha piperita (Wayne County in New
  York, St. Joseph County in Michigan, Wisconsin, Indiana, Ohio),
  Crocus sativ. (Pensylvanien -- aufgegeben), Digitalis purpurea
  (Washington u. Süd-Carolina), Absynth, Salvia und Atropa Belladonna
  (New Jersey), Cassia acutifolia (Corpus Christi Texas, Washington),
  Conium maculatum, Matricaria Chamomilla, Calendula officinalis,
  Inula Helenium, Ricinus communis, Panax quinquefolium, Urtica
  urens, Baumwolle, Tabak und Zucker (Südstaaten), Cinnamom, Camphora
  (Florida).

  +Gartenkräuter für Hausgebrauch+: Anis, balm, sweet basil, bene,
  boneset, borage, caraway, catnip, coltsfoot, coriander, cumin-dill,
  sweet fenne, hoarhound, lavender, pennyroyal, Rosmarin, Raute,
  Salbei, summer and winter savory, Majoran, Symphytum, tansy,
  tarragon, thymian und wormwood.

  +Erfolgreiche Versuche+ (Versuchstationen: Bei Washington (D. C.),
  bei Timmonsville (Süd-Carolina), bei Huntington (Florida), Pierce
  (Texas); (die Station der Quäker in Massachusetts (Ohio) ohne
  Bedeutung): Papaver somniferum (ohne großen Erfolg), Cinnamomum
  Camphora (bis Süd-Carolina u. Oakland), Glycyrrhiza glabra,
  Hyoscyamus niger, Citrullus Colocynthis, Capsicum fastigiatum,
  Datura Tatula, Scopolia Carniolica, Cassia angustifolia, Convallaria
  majalis, Anacyclus Pyrethrum, Chrysanthemum cinerariaefolium,
  Aristolochia Serpentaria, Althaea officinalis, Hydrastis canadensis
  (ohne großen Erfolg), Artemisia anthelmintica (wormseed; Florence
  County in Nord-Carolina), Ginseng (östl. Ver. Staat.; Hauptzentrum
  New York), Licorice (Versuche in Süd-Carolina), Capsicum (Versuche in
  Ebenezer, Süd-Carolina, in Potomac Flats bei Washington und Pierce,
  Texas).

  +Kultivierte Nutzpflanzen+, auch von medizinischem Wert (nach
  ~Kraemer~): Aesculus glabra, Aesculus Hippocastanum, Ailanthus
  glandulosa, Betula lenta, Castanea dentata, Cercis canadensis, Citrus
  species, Cornus florida, Diospyros virginiana, Eucalyptus Globulus,
  Eucalyptus rostrata, Fraxinus americana, Juglans cinerea, Juglans
  nigra, Juniperus communis, Juniperus Sabina, Larix americana, Lindera
  Benzoin, Liquidambar styraciflua, Liriodendron tulipifera, Magnolia
  glauca, Melia Azedarach, Ostrya virginiana, Pinus Strobus, Populus
  candicans, Populus tremuloides, Prunus serotina, Ptelea trifoliata,
  Sorbus americana, Pyrus malus, Quercus alba, Quercus rubra,
  Quercus velutina, Salix alba, Salix nigra, Sassafras off., Tsuga
  canadensis, Ulmus fulva, Xanthoxylum americanum, Alnus serrulata,
  Berberis vulgaris, Buxus sempervirens, Ceanothus americanus,
  Chionanthus virginica, Comptonia peregrina, Cornus stolonifera,
  Crataegus oxyacantha, Daphne Mezereum, Evonymus atropurpureus,
  Cytisus Scoparius, Hamamelis virginiana, Hydrangea arborescens, Ilex
  verticillata, Kalmia latifolia, Laurus nobilis, Myrica cerifera,
  Amygdalus persica, Rhamnus cathartica, Rh. Frangula, Rh. Purshiana,
  Rhus glabra, Rosa gallica u. centifolia, Rosmarinus off., Sambucus
  canadensis, S. nigra, Spiraea tomentosa, Thuja occidentalis, Viburnum
  Opulus, V. prunifolium, Parthenocissus quinquefolia, Celastrus
  scandens, Gelsemium sempervirens, Humulus Lupulus, Menispermum
  canadense, Passiflora incarnata, Solanum Dulcamara, Achillea
  Millefolium, Aconitum Napellus, Acorus Calamus, Aletris farinosa,
  Allium sativum, Althaea rosea, Anemonearten, Anthemis nobilis,
  Asclepias tuberosa, Baptista tinctoria, Betonica officinalis,
  Cassia marylandica, Chamaelirium luteum, Cimicifuga racemosa,
  Echinacea angustifolia, Eryngium aquaticum, Foeniculum vulgare,
  Geranium maculatum, Gillenia trifoliata, Lacinaria spicata, Glechoma
  hederacea, Hepatica triloba, Paeonia off., Panax quinquefolium u.
  Aralia quinquefolia (Ginseng in New York, Illinois, Wisconsin,
  Ohio u. Tennessee, westl. vom Mississippi), Polygonatum biflorum,
  Polemonium reptans, Rudbeckia laciniata, Ruellia ciliosa, Salvia
  off., Silphium laciniatum, Sanguinaria canadensis, Symphytum off.,
  Trillium erectum, Urginea maritima, Cereus grandiflorus, Lophophora
  Lewinii, Andropogon arundinac. vulg., Cannabis sativa, Capsicum
  fastigiatum, Petroselinum sativum, Carum carvi, Citrullus vulgaris,
  Cucurbita Pepo, Dephinium Consolida, Gossypiumarten, Hyoscyamus
  niger, Lactuca virosa, Calendula off., Nicotiana Tabacum, Ocimum
  Basilicum, Origanum Majorana, Papaver somniferum, Roripa Armoracia,
  Satureja hortensis, Trifolium pratense u. repens, Zea Mais, Sinapis
  nigra, Linum, Sassafras, Lobelia inflata, Cypripedium parviflorum u.
  hirsutum, Polypodium vulgare, Adiantum hirsutum, Polianthus tuberosa
  (für Parfümerie in Florida und Nord-Carolina).


  Californien.

  Citrusarten (auch in Florida), Viola odorata, Brassica juncea.


Über die =Rentabilität von Arzneipflanzenkulturen= ist viel
gestritten worden. Sie ist abhängig von den Bodenpreisen und der
Höhe der Arbeitslöhne. Rußland und Ungarn, die noch große Strecken
unkultivierten Landes und niedrige Lohne besitzen, haben die
günstigsten Bedingungen für eine rentable Kultur der europäischen
Arzneipflanzen.

Pfarrer ~Jos. Agnelli~ in Csári bei Saßin in Ungarn, der gegen 200
Arzneipflanzen anbaute, bemerkt (1893): «Im allgemeinen rentieren sich
die medizinischen und technischen Pflanzen entschieden viel besser als
alle anderen Ökonomiepflanzen.»

Ich füge hinzu: Sie verlangen aber auch ein liebevolleres Eingehen auf
die Individualität und dürfen nicht schematisch betrieben werden.

  Lit. +Flückiger+, Pharmakognosie, +Flückiger+ und +Tschirch+,
  Grundlagen. +Fristedt+, Das Alter unserer vegetabilischen Heilmittel
  in der Medizin. Schw. Wochenschr. 1885. +H. Correvon+, Le jardin
  de l’herboriste. Propriétés et culture des plantes médicinales
  et des simples (112 Fig.) Genève 1896. +Tschirch+, Der Anbau der
  Arzneigewächse in Deutschland. Arch. f. Ph. 1890, 663. +Diffloth+,
  La culture des plantes médicinales dans le nord de la France.
  Journ. Pharm. 1901. +Holmes+, Cultivation of herbs in Surrey.
  Ph. J. 1900, Cultivat. of medicinal plants in Bedfordshire and
  Suffolk. Ph. J. 1900, auch ebenda 1905. +Göppert+, Die offizinellen
  und technisch wichtigsten Pflanzen der Gärten. Görlitz 1852.
  +Schmidt+, Handbuch der medizinischen und Färbekräuter. Gotha
  1832. +Salomon+, Handbuch der höheren Pflanzenkultur. Stuttgart
  1880. +Schöller+, Der Anbau der Arzneigewächse. Nordhausen 1843.
  +Löbe+, Die neueren u. neuesten Kulturpflanzen. Nach Arten, Abarten
  u. Anbau systemat. beschrieben. 1863. +Löbe+, Anleitung zum
  rationellen Anbau der Handelsgewächse. Stuttgart 1868 und 1879.
  +Jäger+, Der Apothekergarten. Anleitung zur Kultur und Behandlung
  der in Deutschland zu ziehenden Medizinalpflanzen. Hannover 1890.
  +Schwabe+, Der Medizinalkräuterbau in Thüringen. Korrespondenzbl.
  d. allg. ärztl. Vereins. Thüringen 1876. +Trenka+, Über den Anbau
  von Arzneipflanzen. Pharm. Post 1892. +P. Agnelli+, Über die Kultur
  der Arzneipflanzen. Ebenda 1893. +Petzold+ und +Süß+, Zur Frage des
  Anbaus von Arzneipflanzen in den durch die Phylloxera devastierten
  Weingärten. Ebenda 1897. +Zapfe+, Über die Kultur der Arzneipfl.,
  spez. der Pfefferminze. Ebenda 1897. +Breitfeld+, Der deutsche
  Drogenhandel. Leipzig 1906. +Schweißinger+, Alkaloidgeh. narkot.
  Pfl. bei der Kultivier. Ph. Z. 1891. +Oppenau+, Der Hanfbau im
  Elsaß. Seine Geschichte, Bedeutung usw. 2. Aufl. 1897. +Bavay+, De
  l’influence de la culture sur l’activité des plantes médicinales.
  Congr. int. Paris 1900. +Paschkiewicz+, Kultur von Arzneipflanzen
  (russisch) 1903. +Camus+, Die (in Frankreich) einheimischen
  Medizinalpflanzen. Bull. sc. pharmacol. 1903. +Ward+, On the growth
  of plants in glazed cases. London 1842. +W. K. Voltz+, Der Einfl.
  d. Menschen auf die Verbreitung d. Haustiere und Kulturpflanzen.
  Leipzig 1852. +Andersson+, Plantes cultivées de la Suède. Ann.
  sc. nat. 1867. +Risso et Poiteau+, Hist. et cult. des Orangers.
  Paris 1872 (m. 110 Taf.). +Arcuri+, Coltivazione de Frassino da
  Manna. Agricoltura meridionale 1879. +Arzneipflanzen+-Anbau bei
  Berlin. Deutsche Gartenzeitung 1886, S. 118 u. 599. +Kraemer+,
  Conservation and cultivation of medicinal plants. Am. Journ. pharm.
  1903 und Textbook of botany and Pharmacognosie 1907. +Post+ und
  +Lindström+, Om odling och insaml. af medicinalväxter 1905 (m. kol.
  Taf.). +Safran+-Kultur in Pennsylvanien. Am. Journ. pharm. 1905.
  +A. Poehl+, Die Kultur von Medizinalpflanzen auf radiumhaltigen
  Böden. Pharmatsevtischesky Journal 1905. +Stich+, Zum Anbau von
  Medizinalpflanzen. Apotheker-Zeit. 1907, Nr. 89. +Waldmann+, Einiges
  über Medizinalkräuter in Ungarn und Frankreich. Pharm. Post. 1908.
  +Béla Páter+, Gyógynövények termelése (Heilkräuteranbau). Verl. d.
  Siebenbürg. Landwirtsch. Ver. u. Ders., Vadontermö Gyógynövények
  (Wildwachs. Medizinalpfl.). Verl. d. Ungar. Landwirtsch. Ver.
  +Groot+, Einfl. d. Düngung auf d. Gehalt d. Arzneipfl. an wirks.
  Bestandt. Ph. Weekbl. 34 (1898). +Louis Planchon+, Commerce actuel
  de l’herboristerie dans une région du Languedoc. Journ. d. pharm.
  1896. +Louis Planchon+, Plantes médicinales et toxiques de Départ.
  de l’Hérault. Mém. Acad. de Montpellier 1899 (mit ausführl.
  Tabellen). +La Wall+, The drug and herb Vendors of the Sidewalks of
  Philadelphia. Am. Journ. pharm. 1900. +Albert Schneider+, The native
  and introduced poisonous and medicinal plants of California with
  suggestions on drug culture. The Pacific pharmacist 1907. +Blomeyer+,
  Kultur der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen, 2 B. (herausgeb. v. +H.
  Settegast+).

  +Für tropische Kulturen+: +Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen
  und deren Kultur. Berlin 1892. +Afbeeldingen+ vom Kolonial-Museum
  Haarlem herausgegeben. +Greshoff+, Schetsen van nuttige indische
  Planten. +H. Semler+, Die tropische Agrikultur. Ein Handbuch für
  Pflanzer und Kaufleute. 3. B. Wismar 1886. 2. Aufl. 4. B. von +R.
  Hindorf+ (mit +Warburg+ und +Busemann+). Wismar 1897. +van Gorkom+,
  De Oostindische Cultures. 2 Vol. Amsterdam 1884. +van Someren Brand+,
  De groote cultures der wereld. Geschiedenis, teelt, voeding, nuttige
  toepassing. Amsterdam 1906. +Simmonds+, Tropical Agriculture. London
  1877. +E. Mead Wilcox+, Glimpses of tropical agriculture. Ohio 1900.
  +Brockmeier+, Über den Einfluß der englischen Weltherrschaft auf die
  Verbreitung wichtiger Kulturgewächse, namentlich in Indien. Diss.
  Marburg 1884. +J. Wohltmann+, Handbuch der tropischen Agrikultur für
  die deutschen Kolonien in Afrika. Leipzig 1892. +R. Sadebeck+, Die
  Kulturgewächse der deutschen Kolonien und ihre Erzeugnisse. Jena
  1899. +Jumelle+, Les cultures coloniales. 2 vol. (m. 205 Fig.). Paris
  1901. I. Plantes alimentaires, II. Pl. industrielles et médicinales.
  +D’Almada Negreiros+, L’agriculture dans les colonies portugaises.
  Paris 1905. +P. Sagot+ u. +E. Raoul+, Manuel pratique des cultures
  tropicales et des plantations des pays chauds. Paris 1893. Rep. of
  the spice and other cultivation of Zanzibar and Pemba Islands. For.
  office 1892, Miscell. Ser. Nr. 26. +Louis Planchon+, La récolte et
  la conservation des drogues exotiques. Bull. Soc. Languedoc. d.
  Geogr. 1898. +Preuß+, Cult. v. Medizinalpfl. im Bot. Gart. Viktoria
  (Kamerum). Notizbl. Bot. Gart., Berlin 1902. +H. Rackow+, Tropische
  Agrikultur. Berlin 1900. +R. Sadebeck+, Die tropischen Nutzpflanzen
  Ostafrikas, ihre Anzucht und ihr ev. Plantagenbetrieb. Hamburg
  1891. +Max Fresca+, Der Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen.
  Berlin 1904. +A. Stutzer+, Die Düngung der wichtigsten tropischen
  Kulturpflanzen. Bonn 1891. +E. Zietlow+, Subtropische Agrikultur. Ein
  Handbuch für Kolonisten und Pflanzer. Leipzig 1904.

  +Zeitschriften+: Der Tropenpflanzer, Zeitschr. für tropische
  Landwirtschaft. Herausgegeben von +O. Warburg+ und +F. Wohltmann+,
  seit 1897. Organ des Kolonialwirtschaftlichen Komitees.
  -- +Der Pflanzer+, herausgegeben durch die Usambara-Post
  (Deutsch-Ostafrika), gegr. 1905. -- +Deutsches Kolonialblatt.+
  -- +Deutsche Kolonialzeitung.+ -- Koloniale Zeitschrift. --
  Deutsch-Südwestafrikanische Zeitung. -- Ostasiatische Lloyd.
  -- Quinzaine coloniale. -- Mitteil. von Forschungsreisenden u.
  Gelehrten a. d. deutsch. Schutzgebieten. -- +Dietrich Reimers+
  Mitteilungen für Ansiedler, Farmer, Tropenpflanzer usw. Zwanglose
  Hefte mit Ankündigungen von einschlägiger Literatur. -- +Annuaire
  agricole, commercial et industriel des colonies de la rep. franc.+
  -- +Journal d’Agriculture tropicale+ (Paris), gegr. 1901. Red.:
  +Vilbouchevitsch+. -- +l’Agriculture pratique des pays chauds.+
  Paris. -- +Revue des cultures coloniales+, Paris. -- Bulletin
  offic. de l’Etat indépend. de Congo. -- The Shamba, Journal of
  agriculture for Zanzibar. -- +Tropical agriculturist+, Colombo.
  -- +Indian forester+, Allahabad. -- +Queensland Agricult. Journ.+
  -- +De Indische Mercuur+, Amsterdam. -- +Teysmannia+, Batavia. --
  +Tijdschrift voor Nyverheid and Landbow+, Batavia. -- Natuurkundig
  Tijdschrift voor Ned. Indie., Batavia. -- Geneeskundig Tijdschrift
  voor Ned. Indie., Batavia. -- Verslag omtrent den staat van’s lands
  Plantentuin te Buitenzorg (Jahresber.). -- Mededeelingen uit’s lands
  plantentuin. -- Bulletin van het Koloniaal Museum te Haarlem. --
  Bulletin of the Botan. Departm. Jamaica. -- Relatione annual do
  Instituto Agronomico do Estado de S. Paulo (Brazil) em Campinas, Sa.
  Paulo.

  Die reich illustrierten Veröffentlichungen des +United States
  Departement of Agriculture+ (Bulletins und Yearbook), die den
  Kulturen der Heil- und Nutzpflanzen große Aufmerksamkeit widmen und
  sehr liberal verteilt werden, sind wertvoll. Darin: +Alice Henkel+,
  wild medicinal plants of the united states 1906. +Henkel+, Peppermint
  1905. +Stockberger+, the drug known as pinkroot. 1907. +Henkel+,
  golden seal, 1904. Henkel, weeds used in medicine 1904. +Chesnut+,
  plants poisonous to stock 1898 und Principal poisonous plants of
  the united states 1898. +Steele+, can perfumery farming succeed
  in the united states 1898. +Chesnut+, thirty poisonous plants of
  U. St. 1898. +True+, Cultivation of drug plants in the U. St. und
  Progress in drug-plant cultivation 1905 u. a. Die Publikationen der
  Institute sind im Abschnitt Zeitschriften und Institutspublikationen
  weiter hinten aufgeführt. Vgl. auch: +G. Watt+, Selection from the
  Records of the Government of India Revenue and Agric. Dep. by the
  Reporter on economic products 1888–1890. +W. Richter+, Kulturpflanzen
  und ihre Bedeutung für das wirtschaftliche Leben der Völker.
  Geschichtlich-geograph. Bilder, Hartleben 1890.

  +Historisch interessant+: +Joh. Commelin+, Horti medici
  Amstelodamensis rariorum tam orientalis quam occidentalis
  aliarumque peregrinarum plantarum descriptio et icones ad vivum
  aeri incisae. Opus posthumum latinitate donatum notisque et
  observationibus illustr. a +Fred. Ruyschio et Franc. Kiggelario+.
  2 Bde. 224 Kupfertafeln. Amstelod. 1697–1701. +Basil. Besler+,
  Hortus Eystettensis sive diligens et accurata omnium plantarum,
  florum, stirpium, et variis orbis terrae partibus singulari studio
  collectarum quae in celeberrimis viridariis arcem episcopalem
  ibidem cingentibus olim conspiciebantur delineatio et at vivum
  repraesentatio. 3 part. in 2 vol. Mit Kupfertitel von +Wolfg.
  Kilian+ u. 367 Kupfertafeln. 1713. +Dionysius Uticensis+, De
  agricultara libri XX. +Jano Cornario+ medico interprete. Lugd. 1553.
  +Belon+, De neglecta cultura stirpium ed. Clusius 1605. +J. C.
  Volckamer+, Hesperidum Norimbergensium sive de malorum citreorum,
  limonum, aurantiorumque cultura et usu libr. IV. 1713. +J. C.
  Volckamer+, Nürnbergische Hesperides od. gründl. Beschreibung d.
  edlen +Citronat+, +Citronen+, u. Pomerantzen-Früchte, wie solche in
  selbiger u. benachbarten Gegend recht mögen eingesetzt, gewartet u.
  fortgebracht werden. 2 Bde. Mit 249 +Kupfertafeln+. Nürnb. 1708. +P.
  J. Marperger+, Nutz- und Lustreicher Plantagen-Tractat oder gründl.
  Beweiss, was die Cultur fremder u. auch einheimischer Plantagen an
  Bäumen, Kräutern und andern Gewächsen unserm Teutschland in seinen
  Hausshaltungen und Commerciis wie auch dem Aerario selbst für Nutzen
  bringen könne, wie die Populosität, samt den Manufakturen dadurch
  könte gemehret, nahrlose Städte wieder in Aufnehmen gebracht, unsere
  teutsche Exportanda gar merklich dadurch erweitert u. viel Millionen
  Gelds im Lande erhalten werden. Dresden 1722. +G. C. Eimmart+, Lust
  vnd Arzeneygarten des Königlichen Propheten Davids. 150 Blatt mit 300
  +Kupfern+, Nürnb. ca. 1740. +Ludwig+, Radicum officinalium bonitas
  ex vegetationis historia dijudicanda. Lips. 1743. +Ludwig+, De
  plantarum viribus cultura mutatis. Lips. 1772. +J. Ellis+, Anweisung
  wie man Saamen u. Pflanzen aus Ostindien u. andern entlegenen Ländern
  frisch u. grünend üb. See bringen kann. Nebst einem Verzeichnis
  von ausländ. Pflanzen, deren Bau in +amerikan. Colonien+ befördert
  zu werden verdient. 1775. +Dietrich+, Der Apothekergarten. Berlin
  1802. +Desfontaines+ Hist. d. arbres et arbrisseaux qui peuvent
  être cultivées en plaine terre sur le sol de la france. 2 vol.
  1809. +Lauterbach+, Geschichte der in Deutschl. bei der Färberei
  angew. Farbst. mit bes. Berücks. d. mittelalterlichen Waidbaues.
  Leipzig 1905. +G. Buschan+, Vorgeschichtl. Botanik der Kultur- und
  Nutzpfl. d. alten Welt auf Grund prähistor. Funde. Breslau 1895
  (dort d. Literat.). +Joh. Hoops+, Waldbäume und Kulturpflanz. im
  german. Altertum. Straßb. 1905. Graf zu +Solms-Laubach+, Herkunft,
  Domestikation und Verbreitung des gewöhnlichen Feigenbaums. Abh.
  d. K. Ges. d. Wiss., Göttingen 1882. +V. Hehn+, Kulturpflanzen und
  Haustiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien,
  sowie in das übrige Europa. 7. Aufl. (+v. Schrader+ und +Engler+).
  Berlin 1902. +A. de Candolle+, Origine des plantes cultivées. Paris
  1896 (4. edit.). +Joret+, Les plantes dans l’antiquité et au moyen
  age. Paris 1897. +A. Dozy+, Le Calendrier de Cardoue de l’année
  961 texte arabe et ancienne traduct. latine. Leiden 1873. +Thär+,
  Altägyptische Landwirtschaft 1881. +F. Woenig+, Die Pflanzen im alten
  Ägypten. Ihre Heimat, Geschichte, Kultur und ihre mannigfaltige
  Verwendung im sozialen Leben, in Kultus, Sitten, Gebräuchen, Medizin,
  Kunst. Mit zahlr. Abbildungen. 1886. +Linné+, Vorlesungen über die
  Kultur der Pflanzen (Neu: Ups. 1907). +Hartwich+, Historisches über
  die Kultur der Arzneipflanzen, Schw. Wochenschr. +Kerner+, Die Flora
  der Bauerngärten in Deutschland. Verh. d. Zool. Botan. Ver. Wien
  1855. +Fischer-Benzon+, Altdeutsche Gartenflora 1894. +Göppert+,
  Geschichte der Gärten. Schles. Ges. vaterl. Kult. 1865. +Steinvorth+,
  Die fränk. Kaisergärten, die Bauerngärten der Niedersachsen u.
  die Fensterflora. Jahresh. naturw. Ver. Lüneburg 1890. +Glaab+,
  Die Pflanzen der salzburgischen Bauerngärten und Bauerngärten
  im allgemeinen. Deutsch. bot. Monatsschr. 1892 u. 1893. +J. W.
  Weinmann+, Phytanthozaiconographie. 4 B. mit 1025 kol. Kupfertaf.
  Regensburg 1737–45. +Scriptores rei rusticae veteres latini+
  (Columella, Cato, Varro, Palladius) ed. Geßner 1735 und Ernesti
  1773. +H. O. Lenz+, Botanik d. alten Griechen und Römer. Gotha 1859.
  Weitere Literatur im Text.


          Sammle Chrysanthemon itzo, das heilige, feucht noch vom Erdtau
          Eh’ den unendlichen Kreis der erhabene Helios antritt.

                                +Anonymi carmen graecum de herbis.+

2. Einsammlung.

Obwohl das +Einsammeln wildwachsender Pflanzen+ nicht eigentlich in
das Kapitel Pharmakoërgasie (Arzneipflanzen+kultur+) gehört, sei
doch auch dieses Zweiges der Drogenkunde an dieser Stelle gedacht,
da bei weitem die Mehrzahl der heimischen Drogen von wildwachsenden
Pflanzen gesammelt wird. Die +Kräutersammler+ oder Kräutersammlerinnen
bringen ihre Ausbeute entweder den Drogisten in den Städten oder den
Landapothekern, die ihren Überschuß dann an Grossisten weitergeben.
Das Trocknen besorgt meist der Apotheker, bisweilen aber auch der
Kräutersammler.

«Übrigens sollte», sagt ~J. C. Ebermaier~, «billig ein jeder Apotheker
diejenigen Vegetabilien, welche in seiner Gegend in zureichender
Menge einheimisch sind, selbst sammeln lassen und sie nicht etwa der
Bequemlichkeit wegen schon trocken von anderen Orten verschreiben, weil
man nicht wissen kann, ob dieselben zu rechter Zeit eingesammelt und
gehörig getrocknet wurden und ob sie auch wirklich frisch sind.»

[Illustration: Fig. 62.

Alraungräber nach einer Handzeichnung aus dem XVI. Jahrh. im German.
Museum.

[Aus +Peters+, pharm. Vorzeit.]]

Bereits ~Plinius secundus~ gibt einige ganz verständige Vorschriften
für die Einsammlung. Er sagt z. B.: «Der _Thymian_ muß während seiner
Blütezeit gesammelt und im Schatten getrocknet werden». Er erwähnt auch
die merkwürdige Einsammlung des _Ladanum_ mittelst der Bärte der Ziegen.

Auch die römischen Schriftsteller der Landwirtschaft aus der ersten
Zeit nach Christi Geburt und später, besonders ~Columella~ und
~Palladius~ (s. S. 75) gedenken der Kultur und Einsammlung der
Heilpflanzen; ebenso der Kalender des ~Harib~ (961), der z. B.
vorschreibt, daß _Scilla_ im April zu sammeln ist. Auch in dem +Minhag
ed dukkân+ des ~Abul Muna~ aus dem Jahre 1260 (arab. Text 1881 in
Bulacq bei Kairo gedruckt) befindet sich ein Kapitel, «zu welcher Zeit
und von welchem Orte sie (die simplicia) geerntet und bezogen werden
sollen, wie und in welchen Gefäßen man sie aufbewahrt».

In ~Saladins~ +Compendium aromatariorum+ (1488) handelt der fünfte
Abschnitt ausführlich und ganz vernünftig von den Regeln beim
Einsammeln der einzelnen Vegetabilien. Unvernünftig, aber ganz im
Geiste jener Zeit sind dagegen die Vorschriften, die ~Schröder~ in
seiner +Pharmacopoea medico-physica+ (1641) im Kapitel «de colligendi
tempore secundum constitutionem» gibt, das mit den Worten beginnt:
«Macrocosmica constitutio rerum nativarum colligendarum spectatur,
partim qualitatibus universalioribus seu manifestioribus, partim
influentis stellarum specialioribus seu occultioribus».

Zur «Zeit des pharmakologischen Barok», wie ~Fristedt~ die Periode
der Pharmakognosie nennt, in der der Drogenschatz Europas auf 6000
gestiegen war (XVI. bis XVIII. Jahrh.), wurde der Einsammlung ein
großes Gewicht beigelegt und genaue Vorschriften gegeben. Aus dieser
Zeit stammt das Werk von ~Heister~, +de collectione simplicium+
(Helmstadii 1722) und auch ~Antoine Baumé~ beschrieb in seinen
+Elements de pharmacie+, Paris 1762, die Einsammlung der Arzneipflanzen.

Besonders enthält aber des ~Zacutus Lusitanus~ (1575–1642)
+Pharmacopoee+ aus dem Jahre 1641 (vgl. die Besprechung von ~Rich.
Landau~ Janus, 1899) sehr genaue Vorschriften über Einsammlung und
Trocknung der Vegetabilien.

Auch die Lehren der chinesischen Pharmakologie, die sonst viel
Phantastisches enthalten, betrachten die Wirksamkeit einer Heilpflanze
als abhängig vom Boden, von der Einsammlungszeit, der Art des
Trocknens. «Man soll die zu Heilzwecken bestimmten Pflanzenteile
im Frühjahr früh morgens und im Herbst abends einsammeln. Früchte,
Blätter, Blüten und Stengel müssen in ganz reifem, ausgebildetem
Zustande geerntet werden.»

[Illustration: Fig. 63.

_Orangenblüten_ernte in Bar sur Loup bei Grasse. [Aus +Roure-Bertrand+
fils Berichte.]]

Daß man Arzneipflanzen nicht zu jeder beliebigen Zeit einsammeln dürfe,
war also schon den Alten bekannt. Die Rhizotomen (s. Geschichte) wußten
auf diesem Gebiete offenbar gut Bescheid, doch hat ~Theophrast~, der
selbst einige Regeln über das Einsammeln der Wurzeln und Früchte gab,
sicher Recht, wenn er meint, daß von den Vorschriften der Rhizotomen
und Pharmakopolen «einiges zweckmäßig, anderes marktschreierisch»,
und man kann hinzufügen, noch anderes auf Aberglauben beruhend ist.
Die Rhizotomen gaben nämlich nicht nur Vorschriften über die Zeit
der Einsammlung -- welche Pflanzen bei Nacht, bevor die Sonne darauf
scheint, welche bei Tage zu graben sind, sondern erachteten auch
manchen Hokuspokus dabei für erforderlich: _Thapsia_ solle man mit Öl
gesalbt vom Winde abgewandt graben, vor der Einsammlung der _Nießwurz_
solle man Lauch essen, beim Graben der _Kentauris_ (_Centaurea
Centaur._) müsse man sich vor der Weihe hüten.

[Illustration: Fig. 64.

Einsammlung der _Veilchen_ in einem _Oliven_hain in Grasse.]

«Auch den _Mandragoras_ (vgl. Fig. 62) solle man dreimal mit dem
Schwerte umziehen und gegen Abend gewandt abschneiden; ein anderer
aber solle rings um ihn her tanzen und viel von Liebeswerken reden.
Gleicherweise solle man beim _Kümmel_, wenn man ihn sät, Lästerungen
reden. Auch um die schwarze _Nießwurz_ solle man einen Kreis
beschreiben, sich gegen Mittag stellen und beten und sowohl rechts wie
links auf den Adler acht geben, denn er bringe dem Grabenden Gefahr;
käme er ihnen nahe, so stürben sie in demselben Jahr.»«Das alles», sagt
schon ~Theophrast~, «scheint ungereimt zu sein».

Doch spielt das mit geheimnisvollen Zeremonien umgebene Graben und
Verarbeiten von Heil- und Giftpflanzen auch im Volksaberglauben der
nördlichen Völker noch in viel späterer Zeit eine große Rolle (vgl.
z. B. ~Macbeth~).

Durch ~Paracelsus~ ist die Beziehung der Einsammlung zum Stande
der Gestirne betont worden und bei ~Schröder~ finden wir ein sehr
langes Kapitel, in dem diese Beziehungen auf das ernsthafteste
eingehend behandelt werden. Für die Einsammlung gibt nämlich ~J.
Chr. Schröder~ in seiner +Pharmacopoea medico-physica+ 1641 (s.
oben) auf astrologische Erwägungen gegründete Vorschriften in dem
Kapitel, das überschrieben ist: «de colligendi tempore secundum
influentias particulares». Für die Einsammlungszeit ist die Stellung
der Gestirne, die Nativitätsstellung, maßgebend. «Tempus colligendi
nativa influentiarum siderearum ratione censetur aptius, quo Planeta
rei colligendae familiaris in suis fuerit fortitudinibus, idque tanto
convenientius judicatur, quanto plures fortitudines Planeta idem
obtinuerit.» (Ähnlich in ~Crügener~ +Neu verm. Chymischer Frühling+,
sambt einer Astrolog. Continuat. d. Gewächse zu samblen, Nürnberg
1654 u. Chymischer Sommer 1656.) Aber bereits ~Saladin von Ascolo~
bezeichnet diese astrologische Methode des Einsammelns lange vor
~Schröder~ als eine «doctrina speculativa».

~Thurneysser~, ein Anhänger des ~Paracelsus~, schreibt in seinem
Kräuterbuche +Historia und Beschreibung Influentischer, Elementischer
und natürlicher Wirkungen aller fremden und heimischen Erdgewächse,
auch ihrer Subtilitäten+ usw., Berlin 1578:

    Verbeen, Agrimonia, Medelger, charfreytags graben
    hilft dir sehr, daß dir die fraven werden hold,
    doch brauch kein eisen, grabs mit goldt!

Außerdem muß es liegen bleiben bis Morgentau darauf fällt, der Sammler
muß bis Sonnenaufgang dabei bleiben und dann erst es aufheben. Mit
Eisen darf es nicht in Berührung kommen.

[Illustration: Fig. 65.

Sammeln der _Rosenblüten_ in Bulgarien.]

Aber ganz ist diese Form des Aberglaubens auch heute noch nicht im
Volke, selbst von Europa, ausgerottet, wie Gerichtsverhandlungen
unserer Tage gelegentlich enthüllen. Und erst recht nicht bei
den halbzivilisierten Völkern Asiens. ~A. G. Vorderman~ zeigte
(+Planten-animisme op Java+, Teysmannia 1896), wie auch auf Java der
Volksglaube einer Beseelung der Pflanze zu finden ist und sich oft in
naiver Weise äußert. So wirkt nach javanischem Glauben die Pflanze
_Sarcolobus narcoticus_ zwar auf Tiger und Wildschweine giftig,
nicht aber auf den Menschen. Wer also diese Pflanze als Tigergift
sammeln will, muß die Pflanze zu dem Wahne bringen, daß sie von einer
wilden Bestie, nicht aber von einem Menschen gepflückt werde, damit
_Sarcolobus_ seine höchste Giftigkeit auch richtig äußere. Der Sammler
nähert sich also der Pflanze nachts, auf allen Vieren kriechend
und Tierlaute nachahmend! Ist einmal die als Gift benutzte Rinde
eingesammelt, so muß man sich hüten, dieses Gift in die Nähe einer
Leiche zu bringen, sonst +denkt+ der _Sarcolobus_, er habe bereits
seine Schuldigkeit getan und verliert seine Giftigkeit. ~Greshoff~
glaubt, daß gerade bei _Sarcolobus_ die Idee einer Pflanzenseele
so ausgeprägt ist, weil diese auf Java in großem Umfange benutzte
Giftpflanze oft ihre Wirksamkeit -- auf der Anwesenheit einer harzigen,
leicht zersetzlichen, coniinartig wirkenden Substanz +Sarcolobid+
beruhend -- bei längerem Aufbewahren einbüßt und man sich mit dieser
wohlbekannten Erfahrung abfinden wollte.

[Illustration: Fig. 66.

Einsammlung der _Cassieblüten_ bei Grasse.]

[Illustration: Fig. 67.

_Safran_-Ernte. Ablösen der _Safran_narben von den Blüten.]

Im Mittelalter hatte man die merkwürdigsten Anschauungen über die
Einsammlungszeit. In der wohl aus dem IV.–VI. Jahrh. stammenden
Schrift ~Hermetis Trismegisti~ περὶ βοτανῶν χυλώσεως werden z. B. die
Arzneipflanzen direkt nach den Sternbildern benannt, in deren Zeichen
sie zu sammeln sind, um ihre beste Arzneiwirkung zu üben. Eine Pflanze,
die im Mai, wenn die Sonne im Zeichen des Stieres steht, gesammelt
werden muß, um wirksam zu sein, heißt «Kraut des Stieres», eine, die im
November zu sammeln ist, wenn die Sonne in dem Zeichen des Skorpions
steht: «Kraut des Skorpions». So ist _Anagallis_: Kraut des Schützen,
_Aristolochia_: Kraut der Fische, _Calaminthe_: Kraut der Jungfrau,
_Cyclaminos_: Kraut des Löwen, _Elelisphacos_ (_Salvia_): Kraut des
Widder, _Lapathon_ (_Rumex_): Kraut des Steinbock, _Marathron_: Kraut
des Wassermann, _Peristereon hyptios_ (_Verbena supina_): Kraut der
Zwillinge, _Scorpiurus_: Kraut der Wage, _Symphytos_: Kraut des
Krebses. Dann wird an gleicher Stelle auch ein Kraut des Saturn
(_Sempervivum_), ein Kraut des Merkur (_Phlomos_ = _Verbascum_),
ein Kraut des Mars (_Peucedanus_), ein Kraut der Venus (_Panaces_,
_Adiantum_), ein Kraut der Sonne (_Heliotropion_), ein Kraut des
Jupiter (_Eupatorium_), ein Kraut des Mondes (_Aglaophotis_) erwähnt.

[Illustration: Fig. 68.

_Safran_ernte. Sammeln der Blüten.]

[Illustration: Fig. 69.

Pflücken der _Tabak_blätter auf einer Tabakplantage Jamaikas.]

Gegenüber all diesem Aberglauben ist wieder das, was ~Dioskurides~ vor
fast 2000 Jahren über das Einsammeln sagte, von größter Sachlichkeit,
es klingt ganz modern.

  «Vor allem», sagt er, «ist es notwendig, mit Sorgfalt bedacht zu
  sein auf die Aufbewahrung und das Einsammeln eines jeden Mittels
  zu der ihm angepaßten geeigneten Zeit. Denn davon hängt es ab, ob
  die Arzneien wirksam sind oder ihre Kraft verlieren. Sie müssen
  nämlich bei heiterem Himmel gesammelt werden; denn es ist ein
  großer Unterschied darin, ob die Einsammlung bei trockenem oder bei
  regnerischem Wetter geschieht, wie auch, ob die Gegenden gebirgig,
  hoch gelegen, den Winden zugängig, kalt und dürr sind, denn die
  Heilkräfte dieser Pflanzen sind stärker. Die aus der Ebene, aus
  feuchten, schattigen und windlosen Gegenden sind zumeist kraftloser,
  um so mehr, wenn sie zu ungeeigneter Zeit eingesammelt werden oder
  aus Schlaffheit hingewelkt sind. Auch ist freilich nicht außer
  acht zu lassen, daß sie oft durch die gute Bodenbeschaffenheit und
  das Verhalten der Jahreszeit früher oder später ihre volle Kraft
  haben. Einige haben die Eigentümlichkeit, daß sie im Winter blühen
  und Blätter treiben, andere blühen im Jahre zweimal. Wer hierin
  Erfahrungen sammeln will, der muß dabei sein, wenn die neuen Sprossen
  aus der Erde kommen, wenn sie sich im vollen Wachstum befinden und
  wenn sie verblühen.»

  «Die zarten Pflanzen, z. B. _Schopflavendel_, _heller Gamander_,
  _Polei_, _Eberreis_, _Seebeifuß_, _Wermut_, _smyrnäischer Dosten_ und
  ähnliches muß man sammeln, wenn sie im Samen stehen, die Blüten aber
  vor ihrem Abfallen, die Früchte, wenn sie reif sind, und die Samen,
  wenn sie zu trocknen beginnen vor dem Abfallen. Die Pflanzensäfte
  muß man bereiten aus den Stengeln, wenn sie eben ausschlagen.
  Ähnlich verhält es sich mit den Blättern. Die ausfließenden Säfte
  aber und die Tropfenausscheidungen muß man gewinnen, indem man die
  Stengel anschneidet, wenn sie sich noch in voller Kraft befinden.
  Die zum Aufbewahren und zum Saftausziehen, sowie zum Abziehen der
  Rinde bestimmten Wurzeln sammelt man, wenn die Pflanzen anfangen die
  Blätter zu verlieren.»

[Illustration: Fig. 70.

Einsammlung der _Pfefferminze_ bei Mitcham (U. S. A.). Schneiden
mittelst Maschine und Binden zu Ballen. [Nach +John Jakson+.]]

[Illustration: Fig. 71.

Ernte des _Zuckerrohrs_ in Amerika (New Orleans).]

Eine richtige Beobachtung liegt auch der Forderung der Alten
zugrunde, daß _Thapsia_ (_Th. Silphium_ und _garganica_) nur gegraben
werden dürfe, nachdem die nackten Teile der Haut gehörig eingesalbt
worden waren, denn hier konnte der Milchsaft reizend wirken. Auch
die Vorschrift, die sich bei ~Macbeth~ findet: «Root of hemlock
digg’d i’ the dark» stimmt, wie ~Lander Brunton~ hervorhebt, mit den
pharmakophysiologischen Ergebnissen überein.

Daß Arzneipflanzen erst durch eine besondere Weihe seitens der
Kirche ihre wahre Heilkraft erhalten, ist in katholischen Gegenden
Deutschlands auch heute noch ein allgemein verbreiteter Glaube.
Mariä Himmelfahrt (15. August), der Festtag, an dem auf dem Lande
die Heilkräuter geweiht werden, heißt im Volke ausdrücklich
«Frauenkräutltag»und der Kräutlweih ist ein im XX. (!) Jahrh.
verfaßtes, übrigens recht hübsches Gedicht einer katholischen
Schriftstellerin gewidmet, die unter dem Namen ~M. Herbert~ schreibt.
Es lautet:

    Ich ging am Frauenkräutltag
    Zur Nacht hinaus in tiefem Schweigen.
    Es war kein Mensch im weiten Rund
    Und auch kein Sternlein wollt sich zeigen.

    So muß es sein! In Nüchternheit
    Und ganz allein und ungesprochen
    Seit Mitternacht, da hab ich mir
    Zur Weih die Kräuter abgebrochen.

    Den _Hauswurz_ brach ich, daß er mir
    Vorm Blitz behüte meine Seele --
    Vorm Blitz, der dir im Auge flammt,
    Daß er mir nicht den Frieden stehle.

    Den _Baldrian_ ins Gürtelschloß:
    Daß ich in Züchten geh’ und Treue,
    Daß ich im letzten Stündelein
    Mein leichtes Leben nicht bereue.

    Den _Gundermann_ als Zauberschutz,
    Daß nicht mein Fuß vom Wege irre,
    Daß nicht um dein geliebtes Haupt
    Zu häufig der Gedanke schwirre.

    Den _Wermut_ übers Einfahrttor,
    Daß ich das Leben lerne leiden
    Auch wenn dein Fuß auf ewig wird
    Des Hauses fromme Schwelle meiden.

Wir haben also keinen Grund, auf den Aberglauben des klassischen
Altertums und des deutschen Mittelalters oder den der Naturvölker
hochmütig herabzublicken. Er blüht mitten unter uns, entbehrt aber
nicht der Poesie.

Die +Behörden+ haben wohl nur selten dem Einsammeln von Arzneipflanzen
ihre Aufmerksamkeit gewidmet.

Über das Sammeln der Heilkräuter in Rußland bis zur Zeit Peters des
Großen berichtet ~Lachtin~ (Russ. Arch. 1902) und teilt mit, daß es
tributartig besorgt werden mußte und sich die Bauern gern der lästigen
Pflicht zu entziehen suchten. Unter staatlicher Aufsicht wurden die
pflanzlichen Heilmittel in die Apotheken Moskaus abgeliefert. Dies ist
der einzige mir bekannte Fall einer +zwangsweisen+ Einsammlung von
Heilpflanzen.

[Illustration: Fig. 72.

Schneiden und Entblättern des _Zuckerrohrs_ auf Jamaika.

[Nach +Stromeyer+ & +Wyman+.]]

~Herzog Ernst der Fromme~ von Sachsen-Gotha erließ 1655 eine Verordnung
an seine Forstbeamten, die in den einzelnen Forstbezirken seines
Landes vorkommenden «nützlichen Kräuter», d. h. die Arzneipflanzen,
zu verzeichnen und nachzuweisen. Auf der Gothaer Bibliothek gibt es
zu dieser Verordnung mehrere solcher Verzeichnisse, dazu auch zwei
Herbarien von Kräutern «so zur Apothek von nötun», aus dem Bezirk von
Heldburg mit 58 verschiedenen Pflanzen und vom Amt Königsberg mit 71
(~G. Zahn~, +Aus Koburg-Gothaischen Landen+ 1903). Beim Nachsuchen
werden sich wohl auch in anderen Gegenden noch solche Verordnungen
finden.

Eine norwegische Medizinalverordnung vom Jahre 1672 förderte die
Errichtung von Kräutergärten bei den Apotheken und Klöstern.

[Illustration: Fig. 73.

Geschlagenes _Zuckerrohr_ der Plantage Solidad. Guantanamo auf Kuba.
[Nach +Stromeyer+ & +Wyman+.]]

[Illustration: Fig. 74.

Das geschnittene und entblätterte _Zuckerrohr_ wird auf Ochsenkarren
verladen und in die Mill gebracht (Kuba).

[Nach +Stromeyer+ & +Wyman+.]]

Wie ~Grosier~ 1787 aus China berichtete, wurde der _Ginseng_, den nur
der Kaiser sammeln durfte, alljährlich durch eine kaiserliche Armee von
10000 Soldaten eingesammelt, für die eine peinliche Ordnung bestand und
die während der sechs Sammelmonate im Freien kampieren mußte.

Die Einsammlung der heiligen _Mistel_ durch die Druiden in Gallien
wurde mit großem Pompe durchgeführt (~Chéruel~). «Nil habent», sagt
auch ~Plinius~, «Druides visco et arbore in que gignetur, si modo sit
robur, sacratius.»

       *       *       *       *       *

Die Einsammlung der arzneilich angewendeten Pflanzen und
Pflanzenprodukte war ehedem, soweit es sich um +einheimische+ handelte,
ausschließlich Sache der Apotheker oder von diesen beauftragter Leute.
Heutzutage, wo nur in einigen Gegenden noch der Apotheker selbst sich
damit beschäftigt und die Drogen von den Händlern gekauft werden,
ist die Einsammlung meist Sache der Drogenhandlungen geworden, die
die Landbevölkerung zu dem Geschäfte heranziehen. So werden in jede
Drogenhandlung vom Frühjahr bis zum Herbst zahlreiche, meist kleine
Posten eingeliefert, die auf dem flachen Lande von den wildwachsenden
Pflanzen gesammelt wurden. In +größerer+ Menge werden in Deutschland
von wildwachsenden einheimischen Pflanzen jetzt eigentlich nur noch
die sogenannten narkotischen Kräuter (_Digitalis_, _Belladonna_,
_Conium_, _Hyoscyamus_) und Samen, sowie einige Wurzeln und Rhizome
(_Gentiana_, _Filix_, _Calamus_, _Taraxacum_) gesammelt (vgl. im
übrigen die Tabellen auf S. 65). Die Einsammlung, meist seit altersher
in den Händen einiger Familien, geschieht im allgemeinen zu einer
Zeit, die der Höhe der arzneilichen Wirksamkeit des betreffenden
Pflanzenteils entspricht, so daß gegen die Art dieser Einsammlung im
großen und ganzen nichts einzuwenden ist. Auch vor Verwechslung wissen
sich die betreffenden Sammler, trotzdem ihnen eigentliche botanische
Kenntnisse abzugehen pflegen, zu bewahren. Langjährige praktische
Erfahrung ersetzt hier das wissenschaftliche Verständnis. Immerhin
kommen Verwechslungen doch noch da und dort vor. So wird, um nur ein
Beispiel anzuführen, vielfach das aspidinhaltige Rhizom von _Aspidium
spinulosum_ an Stelle des Filixsäure enthaltenden Rhizoms von _Asp.
Filix mas_ gesammelt. Um sich vor diesen Verwechslungen zu bewahren,
sollte zwar der Drogist mit ausreichenden botanischen Kenntnissen
ausgerüstet sein. Da er es jedoch oftmals nicht oder nur in geringem
Maße ist, so liegt es dem Apotheker ob, die von dem Drogisten aus
zweiter Hand gekauften Waren auf ihre Identität und Reinheit zu prüfen.
Damit er dies kann und sich also vor Benachteiligung oder gar vor
schwerem Schaden zu bewahren vermag, muß er pharmakobotanisch gut
geschult sein. Jedenfalls darf es der Apotheker niemals unterlassen,
die gekauften Drogen einer sorgfältigen Prüfung zu unterwerfen, da
es oft genug vorgekommen ist, daß ganz unschuldigen Kräutern giftige
beigemengt waren.

[Illustration: Fig. 75.

Cane Shed. Das geerntete, von den Blättern befreite _Zuckerrohr_ vor
der Verarbeitung (New Orleans).

[+Mugnier+ phot.]]

«Die Einsammlung der nicht narkotischen Kräuter, Wurzeln, Samen usw.
geschieht ebenfalls von der Landbevölkerung. Die «Kräutersammler,
Wurzelgräber, Botaníker» -- mit dem Ton auf dem i -- wie sich die Leute
nennen, suchen die oft nur ihnen bekannten Standorte der betreffenden
Pflanzen zu der Zeit auf, die als die beste durch die Tradition
bezeichnet wird. Selten ist es möglich, sie eines Besseren zu belehren,
wenn die Zeit, in der sie seit altersher die Droge sammelten, sich
vielleicht durch systematische wissenschaftliche Untersuchungen als
unvorteilhaft erwiesen hat. Mit der ganzen Zähigkeit, die den Landmann
auszeichnet, halten sie an ihren Vorurteilen fest, und es ist um
so schwerer, auf diese Sammler durch Belehrung einzuwirken, da sie
auch jetzt noch, wennschon in viel geringerem Maße als früher, beim
Volke selbst in einem gewissen Ansehen stehen, da ihnen «der Pflanzen
Wirkung und Heilkraft» bekannt ist. Sie sind gewissermaßen die Erben
der Rhizotomen Griechenlands und der mittelalterlichen Naturärzte und
fungieren als solche auch auf dem Lande oft genug noch jetzt.

Ein großes, wissenschaftlich noch wenig bebautes Feld der Drogenkunde
ist das, welches sich mit der Frage beschäftigt: +in welchem Monate
besitzt die betreffende Droge die größte Menge ihrer wirksamen
Bestandteile+? Es ist dies eine Aufgabe der Pharmakophysiologie
(s. d.). Erst für eine verhältnismäßig kleine Anzahl Drogen kennen
wir den Zeitpunkt ihres maximalen Gehaltes genau und doch ist die
Kenntnis desselben das Hauptmoment für die Wahl der richtigen
Einsammlungszeit. Auch hier hat freilich der natürliche praktische Sinn
und ein gewisses naturwissenschaftliches Taktgefühl mit divinatorischem
Scharfblick oft das Richtige +erraten+, was nachträglich durch die
Wissenschaft bestätigt wurde (s. oben S. 82). Bei vielen unterirdischen
Reservebehältern z. B. verrät sich die Erfüllung mit Reservematerial
oft schon durch das pralle Aussehen. Immerhin wird darauf stets Bedacht
zu nehmen sein, daß dieselben nur zu der Zeit gesammelt werden, die der
maximalen Erfüllung mit Reservestoffen entspricht, also zu einer Zeit,
wo sie weder noch nicht vollständig erfüllt, noch bereits zum Teil
entleert sind.

[Illustration: Fig. 76.

Einsammlung der _Chinarinde_ in Südamerika. [Nach +Weddell+.]]

Aber auch viele oberirdische Organe, z. B. die Blätter, erreichen nur
zu einer bestimmten Zeit das Maximum ihres Gehaltes an bestimmten
Stoffen. Durchaus nicht immer fällt dies Maximum mit der Höhe der
Entwicklung des betreffenden Organs zusammen. Manche Blätter sind z. B.
an Alkaloiden im jungen Zustande reicher als im ganz alten. Doch kann
man auch hier als Regel aufstellen, daß das Maximum des Gehaltes bei
Blättern kurz vor der Entleerung liegt, die auch das Blatt notwendig
bei der Bildung der Blütenteile erfahren muß. Man kann also ganz
allgemein sagen, daß, +während für Knollen, Rhizome und Wurzeln die
günstigste Einsammlungszeit das zeitige Frühjahr oder der späte Herbst
ist, also die Zeit+, wo sie noch nicht entleert oder schon wieder
gefüllt sind, +Blätter im allgemeinen kurz vor dem Blühen der Pflanze
zu sammeln sind+. Die Dauer der Blütezeit ist meist eine so kurze, daß
eine Zeitangabe für die Blüten überflüssig erscheint»(~Tschirch~ in
+Real-Enzyklopädie d. ges. Pharm.+).

[Illustration: Fig. 77.

Pflücken des _Tees_ in Ceylon. [Nach +Tschirch+, Indische Heil- und
Nutzpflanzen.]]


[Illustration: Fig. 78.

Ablösen der Chinarinde, Sortieren und Stampfen in der
_Cinchonen_plantage Lembang auf Java. Links fertige Ballen und Kisten.
[+Tschirch+ phot.]]

  «Digitalisblätter sind vor der Blütezeit ärmer an wirksamen
  Bestandteilen als nachher, die Blätter des ersten Jahres daher
  ganz verwerflich. Ebenso zieht man, wenigstens in England, bei
  _Hyoscyamus_ die Blätter des zweiten Jahres vor. ~Schroff~ hat
  (1870) gezeigt, daß _Fructus Conii_ unmittelbar vor der Reife die
  größte Menge Coniin enthält. Ebenso verdanken wir demselben den
  Nachweis, daß _Tuber Colchici_ bloß zur Blütezeit der Pflanze
  kräftig wirkt. _Rhizoma Filicis_ darf nach alten Erfahrungen nur
  im Spätsommer gesammelt werden. Auch das +absolute+ Alter der
  betreffenden Teile kommt oft in Betracht. So ist zweijährige oder
  dreijährige _Radix Belladonnae_ reicher an Atropin als siebenjährige
  oder noch ältere, was wohl hauptsächlich dadurch bedingt ist, daß
  dieses Alkaloid vorzüglich der Rinde angehört, welche bei älterer
  Wurzel weniger in das Gewicht fällt als bei jüngerer; nicht so
  schwankend ist der Gehalt der Belladonnablätter. Daß manche Früchte
  und Samen vor der Reife Amylum, später mehr Zucker, Öl und andere
  Stoffe enthalten, sei gleichfalls erwähnt. Im Safte des _Ecballium
  Elaterium_ kommt im Juli reichlich Elaterin vor, aber im September
  fehlt dieser stark drastische Körper darin. _Pfeffer_, _Cubeben_,
  _Gewürznelken_ sind vor der Reife reicher an ätherischem Öle,
  _Chinarinden_ können bisweilen arm an Chinin sein oder sogar keines
  enthalten»(~Flückiger-Tschirch~, +Grundlagen+).

[Illustration: Fig. 79.

Ablösen der Zweigrinde in einer jungen _Cinchonen_pflanzung auf Java.
[+Schröter+ phot.]]

In den Kulturen der Arzneipflanzen, besonders in Cölleda, ist auch die
Einsammlungszeit genau geregelt. Leider vertragen die narkotischen
Kräuter den Anbau nur schwer ohne Beeinträchtigung ihrer arzneilichen
Wirksamkeit. Sie entwickeln sich bei guter Pflege zwar üppiger,
verlieren aber an Gehalt. Das liegt hauptsächlich daran, daß die
Kultur meist eine ungeeignete ist und nicht genügend Rücksicht auf die
natürlichen Wachstumsbedingungen der betreffenden Pflanzen genommen
wird (s. oben S. 45).

[Illustration: Fig. 80. Instrumente, die bei der Gewinnung der
_Chinarinde_ benutzt werden. b Sägeartiges Messer, mit dem die Rinde
quer und längs eingeschnitten und abgeteilt wird. a Abgerundete
Messer zum Ablösen der Rinde. [Aus +Tschirch+, Indische Heil- u.
Nutzpflanzen.]]

Die Einsammlung der fremdländischen Drogen ist noch weniger geregelt
als die unserer einheimischen. Unter genauerer Kontrolle stehen auch
hier nur die Kulturen. Bei besonders wertvollen Drogen, wie z. B.
der _Chinarinde_, dem _Opium_, wird auf die Wahl der geeigneten
Einsammlungszeit und Einsammlungsart großes Gewicht gelegt. Im
allgemeinen geht man aber, besonders in den Bezirken, in denen die
Natur in unerschöpflicher Fülle immer von neuem produziert, ziemlich
rücksichtslos vor, sowohl was Zeit als Methode betrifft, und da viele
fremdländische Drogen nicht aus Kulturen stammen, sondern von den
Einheimischen, meist wilden oder halbwilden Völkern, gesammelt werden,
so kann es nicht überraschen, daß sowohl in unverantwortlicher Weise
dabei vergeudet wird, als auch die Einsammlungsart weder geregelt, noch
auf irgend welchen Erwägungen tieferer Art aufgebaut ist. Man sammelt
meist, was und wie man es findet, aufs Geratewohl und verarbeitet die
Droge auf die roheste Weise. Wieviel z. B. jährlich _Kampfer_, _Aloë_,
_Guttapercha_ und _Kautschuk_ vergeudet wird, läßt sich gar nicht in
Zahlen ausdrücken. Hier ist ein Punkt, wo die Kolonisationsbestrebungen
einzusetzen haben.

Beim Einsammeln der Drogen ist wohl darauf zu achten, daß nur derjenige
Teil der Pflanze gesammelt wird, der wirksam ist, daß z. B. die meist
wertlosen Stiele krautiger Pflanzen entfernt werden. Wird dies vom
Sammler selbst verabsäumt, so muß der Drogist oder Apotheker durch
+Auslesen+ das Versäumte nachholen. Nur in den Fällen, wo anhängende
Organe gute diagnostische Merkmale abgeben, die der Droge selbst
abgehen, läßt man sie daran, wie z. B. bei der _Rad. Hellebori viridis_
und _nigri_ die Wurzelblätter, bei der _Digitalis_ das mitgerissene
Stück Stengelepidermis u. a. m.

[Illustration: Fig. 81. Instrumente, die bei der Gewinnung des
_Ceylonzimt_ benutzt werden. a Hackmesser zum Kappen der Sprosse.
b Rundholz aus Zimtholz, mit dem nach dem Ringeln die Oberfläche
gestrichen wird, um den Zusammenhang von Holz und Rinde zu lockern. c
Falzbeinartiges Messer zum Ablösen der Rinde. d Messer zum Abschaben
des Korkes. e Längenmaß für die Fardelen.

[Aus +Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]

Die Ernte selbst wird natürlich in sehr verschiedener Weise besorgt, je
nach der Natur des Ernteproduktes.

Die Kräuter werden meist mit der Sichel +geschnitten+, die Blätter
mit der Hand abgelöst. Besondere Sorgfalt wird auf das Ablesen der
Blüten verwendet, die einzeln abgelesen und dann in Körben locker
übereinander geschichtet werden, da sie sich sonst leicht verfärben
oder an Duft verlieren (_Rosa_, Fig. 65, _Orangenblüten_ Fig. 63).
Die _Crocusblüten_ werden in Spanien in toto gepflückt (Fig. 68) und
die Narben dann erst zu Haus herausgelöst (Fig. 67). Bisweilen werden
die Blütenknospen, da wertvoller, an Stelle der aufgeblühten Blüten
gesammelt (_Flos. naphae_, _Caryophylli_).

Bei großen umfangreichen Kulturen, wie z. B. denen der _Pfefferminze_
bei Mitcham (U. S. A.), werden zum Schneiden des Krautes Mähmaschinen
benutzt (Fig. 70). Vielfach (z. B. bei _Artemisia pontica_) bedient man
sich der Sense.

Das _Zuckerrohr_ wird vor eintretender Blüte ziemlich dicht über dem
Boden geschnitten (Fig. 71), von den Blättern befreit (Fig. 72 u. 73)
und bis zur Verarbeitung in Schuppen aufgestapelt (Fig. 75).

[Illustration: Fig. 82.

Abschlagen der Stengel und Beseitigen der Seitensprosse und Blätter in
einer _Ceylonzimt_plantage auf Ceylon. [Phot. im Kew Museum.]]


[Illustration: Fig. 83.

Ablösen der Rinde des _Ceylonzimtes_. [Phot. im Kew Museum.]]

Was von den Blättern und wie es gepflückt werden soll, hängt von der
Pflanze ab. Oft weichen die Blätter verschiedenen Alters im Gehalt
voneinander ab. Bei der Teepflanze z. B. ist die terminale Blattknospe
am gehaltreichsten. Beim Pflücken, das mit dem Fingernagel
erfolgt, läßt man hier die Achselknospe stehen, damit eine Erneuerung
stattfinden kann. Das hat natürlich nur bei einer immergrünen Pflanze
wie _Thea_ einen Sinn.

Beim Pflücken des _Tee_ (Fig. 77) kommt es also sehr darauf an, was
gepflückt wird. Das wertvollste ist die +geschlossene+ Gipfelknospe
(in Java: _Pecco rünen_; rünen = schwanger), die durch reichliche
Behaarung silbergrau erscheint (daher Pecco, von Peh-hán = Milchhaar).
Hat sich das Blatt eben von der Knospe abgehoben, so heißt es Pecco
burung (d. h. hohl). Je älter die Blätter sind, um so weniger
sind sie wert. Mehr als Blatt 1–4 wird nie gepflückt. Bei der
Alus-Pflückung in Java wird Blatt 2–4 oder 3½–4 gepflückt, oder
wenn Pecco nicht im Vormonat gesammelt wurde, Pecco und 1–2. Bei der
Katilu-Kotjop-Pflückung Blatt 1–3. Stets wird Sorge getragen, daß die
Achselknospe intakt bleibt, da sich aus ihr Seitensprosse entwickeln.
Über die Pflückung wird genau Buch geführt.

Das Ablösen der Yerbazweige zur Mategewinnung erfolgt in Paraguay
entweder mit langen Messern (machetones) oder eigenartigen Scheren
(secateurs) in ziemlich roher Weise.

Das +Ablösen+ der =Rinde= geschieht entweder am stehenden Baume
selbst (bei den Ships und Shavings der _Chinarinde_) oder von dem
gefällten Baume oder dessen Zweigen bez. Stockausschlägen (_Chinarinde_
[Drogistenrinde], _Ceylonzimt_).

[Illustration: Fig. 84.

Schälen des _Ceylonzimtes_. [Aus +Tschirch+, Indische Heil- und
Nutzpflanzen.]]

Bisweilen werden hierbei eigenartig geformte Messer benutzt (Fig. 80,
81, 85). Bei den gerbstoffhaltigen Rinden muß Sorge getragen werden,
daß nur eisenfreie, also entweder kupferne oder messingne Messer in
Anwendung kommen.

  Als Beispiele mögen die Gewinnung der _Chinarinde_ (Fig. 78–80) der
  _Cascara Sagrada_ und des _Ceylonzimt_ beschrieben werden.

  «Mit einem sägeartigen Messer (Fig. 80, b) wird der Stamm der
  _Cinchone_ in Entfernungen von ½ oder ¼ m erst horizontal und
  dann auch der Länge nach eingeschnitten (Fig. 78), so daß ein
  rechteckiges, ¼, ⅓ oder die Hälfte des Baumumfanges breites Stück
  Rinde abgeteilt ist. Dann fährt der Arbeiter oder die Arbeiterin --
  denn es sind meist Weiber, die das Schälgeschäft besorgen -- mit
  einem stumpfen, breiten und langen und oben abgerundeten dünnen,
  kupfernen oder messingenen Messer (Fig. 80 a) (Eisen wird des
  Gerbstoffes wegen tunlichst vermieden) zwischen Holz und Rinde und
  hebt letztere vorsichtig ab. Anfangs rein weiß, färbt sich die
  Innenfläche der Rinde in 15 Sekunden -- wie ich mit der Uhr in der
  Hand feststellen konnte -- schön rotbraun, indem die Chinagerbsäure
  in Chinarot übergeht, und bald beginnt auch, da die Rindenspannung
  ausgelöst ist, das Einrollen zu einer Röhre. Das «Schälen» geschieht
  besonders in der Regenzeit, da sich dann die Rinde am leichtesten
  loslöst. Ganz anders verfährt man bei den Ästen und Wurzeln. Hier
  wird die Rinde mit krummen Messern regellos von dem Holze abgeschabt.
  Man legt unter den zu schälenden Ast einige Pisangblätter oder einen
  runden Teller, einen Bambutampir, und schabt drauf los, während die
  Abschabsel auf die Unterlage fallen»(~Tschirch~, +Indische Heil- und
  Nutzpflanzen+).

  Die Ernte der _Cascara Sagrada_-Rinde schildert ~Zeig~ (1905)
  folgendermaßen: «Die Ernte beginnt gewöhnlich im April oder
  unmittelbar nach der Regenzeit, weil da die Bäume am saftreichsten
  sind und die Rinde sich am leichtesten abheben läßt und dauert bis
  Juli. Man macht um den Stamm ringförmige Einschnitte, immer 2–4 Zoll
  voneinander entfernt und schält dann die Rinde bis ungefähr einen
  Fuß über dem Erdboden; dann wird der Baum geschlagen und die Äste in
  gleicher Weise geschält.»

[Illustration: Fig. 85.

+Instrumente, die bei der Gewinnung des _Zimt_ in Südchina
benutzt werden.+ Links das Messer zur Herstellung der Längs- und
Quereinschnitte in die Rinde. Rechts das Hornmesser zum Ablösen der
Rinde vom Stamm. In der Mitte der Hobel zum Abschälen des Korkes. [Kew
Museum.]]

  Die Gewinnung des _Ceylonzimt_ (Fig. 81–84) habe ich (+Indische
  Heil- und Nutzpflanzen+) wie folgt geschildert: «An den von den
  Blättern befreiten (Fig. 82) Schößlingen werden an den Grenzen der
  Internodien zunächst mit einem scharfen Messer Rundschnitte gemacht,
  gleich als wolle man den Sproß ringeln. Dann fährt der Arbeiter mit
  einem fingerförmigen, 1–1½ dcm langen, aus Zimtholz gefertigten,
  runden Holzstücke (Fig. 81, b) wiederholt über die Oberfläche hin,
  das Reibholz fest andrückend. Dadurch wird der Zusammenhang der
  Rinde mit dem Holze in der Cabiumzone etwas gelockert. Hierauf macht
  der Arbeiter mit einem gewöhnlichen Messer gerade Längsschnitte von
  Knoten zu Knoten (Fig. 83), von Rundschnitt zu Rundschnitt und hebt
  durch geschicktes Einschieben eines stumpfen, oben abgerundeten,
  kupfernen, falzbeinartigen Messers (Fig. 81 c) die Rinde vom Holze
  ab. Die Wahl des Kupfers oder Messings ist hier wie bei der _China_
  durch das Vorhandensein von Gerbstoffen gerechtfertigt; eiserne
  Instrumente würden die Rinde schwärzen. Nachdem die Rinde auf diese
  Weise kunstgerecht und ohne Verletzungen oder Zerreißungen vom
  Holze abgelöst ist, läßt man sie bis zum anderen Tage frei oder
  übereinandergepackt welken. Man spricht hierbei wohl auch von einem
  «Fermentieren», allein ich glaube nicht, daß wirklich eine Gärung
  eintritt. Am anderen Tage werden nun die Rindenröhren von dem Korke
  befreit. Dazu dient ein eigentümliches stumpfes Schabemesser, welches
  von gekrümmt-halbmondförmiger Gestalt ist (Fig. 81 d) und über die
  Rinde in folgender Weise geführt wird. Man legt die gewelkte, daher
  sehr biegsame Rindenröhre über einen runden, aus Zimtholz gefertigten
  und geglätteten Stock, dessen Durchmesser größer ist als der des
  Zimtschößlings, von dem die Rinde genommen wurde. Dadurch wird
  bewirkt, daß die Rinde nur die obere Krümmung des Stockes bedeckt,
  nicht sich ringsum legt. Dieser Stock ruht auf einem aus drei Bambu-
  oder Holzstöckchen gebildeten Dreifuß (Fig. 84). Der Arbeiter oder
  die Arbeiterin stellt nun den Dreifuß so vor sich hin, daß der Stock
  mit der daraufliegenden Rindenröhre gegen den Körper gerichtet ist,
  setzt den rechten Fuß, um das Ganze zu stützen, oben auf den Stock
  und schabt mit dem Halbmondmesser vorsichtig den Kork und die grüne
  Rinde ab. Auch dies muß sehr sorgfältig gemacht werden, es darf weder
  zu viel noch zu wenig entfernt werden. Dann läßt man die geschabten
  Rindenstücke wiederum über Nacht liegen und schiebt sie alsdann zu
  mehreren (8–10) so in- und aneinander, daß die Enden der einzelnen
  Röhren aufeinander stoßen und man schließlich ein Röhrenbündel von
  gewünschter Länge erhält. Diese Länge ist auf jeder Estate fest
  bestimmt, übrigens nicht überall gleich. Sie wird durch einen Stab
  markiert, an dessen Ende sich ein Holzklötzchen befindet (Fig. 81 e).
  An diesen Stab werden alle Röhrenbündel gelegt und oben und unten mit
  einer Schere auf die Länge des Stabes gekürzt. Das hierbei Abfallende
  wird als geringwertigere Ware in den Handel gebracht oder wandert mit
  dem Abschabsel (Kork und Mittelrinde), den Ships oder Shavings, in
  die Distillerien des ätherischen Zimtöles.»

  Die beim _chinesischen Zimt_ benutzten Messer sind ähnlich (Fig.
  85), doch erfolgt das Abschälen des Korkes mit einem hobelartigen
  Instrument.

[Illustration: Fig. 86.

Schälen der _Korkeiche_.]

Besondere +Ernteverfahren+ finden wir bei den _Cinchonen_ Javas, wo
man entweder den Baum stehen läßt und die Rinde partiell abschabt
(Ships, Shavings, Schafsel) oder den Baum fällt (Coppicing) und aus
den Wurzelstuppen ähnlich wie beim Schälwaldbetrieb neue Triebe sich
entwickeln läßt oder endlich den Baum samt der Wurzel herausnimmt
(Uprooting). Letzteres Verfahren wird jetzt am meisten geübt. Das
Mossedverfahren, das darauf beruht, daß man Streifen der Rinde ablöst
(Taf. VI), den Baum mit Moos umwickelt und darunter die Rinde sich aus
dem Cambium erneuern läßt (Renewed bark), ist als zu teuer verlassen
(s. im Kap. Pharmakophysiologie).

Bei der Gewinnung des Korkes handelt es sich nicht um Ablösung der
ganzen Rinde, sondern nur der Korkschicht (die Praktiker sprechen
allerdings von «Korkrinde»). Bei der _Korkeiche_ (Fig. 86 bis 91) wird,
nachdem zunächst der «jungfräuliche» Kork entfernt ist, nach 8–10
Jahren der männliche Kork geerntet, der sich dann immer wieder aus dem
Phellogen regeneriert. Man kann also am Stamm alle 8–9 Jahre ernten.
Der Baum wird zuerst geklopft und dann nach Herstellung von zwei Längs-
und zwei verbindenden Quereinschnitten der Kork von der Rinde in großen
Platten vorsichtig abgelöst (Fig. 86 u. 89). Dann wird die äußere rauhe
Schicht durch Schaben (Abraspeln) entfernt und der Kork meist nach
vorherigem Brühen (oder Erhitzen über Kohlen)«geglättet», d. h. die
gebogenen Platten durch Beschweren gerade gestreckt (Fig. 88 u. 90).

[Illustration: Fig. 87.

Fortschaffen des abgelösten _Korkes_ aus dem Walde.]

[Illustration: Fig. 88.

Ausbrühen des abgelösten _Korkes_.]

Die Wurzeln und Rhizome werden mit einfachen Grabscheiten gegraben oder
mit breiten Messern «gestochen». Dies Ausgraben der Wurzeln, Rhizome
und Ausläufer ist nicht immer eine leichte Sache. Beim _Süßholz_
z. B. war das Ausgraben einer Wurzel nebst allen ihren Ausläufern das
Meisterstück der Gärtnerzunft in Bamberg. In Rußland nimmt man dazu den
Pflug zu Hilfe.

Oft folgt dem Graben ein Waschen, d. h. ein Befreien von Erde und
Steinen. Das Waschen der Krappwurzeln war im XIV. Jahrh. nur unter
Kontrolle des «stad gherichte» erlaubt, um sicher zu gehen, daß alle
Steine entfernt waren, da durch sie leicht die Krappmühlen in Brand
gerieten.

[Illustration: Fig. 89.

Bei der _Kork_-Ernte in einem _Korkeichen_walde.]


[Illustration: Fig. 90.

Aufstapeln der _Kork_platten zum «Plätten», d. h. Geradestrecken.]

Das Ablesen der =Früchte= wird nicht überall in der gleiche Weise
besorgt. Die Olivenbäume werden meist geschüttelt und die Früchte
auf unter die Bäume gelegten Tüchern (Fig. 92) aufgesammelt oder mit
Stangen abgeschlagen. Die _Muskatnüsse_ werden in an langer Stange
befestigten, eigenartig geformten Körbchen (Gai-Gai) gesammelt, die
oben eine das Pflücken besorgende Gabel besitzen (Fig. 93). Diese reißt
die Frucht vom Stiel und sie fällt alsdann (durch die Öffnung rechts)
in das Körbchen. Diese Sammelmethode hat ihren bestimmten Grund. Ich
fand nämlich in Indien den Glauben verbreitet, daß, wenn man die
Früchte in brüsker Weise abschlägt, der Baum im folgenden Jahre nicht
trägt. Weniger sorgfältig verfährt man in Java mit den Cacaofrüchten,
die, wo sie mit der Hand nicht erreichbar sind, mit langen Bambusstäben
abgeschlagen werden (Fig. 94). Anders ist das Verfahren in Südamerika.

[Illustration: Fig. 91.

Abraspeln der abgelösten _Kork_platten.]

[Illustration]

  «Das +Abernten+ der Cacaofrüchte geschieht in Ecuador in dem unteren
  Teile des Stammes mit dem Buschmesser. Für die hochhängenden
  Früchte treten die «Tumbadores» in Arbeit. Dieses sind in der
  Regel geschicktere, besser bezahlte, alte Arbeiter, welche die
  Früchte vermittelst langer, dünner, sehr leichter Bambusstangen,
  an deren Ende ein Messer befestigt ist, herunterholen. Das Messer,
  «podadera», hat die nebenstehende Gestalt. Es ist an einem etwa
  2 m langen Bambusstab, «palanca», befestigt. Außer der «palanca»
  trägt der Tumbador noch ein kleines Bündel von Reservebambusstäben
  oder Verlängerungsstücken, «embonos», in seiner linken Hand. Die
  «embonos»sind so eingerichtet, daß sie mit den Enden ineinander
  gesteckt und auch ebenso mit der «palanca» verbunden werden können.
  Der «Tumbador» ist so imstande, durch Aus- und Einschachteln
  verschiedener Reservestäbe in kurzer Zeit sich eine den jeweiligen
  Bedürfnissen entsprechende lange Stange herzustellen. Mit dem am
  Ende der Stange sitzenden Messer trennt er durch einen Stoß von
  unten die Früchte vom Stamm und den Ästen ab. Bisweilen sind die
  gesamten «embonos» bei der Höhe der Stämme nicht ausreichend. In
  solchen Fällen wirft der «Tumbador» die Stange mit einem kurzen
  Ruck von unten und trifft auch in der Regel so gut, daß das
  Messer den Fruchtstiel durchschneidet, die Frucht herabfällt und
  gleichzeitig die Stange senkrecht wieder herunterkommt.»(~PREUSS~).
  Die gewöhnlichen Sammler des _Cacao_ heißen +Recogedores+ (recogér =
  sammeln), die Herausschäler +Sacadores+ (sacár = herausnehmen).

Unter den Olivenbäumen wird in Italien ein Tuch ausgebreitet (s. oben),
auf welches die Früchte beim Schütteln des Baumes fallen. In Portugal
bedient man sich aber auch hier eines gestielten Körbchens, ähnlich dem
Gai-Gai (S. 94).

Die _Baumwoll_früchte werden von der strauchartigen Pflanze in Körbe
abgelesen (Fig. 95–97). Das Pflücken der Baumwolle geschieht in der
Weise, daß man die geöffnete Fruchtkapsel am Strauche läßt und nur
den «Bausch», d. h. die mit den Haaren bedeckten Samen herauszupft.
Neuerdings sind erfolgreiche Versuche gemacht worden, den Bausch statt
mit der Hand zu pflücken mit einer hydraulischen Saugmaschine aus der
geöffneten Kapsel anzusaugen.

Der _Pfeffer_ wird von den auf Leitern stehenden Kulis abgelesen
(Taf. X). Beim _Kaffee_ erreicht man die Früchte mit der Hand (Fig.
98). Die _Umbelliferen_früchte werden oft mittelst eigenartiger Kämme
«abgekämmt».

Dort, wo man nur den Samenkern haben will, wird die Samenschale mit
flachen Hölzern aufgeschlagen, z. B. bei der _Muskatnuß_, oder das
Endocarp zertrümmert, wie bei der _Cocosnuß_, deren Endosperm die
_Copra_ bildet. Die _Cacao_früchte werden mit Messern oder Hölzern
«aufgeschlagen» (Fig. 99).

[Illustration: Fig. 92.

_Oliven_ernte in Italien. Unter dem Baume ist ein Tuch ausgebreitet.]

[Illustration: Fig. 93.

Gai-Gai. Körbchen mit Gabel zum Einsammeln der _Muskatnüsse_.]

[Illustration: Fig. 94.

_Cacao_plantage in Java. Ein malaiischer Arbeiter ist im Begriff, die
Früchte mit einer Bambustange abzuschlagen. [+Tschirch+ phot.]]

Die Ernte des _Carrageen_ erfolgt in der Weise, daß man zur Zeit der
Ebbe die Pflanzen mittelst eiserner Rechen vom Boden abreißt. Zur Zeit
des auf die Springfluten folgenden tiefsten Wasserstandes wird auch mit
der Hand «gepflückt». Die frischroten Algen werden dann in Fässern mit
Süßwasser gerollt und an der Sonne gebleicht. Die Einsammlung der Algen
zur _Agar-Agar_bereitung ist in Fig. 100 dargestellt.

Die Gewinnung der Harze, Balsame und Milchsäfte wird unter
«Erntebereitung» geschildert (s. weiter hinten).

Im folgenden teile ich einen =Sammelkalender= mit, in dem besonders die
wildwachsenden Kräuter Deutschlands berücksichtigt wurden.


Sammelkalender.

  +Monat Februar.+

  Ligna varia.

  Radix Hellebor. nigr.

  Viscum quercin.


  +Monat März.+

  Cortex Frangulae.
    -- Hippocastani.
    -- Mezerei.
    -- Pruni Padi.
    -- Quercus.
    -- Salicis.
    -- Ulmi.
    -- Taxi.

  Gemmae Populi.

  Radix Althaeae (2 jährig).
    -- Angelicae (2 jährig).
    -- Bardanae (2 jährig).
    -- Consolidae maj.
    -- Enulae.
    -- Lapathi.
    -- Levistici.
    -- Ononidis.
    -- Paeoniae.
    -- Petroselini.
    -- Taraxaci.
    -- Tormentillae.

  Rhiz. Ari.
    -- Arnicae.
    -- Calami arom.
    -- Caricis arenar.
    -- Graminis.
    -- Imperatoriae.
    -- Polypodii.
    -- Valerianae.

  Stipites Dulcamarae.

  Sumitates Sabinae.


  +Monat April.+

  Cortex Quercus.
    -- Salicis.

  Flores Farfarae.
    -- Violae.

  Folia Uvae Ursi.

  Gemmae Populi.

  Herba Hepaticae.
    -- Pulmonariae.
    -- Pulsatillae.
    -- Taraxaci c. rad.

  Lichen islandicus.

  Radix Bardanae.
    -- Caryophyllatae.
    -- Cichorei.
    -- Consolidae.
    -- Enulae.
    -- Levistici.
    -- Ononidis.
    -- Paeoniae.
    -- Petroselini.
    -- Pimpinellae.
    -- Saponariae.
    -- Taraxaci c. herba.
    -- Tormentillae.

  Rhiz. Arnicae.
    -- Calami.
    -- Graminis.


  +Monat Mai.+

  Flores Convallariae.
    -- Lamii albi.
    -- Lilii candidi.
    -- Persicae.
    -- Primulae veris.
    -- Rosmarini.
    -- Violae.

  Folia Malvae.
    -- Pulmonariae.

  Herba Brancae ursinae.
    -- Capilli Vener.
    -- Chelidonii maj.
    -- Cochleariae.
    -- Conii maculat.
    -- Farfarae.
    -- Fumariae.
    -- Hederae terrestr.
    -- Jaceae.
    -- Millefolii.
    -- Pulmonariae.
    -- Rutae.
    -- Salviae.
    -- Tanaceti.
    -- Taxi baccatae.
    -- Trifolii.

  Radix Actaeae spic.
    -- Belladonnae.

  Rhiz. Caricis.

  Summitates Sabinae.

  Turiones Pini.


  +Monat Juni.+

  Flores Althaeae.
    -- Arnicae.
    -- Borraginis.
    -- Calendulae.
    -- Chamomill. rom.
    -- Chamomill. vulg.
    -- Cyani.
    -- Malvae vulg.
    -- Rhoeados.
    -- Rosarum.
    -- Sambuci.
    -- Tiliae.

  Folia Aurantii.
    -- Belladonnae.
    -- Cichorei.
    -- Digitalis.
    -- Farfarae.
    -- Hyoscyami.
    -- Juglandis.
    -- Laurocerasi.
    -- Malvae.
    -- Melissae.
    -- Menthae crisp.
    -- Menthae piper.
    -- Mercurialis.
    -- Salviae.
    -- Uvae Ursi.

  Formicae.

  Herba Absynthii.
    -- Aconiti.
    -- Arnicae.
    -- Borraginis.
    -- Capilli Veneris.
    -- Centaurii minor.
    -- Clematidis.
    -- Cochleariae.
    -- Fumariae.
    -- Gratiolae.
    -- Hyssopi.
    -- Lapathi acut.
    -- Ledi palustr.
    -- Marrubii alb.
    -- Matricariae.
    -- Millefolii.
    -- Polygalae amarae.
    -- Rhois Toxicodendr.
    -- Rosmarini.
    -- Rutae.
    -- Saponariae.
    -- Scabiosae.
    -- Scolopendrii.
    -- Scordii.
    -- Serpylli.
    -- Stramonii.
    -- Thymi.
    -- Veronicae.
    -- Violae tricoloris.

  Semen Colchici.


  +Monat Juli.+

  Baccae Ribis.
    -- Myrtilli.

  Capita Papaveris.

  Flores Aurantii.
    -- Carthami.
    -- Chamomillae roman.
    -- Hyperici.
    -- Lavandulae.
    -- Lilii.
    -- Malvae arbor.
    -- Tiliae.
    -- Verbasci.

  Folia Althaeae.
    -- Juglandis reg.
    -- Laurocerasi.
    -- Menth. crisp. et piper.
    -- Nicotianae.

  Formicae.

  Fructus Juglandis immat.
    -- Cerasi nigr.
    -- Rubi Idaei.

  Herba Absynthii.
    -- Capilli Veneris.
    -- Cardui benedicti.
    -- Centaurii min.
    -- Chenopodii ambr.
    -- Cichorei.
    -- Euphrasiae.
    -- Galeopsidis grandifl.
    -- Hyperici.
    -- Lactucae viros.
    -- Linariae.
    -- Marrubii alb.
    -- Majoranae.
    -- Meliloti c. fl.
    -- Origani vulg.

  Herba Pulegii.
    -- Saturejae.
    -- Scordii.
    -- Scabiosae.
    -- Tanaceti.
    -- Verbasci.

  Nuclei Cerasorum.

  Secale cornutum.

  Tubera Salep.


  +Monat August.+

  Baccae Mori.
    -- Myrtilli.
    -- Rubi Idaei.
    -- Sambuci.

  Flores Althaeae.
    -- Lavandulae.
    -- Malvae arbor.
    -- Meliloti.

  Formicae.

  Folia Laurocerasi.

  Fructus Cannabis.
    -- Conii macul.
    -- Cynosbati.
    -- Elaterii.
    -- Hippocastan.
    -- Phellandrii.

  Glandes Quercus.

  Herba Absynthii.
    -- Artemisiae.
    -- Gratiolae.
    -- Meliloti.
    -- Saturejae.
    -- Virgaureae.

  Lactucarium.

  Lycopodium.

  Radix Hellebori albi.

  Rhiz. Arnicae.

  Semen Hyoscyami.
    -- Lini.
    -- Melonum.
    -- Papaver.
    -- Sinapis.

  Tubera Colchici.
    -- Salep.


  +Monat September.+

  Baccae Berberidis.
    -- Ebuli.
    -- Juniperi.
    -- Sambuci.
    -- Spinae cervinae.

  Cortex nucum Jugl.

  Fructus Anisi.
    -- Petroselini.
    -- Pruni.

  Lupulinum.

  Poma acidula.

  Radix Artemisiae.
    -- Belladonnae.
    -- Cichorei.
    -- Enulae.
    -- Gentianae.
    -- Liquiritiae.
    -- Rubiae tinct.
    -- Saponariae.
    -- Taraxaci.

  Rhiz. Arnic.
    -- Calami arom.
    -- Filicis maris.
    -- Tormentillae.
    -- Valerianae.

  Semen Sinapis nigr.
    -- Stramonii.

  Stipites Dulcamarae.


  +Monat Oktober.+

  Baccae Berberidis.
    -- Ebuli.

  Baccae Juniperi.
    -- Sambuci.
    -- Spinae cervinae.

  Cortex nucum Jugl.

  Fructus Anisi.
    -- Petroselini.
    -- Pruni.

  Lupulinum.

  Poma acidula.

  Putamina nuc. Jugl.

  Radix Angelicae.
    -- Althaeae.
    -- Artemisiae.
    -- Asparagi.
    -- Belladonnae.
    -- Bryoniae.
    -- Cichorei.
    -- Enulae.
    -- Gentianae.
    -- Gratiolae.
    -- Lapathi acut.
    -- Levistici.
    -- Liquiritiae.
    -- Rubiae tinct.
    -- Saponariae.
    -- Taraxaci.
    -- Tormentillae.

  Rhiz. Ari.
    -- Arnicae.
    -- Calami arom.
    -- Filicis maris.
    -- Graminis.
    -- Iridis flor.
    -- Imperatoriae.
    -- Valerianae.

  Semen Cydoniae.
    -- Sinapis nigr.
    -- Stramonii.

  Stipites Dulcamarae.

Doch ist mit diesem Kalender nicht viel gesagt. Die Hauptsache ist
die Erfahrung. Ob man ein Kraut vor dem Blühen ernten muß (z. B.
_Card. benedict._) oder bis zur beginnenden oder Vollblüte warten
kann, das hängt von der Pflanze ab. Jedenfalls wird man gut tun, bei
Kräutern nicht die Voll- oder Strohreife abzuwarten. Samen erleiden
auch nach dem Ablesen noch eine sog. «Trockenreife». Die größeren
Wurzeln (_Levisticum_, _Angelica_) werden erst im zweiten
oder dritten Jahre gesammelt, Rad. saponariae kann man das ganze Jahr
sammeln, _Liquiritia_, _Rubia_, _Valeriana_ sammelt man
am besten im Herbst, _Geum_ im Frühjahr.

~Saladin~ bemerkt (1488): «radices in autumno quia tunc tote virtus
herbarum in radicibus est reposita». +Bei ihm findet sich auch der
erste umfangreichere Sammelkalender.+ Auch der +Ricettario fiorentino+
(1567) gibt Sammelvorschriften. Noch älter sind die Angaben im Kalender
des ~Harib~ (961).

In ~Louis Planchon~, +Indications générales sur la récolte et la
conservation des drogues exotiques+ (Bull. Soc. Languedocienne de
Geogr. 1898) findet sich eine recht gute Anleitung, wie man sammeln
soll.

Die =Sammler= haben bisweilen besondere Namen. Die Chinarindensammler
in Südamerika heißen +Cascarilleros+, die Yerbasammler in Südamerika
+Cuadrillas+, die Cacaosammler in Ecuador +Recogedores+.

[Illustration: Fig. 95.

Pflücken der _Baumwolle_ in Georgia U. S. A.

[Nach +Stromeyer & Wyman+.]]

Das =Einsammeln der wildwachsenden Arzneipflanzen= ist in Deutschland
jetzt gegen früher erschwert. Flur- und Forstgesetze schaffen den
Sammlern Schwierigkeiten, wie sie auch den Harzern das Leben sauer
machen. Es müssen Erlaubnisscheine gelöst oder Zutrittsbewilligungen
erworben werden. Selbst _Lindenblüten_ dürfen nicht mehr in den
öffentlichen Anlagen ohne weiteres gebrochen werden. Das Geschäft des
Kräutersammelns ist unrentabel, wird durch Regen und Mißernten gestört
und wirft höchstens einen Tagesverdienst von zwei Mark ab. Es sind
daher meistens Frauen und Kinder, die ihm obliegen. Besser wie in
Deutschland sind die Bedingungen in Rußland, Böhmen, Mähren, Ungarn
und Tirol, die daher steigende Mengen wildwachsender Arzneidrogen
nach Deutschland importieren -- Rußland z. B. _Flor. tiliae_, _Flor.
chamomillae_, _Fruct. sambuci_, _Lycopodium_. Auch die Schweiz kann
ihren Bedarf an Arzneidrogen nicht selbst decken.

[Illustration: Fig. 96.

_Baumwoll_ernte in Amerika (New Orleans). [+Mugnier+ phot.]]

In Deutschland werden wildwachsende Arzneidrogen besonders im
Thüringer Wald, in Franken, im Fichtelgebirge, dem Harz, Erzgebirge
und im Elsaß gesammelt. In Thüringen und Franken wird dieser
Erwerbszweig seit Jahrhunderten betrieben. Die dort gesammelten
Arzneidrogen fließen einerseits in Leipzig, Halle und Dresden,
andererseits in Nürnberg zusammen.

Die Harzer Arzneipflanzen gehen nach Goslar, Ermsleben, Gernrode,
Pansfelde, die württembergischen nach Ebingen (bei Sigmaringen) am
Fuße der Rauhen Alp. In +Ebingen+, einem alten Zentrum für heimische
Arzneidrogen, fließen auch die Sammelerträge der benachbarten Bezirke
(Schwarzwald, Hegau, bayrischer Allgäu, sogar Tirol) zusammen. Das
«Wurzelstechen» füllt die Pause zwischen der Getreideernte und
dem Winter aus. Der Ebinger Händler versendet im Frühjahr seine
Desideratenlisten an die ihm bekannten Sammler oder die Ortsbehörden,
verschickt auch wohl Abbildungen der schwieriger zu erkennenden
Pflanzen oder läßt die Gegenden bereisen und die Einsammlung
überwachen. Die Hauptsammelzeit ist Juni bis August. Nach Ebingen
liefern etwa 3000 Familien Arzneipflanzen. Der Monatsverdienst einer
Sammlerfamilie beträgt nur etwa 40 Mark.

[Illustration: Fig. 97.

Toting cotton (_Baumwoll_ernte) New Orleans.

[+Mugnier+ phot.]]

[Illustration:

Tafel X

Pfeffer-Ernte in Indien (Rioux-Lingga).

Von den möglichst niedrig gehaltenen, um die Stütze sich entwickelnden
Büschen werden die Früchte unter Benutzung kurzer Stehleitern in
Körbchen geerntet.

[Nach +Tschirch+, Indische Heil- u. Nutzpflanzen.]]

Der Gesamtwert aller der Hunderte in Deutschland von heimischen
wildwachsenden Pflanzen gesammelten Arzneidrogen wird auf etwa 2–3
Millionen Mark geschätzt (~W. Breitfeld~, +Der deutsche Drogenhandel+,
Leipzig 1906).

Nachstehende Tabelle gibt eine auf Erkundigungen oder authentische
Quellen gestützte Übersicht über die außerhalb Deutschland gesammelten
wildwachsenden Arzneipflanzen (die deutschen siehe oben Tabelle auf S.
65).


Ausserhalb Deutschlands gesammelte wildwachsende Arzneipflanzen.

+Schweiz.+

  Im Kanton Bern werden (nach Angabe von Apotheker ~Mosimann~ in
  Langnau) folgende Drogen von wildwachsenden Pflanzen gesammelt:

  Flos Acaciae (Prunus spinosa), Fl. und Herb. Arnicae, Fl. Bellidis,
  Fl. Farfarae, Fl. Hyperici (c. Herb.), Fl. Millefolii, Fl. Pedis Cati
  (Gnaphal. dioic.), Fl. Primulae (von Primula elatior u. P. veris),
  Fl. Rhododendri, Fl. Sambuci, Fl. Spiraeae (s. Ulmariae), Fl. Tiliae,
  Fl. Violae tricolor, Fl. Urticae, Folium Farfarae, Fol. Malvae, Fol.
  Fragariae, Fol. Rubi fruticos., Fol. Salviae (von S. offic. und
  S. pratens.), Fol. Trifolii fibr., Herba Aronis, H. Allii ursini,
  H. Asperulae, H. Centauri minor., H. Chelidonii, H. Geranii, H.
  Nasturtii, H. Saniculae, H. Serpylli, H. Veronicae, H. Violae tric.,
  H. Arnicae (frische A.-Pflanze mit Stengel u. Wurzeln zu Tinktur),
  Fructus Carvi, F. Juniperi, F. Myrtilli, F. Rubi Idaei, F. Sambuci,
  Radix Althaeae (natur. ad. us. vet.), R. Carlinae, R. Consolid.
  maj., R. Pimpinell., R. Valerianae, R. Taraxaci, Rhiz. Tormentill.,
  Lycopodium, Secale cornut., Lichen island., Morchella esculent.

  In der übrigen Schweiz außerdem (nach ~Siegfried-Zofingen~):
  Fol. uvae ursi, Herb. sabinae, H. artemisiae, H. convallariae, Fol.
  rhododendri, Fol. Jugland., Rad. gentian. (Wallis, Graubünden,
  Jura, Uri, Schwyz), Herb. Scolopendrii, H. Achilleae moschat., Sem.
  siler. montan., Viscum alb., Rhiz. asari, Rhiz. graminis, Herb. und
  Flos monard., Tub. aconit., Sem. colchic., Rhiz. veratri, Herb.
  cochleariae, Fruct. Rubi idaei, Flos rhoeados, F. verbasci, Fol. und
  Rad. belladonn., Rhiz. filicis, Herb. Serpylli, Cort. Quercus, Turio
  pini, Succus Sambuci (Trimmis in Graubünden).


+Frankreich.+

  ~L. Planchon~ fand in +Nimes+ bei den Herboristen von Juni bis
  Oktober:

  Rosenschwamm (Bédégars), Wacholderbeeren, Binse (Jonc), Mauerkraut
  (Pariétaire), Nußblätter, Spieke (Aspic), Andorn (Marrube), Rosmarin,
  Petit chêne, Thé de campagne (versch. Pflanz., oft Sideritis hirsuta
  L. u. scordioïdes L.), Natterkraut (Vipérine), Gentian, Blutkraut
  (Salicaire), Fenchel, Klette (Bardane), Lorbeer, Wegerich (Plantain),
  Ampfer (Patience), Salbei, Sauge sauvage (Phlomis), weiße Nessel
  (Ortic blanche), Thymian, wilder Majoran (Origan), Mentha, Quendel
  (wilder Thymian, Serpolet), Eisenkraut (Verveine), Nachtschatten
  (Douce-Amère), Schafgarbe (Achillée), Granatapfel (Grenade),
  wilde Erdbeere (Potentilla), Christdorn (Paliure), Johanniskraut
  (Millepertuis) usw. usw.

  In +Lyon+: Hopfen (Houblon), Epheu (Lierre terrestre), Beifuß
  (Armoise), Königskerze (Bouillon-blanc).

  Die Küste liefert: Carrageen und Laminaria.

[Illustration: Fig. 98.

_Kaffee_ernte in Brasilien. [Nach +Hengstenberg+, Weltreisen.]]


+Ungarn.+

  Wildwachsende Arzneipflanzen +Ungarns+, die gesammelt werden
  (nach ~Augustin~):

  Acorus Calamus (Com. Baranya), Alcanna tinctoria (kommt auf sandigen
  Stellen der Alföld vor, gesammelt Com. Pest), Althaea officinalis,
  Althaea rosea, Artemisia Absynthium (in großen Quantitäten, fehlt
  an den sandigen Stellen der Alföld), Atropa Belladonna (in Nord-
  u. Ostungarn), Conium maculatum (in größeren Quantitäten auf der
  Insel Csepel in der Nähe von Budapest), Datura Stramonium u.
  Erythraea Centaurium (überall), Gypsophila paniculata (Com. Temes,
  Torontál, Haupthandelsplatz: Szeged), Helleborus niger (Com.
  Szabolcs-Naqy-Kálló), Hyoscyamus niger (überall), Juniperus communis
  (Nord- u. Südungarn in großen Quantitäten), Malva silvestris u.
  rotundifolia (an vielen Stellen), Marrubium vulgare (Westungarn u.
  in den nördlichen Teilen der Alföld), Matricaria Chamomilla (überall
  in großen Quantitäten, große Ausfuhr), Menyanthes trifoliata (in
  Mittel- u. Westungarn), Papaver Rhoeas (an vielen Stellen), Sambucus
  nigra (überall), Secale cornutum (an manchen Stellen in Oberungarn
  in geringen Quantitäten), Taraxacum officinale (überall), Tilia
  platyphyllos u. cordata (an vielen Stellen), Tussilago Farfara
  (überall), Veratrum album (in Südungarn u. in Slavonien), Verbascum
  Thapsus (an vielen Stellen).


+Mähren.+

  Flos. tiliae, Flos. chamom. vulg., Fol. Salviae, Rhiz. asari.


+Böhmen.+

  Rhiz. filicis.


+Belgien.+

  Wildwachsende Arzneipflanzen +Belgiens+:

  Digitalis, Lindenblüten (gute Qualität), Sambucus (Blüten u.
  Früchte), Juniperus (wenig), Mutterkorn (wenig).

[Illustration: Fig. 99.

+Das Brechen+ des _Cacao_ in +Trinidad+.

In der Mitte ist der große Haufen reifen _Cacaos_ sichtbar, rechts
davon die auf Bananenblätter aufgeschütteten, aus der Fruchtschale
herausgelösten Samen. Um den Haufen sitzen vor den runden Körben die
Negerinnen, der Neger rechts ist im Begriff, mit seinem cutlas die
in seiner linken Hand ruhende Cacaofrucht zu öffnen. Im Hintergrunde
links schüttet ein Arbeiter die Samen in die auf einem Esel befestigten
Tragkörbe. [Aus +Kindt+, Kultur des Cacaobaumes.]


+Rußland.+

  Wildwachsende Arzneipflanzen Rußlands (zusammengestellt von ~W. K.
  Ferrein~):

  +Gouvernement Moskau+: Flor. Chamomill. vulgar., Fol. Belladonnae,
  Cardui Benedic., Cardui Mariae, Digitalis u. Petroselini, Herba
  Tanaceti, Balsamit., Basilici u. Centaurii minor.,] Herba u. Flor.
  Millefolii, Flor. Verbasci Rossic., Bacc. Juniperi, Fragariae,
  Frangulae, Myrtillorum, Pruni Padi, Rubi Idaei, Vaccini Myrtilli,
  Sorbi Aucupar. u. Viburni Opuli, Cort. Betulae, Frangulae, Populi,
  Populi Tremul., Pruni Padi, Quercus, Salicis u. Ulmi, Flor.
  Convallar. Majal., Cyani, Farfarae, Lamii albi, Primulae ver., Pruni
  Padi, Pulsatillae, Sorbi Aucup., Syringae, Tanaceti vulg., Tiliae u.
  Viburni Opuli, Fol. Asari Europaei, Betulae, Betonicae, Convallar.
  Majal., Cardui Mariae, Cynoglossi, Absynthi, Farfarae, Digitalis,
  Fraxini, Hyoscyami, Malvae, Populi tremul., Trifolii fibr., Ribis
  nigri, Nicotianae, Tanaceti, Balsam. u. Verbasci, Herba Chenopodii,
  Cochleariae, Estragoni, Hyssopi, Violae tricolor., Levistici,
  Majoranae, Matricariae, Melissae, Menthae pip., Menthae crisp.,
  Rutae u. Salviae, Herb. Abrotani, Absynthii, Artemisiae, Basilici,
  Bidentis trip., Bursae Pastor., Campanulae glomeratae, Campanulae
  rotundifoliae, Centaurii minor., Chelidonii, Chenopodii, Cicutae,
  Cochleariae, Equiseti arvens., Equiseti palustris, Estragoni,
  Fragariae, Fumariae, Galeopsidis, Gentianae cruciat., Geranii
  pratens., Erodii Cicutar., Lycopodii, Hederae tenrestr., Helianthi
  annui, Hyperici, Hyssopi, Jaceae, Jacobeae, Lepidii ruderal.,
  Levistici, Linariae, Majoranae, Matricariae, Meliloti, Melissae,
  Menthae pip., Menthae crisp., Millefolii, Myrtillor., Nasturtii
  aquat., Origani vulg., Persicariae, Fragariae vescae, Plantaginis,
  Potentill. anser., Polygoni avicul., Pulmonariae, Pulsatillae, Rutae,
  Salviae, Saponariae, Secal. cereal., Scabiosae, Spiraeae ulmar.,
  Tanaceti vulg., Taraxaci, Telephii, Veronicae, Veronicae Beccabung.,
  Virgaureae, Vitis Idaei, Urticae, Bidentis tripartit., Vaccinii
  Myrtilli, Hyperici, Artemisiae, Equiseti arvensis et palustris,
  Taraxaci, Persicariae, Saponariae rubrae, Jaceae u. Millefolii,
  Lichen islandicus, Radix Artemisiae, Asari europaei, Calami aromat.,
  Caricis arenar., Filicis mar. (pro Extract.), Graminis, Petroselini,
  Saponariae, Spiraeae ulmar., Taraxaci, Saponariae rubrae, Valerian.
  Rossic. u. Urticae, Stipites Dulcamarae u. Viburni Opuli, Turiones
  Pini.

  +Gouvernement Jaroslaw+: Herba Bidentis tripartit., Hyperici,
  Fragariae vescae, Thymi vulg. u. Millefolii, Fol. Salviae, Absynthi
  u. Trifolii.

  +Gouvernement Poltawa+: Herba Bidentis tripartit., Conii maculati,
  Bursae pastoris, Asperulae odorata, Equiseti arvensis et palustris,
  Herniariae glabrae, Scordii, Adonis vernalis u. Meliloti citrini,
  Fol. Cynoglossi, Juglandis regiae u. Hyoscyami, Flor. Sambuci nigri,
  Tiliae, Millefolii u. Verbasci rossic., Cort. Nuc. Juglandis, regiae,
  Rad. Ononidis spinos. u. Valerianae rossic.

  +Gouvernement Wladimir+: Bacc. Vaccinii Myrtilli u. Fragariae vescae.

  +Gouvernement Polen+: Bacc. Vaccinii Myrtilli.

  +Gouvernement Tschernigow+: Herba Meliloti citrini u. Adonis vernalis.

  +Gouvernement Samara+: Rad. Liquiritiae.

  +Gouvernement Pjatigorsk+: Herba Ephedrae vulg.

  +Gouvernement Archangelsk+ (Pinega): Agaricum.

  +Ostseeprovinzen+: Rhiz. calami.

  +Aus vielen Teilen Rußlands+: Secale cornutum, Lycopodium.


+Nordamerika.+

  Wildwachsende Arzneipflanzen der Ver. Staaten von Nordamerika:
  (Hauptsächlich nach ~Henry Kraemer~. Text-Book of Botany and
  Pharmakognosy 1907).

  Abies balsamea, Acorus Calamus, Agrimonia Eupator., Agropyrum repens,
  Ailanthus glandulosa, Alsine media, Althaea off., Anagallis arvensis,
  Angelica Archangelica, Anthemis Cotula, Apocynum androsaemifolium,
  Apocynum cannabinum, Aralia hispida u. nudicaulis, Arctostaphyllos
  Uva Ursi, Anhalonium Lewinii, Arctium Lappa, Arctostaphyllos
  glauca, Arisaema triphyllum, Aristolochia Serpentaria, Artemisia
  Absynthium, frigida u. vulgaris, Asarum canadense, Asclepias
  incarnata u. syriaca, Asima triloba, Lindera Benzoin, Berberis
  Aquifolium, Echinacea angustifolia, Brauneria purpurea (nördl. Texas,
  Kansas, Nebraska), Borago officinalis, Cannabis sativa, Capsella
  Bursa pastoris, Cnicus benedictus, Castalia odorata, Caulophyllum
  thalictroides, Ceanothus americanus, Chamaelirium luteum,
  Chelidonium majus, Chelone glabra, Chenopodium anthelminticum,
  Chimaphila umbellata, Chrysanthemum Parthenium, Carduus arvensis,
  Cimicifuga racemosa, Collinsonia canadensis, Comptonia peregrina
  (Myrica asplenifolia), Coptis trifolia, Corallorhiza odontorhiza,
  Cornus circinata u. stolonifera, Cunila origanoides, Cytisus
  Scoparius, Datura Stramonium, Bicuculla canadensis, Dioscorea
  villosa, Drosera rotundifolia, Aspidium marginale u. Filix mas,
  Solanum Dulcamara, Equisetum hiemale, Erechtites hieracifolia,
  Erigeron canadense, Eriodiclyon californicum, Erythraea Centaurium,
  Eupatorium perfoliatum u. purpureum, Frankenia grandifolia,
  Fragaria vesca, Frasera carolinensis, Galium aparine, Garrya
  Fremontii, Gaultheria procumbens, Gentiana quinquefolia, Geum
  rivale, Gnaphalium obtusifolium, Grindelia robusta u. squarrosa,
  Hedeoma pulegioides, Helianthemum canadensis, Helonias bullata,
  Heracleum lanatum, Hydrastis canadensis, Hypericum perforatum,
  Hyssopus off., Impatiens aurea, Jeffersonia diphylla, Kalmia
  latifolia, Koellia incana u. virginiana, Lactuca virosa, Leonurus
  cardiaca, Leptamnium virginianum, Leptandra virginica, Levisticum
  off., Liatris odoratissima, Lobelia inflata, Lycopus europaeus
  u. virginicus, Malva rotundifolia, Marrubium vulgare, Matricaria
  Chamomilla, Melilotus off., Mentha spicata, Menyanthes trifoliata,
  Micromeria Douglasii, Mitchella repens, Monaroa punctata, Nepeta
  Cataria, Nymphaea advena, Oenanthera biennis, Oxydendrum arboreum,
  Papaver Rhoeas, Parthenocissus quinquefolia, Penthorum sedoides,
  Phoradendron flavescens, Phytolacca decandra, Pimpinella Saxifraga,
  Plantago major, Podophyllum peltatum, Polygonum punctatum, Polymina
  Uvedalia, Rhus toxicodendron, Polytrichum juniperinum, Populus
  candicans, Pterocaulon pychnostachyum, Rubus canadensis, strigosus
  u. nigrobaccus, Rumex Acetosella u. crispus, Serenoa serrulata,
  Sabbatia angularis u. Elliottii, Sanguinaria canadensis, Saponaria
  officinalis, Sarracenia flava u. purpurea, Scrophularia marylandica,
  Scutellaria lateriflora, Senecio aureus, Silphium terebinthaceum,
  Smilax herbacea, Smilax Pseudo-china, Solanum carolinense,
  Solidago odorata u. Virgaurea, Spigelia marylandica (südl. Staat.
  u. Mississippi-Gebiet), Limonium carolianum, Stillingia sylvatica,
  Stylosanthes biflora, Spathyema foetida, Tanacetum vulgare, Taraxacum
  off., Thelesia uniflora, Trilisa odoratissima, Tsuga canadensis,
  Tussilago Farfara, Umbellularia californica, Urtica dioica, Veratrum
  viride, Verbascum Thapsus, Verbena hastata, Veronica officinalis,
  Polygala Senega (im nördl. Minnesota, Manitoba usw., Winnipeg
  u. Minneapolis Hauptverkaufszentren; südl. Senega auch aus der
  Appalachian region). Artemisia anthelmintica (früher nur wild in
  Maryland; Verkaufszentren Baltimore u. Westminster), Ginseng (in den
  dichten Wäldern der östl. Ver. Staaten bis Missouri u. Arkansas),
  Cascara Sagrada (im nördl. Californien u. Nevada bis zum Nordende der
  Vancouver Insel).

[Illustration: Fig. 100.

Japanese Collecting Seaweed. [Aus Pharm. Journ.]]

  Außer diesen bei ~Kraemer~ angegebenen wildwachsenden Arzneipflanzen
  fand ich in den Berichten d. U. S. Department of Agriculture noch
  folgende:

  Acer rubrum, Achillea Millefolium, Actaea alba, Actaea rubra,
  Adiantum pedatum, Aesculus glabra, Aesculus hippocastanum, Agrimonia
  hirsuta, Aletris farinosa, Alnus rogosa, Ambrosia artemisiaefolia,
  Anagallis arvensis, Anthemis Cotula, Aplectrum spicatum, Apocynum
  androsaemifolium, Apocynum cannabinum, Aquilegia vulgaris,
  Aralia racemosa, Aristolochia reticulata, Artemisia abrotanum,
  Asclepias tuberosa, Aster puniceus, Athyrium filix-femina, Baptisia
  tinctoria, Betula lenta, Brassica nigra, Butneria florida, Cassia
  marylandica, Castanea dentata, Celastrus scandens, Cephalanthus
  occidentalis, Cercis canadensis, Chamaenerion angustifolium,
  Chenopodium ambrosioides, Chenopodium botrys, Chionanthus virginica,
  Chrysanthemum leucanthemum, Cichorium intybus, Cicuta maculata,
  Clematis virginiana, Conium maculatum, Convallaria majalis, Cornus
  amomum, Cornus florida, Cracca virginiana, Crataegus oxyacantha,
  Cynoglossum officinale, Cypripedium hirsutum u. parviflorum, Daphne
  Mezereum, Daucus Carota, Delphinium consolida, Digitalis purpurea,
  Diospyros virginiana, Dirca palustris, Epigaea repens, Epilobium
  palustre, Erigeron philadelphicus, Eryngium yuccifolium, Erythronium
  americanum, Evonymus atropurpureus, Eupatorium ageratoides u.
  aromaticum, Euphorbia corollata, ipecacuanhae, nutans u. pilulifera,
  Fagara clava-herculis, Fagus americana, Fragaria virginiana, Fraxinus
  americana u. nigra, Fumaria officinalis, Gelsemium sempervirens,
  Gentiana saponaria u. villosa, Geranium maculatum, Glechoma
  hederacea, Gnaphalium uliginosum, Hamamelis virginiana, Helenium
  autumnale, Hepatica acuta u. hepatica, Heuchera americana, Hicoria
  ovata, Hieracium venosum, Hydrangea arborescens, Hyoscyamus niger,
  Ilex opaca, Impatiens biflora, Inula Helenium, Ipomoea pandurata,
  Iris versicolor, Juglans cinerea, Juniperus communis, Sabina u.
  virginiana, Kalmia angustifolia, Koellia montana u. pilosa, Lacinaria
  scariosa, spicata u. squarrosa, Lactuca canadensis, Larix laricina,
  Ledum groenlandicum, Ligustrum vulgare, Limonium carolinianum,
  Liquidambar styraciflua, Liriodendron tulipifera, Lobelia cardinalis,
  Lycopodium clavatum, Magnolia acuminata, tripetala u. virginiana,
  Malva sylvestris, Melissa officinalis, Menispermum canadense, Mentha
  piperita, Monarda didyma u. fistulosa, Monotropa uniflora, Myrica
  cerifera u. gale, Nabalus albus u. serpentarius, Nyssa aquatica u.
  opeche, Onosmodium virginianum, Osmunda regalis, Ostrya virginiana,
  Oxalis acetosella, Passiflora incarnata, Peramium pubescens u.
  repens, Picea mariana, Pinus Strobus, Polemonium reptans, Polygala
  nuttallii, Polygonatum biflorum, commutatum u. hydropiper, Polypodium
  vulgare, Populus alba u. tremuloides, Porteranthus trifoliatus,
  Potentilla canadensis, Prunella vulgaris, Prunus serotina, Psoralea
  pedunculata, Ptelea trifoliata, Pulsatilla hirsutissima, Quercus alba
  u. rubra, Rhamnus cathartica u. purshiana, Rhododendron maximum,
  Rhus aromatica, Rhus glabra u. radicans, Robinia pseudocacia, Rubus
  cuneifolius, nigrobaccus, occidentalis, procumbens, trivialis u.
  villosus, Rudbeckia laciniata, Rumex obtusifolius, Salix alba
  u. nigra, Sambucus canadensis, Sanicula marylandica, Sassafras
  variifolium, Satureia hortensis, Serenoa serrulata, Silphium
  laciniatum u. perfoliatum, Sinapis alba, Sorbus americana, Spathyema
  foetida, Spiraea tomentosa, Symphytum officinale, Thuja occidentalis,
  Tiarella cordifolia, Tilia americana, Trifolium pratense, Trillium
  erectum, Triosteum perfoliatum, Turnera microphylla, Typha latifolia,
  Ulmus fulva, Uvularia perfoliata, Vagnera racemosa, Valeriana
  officinalis, Veronica virginica, Viburnum dentatum, lentago, opulus
  u. prunifolium, Viola odorata, pedata u. tricolor, Washingtonia
  longistylis, Xanthium spinosum, Xanthorrhiza apiifolia, Xanthoxylum
  americanum. Die Küste liefert: Carrageen.

  Aus +Californien+ auf den Markt gebrachte Arzneipflanzen (Liste von
  ~A. Weck~ Company):

  Berberis aquifolium root, Cascara sagrada bark, California laurel
  leaves, Damiana leaves, Eucalyptus globulus leaves, Eschscholtzia
  californica, Grindelia robusta, Grindelia squarrosa, Kava kava root,
  Manzanita leaves, Rhus toxicodendron, Yerba buena, Yerba reuma, Yerba
  santa, Wild potato root (man in the earth), Mullen leaves, Mullen
  flowers, Skunk cabbage root, Skunk cabbage leaves, Wild cucumber
  root, Angelica root, May weed herb, Scouring rush, Pine buds, Pine
  needles, Plantain leaves, Wormwood herb, Horehound herb, Linden
  flowers, Sage, Thyme, Summer savory, Sweet marjoram, Red clover
  flowers, Peach leaves, Raspberry leaves, Strawberry vine, Garden
  lettuce, Hops, Orange flowers, O. peel, O. pits, Apricot pits, Red
  rose leaves (petals), Pale rose leaves (petals), Pumpkin seeds,
  Watermelon seeds, Mustard seed, Canary seed, Rape seed, Hemp seed,
  Flax seed, Law mallow, Wild sage, Spikenard, Burdock root, Buckeye
  bark, Buckeye leaves, Milk weed, Horse radish, Cherry Stems, Poppy
  heads, Coriander, Fennel, Caraway.


  Der panamerikanische Kongreß 1896 hatte einen Ausschuß eingesetzt,
  welcher einleitende Schritte für ein +systematisches Studium der
  amerikanischen Arzneipflanzen+ tun sollte. Die Subkommission für die
  Vereinigten Staaten hat sich dann mit der Smithsonian Institution in
  Washington in Verbindung gesetzt und mit deren Hilfe ein Zirkular
  erlassen, in welchem sie für jede einzelne Pflanze um genaue Angabe
  über einheimischen Namen, örtliche Verwendung, geographische
  Verbreitung, Sammlung für den Markt, Kultur, Verfälschung usw. bat.

Über das Verhältnis der Einsammlungszeit zur Güte der gesammelten
Droge, wie über andere damit zusammenhängende Fragen vgl. das Kapitel
Pharmakophysiologie.

=Raubbau= wird noch heute bei der Einsammlung des _Mate_ in Paraguay
und Paraná, des _Kautschuk_ in Südamerika und in Afrika, der
_Guttapercha_ in Sumatra, des _Campher_ in Formosa getrieben. Bei
letzteren beiden fällt stets der ganze Baum zum Opfer, _Ilex_ geht
bisweilen infolge unsorgfältiger Behandlung zugrunde.

Dem Raubbau bei der Kautschukgewinnung arbeiten neuerdings staatliche
Verordnungen, z. B. in den deutschen Kolonien, am Congo und auch sonst
-- zunächst freilich mit wenig Erfolg -- entgegen.

Der Fall, daß eine viel begehrte Arzneipflanze durch zu reichliches
Sammeln ganz +ausgerottet+ wurde, ist jedenfalls selten. Beim
_Silphium_ scheint im Altertum etwas derartiges stattgefunden zu
haben, denn es war schon in den ersten christlichen Jahrhunderten in
Kyrene nicht mehr zu finden. Auf großen Strecken Südamerikas ist der
_Chinarindenbaum_ ganz verschwunden, in einigen Gegenden der Schweiz
_Gentiana lutea_ ausgerottet. Die Gefahr der Ausrottung besteht zurzeit
bei _Hydrastis_, der _Cascarilla_ und den _Guttaperchabäumen_. Auch
(wegen des großen Bedarfes in China) beim _Ginseng_ in Amerika. Doch
wird jetzt meist der Gefahr der Ausrottung durch Anpflanzung der
gefährdeten Pflanzen vorgebeugt.


3. Erntebereitung.

(Beneficio.)

Die «+Erntebereitung+» ist der dritte, nicht minder wichtige Teil der
Arzneipflanzenkultur.

Schon das einfache =Trocknen= der eingesammelten Arzneidrogen ist keine
so ganz einfache Sache. Das wußten schon die Alten und gaben daher
Vorschriften dafür. Besonders wußte man, daß die meisten Arzneipflanzen
im Schatten getrocknet werden müssen. Wie wir aus hieroglyphischen
Inschriften wissen, unterschieden bereits die Ägypter 2000 v. Chr.
zwischen frischen, an der Sonne und im Schatten getrockneten
Arzneipflanzen.

[Illustration: Fig. 101.

_Kaffee_trockenkästen auf Porto Rico. [+Underwood+ phot.]]

~Saladinus von Ascolo~ bemerkt in seinem +Compendium aromatariorum+
in der quinta particula: «Dico ulterius quod herbae sunt exiccadae
ad umbram. Semina vero ad lentum Solem. De radicibus vero distingue,
quia quaedam sunt at Solem exiccandae, sicut sunt radices magnae,
valde crassae; quia densae substantiae, ut radix begoniae, rheupon.,
aristo., gentianae, mandrag., et sic de consimilibus. Sed radix ireos,
petroselini, apij, foeni., garyophyl., asari, et consimilium, quae sunt
rarioris substantiae, debent ad umbra exiccari, et omnia praedicta,
scilicet herbae, flores, semi. et radices, nunquam sunt apponenda, nisi
sint debito modo et congruo tempore exiccata alioqui putrescerent.»

Auch das +Circa instans+ des ~Platearius~ gibt bisweilen Sammel- und
Trockenvorschriften, vom _Absinth_ sagt es z. B.: «in fine veris
colligitur, in umbra exsiccatur, per annum servatur», bei _Esula_:
«in vere colligitur per biennium in magna efficacia servatur».

[Illustration: Fig. 102.

Die _Kaffee_trockenkästen in Nicaragua zum Trocknen des Kaffees an
freier Luft. [Aus Les grandes cultures.]]

[Illustration: Fig. 103.

Macedonische _Tabak_arbeiter. Oben die aufgehängten Blätter. [Kew
Museum.]] [Illustration: Fig. 104.

_Cacao_-Trockenhaus in Surinam mit herausgezogenem Trockenwagen.
Kulifrauen auf dem Wagen beim Wenden des Cacao. [Aus +Preuß+, Central-
und Südamerika.]]

Wo es sich um kleine Mengen handelt, ist auch heute noch der an beiden
Enden mit Luftzuführung versehene schattige Trockenboden im Estrich
der Apotheke ein idealer Trockenraum. Wenn die Arzneipflanzen in
dünner Schicht ausgebreitet und täglich gewendet werden und dauernd
Zugluft darüber streicht, trocknen die Pflanzen unter dem warmen
Dache bei schneller Abführung des Wasserdampfes rasch, ohne sich
stark zu verfärben und ohne viel von ihren flüchtigen Bestandteilen
zu verlieren. Schwieriger wird die Sache bei größeren Mengen. Hier
greift man oft zu dem Aushilfsmittel, die Pflanzen oder Pflanzenteile
zu bündeln und in Reihen an einem schattigen Orte aufzuhängen. So
sieht man es in Cölleda mit _Angelica_ und _Alant_. Dann auch beim
_Tabak_ (Fig. 103). Der _Kaffee_ wird entweder auf Tennen (in Ceylon:
barbacues, Taf. XII) oder in eigenartigen Hürden (Fig. 101 u. 102)
getrocknet, der _Cacao_ in Südamerika auf Tennen (Fig. 104). In Indien
bedient man sich zur Trocknung oft der aus Rotang geflochtenen runden
Bambuteller (Tampirs, Fig. 78). Die _Chinarinde_ wird in Java auf
Hürden ausgebreitet, die, auf Rollen laufend, während der sonnigen
Tagesstunden ins Freie geschoben und bei Eintritt der Nacht oder vor
Regenwetter wieder unter das schützende Dach zurückgerollt werden (Fig.
105–107). Ähnliche herausschiebbare Tennen benutzt man in Surinam zum
Trocknen des _Cacao_ (Fig. 104). Die _Kulturchina_ Boliviens wird auf
Gerüsten getrocknet.

Der _Rhabarber_ wird in China auf Schnüre gezogen und aufgehängt, und
ebenso verfährt man mit den _Salepknollen_ in Kaltennordheim, der
_Angelica_ in Cölleda und dem _Paprika_ in Ungarn (Fig. 109). Der
_Rhabarber_ wird in Szetchuan entweder in der Sonne (sun dried) oder
auf erhitzten Steinen oder über Buschfeuer getrocknet (hight dried).

In Scheiben geschnitten wird _Rad. colombo_, _Rad. bryoniae_, _Tub.
colchici_, längs halbiert (oder gevierteilt) _Rhiz. enulae_, _Rad.
cichorii_, _Rhiz. calami_, wohl auch _Levisticum_, _Valeriana_ und
_Angelica_. Die Chinesen haben besondere Handschneidemaschinen, mit
denen sie die Drogen, besonders die Wurzeln, in sehr feine Querscheiben
zerschneiden. Ich sah in den chinesischen Apotheken fast alle Drogen,
die diese Behandlung erlauben, in dieser Form. Beim _Iris_rhizom wird
behufs Herstellung der Sorte «pro infantibus» das Rhizom künstlich
gestreckt und gepreßt.

[Illustration: Fig. 105.

Die auf Rollen aus dem Schuppen herausgefahrenen älteren
Trockengestelle für _Chinarinde_ in der Regier. Kina-Onderneming in
Lembang auf Java. [Aus +Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]

Man hat aber auch vielfach zu =künstlichen Trockenapparaten= gegriffen.
Solche liefert die Maschinenindustrie in vielen Formen (z. B. die
~Mayfarth~sche Darre). Aber nicht alle sind richtig konstruiert. Die
Teetrockner, wie sie in Ceylon und Java benutzt werden, überhitzen
meines Erachtens die Droge und auch anderwärts wird die Temperatur
nicht niedrig genug gehalten, um Zersetzungen zu verhindern. _Nelken_
können z. B. nicht in Trockenöfen getrocknet werden, wie Versuche
(1898) in Sansibar lehrten, da nur in der Sonne getrocknete biegsam
bleiben. Hauptsache ist, daß Vorrichtungen bestehen, den gebildeten
Wasserdampf rasch abzuführen. Künstliche Wärme und eigenartige
Trockenapparate werden in Süd- und Mittelamerika auch beim _Kaffee_ und
_Cacao_ angewendet.

Ich halte eine Temperatur von 35–50° als günstigste Trockentemperatur
für die meisten Arzneidrogen. ~Agnelli~ fand 35° gut für _Mentha_,
_Melisse_, _Ruta_, 45–50° für _Carduus benedict_. Übereinanderschichten
nicht ganz trockener Drogen ist immer schädlich.

~Mausier~ empfiehlt (Pharm. Post. 1901) früh und abends bei möglichst
niedriger Temperatur (12–15°) zu pflücken und unter Überleiten
von trockener Luft bei 15° (nicht höher) zu trocknen. Das ist ein
Vorschlag, der ganz gut gemeint, aber nicht durchführbar ist, besonders
nicht dort, wo +große+ Mengen +rasch+ getrocknet werden müssen.

Die +Farben der Blüten+ werden durch sehr rasches Entfernen des
Wasserdampfes -- rasches Trocknen bei starker Ausbreitung -- am besten
konserviert und lassen sich durch Trockenhalten der nicht zu dicht
übereinandergeschichteten Blüten, z. B. über Kalk, lange unverändert
erhalten. Denn die Bestandteile des Zellsaftes -- und ganz besonders
ihre Lösung -- sind es, die verändernd auf die Farbstoffe einwirken.

[Illustration: Fig. 106.

Die großen Trockengestelle der Particulier-Kina-Onderneming Gamboeng in
Java, herausgeschoben. Vorn _Thea assamica_. [+Schröter+ phot.]]

Die +grüne Farbe der Blätter+ wird ebenfalls am besten durch rasches
Trocknen der gut ausgebreiteten Blätter unverändert erhalten. Doch
ist die Erhaltung einer rein grünen Farbe ganz abhängig von der
Acidität des Zellsaftes und dieser wieder von dem Standorte der
Pflanze. Wie ich gezeigt habe (Einige praktische Ergebnisse meiner
Untersuchung. über das Chlorophyll, Arch. Pharm. 1884), besitzen
Wasserpflanzen und Pflanzen feuchter Standorte einen neutralen
oder nur sehr schwach sauren Zellsaft. Da nun die Verfärbung des
Chlorophylls, d. h. die Umbildung des rein grünen Chlorophylls in die
braungrüne Phyllocyaninsäure, durch Säuren, auch die schwächsten,
bewirkt wird, also um so rascher vor sich gehen muß, je saurer der
Zellsaft ist (~Tschirch~, Untersuchung. über das Chlorophyll, Berlin
1884), so werden sich die Blätter von Pflanzen feuchter Standorte
(z. B. _Menyanthes_) beim Trocknen weniger verfärben als solche
trockener Standorte, und von diesen wieder die mit stark saurem
Zellsaft (z. B. _Rumex_) stärker als die mit schwächer saurem (z. B.
_Digitalis_). Der saure Zellsaft wirkt in der lebenden Zelle auf die
in Plasma eingebetteten und selbst mit einer Plasmahaut umgebenen
Chlorophyllkörner nicht ein -- das lebende Plasma reagiert alkalisch
--; erst nach dem Absterben der Zelle wird die Plasmahaut permeabel.
Also kann eine Veränderung erst beim Trocknen der abgelösten,
abgestorbenen Blätter eintreten. Andererseits wirken die Pflanzensäuren
des Zellsaftes nur in gelöstem Zustande auf das Chlorophyll.
Daraus ergibt sich, daß es notwendig ist, so rasch wie möglich das
Lösungsmittel zur Verdunstung zu bringen, d. h. +rasch zu trocknen+,
wenn man die Blätter grün erhalten will.

Nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Drogen wird +in frischem
Zustande+ verwendet. Die meisten dieser frischen Drogen werden aber
auch nicht als solche gebraucht, sondern zur Bereitung der Succi
recentes und anderer pharmazeutischer Präparate (Extrakte, Sirupe,
Tinkturen usw.) benutzt, wie z. B. _Herb. cochleariae officinalis_,
_Herb. Nasturtii officinal._, _Rad. armoraciae_, die für _Sirup.
cochleariae cps._ gebraucht werden, und auch _Rhizoma Filicis_, das nur
im frischen Zustande verarbeitet ein ganz wirksames Extrakt liefert.
Von den Drogen wird eigentlich nur noch die _Scilla_ in den Apotheken
frisch vorrätig gehalten. Einige Drogen sind in frischem Zustande sehr
viel wirksamer als im trockenen, z. B. _Cort. rad. Granati_, _Rhiz.
Filicis_.

Die getrocknete Pulpa der Früchte von _Aegle Marmelos_ ist wirkungslos.
Die Pulpa der frischen Frucht ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen
Dysenterie. Ein singhalesischer Arzt hat mich durch dies Mittel, als
ich im Hochlande von Ceylon an einer schweren Dysenterie erkrankt war,
vom Tode errettet.

Die meisten Drogen werden getrocknet, ja das «Getrocknetsein» ist
eigentlich unzertrennlich vom Begriff «Droge» (S. 15).

Die +Ausbeuten beim Trocknen+ sind verschieden. Ich teile im folgenden
eine Liste mit, aus der ersichtlich ist, wieviel Trockensubstanz einige
Arzneipflanzen liefern, wenn sie nach dem Trocknen an der Luft (oder im
Trockenschrank) lufttrocken gewogen werden.


Tabelle

über die ungefähre Ausbeute von 100 Gewichtsteilen einiger frisch
gesammelter, meist einheimischer Drogen an Trockensubstanz.

  Boletus cervin.            25
  Bulbus Scillae             18
  Cort. Mezerei              50
  -- Quercus                 40
  Flos Acaciae               25
  -- Arnicae                 20
  -- Carthami                20
  -- Chamomillae roman.      25
  -- -- vulg.                26
  -- Lamii alb.              20
  -- Lavandulae              39
  -- Malvae arbor.           20
  -- -- vulg.                20
  -- Roeados                 18
  -- Rosae                   24
  -- Sambuci                 25
  -- Tiliae                  31
  -- Verbasci                19
  Fol. Althaeae              15
  -- Belladonnae             18
  -- Digitalis               20
  -- Farfarae                19
  -- Juglandis               30
  -- Malvae                  20
  -- Melissae                22
  -- Menth. pip. und crisp.  20
  -- Nicotianae              20
  -- Salviae                 22
  -- Stramonii               45
  -- Trifolii                22
  -- Uvae ursi               20
  Fruct. Myrtilli            16
  Gemma Populi               36
  Herb. Absinth.             25
  -- Card. bened.            25
  -- Centauri                26
  -- Cochlear.                8
  -- Conii                   25
  -- Hyoscyami               20
  -- Meliloti                28
  -- Serpylli                36
  -- Thymi                   33
  -- Violae tricolor         24
  Rad. Althaeae              25
  -- Angelicae               20
  -- Belladonnae             38
  -- Helenii                 25
  -- Levistici               38
  -- Liquiritiae             33
  -- Ononidis                36
  -- Saponariae              32
  -- Taraxaci                22
  Rhiz. Calami               25
  -- Filicis                 32
  -- Graminis                40
  -- Imperatoriae            22
  -- Tormentillae            42
  -- Valerianae              24
  Stipit. Dulcamarae         33
  Tubera Colchici            34

+Schon das Trocknen verändert aber das Objekt.+ Schon bei dieser
Operation gehen, selbst wenn sie noch so vorsichtig vorgenommen wird,
an den Bestandteilen Umsetzungen vor sich (vgl. z. B. ~Schoonbrodt~,
Jahresber. d. Pharm. 1869, S. 20). Wir können dies bei einigen
Drogen direkt durch den Geruch feststellen. Frisches _Irisrhizom_
riecht krautig, der Veilchengeruch tritt erst beim Trocknen hervor.
Frische _Aconitknollen_ riechen nach Rettig, frische _Digitalis_- und
_Hyoscyamus_blätter widerlich. Der Wanzengeruch frischen _Corianders_
weicht einem angenehmen Geruche beim Trocknen, frische _Menthablätter_,
frische _Rosenblätter_, frische _Vanillefrüchte_, frische
_Orchisknollen_, frisches _Veratrumrhizom_ riechen anders als trockene.
Dasselbe finden wir bei _Rhiz. arnicae_ und _Rhiz. valerianae_. Viele
werden durch Trocknen geruchlos.

[Illustration: Fig. 107.

Die neue Trockenvorrichtung für _Chinarinde_ auf der
Regierungschinaplantage in Tjibitong (Java). Die Trockenkästen laufen
auf Rollen und können unter das Schutzdach geschoben werden. [Aus
Verslag des Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

[Illustration: Fig. 108.

_Paprika_ bauende Bulgaren bei Szeged in Gyála (Ungarn). [Aus der
Zeitschr. A Kor, +Szabó+ phot.]]

Nur aus frischer _Enzianwurzel_ kann man _Enzian_schnaps bereiten,
nicht aus trockener. Daß die frischen Arzneipflanzen oft Substanzen
enthalten, die beim Trocknen ganz oder fast ganz verloren gehen, zeigte
auch neuerdings die Untersuchung frischer _Baldrianrhizome_ durch
~Pouchet et Chevalier~ (Bull. sc. pharmacol. 1907), die in der frischen
Pflanze ein Alkaloid und ein Glykosid fanden, die beide nicht oder nur
in Spuren in den Drogenauszügen nachzuweisen waren.

Viele pharmazeutische Präparate (_Spir. cochlear_, _Sir. cochlear
cps._, _Sir. mori_, _Sir. rhamn. cathart._, Ph. helv. IV) werden
nur aus der =frischen Pflanze= dargestellt (s. oben). Aus trockener
bereitet, sind sie wirkungslos. Andererseits wissen die Destillateure,
daß man bei einigen Kräutern (_Mentha_) bessere Ausbeuten erhält, wenn
man das getrocknete Kraut benutzt, bei anderen (_Rosa_) aber frische
Pflanzenteile destillieren muß.

Bei einigen Drogen zeigt schon der Farbenwechsel, die =Verfärbung=, daß
das Trocknen allein schon verändernd wirkt. Ich habe (s. oben) gezeigt,
daß sich alle die grünen Pflanzenteile, die einen sauren Zellsaft
besitzen, rasch olivengrün bis braungrün färben. Bei den weißen oder
rosafarbenen _Kolanüssen_ tritt beim Trocknen Rotfärbung ein, die helle
_Chinarinde_ wird schon nach wenigen Sekunden rot. Bei diesen beiden
tritt zweifellos ein Ferment in Aktion und bedingt die Rotfärbung.
Durch fermentative Spaltung eines Glukosides wird hier Chinarot, dort
Kolarot gebildet. Denn wie mich Versuche gelehrt haben, unterbleibt die
Rotbildung, wenn man das Ferment abtötet, bevor die _Kola_ getrocknet
oder die _Chinarinde_ abgelöst wird. Etwas ähnliches findet offenbar
bei dem _Tormentillrhizom_, der _Weiden_- und _Eichenrinde_, den
_Nelken_, der _Ratanhiawurzel_ statt, die alle sich beim Trocknen in
Rot verfärben.

[Illustration: Fig. 109.

Das Trocknen der _Paprika_-Früchte bei den ungarischen Bauern in
Szeged. [Aus d. Zeitschr. A Kor, +Schwalm+ gez.]]

  Der Standard-Versuch ist von mir 1905 publiziert worden (Schweiz.
  Wochenschr. f. Chem. u. Pharm. 1905, Nr. 10). Ich berichtete daselbst
  folgendes:

  «Bei der _Chinarinde_ hatte ich in Java 1889 beobachtet, daß die
  Rinde unmittelbar nach dem Ablösen farblos ist, sich aber schon nach
  fünfzehn Sekunden rötet. Ich habe nun durch Versuche festzustellen
  gesucht, ob die nach dem Ablösen eintretende Rötung unterbleibt,
  wenn man vor dem Ablösen der Rinde den Zweig bis zu einer Temperatur
  erwärmt, bei der Fermente abgetötet werden.

  Die Versuche sind nach meinem Plane in der Gouvernements Kina
  Onderneming in Mitteljava und zwar in der Plantage Tirtasari
  (Bandoeng) zuerst von Herrn Dr. ~van Leersum~, dann von Herrn ~J.
  Victor Sibinga~ ausgeführt worden.

  I. +Versuchsreihe.+ Die Zweige wurden abgeschnitten und sofort in
  ein Becherglas mit Wasser von 80° gebracht. Sie blieben darin 1½
  Stunden. Wurde nun die Rinde vom Holzkörper abgelöst, so war sie
  farblos und blieb farblos auch bei nachherigem Trocknen (selbst
  in der Sonne). Der Versuch mit halbstündigem oder einstündigem
  Eintauchen in Wasser von 80° lieferte das gleiche Resultat.

  II. +Versuchsreihe.+ Die Zweige wurden abgeschnitten, sofort in
  einen Dampfsterilisationsapparat gebracht und während 1½ Stunden
  dem Dampfe von ca. 80° ausgesetzt, ohne mit dem Wasser selbst in
  Berührung zu kommen. Wurde alsdann die Rinde vom Holzkörper abgelöst,
  so war sie farblos und blieb farblos, auch nach nachherigem Trocknen
  (selbst in der Sonne). Der Versuch lieferte das gleiche Resultat,
  wenn der Zweig ½ oder eine Stunde im Dampf verweilte.

  III. +Versuchsreihe.+ Ein dünner Zweig wurde, ohne von der lebenden
  Pflanze abgetrennt zu werden, in eine Schale mit Wasser von 80°
  eingebogen und darin ½ Stunde gelassen. Die vom Holzkörper
  abgelöste Rinde war farblos und blieb farblos, auch nach dem
  Trocknen. Der Versuch lieferte das gleiche Resultat, wenn der Zweig
  fünfzehn Minuten im Wasser verweilte.

  Die gleichzeitig ohne vorherige Behandlung mit Wasser von 80° oder
  Dampf vom gleichen Zweige abgelöste Kontrollrinde färbte sich stets
  rot.

  IV. +Versuchsreihe.+ Abgeschnittene Zweigstücke wurden im
  Luft-Trockenschrank bei 80° ½, 1, 1½, 2 und 3 Stunden gehalten.
  Stets trat nach Ablösen der Rinde Rötung ein. Doch nahm die Rötung
  parallel der Dauer des Versuches ab. Diese Rötung trat sogar noch
  ein, wenn der abgeschnittene Zweig im Luft-Trockenschranke ½ Stunde
  auf 100° erhitzt wurde.

  Aus diesen Versuchen geht hervor, daß in der Tat ein Enzym die Rötung
  der _Chinarinde_ bedingt und zwar ein Enzym, das durch Wasser von
  einer Temperatur von 80° schon nach einer 15 bis 30 Minuten dauernden
  Einwirkung zerstört wird, resp. nach dieser Zeit nicht mehr wirksam
  ist, das aber trockener Wärme länger widersteht.

  Wahrscheinlich handelt es sich in der _Chinarinde_ um ein
  Glukotannoid, das nach dem Ablösen der Rinde durch das Enzym
  gespalten und dessen einer Spaltling entweder das Chinarot selbst
  ist, oder der zu Chinarot umgebildet wird.

  Jedenfalls sind wir aber schon jetzt berechtigt vorauszusagen, daß es
  sich bei der Bildung der anderen, ‚Rote‘ ebenso verhalten wird wie
  bei _Cola_ und _China_.»

Den pflanzlichen Enzymen, die von ~Schönbein~ entdeckt und in neuerer
Zeit besonders von ~Bach~, ~Chodat~, ~Schär~ und ~Bourquelot~ zum Teil
gerade mit Rücksicht auf Arzneipflanzen studiert wurden, kommt offenbar
eine große Bedeutung nicht nur im Leben der pflanzlichen Zelle, bei der
Stoffbildung und dem Stoffumsatz, sondern auch bei den postmortalen
Veränderungen innerhalb der Arzneidrogen zu. Wir wissen freilich noch
wenig über die chemische Natur dieser Substanzen. Wir kennen nur einige
ihrer Eigenschaften. Ich habe gezeigt, daß sie alle die Pyrrol- +und+
die Furfurol-Reaktion geben, also wohl Übergangsglieder zwischen den
Eiweißsubstanzen und den Hemicellulosen darstellen.

[Illustration:

  Tafel XI

Der gestapelte Tabak in der Fermentierscheune in Sumatra.

[Nach +Haarsma+, Der Tabaksbau in Deli.]]

[Illustration: Fig. 110.

Das Innere einer Fermentierscheune für _Tabak_ in Sumatra mit den
Pressen. [Phot. im Kew Museum.]]

[Illustration: Fig. 111.

Brechen des _Cacao_ auf Samoa. [Aus Deutsch. Kolonialzeit.]]

[Illustration:

  Tafel XII

Coffee Pulping Mill inmitten einer Kaffeeplantage im Hochlande von
Ceylon.

Links Trocknen der Samen auf Matten, vorn rechts die Haufen der
Fruchtschalen.]

Eine ganze Anzahl von Drogen werden nach dem Einsammeln noch einer
besonderen Behandlung unterworfen, die direkt auf eine chemische
Veränderung der Drogen hinzielt. Die wichtigste dieser Prozeduren ist
das sog. =Fermentieren=. In vielen Fällen handelt es sich hierbei
wohl um einen Gärungsprozeß, wie schon die Erwärmung zeigt, die dabei
regelmäßig beobachtet wird. Bisweilen lassen sich, wie bei dem _Cacao_,
sogar noch die Gärungspilze, die _Saccharomyceten_, in dem anhaftenden
Fruchtfleisch der Droge nachweisen, von denen es freilich zweifelhaft
ist, ob sie die Erreger oder nur Begleiter der eigentlichen
Fermentierung sind (s. unten S. 118). In anderen Fällen scheint aber
keine eigentliche Gärung, sondern eine andere Fermentwirkung hierbei
in Frage zu kommen. Die durch Übereinanderschichten der Droge erzielte
Temperatur steigert dann nur die Wirkung des in den Zellen der Droge
selbst enthaltenen Fermentes. So haben wir uns nach meinem Dafürhalten
z. B. die Fermentierung des _schwarzen Tees_ in der Weise verlaufend
zu denken, daß das Kaffeinglukosid durch das Ferment, welches in den
Teeblättern nachgewiesen ist, gespalten und Kaffein und Teerot, dem der
_schwarze Tee_ seine Farbe verdankt, gebildet wird. Diese Auffassung
erhält dadurch ihre Stütze, daß die Teerotbildung nach Abtöten des
Fermentes unmittelbar nach der Pflückung, wie es beim _grünen Tee_
stattfindet, auch bei nachträglichem «Fermentieren» in der Tat
unterbleibt. Auch bei der ersten Operation, der die _Yerbablätter_
unterworfen werden, bei der sie über nicht rauchendem Feuer erhitzt
werden -- der sog. Sapecaje -- scheint ein Ferment abgetötet zu werden.
Denn so behandelte Blätter verfärben sich nachher nicht mehr, während
dies unbehandelte tun.

[Illustration: Fig. 112.

Gärungshaus für _Cacao_ in Trinidad. Der Raum enthält 16 mit Holz
verkleidete Gärkasten (sweatbox) von 1,5 m Höhe, 2 m Länge und 1,5 m
Breite. Als Wärmeisolator dient eine 20 cm dicke Gras-Lehmschicht.
[+Preuß+ phot.]]

Eine Fermentwirkung scheint auch bei der _Vanille_bereitung
vorzuliegen, wenn die Früchte in Tücher geschlagen «gären» gelassen
werden. Auch hier wird ein Glukosid gespalten. Beim _Tabak_ dürfen wir
etwas ähnliches annehmen. Ja, bei dem ubiquistischen Vorkommen der
Fermente darf angenommen werden, daß die Mehrzahl der Pflanzen, wenn
man sie übereinandergeschichtet einige Zeit sich selbst überläßt, bei
der hierbei eintretenden Erwärmung eine fermentative «Gärung» erleiden
wird.

Daß bei der Fermentierung des _Tabaks_ (Fig. 110 und Taf. XI)
Mikroorganismen beteiligt sind, hat ~J. Behrens~ wahrscheinlich
gemacht. Sollten es nicht, falls Bakterien wirklich beteiligt sind,
durch diese erzeugte Fermente sein, wie ich dies auch bei der
Gummibildung annehme?

~Waghel~ (Chem. Zeit. 1903) vertritt die Ansicht, daß auch das Teearoma
durch eine besondere Hefeart bei der Fermentierung erzeugt werde. Bei
der Fermentierung des Ceylon-_Cacao_ ist eine Hefe, die ~Axel Pregner~
(Tropenpfl. 1901) _Saccharomyces Theobromae_ nannte, beteiligt.

  Das +Fermentieren+ des _Cacao_ erfolgt, nachdem die Früchte
  «gebrochen» sind. Das «+Brechen+» geschieht entweder in der Weise,
  daß man die Früchte auf einen Stein legt und mit einem Knüttel
  oder flachem Holzstück darauf schlägt oder dadurch, daß man sie
  durch den Schlag mit einem stumpfen Messer (cutlas, machete,
  Arit, Gaman) öffnet (Fig. 99 u. 111). Die von den als Düngemittel
  brauchbaren Fruchtschalen getrennten Samen werden so rasch wie
  möglich in die Fermentierscheunen (Fig. 112–115) gebracht, denn
  gebrochener _Cacao_ darf niemals über Nacht draußen bleiben. Hier
  werden sie in große viereckige, am besten aus Cedernholz (oder
  Zementsteinen) hergestellte Kästen gebracht, deren etwas geneigter
  Boden durchlöchert ist und die mit einer Isolierschicht versehen
  sind. Die Schicht der Samen soll nicht mehr als 80 cm betragen. Sie
  wird mit Bananenblättern bedeckt und mit Brettern beschwert. Die
  Gärungszeit ist verschieden bei den Sorten und beträgt 1½–10 Tage.
  Ein Zeichen, daß sie normal verläuft, ist das regelmäßige Abfließen
  des dem Fruchtmus (der Pulpa) entstammenden «Cacaoessigs» aus den
  Löchern am Boden. Alle 24 oder 36 Stunden wird «umgeschaufelt», d. h.
  der _Cacao_ in einen anderen Fermentierungskasten hinübergebracht
  (Fig. 114). Die Temperatur darf nie so hoch steigen, daß sie der
  in der Mitte des Haufens hineingesteckten Hand lästig wird. Man
  kontrolliert den Fortgang der Fermentierung durch Aufbrechen einiger
  Bohnen und sieht, ob die Nibs (d. h. die Cotyledonen) schon die
  richtige Farbe haben. Durch das Fermentieren ändert sich nämlich die
  Farbe in hellbraun oder violett, gleichzeitig wird die Bitterkeit
  herabgemindert und die Keimkraft der Samen geht verloren.

[Illustration: Fig. 113.

Vorrichtung zum Herausnehmen des _Cacao_ aus dem Gärungshaus in
Trinidad. [+Preuß+ phot.]]

  Die aus den Fermentierkästen herausgenommenen fertig gegorenen Samen
  gelangen dann in die Trockenhäuser (Fig. 116), werden hier durch
  Kneten mit den Füßen, «Tanzen», voneinander isoliert -- sie kleben,
  da sehr schleimig, leicht zu Ballen aneinander und man wäscht sie
  daher bisweilen vorher -- und werden dann an der Luft oder mit
  künstlicher Wärme getrocknet.

  Läßt man die gepflückten Früchte auf Haufen liegen, so geraten sie
  auch in Gärung. +Diese+ Gärung vermeiden aber die Pflanzer. Die
  Frucht wird möglichst bald verarbeitet.

  Das Fermentieren in Fässern, Säcken oder Erdgruben führt zu
  schlechteren Produkten und kommt immer mehr außer Gebrauch (~L.
  Kindt~, 1904).

Bei dem Prozesse scheinen zwei Vorgänge sich abzuspielen. Eine durch
_Saccharomyceten_, die man auch auf der Droge noch leicht nachweisen
kann, bewirkte Alkohol- und dann Essiggärung (s. oben) in dem den
Samen außen anhaftenden Fruchtmuse und eine im Innern der Zellen der
Cotyledonen des geschlossenen Samens sich abspielende «Fermentierung»,
bei der wohl Enzyme (hydrolytische und Oxydasen) in Frage kommen. Ob
diese letztere, eigentliche Fermentierung, auf die es ankommt, von der
erstgenannten bedingt oder beeinflußt wird, läßt sich nicht sagen.

[Illustration: Fig. 114.

Das Innere eines _Cacao_-+Fermentierraumes+ auf Trinidat. Die
Fermentierkästen und das Umschaufeln. [Aus Les grandes cultures.]]

  Das Fermentieren des _Tees_ erfolgt in Java und Ceylon, wo ich
  es selbst studieren konnte, nachdem das Blatt an der Luft auf
  Bambu-Tampirs (Fig. 78) oder aufgespannter Sackleinewand «gewelkt»
  und in Maschinen «gerollt» wurde in der Weise, daß man die gerollten,
  nunmehr graugrünen Blätter zu Haufen übereinanderschichtet oder in
  Fermentierungskästen -- flachen, übereinanderstehenden Kästen mit
  niedrigem Rand (mal.: ajakan pejeum) -- solange liegen läßt, bis
  die Masse eine rotbraune, sog. «Kupferfarbe»angenommen hat. Dieser
  Zeitpunkt ist entweder schon nach 20 Minuten oder erst nach 3–3½
  Stunden erreicht. Es hängt dies von der Lufttemperatur ab. In den
  höheren Lagen fermentiert der _Tee_ sehr viel langsamer, in den
  niederen kühlt man die Teeschichten durch darüber gelegte nasse
  Tücher. Der Fortgang des Prozesses, auf dessen richtigen Verlauf
  alles ankommt, wird von einem Aufseher fortdauernd kontrolliert
  (Fig. 117). Die Temperatur steigt meist nur einige Grade. Nach dem
  Fermentieren kommt der _Tee_ in die Trockenmaschinen. _Tee_ muß an
  einem Tage fertig gemacht werden.

  Der _grüne Tee_ wird nach schwachem Welken sofort in flachen eisernen
  Pfannen (Sangrajan), die zu mehreren in gemauerten Behältern sitzen
  und durch Holzkohlen erhitzt werden, unter allmählicher Steigerung
  der Temperatur «gebraten», dann nach dem Abkühlen gerollt und zu
  Klumpen geballt fermentiert. +Er verändert beim Fermentieren seine
  graugrüne Farbe nicht.+ Nach dem Fermentieren wird er mit der Hand
  fertig gerollt -- meist zu Kügelchen -- und getrocknet.

  In +China+ und +Japan+ werden die in Bambukörben befindlichen
  Blätter in eigenartigen Ziegelöfen über dem Feuer unter Umrühren
  eine halbe Stunde «gewelkt», dann auf viereckigen Brettern oder
  Bambuhürden mit erhobenem Rande mit der Hand oder den Füßen «gerollt»
  -- wobei der sog. «Teesaft»austritt und vom Tische abfließt. Falls
  das Rollen nicht genügend durchführbar war, wird nochmals in
  flachen Schalen über dem Feuer erwärmt und schließlich auf flachen
  Bambutellern fermentiert. Die Fermentation dauert höchstens eine
  Stunde. Die Blätterschicht darf nur 2–3 cm betragen. Man bedeckt
  sie während der Fermentation mit baumwollenen Decken. Unmittelbar
  nach dem Fermentieren wird der _Tee_ in flachen Schalen oder in auf
  gußeiserner Platte ruhenden Bambukörben ohne Böden unter Umrühren
  «geröstet», d. h. vorsichtig unter Umrühren über rauchfreiem Feuer
  getrocknet (Fig. 118–120).

[Illustration: Fig. 115.

_Cacao_-Fermentierhaus, Seitenwand fortgenommen. a Hölzerner,
unterer, fester Boden aus Cedernholz. b Pfeiler aus hartem Holz. c
auf a aufliegende Cedernholz-Querbalken. d Oberer durchlöcherter,
wegnehmbarer Boden aus Cedernholz. f Innenwand aus Cedernholz. g und h
in Boden und Decke eingelassene Pfähle aus Hartholz. i äußere Wand. k
mit schlechtem Wärmeleiter ausgefüllte Isolierschicht. t Doppeltür. m
gemauerte Steinlage. n Rinne zum Auffangen des «Essig». [Aus +Kindt+,
Kultur des Cacaobaumes.]]

  Beim _Kaffee_ wird der im Pulper der Pulping-Mill (Taf. XII)
  enthülste, d. h. von der äußeren weichen Fruchtschale befreite
  Samen in Zisternen (Fig. 121 u. 122) 2–3 Tage lang «fermentiert»
  -- eigentlich faulen gelassen -- besonders zur Zerstörung des
  schleimigen Mesocarps, dessen Reste dann in der Washing-Cistern
  vollends entfernt werden. Von der «Pergamenthülle» (dem Endocarp)
  befreit man die Samen dann im «Peeler».

  Bei der _Vanille_ unterscheidet man das +mexikanische oder trockene
  Verfahren+ und das +Heißwasser-Verfahren+. Das trockene Verfahren sei
  zuerst beschrieben, das die Spanier bereits vorfanden, als sie die
  Küstendistrikte von Veracruz betraten, wo die Vanillebereitung auch
  heute noch (besonders bei Papantla und Misantla) ihr Zentrum hat.

  Die Erntebereitung (el beneficio) der _Vanille_ erfordert große
  Geduld, Sorgfalt, Genauigkeit, Umsicht und Erfahrung. Der Vainillero
  braucht in +Mexico+ zum Benefizieren: Plattformen, Matten, dunkele
  wollene Decken, Kästen zum Schwitzen (event. einen Ofen), gut
  ventilierbare, große trockene Zimmer mit Regalen an den Wänden,
  Thermometer und Blechkästen (~Preuss~). Zunächst werden die 24
  Stunden an der Luft getrockneten gelbgrünen, nicht ganz reifen
  Früchte auf wollene, auf der Plattform ausgebreitete Decken in
  einfacher Schicht nebeneinander gelegt und mehrere Stunden der Sonne
  ausgesetzt, dann in den vorgewärmten, mit Decken ausgeschlagenen
  Schwitzkasten gebracht, wo die Schoten durch das Schwitzen («sudor»)
  in c. 20 Stunden braun werden. Der Prozeß wird mehrfach wiederholt
  und ist in 3–14 Tagen beendet. Dann wird die _Vanille_ auf Regalen
  getrocknet. Bei schlechtem Wetter benutzt man Schwitzöfen (poscoyon),
  ähnlich den Öfen zum Brotbacken. In diese Öfen wird die _Vanille_
  in Paketen (maleta) zu 400–600 Früchten gebracht, die mit wollenen
  Decken umhüllt sind. Man steigert die Temperatur bis über 100°,
  bisweilen (bei vielen -- über 30 -- maletas) bis auf 125°. Die
  Früchte bleiben 16–22 Stunden im Ofen. Dann werden sie noch 20–30
  Tage der Luft ausgesetzt.

[Illustration: Fig. 116.

Mit Schornsteinen und verschiebbarem Dach versehenes _Cacao_trockenhaus
auf Trinidad, das mit dem Gärungshaus (links) durch Schienen verbunden
ist. [Nach +Preuß+.]]

[Illustration: Fig. 117.

Das Fermentieren des _Tees_ in Ceylon. Der Arbeiter kontrolliert
den Fortgang der Fermentation. [Aus +Tschirch+, Indische Heil- und
Nutzpflanzen.]]

[Illustration: Fig. 118.

_Tee_bereitung in China über freiem Feuer. [Kew Museum.]]

[Illustration: Fig. 119.

_Tee_fabrikation in Japan. Rollen, Trocknen, die Teebecken über der
Feuerung, die Teekisten. [Aus Les grandes cultures.]]

  Das trockene mexikanische Verfahren ist auch nach Réunion gebracht
  worden, hat dort aber einige Abänderungen erfahren. Man verwendet
  in Réunion in den Öfen bedeutend niedrigere Temperaturen (70–80°),
  erhitzt aber längere Zeit (24–36 Stunden) und besonnt die Früchte
  nach der Ofenbehandlung oder bringt sie in einen besonderen
  Schwitzofen (étuve). Aus diesem gelangt sie in den sechoir.

  Auch auf Java wird das trockene Verfahren geübt, doch benutzt
  man dort nur Sonnenwärme. Auf Tahiti wird die _Vanille_ nach dem
  trockenen Verfahren, aber ohne Anwendung künstlicher Wärme bereitet.

  Das +Heißwasser-Verfahren+ stammt aus Südamerika und wurde früher
  viel in Réunion geübt. Es besteht darin, daß man zunächst die in
  Rotang-Körben befindlichen Früchte einmal in Wasser von 85–90°
  kurze Zeit (15–20 Sekunden) eintaucht oder das Eintauchen mehrmals
  wiederholt, aber kürzere Zeit (3–4 Sekunden) dauern läßt. Dann
  läßt man schwitzen und setzt endlich die Früchte, in Wolldecken
  eingeschlagen, der Sonne aus oder bringt sie in Schwitzkästen usw.
  Auch dem Dampf sind die Früchte ausgesetzt worden, doch ist man bald
  davon abgekommen.

  In +Java+ wird die _Vanille_ bisweilen erst in siedendes Wasser
  getaucht, dann abgetrocknet, auf Matten gelegt und mit einer wollenen
  Decke bedeckt der Sonne ausgesetzt, dann noch warm in wollene Decken
  gewickelt. Dies wird täglich wiederholt.

  Bei dem +Verfahren in Guiana+ werden die Schoten in Asche gelegt,
  bis sie anfangen runzelig zu werden, worauf man sie abwischt, mit
  Olivenöl bestreicht, am unteren Ende aufhängt und an der Luft
  trocknet.

  In +Peru+ taucht man die Schoten in siedendes Wasser und hängt sie
  dann 20 Tage lang an der Luft auf.

[Illustration: Fig. 120.

Fermentieren des _Tees_ in China.]

  Eine besondere Behandlung erfahren die breiten brasilianischen
  _Vanillen_. Nachdem sie in Baumwolle fermentiert worden sind, werden
  sie in der Mitte aufgespalten. Dann wird Zucker eingestreut, der
  ausfließende Saft abtropfen gelassen und die Früchte darauf schnell
  getrocknet.

  Das +Ölen+ der _Vanille_ scheint nur in Südamerika (Columbia,
  Venezuela, Guiana, Peru, Brasilien) noch üblich zu sein; weder in
  Mexico noch auf Réunion wird es geübt.

Von der Pflanze genommene unreife Früchte der _Vanille_ enthalten
kein Vanillin, dasselbe entsteht erst im Fermentierungsprozesse, nach
~Lecomte~ durch eine Oxydase und ein hydrolytisches Ferment. Es würde
also erst Spaltung und dann Oxydation erfolgen, wie bei der Entstehung
des Vanillins aus Coniferin.

Es ist übrigens noch zweifelhaft, ob die Bildung des Vanillins in der
_Vanille_ während des Bearbeitungsprozesses mit «Fermentation», d. h.
der Wirkung eines Fermentes, sei dasselbe nun organisiert oder nicht,
etwas zu tun hat. Es könnte sich auch um eine beim Absterben der Zellen
eintretende Spaltung handeln, bei der Fermente gar nicht beteiligt
sind -- also um ähnliche Vorgänge, wie sie sich bei der Cumarinbildung
in _Ageratum mexicanum_ nach ~Molisch~ und ~Zeisel~ beim Absterben
abspielen und wie sie auch bei _Liatris_ eintreten. Manches spricht
sogar eher für letzteres, da die Temperaturen bei der Vanillebereitung
oft über die Temperatur steigen, bei der Fermente noch aktiv bleiben,
bisweilen sogar 90–125° erreichen, aber ausgeschlossen ist es
keineswegs, daß trotzdem Fermente hier wirksam sind.

[Illustration: Fig. 121.

Grundriß einer _Kaffee_bereitungsanstalt.

[Nach +Semler+, Tropische Agrikultur Bd. I, S. 319].]

Fermentierungsprozesse sind es auch, die bei der ehedem so wichtigen
Waidbereitung und der noch jetzt in beschränktem Maße geübten
Krappfabrikation in Betracht kommen (s. Pharmakochemie).

Bei der Entstehung des Indigotins aus Indikan gelegentlich der
_Indigo_fermentierung scheinen Mikroorganismen im Spiele zu sein
(~Schulte am Hofe~). ~Molisch~ und ~van Lookeren-Campagne~ (1899)
schreiben jedoch den Bakterien bei der _Indigo_+fabrikation+ keine
+entscheidende+ Rolle zu, obwohl Bakterien aus Indikan _Indigo_
zu bilden vermögen. Nach ~Molisch~ handelt es sich um einen rein
chemischen Vorgang. ~Rowson~ spricht (1899) von einer diastatischen
Gärung.

Eine eigenartige «Gärung» machen auch die in Indien stets nur
halbtrocken in Ballen verpackten _Patchoulyblätter_ während der Reise
nach Europa im Schiffsraum durch und diese «Gärung» scheint, um ein
erstklassiges Produkt zu erhalten, geradezu notwendig zu sein.

Die Temperatur, die bei den Fermentationen innegehalten wird -- jede
Fermentierung ist ja mit einer Temperaturerhöhung verbunden -- ist
natürlich bei den einzelnen Objekten verschieden. Beim _Cacao_ hält
man im allgemeinen die Temperatur unter 45° für die beste. Auch die
Zeitdauer variiert sehr, selbst bei ein und demselben Objekt (s. oben).

[Illustration: Fig. 122.

_Kaffee_benefiz in Südamerika. Fermentierbassins.

[Aus +Preuß+, Zentral- und Südamerika.]]

[Illustration: Fig. 123.

_Tee_fabrik (Mill) in Ceylon mitten in einer _Tee_plantage. [Aus
+Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]

Bisweilen, z. B. beim _Kaffee_, hat aber das «Fermentieren» einen
ganz anderen Zweck. Es werden nämlich die Früchte, nachdem sie den
Pulper verlassen haben, in Zisternen der Gärung überlassen (s. oben).
Diese sog. Gärung bewirkt aber nur ein Abfaulen der anhängenden
Fruchtschalreste und scheint auf die Samen selbst ohne Einfluß zu
sein. Daß es sich bei der Fermentierung des _Kaffees_ nur um einen
«äußerlichen»Prozeß handelt, den die Bestandteile der Bohnen nicht
tangiert, geht schon daraus hervor, daß der nicht nach dem nassen oder
westindischen, sondern nach dem trockenen, sog. gewöhnlichen Verfahren
bereitete _Kaffee_, bei dem die +getrockneten+ Früchte direkt geschält,
d. h. von der Fruchtschale befreit werden, sich nicht von dem anderen
unterscheidet.

Das, was die Fermentierung beim _Tee_, _Cacao_ und der _Vanille_
bewirkt, d. h. Spaltung der Primärkörper, wird beim _Kaffee_ durch
das Rösten, bei der _Kola_ durch den Speichel gelegentlich des Kauens
bewirkt.

Die _Coca_, sowohl die bolivianische (Hatun Yemka) als die
peruvianische (Ypara) wird in den Kulturen bisweilen einem merkwürdigen
Prozesse unterworfen. Man läßt die gewelkten Blätter beregnen, bringt
sie in Haufen und durchknetet diese mit den Füßen. Ob bei der Bereitung
dieser dunklen _Coca pisada_ eine Fermentierung stattfindet, kann ich
nicht sagen. Die Farbenänderung deutet auf etwas ähnliches.

Mehrfach ist schon die Frage aufgeworfen worden, als was eigentlich
die «+Fermentation+»zu betrachten ist. Wie schon aus Vorstehendem
hervorgeht, werden mit diesem Namen sehr verschiedene Prozesse
verstanden, denen aber allen offenbar das gemeinsam ist, daß sie von
Enzymen bedingt oder eingeleitet werden, seien es nun solche, die in
der Pflanze vorhanden sind oder solche, die durch Mikroorganismen
(Bakterien, Hefe) erzeugt werden. Faßt man den Begriff Fermentation
so weit, so fällt auch die oben erwähnte des _Kaffee_ noch darunter.
Unter «+Fermentation im engeren Sinne+» wären dann die Prozesse zu
verstehen, bei denen eine mehr oder weniger tiefgreifende Veränderung
+in den Zellen+ der Droge durch ein in diesen vorgebildetes Enzym an
ebenfalls vorgebildeten Primärkörpern (meist wohl Glykosiden) vor sich
geht. Diese Veränderung kann und wird sehr mannigfaltig sein, je nach
der Natur des Enzyms (ob eine Oxydase, ein hydrolytisches Ferment oder
ein anderes Enzym vorliegt) und je nach der Natur der Bestandteile des
der Fermentation unterworfenen Pflanzenteils.

[Illustration: Fig. 124.

Links das Messer zum Schneiden der _Zimt_zweige (Cinnamon cutter,
Catty), rechts die Messer zum Abschaben des Korkes (Scraper). Ceylon.
[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 125.

Scratching the poppy-head (Anschneiden der _Mohn_früchte) in
Vorderindien. [+Hooper+ phot.]]

[Illustration: Fig. 126.

_Opium_gewinnung in Persien (Ispahan und Jesd).

Der erforderliche Dünger für die Mohnfelder wird teils aus Abfällen,
teils in «Taubentürmen» gewonnen (auf dem Bilde links), die entweder
vom einzelnen Landeigentümer für den eignen Bedarf oder auf
Gemeindekosten behufs gleichmäßiger Verteilung der Düngermassen an die
Gemeindeglieder erbaut sind. [Aus +Meyers+ histor.-geogr. Kalender.]]

[Illustration: Fig. 127.

Behandlung des _Opiums_ vor der Ballenformung in Bengalen (Knetung).]

[Illustration: Fig. 128.

Herstellen der Ballen oder Kugeln (balls oder cakes) in Bengalen.]

[Illustration: Fig. 129.

Trockenraum der Kugeln in Bengalen.]

[Illustration: Fig. 130.

Ballenmagazin in Bengalen.

[Aus +Wiselius+, De Opium, 1886.]]

In vielen Fällen dürfte es sich um komplizierte Prozesse handeln,
namentlich um hydrolytische Spaltungen +und+ Oxydationen. Aber auch
Synthesen und Abbau, Entstehung neuer und Vernichtung vorhandener
Körper sind möglich. Sehr oft scheinen die Tannoide eine Rolle zu
spielen, wie ja auch meine eigenen Beobachtungen (s. oben S. 110) und
die Versuche von ~Schulte am Hofe~ am _Tee_ (+Ber. d. pharm. Ges.+
1901) lehren, die nach exakten Methoden wiederholt und auf andere
Drogen ausgedehnt werden sollten.

       *       *       *       *       *

Der Prozeß, dem die _Citronen_ unterworfen werden, wird zwar
auch als Fermentierungsprozeß bezeichnet, ist aber wohl mehr ein
=Nachreifungsprozeß=. Die _Citrone_ wird grün gepflückt, dann im
«Fermentierhaus» 2–3 Wochen bei einer Temperatur von c. 50° gehalten,
wobei der Zucker «ausschwitzt» (?) und die Schale dünn und gelb wird.
Dann wird die Frucht noch einige Monate einer niedrigeren Temperatur
ausgesetzt.

Das Fermentieren, wie überhaupt die weitere Behandlung der geernteten
Roh-Droge, wie z. B. das Auspressen des _Cocosöls_ (auf Ceylon),
die Destillation des _Zimt_- und _Sternanis-Öls_ (in China), die
Sublimation des _Camphers_ (auf Formosa), findet dort, wo Europäer
die Erntebereitung leiten, in der sog. +Mill+ statt (Fig. 123), die
entweder in der Plantage (Estate, Onderneming) selbst (_Cacao_,
_Kaffee_, _Vanille_) oder in der Nähe des Hafenplatzes (_Cocosöl_)
liegt, wohin das Rohprodukt -- beim _Cocosöl_ die _Copra_ -- gebracht
wird.

[Illustration: Fig. 131.

_Opium_bereitung in Indien. Kleinbetrieb. [Aus +Meyers+ Histor.
geograph. Kalender.]]

Die Mehrzahl der Drogen wird aber nur getrocknet, einige allerdings
ziemlich scharf über dem Feuer (_Mate_, Taf. XIII). Viele werden
allerdings zuvor der =Schälung= unterworfen, «geschält», ein Verfahren,
daß bei Rinden (_Zimt_, _Caneel_, _China plana regia_), Rhizomen
(_Kalmus_, _Iris_, _Ingwer_), Wurzeln (_Belladonna_, _Althaea_) die
Korkschicht (eventuell nebst den Wurzeln), bei Früchten (_weißer
Pfeffer_, _Coloquinthe_) die äußere Schicht der Fruchtschale entfernt.
Beim _Rhabarber_ wird die ganze Rinde bis fast zum Cambium abgeschält.
Umgekehrt ist z. B. bei einigen _Citrus_drogen die äußere Fruchtschale,
die man abschält, das Wertvolle, das durch den Schälprozeß von den
weniger wertvollen inneren Partien abgelöst wird. Bei _Iris_ und dem
_Ceylonzimt_ werden die Schälabfälle zur Öldestillation benutzt.

[Illustration: Fig. 132.

Das Kneten und Formen des Patna_opiums_.]

Das Ablösen der äußeren Fruchtwandpartie bei der Darstellung des
_weißen Pfeffer_ geschieht meist in der Weise, daß man die Früchte
einige Minuten in heißes Wasser bringt und dann durch Schütteln und
Reiben in Bambuskörben die Schicht entfernt, also «abreibt».

[Illustration: Fig. 133.

Naschtars (Nush-turs, Mahurnees) mit Schnur umwickelt zum Anschneiden
der _Mohn_früchte in Indien. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 134 a-c. Türkische _Mohn_ritzer, in Kleinasien
gebräuchlich. ½ nat. Größe. [Nach +Linde+.]]

[Illustration: Fig. 135 a-c. Türkische Mohnritzer, in Kleinasien
gebräuchlich, mit Sägeklinge. a und b ½ nat. Größe, c Klinge 15 cm
lang. [Nach +Linde+.]]

[Illustration: Fig. 136.

_Mohn_ritzer nach +Hesse+, nat. Größe.]

[Illustration: Fig. 137.

Naschtar.]

+Die zum Schälen benutzten Messer+ haben oft eine eigenartige Form. So
z. B. sind die beim _Ceylonzimt_ benutzten (Fig. 124) halbkreisförmig
gekrümmt und haben an jedem oder einem Ende eine Handhabe. Man schält
also meist gleichzeitig mit beiden Händen (vgl. S. 89). Der
_chinesische Zimt_ dagegen wird mit einem hobelartigen Instrumente
geschält (S. 90).

Das indische _Opium_ verdankt einer sehr eigenartigen
Bearbeitungsmethode seine Eigenschaften: der von den Einschnitten
gesammelte Milchsaft wird entweder mit den Füßen oder mit Stangen
solange durchgeknetet (Fig. 131 u. 132), bis keine Flüssigkeit mehr
austritt und dann erst zu «balls» (cakes) in Bengalen (Fig. 127 bis
130) oder rechteckigen Kuchen in Patna (Fig. 132) geformt, während bei
dem kleinasiatischen _Opium_ die Brote direkt aus den abgesammelten
Tränen geformt werden. Auch in Persien wird das _Opium_ einer Massage
unterworfen, «geknetet».

Die Formung der Cakes in Indien ist ein ziemlich umständlicher Prozeß.
Zunächst wird in eine metallene Hohlhalbkugel eine Schicht von
_Mohn_blumenblättern gebracht, die mit Lewah und Pussewah, d. h. dem
bei der Bereitung erhaltenen Waschwasser zusammengeklebt wurden. Ist
die Blattschicht dicht genug, so drückt man das weiche, durch Mischen
auf einen bestimmten Gehalt gebrachte _Opium_ in die Halbkugel ein und
vereinigt dann zwei solche Halbkugeln. Die Cakes, die c. 2 kg wiegen,
sind also von einer dicken Blatthülle umgebene Kugeln.

Noch umständlicher ist die Darstellung des _Rauchopiums_.

[Illustration: Fig. 138.

Situahs (scoops) in Indien zum Abkratzen der eingetrockneten
Milchsafttropfen von den verwundeten _Mohn_kapseln benutzt. [+Tschirch+
phot.]]

Eine sehr merkwürdige Behandlung, die sog. «Kristallisation», erfahren
die vom «Serrapiero» aus den aufgeschlagenen Früchten herausgelösten
und dann getrockneten _Tonkosamen_. «Man füllt die ‚Bohnen‘ in Fässer
von 300 Liter Inhalt bis ungefähr ein Fuß unter den Rand, dann füllt
man das Faß mit Rum und bedeckt es mit Sackleinewand. Nach 24 Stunden
zieht man den Rum, der nicht absorbiert ist, wieder ab und trocknet die
Bohnen an der Luft. Wenn die Bohnen die Fässer verlassen, sind sie fast
schwarz und aufgeblasen und wenn sie getrocknet sind, sieht man auf
ihrer Oberfläche weiße glänzende Kristalle»(von Cumarin).

Eine besondere Behandlung erfahren die Guaranasamen, die mit heißem
Wasser zu einem Brei zerquetscht werden. Ebenso wird _Curare_ und
_Haschisch_ erst durch eine nachträgliche Behandlung und unter Zusatz
verschiedenster Substanzen erhalten.

Ganz anders sind dann wieder die Methoden, die bei der Darstellung
der =Stärkedrogen= benutzt werden. Hier wird das stärkehaltige Gewebe
entweder herausgekratzt, dann in einen Spitzbeutel getan, mit Wasser
ausgewaschen und die Milch in einer Rinne entlang geführt, in der sich
die Stärke allmählich absetzt (_Sagomehl_) oder die stärkeführenden
Organe werden erst zerquetscht, dann der Brei ausgewaschen, die Milch
sedimentieren gelassen und das Sediment getrocknet oder gekörnt
(_Tapioca_, Fig. 140–143). Da die Körnelung oft über leichtem Feuer
erfolgt, findet eine geringe Verkleisterung statt (_Sago_).

Bisweilen geht dem Auswaschen der zerquetschten Organe eine gelinde
Gärung voraus (_Triticum_).

[Illustration: Fig. 139.

+Bereitung des+ _Sagomehls_ auf den Key-Inseln bei Neu-Guinea.

Rechts sieht man zwei Eingeborne, der linke gießt Wasser auf und
zerklopft das Mark der _Sagopalme_ mit einem Stock, der rechte rührt
die Masse auf dem durch den gebogenen Stab straff gehaltenem Siebe
um, so daß ein gleichmäßiger Strom der Stärkemilch in die an den
Bambustäben aufgehängte, aus einem aufgespaltenen und ausgehöhlten
_Sagopalm_stamme bestehende Rinne fließt. In ihr setzt sich die Stärke
zu Boden. Rechts das ausgewaschene «Mark». [+Warburg+ phot. Aus
+Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]

Die vorzügliche Beschaffenheit des _Maranta-Arrowroot_ rührt von einer
peinlich-sorgfältigen Bereitung her. Die gereinigten Rhizome werden
sorgfältig geschält, dann gewaschen und zu Brei verrieben und das
ausgewaschene Stärkemehl entweder in mit Gaze bedeckten Kupferpfannen
(Bermudas) oder auf Holzhorden (Jamaica) an der Sonne getrocknet.

Das _Koontimehl_ wird in Florida aus der _Zamia integrifolia_ in der
Weise gewonnen, daß die Wurzel von den Eingeborenen in mörserartigen
Löchern eines Baumstammes zerstoßen, der Brei mit Wasser angerieben
und durch eine Tierhaut geseiht wird. Die abgesetzte Stärke wird auf
Palmettoblättern getrocknet.

[Illustration: Fig. 140.

_Tapioca_-Faktorei in den Straits Settlements. Wäsche. [Ridley phot.
1899.]]

[Illustration: Fig. 141.

_Tapioca_-Faktorei in den Straits Settlements. Schlemmerei und
Sedimentiererei. [Ridley phot. 1899.]]

[Illustration: Fig. 142.

_Tapioca_-Faktorei in den Straits Settlements. Körnelung. [Ridley phot.
1899.]]

[Illustration: Fig. 143.

_Tapioca_-Faktorei in den Straits Settlements. Trocknen. [Ridley phot.
1899.]]

[Illustration: Fig. 144.

_Zuckerrohr_mühle in den Padangschen Bovenlanden (Sumatra). [Aus
+Chun+, Tiefen des Weltmeers.]]

[Illustration: Fig. 145.

Rösten des _Crocus_ über heißer Asche in Spanien.]

[Illustration: Fig. 146.

Die abgeschnittenen _Yerba_-Zweige werden durch das Feuer gezogen
(Paraguay). [Aus +Hengstenberg+, Weltreisen.]]

[Illustration:

  Tafel XIII

_Yerba Mate_ in dem Schuppen (Carijo) auf einem Gerüste (Girao)
über mäßigem Feuer getrocknet. [Nach einer Photographie.]]

  Die Darstellung des _Sago_, des _Reis_ und der _Tapioca_ ist in
  meinen +Indischen Heil- und Nutzpflanzen+ eingehend geschildert.

  Die Gewinnung des _Sago_ in Singapore schildert ~Schlechter~ (1901)
  wie folgt:

  Hat die Anpflanzung der _Sago_palmen ihre Reife erreicht, so wird
  die Aberntung an Eingeborene verpachtet. Der Pächter läßt in der
  Pflanzung einen kleinen Schuppen, unter dem das Raspeln der Stämme
  vorgenommen wird, und eine Rohsago-Wäscherei primitivster Art
  herstellen. Dann werden die einzelnen Stämme gefällt, ihrer Krone
  entblößt und in 4–6 Fuß lange Stücke zerschnitten, die nun auf
  _Sago_-Blattrippen, die infolge ihrer Glätte dazu geeignet sind, nach
  dem Raspelschuppen gerollt werden, unter dem ein Bock, ähnlich einem
  primitiven Sägebock, aufgestellt ist. Nachdem die _Sago_-Stammstücke
  geschält sind, werden sie auf diesen Block gelegt und nun geraspelt,
  bis sie vollständig in grobe Flocken verarbeitet sind. Das hierbei
  in Anwendung kommende Instrument besteht aus einem etwa 1,5 m
  langen und ein Fuß breiten Brette mit zwei Handgriffen, durch welches
  kurze Nägel getrieben sind, deren hervorragende Spitzen ähnlich wie
  eine Stahlraspel sehr bald den fast korkigen _Sago_stamm vollständig
  in grobe Flocken zerreiben können. Die so gewonnenen Flocken werden
  zunächst auf einer Matte von _Sago_blättern durch Spülen und Treten
  gesiebt, das durchfließende Wasser, welches die Stärke ausspült und
  in eine Rinne abführt, wird in ein längliches Becken geleitet, in
  dem dann die sämtlichen Stärketeile, die sich nicht schon früher
  am Grunde der Rinde abgesetzt haben, zu Boden sinken, so daß das
  überfließende Wasser ziemlich stärkefrei ist. Nachdem eine genügende
  Menge Rohsagospäne in dieser Weise ausgewaschen ist und das Wasser
  in Rinne und Becken sich allmählich geklärt hat, wird nach Abfluß
  des Wassers der nun fertige Rohsago aus Becken und Rinne entfernt
  und aufgestapelt, bis genügend vorhanden ist, um in den Sagofabriken
  weiter verarbeitet zu werden. Die in dem Mattensieb zurückbleibenden
  Überreste, die aus den Fasern des _Sago_stammes und einer nicht
  unbedeutenden Menge daran haftenden _Sagos_ bestehen, werden entweder
  sofort entfernt oder mit frischen Spänen noch einmal gewaschen und
  dann als Schweinefutter verkauft.

[Illustration: Fig. 147.

Das Sammeln des _Weihrauch_. [Aus Cosmographie universelle Paris 1675].]

  Die _Sago_fabriken kaufen den Rohsago von den Eingeborenen an und
  reinigen ihn. Der Rohsago wird zu diesem Zwecke unter Wasser zum
  größten Teile gelöst und durch dünne Leinentücher mit lockeren
  Maschen getrieben. Zurück bleiben die Holzteile, welche als
  «_Sago_-Refuse» beiseite geschafft werden. Der durch die Tücher
  getriebene _Sago_ setzt sich am Grunde des Kübels ab, das Wasser
  wird entfernt und das _Sago_mehl in anderen Kübeln wieder mit Wasser
  aufgerührt. Dasselbe kommt nun in lange, nach ihrem Ende zu etwas
  abfallende Rinnen mit fließendem Wasser, welche am unteren Ende
  durch dichte Tücher, durch welche zwar das Wasser, aber nicht das
  _Sago_mehl hindurch laufen kann, verschlossen sind. Je nach der Höhe
  des sich am Grunde der Rinne absetzenden _Sago_mehls werden die Enden
  der Rinne durch dicht aufeinanderliegende Stäbe verschlossen. Nachdem
  so das Ende der Rinne vollständig geschlossen ist, wird das Wasser
  abgelassen und das _Sago_mehl in Blöcken entfernt. Ist hiernach
  das Mehl noch nicht rein genug, so wird die Prozedur wiederholt.
  Schließlich werden die Blöcke, nachdem sie halb getrocknet sind,
  zerstoßen und das Mehl durch ruckweises Hin- und Herschütteln in
  einem Tuche, das an zwei von der Decke des Schuppens herabhängenden
  Seilen befestigt ist, in kleine Kugeln, «Perlen», geformt. Die diese
  Arbeit verrichtenden Leute müssen besonders geschickt sein, da
  von der Art des Schüttelns die Größe der _Sago_kügelchen abhängt.
  Durch Siebe mit verschiedenen Maschen werden diese gesondert und
  nun auf heißen Schalen unter beständigem Rühren gedämpft. Nachdem
  die Kügelchen vollständig durchgedämpft sind, werden sie durch
  wiederholtes Sieben in die gewünschten verschiedenen Größen sortiert
  oder alle nur zu einer Qualität verarbeitet. Der noch feuchte
  Perlsago wird auf großen Öfen ausgebreitet und vollständig bei
  mäßiger Hitze getrocknet (vgl. auch Fig. 141–143).

Die Darstellung des _Sago_ auf den Key-Inseln geht aus der Abbildung
(Fig. 139) hervor.

[Illustration: Fig. 148.

Die Gewinnung der _Asa foetida_ durch Abtragen von Scheiben vom
freigelegten Wurzelkopf mittelst eines eigenartigen Messers. [Aus
+Kämpfer+, Amoenitat. exotici. Lemg. 1712.]]

Ganz anders wieder ist die Darstellung der =Zuckerdrogen=. Hier werden
die zuckerhaltigen Pflanzenteile zerquetscht, zermahlen (Fig. 144)
oder zerschnitten, dann entweder durch Auswaschen oder Diffusion
ihres Zuckers beraubt und die Zuckerlösung eingedampft (_Zuckerrohr_,
_Zuckerrübe_, _Zuckerhirse_), oder der Blütenstand bez. der obere
Teil des Stammes vor dem Austreiben ab- bez. angeschnitten und der
austretende Zuckersaft eingeengt (_Zuckerpalme_ -- _Arenzucker_),
oder endlich die Stämme im Frühjahr angebohrt und der ausfließende
Saft eingedampft (_Zuckerahorn_ -- _Ahornzucker_). Von _Ahornzucker_
werden noch jetzt jährlich 5000 t in Nordamerika erzeugt, meist aus dem
_Steinahorn_ (rock maple), im Westen auch aus dem _Weichahorn_ (swamp
maple).

[Illustration: Fig. 149.

+Verwundungsarten behufs Gewinnung der pflanzlichen Sekrete.+

Bei 1 _Benzoë_, 2 _Tolubalsam_, 3 _Perubalsam_, 4 _Lärchenterpentin_,
5 a und b _amerikan. Terpentin_, 6 _französischer Terpentin_, 7 Mayrs
verbessertes _Harz_gewinnungsverfahren, 8 _Dammar_, 9 _Gummigutt_, 10
_Manna_, 11 _japan. Lack_, 12–15 _Kautschuk_. (Details in +Tschirch+,
Harze und Harzbehälter. 2. Aufl. 1906.) [+Tschirch+ gez.]]

[Illustration:

  Tafel XIV

+Amerikanisches Harzungsverfahren.+

Wald von _Pinus palustris_ in Nord-Carolina (Nordamerika), der Harzung
unterworfen, die Stämme mit _Lachen_ und _Box_ versehen.]

[Illustration:

  Tafel XV

+Französisches Harzungsverfahren.+

Seestrandfichten im Depart. des Landes «en gemmage à vie». Der «pot»
ist an der «carre» befestigt.

[+Oesterle+ phot.]]

Etwas ganz Besonderes ist das =Brühen= einiger Drogen. Dasselbe wird
vornehmlich bei unterirdischen Reservebehältern angewendet, z. B.
beim _Salep_, dem _grauen Ingwer_, dem _ostasiatischen Ginseng_,
einigen _indischen Aconitknollen_ und des _Curcuma_, und verfolgt
den Zweck, die Organe abzutöten und am nachträglichen Austreiben zu
verhindern. Denn da in den Knollen und fleischigen Rhizomen reichlich
Reservematerial und genügend Wasser vorhanden ist, so werden sie,
wenn die Knospen intakt sind, leicht wieder austreiben, jedenfalls
durch einfaches Trocknen an der Luft nicht gänzlich abgetötet. Bei
einigen Drogen wird der gleiche Effekt durch Erhitzen über freiem Feuer
erzielt. Bei diesen Drogen ist natürlich die Stärke entweder ganz
(_Salep_) oder teilweise (_Jalape_) verkleistert. Bei der _Jalape_ wird
das Gleiche erzielt durch Trocknen der mit Einschnitten versehenen
Knollen über einem Feuer. Auch _Sarsaparille_ wird manchmal am Feuer
getrocknet, da das feuchte Klima in Mittelamerika dies verlangt.
Bei der _Scilla_, die zudem sehr schwer trocknet, wird dagegen das
Ziel dadurch erreicht, daß man die weichen Zwiebelschalen vor dem
Trocknen in Streifen schneidet. Übrigens ist Halbieren oder Vierteln
(_Alant_) oder in Scheiben schneiden (_Colombo_, _Bryonia_) auch sonst
bei dickeren Drogen gebräuchlich, um ein schnelleres Trocknen zu
erzielen -- aber nicht immer zulässig (_Kalmus_, _Filix_). Nur bei den
chinesisch-japanischen Gallen hat das hier gelegentlich geübte Brühen
den Zweck, die die Galle erzeugenden Tiere (_Aphiden_) abzutöten.

[Illustration: Fig. 150.

Verfahren, die Einschnitte für die _Manna_gewinnung in Sizilien zu
machen. [+Benedicenti+ phot.]]

Bisweilen hat aber das Eintauchen in heißes Wasser oder das Erhitzen
über dem Feuer wohl auch einen anderen Zweck. So handelt es sich meines
Erachtens beim Eintauchen der _Vanille_ in heißes Wasser und beim
Erhitzen der frisch gepflückten Blätter bei der Bereitung des _grünen
Tees_ um Abtötung eines Fermentes.

Einer leichten =Röstung= über heißer Asche wird der _Safran_ (Fig. 145)
unterworfen.

In einigen Gegenden (Sierra de Santa Marta) röstet man auch die
_Coca_blätter leicht, und auch der _Mate_ wird leicht geröstet,
richtiger über dem Feuer getrocknet.

Die Röstung der _Yerba Mate_ erfolgt an den Röstplätzen (Fogão) in
der Weise, daß die vom Baume gelösten Zweige zunächst zum Welken
(und Abtöten eines Fermentes?) durch ein nicht rauchendes Feuer
gezogen («Sapecaje», Sapecar, Fig. 146), dann in einem speziellen
Ofen (Barbacuá) 18–36 Stunden weiter erhitzt -- neues Verfahren --
oder in Bündel geschnürt in einem Schuppen (Carijo) auf einem Gerüst
(Girao) über mäßigem Feuer getrocknet (Taf. XIII) werden. Dann läßt man
sie «schwitzen»(fermentieren?). Schließlich werden die auf glatter,
mit einem Tuche belegter Tenne ausgebreiteten Zweige durch Schlagen
mit hölzernen Stäben oder Säbeln (Espada) grob gepulvert oder in
Mühlen gemahlen (Fig. 206). Die nicht durch die Sapecar-Prozedur
vorbehandelten Blätter werden beim Dörren schwarz.

[Illustration: Fig. 151.

Altes Harzungsverfahren in Nordamerika. Abkratzen des Harzes,
Ausschöpfen des Box, Einfüllen in die Fässer und Verladen derselben.
[+Tschirch+, Harze und Harzbehälter.]]

[Illustration: Fig. 152.

Lange Zapfstelle mit aufgelegtem Sauglappen bei einem
_Perubalsam_baume, San Salvador. [+Preuß+ phot.]]

[Illustration: Fig. 153.

Geschälter Baum von _Myroxylon Pereirae_ mit aufgelegtem Lappen in San
Salvador. [+Preuß+ phot.]]

Die Samen von _Paullinia Cupana_ werden bei der _Guarana_bereitung vor
dem Zertrümmern sechs Stunden geröstet.

Einige =Harze= und =Balsame= sind in der Pflanze als solche enthalten.
Man braucht also nur das Organ zu verletzen und das austretende
halbflüssige Sekret entweder in Gefäßen aufzusammeln (_Copaivabalsam_,
_Straßburger Terpentin_) oder am Baume erhärten zu lassen (_Mastix_,
_Sandarac_, _Olibanum_, Fig. 147), um die Droge zu erhalten (+primärer
Harzfluß+). Das Gleiche gilt von _Kautschuk_ und _Guttapercha_,
die sich als Milchsäfte in der Pflanze finden und beim Anschneiden
ausfließen. Doch wird wenigstens bei einigen Sorten des _Kautschuk_
der ausgeflossene Saft durch Koaleszenzmittel koaguliert, erfährt also
noch eine nachträgliche Verarbeitung (s. S. 140).

Zu den nach Anschneiden (Fig. 125 u. 126) ausfließenden und dann
erhärtenden =Milchsäften= sind auch _Opium_, _Lactucarium_, die
Gummiharze der persischen _Umbelliferen_ (_Asa foetida_, _Galbanum_,
_Ammoniacum_) und _Euphorbium_ zu zählen, und im weiteren Sinne das
_Gutti_.

[Illustration: Fig. 154.

Amerikanisches _Terpentin_gewinnungsverfahren. Die Wundfläche mit
Harzbalsam bedeckt.]

Die bei der Gewinnung des _Opiums_ benutzten +Messer+ sind sehr
eigenartig. In +Kleinasien+ werden zum Anschneiden der Mohnköpfe
Messer aller möglichen Formen benutzt, einmal solche, denen die Spitze
abgebrochen wurde (Fig. 134), dann solche mit gesägter Klinge (Fig.
135), aber auch Uhrfedern, Glasscherben u. a. mehr. Die Benutzung der
letzteren erklärt besonders einleuchtend das ständige Vorkommen von
Fruchtwandepidermisfetzen im kleinasiatischen _Opium_, da die Wand der
Frucht durch sie nicht eigentlich geritzt, sondern eingerissen wird. In
Kleinasien wird nur ein Horizontalschnitt geführt.

[Illustration: Fig. 155.

_Manikot_ mit Messerstichen angezapft (Indien). [+F. O. Koch+ phot.]]

In +Vorderindien+ (Bengalen) bedient man sich des +Naschtar+ (Nushtur,
Fig. 133 u. 137), das aus drei, vier, seltener fünf schmalen
Eisenblechen von etwa 15 cm Länge und der Dicke einer Federmesserklinge
besteht, die oben 2,5 cm breit, dort tief eingekerbt und in scharfe
Spitzen ausgezogen sind, und durch Umwickeln mit starken Baumwollfäden
c. 1,5 mm auseinandergehalten werden. Es werden Vertikalschnitte
ausgeführt (Fig. 125) und zwar an 2 bis 6 Stellen der Kapsel, in
Intervallen von 2–3 Tagen. In +Persien+ wird ein ähnliches Messer
benutzt und die Kapsel horizontal, schräg oder vertikal nach und nach
an allen Seiten angeschnitten (Fig. 126).

[Illustration: Fig. 156.

_Guttapercha_gewinnung auf Sumatra.

Der zweite Kuli von links trägt die Instrumententasche und das Beil
(baliung), das zum Fällen des Baumes benutzt wird. Der vierte macht
mit dem breiten Messer (lading) die Einschnitte. Der erste und dritte
kratzen den ausgeflossenen Milchsaft mittelst eines spitzen Kratzers
in den aus den Blättern von _Areca Catechu_ hergestellten Spitzbeutel.
[+Tschirch+ phot.]]

In China werden die Kapseln mit einem dreischneidigen Messer an 3–5
Stellen vertikal angeschnitten. Auch in Ägypten wird der Naschtar oder
die kleinasiatische Methode benutzt, jedoch zwei oder drei Einschnitte
gemacht.

Mehrklingige Messer, die zum Teil bis auf die Spitze mit Schnur
umwickelt waren oder abgerundete Spitzen besaßen, wurden bei Erfurt,
bei Clermont Ferrand, bei Darmstadt und in Württemberg benutzt
(~Linde~, +Zur Gewinnung des Opiums+, Apoth. Zeit. 1905).

Die Entwicklungsphase der Kapsel, bei welcher sie angeschnitten wird,
ist nicht überall die gleiche. In Kleinasien und in Vorderindien werden
die jungen Früchte einige Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter, in
Armenien 20–25 Tage nach dem Abblühen (~Gaultier~), in Ägypten, sobald
sie ihre normale Größe erlangt haben (~Savaresi~), in Persien, wenn sie
sich der Reife nähern, angeschnitten. Der beste Zeitpunkt ist 10–14
Tage nach dem Abfallen der Blumenblätter (~Hesse~).

Zum Abkratzen der eingetrockneten Tropfen bedient man sich in Indien
eines schaufelartigen Instrumentes (Situah Fig. 138).

[Illustration: Fig. 157.

Halbspiralschnitt an einer kultivierten _Hevea brasiliensis_ in Indien.
[+F. O. Koch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 158.

Fischgrätenschnitt an kultivierter _Hevea brasiliensis_ in Indien. [+F.
O. Koch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 159.

_Colophonium_destillerie in den Wäldern von Carolina (U. S. A.).]

[Illustration: Fig. 160.

Das Innere einer nordamerikanischen _Harz_destillerie. Im Mittelgrunde
sieht man einen Destillierapparat und (rechts) das große Kühlfaß. [Aus
+Tschirch+, Harze und Harzbehälter.]]

[Illustration: Fig. 161.

Die _Lavendelöl_destillateure auf den Alpen (Alembics voyagants.) [Aus
+Roure-Bertrand fils+ Berichte.]]

[Illustration: Fig. 162.

_Citronellaöl_destillation in der Nähe von Galle auf Ceylon. [Aus
+Roure-Bertrand fils+ Berichte.]]

[Illustration: Fig. 163.

Rumelische _Rosenöl_destillerie in Papazoglou, links: Füllen der
Destillierblasen.]

[Illustration: Fig. 164.

Schuppen mit Destillierblasen für _Rosenöl_ in Bulgarien. Links der
Destillateur das Öl abhebend.]

[Illustration: Fig. 165.

Entleeren der _Citronen_ (Limoni) mittelst kleiner Löffel. Die Mädchen
umwickeln die Hand, mit der sie die Citrone halten, mit einem Tuch.
Fruchtfleisch und Schale werden gesondert verarbeitet. (Vergl. Fig. 166
und 176.) [Prof. +Benedicenti+ in Messina phot.]]

[Illustration: Fig. 166.

_Citronenöl_gewinnung mittelst der Spugna-Methode. Die Schalen werden
an einen Schwamm gedrückt. [Prof. +Benedicenti+ in Messina phot.]]

[Illustration: Fig. 167.

_Bergamottöl_bereitung mit der Maschine, erste Operation. [Aus
+Roure-Bertrand fils+ Berichte.]]

[Illustration: Fig. 168.

_Bergamottöl_bereitung mit der Maschine, zweite Operation. [Aus
+Roure-Bertrand fils+ Berichte.]]

[Illustration: Fig. 169.

Enfleurage, Darstellung der «_Pomades_» auf kaltem Wege in der Fabrik
Roure-Bertrand fils in Grasse.]

[Illustration: Fig. 170.

Maceration, Darstellung der «_Pomades_» auf warmem Wege in der Fabrik
Roure-Bertrand fils in Grasse.]

Auch bei der seit Jahrhunderten gleichgebliebenen Methode der Gewinnung
der _Asa foetida_ durch Abtragen dünner Scheiben vom Kopfe der großen
freigelegten Wurzel von _Ferula Assa foetida_ bedient man sich
eines eigenartigen keilförmigen Messers, das vorn stark verbreitert ist
(Fig. 148).

Bei der Herstellung der Einschnitte in die Rinde der _Mannaesche_ bei
der _Manna_gewinnung werden eigenartige, sichelförmig gekrümmte Messer
benutzt (Fig. 150).

Andere Drogen der Gruppe der =Harzbalsame= sind als solche nicht in
der normalen Pflanze enthalten, sondern entstehen erst infolge von
Verwundungen (+sekundärer Harzfluß+). Ich habe durch Versuche in Indien
und Europa gezeigt, daß _Benzoë_, _Peru_- und _Tolubalsam_, _Styrax_,
_Dammar_ und die meisten _Terpentine_ der Koniferen erst sich bilden,
nachdem man tiefgreifende Verletzungen am Baume angebracht hat und ein
reichverzweigtes System pathologischer Kanäle im Neuholz entstanden ist
(Gesetz des Harzflusses).

[Illustration: Fig. 171.

Eine finländische «Tervahauta» (_Teer_grube), die Art der
_Teer_gewinnung in Finland.]

[Illustration: Fig. 172.

Ecuelle à piquer. [+Tschirch+ phot.]]

Als pathologische Produkte, die bisweilen schon freiwillig, in größerer
Menge aber durch (wenn auch nicht infolge von) spontan entstehenden
oder künstlich angebrachten Wunden austreten, sind auch das _Gummi_ und
der _Traganth_ zu betrachten.

Sehr mannigfaltig ist +die Form, die man den Verwundungen+ (Fig.
149) +und den dazu benutzten Instrumenten gibt+ und die Art, wie man
die Wunde nachher behandelt. Bald wird ein V-Schnitt hergestellt
(_Tolubalsam_, Fig. 149, 2), bald Längsschnitte (_Benzoë_, Fig. 149,
1) oder zahlreiche übereinander stehende, horizontale Einschnitte
(_Manna_, _Japan. Lack_, Fig. 149, 10 u. 11), bald Spiralschnitte
(_Gutti_, Fig. 149, 9), bald eine breite, wie ein M -- oder O --
geformte Lache (amerikan. und französ. _Terpentin_, Fig. 149, 5 u.
6), bald wird zum Auffangen des Balsams ein Topf angehängt (Fig.
149, 2, 6, 12–14), bald ein Box in den Baum geschlagen (Fig. 149, 5
u. 8). Auch Schwelen und Aufsaugen des Balsams in Lappen kommt vor
(_Perubalsam_, Fig. 149, 3, 152 u. 153). Bei der _Lärche_ wird ein Loch
gebohrt (Fig. 149, 4), mit einem Pflock verstopft und nach einiger
Zeit der angesammelte Balsam abgelassen. Die größte Mannigfaltigkeit
in der Verwundungsart findet sich aber bei den _Kautschuk_bäumen. Bald
wird hier nur mit Messerstichen angezapft (Fig. 155), bald werden
Spiralschnitte, Halbspiralschnitte (Fig. 157), kurze, längs- oder
schräggestellte mit eigenartigen meißelartigen Messern hergestellte
Schnitte (Fig. 149, 12), gemacht, bald wird der Grätenschnitt (Fig.
149, 13 u. 158), der Doppelkandelaberschnitt (Fig. 149, 14) oder
Varianten dieser geübt (das Detail siehe in meinem Buche: +Die Harze
und die Harzbehälter+, 2. Aufl. 1906; dort sind auch die Instrumente
abgebildet). Zu einem allgemein adoptierten System ist man noch nicht
gekommen. Noch werden Versuche gemacht, welches das beste ist.

Bei der _Guttapercha_ wird der Stamm des gefällten Baumes in
horizontaler Lage auf der Oberseite in bestimmten Entfernungen mit
breiten Einschnitten versehen, aus denen man dann den ausgetretenen
Milchsaft herauskratzt (Fig. 156).

Eine Besonderheit ist die Darstellung des _Churus_. Der _Churus_
(Indisch-Hanfharz) wird nach ~Bonati~ in der Weise gewonnen, daß
man die in Blüte stehenden Zweigspitzen der weiblichen Pflanze von
_Cannabis indica_ stundenlang kräftig auf groben wollenen Teppichen
reibt, so daß das dickflüssige Harz sich auf der Oberfläche ablagert,
von wo es mittelst eines Messers abgelöst und zu kleinen Kugeln oder
länglichen Stäbchen geformt wird.

Es erinnert dies in etwas an die ehedem beim _Ladanum_ gebräuchliche
Gewinnungsweise, bei der man langbärtige Ziegen durch die harzduftenden
_Cistus_gebüsche trieb, das an den Bärten haften bleibende Harz
absammelte, und nachdem es in Wasser erweicht war, zu den bekannten
Spiralkörpern formte.

Eine besondere Stellung nimmt das _Ammoniacum_ ein. Es werden nämlich
bei ihm die ganzen zur Zeit der Fruchtreife geschnittenen Stengel der
Pflanze nach Bombay gebracht und erst hier die Droge abgelesen.

[Illustration:

  Tafel XVI

Alte Cocosnuß-Ölmühle in Ceylon. [Aus «Der Mensch u. die Erde».]]

[Illustration:

  Tafel XVII

_Cocos_-Mühle auf Diego Garcia. [Aus +Chun+, «Tiefen des Weltmeeres».]]

Sehr eigenartig ist die +Teerbereitung+, das Teerbrennen (Tervanpoltto)
in Finland.

  Der Holzteer wird in Finland auf folgende Weise von _Fichten_
  gewonnen. Der Stamm der _Fichte_ wird Mitte Juni von Ästen und Rinde
  -- letztere bis zum Holz -- in der Höhe von etwa 2½ m befreit;
  nur an der nördlichen Seite des Baumstammes wird ein etwa 5 cm
  breites Band der Rinde gelassen, um den Baum am Leben zu erhalten.
  Dann läßt man den Baum 2–5 Jahre stehen, worauf die Rinde wieder
  auf dieselbe Weise von dem Stamme abgeschält wird, jetzt etwa 1½
  m höher, so daß der Stamm jetzt 4 m hoch kahl ist, mit Ausnahme
  der nördlichen Seite. Zwei Jahre lang läßt man den Baum so stehen.
  Der kahle Teil des Stammes ist jetzt mit einer dicken Lage Harz
  bedeckt. Dann schneidet man den an der nördlichen Seite gelassenen
  Rindenstreifen los; der Baum wird im Oktober oder November gefällt
  und das so behandelte Holz zum Meiler gebracht, wo es etwa 1,8 m
  hoch aufgestapelt wird. Im Winter, wenn die Kälte groß und das
  Holz dadurch leicht spaltbar ist, werden die abgehauenen, c. 4 m
  langen, harzreichen Baumstämme der Länge nach gespalten und in 3½
  m breiten und 2 m hohen Stapeln rings um den Meiler geordnet. Im
  folgenden Sommer werden sie in den Meiler eingesetzt.

  Der Teermeiler oder die Teergrube (Tervahauta, Fig. 171) ist eine
  kreisrunde, der Mitte zu tiefer werdende Grube in der Erde. Sie ist
  gewöhnlich 12–13 m im Durchschnitt (36 m im Umkreis) und in der
  Mitte etwa 1½ m tief. In die Mitte der Grube wird ein Holzkasten
  ohne Boden -- 15 cm hoch und 1½ m im Durchschnitt -- eingesenkt,
  in welchem der Teer sich ansammelt. In die Wand des Kastens ist ein
  Holzrohr eingesetzt, aus dem der Teer ausfließt. Dieses Holzrohr ist
  schräg in den Boden eingesenkt und reicht über die Peripherie der
  Grube hinaus zu einem Kanale, wo sich die Sammelgefäße befinden.
  Der Boden der Grube ist fest mit Ton oder Moorerde bedeckt, um das
  Aufsaugen des Teers in die Erde zu vermeiden.

  Über die auf diese Weise hergerichtete Grube wird das Teerholz
  kreisförmig, die Enden der Holzstücke der Mitte zu gerichtet,
  aufgestapelt, bis der Meiler einen kuppelförmigen, oben abgeplatteten
  Bau bildet. Das Ganze wird dann mit Moos, Erde und Torf bedeckt. An
  der Peripherie werden mehrere kleine Öffnungen dicht nebeneinander
  gelassen, bei welchen der Meiler gleichzeitig angezündet wird.
  Diese Öffnungen werden gleich nach dem Anzünden wieder mit Erde und
  Torf bedeckt. Den auf diese Weise angezündeten Teermeiler läßt man
  so 1–2 Tage ohne Luftzutritt brennen, worauf der Pfropfen von der
  oben erwähnten Holzröhre abgenommen wird. Jetzt beginnt der Teer
  auszufließen. -- Wenn der Meiler auf diese Weise an der Peripherie
  angezündet wird, so sammelt sich der Teer in dem in der Mitte der
  Grube befindlichen Holzkasten und fließt durch das Rohr aus. Das
  Brennen des Meilers -- unter fortwährendem Ausschluß von Luft --
  dauert 4 bis 5 Tage; dann ist aller Teer abgeflossen.

  Nach dem Öffnen des Rohres fließt gewöhnlich erst eine Menge dicker
  und dunkler Teer aus; dann folgt das Ausfließen des richtigen,
  hellbraunen und dünneren Teers. Ist die Hitze im Anfang größer und
  dauert das Brennen etwas länger als einen Tag, ehe das Rohr geöffnet
  wird, so fließt nach dem Öffnen erst eine geringere Menge sogenanntes
  klares «Teerwasser» aus und gleich darauf der richtige, hellbraune
  Teer, ohne daß sich erst dicker, pechartiger Teer bildet. Auf diese
  Weise wird der Holzteer in Kulunoniemi, dem größten Produktionsort in
  Finland, gewonnen. Ein Teermeiler von dieser Größe liefert c. 7500
  Liter Teer. (Nach brieflichen Mitteilungen von Frl. ~Richter~ in
  Helsingfors.)

[Illustration: Fig. 173.

Fiskolo. Der geflochtene, oben und unten offene Korb zum Pressen der
_Oliven_. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 174.

Italienische _Oliven_-Ölmühlen und -Pressen. Rechts die Fiskoli unter
der Presse. [Aus Chemist and Druggist.]]

Andere Drogen, wie die fetten Öle und Fette, werden durch +Auspressen+,
noch andere, wie die ätherischen Öle, durch +Destillieren mit
Wasserdampf+ aus den Pflanzenteilen oder Harzbalsamen herausgezogen.
Das Auspressen, selbst warmes, dürfte die Fette kaum stark verändern.
Etwas anderes ist es mit den +ätherischen Ölen+. Es darf als sicher
angenommen werden, daß die ätherischen Öle in der Form, wie wir sie
im Handel kennen, nicht in der Pflanze vorhanden sind. Ich habe schon
1890 darauf aufmerksam gemacht, daß der Wasserdampf seine verseifende
Wirkung zweifellos auch hier geltend machen wird und daß die Alkohole,
die wir in den ätherischen Ölen des Handels finden, in der Pflanze
offenbar mit jenen flüchtigen Fettsäuren, die wir im unter den Ölen
stehenden Destillationswasser finden, verestert sind, diese Ester, die
zum Teil wohl «gemischte» sein dürften, aber durch die verseifende
Wirkung des Wasserdampfes gespalten werden. Eine solche Spaltung dürfte
übrigens bisweilen auch schon beim Trocknen eintreten.

[Illustration: Fig. 175.

_Baumöl_gewinnung im XVI. Jahrh.

Nach einem Kupferstich -- gez. von +J. Stradanus+, gestoch. von +Ph.
Galle+ um 1570 -- der sich im germanischen Museum in Nürnberg befindet.
[Aus +Peters+, pharm. Vorzeit.]]

[Illustration: Fig. 176.

Pressen des _Citronen_saftes. Das von der Schale getrennte
Fruchtfleisch wird ausgepreßt und der Preßsaft später auf Calciumcitrat
verarbeitet. [Prof. +Benedicenti+ in Messina phot.]]

[Illustration: Fig. 177.

Schneiden und Trocknen der _Gambier_würfel in einer _Gambier_faktorei
in Singapore. [+Ridley+ phot.]]

[Illustration: Fig. 178.

_Aloë_gewinnung am Kap.

Der Arbeiter schneidet mit einem gekrümmten Messer die Blätter von
_Aloe ferox_ ab.]

[Illustration: Fig. 179.

_Aloë_gewinnung am Kap.

Die aus den abgeschnittenen Blättern von _Aloe ferox_ gebildete Mulde.]

Sehr eigenartig sind die =Methoden der Gewinnung der ätherischen Öle=
ausgebildet worden. Die alte Methode der Destillation mit Wasserdampf
(Fig. 159 bis 164), deren bis ins Unendliche modifizierte Apparatur
wir schon bei ~Brunschwijk~ bewundern (vgl. auch Fig. 9) und die
jedem alten chemischen Laboratorium einen so eigenen malerischen Reiz
verleiht, ist zwar auch heute noch die wichtigste Darstellungsmethode
geblieben (vgl. das Kap. Pharmakochemie), wie außerordentlich aber die
Apparate vervollkommnet wurden, zeigt ein Blick in die Destillierräume
einer modernen Fabrik ätherischer Öle. Daneben sind jedoch für die
Öle, die die doch ziemlich rohe Methode der Dampfdestillation
nicht vertragen, die ja nur Öle mit kräftiger Konstitution aushalten
und die uns so gut wie niemals das Öl in der Form liefert, wie es
in der Pflanze vorhanden ist, andere Methoden eingeführt worden:
die in Grasse geübte +Enfleurage+ (Fig. 169), bei der Fette in der
Kälte das ätherische Öl aufnehmen und der +procédé pneumatique+, bei
dem die Blüten nur ihren Duft an kaltes Fett abgeben. Die ältesten
wohlriechenden Öle waren (wohl warm bereitete) Auszüge von Pflanzen
mittelst fetten Ölen. Das Verfahren wird noch jetzt geübt und
«+Macération+» genannt (Fig. 170). Das Anstechen der Früchte mit der
+Ecuelle à piquer+ (Fig. 172) oder das Andrücken der Fruchtschalen an
einen Schwamm (+Spugna+, +Scorzetta-Prozeß+, Fig. 165 u. 166), wie es
in Italien bei einigen _Aurantieen_früchten geübt wird oder die höchst
eigenartige, wenn auch primitive +Macchina+ (Fig. 167 u. 168), mit der
das _Bergamottöl_ kalt herausgequetscht wird, sind solche sich der
Eigenart gewisser Öle anpassende Methoden.

Ganz dezentralisiert ist die Gewinnung des _Rosenöls_ in Bulgarien, wo
über zahlreiche Dörfer, besonders in der Gegend von Kezanlik, hunderte
von primitiven Destillierblasen zerstreut sind, die nur zur Zeit der
_Rosen_blüte in Tätigkeit gesetzt werden (Fig. 163 u. 164). Dann auch
die Fabrikation von _Oleum pini pumilionis_ in der Schweiz (z. B. im
Emmental). «Flottante Destillierblasen», Alembics voyageants (Fig.
161) finden wir bei den wandernden Destillateuren von _Lavendelöl_,
die die duftenden Berge Südfrankreichs durchziehen und für kurze Zeit
dort ihre Destillerie errichten, wo sie gerade gute Erträge zu erzielen
hoffen. In größeren Fabriken zentralisiert ist dagegen die Fabrikation
der ätherischen Öle bei Miltitz (~Schimmel~ & Co., Taf. III), Pirna
(~Hänsel~), Grasse (~Roure Bertrand Fils~ u. and.).

In die Reihe der Destillationen mit Wasserdampf (s. auch das Kapitel
Pharmakochemie) gehört auch die _Kampfer_destillation in Japan und
China, der dann eine Sublimation des Produktes und -- häufig auch --
eine Komprimierung folgt, die _Colophonium_gewinnung durch Destillation
der _Terpentine_ (Fig. 159 u. 160) -- aber nicht die Darstellung
des «_Harzöles_», das vielmehr durch trockene Destillation des
_Colophoniums_ gewonnen wird. (Vgl. das Detail in meinem Buche: +Harze
und Harzbehälter+, 1906).

[Illustration: Fig. 180.

_Aloë_bereitung am Kap. Der in die Ziegenfellmulde ausgeflossene Saft
wird in Kanister ausgegossen.]

Das Auspressen der fetten Öle, das zuerst, wie es scheint, bei der
_Olive_ (2000 v. Chr. oder noch früher), sehr früh auch bei der
_Mandel_ geübt wurde, ist jetzt durch Einführung der hydraulischen
Plattenpressen, die schon vor 20 Jahren ihren Weg selbst in die
_Cocosöl_pressereien von Ceylon gefunden hatten -- ich sah in den Mills
in Colombo nur noch mit ihnen Öl pressen -- auch in außereuropäischen
Ländern sehr vervollkommnet worden. Wenig, z. B. auf entlegenen
Inseln, findet man noch die alte _Cocosöl_presse (Taf. XVI u.
XVII), in italienischen und südfranzösischen Dörfern die primitive
_Olivenöl_presse (Fig. 174) mit dem Fiscolo (Fig. 173), auf den
Bandainseln und auf Java noch die alte Presse für _Muskatbutter_, wie
sie schon vor 200 Jahren dort üblich war.

  Die _Oliven_ kommen in Italien erst in steinerne runde Rinnen mit
  rundumlaufenden Mühlsteinen (Frantojo, Fig. 174 links). Dort werden
  sie zu Brei gemahlen und dann in die eigenartigen, aus Halphagras
  und Baststreifen geflochtenen Körbe, die sog. +Fiscoli+ (Fig. 173)
  geschoben. Diese werden, 20–25 Stück übereinander, unter einer
  Holzpresse aufgetürmt und dann gepreßt (erste Pressung). Dann kommt
  der Preßrückstand in eiserne hydraulische Pressen mit eisernen
  durchlöcherten Mänteln, die zu öffnen sind (zweite Pressung),
  die Trester liefern dann mit Schwefelkohlenstoff noch 10% Öl
  (_Sulfuröl_), der Rest ist gutes Brennmaterial für Dampfmaschinen.
  Man rechnet 30% des Gewichts der _Oliven_ Öl, 20% Feuchtigkeit. Das
  Öl wird in eigenartigen Filtrierapparaten filtriert, in denen sich
  zahlreiche Zylinder aus durchlochtem Blech, die mit einem Siebboden
  unten geschlossen und mit Baumwolle gefüllt sind, befinden. Das Öl
  kommt dann in eine gemauerte Zisterne (postura). Neuerdings ist mit
  Erfolg das Pressen der _Olive_ durch Zentrifugieren der erwärmten
  geöffneten Früchte ersetzt worden. Das Verfahren erschöpft die Frucht
  vollkommen. Das beste Öl liefern ein wenig vor Vollreife gesammelte
  _Oliven_, das meiste, von normaler Beschaffenheit, genau reife.

[Illustration: Fig. 181.

Einkochen des Saftes der _Aloe ferox_ in Kesseln durch Kaffern. Im
Hintergrunde die blühende Pflanze.]

Daß die Gewinnung des _Olivenöls_ in Italien -- unter Benutzung von
Strohkörben -- sich mindestens seit dem XVI. Jahrh. nicht wesentlich
geändert hat, zeigt die Abbildung 175.

Die _Olivenöl_pressung ist in Italien und der Provence ganz
dezentralisiert. Jeder Bauer, der eine gewisse Anzahl von
_Oliven_bäumen besitzt, hat auch seine kleine Ölmühle (trappeto).

Neuerdings wird als Ersatz des _Oliven_öls viel _Arachisöl_ und
_Baumwollsamenöl_ gepreßt.

Eigenartig ist die Gewinnung des _Ricinusöls_ in Indien. Die Samen
werden zuvor erhitzt («geröstet»), durch sanften Druck von den Schalen
befreit und zwischen warmen Plattenpressen gepreßt. Das bei 20–30°
gepreßte ist das beste. Dann steigert man die Preßtemperatur. Das Öl
wird sodann solange mit Wasser gekocht, bis alles «Eiweiß»abgeschieden
ist, die Abscheidung abgeschöpft und das Öl in flachen Gefäßen einige
Tage stehen gelassen. Dann wird es in c. 70 Liter fassende Tonkrüge
gefüllt, die bis zur Öffnung in Erde eingegraben werden (~Schulte am
Hofe~).

Durch Auspressen des von der Schale getrennten Fruchtfleisches der
_Citrone_ wird übrigens auch der _Citronen_saft gewonnen (Fig. 176).

Einige Drogen werden durch =Auskochen= der betreffenden Pflanzenteile
(_Catechu_, _Agar-Agar_) oder durch Anschneiden und =Eindicken= des
ausgeflossenen Saftes (_Capaloë_) dargestellt. Dabei geht man dann in
der Weise vor, daß man die eingedickte, halb erkaltete Masse, sei es
in Würfel (_Gambier_, Fig. 177), sei es in schmale oder prismatische
Stücke (_Agar-Agar_) schneidet oder in Kisten bezw. Kalebassen ausgießt
und in diesen vollends erkalten und erhärten läßt (_Aloë_).

[Illustration: Fig. 182.

Kessel zum Auskochen und Presse zum Auspressen der Lappen bei der
_Perubalsam_gewinnung in San Salvador. [+Preuß+ phot.]]


  Die Gewinnung der _Aloë_ aus den Blättern der _Aloë ferox_ habe ich
  (1907) nach Berichten von ~Dr. Marloth~ in Kapstadt, wie folgt,
  geschildert.

  «Die Gewinnung des Saftes geschieht noch immer nach der alten
  primitiven Methode. Eine flache Vertiefung im Boden wird mit einer
  Ziegen- oder (wo möglich) Pferdehaut bedeckt. Die abgeschnittenen
  Blätter (Fig. 178) werden rings herum zu einem kuppelartigen Bau
  von 1 m Höhe aufgepackt (Fig. 179). Nach einigen Stunden werden
  die Blätter einfach beiseite gestoßen und der ausgelaufene Saft in
  ein Gefäß gegossen, das meistens ein leerer Petroleumbehälter ist
  (Fig. 180). Am Abend wird dann der Saft in eisernen Töpfen über
  freiem Feuer ziemlich achtlos eingekocht (Fig. 181). Diesem Umstande
  verdankt die Droge ihre dunkle glasige Beschaffenheit.

  Das Eintrocknen über freiem Feuer ist eine sehr beschwerliche
  Arbeit, denn es muß fortwährend gerührt werden, um das Anbrennen zu
  verhindern. Dabei greift aber der entweichende Dunst die Augen der
  Arbeiter sehr an. Wird nicht genügend eingekocht, so läuft die Masse
  nachher zusammen, wird zu lange gekocht, so brennt sie teilweise
  an. Aus diesem Grunde scheinen viele der _Aloë_-Sammler es jetzt
  vorzuziehen, den Saft an Fabriken zu verkaufen, anstatt ihn selbst
  einzukochen.

  Neuerdings hat nämlich ein Unternehmer die Sache insofern verbessert,
  als er von den Eingeborenen den Saft kauft und ihn in flachen
  Holztrögen an der Sonne eintrocknen läßt, nachdem er einer gelinden
  Gärung überlassen wurde. Diese neue Sorte kommt unter der Marke
  «_Crown-Aloë_» in den Handel.

  Leider war der erste größere Posten dieser neuen Marke in London
  mit dem Namen _Uganda Aloë_ belegt worden, doch ist dies, wie
  ich schon neulich mitteilte, ein willkürlich erfundener Name. Diese
  neue und durchaus rationelle Darstellungsweise hat eine Zukunft.
  Die _Crown-Aloë_ erzielt in London sehr gute Preise. Sie sieht
  freilich ganz anders wie _Cap-Aloë_ aus, ist aber entschieden viel
  besser.»(~Tschirch~, Schweiz. Wochenschr. 1902, Nr. 23.)

[Illustration: Fig. 183. Aus _Kautschuk_ geformtes Gefäß in
Gestalt eines Tieres vom Amazonas. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 184. Bottle Rubber Para. Aus _Kautschuk_ geformte
Gefäße vom Amazonas. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 185. Aus _Kautschuk_ geformter Schuh vom Amazonas.
Die Form, in der vor 60 Jahren der meiste _Kautschuk_ exportiert wurde.
[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 186.

Teller aus _Nelken_ geformt. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 187.

Aus _Nelken_ geformtes Kästchen aus Amboina. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 188.

Aus _Nelken_ geformtes Schiff von Amboina. [+Tschirch+ phot.]]

Ein Auskochen findet auch bei der _Perubalsam_- und
_Styrax_-Darstellung statt. Hier werden nach erfolgter Verwundung des
Baumes und Bildung von Balsam im Neuholz aus der Wundnähe stammende
Holz- und Rindenteile abgeschabt und dann mit Wasser ausgekocht. Bei
der _Perubalsam_gewinnung werden auch die aufgelegten Lappen dieser
Prozedur unterworfen. Nach dem Auskochen wird dann abgepreßt (Fig. 182).

Ein natürliches =Bleichen= am Licht findet bei der _Macis_, die frisch
karminrot, am Licht getrocknet rötlichgelb, und beim _Carrageen_, das
frisch kirschrot, gebleicht gelblich ist, statt.

Das Bleichen des _Carrageen_ an der Sonne erfolgt erst, nachdem man den
größten Teil des roten Farbstoffes durch Einlegen und Rollen der Algen
in mit Süßwasser gefüllten Fässern entfernt hat.

Um die _Ingwer_rhizome der geschälten Sorten schön weiß zu erhalten,
werden die gewaschenen und vorsichtig geschälten Rhizome eine Nacht in
Wasser liegen gelassen, dem man oft noch Kalkmilch, Zitronensäure oder
Essig zusetzt.

=Künstliches Bleichen= durch chemische Hilfsmittel gilt bei
Drogen als unzulässig. So dürfen z. B. _Ingwer_, _Cardamomen_ und
_Carrageen_ nicht mit Chlor oder schwefliger Säure gebleicht werden.
Nur Sonnenbleiche ist zulässig. Auch das Bestreuen oder Bestreichen
geschälter weißer Drogen mit Kreide oder Gips, das hie und da bei
_Iris_ und _Ingwer_ beobachtet wurde, ist unzulässig.

Das =Kalken= der _Muskatnüsse_ dagegen ist durchaus zulässig. Es hat
nicht den Zweck, die Keimkraft zu vernichten, die bei den Samen,
besonders den geschälten, rasch erlischt, sondern dient als wirksamer
Schutz gegen Insektenfraß, wie besonders auf diesen Punkt gerichtete
Versuche, die ich vor einigen Jahren angestellt habe, bewiesen haben.

Die =Gewinnung der Gespinstfasern= gehört schon in das Gebiet der
technischen Rohstoffe. Sie beruht, soweit es sich um Bastfasern
handelt, auf der möglichst vollständigen Isolierung derselben
und Beseitigung der begleitenden Gewebe, bisweilen (_Lein_)
unter Zuhilfenahme eines eigenartigen «Fermentierungsprozesses»
(Flachsröste), der wohl darauf beruht, daß durch den Einfluß von
Bakterien die Interzellularsubstanz pektinisiert und dadurch die Zellen
leichter isoliert werden.

Die Entfernung der Samen aus der Baumwolle (das Egrainieren) bedarf
besonderer Vorrichtungen.

=Bisweilen werden die erzielten Drogenprodukte noch geformt.= Aus dem
_Kautschuk_ und der _Guarana_-Pasta formte man ehedem alle möglichen
Figuren (Fig. 183–185), jetzt werden aus ersterem meist nur Kuchen,
aus letzterem, ebenso wie aus dem erweichten _Drachenblut_ Stengel
gebildet. Das _indische Opium_ wird, wie schon oben beschrieben,
entweder zu großen Kugeln (balls Fig. 128) oder zu rechteckigen Stücken
(Fig. 132) geformt. Der _Gambier_würfel wurde schon oben gedacht (S.
135). Aus _Nelken_ werden in Amboina die zierlichsten und kunstvollsten
Gebilde hergestellt: Büchsen, Teller, Kassetten, Schiffe (Fig. 186 bis
188). Doch ist dies eigentlich mehr eine Kuriosität und Spielerei.

Auch die früher vielfach übliche kunstvolle Verschlingung von Wurzeln
ist nur noch bei der _Angelica_«in Zöpfen»in Gebrauch geblieben und von
den zahlreichen eigenartigen Packungsarten der _Sarsaparille_ sind fast
nur noch die «Puppen» der Honduras jetzt im Handel.

Auch von den vielen oft +kunstvollen+ =Gefäßen=, in denen früher
besonders weiche Drogen in den Handel gebracht wurden, haben sich
nur wenige erhalten: die kleinen Kalebassen des _Tolubalsams_ (jetzt
selten) und einer _Curare_art, die grossen der _Curaçao-Aloë_, die
Töpfe des _Tubocurare_ und die Bamburöhren des _Röhrencurare_, die wir
aber eigentlich schon zu den Packungen (s. Pharmakodiakosmie) rechnen
müssen.

[Illustration: Fig. 189.

Die Bereitung des _Palmweins_ am Kongo. Der Kuli rechts ist im Begriff,
den Schnitt am Gipfel zu machen. [+R. Visser+ phot.]]

Eine ganz besondere und eigenartige Gruppe bilden _Indigo_ und
_Lackmus_, die als solche in den Stammpflanzen nicht vorhanden sind,
sondern erst bei einem eigenartigen Behandlungsprozesse aus den in
den Pflanzen enthaltenen Chromogenen entstehen. (Vgl. das Kapitel
Pharmakochemie.)

Ein =Nachfärben= (mit Berlinerblau oder Indigo, dem Gips oder Talkum
zugesetzt wurde) findet bisweilen beim _grünen_ Tee statt.

[Illustration: Fig. 190.

Indianer bei der _Pulque_bereitung. Aufsaugen des angesammelten Saftes
mittelst Hebers. [Aus +Preuß+, Zentral- und Südamerika.]]

Ein «=Beduften=» (Scenting) scheint beim _schwarzen Tee_ hie und
da in der Weise geübt worden zu sein, daß man dem fertigen Produkt
wohlriechende Blüten beimengte und diese dann, nachdem sie ihren Duft
abgegeben hatten, wieder aussiebte. Als solche Blüten wurden genannt:
_Aurantieen_, _Aglaia odorata_, _Chloranthus inconspicuus_, _Gardenia
florida_, _Jasminum paniculatum_ und _Sambac_, _Osmanthus fragrans_.
Wie ~Tischomiroff~ durch Erkundigungen in China erfuhr, wird das
«Beduften» des _schwarzen Tees_ nicht oder doch (1893) nicht mehr
geübt. Nur in die Kisten, die «_Tee_ zu Geschenken»enthalten, wird auf
den Boden bisweilen eine fingerdicke Schicht _Aglaia_blüten geschüttet.
In Szeschuan werden bisweilen, aber nur für den örtlichen Gebrauch, die
+süßen+ Zweigspitzen von _Viburnum phlebotrichum_ dem _Tee_ beigemischt.

In Java und Ceylon fand ich (1889) weder Färben noch Beduften in
Gebrauch.

Einige Drogen, wie das _Curare_ und der _Haschisch_ gehören schon zu
den =Präparaten=, sind also eigentlich nicht mehr Simplicia, sondern
Composita. Doch wird sie wohl jeder zu den Drogen im weiteren Sinne
rechnen, trotzdem sie künstliche Gemische sind.

Die Herstellung von =gegorenen Getränken= aus Pflanzensäften fällt
schon aus dem Gebiete der Pharmakognosie heraus. Doch kann man den
_Palmenwein_ (Fig. 189), den _Cognac_, den _Arac_ und die _Pulque_
(Fig. 190) wohl noch im weiteren Sinne zu den den Pharmakognosten
interessierenden Objekten rechnen. Wenn sie auch natürlich keine
eigentlichen Drogen sind, so werden sie doch ebenso wie der Wein auch
gelegentlich zu Heilzwecken verwendet.

Bei der +Pulquebereitung+ schneidet der Arbeiter die Knospe des
Blütenstandes der _Agave americana_, bevor sich derselbe entwickelt,
ab und saugt mit einem eigenartigen Instrument (Fig. 190) den
zuckerhaltigen Saft an, der dann nach dem Vergären die «Pulque» liefert.

Bei der +Palmweingewinnung+ schneidet man ebenfalls die
Blütenstandknospe ab oder macht Einschnitte in den oberen Teil des
Stammes (Fig. 189), sammelt den austretenden zuckerreichen Saft und
läßt ihn vergären.

[Illustration: Fig. 191.

Die Räucherung des _Kautschuks_ mit Palmnüssen (Defumaçao da borracha)
im Amazonasgebiet unter Anwendung kleiner «Ruder» zur Herstellung
kleiner Kuchen. [Aus +Hubers+ Arboretum amazonicum.]]

Daß man Drogen auch =durch eine rationellere Erntebereitung verbessern=
kann, unterliegt keinem Zweifel, und man sollte gerade diesem Umstande
besondere Aufmerksamkeit widmen. Das Standardbeispiel bildet der
_Hevea_-(Para-)_Kautschuk_, der von in Ceylon, Sumatra und Malacca
kultivierten _Hevea_arten gewonnen, durch rationelles Koagulieren und
Strecken der Abscheidung zu Fellen jetzt schon in so vortrefflicher
Qualität am Markte ist, daß er im Preise an der Spitze aller Sorten
steht und schon höher wie bester brasilianischer Para bezahlt wird.

Die +Koagulation der Kautschuk-Milchsäfte+ (Fig. 191 u. 192) ist jetzt
schon eingehend studiert.

[Illustration: Fig. 192.

Kochen des Latex und der _Kautschuk_kuchen in Lusambo (Kongo).]

Man unterscheidet hier folgende Koaleszenzmittel:

  I. Natürliche Methoden:

    1. Einfaches Verdunstenlassen an warmer Luft;

    2. Verdunstenlassen am menschlichen Körper.

  II. Mechanische Methoden:

    1. Durch Schlagen, Buttern bei 50°;

    2. Durch Zentrifugieren nach ~Biffen~.

  III. Chemische Methoden:

    1. Räucherung, z. B. mit der Räucherungsmaschine von ~Cardoco
         Danin~;

    2. Einfache Kochmethode;

    3. Zusatz eines großen Quantums Wasser;

    4. Durch Salzwasser;

    5. Durch Vegetabilien, wie die Samen von _Aurantiaceen_, der Saft
         von _Sachacamote_, _Bossasangasaft_, die Wurzelknollen von
         _Ipomoea bona nox_;

    6. Durch Chemikalien, wie Alaun, Schwefelsäure, Seesalz,
         Seifenwasser, Alkohol, Sublimat, Calciumchlorid, Salzsäure,
         Phönicinschwefelsäure, Aceton, Eisessig, Ameisensäure, mit
         H₂SO₄ versetzte 4% Phenollösung;

    7. Durch Urin;

    8. Durch Sterilisieren mit Formaldehyd, Guajacol- oder Thymollösung,
         dann Verdünnen mit Wasser und Versetzen mit Oxalsäure,
         Ameisensäure, Zitronensäure oder mit wässerigen Extrakten der
         Termiten und Ameisen. (Vgl. ~Tschirch~, Harze und Harzbehälter
         1906.)

Die Sitte, =frische Pflanzenteile mit Zucker einzukochen= -- sog.
+Condita+ darzustellen, -- die früher bei zahlreichen Heilpflanzen
üblich war, z. B. auch bei _Rhiz. Enulae_, ist jetzt nur noch beim
_Ingwer_, den dickschaligen _Citrus_arten (z. B. _C. medica_) --
_Citronat_, _Cedrat_ -- und bei _Angelica_ (in Clermont Ferrand)
erhalten geblieben.

[Illustration: Fig. 193.

Die Fabrikation des _Indigo_. [Nach +Pomet+, Hist. des drogues, 1694.]]

[Illustration: Fig. 194.

Moderne _Indigo_fabrik in Indien. [Aus +Roscoe-Schorlemmer+, Lehrb. d.
Chemie.]]

[Illustration: Fig. 195.

Sortieren des _Tabak_ in Sumatra. [Kew Museum.]]

[Illustration: Fig. 196.

Zurechtschneiden der Ceylon-_Zimt_röhren auf eine Länge. [Kew Museum.]]

[Illustration: Fig. 197.

Sortieren des _Tees_ in China. [Aus Illustrierte Welt.]]

[Illustration: Fig. 198.

Auslesen von _Muskatnüssen_ auf Java. [Kolonial-Museum Haarlem.]]

[Illustration: Fig. 199.

Auslesen der _Chinarinde_ und Trocknen derselben auf _Bambu_tellern
(Tampirs) in Lembang auf Java. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 200.

Auslesen der _Rosen_blumenblätter in Grasse.]

Auch die arabische Sitte, =eingedickte Pflanzensäfte= -- +Roob+,
+Rob+, +Rubb+ -- darzustellen, ist heute nur noch bei wenigen Früchten
(_Sambucus_, _Juniperus_) beibehalten worden. Das Dorf Trimmis
(Graubünden) erzeugt jährlich mehrere 100 kg _Succus Sambuci_.

Man ist übrigens wie bei der Verpackung auch bei der Erntebereitung
ziemlich konservativ. Das _Umbaopopanax_ scheint auch heute noch auf
die gleiche Weise dargestellt zu werden wie im Altertum. Das gleiche
gilt wohl von der _Aloë_.

Wie konservativ man bei der _Indigo_fabrikation geblieben ist, lehrt
der Vergleich zwischen der Abbildung der _Indigo_bereitung, die ich
aus ~Pomet~, +Hist. gener. des drogues+ 1694 wiedergebe (Fig. 193) und
einer modernen Anlage (Fig. 194), die ich dieser gegenüberstelle.

Oft ist das geerntete Produkt nicht ganz rein und es muß dann ein
=Auslesen oder Sortieren= erfolgen. Dies geschieht bei vielen Drogen
schon beim Produzenten. Die _Tee_blätter (Fig. 197), die _Muskatnüsse_
(Fig. 198) und die _Chinarinde_ (Fig. 199) werden «verlesen», bevor man
sie verpackt, _Rosen_blätter (Fig. 200), bevor man sie destilliert.
Besonders sorgfältig geschieht das Sortieren beim _Deckblattabak_ in
Sumatra (Fig. 195). Bei der _Cubebe_, den _Umbelliferen_früchten u. a.
werden die Stiele entfernt. Die _Gummis_ und _Harze_ werden sortiert.
Vielfach geschieht das Auslesen aber auch erst in den Stapel- und
Hafenplätzen oder gar erst in den Einfuhrhäfen in Europa oder bei den
inländischen Großdrogenhäusern. Das gehört dann also schon in das
Kapitel «Behandlung der Droge im Einfuhrhafen» (s. d.).

Eine besondere Form des Auslesens ist das «=Reppeln=», das darauf
beruht, daß man die groben wertlosen Teile von der eigentlichen Droge
durch Rüttelsiebe abtrennt. So wird die _Kusso_ gereppelt, d. h. die
zarten Blüten von den derben Infloreszenzaxen getrennt, so werden durch
Reppeln auf Rüttelsieben die Sekretdrüsen und die Büschelhaare, die
die _Kamala_ bilden, von den Früchten des _Mallotus philippensis_ und
jene, die das _Lupulin_ bilden, von den Fruchtschuppen der weiblichen
Infloreszenz der _Hopfen_pflanze abgelöst.

Bei der _Baumwolle_ werden die Fruchtschalreste entfernt. Dann werden
die Haare und Samen getrennt (Egrainieren). Die Samenschalhaare bilden
die _Baumwolle_, der Samen liefert das _Baumwollsamenöl_.

[Illustration: Fig. 201.

Stampfen der zerkleinerten _Chinarinde_, um ihr Volumen zu verringern,
auf Java.]

Einige Rinden werden auch schon im Produktionslande =auf eine bestimmte
Länge zurechtgeschnitten=. Bei den _Chinarinden_ geschieht dies in
Java, um sie gut und mit möglichster Raumersparnis in den Kisten
unterbringen zu können. Beim _Ceylonzimt_ werden die aus mehreren
zusammengeschobenen Rinden gebildeten Röhren meist genau auf 1 m
gebracht (Fig. 196), aus denen dann die Fardelen gebildet werden.
Fardello bedeutet Bündel. Schon in ~Paxis~ Taripha (s. Geschichte)
findet sich: «Canelle longe in fardo». Die Packung scheint also sehr
alt zu sein.

[Illustration: Fig. 202. Einstampfen des _Yerba Mate_ in Paraguay.
[Nach +Hengstenberg+, Weltreisen.]]

[Illustration: Fig. 203.

Hydraulische Presse zur Herstellung der _Chinarinden_ballen in Colombo
(Ceylon). [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 204.

Mittelst hydraulischer Pressen hergestellte _Chinarinden_ballen in
Hultsdorf Mill, Colombo (Ceylon). [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 205.

Mittelst hydraulischer Pressen hergestellte _Baumwollen_ballen zum
Verladen bereit (St. Louis).]

Da die Dampferlinien die Fracht nach dem Volumen und nicht nach dem
Gewicht berechnen -- eine Ausnahme machen nur die Metalle -- so hat der
Versender ein Interesse, das =Volumen zu verringern=. Dies geschieht
in primitiver Weise dadurch, daß man die Drogen einstampft. Etwas
derartiges sehen wir z. B. bei den als Fabrikrinden bezeichneten
_Chinarinden_, bei denen es nicht auf schönes Aussehen ankommt (Fig.
201). Beim _Mate_ erfolgt das Pulvern durch Schlagen mit hölzernen
Stäben (Fig. 202). Oder man bedient sich zum Zusammenpressen
hydraulischer Pressen. Dies geschieht z. B. bei der _Chinarinde_ in
Ceylon (Fig. 203 u. 204) und der _Baumwolle_ (Fig. 205). Doch dies
gehört schon in das Gebiet der Verpackungen (s. d.). Bei dem _Mate_
(Fig. 206) und bei dem zur _Ziegeltee_bereitung benutzten _Tee_pulver
(Fig. 207) bedient man sich auch eigenartiger Mühlen, um das Material
zu Pulver zu mahlen. Die _Reis_mühle dagegen entfernt die Spelzen und
die Schale, «schält» also nur.

[Illustration: Fig. 206.

Primitive _Yerba_-Mühle in Paraguay. [Nach +Hengstenberg+, Weltreisen.]]

[Illustration: Fig. 207.

_Tee_mühle zur Bereitung des Ziegeltees.]

Ganz einzig in seiner Art ist das =Zeichnen der noch an der Pflanze
hängenden Vanillefrüchte zum Schutz gegen Diebstahl=. Die Pflanzer in
Bourbon zeichnen nämlich mit Hilfe von Nadeln alle Früchte noch am
Stock. Die Anordnung der Stiche ist auf den Plantagen verschieden, aber
jede hat ihre besonderen Zeichen. Bald bilden die Stiche zusammen
genommen arabische Ziffern (5, 6, 8, 10), bald Buchstaben (D bedeutet
z. B. die Plantage von Dureau de Vaulcomte), und viele dieser Zeichen
sind auf dem Gerichte als «Schutzmarke» eingetragen. Werden nun
gestohlene Früchte angeboten, so wissen die Händler sofort, wo sie
gestohlen sind und wem sie gehören.

Die =Abfälle der Erntebereitung= werden bei vielen Drogen verwertet.
Die Preßrückstände der Öldrogen, z. B. die _Cocos_preßkuchen, die
_Sesam_-, _Mohn_- und _Senf_preßkuchen werden als stickstoffreiches
Futtermittel benutzt, ebenso die extrahierten und getrockneten
Rübenschnitzel der Zuckerfabriken. Die Destillationsrückstände der
Fabrikation ätherischer Öle dienen als Düngemittel, ebenso die
Fruchtschalen des _Kaffee_ und der _Muskatnüsse_. Letztere dienen
aber auch, in Gruben der Zersetzung unterworfen, als Nährboden für
den _Muskatpilz_ (djamur pala), einem beliebten Leckerbissen auf den
Bandainseln. Die Abschabsel beim Schälen der _Zimtrinde_ werden zur
Öldestillation benutzt.

An der Gewinnung der Drogen beteiligen sich alle Rassen und fast alle
Nationen der Welt, wie man leicht beim Durchsehen der Abbildungen
dieses Buches feststellen kann, auf denen sich Vertreter aller Völker
dargestellt finden: Kaffern, Neger, Singhalesen, Tamils, Malaien,
Javanen, Chinesen, Japaner, Türken, Brasilianer, Mittelamerikaner
und alle Nationen Europas (Spanier, Griechen, Italiener, Bulgaren,
Deutsche, Franzosen, Engländer, Holländer usw.).



                               Aus fernen Landen bringen die Galeeren
                               Gold, Weihrauch und Gewürze sonder Zahl,
                               Heilkräft’ge Kräuter, Balsam,
                                                     Silphium, Myrrhe --


IV. Pharmakoëmporia.


Die Pharmakoëmporia (von ἐμπορία = Großhandel) oder der
Großdrogenhandel ist der Teil der Pharmakognosie, der sich mit dem
Schicksal der Droge vom Orte der Gewinnung bis zum Eintritt in den
Kleinhandel beschäftigt. Er umfaßt die Handelswege, die Ausfuhr-
und Einfuhrhäfen, die Behandlung der Droge im Einfuhrhafen, die
Produktions- und Exportlisten und auch die Maße und Gewichte des
Drogenhandels.


                        Ein Handelsweg ist allemal auch eine Kulturbahn.
                                                          ~Andree~.


1. Handelswege.


a. +Handelswege in früherer Zeit.+

Hierzu die zwei Karten: Die Handelsstraßen im Altertum und im
Mittelalter.

Wie das Mittelmeergebiet neben Mesopotamien die Wiege der Kultur ist,
so ist es auch die +Wiege des Handels+. Seine reiche Küstenentwicklung
lud frühzeitig die rings um dasselbe wohnenden Völker dazu ein, in
Handelsbeziehungen zueinander zu treten. Hier war es, wo der Mensch
zuerst die See befahren lernte und sich zuerst auch bei stürmischem
Wetter von der Küste zu entfernen wagte. Die Gliederung des
wüstenreichen asiatischen Festlandes dagegen bedingt es, daß in ihm von
jeher der +Land- und Karawanenhandel+ blühte, während die Länder des
Mittelmeers die Wiege des +Seehandels+ sind.

Die älteste Form der Verkehrswege, die bald zu Handelswegen wurden,
sind ja offenbar die Flüsse gewesen. Die größeren Landstraßen, zunächst
aus militärischen Gründen als Heerstraßen angelegt, wurden erst später
Handelsstraßen. Die großen Straßenbauten der Römer, die Via Appia
zwischen Rom und Capua (IV. Jahrh. v. Chr.), die Tiberius- und die
Trajansstraße (103 n. Chr.) an der Donau entlang, die zehn kühnen
Straßen über die Alpen, wahre Meisterwerke der Ingenieurkunst, dienten
wie die gleichfalls von den Römern angelegten in Hispanien, Gallien,
Germanien, Britannien und die asiatischen, die fast bis zum Persischen
Golf reichten, -- die Gesamtlänge des römischen Straßennetzes erreichte
schließlich die Länge von 10220 geographischen Meilen -- zunächst
militärischen Zwecken und verfielen z. T. mit dem Verfall des
römischen Reiches. Erst ~Karl der Grosse~ sorgte wieder für bessere
Verkehrswege durch Ausbau der alten Römerstraßen und Anlage neuer,
sowie durch Verbesserung des Flußverkehrs und Anlage von Kanälen (Fossa
carolina zwischen Donau und Rhein).

[Illustration: Fig. 208.

Passar Bogor. Der Markt von Buitenzorg, oberes Ende. Im Hintergrunde
ein chinesischer Tempel und die Bäume des botanischen Gartens (Java).
[+Tschirch+ phot.]]

Vielfach hat Eroberungssucht die Handelswege geöffnet. Die Fahrten des
großen ~Ramses~ an den Küsten des Roten Meeres, der Zug ~Alexanders~
nach Osten bis nach Indien, der Indien- und Skythenzug des ~Darius~,
der Zug der Araber nach dem Westen bis nach Spanien, die zahlreichen
Expeditionen der Römer nach allen Himmelsrichtungen, selbst bis
nach Fessan und dem Sudan und der Zug gegen die Parther waren
+Eroberungszüge+, aber auf ihren Spuren blühte allmählich der Handel
empor. Doch zog man schon frühzeitig auch nur um wertvolle Waren von
fernher herbeizuschaffen nach entlegenen Ländern. Die Ophirfahrten
der Phönikier und ihre Expeditionen rings um das Mittelmeer bis über
die Säulen des Herkules hinaus und auf dem Roten Meer nach Süden,
die Reisen der Römer und Araber nach China und der Chinesen nach dem
Persischen Golf und dem Roten Meer, wie die der Russen durch Sibirien
bis ans Ochotzkische Meer waren ausschließlich +Handelsfahrten+ ohne
politischen Hintergrund. Bei Portugiesen und Spaniern war beides im
Spiel. Die Portugiesen suchten sich aber doch nur deshalb in den Besitz
der erreichten Länder zu setzen, um die Gewürze für sich monopolisieren
zu können und bei den Spaniern spielte stets die Sucht nach Gold die
Hauptrolle. Seinetwegen fuhren sie aus El Dorado zu suchen. Auch die
Reisen der ~Polos~ im XIII. Jahrh. nach China, ~Pegolottis~ im XIV.
Jahrh. und ~Barthemas~ im XVI. Jahrh. nach Indien waren Handelsreisen.
Ein drittes Moment für die Eröffnung von Handelswegen war die
+Auswanderung und Kolonisation+, die wir schon bei der Fahrt nach dem
Süden des Karthagers ~Hanno~ im V. Jahrh. v. Chr. als treibende Kraft
finden und die so viel zur Erschließung Nordamerikas und Australiens
beigetragen hat. Ferner haben auch die +Gesandtschaften+ neue Wege
geöffnet. So gingen schon im III. Jahrh. v. Chr. zwei mazedonische
Gesandtschaften an den Hof indischer Fürsten in das Gangestal und 165
n. Chr. sandte ~Marc Aurel~ Gesandte auf dem Seewege über Tonkin nach
China. Viel später folgte (1246) die Reise des päpstlichen Delegaten
~Plan Carpin~ an den Hof der mongolischen Herrscher.

[Illustration: Fig. 209.

Transport von Waren auf dem Kopf durch Zulumädchen (Südafrika).
[+Underwood+ phot.]]

Aber noch viel umfangreicher und weitausgreifender wirkten die
+Glaubensmissionen+ und +Pilgerreisen+ zuerst der Buddhisten durch ganz
Ostasien, dann die der nestorianischen Christen, die zu Verbindungen
Europas mit dem Mongolenreiche und der Einführung des Christentums
in China und das übrige Asien führten. ~Joh. von Montecorvino~
baute 1305 zwei Kirchen in Peking. Aber schon 530 n. Chr. bestanden
Christengemeinden in Malabar und Ceylon. Auch die Mönche ~Carpini~ und
~Rubruquis~ erreichten im XIII. Jahrh. wie ~Odorico de Pordenone~ im
XIV. Jahrh. das chinesische Reich.

[Illustration: Fig. 210.

Eine Karawane für den Transport des _Kautschuk_ über Land im
Kongogebiet. [+Visser+ phot.]]

Dann brachten auch +Abenteurer+, wie der Ritter ~Mandeville~ († 1371)
Nachrichten.

Endlich haben auch rein +geographische Reisen+ neue Handelswege
erschlossen, besonders die der Araber im Mittelalter, die ein ganzes
Heer von Forschungsreisenden hervorbrachten (s. Geschichte). «Die
größten Schiffervölker des Altertums waren die mittelmeerischen
Phönikier und Griechen. Von +Südgallien+ liefen unter griechischer
Führung die größten maritimen Entdeckungsexpeditionen aus, von denen
die Geschichte vor der Zeit der transatlantischen Entdeckung berichtet»
(~F. Ratzel~, +Das Meer als Quelle der Völkergröße+) und ~Necho~, der
Sohn des ~Psammetich~, ließ im VII. Jahrh. v. Chr. durch phönikische
Seefahrer ganz Afrika von Ost nach West umschiffen. So sehen wir denn
schon im Altertum ein reiches Netz von Handelsstraßen entstehen.

[Illustration: Fig. 211.

Mit _Moka-Kaffee_ beladene Kamele einer arabischen Karawane. [Aus Les
grandes cultures.]]

Sehr frühzeitig siedelten sich Hindus auf Socotra an, Malabaren im
südlichen Arabien. Die Tarschischschiffe ~Salomos~ und ~Hirams~, mit
phönikischen Matrosen bemannt, erreichten die Gestade östlich vom
Indusdelta und schon in der Mitte des I. Jahrh. fuhr ~Hippatus~ mit
Benutzung der Monsune vom Golf von Aden über den Indischen Ozean nach
der Küste von Malabar. In den letzten Jahrhunderten des Altertums
blühten in Vorderindien als Stapel- und Handelsplätze indischer Drogen
+Patala+ (Haidarabad) am Indusdelta, +Barygaza+ (Beroach) nördlich
von Bombay, +Calliene+ bei Bombay, +Muziris+ (Mangalore), +Nelkynda+
(Nelliseram) an der Küste von Malabar und +Taprobane+ (Ceylon). Auf der
Ostküste lag +Mavalipuram+, von welchem Platze aus ein Handelsverkehr
mit Hinterindien, dem «goldreichen Chryse» des Altertums, unterhalten
wurde.

Nach Norden führten von Indien zwei Handelsstraßen, die eine direkt
nach Norden über die Gebirgskette, die Kaschmir und Badagschan trennt,
die andere über die Keyberpässe nach Kabul und Bactrien, den ältesten
Kulturgebieten der Menschheit.

[Illustration: Fig. 212.

Bepackungsart der Kamele und Dromedare für den Transport der Waren
durch die Wüste. Das Kamel trägt 700–800 Pfund und legt damit täglich
10 Wegstunden zurück. [Nach +W. Heubach+.]]

[Illustration: Fig. 213.

_Tee_karawane im Begriff Peking zu verlassen. Das Kamel ist das
Hauptkarawanentier vom Niger bis nach Peking. [Aus Les grandes
cultures.]]

[Illustration: Fig. 214.

Urwaldtransport der _Yerba Mate_ in Paraguay. [Nach +Hengstenberg+,
Weltreisen.]]

[Illustration: Fig. 215.

Transport der entblätterten _Zuckerrohr_stengel auf Karbaukarren nach
der Fabrik in Java. [Kolonial-Museum Haarlem.]]

[Illustration: Tafel XVIII

Karren (Bullock cart) in Ceylon gebräuchlich zum Transport der Waren
(_Tee_, _China_, _Kautschuk_) zur Station oder dem Hafen.]

[Illustration: Fig. 216.

Ein zur Küste fahrender, mit _Baumwoll_ballen beladener Wagen in Togo.]

[Illustration: Fig. 217.

Transport von Warenballen (z. B. _Senna_) auf Flußschiffen den Nil
abwärts. [+Augusta Flückiger+ phot.]]

[Illustration: Tafel XIX

Dattelpalmenhain an den Ufern des Nil. Typus der Schiffe für den
Warentransport auf dem Nil.]

Bereits ~Ramses~ soll den Plan gehabt haben, den Nil mit dem Roten
Meere zu verbinden, also einen «Suezkanal» zu bauen, und der Sohn des
~Psammetich~, ~Necho~, hatte den Kanal bereits bis zu den Bitterseen
fertiggestellt (610 v. Chr.), aber erst ~Dareios Hystaspis~ führte
das Werk (oberhalb Bubastis) zu Ende. Der Kanal blieb bis auf ~Marc
Aurel~ schiffbar. Eine Straße, von ~Ptolemaeus Philadelphus~ angelegt,
verband Berenice mit Koptos am Nil, auf der man die indischen Waren
mit Benutzung des Nil und unter Vermeidung des Kanals, aber
doppelt umgeladen, nach Alexandrien, dem Hauptvermittler zwischen
Orient und Occident, bringen konnte. Aber nicht nur quer über den
Indischen Ozean führte der Weg, bei günstigem Südwestmonsun in 40
Tagen, nach den großen Hafenplätzen an der Malabarküste, nach Muziris,
Nelkynda und Kottonarike (Cochin), auch an den Küsten entlang ging die
Fahrt und wohl erreichten einzelne Schiffe schon im I. Jahrh. n. Chr.
Kap Comorin, die Halbinsel Malacca, ja selbst Java und Borneo. Um diese
Zeit finden wir wenigstens den hellenischen Abenteurer ~Jambolos~
sieben Jahre im malaiischen Archipel tätig. Zur Zeit des ~Plinius~
flossen bereits aus dem römischen Reiche 16 Millionen Mark für Waren
nach Indien ab.

  Sehr hübsch entwickelt ~Plinius~ die Gründe, warum der _Weihrauch_ in
  Rom im Anfang unserer Zeitrechnung so teuer ist. Er sagt:

  «Der gesammelte _Weihrauch_ wird auf Kamelen nach Sabota, der
  einzigen dahin führenden Pforte gebracht. Nach den Gesetzen steht
  Todesstrafe darauf vom Wege abzuweichen. Dort empfangen die Priester
  für den Gott, welchen sie Sabis nennen, den zehnten Teil dem Maße,
  nicht dem Gewichte nach; eher darf nichts davon verkauft werden.
  Von jenem Anteile werden die öffentlichen Kosten bestritten, denn
  der Gott unterhält die Fremden eine gewisse Anzahl von Tagereisen
  hindurch. Der _Weihrauch_ kann nicht anders als durch das Land der
  Gebaniter ausgeführt werden, daher wird auch dem Könige derselben ein
  Zoll erlegt. Ihre Hauptstadt Thomna ist von der auf unserer Küste
  gelegenen jüdischen Stadt Gaza 4436000 Schritte entfernt, welche
  Strecke in 65 Kamelstationen geteilt wird. Auch den Priestern und
  Schreibern der Könige werden bestimmte Anteile gegeben. Außer diesen
  plündern noch die Wächter, Trabanten, Pförtner und Bedienten davon.
  Wohin ihr Weg geht, müssen sie hier für Wasser, dort für Futter, oder
  für das Quartier allerlei Zölle zahlen, so daß die Kosten für jedes
  Kamel sich bis an unsere Küste auf 688 Denare belaufen und dann wird
  noch an die Zollpächter unseres Reiches abgegeben. Daher kostet ein
  Pfund des besten _Weihrauchs_ 6, die zweite Sorte 5 und die dritte 3
  Denare.»

[Illustration: Fig. 218.

Boote zum Warentransport auf dem Amazonas. [Aus +Ackermann+, Au pays du
Caoutschuk.]]

  Die berühmte _Weihrauch_straße der Karawanen besitzt jedenfalls eine
  große Bedeutung für die Entwicklung des Verkehrs im Gebiete des Roten
  Meeres.

  Wie ungeheuer bisweilen der Verbrauch an _Weihrauch_ war, geht u. a.
  aus der Erzählung des ~Herodot~ hervor, daß die Befehlshaber der
  persischen Flotte bei Beginn des zweiten Feldzuges gegen die Griechen
  zu Ehren des Apollo auf Delos 300 Zentner _Weihrauch_ verbrannten.

[Illustration: Fig. 219.

Mit _Zuckerrohr_ beladene Kähne in Penang. [Aus Les grandes cultures.]]

Von der anderen Seite schob sich dann in den ersten nachchristlichen
Jahrhunderten der chinesische Handel dem europäischen entgegen und
drang bis gegen Ceylon und Java, ja schließlich bis nach Hira am
Euphrat vor. Im IV. Jahrh. kamen chinesische Schiffe nach Bengalen
und Ceylon, im V. Jahrh. bis Hira, im VI. Jahrh. bis ins Rote Meer.
Der chinesische Handel wurde aber vom VII. Jahrh. an ganz durch
persische und arabische Händler zurückgedrängt. Java bereisten
die Chinesen erst im V. Jahrh. Vom IV.–XIV. Jahrh. sind Fahrten
chinesischer Handelsschiffe bis Ceylon, zu den Mündungen des Indus
und des Schatt-el-arab (der Vereinigung des Euphrat und Tigris)
beglaubigt (~Dulaurier~). Der Handel zwischen dem Mittelmeergebiet und
den Molukken wurde bis gegen Ende des Mittelalters durch Vorderindien
vermittelt, das seit dem I. oder II. Jahrh. mit dem malaiischen
Archipel Verkehr unterhielt.

Ein anderes Zentrum war der Persische Golf, den schon Chaldäer und
Phönikier, als Vermittler zwischen Indien und Mittelmeergebiet, zu
hoher Bedeutung gebracht hatten und den der schiffbare Euphrat mit
Babylon verband, das bereits unter ~Nebukadnezar~ ein Meßplatz erster
Klasse für indische Waren war.

Außerordentlich rege war dann später (IX. Jahrh. n. Chr.) der
Handelsverkehr der Araber mit den Chinesen, der von Basra über Siruf
und Ormuz nach Indien und über Ceylon nach Khanfu in China führte, aber
nach der Plünderung Khanfus sich auf einen Hafen Javas zurückzog.

Auf dem +Landwege+ begegneten sich noch viel früher zuerst Waren des
Orients und Occidents zwischen Indus und Oxus. Hier treffen wir als
älteste Stapelplätze Attok, Cabura, Bactra und Maracanda.

[Illustration: Fig. 220.

Zum Kali besar führender Kanal im Chinesenviertel in Batavia. Auf den
Leichtern Säcke mit _Chinarinde_ und _Kaffee_. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 221.

Transport der _Teer_fässer auf den stromschnellenreichen Flüssen
Finlands. Uleåborg.]

Von Attok, am Zusammenflusse des Indus mit dem Nabal, ging eine
Karawanenstraße nach Cabura, gabelte sich hier in einen nördlichen
Zweig zum Oxus zu den Skythen und einen südlichen über Kandahar zu
der Pylae Caspiae und Babylon durch das Gebiet der Parther und Meder.
Von Babylon führten dann Straßen nordwärts zum schwarzen und
westwärts zum Mittelmeer. Schon 2000–1000 v. Chr. muß ein lebhafter
Karawanenhandel zwischen Babylon und China sowie Indien bestanden haben.

Nicht geringere Bedeutung besaß Arabien für den Zwischenhandel, das
von zwei großen Karawanenstraßen durchzogen wurde. Die eine ging von
Cane (nicht weit vom heutigen Aden) über Saba, Macoraba und Onne nach
Damascus, die andere vom Persischen Golf, den phönizischen Kolonien
Arados und Tylos, quer durch Arabien nach Onne und weiter nach Tyrus
und Sidon, den Haupthandelsemporien der +Phönikier+, die vom XII.–V.
Jahrh. v. Chr. auch den gesamten Transithandel indischer Waren
vermittelten. Eine Verschiebung erfuhr der Handel im Orient im VI.–IV.
Jahrh. v. Chr. durch das Emporkommen der +Perser+, die allmählich
den gesamten Transitverkehr durch ihr Reich leiteten und erhebliche
Transitzölle erhoben. Die wichtigsten Zoll- und Stapelplätze der
Perser, die während nahezu fünf Jahrhunderten den ganzen Handel mit
China, Indien und Südasien vermittelten, waren Artaxata, Nisibis und
Calliricum am Euphrat.

Die Handelsmonopole der Perser zu brechen war oberstes Ziel der
oströmischen Kaiser (besonders ~Justinians~), die den Handel vom
Persischen Golf abzuziehen und zum Roten Meer und Äthiopien hinzuziehen
sich bestrebten. Es war dies schwierig, denn überall trafen die
griechischen Kaufleute auf persische, die ihnen zuvorgekommen waren und
ihnen große Schwierigkeiten in den Weg legten, was denselben bei ihren
alten und guten Verbindungen in Indien nicht schwer wurde. Schließlich
gelang es aber, einen direkten Handelsverkehr zwischen Indien und
den Häfen am Roten Meer (Berenice, Akaba und Kolsum) einzurichten.
Die Gewürze der Molukken kamen wohl erst im IV. Jahrh. n. Chr. nach
Europa, _Nelken_ waren im VI. Jahrh. schon ziemlich billig (~Alexander
Trallianus~).

[Illustration: Fig. 222.

Flußtransport des _Yerba-Mate_ in Paraguay. [Nach +Hengstenberg+,
Weitreisen.]]

Schon zu jener Zeit gab es drei große Karawanenstraßen von China nach
dem Abendlande. Die südlichste über Chotan und Jarkand und den Pamir
nach Afghanistan und Indien (Daybal), die mittlere nördlich vom Tarim
über Karaschar und Kaschgar nach Persien und die nördlichste über
Barkul zum Syrdarja und dem Aralsee durch die Dsungarei.

Im VII. und VIII. Jahrh. traten die +Araber+ auf den Plan, die den
Handel weiter nach Osten ausdehnten und in Kalah in Malacca mit
den Chinesen in Beziehung traten. Im X. Jahrh. bestand ein reger
chinesisch-arabischer Handelsverkehr zwischen dieser Stadt und Siraf
am Persischen Golf. Auch an der Malabarküste und auf Ceylon siedelten
sich arabische Kaufleute an und Daybal an der Indusmündung wurde
Haupthandelsemporium des Ostens, zu dem nicht nur die Waren Indiens,
Persiens und Arabiens, sondern auch die Chinas sowohl zu Wasser
(über Ceylon) als zu Lande auf der oben beschriebenen südlichsten
Karawanenstraße zusammenströmten, nachdem sie sich in dem großen
Stapelplatze Multan im Pandschab gesammelt hatten.

[Illustration: Fig. 223.

Einschiffen der _Wermuth_ballen (_Artemisia Absynthium_) bei Besançon
auf dem Rhein-Rhone-Kanal. [Nach +Roure-Bertrand+.]]

[Illustration: Tafel XX

Kähne für den Warentransport auf den Flüssen von Ceylon (Kalu-Ganga bei
Ratnapura). Rechts Bambugebüsch.]

Suhar und Maskat in Arabien, am Eingange des Persischen Golfes, blühten
empor und Aden erlebte seine erste Blüte. So war es gelungen, den
Handel von Persien abzuziehen und selbst den chinesischen Landverkehr
nach arabischen Häfen zu leiten. Das Rote Meer nahm die indischen
Waren wieder auf und da der Kalif Omar im VII. Jahrh. den Kanal, der
den Nil, speziell Kairo, mit dem Roten Meere verband, wieder hatte
herstellen lassen, konnten die Waren ohne umzuladen von Indien nach
den Häfen des Mittelmeers gelangen. Auch als ein Jahrhundert später
der Kanal versandete, blieb doch die einmal gewonnene Handelsstraße
über Ägypten und Syrien erhalten. Auf ihr gelangten die Waren bis
ins XII. Jahrh. hinein nach Trapezunt, Damaskus und Jerusalem,
die zu bedeutenden Handelsplätzen heranwuchsen. Ägypten war der
Schlüssel des indischen Handels geworden und die Sultane erhoben
jetzt die Zölle, die ehedem die persischen Schahs erhoben hatten. Vom
XII.–XIV. Jahrh. waren Kairo, das damals Babylon genannt wurde, und
Alexandrien Städte von riesiger Ausdehnung. 1342 treffen wir sogar
eine chinesische Gesandtschaft beim Sultan in Kairo. In Alexandrien
gab es bereits damals «meistbegünstigte» Nationen. So zahlten z. B.
die Venetianer auf Drogen nur 10%, die übrigen Völker dagegen 16%
Zoll. Nun begann die Blüte des +Levantehandels+. Vom X. Jahrh. bis zum
Ausgang des Mittelalters lag der Handel in den Händen der italienischen
Handelsrepubliken, zuerst von Bari, Salerno, Neapel und Gaeta, dann von
Amalfi, Pisa, Genua und Venedig. Anfangs war Akkon, an der Küste von
Palästina, dann, als dieses (1291) den Sarazenen wieder in die Hände
fiel, Famagusta auf Cypern und Lajazzo an der Bucht von Alexandrette
Haupthandelsemporien der Levante. Dann blühte Kaffa (Kapha) in der
Krim. Bis nach Mingrelien, zum Kaspischen Meer und der Donmündung
erstreckten sich die Niederlassungen der Genuesen.

Aber die alexandrinischen Zölle waren hart und so erscheint das
Bestreben begreiflich, den Handel wieder vom Roten Meere abzulenken. Es
gelang dies (wenn auch nicht ganz) und so sehen wir denn im XIII. und
XIV. Jahrh. indische Waren wieder in größerer Menge auf dem Landwege
nach den syrischen Häfen gelangen. Zur Zeit des Timur Lenk (um 1400)
gingen Karawanen mit Ingwer, Zimt, Muskat und Nelken von Indien auf
dem Landwege, über Afghanistan, nach Samarkand und nach Tauris und
Sultaniah in Persien. Im XIV. Jahrh. war Konstantinopel ein wichtiger
Handelsplatz für die von Indien über Land kommenden Waren. Dort sah
Pegolotti Muskatnüsse pfundweise verkaufen.

[Illustration: Fig. 224.

Eine Handelsfaktorei am Kongo. [+Visser+ phot.]]

«Die Bedeutung des +Schwarzen Meeres+ für den Handel beruhte nicht bloß
auf dem Produktenreichtum, sondern auch in der geographischen Lage
seiner Gestade. Denn mehrere wichtige Handelsstraßen Innerostasiens
wie Europas mündeten daselbst und dieser Umstand hat den Pontus
Euxinus in ruhigen Zeiten stets zu einem Knotenpunkt des Weltverkehrs
erhoben»(~Engelmann~). Schon zur Zeit der althellenischen Kolonisation
(VIII. und VII. Jahrh. v. Chr.) gab es an seinen Ufern zahlreiche
Handelsstädte und Byzanz und Chalsedon erhoben einen «Sundzoll». Bis
zum VIII. Jahrh. n. Chr. war der Dnjepr Handelsstraße und Oleschkie
(Cherson), an seiner Mündung, Stapelplatz und Hafen der Russen. «Von
ihrer Hauptstadt Kiew, lange Zeit Mittelpunkt des innerrussischen
Handels mit zwölf Marktplätzen und acht Jahrmärkten, wo Griechen und
Armenier, Regensburger, Augsburger und Venetianer, Ungarn und Bulgaren
zusammenkamen», fuhren die russischen Kaufleute auf dem Dnjepr,
der «griechischen Straße», nach Oleschkie und Konstantinopel. «Auf
demselben Wege standen die Ostseeländer, namentlich Nowgorod und später
Riga, mit dem Pontus in Verbindung.»Später ging der Weg nicht mehr nach
Konstantinopel. Don und Wolga übernahmen ihn und von Tabris gingen die
Waren direkt nach Itil (Astrachan) und auf der Wolga weiter nördlich.
Alle diese Verkehrskanäle liefen schließlich in Tana (Asow) an der
Mündung des Don, dem großen nördlichen Handelsemporium, zusammen.

[Illustration: Fig. 225.

Mit _Aloësaft_ gefüllte Fässer vor einer Faktorei in Südafrika.]

Bagdad und Basra hatten zwar im XIII. Jahrh. ihre durch mehrere
Jahrhunderte behauptete Bedeutung als Hauptstapelplätze für den
asiatischen Durchgangsverkehr z. T. verloren und Tebris, die Hauptstadt
Persiens, war emporgewachsen, doch behielten sie auch ferner Bedeutung.
So gingen im XIV. Jahrh. die Waren, die Ägypten nicht berühren sollten,
von den ostindischen Häfen (Mangalore, Calicut und Quilon) nach Ormuz
am Eingange des Persischen Golfes, dann den Euphrat empor und über
Bagdad zur syrischen Küste oder über Tebris ans Schwarze Meer. In
Bagdad und Tebris trafen sie auf die von China kommenden Karawanen, die
im XIII. und XIV. Jahrh. einen sehr lebhaften Überlandverkehr zwischen
Ost und West unterhielten. Immerhin verblieb Ägypten noch genug, dessen
Handel im XIV. und XV. Jahrh. eine neue Blüte erlebte.

All dies sank in Trümmer, als die Portugiesen den Seeweg nach Ostindien
entdeckt und damit eine direkte Verbindung zwischen Indien und Europa
hergestellt hatten, die sowohl Persien und Arabien als auch Ägypten
umging, aber auch dem blühenden Levantehandel der italienischen
Handelsrepubliken die wichtigsten Zufuhren unterband.

Vom Jahre 1498 an verlor das Mittelmeer, verloren die Staaten
südlich vom Kaspischen Meer ihre Bedeutung für den Welthandel: die
portugiesischen Schiffe, die in Indien sich befrachtet hatten, landeten
in Lissabon. Und in Spanien landeten die Schiffe, die reichbeladen von
den Gestaden des neuentdeckten Amerika heimkehrten.

Wie dann erst die Portugiesen, dann die Spanier, dann Holland und
Frankreich und endlich England Beherrscher des Welthandels wurden
und schließlich in unseren Tagen alle großen Kulturnationen, auch
Deutschland und Nordamerika, in die Reihe der Großhandelsstaaten
eintraten -- das gehört der neuen Zeit an. Es wird im historischen
Teile dieses Buches, soweit der Drogenhandel in Betracht kommt,
geschildert werden.

Die Handelsgeschichte wird jetzt meist in folgende Abschnitte geteilt
(~Rich. Mayr~):

  I. Altweltliche oder thalassische (Binnenmeer-)Zeit, 4000 v. Chr. bis
       1492 n. Chr.

     1. Altertum, 4000 v. Chr. bis 395 n. Chr.

       a) Altorientalische Periode, 4000–500 v. Chr.
            b) Hellenisch-karthagische Periode, 500–146 v. Chr.
            c) RömischePeriode, 146 v. Chr. bis 395 n. Chr.

     2. Mittelalter, 395–1492 n. Chr.

       a) Byzantinisch-islamitische Periode, 395–1096.
            b) Italienisch-hansische Periode, 1096–1492.

  II. Alt- und neuweltliche (ökumenische) oder ozeanische Zeit, 1492
      bis zur Gegenwart.

     1. Neuzeit, 1492–1815.

       a) Spanisch-portugiesische Periode, 1492–1600.
            b) Niederländisch-britische Periode, 1600–1815.

     2. Neueste Zeit.

       Britisch-amerikanisch-deutsche Periode, seit 1815.

«Der Handel, kostbaren Waren des Stein-, Tier- und Pflanzenreiches
nachgehend, ist der größte Verbreiter menschlicher Gesittung geworden,
wenn ihn auch nicht sittliche Beweggründe dabei leiteten.»(O.
~Peschel~.)

  Lit. +Peschel+, Das Zeitalter der Entdeckungen. 1858. -- +Heyd+,
  Geschichte des Levantehandels im Mittelalter. 2 Bd. 1879. --
  +Gildemeister+ und +Hoffmann+, Die ätherischen Öle. 1899. --
  +Richter+, Handel und Verkehr der wichtigsten Völker des Mittelmeeres
  im Altertum. 1886. -- +Kießelbach+, Gang des Welthandels im
  Mittelalter. 1860. -- +Scherer+, Allgem. Geschichte des Welthandels.
  2 Bd. 1852. -- +Beer+, Allgem. Geschichte des Welthandels. 5 Bd.
  1860–1884. -- +Andree+, Geographie des Welthandels. 3 Bd. 1877–1879.
  -- +Sonndorfer+, Die Technik des Welthandels. Wien-Leipzig.
  -- +Büchele+, Geschichte des Welthandels. 1867. -- +H. Cons+,
  Précis d’histoire du commerce. 1896. -- +Noël+, Histoire du
  commerce du monde. 1892–94. -- +Heeren+, Ideen über d. Politik,
  d. Verkehr u. d. Handel d. vornehmst. Völker d. alt. Welt (dort
  d. Handelsstraßen d. alt. Asien). -- +Aloys Schulte+, Geschichte
  d. mittelalterlich. Handels u. Verkehrs zwischen Westdeutschland
  u. Italien. -- +Sombart+, Moderner Kapitalismus. -- +Resch+, Die
  Aufeinanderfolge der Handelsherrschaften. 1885. -- +Götz+, Die
  Verkehrswege im Dienste des Welthandels. 1888. -- +Barth+, Wandlungen
  im Welthandel. 1882. -- +Engelmann+, Geschichte des Handels- und
  Weltverkehrs in übersichtlicher Darstellung. 1899. -- +Rich. Mayr+,
  Lehrbuch der Handelsgeschichte auf Grundlage der Sozial- und
  Wirtschaftsgeschichte. 1907. -- +Max Georg Schmidt+, Geschichte
  d. Welthandels (Bändchen 118 der Sammlung «Aus Natur u. Geist»).
  Leipzig 1906. Ein kleines aber für unseren Zweck sehr brauchbares
  Buch. -- +Speck+, Handelsgeschichte des Altertums. 3 Bd. 1900–1906.
  -- +Hüllmann+, Handelsgeschichte der Griechen. 1839. -- +Sprengel+,
  Geschichte der wichtigsten geographischen Entdeckungen. -- Die
  Literatur der Entdeckungsreisen im XIII. bis XVII. Jahrh. wird im
  Kapitel Pharmakohistorie besprochen.

  +Spezielle Literatur+: +Prax+, Commerce de l’Algérie avec la
  Mecque et le Soudan. Paris 1849. -- +C. von Scherzer+, Smyrna mit
  besonderer Rücksicht auf die geographischen, wirtschaftlichen und
  intellektuellen Verhältnisse von Vorder-Kleinasien. Wien, Hölder.
  1873. -- +J. Zwiedinek von Südenhorst+, Syrien und seine Bedeutung
  für den Welthandel. Hölder 1873. -- +Flückiger+. Ausfuhrprodukte
  Smyrnas und Syriens. Arch. Ph. 1874 und Pharmakognosie.

[Illustration: Fig. 226.

Die Bahnlinie, welche den Hafen La Guaira mit der Hauptstadt Caracas in
Venezuela verbindet. [+Preuß+ phot.]]


b. +Handelswege in unserer Zeit.+

Hierzu die Karte: Handelsstraßen im XX. Jahrh.

Der Weg, den die Droge vom Orte ihrer Gewinnung bis zu dem Orte des
Verbrauches, d. h. der Apotheke zurückzulegen hat, ist ein weiter.
Sie geht oft durch viele Hände. Allerdings wird die Drogenversorgung
Europas jetzt sehr durch die außerordentlich verbesserten,
vereinfachten und verbilligten Verkehrsverhältnisse erleichtert.
Hat die Droge erst den Ausfuhrhafen erreicht, so ist das Schlimmste
überstanden. Am schwierigsten gestaltet sich der =Überlandtransport=
zu den Ausfuhrhäfen oder zu einer Wasserstraße. Hier ist, wo Lasttiere
nicht oder nicht in ausreichender Weise zur Verfügung stehen, der
Transport durch Träger (Fig. 210) das einzige Mittel. Auf diese Weise
werden die Produkte des Innern Afrikas transportiert -- oft auf dem
Kopfe der Träger oder Trägerinnen (Fig. 209). Sind Kamele oder Pferde
zur Hand, so werden diese bepackt (Fig. 211–213). In Zentralasien
dient das Schaf, in Peru das Lama als Packtier. Da und dort tritt
auch der Ochsenkarren in Aktion (Fig. 214 u. 215 u. Taf. XVIII), oder
Kuliwagen von Negern gezogen (Fig. 216). Immer strebt man darnach,
auf möglichst kurzem Wege zu einer Wasserstraße zu gelangen. Denn der
Flußtransport, der auf sehr verschieden gebauten Booten erfolgt (Fig.
217–223, Taf. XIX u. XX), ist gefahrloser als der über Land, und da
alle Flüsse zum Meere, also zu den Häfen hin strömen, schneller. Früher
brachten die Eingeborenen ihre Produkte in die Hafenplätze. Jetzt
sind die Abnehmer immer tiefer ins Land gedrungen, den Produzenten
also entgegen gereist. Schon um möglichst aus erster Hand kaufen zu
können, werden die Niederlassungen der Handelshäuser immer weiter die
Flüsse hinauf geschoben und rücken die Faktoreien immer tiefer ins
Land hinein. Aber trotzdem ist es nicht immer, ja nicht einmal häufig
möglich, die Produkte aus erster Hand zu kaufen. Schon hier schieben
sich =Zwischenhändler= ein. In Afrika sind es Araber und Syrier, in
Südasien Chinesen, die die Rolle übernehmen. Überall hört man die
gleiche Klage, daß der Zwischenhändler ein unvermeidliches Übel geworden
ist.

[Illustration: Tafel XXI

Die Eisenbahnlinie, welche Colombo mit Kandy im Hochland von Ceylon
verbindet, am Kadduganawapaß. Die Bahn wurde s. Z. hauptsächlich für
die _Kaffee_-, _Tee_- und _China_-Distrikte gebaut.]

[Illustration: Tafel XXII

Die Bucht von Aden.

Aden hat den größten Hafen der Welt. In ihm haben alle Flotten der Erde
Platz.

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Tafel XXIII

Am Hafen von Singapore.

Singapore (Singapur) ist jetzt der größte Hafen Indiens. 1826 war es
noch ein kleines malaiisches Dorf.

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Tafel XXIV

Der Hafen von Hongkong, links über der Meerenge Kaulang, vorn Victoria.

Hongkong ist, was den Jahresaus- und -eingang betrifft, der größte
Hafen der Erde.

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 227.

Die +Reede von Hankow+ am Jangtsekiang.

Der Jangtse ist hier fast 2 km breit.

[Aus Les grandes cultures.]]

[Illustration: Fig. 228.

+Nishni Nowgorod.+

Größter russischer Handels- und Stapelplatz. Blick von der Altstadt auf
die Jahrmarktstadt auf der Halbinsel am Einfluß der Oka in die Wolga.
In Nishni treffen 7 große Handelsstraßen zusammen und fast 40 Völker
treten hier in Handelsbeziehungen.

[Aus +Meyer+, Histor.-geograph. Kalender.]]

[Illustration: Fig. 229.

Der Hafen von Colombo auf Ceylon.

Die Eingeborenenboote umschwärmen das ankommende Schiff.

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 230.

Die Reede von Bombay.]

[Illustration: Fig. 231.

Shanghai. Anlegestelle der Dampfer.]

[Illustration: Fig. 232.

Sansibar.]

[Illustration: Fig. 233.

Am Hafen von Hongkong.]

[Illustration: Fig. 234.

Maracaibo, Muelle y Aduana.]

[Illustration: Fig. 235.

Der Hafen von Smyrna. Wichtigster und größter Hafen der Levante.]

Befindet sich die Droge dann in den europäischen =Faktoreien= im
Innern des Landes (Fig. 224 u. 225), so wird sie häufig jetzt auf
Faktoreidampfern die Flüsse hinab zu den Hafenplätzen geführt. Oder
man benutzt die =Eisenbahn=. Denn Eisenbahnlinien gibt es jetzt
in den Tropen schon viele. Besonders dort wo Stromschnellen oder
Katarakte der Flußschiffahrt hindernd im Wege stehen, erweist sich
der Bau einer Eisenbahn wenigstens auf dieser Strecke als unerläßlich
zur Erschließung des Landes. So wird in nicht langer Zeit den Kongo
aufwärts bis Katanga ein System, abwechselnd aus Eisenbahn- und
Flußdampferstrecken bestehend, in Betrieb sein, das einen Verkehr von
vielen Tausenden von Kilometern ins innerste Afrika hinein ermöglicht.
So wird es auch nicht mehr lange dauern und man kann mit der Eisenbahn
von Moskau über Turkestan, Buchara, Merw, Herat und Kandahar zur
Küste des Indischen Ozeans gelangen. Geplant ist ja auch eine Bahn
Kairo-Kapstadt. Java wird seiner ganzen Länge nach schon jetzt von
einer Bahnlinie durchzogen, in das Hochland von Ceylon keucht das
Dampfroß von Colombo empor (Taf. XXI), San José ist mit Guatemala,
Porto Cabello und La Guaira sind mit Caracas (Fig. 226), Guajaquil
mit Quito, Valparaiso mit Santiago durch Bahnlinien verbunden -- der
Hafen mit der Landeshauptstadt. Den Nil hinauf führt, die Krümmungen
des Flusses und Katarakte umgehend, eine Bahnlinie bis Chartum. Selbst
Argentinien ist nach allen Richtungen von Eisenbahnen durchzogen und
mehr noch Vorderindien. Die mandschurisch-sibirische Linie, die für
die Erschließung Sibiriens von ungeheuerer Bedeutung geworden ist,
durchzieht ganz Nordasien in westöstlicher Richtung. Auch China denkt
jetzt ernstlich an umfangreiche Bahnbauten.

Vorläufig sind aber noch =die größten Ströme= die wichtigsten
Verkehrswege aus dem Innern der Kontinente zur Küste: der Mississippi
(Fig. 253), der Congo, der Nil, der Indus, der Ganges, der Jang-Tse
(Jangtsekiang), die Wolga.

[Illustration: Fig. 236.

Der Hafen von La Guaira (Venezuela). [Nach +Preuß+.]]

[Illustration: Fig. 237.

Rio de Janeiro, einer der schönsten und sichersten Häfen der Welt. Die
Bai von Rio ist 22 km breit.

[Nach einem Gemälde von +Hans Bohrdt+.]]

[Illustration: Fig. 238.

Rio de Janeiro mit dem Zuckerhut (Pão de Açucar). [Nach +Hengstenberg+,
Weltreisen.]]

Eine eigene Rolle spielen die =Stapelplätze= im Innern des Landes,
in denen die Produkte zusammenströmen, bevor sie zu den Hafenplätzen
geschafft werden. Sie liegen stets an großen Strömen und beherbergen
die Niederlassungen zahlreicher Handelshäuser, die schon hier die
Produkte einkaufen. Ein solcher inländischer +Stapelplatz+ größten
Stils ist +Hankow+ (Fig. 227) am Jang-Tse in China, wohin der
allergrößte Teil des _Rhabarber_ gebracht, wo er gestapelt und dann
den Fluß hinab nach Shanghai geführt wird. Dorthin gelangt, da der
Hoangho nicht gut schiffbar ist, selbst der _Rhabarber_ des Nordens
nach oft wochenlangem Überlandtransport. Weiter nach Westen liegen
die großen _Rhabarber_stapelplätze Chung-king (Tschung-king am oberen
Jang-Tse) und Cheng-tu (Tschöng-tu) nordwestlich davon. Ein solcher
Stapelplatz war ehedem auch (seit 1725) +Kiachta+ im Norden Chinas
und +Semipalatinsk+, ein wichtiger Zentralpunkt der Karawanenstraßen
für einen großen Teil Mittelasiens. Ein solcher Stapelplatz ist
auch +Chartum+ am oberen Nil, wohin das arabische Gummi aus dem
Sudan gebracht wird, um erst hier sortiert, taxiert und dann den Nil
hinabgeführt zu werden. Schon an dieser Stelle erhebt der Staat seine
Zölle und Abgaben und verteuert dadurch das Produkt. Auch am oberen
Amazonas bestehen solche Sammelstellen, hier besonders für _Kautschuk_
(z. B. Mañaos). Ein Stapelplatz für _Tee_ ist +Kalgan+ (China).

[Illustration: Fig. 239.

Tampico la Galera, tomada del Muelle.]

[Illustration: Fig. 240.

Am Hafen von Veracruz.]

[Illustration: Fig. 241.

Curaçao. Eingang zum Hafen.]

[Illustration: Fig. 242.

Schiffe im Suez-Kanal an einer Ausweichstelle (gare). [+Tschirch+
phot.]]

[Illustration: Fig. 243.

Chemisches Laboratorium zur Untersuchung der _Chinarinde_ auf der
Regierungs-_China_plantage in Tjinjiroean (Java). [Aus Verslag der
Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

[Illustration: Fig. 244.

Teataster bei der Arbeit auf der _Tee_-Estate Tjikadjang auf Java. Im
Hintergrunde Karbaukarren, die die Kisten zur Station bringen, vorn
welkende _Tee_blätter auf Bambu-Tampirs. [Aus +Tschirch+, Indische
Heil- und Nutzpflanzen.]]

Den Charakter von Stapelplätzen tragen auch die großen =Binnenmärkte=,
wie Nischni-Nowgorod (Fig. 228).

Daß Drogen nur an bestimmten Orten gehandelt oder gestapelt werden
durften, finden wir im Mittelalter vielfach. Für den Färberwaid waren
z. B. im XIII. und XIV. Jahrh. ganz bestimmte «Waidstapelplätze»
vorgeschrieben (Görlitz, Schweidnitz).

Die meisten Niederlassungen von Handelshäusern befinden sich aber
natürlich in den =Hafenplätzen=. Hierhin haben die europäischen
Drogenimporteure ihre Hauptposten vorgeschoben. Aber trotzdem die Häfen
im Produktionslande liegen und man also glauben sollte, daß es hier
möglich sein sollte, aus erster Hand zu kaufen, wimmelt es auch hier
von Agenten. In Singapore z. B. sind die dortigen europäischen Häuser
ganz in den Händen der reichen chinesischen Zwischenhändler und nur von
ihnen können sie ihre Ware erhalten.

Nur eine beschränkte Zahl von Häfen verkehrt direkt mit Europa und
Nordamerika, den Hauptabnehmern für Drogen. Die kleinen Hafenplätze
senden ihre Produkte nach den großen Handelszentren, die von den
großen Handelsdampferlinien angelaufen werden. So sammelt sich wie
in einem großen Becken die ganze Produktion der nordostafrikanischen
Küste und die Arabiens in +Aden+, in dessen gewaltigem Hafen (Taf.
XXII) die Flotten der ganzen Welt Platz hätten; so strömen von allen
Inseln des malaiischen Archipels die Produkte nach +Singapore+ (Taf.
XXIII), auf dessen großer, aber offener Reede man jetzt, wo der Hafen
Batavias (Tjandjokpriok) immer mehr versandet, hunderte kleiner Schiffe
findet, beladen mit _Reis_, _Pfeffer_, _Muskatnüssen_, _Nelken_,
_Guttapercha_, _Dammar_ und _Catechu_, die ehedem nach +Batavia+
gingen, das jetzt hauptsächlich nur Hafen für die javanischen Produkte
(_China_, _Tee_, _Kaffee_) geblieben ist; so sammelt +Bombay+ (Fig.
230) die Erzeugnisse Arabiens und Persiens und zahllose Barken bringen
auf langer Küstenfahrt die Produkte des südlichen Indien von Goa,
Mangalore, Tillichery, Calicut, Cochin dorthin; und die gleiche Rolle
spielt im Osten Indiens Madras, im Süden Colombo auf Ceylon (Fig. 229).
So ist +Shanghai+ (Fig. 231) das Zentrum des chinesischen Außenhandels
geworden, wie +New York+ (Fig. 265) das des nordamerikanischen im Osten
und +San Franzisko+ das des nordamerikanischen im Westen, +Sansibar+
(Fig. 232) das Zentrum des ostafrikanischen und +Smyrna+ (Fig. 235) das
des kleinasiatischen Handels.

[Illustration: Fig. 245.

Die Eingeborenen liefern das von ihnen gesammelte _Opium_ ein und
warten auf die Begutachtung (Indien). [Kew Museum.]]

[Illustration: Fig. 246.

Begutachtung (Klassifikation) des eingelieferten _Opiums_ (Indien).]

[Illustration: Fig. 247.

Analytisches Laboratorium zur Untersuchung des _Opiums_ in Indien.]

[Illustration: DIE HANDELSSTRASSEN IM ALTERTUM.]

[Illustration: DIE HANDELSSTRASSEN IM MITTELALTER.]

[Illustration: DIE HANDELSSTRASSEN IM XX. JAHRHUNDERT.]

Nur im nördlichen Südamerika und in Mittelamerika gibt es nicht weit
voneinander zahlreiche Häfen, die alle mit Europa in mehr oder weniger
direkter Verbindung stehen, da keiner der kleinen Staaten dem anderen
den Vorrang gönnt. Doch saugt jetzt New York (Fig. 265) immer mehr
mittel- und südamerikanische Drogen an, so daß z. B. _Cascarilla_,
_Copaivabalsam_, _Tolubalsam_, _Guajac_, _südamerikanische China_
(z. B. Maracaibo) u. and. vielfach über New York nach Europa gelangen.

Die überwiegende Zahl der außereuropäischen Welthandelsplätze ist in
englischen Händen: Singapore, Bombay, Aden, Sansibar, und auch an den
Eingangs- und Durchgangspforten (Suezkanal, Gibraltar) sitzen die
Engländer. Nichts illustriert besser den beherrschenden Einfluß des
Inselreiches im Welthandel.

+Die asiatischen Häfen+ habe ich schon genannt. Es wäre noch Hongkong
(Fig. 233 u. Taf. XXIV), Saigon und Yokohama in Japan hinzuzufügen. Das
Ausfalltor +Persiens+ ist Bender Abbas und im Golfe: Buschir.

Im Süden +Afrikas+ herrscht Cape Town am Kap der guten Hoffnung, das,
trotzdem der «Seeweg nach Ostindien» jetzt durch den Suezkanal geht,
sich doch kräftig entwickelt hat. Im Westen Afrikas liegen zahlreiche
aufstrebende Häfen, auch deutsche, die besonders die Produkte des
Kongo und Nigerbeckens verschiffen. Von Süden nach Norden: Angra
Pequena, Mossamedes, Benguella, Sao Paolo de Loanda, Matadi, Kamerun,
Lagos, Accra, Monrowia, Freetown. An der Mündung des Senegal: St.
Louis, in Marokko: Mogador. Im Osten Afrikas: Durban, Lorenzo Marquez,
Moçambique, Dar es Salam, Sansibar (Fig. 232), Mombas.

[Illustration: Fig. 248.

Bambusröhre, wie man solche in Indien benutzt, um das _Opium_ für die
Durchschnitts-Untersuchung aus den Töpfen zu entnehmen. [Kew Museum.]]

+Die Häfen des nördlichen Südamerika+ sind von Westen nach Osten:

In +Ecuador+: Guajaquil, Machala (Puerto Bolivar, Caraquez).

In +Columbien+, an der Westküste: Buenaventura, an der Nordküste:
Manzanilla, Cartagena (durch Kanal mit dem Magdalenas verbunden),
Sabanilla (versandet), Barranquilla.

In +Venezuela+: Maracaibo (am Eingang der Laguna de Maracaibo, Fig.
234), Porto Cabello, La Guaira (Fig. 236), Barcelona.

In +British Guiana+: Georgetown, in Holländisch-Guiana (Surinam):
Paramaribo, in französ. Guiana: Cayenne.

+Die Häfen Brasiliens+ sind von Norden nach Süden: Para, S. Luiz de
Maranhao, Fortalezza (Ceará), Recife de Pernambuco, Bahia (de Todos os
Santos), Rio de Janeiro (Fig. 237 u. 238), Santos, Rio grande do Sul.

Der Hafen +Uruguays+ ist: Montevideo, der Hafen Argentiniens: Buenos
Aires am Rio de la Plata.

Die Häfen +Perus+ sind: Payta, Callao (Lima), Mollendo, die +Chiles+:
Arica, Iquique (Cobija), Antofagasta, La Serena, Valparaiso, Concepçion.

In +Mittelamerika+ finden sich folgende Häfen:

  An der +Ostküste+, von Norden nach Süden:

    In Mexiko: im Osten: Tampico (Fig. 239), Veracruz (Fig. 240),
      Campeche, im Westen: Manzanilla, Salina Cruz.

  In +British Honduras+: Belize.

  In +Honduras+: Trujillo.

  In +Costarica+: Limon.

  In +Panama+: Colon.


  An der +Westküste+:

    In +Guatemala+: S. José.

    In +Salvador+: Acajutla, La Libertad.

    In +Nicaragua+: San Juan del Sur.

Die Häfen +Australiens+ sind: Sidney, Melbourne und Adelaide.

Auf die beiliegende Karte: «Die Handelsstraßen im XX. Jahrh.» sind
alle für den heutigen Drogenhandel wichtigen Häfen, Stapelplätze und
Binnenhandelsplätze eingetragen.

Ein =Wechsel in den Handelswegen=, der früher (vgl. das Kapitel:
Handelswege im Mittelalter und Geschichte) so häufig eintrat, ist jetzt
selten geworden. Er trat in neuerer Zeit beim _Rhabarber_ ein, der vom
XVII. Jahrh. an über Rußland, speziell Sibirien, nach Europa gelangte,
von 1863 an aber, als die Brake in Kiachta aufgegeben worden war, über
Shanghai exportiert wird. Im allgemeinen ist aber jetzt ein Wechsel
seltener, da die Handelsstraßen jetzt ziemlich festgelegt sind. Es sei
denn, daß irgendwo neue Kulturen eingerichtet werden. Immerhin macht
natürlich jede der Handelsnationen gewaltige Anstrengungen, der anderen
das Wasser abzugraben und den Handel an sich zu reißen. Handel ist
Kampf.

Ganz +neue+ Handelswege wird der +Panamakanal+ erschließen, der dank
der energischen Intervention Nordamerikas in zehn Jahren eröffnet
werden soll. Eine ganz +alte+ Handelsstraße -- die durch das Rote
Meer --, die seit der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien verödet
war, hat der am 16. November 1869 eröffnete, 160 Kilometer lange
+Suezkanal+ neu belebt, der den Weg von Triest nach Bombay um 63%
verkürzt. Hier werden zwar jetzt nicht mehr von den ägyptischen
Sultanen Durchgangszölle erhoben, wie ehedem im Mittelalter, wohl aber
erhebt, jene alten Zölle ersetzend, die Suezkanalgesellschaft sehr hohe
Gebühren für die Passage durch den Kanal, die bei einem großen Dampfer
leicht die Höhe von 20–30000 Frs. erreichen. Kein Schiff erhält die
Erlaubnis zur Einfahrt in den Kanal, das nicht +vorher+, wenn es von
Süden kommt in Suez, wenn es vom Norden kommt in Port Said, das an die
Stelle von Alexandrien getreten ist, die Durchfahrtsgebühr bezahlt hat.
Aber auch dann noch muß das Schiff so lange warten bis die Passage
frei ist. Denn nur ein Schiff hinter dem anderen kann vorläufig -- bis
die Verbreiterung beendigt ist -- den Kanal passieren und nur an den
Ausweichstellen (gares) können zwei Dampfer aneinander vorüber (Fig.
242). Die Dampfer dürfen den Kanal nur in langsamster Fahrt passieren.

Die Großdrogenhäuser haben in den überseeischen Häfen entweder eigene
Zweigniederlassungen, Einkäufer oder Agenten oder lassen den Einkauf
durch beauftragte Firmen besorgen.

[Illustration: Fig. 249.

Der Kali besar in Batavia, an dessen Ufern die Leichter anlegen, um
Waren aus- und einzuschiffen und sie hinaus nach Tjandjokpriok an die
Dampfer zu bringen. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 250.

Waren-Landungsbrücke mit Krahn und Schienenstrang in Valparaiso. [Nach
+Hengstenberg+, Weltreisen.]]

[Illustration: Fig. 251.

Hafen von Buenos Aires. An den Dampfern liegen die Leichter. Im
Hintergrunde die Elevatoren.]

[Illustration: Fig. 252.

Verladen der _Tee_kisten auf die Leichter mittelst des Krahns in
Colombo (Ceylon). Im Hintergrunde der Dampfer.]

In diesen Hafenplätzen finden sich die =Dockhallen=; umfangreiche
Gebäude, die meist in der Nähe des Hafens liegen. In ihnen sammeln
sich die Drogen, um nach erfolgter =Kontrolle= den Weg nach Europa
oder Amerika anzutreten. Allerdings findet eine solche Kontrolle auch
schon vielfach an den Produktionsorten und den Stapelplätzen statt,
ja die _Chinarinde_ der Regierungsplantagen Javas geht z. B. direkt
aufs Schiff, da sie in der Plantage selbst einer chemischen Kontrolle
unterworfen wird. Die Verwaltung hat in dem Zentrum der Chinakulturen
ein chemisches Laboratorium eingerichtet (Fig. 243), in dem jeder
Ballen untersucht und mit einem Zertifikat versehen wird, aus dem
hervorgeht, wieviel Prozent Chininsulfat ermittelt wurde. Die
_China_ballen und Kisten werden daher nicht noch einmal im Ausfuhrhafen
Batavia kontrolliert. Ähnlich ist es beim _Tee_. Sobald derselbe in
der Estate oder Mill fertig gestellt ist, wird er dem Tea taster, dem
_Tee_prober, vorgelegt (Fig. 244). Er stellt einen Auszug daraus her,
prüft die «Species» auf ihr Aussehen und den Auszug auf den Geschmack,
indem er sich den Mund damit ausspült und notiert den Preis. Dann wird
der _Tee_ sogleich in Kisten eingelötet und diese im Ausfuhrhafen nicht
mehr geöffnet.

[Illustration: Fig. 253.

Mississippidampfer mit _Baumwoll_ballen beladen.]

[Illustration: Fig. 254.

Einschiffung der Waren durch die Brandung hindurch (Westafrika).
[+Visser+ phot.]]

[Illustration: Fig. 255.

Verladen in Friedrich-Wilhelmshafen durch Regattaleute und
neupommersche Arbeiter. [Aus +A. Pflüger+, Smaragdinseln d. Südsee.]]

[Illustration: Fig. 256. Der Hafen von Marseille.]

[Illustration: Tafel XXV

Der Hafen von Genua.]

[Illustration: Tafel XXVI

London Docks in London, links die Warenhäuser.]

[Illustration: Tafel XXVII

Am London Dock in London.

Der Krahn befördert die Warenkisten aus dem Schiff oder dem Leichter
direkt in die Dockhalle oder auf die zweiräderigen Karren. Links
Zollbeamte.]

[Illustration: Fig. 257.

Ein Londoner Drogen-Warehouse an der Themse, davor Leichter.]

[Illustration: Fig. 258.

Varnish Resin Sorting Floor in einem Londoner Warehouse (London Docks).
Die Haufen sind vornehmlich sortierter _Copal_ (_Animi_). Rechts im
Mittelgrunde Blöcke von _Wachs_. Vorn ein Kanister mit _Ol. geranii_.]

[Illustration: Fig. 259.

Essential Oil-Room in einem Londoner Drogen-Warehouse (London Docks),
wo ätherische Öle, (_Lemon_-, _Eucalyptus_-, _Peppermint-Oil_),
_Benzoë_ u. dergl. besichtigt werden können. Ganz rechts _Copaiba_.]

[Illustration: Fig. 260.

Drogenballen, Seronen und Säcke in einem Londoner Warehouse.]

«Klassifikation»und Untersuchung im Laboratorium wird auch das
_indische Opium_ unterworfen, bevor es in den Handel kommt (Fig.
245–248).

Im allgemeinen gilt aber als Regel, daß die Hauptdrogenkontrolle in
den Dockhallen der Ausfuhrhäfen erfolgt. In +Shanghai+ werden die
_Rhabarber_stücke mit einem Meißel durchschlagen, um wurmstichige,
faule oder geschrumpfte Stellen aufzufinden -- noch viel strenger war
ja ehedem in Kiachta die Kontrolle -- in +Singapore+ schneidet man die
_Guttapercha_ballen und -Ziegel in der Mitte durch, um Verfälschungen
(mit Steinen, Dammar u. and.) aufzufinden, in den afrikanischen
Häfen öffnet man, wenn dies nicht schon in der Faktorei im
Inneren des Landes geschah, die _Kautschuk_bals, um nach betrügerisch
beigemischten Fremdkörpern zu suchen, in +Smyrna+ schlägt man die
_Opium_kuchen auf und findet da oft alles nur mögliche: Steine,
Schrot, ja große Bleikugeln, die betrügerischerweise zur Erhöhung
des Gewichtes eingeknetet wurden. Hier kann man sich mit Erfolg der
+Röntgenstrahlen+ bedienen, um, ohne die Kuchen zu öffnen, die fremden
Beimengungen zu ermitteln. Denn wie ich schon 1898 gezeigt habe, lassen
sich Steine und Bleikugeln ganz leicht mittelst Röntgenstrahlen und dem
fluoreszierenden Schirme nachweisen, ohne die _Opium_kuchen zu öffnen
(siehe Pharmakophysik).

[Illustration: Fig. 261.

Schausaal in einem Londoner Warehouse. Vorn Seronen mit amerikanischer
_Chinarinde_, im Mittelgrunde Fardelen von _Ceylonzimt_.]

Oft wird auch erst hier in den Ausfuhrhäfen der Droge die definitive
Packung gegeben, wie z. B. in Smyrna dem _Opium_, in Singapore der
_Guttapercha_ und dem _Cutch_ (_Catechu_). Bisweilen wird die Droge
in den Dockhallen noch besonders zugerichtet. So sah ich in Singapore
große Pressen, die das weiche Roh_catechu_ zu Blöcken preßten, in
Colombo hydraulische Pressen, die aus den Chips und Shavings der
_Chinarinden_ feste, oft steinharte Ballen formten (S. 142), was
besonders deshalb geschieht, weil die Dampferlinien bei allen Waren,
außer bei den Metallen, den Frachtpreis nicht nach dem Gewicht, sondern
nach dem Kubikinhalt berechnen.

Von den Dockhallen der Ausfuhrhäfen gelangt nun die Droge auf die
Leichter und von diesen auf die Überseedampfer, die sie nach Europa
oder Amerika führen (Fig. 249–252).

Riesige Neger oder Tamils rudern mit vielem Geschrei die flachen
Leichterschiffe, bei offener Reede oft durch die Brandung hindurch,
an die haushoch über die Wasserfläche emporragenden Riesendampfer. An
rasselnder Kette fliegen die Ballen zu schwindelnder Höhe empor, um
in dem nimmer satten Bauche des gewaltigen Schiffes zu verschwinden,
in dem sich Kisten auf Kisten, Ballen auf Ballen, Fässer auf Fässer
türmen. Dann ertönt das nebelhornartige Geheul der Dampfpfeife, die
Anker rasseln empor und der Dampfer stellt seinen Kiel europawärts.

Das Einladen in die Leichter ist jedoch nicht immer ganz leicht.
Besonders dort, wo eine lebhafte Brandung ansteht, wie in vielen Häfen
Westafrikas, in Madras u. a. hat man mit großen Schwierigkeiten zu
kämpfen. Hier werden die Güter oft auf eine ganz eigenartige Weise
durch die Brandung bugsiert (Fig. 254).

Die Bedeutung der Haupthandelshäfen der Welt geht aus folgender
Übersicht hervor, die den jährlichen Gesamt-Ausgangs- +und+
Eingangsverkehr in Tonnen angibt:

  Hongkong    19204889 t    (1903)
  London      18639159 t    (1904)
  Antwerpen   18139184 t    (1903)
  New York    17900168 t    (1903)
  Hamburg     16466639 t    (1903)
  Liverpool   14716790 t    (1904)
  Rotterdam   13597819 t    (1903)

Die +Einfuhr+ zur See nach Hamburg betrug:

  1905: 10380775 t  121021857 dz netto = ℔ 2886317370
  1906: 11039069 t  127511512 dz netto = ℔ 3215195980,

ist also in starker Zunahme begriffen.


2. Die Behandlung der Droge im Einfuhrhafen.

Von europäischen Häfen, die Drogen importieren, kommen in erster
Linie +London+ (Taf. XXVI u. XXVII), +Hamburg+ (Fig. 271 u. 272),
+Amsterdam+, +Rotterdam+, +Antwerpen+, +Liverpool+, +Genua+ (Taf.
XXV), +Havre+, +Marseille+ (Fig. 256), +Lissabon+ und +Triest+,
für Nordamerika +New York+ (Fig. 265) in Betracht. Der javanische
_Chinarinden_handel hat seinen Hauptsitz in Amsterdam, der ostindische
in London, südamerikanische _Chinarinde_ und _Rhabarber_ werden in
Hamburg und London, _Campher_ viel in Hamburg gehandelt.

In diesen Häfen wird die Ladung gelöscht. Entweder legen die Dampfer
direkt an den Dockhallen an und die Ballen, Fässer und Kisten werden,
nachdem sie aus dem Schiffsraum emporgewunden sind, in die betreffende
Dockhalle gebracht. So geschieht dies z. B. in London, wo die London-
und Katharinendocks direkt an der Themse resp. an Themsebecken liegen
(Taf. XXVI u. XXVII u. Fig. 257). Oder die Güter werden zunächst auf
=Leichter= umgeladen und gelangen auf diesen in die Speicher. So
geschieht es z. B. in Hamburg (Fig. 271 u. 272) und Amsterdam (Fig.
267). Natürlich ist der erste Weg der kürzere, daher stellt man jetzt
die Dockhallen möglichst auf die Piers im Hafen selbst.

Die weitere Behandlung, die die Droge nun erfährt, ist verschieden.

In =London= werden von allen eingetroffenen, in den einzelnen Räumen
verteilten Drogenkisten oder -ballen (Fig. 258–260) ein oder mehrere
der gleichen Sendung in einen der Ausstellungsräume im Warehouse (Fig.
261 u. 262) gebracht, die Ballen und Kisten geöffnet, die Blöcke (der
_Benzoë_ z. B.) durchschlagen, in Reihen angeordnet und mit Nummern
am Boden versehen. Bei jeder Abteilung ist der Verkäufer durch ein
großes Schild mit dem Namen der Importfirma gekennzeichnet (Fig.
262). Diese Säle sind in den Geschäftsstunden frei zugänglich. Die
Kaufliebhaber (meist +whole sale druggists+) durchwandern sie, mustern
die Drogen und machen sich ihre Notizen. Von den hier ausgestellten
Drogen sind dann auch meist noch kleinere Muster (Samples) in den
Show-Räumen bei den den Verkauf vermittelnden Agenten, den +Brokers+
für Drogen in Mincing Lane, zu sehen, von denen es 1903 15 gab. Auch
dort kann man die Proben besichtigen (Fig. 263). In einem besonderen
Saale, der London Commercial Sale rooms, werden dann an bestimmten
Tagen, meist Donnerstags, die +Auktionen+ vorgenommen. Ein amtlich
angestellter Auktionator bietet die lots (Lose) nach schon mehrere Tage
vorher gedruckt verteilten, langen, schmalen Listen aus und erteilt
eventuell den Zuschlag. Eine dieser charakteristischen Listen, die
ich bei einem Besuche der Docks und der Brokers 1903 in großer Zahl
mitgebracht hatte, teile ich im folgenden (in der Beilage) mit. Sie
liegen bei den Brokers auf und mit ihnen in der Hand durchgehen die
Käufer, den Bleistift in der Hand, den Zylinder im Nacken (das ist hier
Kleiderordnung!) die in den Show-rooms ausgestellten Muster (Fig. 262).

[Illustration: Fig. 262.

In dem Ausstellungssaale eines Londoner Warehouse. Jede Abteilung trägt
den Namen des Brokers. Die Packungen sind geöffnet. Die Kaufliebhaber
zirkulieren mit den Auktionslisten in der Hand, deren Nummern mit denen
der Muster übereinstimmen.]

Ist die Droge in der Auktion nicht verkauft worden, so bleiben die
Vorräte in den Warehouses der Docks, wo sie bis zu einer günstigeren
Gelegenheit lagern können. Platz genug ist jetzt dort, da der
_Chinarinden_handel sich jetzt fast ganz nach Amsterdam gezogen
hat und Hamburg eine scharfe Konkurrenz macht. Man klagt in London
allgemein, daß die Einfuhr zu klein und die Docks zu groß sind. Einige
Drogen bezieht London schon jetzt via Hamburg und Amsterdam.

Drogen lagern besonders im: Friars Warehouse, Smith Warehouse, Drug
Warehouse, London Dock (Taf. XXVI u. XXVII), St. Katharines Dock, New
Crane Wharf, Cotton Wharf, Davis Wharf, Metropolitan Wharf, Red Bull
Wharf, Sharps Wharf, Brooks Wharf, Wilsons Wharf, New Hibernia Wharf,
St. Johns Wharf, Gun Wharf, Symons Wharf, Red Lion Wharf, Nicholsons
Wharf, South Eastern Wharf. Die London und Katharinendocks liegen
an der Themse in der Stadt, nicht weit von Towerbridge, die anderen
themseabwärts.

[Illustration: Fig. 263.

Bei einem Londoner Broker. Von den zur Auktion kommenden Drogen sind
Muster auf den Tischen ausgelegt. Die Nummern derselben korrespondieren
mit den Nummern der Auktionsliste und den Nummern im Schausaal (Fig.
262).]

In den Dockhallen und den Warehouses von London haben die einzelnen
Drogen und Drogengruppen ihre besonderen, meist durch Schilder
gekennzeichneten Plätze, z. B. «_spices_», «_rhubarb_», «_vanille_»,
«_oils_», so daß man sich leicht zurechtfindet und immer weiß, wo man
_Chinarinden_, _Zimt_, _Jod_, _ätherische Öle_ oder anderes zu suchen
hat. Es herrscht gute Ordnung und große Sauberkeit. Die feineren Drogen
liegen im Fenchurchstreet-Warehouse, wo sich auch ein kleines Museum
befindet.

+Die London and India Docks Compagnie+ umfaßt die gewaltigen London
Docks, St. Katharine Docks, West and Southwest India Docks, East India
Docks, Royal Albert and Victoria Docks, Tilbury Docks, Cutler St. and
commercial Rᵈ Warehouses und East Smithfield Depôt.


                    Angebot eines Londoner Brokers
          (Grundlagen für die Besichtigung und die Auktion).

                                  FOR
                             Public Sale,
                                  BY
                             X. Y. Z. & Co

                                AT THE
                     LONDON COMMERCIAL SALE ROOMS
                             MINCING LANE,

                                  ON

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             ~Ex Minnetonka~, @ ~New York~--March, -----
                                                    185

           Mark  Sale Lot   Nos.   Bales Total   net abt lbs
           P&C     1        1@3      3   C.D.C.   1    350
                   2        4@6      3     „      „    375
                   3        7@9      3     „      „    420
                   4      10,11      2     „      „    220
                   5       12@15     4     „      2    540


                   12 Pkgs. Coca Leaves, at per lb.

                        _Lying at London Docks_

                                                      03
             ~Ex Britannia~, @ ~Colombo~--February, ------
                                                     1517

                                            Abt nett lbs each
           Gantenne      6    1@6     6 Cases        56
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                                                         03
          ~Ex Duke of Norfolk~, @ ~Colombo~--February, ------
                                                        1114
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                                   2


                        _Lying at London Docks_
                                                    03
              ~Ex Glenlochy~, @ ~Colombo~--March, ------
                                                   2158

                 10 Cases Cinnamon Leaf Oil, at per oz

                                               Contg.
                   Sale Lot   No.     Case     Bottles ozs each
          Mark       10        6       1         36      27
                     11        7       1
          CPH&Co     12        8       1
                     13        9       1
                     14       10       1
                     15       11       1
                     16       12       1
                     17       13       1
                     18       14       1                 26
                     19       15       1

                 2 Cases Cinnamon Bark Oil, at per oz

                                               Contg.
                                       Case    Bottles ozs. each
           H         20         1       1        12       26
                     21         2       1

                  2 Drums Citronelle Oil, at per lb.

                                             Cwt each
           H         22     10,11     2 Drums    7

                  6 Cases Turkey Colocynth, at per lb


                        _Lying at London Docks_

                ~Ex Minerva~, @ ~Hamburg~--March, 1902

                                              Av net lbs
           JM        23    1@4,6,7    6 Cases    185


  Samples on shew at 4, ~Mincing Lane~, where Catalogues
  may be had.


[Illustration: Fig. 264.

Der Hof eines Drogenwarenhauses in London mit den Aufzügen und den zur
Abführung der Drogen für den Kleinhandel bestimmten Wagen.]

Die englische Einfuhr ersieht man aus der +London Customs Bill of
entry+.

In London werden die Drogen meist einfach in der Form, wie sie
eintreffen, zum Verkaufe gestellt. Ein eigentliches Sortieren,
Mundieren, Auslesen, Sieben, Schneiden usw. findet in den Docks
meist nicht statt, da es an Vorrichtungen zur Drogenappretur fehlt,
doch werden z. B. die _Muskatnüsse_ ausgelesen, die _Vanille_kisten
geöffnet und die Schoten nach ihrem Werte sortiert, _Copal_ (_Animi_)
sortiert (Fig. 258). Die _Ceylonzimt_ballen werden mittelst eines
sehr einfachen Schrubbers -- ein mittelst eines Nagels an zahlreichen
Stellen durchlochter, auf ein plankonvexes Holzstück aufgenagelter
Blechstreifen -- an den Enden auf ihr Aroma in der Weise geprüft, daß
man mittelst des Schrubbers über die Enden der Fardelen hinfährt und
den Grad des Aromas feststellt. Oft werden sie umgepackt. Mit dem
Drachenblut macht man die «Bodenprobe», d. h. man prüft den «Strich».
Mit der halbflüssigen _Socotraaloë_ aus Sansibar, die recht unangenehm
riecht, macht man die Probe in der Weise, daß man einen Holzspatel
eintaucht und das Abfließende auf sein Aussehen prüft.

Obwohl diese +Prüfung nach dem Aussehen+ sichere Garantien natürlich
nicht bietet und nicht bieten kann, muß anerkannt werden, daß sie in
den meisten Fällen das Richtige trifft, da den Prüfenden eine reiche
Erfahrung zur Seite steht. Oft bestätigt die chemische Wertbestimmung
nur die empirisch gefundene Wertbemessung. So fand ich z. B., daß die
_Rhabarber_sorten im Großhandel 1907 ganz die Preisskala zeigten, die
ihnen nach meinen Bestimmungen des Gehaltes an Oxymethylanthrachinonen
zukommen würde. Die gehaltreichsten hatten im Handel den höchsten, die
gehaltärmsten den niedrigsten Preis, und auch die dazwischenliegenden
Sorten entsprachen den betreffenden Orten der Gehaltskala.

[Illustration: Fig. 265.

Im Hafen von New York an der Brooklynbridge.]

  Eine Wanderung durch die Londoner Docks und Warehouses ist sehr
  interessant. Ich sah 1903 dort: Ungekalkte _Muskatnüsse_ (Nutmegs),
  Bombay- und Penang-_Macis_ in Kisten und Fässern von zwei Zentnern,
  schön geschälten _Ingwer_ in Zentnersäcken, für 1½ Millionen Mark
  _Nelken_ und zwar «rote» _Nelken_ von Penang in Drei-Zentnerkisten
  und «braune» von Sansibar in Bastmatten von 125 lbs., Ballen von
  _ostindischer Chinarinde_ in Bastmatten mit Sackleinwandumhüllung von
  2½ Zentner, sowohl Fabrikrinde, wie Reneweds und Druggist quills.
  Früher füllten bis 25000 Ballen _China_ die Docks, jetzt fand ich nur
  noch c. 2000, da Amsterdam jetzt den größten Teil der Kultur_china_
  an sich zieht. Auch _Anacardien_ hatten keine Käufer gefunden.

[Illustration: Fig. 266.

Der Hafen von Amsterdam.]

[Illustration: Fig. 267.

Ausladen der _Chinarinden_ballen und -kisten von den Leichtern in
das Warenhaus des Kina-Etablissement in Amsterdam. [Nach +van der
Wielen+.]]

[Illustration: Fig. 268.

_Chinarinde._ Fabrikbast (Fabrikrinde) in Säcken im Warenhause des
Kina-Etablissement in Amsterdam. [Nach +van der Wielen+.]]

[Illustration: Fig. 269.

_Chinarinde._ Pharmazeutische Bast (Drogistenrinde) in Kisten im
Warenhause des Kina-Etablissement in Amsterdam. [Nach +van der
Wielen+.]]

  Ich sah ferner dort: _Strophanthus_ in Säcken aus Natal, «_Animi_»
  (_Copal_) aus Sansibar, _Gummi_ aus dem Sudan, lose Stämme und Äste
  von _Sassafras_holz, große runde Barrels von _Citronellaöl_, à 7–8
  Zentner, _Benzoë_ (_Gum Benjamin_) von Sumatra in mit Sackleinewand
  umhüllten, in Kisten steckenden Blöcken, _Palembangbenzoë_ in
  Blechkanistern, große Blöcke von _Drachenblut_ mit Sackabdrücken
  außen, viel Carthagena-_Ipecacuanha_ neben der Rio, zahlreiche
  Blechkanister mit weißem, duftendem Manila-_Elemi_, mit _Myrrha_
  gefüllte Bastkörbe, viereckige Blechkanister mit _Tolubalsam_ und
  Säcke mit _Coloquinten_. Von _Vanille_ sah ich in einem besonderen
  Raume 2000 Kisten, besonders von den Seychellen (= Bourbon) und
  Tahiti, dann aber auch von Mauritius und Australien. Die Bündel lagen
  in Blechkisten à 12 lbs. Riesig waren die Vorräte von _Rhabarber_,
  sowohl «flat» wie «round», der nach der Trockenmethode unterschieden
  wird in: high dried (im Ofen), sun dried (in der Sonne) und killed
  dried (im Schatten getrocknet), Canton und Shensi war meist sun
  dried, Shanghai dagegen killed dried.

  Von _Cardamoms_ sah ich Samen und Früchte (zum Teil gebleicht)
  aus Colombo, Mysore, Malabar, Tuticorin und Bombay, zum Teil in
  prächtigen Mustern, _Purée_ von Kalkutta, _Kino_ von Cochin, _Annato
  Seeds_ aus Para, _australischen Sandarac_ aus Sidney, _Eucalyptusöl_
  aus Portugal und Melbourne, Honduras- und Lima-_Sarsaparille_,
  _Copaivabalsam_ aus Carthagena, _Anisöl_ und _Cascarilla_ aus New
  York, _Japan aconit_ aus Kobe, _Mutterkorn_ aus Vigo, _Campher_ aus
  Foochow, _Buchu leaves_ vom Kap, _Turmeric_ aus Madras, _Drachenblut_
  von Singapore, _Areca nuts_ von Colombo, _Storax_ von Smyrna,
  _Ammoniacum_ und _Guaza_ von Bombay, _Capsicum_ und _Cocculus
  indicus_ von Calicut, _Gummi_ von Aden, _Tamarinden_ von Antigua,
  _Senna_ von Tuticorin und Bombay (auch Früchte, pods und Siftings),
  _Orange oil_ von Buenos Aires, _Squills_ von Messina, _Cumin seeds_
  von Malta, _Colombo root_ von Sansibar, _Manila Copal_ und _Gum
  Damar_ von Singapore.

[Illustration: Fig. 270.

Monster Malen en Verdeelen. Das Malen der Durchschnittsmuster im
Kina-Etablissement in Amsterdam. [Nach +van der Wielen+.]]

In folgendem gebe ich als Beispiel einen Ausschnitt aus dem +Monthly
Statement of drugs+. Gute Übersichten finden sich immer im Chemist and
Druggist, dessen kenntnisreicher Leiter, ~Mac Ewan~, vortrefflich auf
diesem Gebiete orientiert ist.


Ausschnitt aus +Monthly Statement of Drugs, Drysalteries+ etc. in the
Docks and various other London Warehouses.

  =======================+==========+=================================
                         | For the  |
                         |Month of  |      Stocks December 31
                         |December  |
  -----------------------+----+-----+----+----+----+-----+-----+-----
                         |Lan-|Deli-|1906|1905|1904| 1903| 1902| 1901
                         |ded |very |    |    |    |     |     |
  =======================+====+=====+====+====+====+=====+=====+=====
  Aloes cases etc.       | 132|   87| 329| 380| 786|  904| 1477| 1417
                         |    |     |    |    |    |     |     |
  Aloes gourds           | -- |  -- | -- |  50| -- | --  |  -- |  146
                         |    |     |    |    |    |     |     |
  Aniseed, Star cases    | -- |  -- | -- | -- | -- |    6|    7|   13
                         |    |     |    |    |    |     |     |
  Arrowroot barrels      |1487| 1272|3414|5722|9470|12633|12224| 7747
                         |    |     |    |    |    |     |     |
  Arrowroot boxes        |    |     |    |    |    |     |     |
  and tins               | -- |    2| 940|1165|1335| 1066| 1413|  755
                         |    |     |    |    |    |     |     |
  Balsam casks etc.      |  16|   62| 493| 362| 672|  790|  626|  615
  -----------------------+----+-----+----+----+----+-----+-----+-----
  Bark[1], South  }      |    |     |    |    |    |     |     |
  American cases  }      | -- |    2|  12|  42|  46|   44|   62|   65
                         |    |     |    |    |    |     |     |
  Bark, South Ameri-}    |  79|   62|2614|3512|3761| 2687| 4518| 6203
  can bales etc.    }    |    |     |    |    |    |     |     |
                         |    |     |    |    |    |     |     |
  Bark, East India, Cey-}|    |     |    |    |    |     |     |
  lon a. Java cases     }| -- |  -- | 151|  35|  61|   44|   80|  148
                         |    |     |    |    |    |     |     |
  Bark, East India, Cey-}| 246|  868|2266|4025|2301| 2683| 3420| 3882
  lon a. Java bales etc.}|    |     |    |    |    |     |     |
  -----------------------+----+-----+----+----+----+-----+-----+-----
  Total                  | 325|  932|5043|7614|6169| 5458| 8080|10298

  =======================+===================================
                         |
                         | Imported to Date (December 31)
                         |
  -----------------------+-----+-----+-----+-----+-----+-----
                         | 1906| 1905| 1904| 1903| 1902| 1901
                         |     |     |     |     |     |
  =======================+=====+=====+=====+=====+=====+=====
  Aloes cases etc.       | 1457| 1190| 1821| 1667| 2110| 1313
                         |     |     |     |     |     |
  Aloes gourds           | 1765|  560|  -- |  -- |  904|  --
                         |     |     |     |     |     |
  Aniseed, Star cases    |  -- |  -- |   25|   12|   35|   11
                         |     |     |     |     |     |
  Arrowroot barrels      |14772|12685|15294|15064|19075|20410
                         |     |     |     |     |     |
  Arrowroot boxes        |     |     |     |     |     |
  and tins               |  255|  839| 1296|  971| 1740| 1570
                         |     |     |     |     |     |
  Balsam casks etc.      |  670|  237|  405|  783|  966| 1580
  -----------------------+-----+-----+-----+-----+-----+-----
  Bark, South     }      |     |     |     |     |     |
  American cases  }      |  -- |    2|   33|   18|  -- |    5
                         |     |     |     |     |     |
  Bark, South Ameri-}    | 2330| 6163| 5172| 5564| 8265| 9874
  can bales etc.    }    |     |     |     |     |     |
                         |     |     |     |     |     |
  Bark, East India, Cey-}|     |     |     |     |     |
  lon a. Java cases     }|  177|    1|   37|   26|    4|   20
                         |     |     |     |     |     |
  Bark, East India, Cey-}| 5684| 9899| 6044| 7053|11016|14602
  lon a. Java bales etc.}|     |     |     |     |     |
  -----------------------+-----+-----+-----+-----+-----+-----
  Total                  |

  =======================+====================================
                         |
                         |  Delivered to Date (December 31)
                         |
  -----------------------+-----+-----+-----+-----+-----+----
                         | 1906| 1905| 1904| 1903| 1902| 1901
                         |     |     |     |     |     |
  =======================+=====+=====+=====+=====+=====+=====
  Aloes cases etc.       | 1508| 1596| 1939| 2240| 2050| 1893
                         |     |     |     |     |     |
  Aloes gourds           | 1815|  510|  -- |  -- | 1050|  888
                         |     |     |     |     |     |
  Aniseed, Star cases    |  -- |  -- |   25|   13|   41|   46
                         |     |     |     |     |     |
  Arrowroot barrels      |17080|16433|18460|14682|14570|20863
                         |     |     |     |     |     |
  Arrowroot boxes        |     |     |     |     |     |
  and tins               |  480| 1229| 1007| 1332| 1082| 1152
                         |     |     |     |     |     |
  Balsam casks etc.      |  539|  547|  519|  619|  957| 1460
  -----------------------+-----+-----+-----+-----+-----+------
  Bark, South     }      |     |     |     |     |     |
  American cases  }      |   30|    6|   31|   36|    3|    1
                         |     |     |     |     |     |
  Bark, South Ameri-}    | 3228| 6412| 4098| 7395| 9950| 9544
  can bales etc.    }    |     |     |     |     |     |
                         |     |     |     |     |     |
  Bark, East India, Cey-}|     |     |     |     |     |
  lon a. Java cases     }|   61|   27|   20|   62|   72|   70
                         |     |     |     |     |     |
  Bark, East India, Cey-}| 7437| 8175| 6426| 7809|11478|14209
  lon a. Java bales etc.}|     |     |     |     |     |
  -----------------------+-----+-----+-----+-----+-----+------
  Total                  |10756|14620|10575|15302|21503|23824

  [1] Bark ist Chinarinde.


     Titel und Ausschnitt aus einer Amsterdamer Auktionsliste von
                              Chinarinde.

                  NEDERLANDSCHE HANDEL-MAATSCHAPPIJ.

                                NOTITIE
                                  DER
                         VEILING TE AMSTERDAM,

                                  VAN

                              114 Kisten
                                  EN
                               483 Balen

                            JAVA KINABAST,

                        LIGGENDE TE AMSTERDAM,
        (WAARONDER EENIGE COLLI UITERLIJK MIN OF MEER GEVLEKT)

                     op Donderdag 17 Januari 19..,

              onmiddellijk na afloop der eerste veiling,

                     in de BRAKKE GROND in de NES.


          De goederen zijn liggende en te bezichtigen op den
                  12, 14, 15, 16 en 17 Januari 19..,

              in het =KINA-ETABLISSEMENT=, Entrepôt-Dok.

   (Op aanvraag wordt ook op de overige werkdagen toegang verleend)


  =8.=   20 balen netto cᵃ. =2100 Kgr. C. Ledgeriana gruis=.
                     Zwavelzure Kinine _4.01_ pCt.
  Opsl. Nᵒ. 21413. Kav. =197=. 20 balen Nᵒ. 1/20.

  =9.=  =16= balen netto cᵃ. =1680= Kgr. =C. Ledgeriana Takbast=.
                     Zwavelzure Kinine _4.79_ pCt.
  Opsl. Nᵒ. 21414. Kav. =198=. 16 balen Nᵒ. 1/16.

  =10.=  =4= balen netto cᵃ. =460= Kgr. =C. Ledgeriana gruis=.
                     Zwavelzure Kinine _4.03_ pCt.
  Opsl. Nᵒ. 21415. Kav. =199=. 4 balen Nᵒ. 1/4.

  =8.=  =6= kisten netto cᵃ. =180= Kgr. =Succirubra grof gruis=.
         Zwavelzure Kinine _2.69_ pCt. Totaal Alc. _7.61_ pCt.
  Opsl. Nᵒ. 21416. Kav. =200=. 6 kisten Nᵒ. 1/6.

  =7.=  =36= kisten netto cᵃ. =1000= Kgr. =Succirubra gebr. pijpen=.
         Zwavelzure Kinine _2.42_ pCt. Totaal Alc. _6.09_ pCt.
  Kav. =201=. 18 kisten Nᵒ. 1/18.
   „   =202=. 18  „     „  19/36.

  =9.= =12= kisten netto cᵃ. =345= Kgr. =Succirubra pijpen= cᵃ.
          50 c=M=.
         Zwavelzure Kinine _2.42_ pCt. Totaal Alc. _6.09_ pCt.
  Kav. =203=. 12 kisten Nᵒ. 1/12.

  =10.= 7 kisten netto cᵃ. =230= Kgr. =Succirubra pijpen= cᵃ.
          50 c=M=.
         Zwavelzure Kinine _2.42_ pCt. Totaal Alc. _6.09_ pCt.
  Kav. =204=. 7 kisten Nᵒ. 1/7.


[Illustration: Tafel XXVIII

+Monster steken.+

Entnehmen der Durchschnittsmuster der _Chinarinde_ in Amsterdam.
[+van der Wielen+ phot.]]

[Illustration: Tafel XXIX

+Monster Opbergen.+

Aufbewahren der gemahlenen Durchschnittsmuster der _Chinarinde_ in
der Musterkammer. Rechts einige Musterbeutel.

[+van der Wielen+ phot.]]

Gegenstände des +Londoner+ Großhandels, über die die Marktberichte
regelmäßig Notierungen über Zufuhren und Preisbewegung bringen, sind
(1907) besonders:

_Arrowroot_, _Aloes_, _Benzoin_, _Buchu_, _Campher_, _Castor oil_,
_Cascara Sagrada_, _Chamomiles_, _Cocain_, _Cinchona bark_, _Cloves_,
_Coconut oil_, _Dragons blood_, _Elemi_, _Galls_, _Gummi arabic_,
_Ginger_, _Golden Seal_, _Ipecacuanha_, _Jalap_, _Japan Wax_, _Linseed
oil_, _Liquorice root_, _Menthol_, _Oil of Peppermint_, _Olive oil_,
_Otto of Roses_, _Opium_, _Pepper_, _Pimento_, _Podophyllum root_,
_Rhubarb_, _Senega_, _Shellac_, _Traganth_, _Terpentine_.

Von den Warehouses gelangt die Droge dann in den Kleinhandel (Fig. 264).

       *       *       *       *       *

Ein Drogenmarkt von ungeheuerer Ausdehnung ist der von =New York= (Fig.
265). New York ist der Hauptmarkt für das ganze Land und dort wohnen
natürlich auch die größten Importeure von Drogen, Botanical goods usw.
Die führenden auswärtigen Häuser haben Lokal Broker, die den +New
York-City trade+ besuchen und Muster und Preise vorlegen. Inländische
+Jobbing houses+ (Verkaufshäuser) oder +wholesale druggists+
(Engros-Drogisten) ihrerseits gebrauchen New York-Brokers, die ihre
allgemeinen Bedürfnisse einkaufen, -- Patent-Medizinen, ätherische
Öle und alles, was sich auf Drogen bezieht -- und diese Brokers gehen
herum bei den hauptsächlichsten New York-+City dealers+ (Händlern) und
Importeuren.

Die Drogen, die im Innern gesammelt werden, werden den New Yorker
Häusern gewöhnlich von Kaufleuten aus dem Westen und Süden angeboten,
die ihre Vorräte direkt von Farmern oder Sammlern einheimischer Drogen
erhalten. Es gibt in New York keine Auktionsverkäufe, wie wir sie in
London (s. d.) und Amsterdam (s. d.) finden. Alles erhält man durch
Privatverkauf. Handelsjournale (trade journals) und Preislisten, die
von den größten Dealers herausgegeben werden, machen die +Jobber+
(Makler) mit den Marktpreisen bekannt.

Der nordamerikanische Großhandel bezeichnet die Produkte vielfach
anders als der europäische. So werden z. B. die Harzprodukte der
_Coniferen_ (besonders _Pinus australis_) summarisch als _Naval stores_
bezeichnet, und man unterscheidet:

_Rosin_ (unser Colophonium), _Tar_ (Teer), _Terpentine and pitch_
(das abgekratzte Harz der Wunden), _Terpentine_, _spirits_ (unser
Terpentinöl). Keine Drogen erreichen derartige Produktionsziffern
(siehe auch Kapitel Pharmakodiakosmie), wie folgendes +Summary of
exports of Naval stores for the fiscal years+ 1903–1906 zeigt:

                                    1903       1904      1905      1906

  _Rosin_                barrels   2396498   2585108   2310275   2438556
  _Tar_                     „        18622     15644     20291     16821
  _Terpentine and pitch_    „        15972     13177     24971     14232
  _Terpentine spirits_   gallons  16378787  17202808  15894813  15891253

=Amsterdam= (Fig. 266 u. 267) ist jetzt Zentrum des
_Chinarinden_handels. Während es 1892 noch gerade London die Wage
hielt, importierte es schon 1901 über das dreifache «_Kinabast_».
Der Aufschwung datiert vom Jahre 1886, von der Gründung der
«+Kina-Etablissement+»durch ~Briegleb~, sowie von den etwa gleichzeitig
eingeführten vierzehntägigen Auktionen (Veilingen), die allmählich die
Particulieren planter in Java vom Londoner Markte abzogen. Viel trug
auch die neue Art des «Musternehmens» -- die Abnehmer dürfen jetzt
selbst Muster erheben -- und der vorzüglich geordnete zentralisierte
Betrieb des Ganzen zum Aufschwunge Amsterdams als _China_markt bei.
Schon 1891 schloß sich denn auch die Gouvernements Kina-Onderneming dem
Kina-Etablissement an.

Man unterscheidet den in Kisten zugeführten «+Pharmazeutischen Bast+»
(Fig. 269) in Röhren (pijpen) oder snitsels -- Drogistenrinde -- und
den zerkleinerten oder gepulverten (gruis)«+Fabrieksbast+»(Fig. 268)
(Fabrikrinde) in Säcken oder Ballen.

[Illustration: Fig. 271.

Im Hafen von Hamburg. Löschen der Ladung auf die Leichter und Schuten.]

Die _Chinarinde_ wird in besonderen Räumen ausgestellt, Säcke und
Kisten getrennt, meist einander gegenüber, beide geöffnet, so daß
man den Inhalt besichtigen kann. Nummern und Zeichen korrespondieren
mit den Auktionslisten. Jeder Posten (Opslag), der das Produkt
derselben Ernte einer Plantage umfaßt, erhält eine «Opslag-Nummer».
Er besteht natürlich aus einer sehr wechselnden Zahl von Kisten oder
Ballen. Jeder Posten wird analysiert und in der Auktionsliste der
Gehalt an (schwefelsaurem) Chinin und Gesamtalkaloid -- bisweilen
auch an Cinchonidin, Chinidin, Cinchonin und amorph. Alkaloid --
angegeben. Die +Analyse+ wird im Laboratorium des Etablissements an
einem +Durchschnittsmuster+ ausgeführt, das man in der Weise erhält,
daß man mittelst eines eigenartigen Instrumentes aus der Mitte der
Ballen Proben entnimmt (Taf. XXVIII), diese mischt, in einer Mühle
mahlt (Fig. 270) und das Mahlprodukt in Kisten, die auch wieder die
Opslag-Nummer usw. tragen, in der Monster-Kamer aufhebt (Taf. XXIX).
Aus diesen werden Muster von 100 g an die Interessenten in mit Siegel
(K. E.) versehenen Papierbeuteln abgegeben, die aufgedruckt enthalten:
die Opslag-Nummer, die Zahl der Ballen oder Kisten, die der Posten
umfaßt, die Bezeichnung der Art (z. B. _Java Kinabast_, _Indisch merk_,
_Succirubra Wortelbast_) und Herkunft (z. B. Tangkoeban Praoe), den Tag
der Auktion und die Kaveling-Nummer, sowie die Angabe, aus wieviel
Ballen die Probe das Durchschnittsmuster darstellt. Jetzt kann jeder
Interessent das Durchschnittsmuster einer Kontrollanalyse unterwerfen
lassen -- wenn er will. Über das Unit vgl. S. 179.

Jetzt importiert Amsterdam auch _Chinin_, denn seit 1894 fabriziert
die «Bandoengsche Kininefabriek» in Bandoeng (Java) Chininsulfat. Die
Produktion betrug pro 1901 schon 30000 kg, pro 1906 55000 kg. Sie kann
auf 100000 kg gesteigert werden.

Der Handel liegt auch hier in den Händen von Agenten oder Maklern
(Makelaar). Über die Auktionen oder Veilingen, die in bestimmten,
vorher festgestellten Intervallen abgehalten werden, erscheinen nachher
Berichte, die die erzielten Preise angeben. Alles ist also vorzüglich
organisiert.

In der Beilage teile ich eine Amsterdamer Auktionsanzeige und ein Blatt
aus der Auktionsliste mit.

Die Einfuhr von Amsterdam an javanischen _Chinarinden_ betrug 1889:
2073959 kg, 1906: 8794480 kg. Davon entfallen auf _Succirubra_ 1153315
kg, auf _Ledgeriana_ 5980802, auf _Schuhkraftiana_ und _javanica_ 1597,
auf _Cinchona officinalis_ 11970, auf _Hybriden_ 1646796 kg. ~Gustav
Briegleb~ in Amsterdam gibt eine graphische Table showing the average
Units of the Amsterdam Cinchona bark sales in the years ... heraus.

Auch für andere Drogen ist Amsterdam ein wichtiger Einfuhrhafen,
neuerdings besonders für _javanische Coca_.

[Illustration: Fig. 272.

Hamburg, Fleet beim Grimm. Links volle, rechts leere Leichter, die die
gelöschten Waren von den Dampfern holen und zu den Geschäftsspeichern
(links) bringen.]

In =Hamburg= (Fig. 271 u. 272) ist der Drogenhandel sehr entwickelt.
Mir wurden (1907) gegen 40 größere Importfirmen genannt, die sich
mit Drogeneinfuhr beschäftigen. Allerdings beschäftigen sich nur
wenige mit dem Import +aller+ Drogen. Die meisten betreiben diese
oder jene Spezialität, wie _Campher_, _Copaivabalsam_, _Perubalsam_,
_Lycopodium_, _Secale cornut._, _Coca_, _Cola_, _Calabarbohnen_,
_Jaborandi_, _Jalape_, _Rhabarber_, _Strophanthus_, _Kamala_,
_Ipecacuanha_.

Die Drogenspeicher Hamburgs befinden sich teilweise im Freihafengebiet,
teilweise in den inneren Stadtteilen, die dem Hafen nahegelegen
oder doch von diesem aus möglichst auf Wasserstraßen (Fleeten,
Fig. 272) bequem und schnell zu erreichen sind. In der Regel
hat jede Großhandlung von irgend welcher Bedeutung außer ihren
Geschäftsspeichern in der inneren Stadt auch solche im Freihafengebiet,
um sich unnötige Verzollungen für zollpflichtige Waren, die das
Inland nicht berühren, sondern gleich ab Hafen wieder weiter
gehen, zu ersparen. Die großen Dampfer (Fig. 271) kommen alle bis
nach Hamburg und fahren nach den Anlegeplätzen der betreffenden
Schiffsgesellschaften, wo die Güter ausgeladen und in Dampfbooten
(Schuten) oder Lastkähnen (Leichtern) ihren Eigentümern zugeführt
werden. Vielfach werden auch die ankommenden Waren irgendwo im Hafen
in Lagerschuppen bei sogenannten +Quartiersleuten+, die eine alte
Zunft bilden, eingelagert. Dort können auch Besichtigungsproben gegen
Erlaubnisschein der betreffenden Firma, welche Besitzerin der Ware ist,
entnommen werden.

Täglich erscheint eine Einfuhrliste, aus welcher Interessenten Art und
Anzahl der eingetroffenen Güter ersehen können.

In +Hamburg+ vollzieht sich der Großdrogenhandel nach einem anderen
System wie in den oben beschriebenen Häfen. Regelmäßige Drogenauktionen
wie in London und Amsterdam finden hier nicht statt -- nur havarierte
Schiffsgüter werden bisweilen verauktioniert. Der Drogenhandel ist in
den Händen von +Drogenmaklern+ (d. h. Agenten), die Verbindungen mit
den betreffenden Importfirmen haben, jeden Tag vorsprechen, die Preise
erfragen und die Geschäftsabschlüsse gegen meist ein Prozent Courtage
(«+Maklergebühr+») vermitteln. Kaufende und verkaufende Firma treten
also meist nicht in direkte Verbindung. Die Bezahlung geschieht nach
Empfang der Ware per Kasse abzüglich 1% Skonto, falls es sich nicht um
Netto-Kasse-Artikel handelt.

Die größten Firmen geben allmonatlich Listen aus. Ich teile eine Seite
einer solchen Liste in der Beilage mit, die telegraphische Bestellung
nach den vorgedruckten Zeichen ermöglicht.

Für die technischen Drogen, die in riesigen Mengen verbraucht werden,
wie z. B. _Copal_ und _Kautschuk_, existieren besondere Importfirmen,
die sich ausschließlich und fast ausschließlich mit diesen Objekten
beschäftigen.

Mehr wie in London wird in Hamburg auf die +Drogenappretur+ gegeben,
und finden sich selbst in den Listen der dortigen Großdrogenhäuser
regelmäßig auch geschnittene Drogen aufgeführt. Im allgemeinen
geschieht aber auch hier eine Appretur nur dann, wenn sie erforderlich
ist oder vom Kunden gewünscht wird. So werden z. B. Wurzeln
(_Sarsaparille_) bisweilen gewaschen, d. h. vom Erdreich befreit,
andere ausgelesen, «elegiert», z. B. bei _Ipecacuanha_ die Stengel
und Rhizome ausgelesen. _Balsame_ (z. B. _Copaiva_) werden vom Wasser
und Schleim durch Klären befreit, _Lycopodium_ wird gesiebt, _Kamala_
gesiebt und geschlämmt u. a. m. Manche Drogen werden auch gebleicht
(_Ichthyokolla_, _Schellack_). Die Methoden sind sehr verschieden und
richten sich ganz nach der Art der Droge bezw. nach dem Zustand, wie
sie ankommt. Die verwendeten Verfahren werden von den Firmen meist
geheim gehalten. Für die _Campher_raffinerie ist Hamburg jetzt Hauptort.


 Ausschnitt aus einer monatlich versandten Medicinaldrogenliste einer
                      Hamburger Großdrogenfirma.

                                          |3 Monats-| Netto |Bemerkungen
              =Januar 19=..               | Accept  | Cassa |
                                          |   =M=   |  =M=  |
 --+--------------------------------------+---------+-------+-----------
 MD| =Aloë Curaçao= Kst. ca. 50/55 Ko.    |         |       |
   |    leberfarbig 00  bei 20 Kist. % Ko |  --.--  | --.-- | }Ohne
   |                     »   5   »     »  |  --.--  | --.-- | }Garantie
   |                    einz.    »     »  |  --.--  | --.-- | }für Ver-
   |    leberfarbig 0   bei 20   »     »  |  --.--  | --.-- | }änderung
   |                     »   5   »     »  |  --.--  | --.-- | }der Farbe
   |                    einz.    »     »  |  --.--  | --.-- | }während
   |    leberfarbig 1   bei 20   »     »  |  --.--  |--.--  | }der Reise
   |                     »   5   »     »  |  --.--  | --.-- | }oder auf
   |                    einz.    »     »  |  --.--  | --.-- | }Lager
   |    pulv. gross. Kist. à 50 Ko.    »  | 102.--  |100.-- | }
   |      »   subt.    »   » 50  »     »  | 122.--  |120.-- | }
   |                                      |         |       |
 MD| =Anethol= s. u. Ol. Anisi vulgaris.  |         |       |
   |                                      |         |       |
 MD| =Anthophylli=, Gonjes ca. 80 Ko.  »  |         |       |
   |   elect hellbraun                 »  | 153.--  |150.-- | Anbruch
   |                                      |         |       |   + 25.--
   |   naturell   »                    »  | 102.--  |100.-- | Anbruch
   |                                      |         |       |   + 25.--
   |       »  schwarz                  »  |  51.--  | 50.-- | Anbruch
   |                                      |         |       |   + 25.--
   |                                      |         |       |
 MD| =Araroba= ordinair, Kisten ca.       |         |       |
   |   17 Ko.,                            |         |       |
   |          bei 1000 Ko.             »  |  40.--  | 39.-- |
   |          einz. Kisten             »  |  50.--  | 49.-- |
   |    pulv. subt.                    »  | 406.--  |400.-- |
   |                                      |         |       |
  G| =Arrowroot=, St. Vincent,            |         |       |
   |      Fässer ca. 100 Ko.              |         |       |
   | extra prima 00  bei 10 Barrels % Ko. |  58.--  | 57.-- |
   |                  »   5   »        »  |  59.--  | 58.-- |
   |                 einz.    »        »  |  60.--  | 59.-- |
   |    prima 0      bei 10   »        »  |  48.--  | 47.-- |
   |                  »   5   »        »  |  49.--  | 48.-- |
   |                 einz.    »        »  |  50.--  | 49.-- |
   |    courant 1    bei 10   »        »  |  --.--  | --.-- |
   |                  »   5   »        »  |  --.--  | --.-- |
   |                 einz.    »        »  |  --.--  | --.-- |
   |                                      |         |       |
 MD| =Balsam=, =Canada=, Kist.            |         |       |
   |                 2 Can. ca. 20 Ko.    |         |       |
   |   filtriert     bei 5 Kist. % Ko.    | 398.--  |390.-- |
   |                 einz.   »   »        | 408.--  |400.-- | einz. Can.
   |                                      |         |       |   + 10.--
   |                                      |         |       |
 MD|   »  =Copaiva=, Kisten à 2 Can.      |         |       |
   |                         ca. 18 Ko.   |         |       |
   | Ph. G. IV, Benzinlöslich (1:4),      |         |       |
   | Ph. Brit. Ph. Ross. Ph. Japon.       |         |       |
   | Ph. Suec. Ph. Aust. bei 10   » % Ko. | 310.--  |305.-- |
   |                      »   5   »   »   | 313.--  |308.-- |
   |                      » einz. »   »   | 320.--  |315.-- | einz. Can.
   |                                      |         |       |   + 10.--
   | Ph. G. IV, Ned.      »  10   »   »   | 250.--  |245.-- |
   |                      »   5   »   »   | 253.--  |248.-- |
   |                      » einz. »   »   | 260.--  |255.-- | einz. Can.
   |                                      |         |       |   + 10.--
   | Ph. G. III           »  10   »   »   | 250.--  |245.-- |
   |                      »   5   »   »   | 253.--  |248.-- |
   |                      » einz. »   »   | 260.--  |255.-- | einz. Can.
   |                                      |         |       |   + 10.--
   | in 90%igem Sprit     »  10   »   »   | 230.--  | 225.--|
   | löslich              »   5   »   »   | 233.--  | 228.--|
   |                      » einz. »   »   | 240.--  | 235.- | einz. Can.
   |                                      |         |       |   + 10.--
   |                                      |         |       |
   |                                      |         |       |}für tech-
 MD| dick, mitteldick  bei 10 Kist. % Ko. | 160.--  | 157.--|}nische
   | od. dünn           »   5   »     »   | 163.--  | 160.--|}Verwendung
   |                    » einz. »     »   | 170.--  | 167.--|}einz. Can.
   |                                      |         |       |}  + 10.--


Die großen deutschen Drogenhäuser des Inlandes kaufen die Drogen meist
«naturell»nach der Liste und nach vorheriger Einsendung und Prüfung
eines entsprechenden Kauf- bezw. Ausfallmusters und reinigen die Ware
dann selbst. Die Drogenappretur inländischer Drogen wird besonders in
Dresden, Halle und Ebingen betrieben. Die erste Drogenappreturanstalt
-- jetzt die größte Europas -- errichtete ~Gehe~ 1865 in Dresden.

Der Hamburger Markt, obgleich außerordentlich zur Blüte und Größe
gelangt (S. 166) und sehr selbständig, ist natürlich bei manchen
Artikeln unter anderen auch auf den Londoner Markt und die dortigen
Auktionen angewiesen und umgekehrt. Diese Geschäfte werden durch
eigene Agenten der Großhäuser besorgt. Täglich findet ein lebhafter
Depeschenwechsel zwischen Hamburg und London statt.

Um eine Übersicht über den Hamburger Handel zu geben, teile ich die
Drogeneinfuhr- und -Ausfuhrliste pro 1906 im folgenden mit.

Es betrug die +Einfuhr+ nach Hamburg (die Namen der Artikel nach der
Liste unkorrigiert):

 Artikel                     1906     1905     1904     1903     1902
                                          Doppelzentner
 Agar-Agar                   1064      ?        232,9   1138     1573
 Albumin                     4555     3153     1837     1958      965
 Aloë, Cap- und Curaçao       892     1279     2257     1945     2059
 Balsam Copaivae              336      230      466      461      319
   »    Peru                  234,8    263,8    277      340,16   289,2
 Cortex Chinae               2711     2541     1860     2776     3752
 Cumin                       3495     5318     4646     5185     4382
 Fabae Tonco                  105,7     36      120,5    121,3     42,3
 Gallen                     24528    18905    27474    25313    25047
 Gummi arab.                39032    44536    34600    39894    34316
   »   Benzoë                1436      999     1385     1067      768
   »   Dammar                6237     6867     4976     5314     4073
   »   Kopal                27695    27057    32900    22559    20029
   »   Sandarak              2094     2715     2000     1532     1039
   »   Senegal                947     1366     1376      513      308
   »   Tragant               4616     3340     2618     2463     1880
 Irländ. und Isländ. Moos    3237     2783     3140     2728     2400
 Campher                    11124    10085    14626    17087    18361
 Oleum Anisi Stellati         336,4    401,65   521,3    300      333,3
   »   Menth. pip.            935     1059,1    885,2    706,1    504,14
   »   Ricini               27300    22313    21211    23792    19832
 Opium                        180,58   275,62   326,86   183,06   168,96
 Radix Ipecacuanhae           129,5    141,7    178,7    192,6    230,6
   »   Jalapae                686      603       97      599      579
   »   Liquiritiae           5484     3928     5063     3375     6720
   »   Rhei                   996     1281     1127      584      965
   »   Sarsaparillae         1285      958      881      902     1306
   »   Senegae                488      478      388      624      411
 Schellack                  36753    33716    26207    26440    21600
 Semen Sabadillae            1410      ?        ?        549      901
 Sennesblätter               2067     4349     4370     3068     3259
 Sternanis                    329      103      308     1191      628
 Terra Catechu und Japonica 23638    21186    23818    25925    25308

                                      Einfuhr              Ausfuhr
                                   1905     1904        1905     1904
                                            Doppelzentner netto
  Öle, äther., nicht bes. genannt  4713     4624   |    4830     4910
    davon aus resp. nach:                          |
      Ceylon                        350      236   |     --       --
      China                         623      378   |     --       --
      Japan                         266      202   |     --       --
      Vereinigte Staaten            308      278   |     901     1549
      Rußland                       112      116   |     543      397
  Essenzen usw., alkohol- oder                     |
    ätherhaltige (Menthol usw.).   1906     1869   |    2462     2711
    davon aus resp. nach:                          |
      Japan                         497      349   |     --       --
      Österreich-Ungarn             699      153   |     216      250
  Hausenblase, echte u. unechte     169      229   |      89       77
  Aloë                             1111     2039   |     804     1305
    davon aus:                                     |
      Brit. Südafrika               318     1111   |     --       --
      Niederl. Amerika              454      560   |     --       --
  Kanthariden                       134      155   |      77       69
  Chinarinde                      25934    39426   |     828     1165
    davon aus:                                     |
      Niederl. Indien             23791    35636   |     --       --
  Cochenille                        620      691   |     122      244
  Dividivi                        97733    84012   |   27187    22441
  Galläpfel                       19316    27117   |    2958     2231
  Gummi arab., Senegal-, Tragant- 58400    54277   |   23150    21535
  Indigo                           1973     2600   |  111648    87300
  Camphor                         10016    11631   |    3305     2663
  Catechu                         46482    44201   |   14227    13073
  Opium                             687      676   |     133      116
  Rhabarber, getr.                 1200      811   |     481      310
  Getr. Mandeln                  104714    97878   |     236      166
  Gewürznelken                     7920     6739   |     674      864
  Ingwer                           2449     2455   |      10        4
  Cardamom                          728      728   |     --         1
  Macis                            5654     4960   |      27        6
  Pfeffer, schwarzer              31040    35040   |     170      119
    »      weißer                 19360    22622   |      19        2
  Piment                          13587    13755   |       3        9
  Sternanis                         314      301   |       4        3
  Vanille                           797      789   |      45       70
  Cacaobutter, Cacaoöl              183      276   |   18246    13851
  Insektenwachs, roh              25578    25067   |     244      416
    davon aus:                                     |
      Deutsch-Ostafrika            3171     1738   |     --       --
      Madagaskar                   2025     1158   |     --       --
      Brasilien                     549     1473   |     --       --
  Pflanzenwachs (Carnaubawachs)                    |
    roh, davon aus:                                |
      Brasilien                    5422     5849   |     --       --
  Wachs jeder Art, zubereitet      4318     4666   |   22054    19206
    davon aus Japan                3344     3611   |     --       --
  Balsame, natürliche, außer                       |
    Terpentin                      2008     1707   |    1062     1089
  Gummilack, Schellack            41043    32162   |    9576     8589

Die meisten Drogen werden nach dem Aussehn gehandelt, doch greift
die löbliche +Sitte, nach dem Gehalt zu kaufen+, immer mehr um sich.
Schon jetzt wird vielfach ein Zertifikat des Chemikers verlangt.
So z. B. wird der _Perubalsam_ nach dem Cinnameïngehalte, das
_Eucalyptusöl_ nach dem Eucalyptolgehalte (ich fand solches mit der
Bezeichnung: «60–70% Eucalyptol»), das _Pfefferminzöl_ nach dem
Mentholgehalte (ich sah in London auch «_dementholized pepermint
oil_»), das _Sandelöl_ nach dem Santalolgehalte, _Zimtöl_ nach dem
Zimtaldehydgehalte gehandelt. Bei den ätherischen Ölen haben besonders
~Schimmel & Co.~ darauf hingewirkt, daß die Chemie das letzte Wort bei
deren Kaufabschlusse hat. Vielfach wird auch nach den Ansprüchen der
Pharmakopoëen gehandelt (z. B. _Bals. Copaiv._ Ph. germ. IV).

Bei der _Chinarinde_ von Java wird in den Regierungs-Chinaplantagen
(Fig. 243) das Chinin bestimmt (seit 1872, ~Moens~, ~Gorkom~), das
Resultat in einem Zertifikat jedem Posten beigelegt und dasselbe
dann, wenn auch nicht regelmäßig, in Amsterdam nachkontrolliert.
Bei der Particulierrinde geschieht die Bestimmung erst in Amsterdam
(vgl. S. 174). Gehandelt wird die _Chinarinde_ nach dem +Unit+, d. h.
nach Halbkiloprozenten. Wenn man sagt: Das Unit ist 10 cent holl. (1
cent = 1.69 Pfennig), so heißt das soviel wie: das halbe Kilo einer
einprozentigen Rinde kostet 10 cent, einer zweiprozentigen also 20
cent, einer fünfprozentigen 50 cent usw. Die Rinde wird also nur nach
ihrem Gehalte an Chinin (sulfat) gehandelt. Das Unit war in den letzten
Jahren ziemlichen Schwankungen unterworfen. Es fiel von 1891–1893 von
7.50 auf 2.60, blieb dann dauernd niedrig, ja sank sogar Anfang 1897
bis auf 2.15 herab, den tiefsten Stand, den es je erreichte, um dann
noch im gleichen Jahre auf 7.90, 1899 auf 10.90 und 1900 gar auf 12.20
zu steigen. Dann ist es wieder herabgegangen. Ende 1906 stand es um 5.

Auch die Hamburger Listen geben bei _Chinarinde_ immer den
Alkaloidgehalt des betreffenden Postens an.

Die _Kamala_ wird jetzt nach dem Aschengehalt gehandelt (2.5–3.5–5–6%
Asche), die ascheärmste ist um die Hälfte teurer als die aschereichste.

  Die «Klassifizierung» des _indischen Opiums_ unterscheidet nach dem
  Gehalt an wasserfreiem _Opium_ (bei 212° F. getr.) 12 Klassen:

  Buitengewoon           82 Grade (und höher)
  Bala Bashi Durawal  79–81   „
  Bala Durawal        76–78   „
  Durawal             73–75   „
  Awal                70–72   „
  Doem                67–69   „
  Saem                64–66   „
  Chaharun            61–63   „
  Punjum              58–60   „
  Shuihum             55–57   „
  Huftum              52–54   „
  Pani amez  weniger als 51   „ (d. h. weniger als 51% wasserfreies
                                   _Opium_).

Der deutsche Großdrogenhandel hat seinen Hauptsitz in Hamburg, ferner
in Berlin, das Leipzigs Erbschaft angetreten hat, und Dresden, dann
in Leipzig, Halle, Breslau, Stuttgart, Nürnberg, endlich in Bremen,
Stettin, Danzig, Königsberg, Braunschweig, Hannover, Frankfurt a. M.,
Würzburg.

Die Mengen, welche die Pharmazie von den Drogen braucht, sind
übrigens verschwindend gering gegenüber den enormen Mengen, die die
Industrie z. B. vom _Colophonium_ und _Terpentin_, von _Dammar_,
_Copal_, _Campeche_, _Fernambuc_, _Gummi arabicum_, _Galläpfeln_,
_Guttapercha_, _Kautschuk_, _Baumwolle_, _Olivenöl_ u. and. verbraucht
und auch Küche und Haus verbrauchen erheblich mehr _Cacao_, _Tee_,
_Kaffee_, _Stärke_, _ätherische Öle_ u. and. als die Apotheke.

Der moderne Großdrogenhandel ist nicht ein Nachkomme des Großhandels
der ~Fugger~ und ~Welser~. Verfolgt man die Geschichte der heutigen
Drogenfirmen zurück, so findet man, daß viele Drogenfirmen -- wie
viele chemischen Fabriken auch -- aus einer Apotheke hervorgingen,
ein Apotheker ihr Begründer war. Aus der Apotheke ist auch der
Großdrogenhandel im XVII. und XVIII. Jahrh. -- meist durch
Berufsspaltung -- hervorgegangen (~Breitfeld~).

Bis in die Mitte des XIX. Jahrh. ist Leipzig, begünstigt durch seine
Messe, der erste deutsche Drogenhandelsplatz gewesen. ~David Heinrich
Brückner~ errichtete 1750 in Leipzig ein «+Kräutergewölbe+». «Sachsens
und Thüringens Wälder und Wiesen und die dort von altersher bestehenden
Kulturen von Gewürz- und Heilpflanzen lieferten in der Hauptsache die
Bedürfnisse des Drogengeschäftes. Was von ausländischen Produkten
zur Ausstattung einer Medizinaldrogenhandlung gehörte, kam fast
ausschließlich aus Amsterdam, welches der Hauptstapelplatz war für die
Erzeugnisse des ganzen Orients, der südeuropäischen und überseeischen
Länder. Das Absatzgebiet des Geschäftes erstreckte sich auf das
Kurfürstentum Sachsen, die angrenzenden preußischen Provinzen und
namentlich die thüringischen Lande, von denen aus damals, wie bis in
die neuere Zeit, die ‚Balsammänner‘ mit ihren aus den Leipziger Drogen
und ätherischen Ölen hergestellten Heilmitteln in die Welt zogen»
(~Brückner, Lampe & Co.~, +150 Jahre einer deutschen Drogenhandlung+).
1817 gründete +Brückner+ das Zweighaus ~Lampe, Kauffmann & Co.~ in
Berlin und 1883 fand die Fusion und Übersiedelung der Zentralleitung
nach Berlin statt.

Leipzig war das deutsche Nischni Nowgorod. Jetzt ist es durch Hamburg,
Berlin, Dresden u. and. überflügelt.

Vom Großdrogisten gelangt die Droge zum Apotheker und Kleindrogisten.
+Kleinkrämer+ mit Drogen lassen sich bis ins XII. Jahrh. zurück
verfolgen (~Kriegk~, +Deutsch. Bürgerth. im Mittelalter+, 1868).

Von Trusts hat man auf dem Gebiete der Drogen noch nichts gehört.
Doch ist in neuester Zeit in Amerika der Gedanke aufgetaucht, für
die _Kautschuk_produktion einen Trust zu gründen, der die Preise im
Welthandel diktieren soll. Er wird aber wohl kaum zustande kommen, da
die Produktion des _Kautschuk_ z. Z. schon zu stark dezentralisiert ist.

Das Bestreben, die Erzeugung gewisser auf eng umgrenzte Gebiete
beschränkter Drogen zu monopolisieren und damit den Preis zu diktieren,
ist begreiflich. Handelsvölker oder Handelsgesellschaften, welche
von solchen Bezirken Besitz ergriffen hatten, haben in früherer Zeit
oftmals den Versuch gemacht, sich ein Monopol für die Erzeugung
dieser Drogen zu schaffen und dies Monopol nicht selten mit großer
Energie verteidigt. So hat die holländisch-ostindische Kompagnie die
Anpflanzung und den Handel mit _Muskatnüssen_ auf den Bandainseln
für sich monopolisiert. Das Monopol übernahmen dann die englische
und (1816) die holländische Regierung. Ein ähnliches Monopol schuf
sich die holländisch-ostindische Kompagnie für die _Nelken_ und
die englisch-ostindische Kompagnie in Ceylon für den _Ceylonzimt_.
Auch diese sind längst aufgehoben, wie ja überhaupt unsere Zeit
monopolfeindlich ist und das freie Spiel der wirtschaftlichen Kräfte
auf ihre Fahne geschrieben hat. Doch hat noch in neuerer Zeit (5.
August 1899) Japan den _Campher_ monopolisiert, dessen wichtigste
Quelle -- Formosa -- ihm als Siegespreis im chinesisch-japanischen
Kriege zufiel. Da aber _Campher_bäume nicht nur in Japan und Formosa
vorkommen, ist es nicht sehr wirksam und 1906 erlebte, angeregt durch
die hohen _Campher_preise, die _Campher_produktion in China einen
großen Aufschwung. China brachte 1907 c. 30000 cwt _Campher_ in den
Handel.

Das größte Handelsmonopol war das am Beginn des XVI. Jahrh. errichtete
Welt-Gewürzmonopol der Portugiesen, das dieselben nach Auffindung
des Seeweges nach Ostindien errichteten und das besonders ein
_Pfeffer_monopol war. Es war eine «Monopolisierung der Ozeane». Die
Schiffe durften ihre Rückfracht nur in der Casa da India in Lisboa
(Lissabon) löschen und mehr wie einmal ordnete der König, der sich
den Titel «Herr des indischen Handels» beigelegt, die Vernichtung von
Vorräten an, wenn diese anschwollen und die Preise zu drücken drohten.
Es hatte aber keinen langen Bestand, denn schon im letzten Dezennium
des gleichen Jahrhunderts sprengten die Holländer die Ozeansperre. Auch
das erste Gewürzmonopol (für _Nelken_ und _Muskat_) auf den Bandainseln
wurde 1529 von den Portugiesen errichtet, die die Insel 1512
erreichten, entschlüpfte ihnen aber wieder gegen Ende des XVI. Jahrh.,
das zweite nahmen die Holländer, resp. die Niederländ.-Ostindische
Kompagnie nach Eroberung der Inseln im Anfang des XVII. Jahrh. Es
dauerte von 1621 bis 1796 und ist durch die Hongitogten berüchtigt.
Auch während der englischen Okkupation 1796–1802 und 1810–1816 bestand
das Monopol und als die Inseln dann definitiv in holländischen Besitz
übergingen, übernahm es die niederländische Regierung. Es erlosch erst
-- ebenso wie die Zwangskultur -- 1873.

Während der Herrschaft der Holländisch-Ostindischen Kompagnie
wurden in Amsterdam in der Mitte des XVIII. Jahrh. wiederholt die
Erntenerträgnisse von _Nelken_, _Zimt_ und _Muskatnuß_ jahrelang
aufgespeichert, um die Preise hoch zu halten, ja sogar mehrfach größere
Vorräte derselben in Amsterdam und Middelburg verbrannt.

Den Handel mit Amerika hat Spanien c. 300 Jahre lang monopolisiert
(bis zum Anfang des XIX. Jahrh.). In Sevilla befand sich die Casa
de contratacion de Indias, die oberste Aufsichtsbehörde für den
amerikanischen Handel. Im XVII. Jahrh. mußten alle Schiffe Sevilla
anlaufen, dann wurde (1717) Cadiz Monopolhafen. -- Vgl. auch die
Monopole bei den Arzneipflanzenkulturen im Kap. Pharmakoërgasie (S. 47).

  Lit. +v. Neumann-Spallart+, Übersicht. d. Weltwirtsch. 5 B.
  1878–1887, fortges. von Juraschek 1891. -- +Sonndorfer+, Technik
  des Welthandels. -- +von Lignitz+, Produktion, Handel u.
  Besiedelungsfähigkeit d. deutsch. Kolonien. Berlin 1908. -- +Paul
  Langhans+, Kleiner Handelsatlas, J. Perthes 1895. -- Handelsberichte
  von Julius Großmann, Gehe & Co., Schimmel & Co., Caesar & Loretz,
  J. D. Riedel u. and. -- Handelsberichte in der Chemikerzeitung und
  im Chemist and Druggist London. -- Ausfuhrlisten der Welthäfen
  (Singapore, Batavia, Colombo, New York, Hongkong usw.). -- Deutsch.
  Handelsarchiv. -- Handelsbericht. -- Gothaisches Genealog.
  Taschenbuch. -- Export, Organ d. Zentralver. f. Handelsgeogr. --
  Export-Jahrbuch. -- Annuaire de l’économie politique et de la
  statistique. -- The statesmans yearbook. -- Javasche Courant. --
  Indische Mercuur. -- +Monthly statement of drugs+, drysalteries
  etc. in the Docks and various other London Warehouses. -- +London
  Customs Bill of entry.+ -- The commercial and Financial Chronicle.
  -- +Jaaroverzichten+ betreffende den handel in Koloniale producten
  (Indische Mercuur). -- +Gustav Briegleb+ in Amsterdam gibt eine
  sehr instruktive Graphische Table showing the average Units of the
  Amsterdam Cinchonabark sales heraus, aus der das Fallen und Steigen
  der Units im Laufe der Jahre ersichtlich ist. -- Marktbericht
  en Prijs Courant opgemaakt door de «Handels-Vereeniging» te
  Batavia. -- Die +Bluebooks+ Englands, die +Konsularberichte+,
  das +Deutsche Handelsarchiv+ enthalten wichtige Angaben über die
  Handelsverhältnisse, Statistiken u. and. -- Commercial Report from H.
  M. Consuls in China. -- Calendar of State papers, Colonial Series. --
  Für Japan die Consular Reports. -- Ich habe meine Erkundigungen auch
  durch die Konsuln des Deutschen Reiches und der Schweiz eingezogen.


3. Produktions- und Exportziffern.

Die +Exportziffern+ sind aus den Exportlisten zu ersehen, die
+Produktions+ziffer ergibt sich aber aus diesen nicht. Sie ist meist
nur annähernd festzustellen, da sich der Verbrauch im Produktionslande
selbst nur schwer kontrollieren läßt. Sie ist die Summe der
Exportziffer und der Landeskonsumziffer.

Um eine Vorstellung von der Ausfuhr großer überseeischer Handelsplätze
zu geben, teile ich im folgenden als Beispiele die Exportlisten zweier
für uns besonders wichtiger, von mir besuchter Inseln -- Ceylon und
Java -- mit.


+Export von+ =Ceylon= +im Jahre 1906+ (nach Ceylon Customs returns,
Colombo 1907):

                        +Quantity+      +Value+ (in Ruppies)

  Cacao                  55621 cwt     2.052414 Rs
  Coconut trocken       181807 „       3.404000 „
     „    frisch     16.224973 „         929680 „
  Coffee plantation       4484 „         257830 „
     „    liberian          50 „           1050 „
  Cardamoms               6505 „         585755 „
  Cinnamom               52422 „       2.642068 „
       „  wild              18 „             60 „
  Cinchona bark         296820 lb         11872 „
  Cloves and Mace          118 cwt         6006 „
  Ginger                    40 „            772 „
  Nutmegs                  155 „           6675 „
  Pepper                  1983 „          71960 „
  Vanilla                   50 „          23821 „
  Tea               170.527146 lb     61.389772 „
  Sapan wood             10137 cwt        27713 „
  Rubber                  2333 „          96843 „
  Copra                 448700 „       5.661337 „
  Castor oil                 7 „            240 „
  Cinnamom oil          103487 oz         18846 „
  Cinnamom leaf oil      51224 „           5856 „
  Citronella oil      1.213748 lb      1.204764 „
  Coconut oil           539002 cwt     9.545725 „
  Croton seed              273 „           8461 „


+Ausfuhr aus+ =Java= (nach Javasche Courant No. 20 van 12
Maart 1907):

                             1904          1905          1906

  Cacao                    976721       1.047466       1.815812 kg
  Copra                 22.904240     108.360755      54.337508 „
  Foelie                    36286          57176          47012 „
  Getah Pertja               3782           2046           2746 „
  Gomdammar              1.585163       1.743594       2.024655 „
  Gomelastiek               44510          96362         174892 „
  Indigo, n. ber. v. d.
  Inlandsche markt         808739         440766         200760 „
  Indigo, andere           324940          69080         182761 „
  Kaneel, eigenlijke        52696          41510          15517 kg
  Kapok                  4.615155       6.309969       5.787803 „
  Kassiavruchten           378338         216924          77766  „
  Katjangolie            2.393029       2.106883       1.447311 Lit.
  Kinabast               7.119284       8.021869       6.500059 kg
  Kinine                    44789          15515          39720 „
  Klapperolie               33666          63600           5864 Lit.
  Koffie, andere        15.869912      15.301235      19.054858 kg
  Koffie, in hoornschil. 3.252807       9.069232       5.944613 „
  Koffie, in gedr. kers.     5682          19103         403067 „
  Nagelen                    --              924           2423 „
  Notenmuskaat             177439         243731         277112 „
  Noten-, pinan-         2.393880       2.672693       3.851635 „
  Peper, staart-           167283         154911         146680 „
  Peper, witte             412173         622882       1.519361 „
  Peper, zwarte          3.642591       4.530135       6.792734 „
  Rijst, ongepelde           --           246194           9420 „
  Rijst, gepelde        45.838401      42.705724      44.269343 „
  Suiker                41.959707   1.050.397131   1.021.055203 „
  Tabak, niet bereid voor
  de Inlandsche markt   33.806340      27.863640      51.527875 „
  Tabak, bereid voor de
  Inlandsche markt         693031         498450         707717 „
  Tapiocameel           27.711408      23.104152      21.354794 „
  Thee                  11.798403      11.846889      11.967803 „

=Brasilien= exportiert im Jahr für 700–800 Mill. Mark. Davon entfallen
auf Kaffee etwa 450 Mill., auf Kautschuk 135 Mill. Mark.

Hieran mag der Export des =Kongostaates= angeschlossen werden, dessen
Ausfuhr sehr eigenartig und für Afrika charakteristisch ist. Er
exportierte 1906:

  Kautschuk        6.309687 kg
  Palmkerne        5.917559 „
  Palmöl           2.301473 „
  Weißen Copal       868928 „
  Cacao              402429 „
  Kaffee              74916 „
  Erdnüsse            43152 „

Nur wenige Drogen im engeren Sinne zeigen =Riesenexportziffern=; von
reinen +Arznei+drogen eigentlich nur die _Chinarinde_, von der 1906
allein nach Amsterdam 8.794480 kg gelangten (vgl. S. 175), trotzdem die
Bandongsche Chininfabrik 1906 schon 55000 kg _Chinin_ fabrizierte. Der
+Naval stores+ ist schon oben (S. 173) gedacht worden. Sie sind aber
vorwiegend technische Drogen. Ihre Exportziffern sind beträchtlich.

+Frankreich+ exportierte:

                          1904      1905      1906
  _Terpentin_             5596     12214     12922 tons (t = 1000 kg)
  _Rosin_ (_Colophon._)  30897     59382     37888  „

+Amerika+ exportierte:

                 1904/05    1905/06     1906/07
  _Terpentin_     51288      49482       47181 tons engl. (t = 1016 kg)
  _Rosin_        242789     241243      270990   „   „

Sehr beträchtlich sind auch die Exportziffern für _Kautschuk_, _Copal_,
_Dammar_, aber von diesen Produkten findet nur ein sehr kleiner
Prozentsatz seinen Weg in die Apotheke.

Die jährliche Gesamtproduktion von _Opium_ mag etwa 20 Mill. kg
betragen; davon produziert China 14 Mill. kg, Brit. Ostindien 5.5 Mill.
kg.

Die Gesamtausfuhr von _Pfeffer_ aus Niederländ. Indien und Malakka
beträgt c. 25 Mill. kg. Wichtigster _Pfeffer_markt der Erde ist
Singapore.

Die Gesamtproduktion von _Rohrzucker_ beträgt mehr als 3050 Mill.
kg. Davon entfällt auf Amerika der Hauptanteil (1700 Mill. kg).
Die Gesamtproduktion von _Rübenzucker_ wird auf 3600 Mill. kg
geschätzt. Hauptproduktionsland ist Deutschland (1320 Mill. kg), wo
über 400 Zuckerfabriken bestehen. Dann Frankreich mit 370 Fabriken,
Österreich-Ungarn, Rußland, Belgien.

Von _Cacao_ kommen jährlich c. 32 Mill. kg in den Welthandel (die
Gesamt+produktion+ ist viel höher, läßt sich aber nicht schätzen).
Haupt-_Cacao_märkte sind London, Havre, Amsterdam, Hamburg, Bordeaux.

Die Gesamtproduktion von _Tee_ läßt sich ebenfalls nicht schätzen, da
China und Japan enorme Mengen selbst verbrauchen. In den Welthandel
gelangen jährlich c. 220 Mill. kg. Haupt-_Tee_markt Europas ist London,
dann folgen Hamburg, Bremen, Marseille, Odessa.

Von _Mate_ konsumiert allein Argentinien jährlich 37 Mill. kg.

Die _Kaffee_produktion der Erde betrug in Ballen à 60 kg (nach
~Lacerta~):

                        Zentralamerika                         Gesamt-
            Brasilien    und Antillen   Asien      Afrika     produktion
  1895/96   5.969000     3.050000     1.017000     240000     10.454000
  1896/97   8.500000     3.150000       858000     249000     12.102000
  1897/98   7.250000     3.100000     1.171000     275000     11.210000

Den meisten _Kaffee_ produziert Brasilien, den besten Java.

Alle anderen Produkte läßt aber die _Baumwolle_ hinter sich. Die
Welternte betrug 1903: 14.1 Mill., 1904: 17.9 Mill., 1905: 15.7 Mill.,
1906: 18.6 Mill. Ballen. Der _Baumwoll_verbrauch betrug 1906/07 pro
Woche 327000 Ballen! Die Vereinigten Staaten allein produzierten 1906:
13.305265 Ballen _Baumwolle_.

Die _Vanille_produktion der Erde beträgt fast 330000 kg. Sie verteilte
sich 1906/07 folgendermaßen auf die Länder:

  Mexico                                        120000 kg
  Comoren, Mayotte                              105000 „
  Madagascar, Nossi Bé                           40000 „
  Bourbon                                        30000 „
  Seychellen                                     20000 „
  Antillen                                        5000 „
  Mauritius                                       3000 „
  Ceylon, Java                                    3000 „
  Fidschi-Inseln, Congo                           1000 „
  Sansibar, Deutsch-Ostafrika, Neu-Hebriden     geringere Mengen.


4. Masse und Gewichte.

Die im Großhandel üblichen =Maße und Gewichte= sind jetzt meist die des
metrischen Systems, doch begegnet man noch vielfach in den Ausfuhr-
und Einfuhrlisten (s. oben) und Handelsberichten den +englischen
Gewichten+: der +Unze+ (onz) = 28.439 g, dem +englischen Pfund+ (lb,
lbs) = 453.6 g, dem +Zentner+ (cwt, d. h. hundred-weight) = 112 engl.
Pfund = 101.5 deutsche Pfund = 50.8 kg, der engl. +Tonne+ (tons. =
t.) = 907.18 (oder 1016) kg, dem +Barrel+ = 159 (oder 163) Liter, dem
+Gallon+ = 4.54 l (= 4 Quarts à 2 Pints à 4 Gills) = 10 engl. Pfund,
dem +Hogshead+ = 63 Gallons und in +Indien+ den dort üblichen z. B.
dem +Picul+ (sprich Pickel) = 100 Kattis = 133 engl. Pfund = 61.76
kg (der japanische Pikul = 60.47 kg, der siamesische = 60.5 kg), dem
+Imperial-Bushel+ = 36.5 Liter (= 8 Gallons à 4.54 Liter).

+Barrel+ ist zwar meist eine Tonne von 2 Kilderkins zu 2 Firkins
und hält 36 Imperial-Gallons = 163.56 Liter, ist aber auch ein sehr
ungleich benutztes Gewichtsmaß z. B. für westind. _Rohrzucker_ =
224–308 engl. Pfund, für amerikan. _Pech_ = 35 Gallons zu 9 Pfund;
in Amerika für _Petroleum_ = 40 (resp. 42), für _Cider_ und andere
Flüssigkeiten = 30 Gallons.

In +Rußland+ wird oft nach +Pud+ = 16.38 kg gerechnet, in +Persien+
nach +Man-i-Schah+ = 5.87 kg. Der +marokkanische Kintar+ ist = 50.8 kg,
der kleinasiatische +Bahar+ = 83.5 kg.

+Kin+ oder King (chines.) ist = 16 Liang oder = 601.28 g (japan.)
amtlich = 10 Rió = ¹⁄₁₀₀ Picul = 601.04 g, aber im Binnenverkehr
vielfach bis 592.59 g herab. Auf den Philippinen ist +Cate+ = 632.685
g, in Niederländ. Indien = 615.21 g. In Singapur, Penang und Malakka
verhält sich das malaiische +Kin+ zum chinesischen wie 15 : 16. Die
englische Bezeichnung für Kin lautet +Catty+.

Der chinesische +sching+ ist = 10.31 Liter, der japanische +schingsho+
= 1.81 Liter.

Die +persischen Gewichte+ sind sehr eigenartig. 1 +Miskâl+ = 4.6
g = 24 Nukhûd (= Kichererbse) = 0.192 g, 1 Nukhûd = 4 Gändum (=
Weizenkorn) = 0.048 g. +Batmän+ oder +Män+ ist sehr verschieden. Es
gibt 18 verschiedene von 2.9 bis 52.9 kg. Das kleine Män = 2.944 kg =
Män i Täbrîz = 8 Abbâsî = 640 Miskâl. Män i Noh Abbâsî = 9 Abbâsî =
720 Miskâl = 3.312 kg. Das große Män = 13.8 kg. Das eigentliche +Män
i Täbrîz+ = 1000 Miskâl = 5.750 kg. 1 Klein Batmän = 4 Tshehârjāk, 1
Tshehârjāk = 10 Sîr, 1 Sîr = 16 Miskâl. In Fârs ist eine +Kiste+ (z. B.
beim _Indigo_) = 20 Män i Noh Abbâsî. _Rosenwasser_ wird in großen
Flaschen +Kärrâbäh+ (= 13.6 Liter) gehandelt.

In Afghanistan rechnet man nach +Mahn+ = 4.18 kg und +Arschin+ = 1.12 m.

Von +Längenmaßen+ wird noch am häufigsten die +englische Meile+ = 1760
Yards = 1609.3 m erwähnt, dann die russische +Werst+ = 1066.8 m, der
chinesische +Yina Tschin+ = 3.58 m. Die +Seemeile+ ist = 1.86 km = 1.15
engl. Meile = 1.74 Werst, die +geographische Meile+ ist = 7.419 km = 4
Seemeilen.

Bei +Flächenmaßen+ begegnet man in Indien oft dem +Acre+ (= 4840 ☐ Yard
= 40.47 Ar = 4047 ☐ m) und in Java dem +Bau+ oder Bouw (= 500 Tumbac, 1
Tumbac = 12 ☐ Fuß).

Die lateinische Bezeichnung für +Geld+, pecunia, ist von pecus
abgeleitet, da in Medien und Persien, wie auch bei den älteren Römern
(und Germanen) Vieh als Geld benutzt wurde. Bei den Osseten im Kaukasus
ist noch heute die Kuh die Normaleinheit des Preises für jeden Wert.
Als Geld wurden und werden benutzt: _Cacaobohnen_, _Kolanüsse_,
_Datteln_, _Tee_ziegel. Dann auch Salzbarren (Abessinien), Getreide,
Mais und verschiedene Muscheln, besonders die Kaurischnecke (_Cypraea
moneta_). Die Kaurischnecken (malaiisch beja = Zoll, Steuer), die
besonders von den Malediven exportiert wird, sind seit alter Zeit
als Münze benutzt worden. Im IV. Jahrh. schon waren sie in Indien in
Umlauf, im XV. in Westafrika, im XVII. bildeten sie in Indien, den
Philippinen und Siam das einzige Kleingeld -- in Siam und im Innern
von Afrika (Sudan, Westafrika, Ostafrika) noch jetzt. In Timbuktu
gilt eine _Kolanuß_ 10–100 Kauris, ein Sklave 20000 und mehr. In
Nordamerika dienten andere Muscheln (_Mercenaria violacea_, _Lucapina_
und _Olivella_arten) als Geld. Endlich werden ungemünzte und gemünzte
Metalle, besonders Edelmetalle, als Geld benutzt.

«Es war eine geniale, im griechischen Osten wohl um die Wende des
VIII. und VII. Jahrh. v. Chr. entstandene Idee, das gewogene Stück
Edelmetall, das längst dem Handelsverkehr diente, durch einen Stempel
des Staates, der die Garantie des Gewichtes übernahm, zur Münze zu
machen»(~Furtwängler~).


5. Handelssprache.

Eine +Welthandelssprache+ gibt es nicht. Doch ist das Englische
unter allen Handel treibenden Nationen so verbreitet, daß man auch
im Großdrogenhandel nicht ohne diese Sprache auskommt, die sehr dem,
was man eine Welthandelssprache nennt, nahe kommt. Denn während der
Holländer die Sprachen der von ihm unterworfenen Völker erlernt --
auf Java ist z. B. das Malaiische für den Verkehr nötiger als das
Holländische -- verlangt der Engländer, daß die Vasallenvölker Englisch
lernen. Auf Ceylon und in Indien ist daher Englisch Handelssprache.
Als Elisabeth den Thron bestieg, sprachen weniger Menschen englisch,
als jetzt in London wohnen, jetzt umspannt das Englische den ganzen
Erdball. «Es durchbrach die Schranken der Kontinentalität und nahm die
Größe des Ozeans zum Vorbilde.»

In Afrika und den angrenzenden Teilen Asiens ist das +Arabische+ im
Handelsverkehr weit verbreitet, da die Zwischenhändler oft Araber sind.
«Allah iberack l’ak» (Möge Gott es Euch gedeihen lassen) ist eine
arabische Formel, deren Aussprache den Kauf abschließt.

In Ostasien und in vielen Hafenplätzen, wo Chinesen Handel treiben, ist
das +Chinesische+ Handelssprache, wie auf den südasiatischen Inseln das
+Malaiische+. Besondere Handelssprachen, die sich im Laufe der Zeit
entwickelt haben und die ein für praktische Zwecke zurechtgemachtes
Mischmasch verschiedener Sprachen darstellen, sind z. B. die +Lingua
franca+, die aus dem Italienischen entstanden und mit Brocken aus
allen möglichen Sprachen des Mittelmeerbeckens gemischt ist. Sie wird
besonders in Smyrna gesprochen, wo so viele Sprachen durcheinander
schwirren, wie einst im Altertum in Dioskurias am Pontus Euxinus. Dann
das in den europäischen Häfen von China und weiter südlich verbreitete
+Pitchén-English+ (von pi tschen, so spricht der Chinese business
aus), ein Gemisch von Englisch und Chinesisch -- das ich ziemlich
rasch verstehen lernte -- das +Neger+-Englisch an der Kongoküste, das
Kisuaheli, der Nigre tongo, Dschue tongo (in Surinam), die Lengua geral
(in Brasilien) u. a. m.



                         Der Warenballen ist in weit höherem Grade
                         ein Verbreiter der Gesittung als die Person
                         des Kaufmanns. Den Haupthebel für die
                         Tätigkeit des letzteren bildet zunächst allemal
                         der Gewinn; er will handeln und erwerben,
                         nicht zivilisieren.   ~Andree.~


V. Pharmakodiakosmie.


Die Pharmakodiakosmie (von διακοσμεῖν = sortieren) beschäftigt sich mit
den Handelssorten und den Verpackungen der Drogen.


1. Handelssorten.

Schon das Altertum kannte Handelssorten. Beim _Anis_ z. B. führt
~Dioscurides~ an, daß der kretische besser sei als der ägyptische. Ja
schon zur Zeit der Pharaonen unterschied man schwarzes, weißes und
rotes _Fatti_ (d. h. _Mastix_).

Wir wissen (~Hüllmann~, +Handelsgeschichte der Griechen+, 1839), daß
die Griechen, die einen lebhaften Handel mit dem Orient trieben,
_Majoran_ aus Tenedos, Creta, Chios und Heraclea, _Senf_ aus Cypern,
_Thymian_ vom attischen Hymettos, _Safran_ von Rhodos und Kyrene,
_Helleborus_ von Thessalien und Böotien, _Silphium_ von Kyrene als
Handelssorten unterschieden.

Handelssorten erwähnt auch ~Plinius~ besonders bei den Harzen, beim
_Bdellium_ beschreibt er die Unterschiede zwischen der peratischen
und der indischen Sorte, beim _Olibanum_ erwähnt er drei Sorten,
beim _Mastix_ zwei, bei der _Myrrha_ gar sechs (resp. acht): die
troglodytische, die minäische (die atramitische, ansaritische), die
dianitische, die «collatitia», die sambracenische und die dusaritische.

~Oribasius~ (geb. c. 350) unterschied μαστίχη χία und μαστίχη αἰγυπτία.
Auch ~Ibn Baitar~ führt da und dort Handelssorten an.

Die Krämerordnung der Stadt Straßburg 1470 schätzt am höchsten den
_Safran_ von Ort, dann den von Toscana und bezeichnet als schlechtesten
den Belgir. Im +Mittelalter+ unterschied man überhaupt vom _Safran_
zahlreiche Sorten: _Safran_ aus den Abruzzen, aus Acquila, aus
Aragonien, aus der Auvergne, aus Calabrien, Castelnaudary, Catalonien,
Cima, England, San Gemignano (bei Florenz), Mallorca (Majolica), aus
den Marken an der Adria, Marokko, Mirabel (Dep. des basses Alpes),
Montferrat (zwischen Turin und Genua), Noort, Orta, Österreich,
Tortosa, Puglia, Ruscia, Toscana, Valenza u. a. m. (~Flückiger~).

Die gegen Ende des Mittelalters und im XVI. Jahrh. vielfach übliche
Pflanzen- und Handelssortenbezeichnung «romani» bedeutet nur soviel,
daß die Sorte aus dem Süden stammt. Ähnlich verhält es sich mit
den unbestimmten Bezeichnungen «troglodyticus», «aethiopicus»,
«indicus», «ponticus», «arabicus», die man in alter Zeit oft als
«nähere» Bezeichnung fand und von denen «arabicus» noch im _Gummi
arabicum_ erhalten ist, das aber nicht aus Arabien zu uns kommt und
wahrscheinlich auch niemals aus der Arabia felix kam.

Besser stimmen die noch heute üblichen, allerdings ganz allgemeinen
Bezeichnungen «orientalis», für asiatische, speziell indische Drogen,
und «occidentalis», für amerikanische, die wohl namentlich mit
Rücksicht auf die Bezeichnungen Ostindien und Westindien gewählt wurden.

Neben den nach Ländern benannten Handelssorten finden wir auch
frühzeitig nach der Gewinnungsweise unterschiedene. Die amtliche
Apothekertaxe Roms vom Jahre 1558 führt z. B. unter anderem zwei
Handelssorten von _Manna_ auf: di fronda (auf den Blättern) und di
corpo (von den Stämmen).

Die äußere Form hat auch bisweilen zur Handelssortenbezeichnung
gedient, so z. B. wurde früher -- jetzt nicht mehr -- _Curcuma rotunda_
und _Curcuma longa_, d. h. Zentral- und Nebenwurzelstärke unterschieden.

[Illustration: Fig. 273.

Die älteste Darstellung einer Drogenpackung (VI. Jahrh. v. Chr.).
_Silphium_ballen, die vor den Augen des Königs +Arkesilas+ abgewogen
und dann im Schiffsraum verstaut werden. Von der Arkesilasschale im
Cabinet des médailles in Paris. [Nach +Baumeister+, Denkmäler.]]

       *       *       *       *       *

Die Handelssorten der Drogen im modernen Handel sind dem Wechsel
unterworfen. Alte Sorten verschwinden, neue tauchen auf, um nach
kürzerer oder längerer Zeit wieder anderen Platz zu machen. Die _China
Cuprea_ z. B. ist aufgetaucht und wieder verschwunden und auch von
der _Crown Aloë_ hört man wenig mehr. Es ist ein fortdauerndes Hin-
und Herfluten, ein auf und ab, das sich durch Angebot und Nachfrage
regelt. Dem Importeur liegt nur daran, Käufer für seine Ware zu finden.
Da erscheinen dann plötzlich große Mengen einer Droge am Markt, die
bisher unbekannt war. Alles kommt darauf an für die neue Droge
zunächst +empfehlende Gutachten+ zu erhalten und dann, damit nicht zu
große Lagerspesen entstehen, so rasch wie möglich Käufer zu finden.
Manchmal hält sich eine Droge, wie z. B. die Carthagena-_Ipecacuanha_,
trotzdem die Arzneibücher in der Mehrzahl sie ablehnen, dadurch,
daß Spezialitätenfabrikanten sie in großer Menge brauchen, manchmal
findet die Sendung auch keine Abnehmer. So fand ich in den Londoner
Docks 1903 _Cuprea_, die seit 1881 dort unverkauft lag. Aufgabe der
Zwischenhändler (Agenten, Makler) ist es, Liebhaber zu finden und
eventuell Bedürfnisse zu schaffen, wenn sie nicht vorhanden sind.

Wenn man ältere (oder auch neuere!) Lehr- und Handbücher der
Drogenkunde zur Hand nimmt, so findet man eine große Menge von
Handelssorten aufgeführt, die heute kein Mensch mehr kennt und die nur
in den Drogenmuseen noch zu sehen sind. Sie haben nur noch historisches
Interesse. Von den vielen Handelssorten der _Sarsaparille_, die
~Schleiden~ und ~Berg~ erwähnen, ist nur +Honduras+ und +Veracruz+
übrig geblieben, zu der dann noch die rote +Jamaica+ und die +Lima+
hinzutraten. Es ist Sache des Lehrers der Pharmakognosie die
Studierenden darüber zu belehren, was jetzt im Handel +ist+, nicht
darüber, was einst im Handel +war+. +Er muß also Fühlung mit dem
Großhandel suchen.+ Die im folgenden aufgeführten Handelssorten sind
solche, die sich 1907 im Drogen-Großhandel fanden. Auf andere komme ich
im speziellen Teile bei den betreffenden Drogen zu sprechen.

So fanden sich 1907 im =Großhandel= (ich folge besonders der Liste von
~Julius Grossmann~, Hamburg):

_Agar-Agar_, Fäden -- Schnitzel -- Linealform.

_Aloës_, Barbados in Kürbissen -- Capensis in Kisten -- Curaçao,
capartig -- Curaçao, leberfarbig.

_Canthariden_, chinesische -- russische.

_Colocynthides_, Palästina -- türkisch -- spanisch («pulp» und
«apples»).

_Cort. chinae flavae_, Carthagena -- Maracaibo -- Porto Cabello.

_Cort. chinae Loxa._

_Cort. chinae regiae Calisaya_, echt (Monopolrinde).

_Cort. chinae rubrae._

_Cort. chinae Culturrinde_, Droggistquills, pijpen oder Pharmaceut.
Basten -- Fabrikrinde oder Fabrieksbasten.

Der englische Großhandel nennt _Chinarinde_ einfach «Bark», wie
_Perubalsam_ kurz «Balsam».

_Cort. aurantiorum_, Malaga -- Curaçao.

_Sem. tonco_, Angostura -- Para -- Surinam.

_Ichthyocolla_, brasilianische Zungen (Tongues) -- Maracaibo Herzform
-- Venezuela Zungen und Taschen.

_Fol. cocae_, Cuzco -- Trujillo.

_Fol. jaborandi_, Ceara -- Paraguay.

_Fol. sennae_, Alexandrinae -- Tinnevelly.

_Benzoë_, Palembang -- Siam -- Sumatra.

_Lignum quassiae_, Jamaica -- Surinam.

_Moschus_, Assam -- Cabardinic. -- Tonquin.

_Gallen_, Bassorah -- Smyrna (und zwar «blues», «greens», «whites»).

_Sem. colae_, ½ Nüsse -- ¼ Nüsse.

_Nuces vomicae_, Cochin -- Bombay -- Calcutta -- Madras.

_Ol. geranii_, Bourbon Couteau St. Andrée -- ostindisch. Palmarosa
prima -- ostindisch. Gingergrass.

[Illustration: Fig. 274.

+Originalverpackungen von Drogen.+ [+Weigel+ phot.]

Schilfsack mit _Lycopodium_.

Kiste mit Bourbon-_Vanille_.

_Ichthyocolla_-Bündel.

Tonkin-_Moschus_-Kästchen.

Mit Blech ausgeschlagene Kiste mit Smyrna-_Opium_.

_Perubalsam_-Kanister.

Kiste mit _Succus liquiritiae_.]

_Ol. lavandulae_, französisch -- spanisch.

_Ol. menthae_, americ. -- japan. -- japan. crist.

_Rad. ipecacuanhae_, Carthagena -- Mattogrosso -- Minas.

_Rad. liquiritiae_, griech. -- spanisch Alicante -- Tortosa -- Russisch
Ural.

_Rhiz. rhei_, Canton -- Shanghai -- Shansi -- englisch -- französ. --
österreich.

_Rad. sarsaparillae_, Honduras -- J. G. Krone -- F. & S. Krone --
[Illustration: GB] Seronen -- Stern Seronen (Fig. 276).

_Rad. senegae_, südlich -- westlich.

_Secale cornut._, russisch -- spanisch.

_Succus liquirit._, Baracco -- Duca di Atri.

_Catechu_ (_Cutch_), Baran B. S. -- Mangrove M -- Pegu Stern B -- Pegu
Stern J. G. -- Pegu D. C. -- Pegu B. T. -- Ostind.

_Curcuma_, Bengal. -- Cochin -- Madras.

_Gummi arabicum_, Cordofan -- Ghezirah -- Mekka -- Senegal.

_Dammar_, Batavia -- Padang.

_Traganth_, syrisch -- persisch -- türkisch -- Traganthon.

_Opium_, Geiwa -- Salonici -- Smyrna -- Alexandretta -- persisch.

_Orlean_, Bisdary -- Clayssen -- Latapie.

_Indigo_, Bengal und Behar -- Oude und Benares -- Bimlipatam -- Madras
-- Kurpah -- Manila -- Bombay -- Java -- Westindisch.

Nachfolgende, aus anderen Quellen (~Gehe~, ~Weigel~) stammende
Übersicht gibt einen guten Überblick über die 1907 beobachteten
Handelssorten der wichtigsten Drogen, die Hauptsorten sind gesperrt
gedruckt. Die meisten Namen finden sich auf der Karte: «Handelsstraßen
im XX. Jahrh.» (Beilage).

_Aloë._ +Kap+-, +Barbados+-, +Curaçao+-, Socotra-, Natal-, Bombay-,
Sansibar-, +Uganda+-, Mocha-, Madagaskar-, Jafferabad-, Bonaire-,
Aruba-, Indische _Aloë_.

_Amygdalae._ Malaga- oder Jordanmandeln, +spanische+ (Valencer- und
Alicante M.), +italienische+ (Florentiner-, Puglieser-, Bari-, Avola-,
Sizilianer M.), +südfranzösische+ (Provençer M.), +nordafrikanische+
(Marocco-, Mogador- oder berberische), kleinasiatische, griechische,
canarische _Mandeln_.

_Asa foetida._ in lacrymis (seu in granis), +amygdaloides+ (seu in
massis), in pasta, petraea, depurata aus Persien.

_Anacardia._ orientalia und occidentalia.

_Balsamum copaivae._ +Maracaïbo+- (Venezuela), Angostura-, Maturin-,
Carthagena-, Bahia-, +Para+-, Maranham-, Surinam-, _Copaïvabalsam_.

_Benzoë._ +Siam+-, Sumatra-, Palembang-, Penang-, Padang-, Calcutta-
oder Block-_Benzoë_.

_Cacao._ +Guayaquil+ -- Machala-, Guayaquil -- Arriba-, Guayaquil
-- Balao-, Nicaragua-, Guatemala-, +Puerto+ -- +Cabello+-, Para-,
+Bahia+- (Brasil), Samana-, Maracas-, Cauca-, Caracas-, Garupano-,
+Haiti+-, +Domingo+-, Jamaica-, Cuba-, Portorico-, +Trinidad+-, Peru-,
Argentinien-, Ceylon-, Kamerun-, +St. Thomé+ (afrikan.) _Cacao_.

_Campher._ Laurineen-, Japan-, Borneo- (oder Sumatra-), Ngai- (oder
Blumea-), künstlicher _Campher_.

_Cantharides._ russische und ungarische, chinesische _Kanthariden_.

_Caricae._ +kleinasiatische+, +spanische+, +italische+, portugiesische,
+griechische+, nordafrikanische _Feigen_.

_Caryophylli._ Amboina-, Molukken-, +Sansibar+-, +Pemba+-, Bourbon-,
Madagaskar-, Cayenne-, Antillen-_Nelken_.

_Castoreum._ Castoreum canadense (Hudsonbay) -- C. sibiricum.

_Catechu._ Pegu- (oder Bombay-), Gambier-, bengalisches, Malakka-,
Kamaon-, Bacau-, Mangrove-_Catechu_.

_Coffea._ arabischer (Mokka), afrikanischer (West- und Ostafrika),
indischer (Java, Menado, Ceylon), westindischer (Cuba, Jamaica,
Domingo, Portorico), mittelamerikanischer (Mexico, Costarica,
Guatemala, Nicaragua), südamerikanischer (Venezuela = Maracaïbo,
Ecuador, Surinam, Brasilien = Santos und Rio) _Kaffee_.

_Collapiscium_ (Ichthyocolla). Saliansky- und Beluga-Hausenblase,
Fischblasen (brasilianische, kaukasische, Maracaïbo- [Herzform],
westindische Blasen).

_Copal._ Ostafrikanische (Sansibar-, Mosambique-, Madagaskar-),
westafrikanische (Sierra Leone-, Gabon-, Loango-, Angola-, Benguela-,
Congo-, Kamerun-, Accra-, Benin-), amerikanische (Brasil-, Columbia-)
_Copale_, _Copal_ von Neuseeland und Neukaledonien (Kaurie),
ostindischer oder Manila-_Copal_.

_Cortex aurantii fructus._ Sizilianer oder italienische, Malaga-
und französische (bittere) Pomeranzenschalen, Curaçaoschalen,
Apfelsinenschalen.

_Cortex chinae._ Cortex Chinae flavae (Carthagena, Maracaïbo, Puerto
Cabello), Cort Chinae fuscae (Lima, Guajaquil, Huanoco, Loxa),
Cort. Chinae regiae = Calisaya (echt und kultiviert, Cochabamba
und Duraznello), Cort. Chinae rubrae, Südamerika, +Cort. Chinae
succirubrae+ (+Java+, +Ceylon+).

_Cortex cinnamomi._ +Chinesischer+ (China), +Ceylon+-Zimt oder Caneel,
ferner: niederländ. Indien, Argentinien.

_Cortex coto verus._ Para.

_Cortex granati._ Cortex trunci et ramorum, radicis, fructuum seu
pomorum.

_Cortex mezerei._ germanicum und gallicum.

_Cortex simarubae._ guyanensis und jamaicensis.

[Illustration: Fig. 275.

+Originalverpackungen von Drogen.+ [+Tschirch+ phot.]

1 _Tee_kiste. 2 Korb für _Cort. Winteranus_. 3 Halbe
_Curaçaoaloë_-Kalebasse. 4 _Moschus_kistchen. 5 _Tee_kistchen. 6 Ballon
von _Ol. geranii_. 7 Para-_Sarsaparille_. 8 _Ol. menthae_-Flaschen.
9 _Guttapercha_-Korb. 10 _Citronellaöl_-Kanister. 11 Kiste aus
_Metroxylon_blattstielen für die Flaschen von _Cajeputöl_. 12
_Rosenöl_flaschen. 13 _Ingwer_-Topf. 14 _Perubalsam_-Kanister. 15
Honduras-_Sarsaparille_. 16 _Ol. aurantii._ 17 Russ. _Süßholz_. 18
Draht von _Rad. sarsapar._ 19 _Ol. cassiae_-Bleiflasche. 20 Leere
Serone von _Rad. sarsaparillae_.]

_Crocus._ +französischer+ oder Gatinais-Safran, +spanischer+ (Valenzer-
oder Alicante-), österreichischer, türkischer, persischer _Safran_.

_Elemi._ Manila- oder philippinisches (weiches und hartes),
amerikanisches oder Yucatan-, mexikanisches oder Vera-Cruz-,
brasilianisches oder Rio-, afrikanisches, ost- und westindisches,
bengalisches, Neu-Guinea- und Mauritius-_Elemi_.

_Fabae tonco._ Angostura-, Surinam-, Para-_Tonkobohnen_.

_Flores chrysanthemi._ +Dalmatiner+, montenegriner.

_Folia buccu_, lata seu rotunda und longa.

_Folia cocae._ +Bolivia+, +Peru+, Cuzco, Huanuco (oder Huanta),
Trujillo (Truxillo), Ceylon, Java.

_Folia jaborandi._ +Brasilien+, Ceara, Pernambuco (Para), Paraguay,
Guadeloupe, Maranham, Aracati, Argentinien.

_Folia sennae._ +Tinnevelly+- oder indische Sennesblätter, Mekka- oder
arabische, +Alexandriner+, Tipolitaner, Folia Sennae parva, Fol. Senn.
sine resina.

_Chinesischer Tee._ +Schwarzer Tee+: Pecco, Padre-Souchong, Linkisam,
Campoe, Souchong, Bohe oder Bou, Congo oder Congfu. +Grüner Tee+:
Songlo oder Singloe, Bing, Soulang, Aljofar, Gunpowder, Tché, Tschy,
Perltee, Kugeltee, Imperial, Haysan, Hyson. +Gelber Tee+: Oolong,
Blumentee der Chinesen.

_Ceylon-Tee._ Pecco, Congo-Pecco, Pecco-Souchong, Souchong, Congon oder
Kongo, auch Fanningo, Brocken-Pecco, Brocken-Souchong, Teestaub (dust).

_Java-Tee._ +Schwarzer Tee+: Orange-Pecco, Flowery-Pecco, Broken-Pecco,
Pecco-Dust, Pecco-Siftings, Pecco, Pecco-Souchong, Oolong,
Soepoey-Pecco, Kempoey, Souchon, Souchong-Boey, Congo, Congo-Boey,
Boey, Broken-Tea, Stof (Staub). +Grüner Tee+: Joosjes, Uxim, Hysant,
Tonkay, Schesi.

_Fructus anisi._ +russischer+, +italischer+, spanischer,
österreichischer Anis.

_Fructus capsici._ spanischer Pfeffer, Paprika, roter Japan- oder
Cayenne-Pfeffer (Chillies).

_Fructus cardamomi._ Fruct. Cardamomi malabaric. (kleiner oder
Malabar-Kardamom), Fruct. Cardamomi ceylanic. (langer oder
Ceylon-Kardamom), Malabar-Cardamomen aus Ceylon, Aleppi-Kardamom
(gebleicht), Fruct. Cardamomi excorticat.

[Illustration: Fig. 276.

+Originalverpackungen von Drogen.+ [+Weigel+ phot.]

Lederserone von Bolivianischer _Calisaya_

Lederserone von Bolivianischer _Calisaya_.

Gefüllte Serone von Honduras-_Sarsaparille_

_Sanguis draconis_ in massa.

Bastserone von _Euphorbium_. Pakete von _Herb. Lobeliae_.

Bastballen von _Rhiz. Galangae_.]

_Fructus carvi._ +holländischer+, österreichischer, russischer,
norwegischer, malteser, französischer, schwedischer, deutscher _Kümmel_.

_Fructus colocynthydis._ ägyptische, syrische, cyprische, marokkanische
(Mogador), spanische, persische _Koloquinten_.

_Fructus foeniculi._ +deutscher+ (sächsischer), Puglieser (aus
Apulien), +mährischer+, macedonischer, +galizischer+, römischer,
holländischer, kretischer, Florentiner (süßer), japanischer,
französischer, Levantiner, ostindischer (Bombay-) _Fenchel_.

_Fructus papaveris._ Fructus Papaveris immaturi und maturi.

_Fructus vanillae._ +Bourbon+- (oder Réunion-), +Seychellen+-,
+Madagaskar+- und +Comoren+-, Mauritius-, Java-,
Deutsch-Ostafrikanische, Tahiti-, brasilianische, +mexikanische+, La
Guayra- oder Pompona-, neuseeländische und australische Vanille.

_Galbanum_, persisches, Levantiner G., G. in lacrymis (seu in granis),
G. in massis, G. expureatum seu depuratum seu colatum.

_Gallae._ +kleinasiatische+, Levantiner oder türkische Gallen:
Aleppische (auch Jerli- und Sorian-Gallen), Mosulische, Smyrnäer,
Tripolitaner Gallen. Europäische (sog. Eichen-) Gallen: Morea- oder
Kron-Gallen, österreichische, böhmische, deutsche oder Kollari-Gallen.
Istrische oder ungarische Gallen. Knoppern oder Valonen. +Chinesische+
(sog. Sumach-) Gallen. +Japanische+ (Sumach-) Gallen. Amerikanische,
Pistacien-, Tamarix-_Gallen_.

[Illustration:

  Ballen von
  «_Cassia_-Bruch»

  «Gonje» von
  _Caryophylli_.

  Kiste von _Cort.
  cassiae chinens_.

  Kiste von
  _Flor. cassiae_.

  Fardel von _Ceylonzimt_.

Fig. 277.

+Originalverpackungen von Drogen.+ [+Weigel+ phot.]]

_Gummi arabicum._ +Ostafrikanisches+ Gummi (Kordofan-, Gezireh-,
Sennaar-, Suakin-, Geddah-, Embavi-, Mekka-Gummi), westafrikanisches
oder +Senegal-Gummi+, nordafrikanisches (marokkanisches oder
berberisches), Gummi aus Deutsch-Südwestafrika (Angra Pequena),
Kap-Gummi, indisches oder Amrad-Gummi (Ersatzgummi), australisches oder
Umrawatti- (Wattle-), brasilianisches oder Para- (von _Acacia Angico_),
Ghatti- oder Dhaura-Gummi, argentinisches oder La Plata-_Gummi_.

_Gutti._ +Siam+-, Ceylon-Gutti. (Röhrengutti, Schollen- oder der
Kuchengutti [Cake-Gamboge] = Gutti in Klumpen oder in Masse.)

_Kino._ +Malabar+-, Amboina- oder Cochin-, Gambia- oder afrikanisches,
bengalisches oder Balasa-, australisches, Jamaika- oder westindisches
_Kino_.

_Lacca_ (Stock- bezw. Schellack). in ramulis (Stocklack), in granis
(Körnerlack), in tabulis (Schellack), in massis (Block-, Knopf- oder
Blutlack), Lacca alba (gebleichter Schellack), Granat- oder Rubinlack.

_Lactucarium_, +deutsches+ und österreichisches.

_Lignum quassiae_, surinamense und jamaicense.

_Lignum santali_, rubrum, citrinum (seu album) ostindicum (!), album
westindicum (!).

_Lycopodium_, +russisches+, österreichisches, deutsches, schwedisches
_Lycopodium_.

_Macis._ +Banda+, Bombay, Papua-_Macis_. Britisch- und
Niederländisch-Indien.

_Manna._ Röhren- oder Stengel- (Manna electa, in lacrymis, in
fragmentis), gemeine, Calabreser- oder Gerace-M., fette oder
Puglieser-M., M. depurata.

_Mastix._ +levantinischer+ (Chios), indischer, römischer oder
Bombay-_Mastix_, amerikanischer _Mastix_.

_Moschus._ +Tonkin- oder tibetanischer+, kabardinischer, russischer
oder sibirischer M. (in vesicis, ex vesicis, trimmings, vesices
evacuatae), Assam-, Yünnan-, Bucharischer M., künstlicher _Moschus_.

_Oleum amygdalarum_ = süßes oder fettes Mandelöl, -- ätherisches
Bittermandelöl [blausäurehaltig, blausäurefrei], künstliches
Bittermandelöl = Ol. Amygdal. aether. artificiale (Benzaldehyd)
[chlorhaltig, chlorfrei].

_Oleum aurantii._ Ol. Aurant. dulc. = süßes Pomeranzenschalenöl, Ol.
Aurant. amar. = bitteres Pomeranzenschalenöl, Ol. Aurant. flor. =
Orangenblüten- oder Neroliöl, Bigarade-Portugal-Öl, Ol. Aurant. fol. =
Petitgrains-Öl (französisches, Paraguay-Öl).

_Oleum caryophyllorum_ aus Nelken, Nelkenstielen.

_Oleum cinnamomi._ Cassia- oder chinesisches Zimtöl, Ol. Cinnamomi
Ceylanic. = Ceylon-Zimtöl, Ol. foliorum Cinnamomi = Zimtblätteröl.

_Oleum eucalypti._ Ol. Eucalypti Globuli, Ol. Euc. amygdalinae,
Ol. Euc. australe. Öle von E. maculata var. citriodora und von E.
macarthuri.

_Oleum geranii_ (Palmarosa), Geranium- oder Pelargonium-Öl
(französisches, afrikanisches, Réunion-, spanisches), türkisches oder
indisches Geraniumöl (Palmarosaöl), Gingergrasöl.

_Oleum jecoris aselli_, norwegischer (Lofoten-, Finmarken-) Dorschtran,
Neufundland- oder Labrador (Ol. Jecor. Asell. vapore parat.
[Dampftran], Ol. Jecor. Asell. citrinum seu medicinale [natürlicher,
sogen. Medizinaltran, hellgelb, gelb, hellbraun, braun usw.]), Tran für
technische Zwecke [Robben-, Sepfisch-, Japan-Tran usw.].

_Oleum juniperi_, fructus seu baccarum, Ol. Juniperi ligni, Ol.
Juniperi empyreumaticum seu Ol. cadinum.

_Oleum lavandulae_, französisches, englisches (Mitcham-Öl).

_Oleum menthae piperitae_, deutsches (bzw. sächsisches oder
schlesisches), +englisches+ (Mitcham, Cambridge), +amerikanisches+
(Wayne County, Michigan, Marken: ~H. G. Hotchkiss, F. S. & Co.~, ~A.
M. Todd~), +japanisches+ (flüssiges und festes, Marken: ~Kobayashi~,
~Yazawa~), französisches, russisches und italienisches _Pfefferminzöl_.

_Oleum olivarum_, +spanisches+, +italisches+, +französisches+,
österreichisches, griechisches, portugiesisches, algerisches,
kleinasiatisches, kalifornisches, Ol. Oliv. opt. seu provinciale
(Jungfernöl, Provenceöl, Olivenöl): Nizzaöl, Bari- (oder Puglieser-)
Öl. Ol. Olivar. commune (grünes Olivenöl, Baumöl). Ol. Olivar.
denaturatum.

_Oleum origani_, vulgaris (Dostenöl), cretici (Spanisch Hopfenöl oder
Kretisch Dostenöl: Triester Origanumöl, Smynäer Origanumöl).

_Oleum ricini_, italienisches, französisches, amerikanisches
(brasilianisches), ostindisches _Ricinusöl_.

_Oleum rosae._ bulgarisches (auch türkisches), deutsches Rosenöl,
Rosengeraniol.

_Oleum rosmarini._ französisches, italienisches oder Dalmatiner,
spanisches _Rosmarinöl_.

_Oleum santali_, ostindisches, indisches Macassar-, westindisches
_Sandelöl_.

_Oleum terebinthinae_, +amerikanisches+, +französisches+,
österreichisches, galizisches, russisches, polnisches (auch deutsches
genannt!), finnisches, schwedisches und norwegisches _Terpentinöl_
(_Kienöl_).

[Illustration: _Barbadosaloë_ in Kürbissen.

Korb von _Cassia fistula_.

Ballen von _Rhiz. chinae_.

Fig. 278.

+Originalverpackungen von Drogen.+ [+Weigel+ phot.]]

_Oleum thymi_, album, rubrum (französisches, deutsches, spanisches Öl).

_Opium_, +kleinasiatisches+, türkisches, griechisches, +ostindisches+,
chinesisches, persisches _Opium_.

_Radix gentianae_, rubrae und albae.

_Radix ipecacuanhae_, Rio (Matto-Grosso, Jahore, Bahia), Carthagena,
Rad. Ipec. deemetinisata seu ab Emetino liberata.

_Radix liquiritiae_, +russisches+, +spanisches+, +syrisches+,
italisches, französisches, griechisches _Süßholz_.

_Rhiz. rhei_, +Sinensis+ (Shensi, Canton, Shanghai), Anglica,
Austriaca, Rhapontic.

_Radix sarsaparillae_, +Honduras+-, Guatemala-, +Veracruz+ (auch
ostmexikanische oder Tampico-), Jamaika-, Para-, Lissabon- (auch Rio
negro- oder brasilianische) Lima-_Sarsaparille_.

_Radix senegae_, Nordamerika (Pennsylvanien, Missouri, Kansas), Kanada
(Minnesota, Manitoba).

_Resina acaroides._ rotes und gelbes _Acaroidharz_.

_Resina_ (_Sanguis_) _draconis_, +indisches+ oder Palmendrachenblut,
sokotrinisches +Drachenblut+.

_Rhizoma iridis._ +Florentiner+, +Veronenser+, Africaner (Mogador).

_Rhizoma valerianae._ +thüringische+, +belgische+, Harzer, holländische
_Baldrianwurzel_.

_Rhizoma zingiberis._ +bengalischer+, Cochin-, Japan-, +China+,
Jamaika-, westafrikanischer oder (schwarzer) Barbados-_Ingwer_.

_Secale cornutum._ +russisches+, spanisches, deutsches,
österreichisches Mutterkorn.

_Semen papaveris_, album und coeruleum.

_Semen strophanthi_, Ost- und Westafrika, Kombe, hispidus, gratusseu
glaber.

_Succus liquiritiae._ italienischer oder Calabreser (Marke: Barracco,
Duca di Atri, Martucci, Zagarese, Salvago u. a. m.), spanischer,
kleinasiatischer oder Levantiner, griechischer, russischer, englischer
_Süßholzsaft_.

_Terebinthina._ +französischer+ oder Bordeaux-, amerikanischer oder
virginischer, österreichischer (auch deutscher) _Terpentin_.

_Tragacantha._ kleinasiatischer, Levantiner, +anatolischer+, türkischer
oder Smyrnäer-, syrischer, +persischer+, Morea- oder griechischer,
Kreta-_Traganth_.

_Tubera jalapae_, Mexiko.

_Tubera salep._ deutscher, +Levantiner+ _Salep_.

Die zahlreichsten Sorten zeigt der _Kautschuk_ (India Rubber, Gummi
elasticum). Die 1907 im Großhandel auftretenden Handelssorten desselben
sind im folgenden, nach den erzielten Preisen geordnet -- bei den
teuersten beginnend -- aufgeführt (im wesentlichen nach der Liste von
~Weber & Schär~). Es ist daraus ersichtlich, daß schon jetzt die besten
Ceylon- und Sumatra-Paras (von kultivierter _Hevea_) -- «Plantation
Ceylon India Rubber» und «Sumatra-Para» -- alle anderen geschlagen
haben.

[Illustration: Fig. 279.

Binden der _Vanille_ in Papantla. [Nach +Preuß+.]]

  Hochfeiner und feiner Ceylon-Para -- bester Sumatra-Para --, hochf.
  hard fine Para (Brasilien) -- Bolivian enterfine Para -- heller
  Mattogrosso fine Para -- primissima rote Adeli Niggers -- hochfeine
  rote Mozambique balls -- feine Ceylon scraps -- hochfeine schwarze
  Equateur -- hochfeine rote Niggers, ähnlich Adeli -- hochfeine
  Mozambique balls -- primissima rote Massai Niggers A Anker A --
  primissima rote Loanda Niggers, -- hochfeine gepreßte Uganda biscuits
  -- hochfeine rote Sudan Massai Niggers, -- prima Mozambique balls
  (Ostafrika, Mikindani) -- gute trockene Congo Niggers -- schwarze
  Uganda Cakes -- scrappy Bolivian Negroheads -- hochfeiner Rangoon
  Gummi -- gereinigter Manicoba -- feine schwarze Equateur -- feine
  Congo clusters -- hochfeine Guayaquil scraps -- prima hochfeiner
  Penang -- helle Assinee Niggers -- weiße Uganda Cakes -- Lopori II
  fob Antwerpen -- prima alte Lahou lumps -- hochfeine westindische
  strips -- heller Madagaskar -- feine rote Gambia balls -- gute
  westafrikanische balls -- gute Mayumba balls -- hochfeine Mattogrosso
  Santos sheets (Brasilien, Mattogrosso) -- prima weiße Accra balls --
  prima Kamerun clusters (Kamerun, Duala) -- gute Kamerun-Kuchen --
  prima Mozambique Wurzelgummi -- I b. Gambia balls -- gute trockene
  Madagascar Lianen Cakes -- gute Kamerun-Kuchen -- Madagascar-Kuchen
  und Niggers -- guter C/A Madagascar -- alte Lahou lumps u. Cakes --
  trockene secunda Bissao balls -- Ponang -- Thimbles, besonders gute
  Ware -- gute Lagos lumps -- Thimbles in Säcken -- Ceara Mangabeira --
  Mozambique marbles -- Moma Mozambique marbles -- ausgesuchte prima
  Accra lumps, A Anker A -- prima Gambia balls -- prima ausgesuchte
  Goldküsten lumps -- unsortierte Goldküsten lumps -- guter secunda
  Borneo, Ankermarke -- gute sekunda Goldküsten lumps -- weiche
  westafrikanische balls -- Soe-Soe -- trockene unripe Mozambique
  marbles -- Mozambique Wurzelgummi -- Mozambique unripe balls -- Dead
  Borneo.

  Der Londoner Großhandel notierte 1907: India Rubber Assam -- Borneo
  -- Plantation Ceylon, Malay usw. -- Madagascar -- South American --
  Mozambique -- African.

[Illustration: Fig. 280.

Verpacken des _Tee_ in quadratische Kisten und Verlöten der Kisten in
China.]

Sehr zahlreich sind auch die _Copal_sorten.

In Kleinasien unterschied man (1895) folgende _Opium_+sorten+:

  +Malatia+, Tokal, Zileh (das beste) für chinesisches _Rauchopium_.

  +Boghadich+ für _Rauchopium_ (nach Zentralamerika).

  +Yerli+ (aus der Umgegend von Smyrna) medizinisch bevorzugt.

  +Chaüe+, gleichwertig mit Yerli.

  +Salonica.+

  +Karahissar+, aus der Umgegend dieser Stadt (in England bevorzugt),
    vgl. Fig. 10.

  +Adeth+ (= gewöhnlich) geht nach China und Amerika.

  +Chinquiti+, aus dem Innern Kleinasiens.

  +So-so+, schlechte Sorte.

In Persien unterscheidet man: Meschedopium, Ispahanopium und Tschakida
(gekochtes _Opium_).

Selbst eine und dieselbe Handelssorte wird bisweilen in verschiedene
Formen gebracht. So ist z. B. persisches _Opium_ sowohl in Form von
Stäbchen, wie in konischen oder rechteckigen Stücken im Handel.

Die in Amsterdam gehandelten _Tee_sorten lauten (von der schlechtesten
beginnend): Stof, Broken Tea, Boey, Congo Boey, Congo, Souchon Boey,
Souchon, Kempoey, Soepoey Pecco, Oolong, Pecco Souchon, Pecco, Pecco
Siftings, Pecco Dust, Broken Pecco, Flowery Pecco, Orange Pecco. Die
grünen: Schin, Tonkay, Hysant, Uxim, Joosjes.

Bei der _Rhizoma iridis_ unterscheidet man in +Florenz+: Scelte
(sortierte), in sorte (gewöhnliche), frantumi (ganze Rhizome)
und raspature (Schälabfälle) -- in +Verona+: Radice dritta («pro
infantibus»), groppo (zu Iris- [Fontanelle-] Kügelchen) und scarto
(Abfälle).

Von der _Vanille_ unterscheiden die Mexikaner: Vainilla de Lec (von Léi
= Gesetz, Regel) und Vainilla cimarrona (von cimarrón = wild).

[Illustration: Fig. 281.

Jagd des _Moschus_tieres in China. Kopie der phantastischen Zeichnung,
die sich auf den Papieren findet, in die die einzelnen _Moschus_beutel
gewickelt werden. [Stark verkleinert. Original 14,5 : 18,5 cm
Bildgröße.]]

Die =Bezeichnung der Handelssorten= erfolgt nach sehr
verschiedenen Grundsätzen. Die beiden am häufigsten vorkommenden
Bezeichnungsarten sind die nach dem +Produktionslande+ (chinesischer
_Zimt_, Pegu-_Catechu_, holländischer _Kümmel_, Marokko-_Lein_,
Cordofan_gummi_, französischer _Terpentin_, amerikanisches
_Colophonium_, persisches _Opium_, Curaçao_aloe_, Bourbon_vanille_,
Banda_macis_, syrischer _Traganth_, Sumatra_benzoë_, Ceylon_zimt_,
russisches _Süßholz_, Java_china_, Honduras_sarsaparille_,
Irländisch _Moos_, Surinam _Quassia_, bengalischer _Ingwer_) oder
+Produktionsorte+ (Guéwé_opium_, Gatinais-_Crocus_, Veroneser
_Veilchenwurzel_, Cuzco_coca_, Tinevelly_senna_, Palembang_benzoë_,
Tortosa_süßholz_, Tolu_balsam_), oder dem +Ausfuhrhafen+
(Smyrna_opium_, Sansibar_nelken_, Payta_ratanhia_, Bombay_macis_,
Para_kautschuk_, alexandrinische _Senna_, Cochin-_Brechnüsse_,
Manila-_Elemi_, Puorto Cabello-_China_, Batavia-_Dammar_,
Rio-_Ipecacuanha_, Maracaibo-_Copaivabalsam_, Veracruz-_Sarsaparille_,
Tampico_jalappe_, Trujillo_coca_, Alicante-_Süßholz_), seltener nach
dem Lande, über das die Ausfuhr erfolgt (z. B. Jamaica_sarsaparille_,
da von Mittelamerika meist über Jamaica exportiert). Bisweilen
wird aber auch die +Stammpflanze+ als Bezeichnung benutzt
(_Lärchenterpentin_) oder heimische Namen umgemodelt.

[Illustration: Fig. 282.

Schnüren der Fardelen des _Ceylonzimts_ in Colombo. [+Tschirch+,
Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]

Seltener werden die Namen der Produzenten als Handelssortenbezeichnung
gewählt (Hotschkiss und Todd_pfefferminzöl_ -- Duca di Atri-,
Baracco-, Solazzi-_Succus liquiritiae_ -- Clayssen-, Latapie- und
Bisdary-_Orlean_), oder abgekürzte einfache Marken (J. G. Krone, F. &
S. Krone, C. & E. Krone Seronen-_Sarsaparille_).

Der _Kaffee_ aus Kampongkultur wird in Ceylon «coffee arabian native»,
der _Kaffee_ aus Plantagenkultur «coffee plantation» genannt.

Ein besonderes Kapitel bilden die +falschen+ und die
+Phantasiebezeichnungen+. Es ist nicht immer klar ersichtlich, ob
dieselben zum Zwecke der Täuschung erfunden wurden. Jedenfalls
können sie zu Täuschungen über die Provenienz führen. Viele
dieser Bezeichnungen sind so eingewurzelt, daß sie nicht mehr zu
beseitigen sind. Der _Perubalsam_ (aus Sonsonate in Mittelamerika),
das _Goapulver_ (aus Ostbrasilien), das _isländische Moos_ (aus
Mitteleuropa), der _venetianische Terpentin_ (aus Tirol) sind nach
Ländern benannt, in denen die Stammpflanze der Droge überhaupt nicht
vorkommt. Das _Scammonium_ von Montpellier ist weder ein _Scammonium_,
noch kommt es aus Montpellier, das _isländische Moos_ ist weder ein
Moos, noch kommt es aus Island.

Aber auch noch neuerdings tauchen derartige Phantasienamen auf.
So wurde eine im Kapland nach eigenartigem Verfahren dargestellte
_Aloë_«Uganda_aloë_»getauft (in Uganda wächst keine _Aloë_) und die
Bezeichnungen der Handelssorten des _Rhabarber_: Shanghai, Canton
und Shensi sind reine Phantasienamen, die keineswegs die Provenienz,
sondern nur einen Handelstyp bezeichnen.

Solche fälschlichen Handelsbezeichnungen kamen schon im Altertum
vor. So bemerkt z. B. ~Dioscurides~ bei der _Narde_: «Es gibt zwei
Arten _Narde_, und zwar heißt die eine die indische, die andere die
syrische, nicht aber weil sie in Syrien gefunden wird, sondern weil die
eine Seite des Gebirges, an dem sie wächst, nach Indien, die andere
nach Syrien gerichtet ist.» Und ~Theophrast~ bemerkt, daß κερωνία
(_Ceratonia Siliqua_) zwar «ägyptische Feige» heiße, doch nicht in
Ägypten wachse, sondern in Syrien.

Mißverständlich ist auch die Bezeichnung _Terra japonica_ für das vom
Rioux Lingga-Archipel stammende _Gambier_. Man wußte ehedem nur, daß
es aus dem fernen Osten stamme und vermutete entweder, daß Japan die
Heimat sei oder gab ihm absichtlich aus Reklamesucht den auf weite
Fernen deutenden irreführenden Namen. Die mißverständliche Bezeichnung
für _Gummigutt_, «gummi de Peru»(z. B. bei ~Reuden~ 1613), ist wohl auf
eine Umbildung aus dem ähnlich klingenden malaiischen getah jamu (=
heilkräftiger Milchsaft) zurückzuführen.

[Illustration: Fig. 283.

Korb mit frischen _Kolanüssen_.]

Dann unterscheiden die Großdrogenhäuser die +Einzelsorten+ auch
+nach ihrer Güte+, z. B.:

  _Tolubalsam_, Penang Ph. G. IV -- courant.

  _Canthariden_, gesiebt -- fein nat. -- Grus.

  _Cort. cascarillae_, elect. silbergrau, grusfrei -- fein
    naturell -- naturell -- Grus.

  _Cort. chinae flav._, ffein naturell -- fein naturell --
    naturell.

  _Olibanum_ in lacr. elect. hell Nr. 000 -- in lacr. fein hell
    Nr. 00 -- Erbsen ffein hell Nr. 0 -- in lacr. naturell Nr. 2 --
    Granen courant.

  _Myrrha_, elect. ffein hell -- fein naturell hell -- gut
    naturell.

  _Sanguis draconis_, feurig extrafein A -- feurig fein B -- C.

  _Carrageen_, elect. -- fein A -- fein B -- 0000 -- 000 -- 00 --
    ff. naturell 0 -- fein -- gut -- ordinär.

  _Rad. ratanhiae_, ¹⁄₁ elect. feurig, ganz knollenfrei -- ¾
    elect. gut, rot, knollenfrei -- fein naturell, sehr gut in Farbe
    -- naturell -- Knollen.

  _Rad. sarsaparillae_ Verakruz super. extra -- extra prima --
    prima courant -- depurat.

  _Rad. rhei_, großstückig flach -- rund -- mittelstückig --
    kleinstückig -- ¹⁄₁ mundiert -- ¾ mundiert -- ½ mund. In
    England: flat, round -- high dried, sun dried.

  _Ricinusöl_, erste Pressung -- zweite Pressung.

  _Fol. sennae_ Tinnevelly grün groß 0000 -- grün mittel 000
    -- grün mittel 00 -- grün mittel 0 -- grünlich 1 -- grünlich 2
    -- grünlich 3.

  _Benzoë Palembang_, extraf. glasig naturell -- ffein glasig
    naturell -- fein glasig naturell -- gut glasig, naturell.

  _Benzoë Siam_, große lose Mandeln AA -- geflossene Granen E --
    geblockte Granen hell E** -- geblockte Granen hell E***.

  _Benzoë Sumatra_, extrafein A -- extrafein B -- fein
    mandoliert 0000 -- fein mandoliert 000 -- gut mandoliert 00 --
    gute Mittelqualität 0 -- Mittelqualität 1.

Auch diese Bezeichnungen wechseln. Sie könnten in einigen Fällen
ebensogut durch Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3 usw. ersetzt werden. Immerhin
dienen einige doch zu näherer Charakterisierung.

Welch merkwürdige Verhältnisse bisweilen den Drogenhandel beeinflussen,
zeigen folgende Beispiele, die ~Holmes~ mitteilte, der (Pharm. Journ.
1900 March 17, p. 278) einige interessante Mitteilungen über die
Handelsverhältnisse gewisser vegetabilischer Arzneimittel machte, die
zu einer zeitweisen bedeutenden Knappheit derselben führen.

  «Ein merkwürdiges Beispiel bot 1900 _Pilocarpus Jaborandi_, von der
  es schwer hielt, in ganz London einen Zentner Blätter aufzutreiben,
  während Blätter von Rio Janeiro-_Jaborandi_ (_Pilocarpus Selloanus_)
  und Maranham-_Jaborandi_ (_P. microphyllus_) reichlicher zu haben
  waren. Der Grund dafür lag darin, daß die niedrige Preisnotierung
  für die nicht offizinellen Sorten, von denen die letztgenannte
  trotz des geringeren Gehaltes an Pilocarpin doch dem Fabrikanten
  günstigere Chancen darbietet als die echte Pernambuco-_Jaborandi_,
  den Handel in letzteren lähmte und schließlich den Verkauf zu
  einem Preise veranlaßte, der nicht die Hälfte der Sammlungs- und
  Verfrachtungskosten betrug. Infolge davon hüteten sich die Schiffer,
  ihr Schiff mit einer Ware, an der sie Schaden hatten, zu befrachten.
  Die Verhältnisse werden sich auch kaum anders gestalten, da die
  Pflanze über kurz oder lang im Mittelmeergebiete in hinreichender
  Menge kultiviert werden wird, um unseren Bedarf zu decken.

  Ein anderer Grund lag dafür vor, daß die von der britischen
  Pharmakopöe vorgeschriebenen _Semina Strophanthi_ (1900) in England
  nicht zu haben waren. Die ersten Exporteure dieser Droge aus
  Nyassaland versandten die einander sehr ähnlichen Samen von drei
  verschiedenen Pflanzen miteinander gemischt. Die die richtigen
  Samen liefernde Pflanze hat steifbehaarte Blätter; von den beiden
  schwächer wirkende Samen liefernden Spezies hat _Str. Emini_ weiche,
  samtartige Blätter und Schoten mit einem dichten, wolligen Überzuge.
  Die langen, langgeschwänzten Blumenblätter, welche diese beiden Arten
  haben, fehlen der dritten Art, _Str. Courmontii_, die außerdem glatte
  Blätter hat. Man erkannte die Mischung dieser Samen an dem Verhalten
  gegen konzentrierte Schwefelsäure, welche die Samen von _Str.
  Kombe_ grün, die der beiden anderen rötlich färbt. Die Exporteure
  versuchten, sich ein Monopol zu sichern, indem sie den Ursprung der
  drei differenten Samen den europäischen Botanikern verschleierten;
  doch hat die Konkurrenz der billigeren _Strophanthus_samen aus
  Westafrika dahin geführt, daß man in Zukunft nun wirkliche
  _Kombe_samen aus Nyassa in den Handel bringen wird.

  Der niedrige Preis, den die _Tubera Aconiti_ der Alpen haben und
  der namentlich auch durch die Einführung der japanischen Knollen in
  England bedingt wurde, führte zu sorgloserer Einsammlung und hat
  in England eine Vorschrift der Pharmakopöe veranlaßt, wonach die im
  Lande kultivierten Knollen von _Aconitum Napellus_ zur Bereitung der
  offizinellen Präparate zu benutzen sind. Immer aber setzt noch jetzt
  die Konkurrenz der auswärtigen wilden Droge den Preis der Kulturdroge
  so stark herab, daß kaum die nötige Menge letzterer produziert werden
  kann.

  Die Ursache der Abnahme des Gebrauchs von _Scammonium_ liegt nach
  ~Holmes~ darin, daß geradezu für bestimmte Märkte eine schlechtere
  Qualität gefordert wird. Nach Südamerika wird nur _Skilip-Scammonium_
  begehrt, das nur 40% Harz enthält. Man hat versucht, das Harz allein
  als Droge einzuführen, aber hier hat der Wettbewerb in der Billigkeit
  wieder zwei Produkte in den Handel gebracht, nämlich reines Harz
  und mit etwas wässerigem Extrakt (durch Perkolation mit Wasser nach
  Erschöpfung mit Spiritus) versetztes.

  Die Nachfrage nach billigem _Safran_ zum Färben von Kuchen
  und Backwerk in Cornwall führt zum Import des minderwertigen
  Alicante_safran_, der mindestens um einen Schilling pro Unze billiger
  als Valencia_safran_ ist.»

[Illustration: Fig. 284.

Verpacken des _Absinth_ in Frankreich. Einstampfen in die Säcke. [Nach
+Roure-Bertrand+.]]

Auch Irrtümer erhalten sich oft lange.

  ~Watt~s «+Dictionary of the Economic Products of India+» sagt, daß
  das sogenannte ostindische _Gummi arab._ gar kein indisches _Gummi_
  war, sondern von den Häfen des Roten Meeres nach Bombay exportiert
  und von dort weiter exportiert wird. Ziemlich das Gleiche sagt die
  +Pharmacographia+. Obgleich seitdem als inkorrekt bewiesen, finden
  wir die gleiche Bemerkung in +National Dispensatory+ 1897 und in
  ~King~s +American Dispensatory+ und anderwärts (~Heap~).

Es ist aber für den wissenschaftlichen Pharmakognosten sehr schwer,
einen Einblick in die Handelsverhältnisse zu bekommen, besonders wenn
er nicht in einer Welthafenstadt wohnt. Er erfährt von vielen Vorgängen
nichts.

  Die _Cardamomen_ werden in zwei Arten gehandelt, aber nur wenige, die
  den Artikel nicht auf dem Markt verfolgen, wissen es. _Sarsaparilla_
  wird auf dem Londoner Markte in 6 oder 7 Arten geteilt, doch erwähnen
  die Lehrbücher nichts davon. Im besten Falle findet man drei Arten
  _Benzoë_ in den Lehrbüchern, während die Marktkäufer an vier gewöhnt
  sind (~Heap~).


2. Verpackungen.

In den Abschnitten, die von der Kultur und der Erntebereitung
handeln, haben wir die Droge bis zur fertigen Herstellung am Orte der
Gewinnung verfolgt. Wir kommen nun zu den +Verpackungen+. Diesem
Teile der Pharmakognosie ist bisher nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet
worden. Ich betreibe das Studium der Verpackungen seit 1884, wo ich
bei Beginn meiner Tätigkeit als Dozent der Pharmakognosie mir durch
Vermittelung der Großdrogenhäuser (besonders ~Gehe~ & Co.) eine
ziemlich vollständige Sammlung der +Originalpackungen+ verschaffte und
diese dann hier und in Indien fortdauernd vermehrte. So konnte ich bei
der Eröffnung des Museums des Berner pharmazeutischen Institutes (1893)
eine Gruppe vorführen, die alles Wesentliche enthielt (Taf. XXX u.
XXXI). Wie neuere Mitteilungen (von ~Weigel~ 1905) zeigen, hat sich in
letzter Zeit an den Packungen fast nichts geändert.

In der Literatur findet man wenig über Verpackungen und meist nur ganz
gelegentliche Notizen darüber. Die mannigfaltigen Verpackungen der
_Sarsaparille_, die ehedem im Handel anzutreffen waren, sind abgebildet
in ~Pereira~, +Elements of materia medica+ 1855 II, p. 277–284, die
eigenartigen Kisten, in denen die _Cajeputöl_flaschen verpackt werden,
in meinen Indischen Heil- und Nutzpflanzen (Taf. 75). Die älteste
Drogenpackung, von der eine Abbildung auf uns gekommen ist, ist die des
_Silphium_ auf der berühmten Arkesilasschale aus dem VI. Jahrh. v. Chr.
(Fig. 273), auf der das Abwiegen und Verstauen der _Silphium_ballen im
Schiffsraum dargestellt ist.

[Illustration: Fig. 285.

Verpackung von _Mate_ (Paraguaytee). [+Tschirch+ phot.]]

Ich gebe im folgenden ein Verzeichnis der hauptsächlichen Packungen,
wie dieselben sich 1907 im Großhandel fanden, bemerke jedoch, daß
namentlich das Gewicht und die Dimensionen wechseln, und auch
andere vorkommen. Im Verpackungstyp hat sich aber in den letzten 20
Jahren wenig geändert. In diesem Punkte ist der Großhandel ziemlich
konservativ.

Als =Packmaterial= bedient man sich sehr verschiedener Dinge: der
_Rumex_früchte beim _Opium_, der _Lorbeer_blätter beim _Succus
liquiritiae_, der nach der Destillation aus der Destillierblase
entfernten und getrockneten _Melaleuca_blätter bei den Flaschen des
_Cajeputöls_. Auch Reisspelzen finden hie und da Verwendung, z. B. beim
_Lemongrasöl_.

Ich unterscheide drei +Verpackungstypen+: den +Kistentyp+, den
+Ballentyp+ und den +Kanister-Flaschentyp+. Nach diesen geordnet sollen
im folgenden die Packungen vorgeführt werden.

Da die Dimensionen der Kisten usw. wechseln, habe ich sie, um die Form
zu fixieren, nach den mir vorliegenden, in meiner Sammlung befindlichen
angegeben.

[Illustration: Tafel XXX

                 Cocos
                                     Ol.
               Ol.                 cassiae
      Thee   Geranii      Rad.
                        Ipecac.
                        (Serone)
          Moschus
                                Cort.
                               granati
                                         Cocos
                                                   Fol.
    Para                                          Sennae
   Sarsa-        Opium
   parille                                   Guttapercha
            Nux                Ol. citri
          vomica
                 Ammoniacum           Rhiz.
                             Ambra   zingib.     Ecuelle
                                      cond.      à piquer   Cort. chinae
              Rhiz. zingib.                   Mate            (Serone)
                              Bals.
                             copaivae    Ol. cajuputi
                                                         Ol.       Ol.
                                                       citro-    menthae
                   Ol.                       Bals.     nellae
                 menthae          Opium-   peruvian.
                           Ol.    pfeife
                          Rosae                     Reis-
                                                   kocher

Die Sammlung von Drogenpackungen im Museum des pharmazeutischen
Institutes der Universität Bern. [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Tafel XXXI

                                      Cocos

                                          Ol.
                                         geranii
                                Thee                       Ol.
    Cort.                                                 anisi
   aurant.                                               stellati
                                             Moschus
                  Cort.
                Winteran.        Thee
        Manna
         am
        Zweig

      Guttapercha            Ol.                       Opium
                          aurantiorum          Para
                  Senna     dulc.          Sarsaparille    Copaivabalsam

                                     Nuces          Ammoniacum
                                    vomicae
                                                           Ol. menthae
                                                               pip.
  Ol.                            Cardamomen
  Cajuputi

                                 Betelkauapparate
  Ol.
  Rosae                                Thee


Die Sammlung von Drogenpackungen im Museum des pharmazeutischen
Institutes der Universität Bern. [+Tschirch+ phot.]]


 =1) Kisten, Chests.=

_Opium_, kleinasiatisches und türkisches, in Broten. Mit Zinkblech
ausgeschlagene, rechteckige Kisten (Länge c. 87 cm, Tiefe c. 45 cm,
Höhe c. 30 cm). Packmaterial: _Rumexfrüchte_. Gewicht 50 oder 75 kg
(Taf. XXXI u. Fig. 274).

_Ammoniacum._ Quadratische Kisten mit Eisenblech ausgeschlagen (60 cm
breit, 53 cm tief, 55 cm hoch), die größten von c. 120 kg (Taf. XXXI).

_Asa foetida._ Kisten von 50–150 kg.

_Barbadosaloë._ Kalebassen (Kürbisse) von verschiedener Größe,
vollständig mit der _Aloë_ erfüllt, meist mitten durchgeschlagen (Fig.
275). Mehrere solcher Kürbisse zum Export in Fässer zusammengepackt
(Fig. 278).

_Curaçaoaloë._ Quadratische, roh zusammengeschlagene Kisten (von meist
35 cm im Quadrat), Gewicht 50–55 kg.

_Capaloë._ Rechteckige Kisten von 100–220 kg, die mit der
zusammengeflossenen _Aloë_ nahezu ganz erfüllt sind. Die _Aloë_ muß mit
Hammer und Meißel herausgestoßen werden.

_Crown_-(_Uganda_-)_Aloë_. In rechteckigen Stücken von c. 450 g, in
rotes Papier gewickelt und in Kisten verpackt.

_Drachenblut._ Große Blöcke mit Sackabdrücken (Fig. 276) oder in
Stangen von c. 20 cm Länge, in _Licuala_blätter eingewickelt. In Kisten
von c. 100 kg.

_Cardamomum_ (Malabar). Quadratische Kisten 40 zu 40 cm (Taf. XXXI).

_Flores cassiae._ In Kisten mit Bastumhüllung (Fig. 277).

_Cinnamomum Cassia._ Rinden-Röhren in Kisten (Fig. 277).

_Chinesischer Rhabarber._ Quadratische Kisten, die außen meist gelb
angestrichen oder mit gelbem Papier beklebt sind, innen mit Blech
ausgeschlagen, das bisweilen innen mit Papier beklebt ist (Tiefe 50,
Breite 70, Höhe 60 cm). _Canton-Rhabarber_ in Kisten à 75–90 kg.
_Shanghai-Rhabarber_ in Kisten à 100 kg. _Shensi_ in Kisten à 110 kg.

_Vanille._ Blechdosen, Früchte in Bündeln. Bei der _Vanille_ werden
Bündel von 50 Früchten (mazos) hergestellt, je 60 mazos (= 3 Millares)
werden in eine Blechkiste verpackt (Fig. 274 u. 279).

_Tee._ Quadratische, mit Bleifolie ausgeschlagene und verlötete, bunt
beklebte Kisten sehr verschiedenen Durchmessers (Taf. XXX u. XXXI, Fig.
275 u. 280).

_Araroba._ Kisten von 70 kg.

_Canthariden_, chinesische: Kisten von c. 30 kg; russische: Fässer von
50 oder 100 kg.

_Coloquinthen_, Palästina. Säcke von 50–100 kg.

_China-Succirubra._ in Röhren, Kisten von 45–50 kg (Fig. 269).

_Benzoë, Palembang._ Kisten à 8 Dosen, c. 8–10 kg.

_Benzoë, Siam._ Kisten von 30–115 kg.

_Benzoë, Sumatra._ durchgesägt, in Sackleinwand, in Kisten von 40–50
kg, (London).

_Resina guajaci._ Kisten von 40 kg.

_Gutti_ in Röhren. Kisten von 100 kg.

_Kino._ Kisten von 70 kg.

_Mastix._ Kisten von 50 kg.

_Olibanum._ Kisten von 110–125 kg oder Säcke à 90 kg.

_Kamala._ Kisten von c. 30 kg.

_Manna._ Kisten von c. 30 oder 90 kg.

_Guarana_ in Stangen. Kisten von c. 65 kg.

_Sternanis_, chinesischer. Kisten von c. 60 kg.

_Succus liquiritiae._ Kisten von c. 100 kg (Fig. 274), Packmaterial
Lorbeerblätter.

_Catechu_, in Blöcken à 50 kg.

_Galläpfel_, chinesische. Kisten von 60–100 kg.

_Traganth._ Kisten von c. 75 kg.

_Castoreum_, canad. Dosen von c. 5 kg.

_Moschus._ Zierliche, mit gemusterter Seide überzogene Pappkästchen,
die innen mit dicker Bleifolie ausgelegt sind und außen mit zwei
kleinen Beinriegeln verschlossen sind (Taf. XXX u. XXXI, Fig. 274 u.
275). Die _Moschus_beutel sind in Papier gewickelt, auf dem mit roter
Farbe die Jagd des Moschustieres dargestellt ist (Fig. 281). Die
Darstellung ist aber kaum authentisch, da das Moschustier mit einem
Geweih ausgestattet ist und die Verfolgung zum Teil zu Pferd erfolgt,
was kaum möglich sein dürfte. -- Dosen à ½ Catty = 302½ g. --
_Assammoschus_, ex vesicis. In Gläsern à 100 g.

_Zibeth._ Gerade Hörner, die oben und unten abgeschnitten, unten mit
einem Holzverschluß versehen, oben mit Leder zugebunden und meist noch
in Haut eingenäht sind, à c. 1½ kg (Taf. XXXI).

[Illustration: Fig. 286.

Alte Verpackungsart des _Mate_ in die Haut des großen Ameisenbärs.
[+Tschirch+ phot.]]


 =2) Ballen,=
    Seronen (Serons), Packen, Säcke, Körbe, Matten, Fardelen, Gonges,
    Bales, Packages, Bags, Robbins, Cases, Baskets.

_China Calisaya plana_ (Monopol), amerikanische Seronen aus Tierfellen
mit der Haarseite nach außen, die mittelst Hautstreifen verbunden sind
(Fig. 276 u. Taf. XXX). Breite c. 60, Tiefe c. 45, Höhe c. 45 cm. Die
Häute umschließen den Inhalt vollständig. c. 30 kg schwer. Gelegentlich
ist die Verpackung noch sorgfältiger: Leinen, Öltuch, Teertuch und
schließlich Rindshaut -- oder in Kisten von c. 30 kg.

_Sarsaparille_, Honduras. Seronen von c. 60–90 kg; aus Tierfellen, die
Haarseite nach außen, die Haut umschließt die Droge nicht vollständig,
sondern es sind nur oben und unten zwei Hautkappen von 55 cm Breite und
45 cm Tiefe angebracht, die durch breite Hautbandstreifen miteinander
verbunden sind, so daß in der Mitte der Serone die Droge frei sichtbar
ist (Fig. 275, 276). Die Droge in Puppen (Fig. 275, Taf. XXXI), 80–85
in einer Serone.

_Sarsaparille_, Veracruz. In Ballen von 60–100 kg, mit Eisendraht (Fig.
275) umwickelt. Ware oberflächlich gereinigt.

_Ipecacuanhawurzel._ Rio. Seronen aus Tierfellen. Haare nach außen.
Länge c. 80 cm, Breite c. 45 cm. Die Ränder sind mit Hautbandstreifen
vernäht und oft auch mit grober Sackleinwand verklebt (Taf. XXX). Das
Fell umschließt die Droge ganz.

_Cinnamomum ceylanicum._ Die auf gleiche Länge gebrachten Rindenröhren
des Ceylon-Kaneels mit Bast zu zylindrischen Bündeln zusammengebunden,
von c. 45 kg, mit Sackleinwand umnäht, «Fardehl» [Fardele] (Fig. 277,
282).

_Euphorbium_, Schilfseronen, sehr sauberes Geflecht, sogar mit Griffen
versehen (Marokko), c. 130 kg (Fig. 276).

_Gummi arabicum_, +Cordofan+. Schilfmatten von pyramidenförmiger
Gestalt, mit Sackleinen umnäht oder in Kisten von c. 100 oder 180 kg.
_Gummi arabicum_, +Senegal+. Ballen von c. 100 kg.

_Granatwurzelrinde._ Zylindrische aus breiten Stuhlrohrbändern dicht
geflochtene Körbe von rundem Querschnitt, von c. 1,20 m Höhe und c. 60
cm Durchmesser, flachem Boden und flachem oder gewölbten Deckel (Taf.
XXX).

[Illustration: Fig. 287.

Einfüllen des _Perubalsams_ in die Kanister in San Salvador. [+Preuß+
phot.]]

_Guttapercha._ Aus dünnen, runden Stuhlrohrstengeln sehr locker
geflochtene, zylindrische Körbe mit rundem Querschnitt und flachem
Deckel, die in Sackleinwand eingenäht sind. Durchmesser c. 50–60 cm,
Höhe c. 65–75 cm (Fig. 275).

_Senf._ Zylindrische Fässer von rundem Querschnitt, c. 50 cm
Durchmesser und c. 60–65 cm Höhe, in Bastmatten eingenäht.
_Bombay-Senf_, in Säcken von c. 75 kg.

_Nux vomica._ Aus dünnen, flachen Rotangstreifen dicht geflochtene
Körbe von rundem Querschnitt, die in feingeflochtene Bastmatten
eingenäht sind (Taf. XXXI). Durchmesser c. 50–60, Höhe c. 60 cm oder in
Säcken.

[Illustration: Fig. 288.

In der Mitte ein moderner _Perubalsam_kanister, rechts und links davon
früher gebräuchliche Krüge. [+Tschirch+ phot.]]

_Koso_ in Bündeln. Blütenstände straußartig zusammengebunden. In Säcken.

_Cassiabruch_ in Ballen (Fig. 277).

_Caryophylli_ (Penang) in Kisten von c. 150 kg (rot) oder in Basthüllen
(die Bastmatten übereinandergeschlagen und verschmiert), «Gonges» (Fig.
277) von c. 80 kg.

_Lycopodium_ in Säcken à c. 50 kg von ziemlich feiner Leinwand, die
in groben Hanfsäcken stecken; umgeben von aus Schilf geflochtenen
Bastmatten mit starken Tauen verschnürt oder in Kisten à 10 Pack à 10
kg.

_Cortex Aurantii_ Malaga. Große, oft über 1,30 m lange, aus Halfagras
dicht geflochtene «Matten» von c. 140–170 kg. Sizilianische, Säcke von
c. 50 kg. Curaçao, Ballen von c. 65 kg.

_Cortex Winteranus._ Ovale Körbe mit Deckel aus Rotangstreifen
geflochten, Höhe c. 45 cm, Breite c. 65 cm, Tiefe in der Mitte c. 35 cm
(Fig. 275).

_Russisches Süßholz._ Große c. 1,20 m lange Bastmatten (Fig. 275),
70, 90, 120 kg. _Spanisches Süßholz._ Pack von c. 60 kg. _Spanisches
Süßholz._ Tortosa (2 Bots) Ballen von 29–30 cm, à 24 Bund à 5 kg.
_Griechisches Süßholz._ Pack von c. 150 kg.

_Muscatnüsse_ (Banda) ungekalkt in Fässern (oder Kisten) von c. 100 kg.

_Sennesblätter_ (alexandrinische). Große, aus dünnen Streifen eng
geflochtene Matten von etwa 85 cm Breite, außen noch in Sackleinwand
eingehüllt, von c. 150 kg. Tinevelli. Ballen von c. 170 kg.

_Sabadillsamen_, in Säcken.

_Galgant._ Etwa meterlange, feingeflochtene Bastmatten oder Bastballen,
mit dünnem Rohr verschnürt. Ballen 90–120 kg (Fig. 276).

_Bengaleningwer_, in Säcken von c. 100 kg. _Jamaicaingwer._
Enggeflochtene Körbe von rundem Querschnitt, mit flachem Boden und
flachem Deckel. Durchmesser c. 60, Höhe c. 75 cm. Die Körbe sind in
Bastmatten eingenäht und meist noch mit derben Stuhlrohrstreifen
umflochten.

_Sassafrasrinde._ Ballen von c. 100 kg.

_Sassafrasholz_, geraspelt in Säcken à 100 kg.

_Strophantus._ Säcke von c. 30 kg.

_Baccae Juniperi._ Säcke von c. 50 kg.

_Curcuma._ Säcke von 50–80 kg.

_Arrowroot_, St. Vincent. Fässer von c. 100 kg.

_Toncobohnen_, Angostura. Fässer von c. 200–500 kg.

_Arecasamen._ Säcke von c. 60 kg.

_Jaborandi._ Ballen von 100–170 kg.

_Mate._ Ballen von c. 100 kg oder in sehr eigenartigen Taschen (Fig.
285 u. 286).

_Matico._ Ballen von c. 40 kg.

_Grana Paradisi._ Ballen von c. 75 kg.

_Galbanum._ Ballen von c. 80–90 kg.

[Illustration: Kanister mit japan. _Ol. menth. pip._

Originalkiste mit zwölf in Reisstroh verpackten Weinflaschen _Ind.
Lemongrasöl_.

Blechdose mit _jap. Menthol_.

Originalkiste mit vier Bleikanistern _Ol. cassiae chinens_.

Kanister von _Sternanisöl_.

Originalkiste mit amerikan. _Ol. menth. pip._ Todd. Ein «Estagnon»
französ. _Lavendelöl_ (oder _Rosmarinöl_).

Kupferne Ramière mit _Ol. citri_ (oder _Bergamottae_).

Fig. 289.

+Originalverpackungen von Drogen.+ [+Weigel+ phot.]]

_Myrrha._ Ballen von c. 80 kg, in Bastkörben (London).

_Herba Cannabis Indicae._ Ballen von c. 50 kg.

_Carrageen._ Ballen von c. 50 oder 100 kg.

_Agar-Agar_ in Fäden. Packen von c. 90–120 kg; Schnitzel- und
Linealform Packen von c. 90 kg.

_Fungus Laricis._ Ballen von c. 75 kg.

_Oleum Cacao._ Blöcke von 10–16 kg und Ballen von 70–90 kg.

_Oleum Myristicae_, in Riegeln von ½ oder 1 kg.

_Cassia Fistula_, ostindische. Körbe, aus derben Spänen geflochten, oft
mit Sackleinwand übernäht, von 50–60 kg (Fig. 278).

_Cocculi Indici._ Säcke von c. 55 kg.

_Cortex Angosturae._ Ballen von c. 70 kg.

_Cortex Canellae._ Ballen von c. 70 kg.

_Cascara Sagrada._ Ballen von c. 30 kg.

_Cortex Cascarillae._ Ballen von c. 70 kg.

_China flava_, +Cartagena+. Ballen von c. 60 kg. _China flava_,
+Maracaibo+. Ballen von c. 60 kg. _China flava_, +Puerto Cabello+.
Ballen von c. 40 kg.

_China fusca Loxa._ Ballen oder Kisten von c. 50 kg.

_China Calisaya_ (Kulturrinde). Ballen von c. 25 kg.

_Condurangorinde._ Ballen oder Säcke von c. 50 kg.

_Quassiaholz._ Ballen von 50 kg.

_Quebracho blanco._ Ballen von c. 30 kg.

[Illustration: Fig. 290.

Sechs Töpfe von _Tubocurare_ in einer Enveloppe vereinigt. [+Tschirch+
phot.]]

_Quilayarinde._ Ballen von c. 60–80 kg.

_Simarubarinde._ Ballen von c. 50 kg.

_Cubeben._ Säcke von c. 50 kg.

_Calabarbohnen._ Ballen von c. 70 kg.

_Buccublätter._ Ballen von c. 130 kg.

_Cocablätter_, Cuzco. Ballen à 4 Ballots à 11 kg. Trujillo. Ballen à
25–50 kg.

Für den Transport wird die peruanische Kultur-_Coca_ in den Pflanzungen
in Wollstoffe gehüllt und an der Spitze in Bananenblätter gewickelt und
mit Agaveblättern zugeschnürt. 5 solche je 1 Arroba haltende Bündel
werden in Cuzco in Jutestoff eingepackt.

_Sem. Strychni._ Säcke von 25 oder 70 kg.

_Rad. Colombo._ Säcke von 50–55 kg.

_Tub. Jalappae._ Ballen à 90 kg.

_Radix Ratanhiae_, Payta. Ballen von c. 45–60 kg.

_Radix Senegae._ Ballen von c. 80 kg.

_Rhizoma Calami._ Säcke von c. 100 kg.

_Rhiz. Zedoariae._ Ballen à c. 60 kg.

_Rhiz. chinae._ Ballen (Fig. 278).

_Crocus_, spanisch. Beutel, in Blechdosen verpackt, à c. 5 kg.

_Secale cornutum._ Säcke à c. 75 kg.

_Anis_, russisch. Säcke à c. 100 kg.

_Fenchel_, Bombay. Säcke à c. 50 kg.

_Cina._ Säcke à c. 30–100 kg.

_Faenum graecum._ Säcke à c. 100 kg.

_Sabadilla._ Säcke à c. 50 kg.

Die +frischen+ _Colanüsse_, die in ziemlicher Menge nach Europa
exportiert werden, werden in Körben versandt (Fig. 283), die trockenen
in Säcken à 80 kg.

Die französische _Absinth_ wird in an Gerüsten aufgehängte große Säcke
mit den Füßen eingestampft (Fig. 284).

Eine sehr eigenartige Gruppe bilden die +komprimierten Drogen
Amerikas+, die jenseits des Atlantischen Ozeans sehr beliebt sind, von
denen aber fast nur _Herba lobeliae_ in Paketen von ¼, ½ und 1 Pfund
englisch mit Aufdruck (Fig. 276) sich bei uns eingeführt hat.

  Von diesen +Pressed herbs+ sind unter anderem im amerikanischen
  Handel:

                                             Style of
                                              Package

  Parsley leaves    Carum Petroselinum
  B. u. H.                                      ozs.

  Pennyroyal leaves    Hedeoma pulegioides
  Pers.                                         ozs.

  Pink-root    Spigelia marylandica L.          lbs.

  Pitcher-plant root    Sarracenia
  purpurea L.                                   lbs.

  Pleurisy-root    Asclepias tuberosa L.        lbs.

  Polypody leaves   Polypodium vulgare L.       ozs.

  Pomegranate, bark of root    Punica
  Granatum L.                                   lbs.

  Poppy leaves    Papaver somniferum L.         ozs.

  Prickly Ash bark    Xanthoxylum
  americanum Mill.                              lbs.

  Privet leaves    Ligustrum vulgare L.         ozs.

  Pulsatilla herb    Anemone Pulsatilla L.      ozs.

  Red Clover tops    Trifolium pratense L.      ozs.

  Red Cohosh root    Actaea spicata L.,
  var. rubra Ait.                               lbs.

  Red Poppy flowers    Papaver Rhoeas L.        ozs.

  Rhatany root    Krameria triandra
  R. u. P.                                      lbs.

  Rose petals, pale    Rosa centifolia L.       ozs.

  Rosemary flowers    Rosmarinus
  officinalis L.                                ozs.

  Rosin-weed leaves    Silphium laciniatum L.   ozs.

  Rue leaves    Ruta graveolens L.              ozs.

  Safflower    Carthamus tinctorius L.          ozs.

  Sage leaves, Italian    Salvia officinalis L. ozs.

  Sampson Snake-root    Gentiana ochroleuca
  Froel.                                        lbs.

  Sarsaparilla, Honduras    Smilax officinalis
  B. H. K.                                      lbs.

  Silkweed root    Asclepias syriaca L.         lbs.

  Skunk Cabbage root    Symplocarpus
  foetidus Salisb.                              lbs.

  Soapwort leaves    Saponaria officinalis L.   ozs.

  Salomon’s-seal root    Polygonatum
  officinale All.                               lbs.

  Southern-wood herb    Artemisia
  Abrotanum L.                                  ozs.

  Spearmint leaves    Mentha viridis L.         ozs.

  Spikenard root    Aralia racemosa L.          lbs.

  Star-grass    Aletris farinosa L.             lbs.

  Stillingia root    Stillingia silvatica L.    lbs.

  Stone-root    Collinsonia canadensis L.       lbs.

  Stramonium leaves   Datura Stramonium L.      ozs.

  Sweet Basil leaves    Ocimum Basilicum L.

  Sweet Clover herb    Melilotus officinalis
  Desr.                                         ozs.

  Sweet Fern leaves    Myrica asplenifolia
  Banks                                         lbs.

  Sweet Flag root    Acorus Calamus L.          lbs.

  Sweet-gum bark    Liquidambar styra-
  ciflua L.                                     ozs.

  Sweet Majoram leaves    Origanum
  Majorana L.                                   lbs.

  Tag Alder bark    Alnus serrulata
  Willd.                                        ozs.

  Tamarac bark    Larix americana Michx.        ozs.

  Tansy leaves    Tanacetum vulgare L.          ozs.

  Thimble-weed herb    Rudbeckia laciniata L.

  Thyme leaves    Thymus vulgaris L.            lbs.

  Tormentilla root    Potentilla Tormentilla
  Scop.

  Turkey-corn root    Dicentra canadensis DC.   lbs.

  Twin-leaf root     Jeffersonia diphylla Pers.

  Valerian root    Valeriana officinalis L.     lbs.

  Virginia Snake-root    Aristolochia Ser-
  pentaria L.                                   lbs.

  Wahoo, bark of root    Evonymus atro-
  purpureus Jacq.                               lbs.

  Wahoo, bark of tree    Evonymus atro-
  purpureus                                     lbs.

  White Bryony root    Bryonia alba L.          lbs.

  White Clover tops    Trifolium repens L.      ozs.

  White Hellebore root    Veratrum album L.     lbs.

  White Indian Hemp root     Asclepias
  incarnata L.                                  lbs.

  White Oak bark    Quercus alba L.             lbs.

  White Snake-root    Eupatorium aromaticum L.  lbs.

  Wild Cherry bark    Prunus serotina Ehrh.     lbs.

  Wild Ginger    Asarum Canadense L.            lbs.

  Wild Indigo root    Baptisia tinctoria
  R. Br.                                        lbs.

  Wild Lettuce leaves    Lactuca canadensis L.  ozs.


 =3) Flaschen, Kanister,=
   Ramièren, Blechdosen, Estagnons (Blechkannen), Barrels, Oxhofte,
   Tonnen (puns), Fässer, Fässchen (kegs), Drums, Casks, Tins, Cans,
   Pots, Bottles.

_Perubalsam._ Rechteckige Metallkanister mit verschraubbarer Öffnung
und quadratischem Querschnitt (20 cm). Höhe 30 cm. Oben Handgriff (Taf.
XXX, Fig. 274 u. 275, 287, 288). 2 Kanister (à 25 kg) in einer Kiste.
(Die Kanister kommen mit Maschinenöl aus England nach Zentralamerika,
werden dort gereinigt und zum Transport des _Perubalsams_ verwandt.)

_Tolubalsam._ Zylindrische Kanister aus dünnem Blech mit rundem
Querschnitt, 15 cm, Höhe 25 cm. Meist 2 in einer Kiste. Selten kleine
Kalebassen.

_Copaivabalsam._ Zylindrische Metallkanister mit rundem Querschnitt (c.
28 cm), c. 45 cm Höhe (Taf. XXX u. XXXI), meist 2 Kanister von c. 18 kg
in einer Kiste. (Bisweilen auch leere Petroleumkanister noch mit den
entsprechenden Etiketten, Balsam daher vielfach trübe.)

_Oleum citri_ und _Oleum aurantii._ Kupferne Kanister (Ramièren) von
rundem Querschnitt, Durchmesser c. 45 cm, Höhe ohne Deckel c. 35 cm.
Abgerundeter Boden, kleine zentrale Öffnung im Deckel (Taf. XXX u.
XXXI, Fig. 275 u. 289). Die Ramièren von _Oleum citri_ halten 25 und 50
kg.

 _Oleum geranii._ Zinkblechkanister in Form einer Destillierblase,
c. 45 cm Durchmesser, mit rundem Querschnitt, verjüngtem oberen Teil.
Mit dicken Schnüren umzogen (Taf. XXX u. XXXI, Fig. 275 u. 258), oder
15 Flaschen à 850 g in einer Kiste; oder Töpfe von c. 100 kg, oder
Trommeln von c. 20 kg.

_Oleum cassiae_ und _Oleum Anisi Stellati_. Bleikanister von
zylindrischer Form und rundem Querschnitt (21 cm), Höhe 24 cm, mit
chinesischem Pflanzenpapier überklebt und mit gelbem Firniß überzogen.
In der Mitte des Deckels runde, leichtverschließbare Öffnung von 3 cm
Durchmesser. Am Deckel zwei Handhaben (Taf. XXX). Inhalt c. 7½ kg. 4
Kanister in einer Kiste (Fig. 289).

_Citronellöl_ (Ceylon). Rechteckige Blechkanister von quadratischem
Querschnitt (15 cm), Höhe 36 cm. Verlötbare Öffnung im oberen Deckel.
Aufgeklebtes Etikett: Citronella-oil Singapore, Strait Settlements
(Taf. XXX, Fig. 275), oder in Kanistern à 18 kg, oder großen eisernen
Trommeln von 500 kg. In London gesehen in eisernen Fässern (Barrels) à
350–400 kg.

_Rosenöl_ (_bulgarisches_). Runde, flache Blechflaschen von
verschiedenem Durchmesser: 14, 16, 23 cm usw., oben mit kleiner runder
Öffnung, die verschlossen und versiegelt ist. Siegel: Kezanlik oder
and. Die Blechflaschen sind oft in dicken Filz eingenäht. Inhalt ¼, ½
oder 1 kg (Taf. XXX u. XXXI, Fig. 275).

_Pfefferminzöl_ englisches. Große zylindrische Flaschen aus blauem Glas
(Taf. XXX u. XXXI).

[Illustration: Fig. 291.

Mit _Aloësaft_ gefüllte Gärfässer vor der Faktorei (Capland).]

_Pfefferminzöl_ amerikanisches. Kleinere Flaschen aus blauem Glas (Fig.
275), mit breiter Etikette: ~H. G. Hotschkiss~, Lyons, Wayne County n.
y. New York (U. S. A.). Verpackung der Flaschen in archeartigen Kisten
mit dachförmigem Deckel (c. 75 cm lang und in der Mitte c. 45 cm hoch)
(Taf. XXX, Fig. 289). Kisten à 18 Flaschen. Oder in Blechflaschen (tins
oder cans) in gleichen Kisten. ~A. M. Todd~, Kisten à 3 Can à 20 lbs.

_Japan. Pfefferminzöl_ in Blechdosen mit origineller Trade-Marke.
Kisten à 12 Can à 12 lbs (Fig. 289).

_Ylang-Ylang-Öl._ Glasstöpselflaschen mit Etikett à ½ oder 1 kg.

_Cajeput-Öl._ In allen möglichen leeren (Rotwein-, Rum-, Kognak-)
Flaschen, die in eigenartige quadratische Behälter verpackt sind,
welche aus den nebeneinandergelegten Abschnitten der Blattstiele der
_Sagopalme_ (_Metroxylon_) hergestellt sind. Breite und Tiefe des
Behälters c. 55 cm, Höhe c. 45 cm. Oben und unten zwei hölzerne Riegel,
die durch Rotangstreifen miteinander verbunden sind (Taf. XXXI u. Fig.
275). Packmaterial: die destillierten und dann getrockneten Blätter der
_Cajeput_pflanze. Jetzt oft in Kisten à 50 Flaschen à 0,6 Liter = 552 g.

_Campher_ in Broten von c. 2½ kg.

_Kanadabalsam._ Kanister, zu zwei in Kisten vereinigt, c. 20 kg.

_Manilaelemi._ Kanister à 18 kg, zu zwei in einer Kiste.

_Styrax liquidus._ Kanister à 20 kg, zu zwei in einer Kiste oder in
Fässern à 200 kg.

_Gurjunbalsam_ in Kanistern à 18 kg, zu zwei in einer Kiste.

_Oleum Anisi vulgaris_, russisch. Blechflaschen von c. 15 kg, 6 in
einer Kiste.

_Oleum Bergamottae._ Kisten à 1 Ramière = 12½ kg.

_Zimtöl_, Ceylon. Kisten à 12 Flaschen à 25 Oz, oder à 20 Flaschen à 26
Oz.

[Illustration: Fig. 292.

_Sandelholz_lager in Bangalore. [Aus +Roure-Bertrand+ fils Berichte.]]

_Oleum Rosmarini_ und _Oleum Lavandulae_ in Blechkannen (Estagnons) à
25 kg (Fig. 289).

_Lemongrasöl_ in leeren Weinflaschen, Packmaterial Reisstroh, je 12 in
einer Kiste, c. 7.5 kg (Fig. 289).

_Ricinusöl._ Kisten à 4 Can à 20 kg oder Barrels à c. 180 kg.

_Tamarinden._ Oxhofte à c. 350 kg, Barrels à c. 180 kg.

_Teer._ Tonnen à c. 160 kg.

_Galipot._ Fässer à c. 350 kg.

_Orlean_, Guadeloupe. Oxhofte von c. 200 kg.

_Terpentin_, französ. Barrels von c. 130 kg oder Kisten à 2 Can von c.
120 kg.

_Terpentinöl_, amerikanische Barrels von c. 180 kg.

_Rhiz. zingiber. condit._ Runde Porzellantöpfe mit blauer Bemalung,
oben mit runder Öffnung, mit Stuhlrohrstreifen umschnürt und zwei
Handhaben aus Stuhlrohr (Fig. 275).

_Curare_ findet sich entweder in kleinen, oft zu mehreren in einer
Enveloppe vereinigten Töpfen (_Tubocurare_) oder in kleinen Calebassen
(_Calebassencurare_) oder in Bamburöhren (_Bambucurare_) (Fig. 290).


4) =Unverpackt.=

Lose und +unverpackt+ werden einige Hölzer, z. B. _Sassafras_,
_Sandelholz_ (Fig. 292), wohl auch _Guajacholz_, _Quassia_ versandt,
die direkt in den Schiffsraum geworfen und auch später ohne Emballage
verstaut werden. Auch _Hausenblase_ (in drei Formen als: Tongues,
Oysters und plates) ist lose im Handel (Fig. 274).

Verpackungen sind auch auf den Fig. 209–212, 218–220, 242, 248,
250–251, 256–260, 265–267 zu finden.



                                Alle Einteilungen, alle Systeme sind nur
                                Notbehelfe. Natura non facit saltus.


VI. Pharmakognostische Systeme.


Bibliographie der Hand- und Lehrbücher der Pharmakognosie, sowie
verwandter Zweige von +Pomet+ an.

Die Frage, wie man den Stoff anzuordnen habe, ist vielfach ventiliert
worden und es sind ziemlich verschiedene Systeme hierfür benutzt
worden. Ich halte die Wahl des Systems für ziemlich gleichgültig. Ich
bevorzuge jedoch, da eine in allen Punkten befriedigende chemische
Einteilung zurzeit noch unmöglich ist (s. weiter hinten), die Anordnung
nach den natürlichen Familien, da diese eine chemische Einteilung
vorbereitet, die das letzte Ziel aller pharmakognostischen Einteilungen
ist.

~Pereira~, der bekanntlich die Pharmakognosie noch nicht von der
Pharmakologie trennt und auch noch die chemischen Arzneimittel
einbezieht, zählt in seinen +Elements of materia medica+ (2. Aufl.
1842–43, deutsch von ~Buchheim~) folgende Einteilungsmöglichkeiten auf,
die ich, durch einige weitere vermehrt, hier zugrunde legen will.

Zunächst die =alphabetische Anordnung=, die in folgenden Werken benutzt
wurde:

~Nic. Lémery~, +Traité universel des drogues simples+, mises en ordre
alphabétique. Ou l’on trouve leurs differens noms, leur origine,
leur choix, les principes qu’elles renferment, leurs qualitez, leur
étimologie et tout ce qu’il y a de particulier dans les Animaux, dans
les Végétaux et dans les Minéraux. Ouvrage dépendant de la Pharmacopée
universelle Paris 1698 und 1714, Amst. 1716. Paris 1723 par ~B. de
Jussieu~, 3 Edit. 1733. 4 Edit. 1782 avec 24 pl. (Die erste Auflage
ohne Abbild.) Deutsch von ~Chr. Fr. Richter~, Vollst. Materiallexikon,
Leipzig 1721.

Dann: +Dictionnaire général des drogues+ simples et composées de
~Lémery~. (zuerst Rotterdam 1727), revu par ~S. Morelot~, 2 Vol. Paris
1807, mit zahlreichen Tafeln. Holländisch: Woordenboek of algemeene
verzameling der enkele droogeryen 1743.

~Jos. Miller~, +Botanicum officinale+. London 1722. +Das erste
englische Lehrbuch der Pharmakognosie.+

  ~Joh. Jac. Manget~, Bibliotheca pharmaceutica s. thesaurus
  refertissimus materiae medicae. Genev. 1703.

  ~M. de la Beyrie~ et ~M. Goulin~, Dictionnaire raisonné-universel de
  matière médicale. 8 Vol. Paris 1773.

  J. ~Rutty~, Materia medica antiqua et nova repurgata et illustrata.
  Rotterdam 1775.

  ~Kruitmann~, Lexicon exoticorum oder Beschr. d. ostindisch. u.
  westind. Materialien. 1730.

  ~W. Lewis~, An experimental history of materia medica 1761 und 1791
  (by +Aikin+).

  ~J. A. Paris~, +Pharmakologie+ 1820, 1833, 1838, 1842.

  ~W. T. Brande~, +Manual of pharmacy+, London 1825 und a +dictionnary
  of materia medica+, London 1839. Deutsch (von ~Fr. Wolff~), Handb. d.
  Materia medica und Pharmacie.

  ~Mart. Nic. Beets~: +Woordenboek van Droogeryen+. Amsterd. 1825.

  ~Chevaller~, ~Richard~ et ~Guillemin~, +Dictionnaire des drogues
  simples et comp.+ Paris 1827/29.

  ~L. Martinet~, +Manuel de thérapeutique et de matière médicale+.
  Paris 1828.

  ~F. V. Mérat~ et ~A. J. de Lens~, +Dictionnaire universel de matière
  médicale et de thérapeutique génér+. 6 B. 1829–34.

  ~F. P. Dulk~ und ~Sachs~, +Handwörterbuch der prakt.
  Heilmittellehre+. Königsberg 1832.

  ~E. F. Anthon~, +Handwörterbuch der chemisch-pharmazeutischen und
  pharmakognostischen Nomenklaturen+. Nürnberg 1833 u. 1861.

  ~W. L. Bachmann~, +Handwörterbuch der prakt. Apothekerkunst+.
  Nürnberg 1836–39.

~Richard~, +Dictionnaire des drogues simples et composées+. Paris
1827–29. 5 B.

E. ~Winkler~, +Vollständiges Reallexikon der medizinisch-pharmazeut.
Naturgesch. und Rohwaarenkunde+. 2 B. Leipzig 1838–42.

~Ed.~ (Arzt) und ~Jul.~ (Apotheker) ~Martiny~, +Enzyklopädie der
medizin.-pharmazeut. Naturalien- und Rohwaarenkunde+. 2 B. Quedlinburg
1843–1854.

~G. C. Wittstein~, +Handwörterbuch der Pharmakognosie des
Pflanzenreiches+. (II. Abt. 2 T. der Enzyklopädie der
Naturwissenschaften.) Breslau 1883. Alphabetisch nach den deutschen
Namen. Auch etymologisch, aber mit Vorsicht zu benutzen.

~C. Hartwich~, +Die neuen Arzneidrogen aus dem Pflanzenreiche+. Berlin
1897.

Auch das vorzügliche Werk:

~Caspar Neumann~, +Chymiae medicae dogmatico-experimentalis+, Tom. X
oder der gründlichen und mit Experimenten erwiesenen medizinischen
Chymie 10 B. ed. ~Zimmermann~, Schneeberg 1740 und ed. ~Kessel~,
Züllichau 1749–55 (englisch [von ~Lewis~] London 1760 und 1773), wagt
noch keine Einteilung auf chemischer Grundlage, sondern führt die
Drogen alphabetisch auf. Es erstrebt keine Vollständigkeit, sondern
enthält nur die Drogen und Pflanzen, die bereits chemisch -- besondere
von ~Neumann~ selbst -- untersucht wurden.

Alphabetisch sind die Drogen auch abgehandelt in den
+Universalpharmakopöen+, den +Kommentaren+, den +Handbüchern der
pharmazeutischen Praxis+ usw., z. B. in:

~N. Lémery~, +Pharmacopée universelle+. Paris 1697 und 1754.

~Ph. L. Geiger~, +Pharmacopoea universalis+. Heidelberg 1835.

~H. Hager~, ~B. Fischer~ und ~C. Hartwich~, +Kommentar zum Arzneibuch
für das Deutsche Reich+. Berlin 1891. Die Drogen von ~C. Hartwich~.

~B. Fischer~ und ~Hartwich~, Hagers +Handbuch der pharmazeut. Praxis+.
Berlin 1902. Die Drogen gut illustriert und vorzüglich bearbeitet von
~C. Hartwich~.

~G. F. Bergh~, ~Th. Delphin~, ~A. Blomquist~ und ~R. Westling~,
+Kommentar till Svenska Farmakopén+. Stockholm 1905–1908. Die Drogen
gut illustriert.

+Realenzyklopädie der gesamten Pharmazie.+ Herausg. v. ~Geissler~ und
~Moeller~, 1885–1891. 2. Aufl. herausg. von ~Moeller~ und ~Thoms~. Die
Drogen, gut illustriert, von ~T. F. Hanansek~, ~Hartwich~, ~Moeller~,
~Tschirch~ u. and. bearbeitet.

Der Realenzyklopädie entspricht das +National standard dispensatory+ by
~Hare~, ~Caspari~ and ~Rusby~. Philadelphia 1907. Die Drogen von Rusby.

+Kings American dispensatory+ by ~H. W. Felter~ and ~John Uri Lloyd~. 3
Revis. 2 Vol. Cincinnati 1898.

Diese alphabetische Einteilung ist nun aber gar keine Einteilung,
sondern ein Notbehelf, zudem, wenn in Lehrbüchern angewendet, die
Bankerotterklärung der Pharmakognosie als Wissenschaft, wie ~Schleiden~
bemerkt. ~Pereira~ führt als Grund für eine derartige Gruppierung an,
daß man bei ihr jede Substanz leicht auffinden könne und Fehler in der
Einteilung vermeide.

Von =systematischen Einteilungen= führt ~Pereira~ an:


1. Einteilung nach den sensiblen Eigenschaften.

Diese Klassifikation, die sich auf +Farbe+, +Geschmack+ und +Geruch+
der Drogen gründet, ist natürlich sehr unvollkommen, hat aber auch
ihre Vertreter gefunden. ~Flückiger~ benutzte sie gern für die
Unterabteilungen (S. 226).

  ~Jon. Osborne~, +On the indications afforded by the sensible
  qualities of plants with respect to their medical properties+ 1828.

  ~A. F. A. Greeves~, +An essay on the varieties and distinctions of
  tastes and smells and on the arrangement of the materia medica+ (in
  ~Duncan~, Suppl. to the Edinb. new dispensatory 1829).

~Pereira~ teilt ~Greeves~ Einteilung mit.


2. Einteilung nach den naturhistorischen Eigenschaften.

(Systematisch-botanische Systeme.)

«Sie bezieht sich meist auf die äußere Form und Struktur, bei Pflanzen
und Tieren auf die Organisation, bei den mineralischen Körpern auf
die Kristallisation», d. h. mit anderen Worten: die pflanzlichen
und tierischen Drogen werden +nach den künstlichen oder natürlichen
Familien+ angeordnet. Die ersten, die diese Anordnung, die man die
+systematisch-botanische+ nennen kann, wählten, waren ~Dale~ und
~Murray~.

~Samuel Dale~, +Pharmacologia+. London 1693.

~J. A. Murray~, +Apparatus medicaminum+ tam simplicium quam
praeparatorum et compositorum. 5 Vol. Göttingen 1776–1789. Vol. 6, post
mort. ed. ~Althof~. 1792, von diesem auch die Edit. altera in 6 B.
1793–94. Deutsche Übersetzung von ~Seeger~, ~Murrays~ Arzneivorrath.
Braunschw. 1778–1791 (B. 6 1792 von ~Althof~). Der zweite Teil des
Werkes: Regn. minerale von ~J. F. Gmelin~, 1795–96.

Ihm folgten:

  ~Jo. Dav. Schoepf~, +Materia medica americana+ potissimum regni
  vegetabilis. Erlang. 1787. (Neudruck in Bulletin of the Lloyd Library
  in Cincinnati).

  ~A. Richard~, +Botanique médicale+. Paris 1823. (Übers. v. ~Kunze~
  und ~Kummer~, Berlin 1824–26), und Elemens d’histoire naturelle
  médicale. Bruxelles 1831.

  ~P. I. Smyttère~, +Phytologie pharmaceutique et médicale+. Paris 1829.

  ~J. F. L. Nees von Esenbeck~ und ~L. N. Ebermaier~, +Handbuch der
  medizinisch-pharmazeut. Botanik+. 3 T. Düsseldorf 1830–32.

~N. J. B. G. Guibourt~, +Histoire abregée des drogues simples+, später:
+Histoire naturelle des drogues simples+. Paris 1820. (Deutsch v.
~Bischoff~: Pharmazeut. Warenkunde 1823). 2. Ed. 1826. 3. Ed. 1836
(deutsch v. ~Martius~). 4. Ed. 1839. 5. Ed. 1849, mit 600 Figuren, 6.
Ed. von ~G. Planchon~: Histoire naturelle des drogues simples. 4 Vol.
Paris 1869–70. 7 Ed. 1876. 4 Vol. mit 1077 vorwiegend morphologischen
Figuren. Die wichtigste französische Pharmakognosie aus früherer Zeit.

Nachtrag zu ~Guibourts~ Warenkunde: ~Th. W. C. Martius~, +Das neueste
aus dem Gebiete der Pharmakognosie+. Nürnberg 1830.

~V. Fr. Kosteletzky~, +Allgem. mediz.-pharmazeut. Flora+. 6. B. Prag
und Mannheim 1831–36.

~Wiggers~ (und ~Carl Müller~), +Grundriß der Pharmakognosie+. Göttingen
1840. 5. Aufl.: +Handbuch der Pharmakognosie+ 1864.

  ~G. W. Bischoff~, +Medizin.-pharmazeut. Botanik+. Erlangen 1843. 2.
  Ausg. 1847.

  ~Endlicher~, +Die Medizinalpflanzen der österreichischen
  Pharmakopoee+. Wien 1842.

  ~K. F. Ph. Martius~, +Systema materiae medicae vegetabilis
  brasiliensis+. Lips. 1842.

~Schroff~, +Lehrbuch der Pharmakognosie+. Wien 1853. 2. Aufl. 1869.

Sehr wichtig sind die beiden folgenden Werke:

~Jonathan Pereira~, +The elements of materia medica and Therapeutics+.
London, (1. Aufl. 1837 [unter anderem Titel], 2. Aufl. 1842, 3. Aufl.
1849–1853, 4. Aufl. 1854–1857). Neue Aufl. von ~Bentley and Redwood~.
London 1874. Wichtigstes Werk der englischen Pharmakognosie aus
früherer Zeit. Die erste Aufl. deutsch von ~Behrend~ 1838, die zweite
deutsch von ~Buchheim~ unter dem Titel: Handbuch der Heilmittellehre.
Leipzig 1842.

~D. A. Rosenthal~, +Synopsis plantarum diaphoricarum+. Systemat.
Übersicht der Heil-, Nutz- und Giftpflanzen aller Länder. Erlangen 1861.

Dies System ist in späterer Zeit wohl hauptsächlich deshalb verlassen
worden, weil es ~Schleiden~ 1857 schlecht machte. Er sagt in
seinem +Handbuch der botanischen Pharmakognosie+: «Diese Systeme
(d. h. die systematisch-botanischen), die auf den ersten Anblick
den Schein großer Wissenschaftlichkeit haben, sind gleichwohl die
allerunwissenschaftlichsten und unbrauchbarsten. Zunächst enthalten sie
das stillschweigende Eingeständnis, daß es gar keine Pharmakognosie
als selbständige wissenschaftliche Disziplin gebe und geben könne.
Jede wissenschaftliche Disziplin muß die systematische Verteilung
ihres Stoffes eben diesem Stoff und seiner Natur entlehnen, sonst ist
sie entweder keine selbständige Wissenschaft oder ihr System ist ein
falsches. Gegenstand der Pharmakognosie sind aber nicht die Pflanzen
als solche, sondern die Droguen als solche. Von ihnen allein dürfen
also die Grundsätze für ihre systematische Anordnung entlehnt werden.»

Das ist gewiß richtig. Aber die systematisch-botanische Einteilung
gewinnt im Lichte der Ergebnisse der neueren Pharmakochemie doch an
Bedeutung, wenn man berücksichtigt, daß die Pflanzen derselben Familie
nicht nur, wie die besonders unter ~Radlkofers~ Einfluß entwickelte
anatomisch-systematische Richtung (~Solereder~ u. a.) zeigte, durch
ähnliche anatomische Verhältnisse, sondern, wie die +vergleichende
Pharmakochemie+ lehrt, auch durch ähnliche chemische Eigenschaften,
durch gleiche oder verwandte Bestandteile miteinander verbunden sind.

Daß zwischen der systematischen Stellung einer Pflanze, oder wie man
damals sagte, «der Form» oder «Fruktifikation» und ihren (natürlich
auf den Bestandteilen fußenden) Heilwirkungen (vires) Beziehungen
bestehen müssen, betonten schon der geistvolle ~Rud. Jac. Camerarius~
(+de convenientia plantarum in fructificatione et viribus+, Tübing.
1699) und ~James Petiver~ (Philosoph. transact. 1699), der durch den
Versuch beweisen wollte, «daß Pflanzen von demselben Bau oder derselben
Klasse im allgemeinen die gleiche Kraft (vertue) besitzen» . «Denn
da die Organe und der Bau aller Pflanzen von derselben Familie oder
Klasse meist dieselben Gefäße und Gänge besitzen müssen, um die ihnen
zukommende Bildung zu erreichen, können auch die darin enthaltenen und
zirkulierenden Säfte nicht so sehr verschieden sein; und da meistens
auch Geruch und Geschmack eine große Übereinstimmung zeigen, so können
doch wohl auch die Kräfte nicht sehr heterogen sein.» Als Beispiele
führt ~Petiver~ bereits die Klassen an, die wir heute _Labiaten_ und
_Umbelliferen_ nennen.

Auch ~Linné~ bemerkt in den Amoenitates: «Plantae quae genere
conveniunt, etiam virtute conveniunt; quae ordine naturali continentur,
etiam virtute proprius accedunt; quae classe naturali congruunt, etiam
viribus quodammodo congruunt.» Ähnlich äußert sich ~Caesalpini~:
«Plantae quae generis societate junguntur, plerumque et similes
possident facultates.»

Später haben dann ~Isenflamm~ (Methodus plantarum medicinae clinicae
adminiculum, Erlang. 1764), ~Wilke~ (de usu systematis sexualis in
medicina, Gryphiswald. 1764), ~Gmelin~ (Botanica et chemia ad medicam
applicatae Tüb. 1755), ~Willemet~ (An vires plantarum ex characteribus
botanicis sunt inferendae, Nancy 1782); ~Jussieu~ (Mém. d. l. Soc. de
Méd. 1786), ~Barton~ (Collection for an Essay towards a materia medica
of the unit. stat. 1801), ~Cassel~ (Versuch über die natürl. Familien
der Pflanzen mit Rücksicht auf ihre Heilkraft. Köln 1810) u. and. den
Gedanken weiter verfolgt, der sich zu einem System verdichtete in der
interessanten Schrift von:

~Aug. Pyr. de Candolle~, +Essai sur les propriétes médicales des
plantes comparées avec leurs formes extérieures et leur classification
naturelle+. Paris 1804 u. 1816. (Deutsch v. ~K. J. Perleb~. Aarau 1818.)

Widerspruch erfuhr die Theorie besonders von ~Vogel~ (Mat. med.),
~Plaz~ (de plantarum virtutibus ex ipsarum charactere botanico nunquam
cognoscendis 1762) und ~Gleditzsch~ (de methodo botanica dubio et
fallaci virtutum in plantis indice. 1742).

Später sind dann diese Gedanken vielfach weiter gesponnen worden in den
Schriften:

~Maly~, De analogis plantarum affinium viribus. Prag 1823.

~H. H. Dierbach~, +Abhandl. über die Arzneikräfte der Pflanzen+,
verglichen mit ihrer Struktur und ihren chemischen Bestandteilen. Lemgo
1831.

~Calvert et Ferrand~, Mém. sur la végétation considerée sous le point
de vue chimique 1844.

~Herlant~, Etude sur les rapports entre les principes actifs et les
caractères botan. des plantes officinales. Brux. 1878.

~Dragendorff~, Über d. Bezieh. zwischen chem. Bestandt. u. botan.
Eigentümlichk. d. Pflanz. Petersburg 1879.

~Greshoff~, Gedanken über Pflanzenkräfte und phytochemische
Verwandtschaft. Ber. d. pharmazeut. Ges. 1893.

~Rosenthaler~, Bezieh. zwischen Pflanzenchemie u. Systematik.
Naturforschervers. Stuttgart 1906.

       *       *       *       *       *

Durch eine systematisch-botanische Zusammenstellung treten die
Ähnlichkeiten, die man sonst leicht übersehen hatte, oft geradezu
erst hervor. So besitzt dies von ~Schleiden~ geschmähte System sogar
heuristischen Wert. Es besitzt aber auch didaktischen, da es eine
lebensvolle Verknüpfung zusammengehöriger Drogen in der Vorlesung
ermöglicht, und deshalb hat sich seiner auch noch in neuerer Zeit
~Flückiger~ in seinem «+Grundriß der Pharmakognosie+» (Berlin 1883, 2.
Aufl. 1894) bedient. Deshalb bediene ich mich seiner in der Vorlesung
und deshalb habe ich dies System auch der Anordnung des Drogenmuseums
des Berner pharmazeutischen Instituts zugrunde gelegt.

Bereits in den «+Grundlagen der Pharmakognosie+» reden ~Flückiger~
und ich der Anlehnung an die natürlichen Pflanzenfamilien das Wort.
«Die Benutzung eines auf diese gegründeten Systems eignet sich schon
deshalb, weil die Kenntnis der Pflanzenfamilien vorausgesetzt werden
darf, kaum noch im Zweifel läßt über die jeder Droge gebührende Stelle
und nicht die Trennung der Teile oder Produkte gestattet, welche
eine und dieselbe Pflanze liefert. Diese Vorzüge sind größer als der
Nachteil, welcher darin erblickt werden mag, daß sich bei dieser
Anordnung Dinge nahe gerückt finden, welche weder morphologisch noch in
betreff der Heilwirkung irgend zusammengehören.»

Für Pflanzen und Tiere ist es benutzt in:

  ~J. J. Virey~, +Histoire naturelle des médicaments des alimens et des
  poisons+. Paris 1820. 2 ed. 1826.

  ~A. L. A. Fée~, +Cours d’histoire nat.+ pharmaceut. ou histoire des
  substances usitées dans la thérapeutique, les arts et l’économie
  domestique. Paris 1828.

  ~A. Richard~, +Elemens d’histoire nat. med.+ Paris 1831–35.

  ~J. Johnstone~, +A therapeutic arrangement and syllabus of materia
  medica+. London 1835.

  ~E. Soubeiran~, +Nouveau traité de pharmacie théoret. et prat.+ 1836.
  2. Aufl. 1840.

  Für Tiere in:

  ~J. F. Brandt~ und ~J. T. C. Ratzeburg~, +Medizin. Zoologie+. Getreue
  Darst. u. Beschreib. d. Tiere, die in der Arzneimittellehre in
  Betracht kommen. 3 B. 1827–33, mit 60 vorzügl. Kupfertafeln.

  ~P. L. Geiger~, +Handb. d. Pharmazie+. Heidelb. 1829.

  ~John Stephenson~, +Medical zoology and mineralogy+. London 1832.

  ~J. W. C. Martius~, +Lehrb. d. pharmazeut. Zoologie+ 1838.

  ~Martiny~, +Naturgeschichte der für die Heilkunde wichtigen Tiere+.
  Gießen 1854. m. 30 Taf.

  ~Moquin-Tandon~, +Eléments de zoologie médicale+. Paris 1860. 2 Edit.
  1882 avec Fig.

Des künstlichen ~Linné~schen Systems bedienen sich:

  ~C. Linné~, Materia medica 1749, 4. Aufl. Erlang. 1782, 5. Aufl. 1785
  (~Ed. Schreber~).

  ~Schöpf~ (s. oben).

  ~P. J. Bergius~. +Materia medica e regno vegetabili+, sistens
  simplicia officinalia pariter atque culinaria. 2 B. Stockholm 1778.
  2. Aufl. Stockholm 1782.

  ~P. L. Geiger~, +Handb. d. Pharmazie+. 3. Aufl. 1830, 5. Aufl.
  1837/39. Bearb. von ~N. v. Esenbeck~, ~Dierbach~ und ~Cl. Marquart~.

  Auch der pharmakognostische Teil von ~C. G. Hagen~, +Lehrbuch der
  Apothekerkunst+, Königsberg 1778–82 (bis 1821 8. Aufl.), ordnet die
  Drogen nach dem Linnéschen System.

In neuerer Zeit bedienten sich des +systematisch-botanischen
Systems+:

~C. A. J. A. Oudemans~, +Aanteekeningen op het systematisch- en
pharmacognostisch-botanische gedeelte+ der Pharmacopoea Neerlandica.
Rotterdam 1854–56.

~W. Dymock~, +The vegetable Materia medica of Western India+. Bombay
s. a. (1884).

~F. A. Flückiger~ and ~Dan. Hanbury~, +Pharmacographia+ a history of
the principal drugs of vegetable origin, met with in great britain
and british India. London 1874. 2. Ed. (by ~Flückiger~) 1879. Das
wichtigste Werk der englischen Pharmakognosie, leider ohne Abbildungen.
Französische Übersetzung (nach der 1. Aufl.) von ~J. L. de Lanessan~,
Histoire des drogues d’origine végétale. 2 Vol. Paris 1878. avec 320
Fig. (par ~Hugon~).

Als Ergänzung dazu: ~Dan. Hanbury~, +Science papers+, chiefly
pharmacological and botanical. London 1876 (Edit. ~J. Juce~), mit
Abbild.

~G. Planchon~, +Traité pratique de la détermination des drogues simples
d’origine végétale+. 2 Vol. Paris 1875, mit Abbild.

~W. Dymock~, ~C. J. H. Warden~ und ~D. Hooper~, +Pharmacographia
indica+, a history of the principal drugs of vegetable origin met with
in British India. 3 Vol. London, Bombay, Calcutta 1890–1892, ohne
Abbildungen.

~George Watt~, +Dictionary of the economic products of India+. 6 Vol.
Calcutta 1889–1893, ohne Abbildungen.

~Lucius E. Sayre~, +A manual of organic materia medica and
pharmacognosy+. Philadelphia 1895, with 543 Illustr.

~G. Planchon~ et ~E. Collin~, +Les drogues simples d’origine végétale+.
2 Vol. Paris 1896, mit 1379 Fig. (von ~Collin~), die anatomischen etwas
schematisiert. Das Hauptwerk der französischen Pharmakognosie.

~G. Dragendorff~, +Die Heilpflanzen+ der verschiedenen Völker und
Zeiten. Stuttgart 1898. Vollständiges Verzeichnis der ungefähr 12700
Heilpflanzen.

Ähnliche Ziele wie ~Dragendorffs~ Heilpflanzen verfolgt:

~Ch. Pickering~, +Chronological history of plants+, man’s record of his
own existence illustrated through their names uses and companionship.
Boston 1879 (enthält 15000 Nummern der menschl. Nutzpflanzen, nach
~Flückiger~ [Botan. Zeit] eine kritiklose Zusammenhäufung).

~H. V. Rosendahl~, Lärobok i Farmakognosi med 347 Fig. Upsala 1897
(schwedisch). Berücksichtigt alle drei Reiche.

~B. A. Tichomiroff~, +Utschebnik Farmakognozii+. Moskau 1900, mit 157
Abbild. (Russisch).

~Louis Planchon~, +Précis de matière médicale+. 2 Vol. Tom. I avec
170 Fig. 1904, Tom. II avec 314 Fig. 1906. Recht gut für Studierende
brauchbar, berücksichtigt auch die Bestandteile ausreichend. ~Planchon~
legt das System von ~Bentham~ und ~Hooker~ und ~Durands~ Index generum
phanerogamarum zugrunde.

~W. Mitlacher~, +Toxikologisch und forensisch wichtige Pflanzen und
vegetabilische Drogen+. Wien 1904.

~E. Gilg~, +Lehrbuch der Pharmakognosie+. Berlin 1905.

+Die Lehrbücher, welche nur den botanischen Teil der Pharmakognosie
behandeln und den chemischen Teil entweder ganz unterdrücken oder nach
anderen Lehrbüchern und nicht auf Grund eigener Erfahrung oder nach den
Quellen behandeln, sind keine Lehrbücher der Pharmakognosie, sondern
Lehrbücher der Pharmakobotanik oder botanischen Pharmakognosie+, wie
sie schon ~Schleiden~ richtig benennt.


3. Einteilung nach den in der Medizin gebräuchlichen Teilen.

(Morphologische Systeme.)

Dieser Einteilung wurden die äußeren morphologischen Charaktere der
Drogen zugrunde gelegt, d. h. die Samen, Rinden, Wurzeln, Blätter usw.
zusammengestellt, das morphologisch-gleichartige miteinander vereinigt.

Dies System benutzte zuerst, aber in sehr unvollkommener Weise:

~Pomet~, +Histoire générale des drogues simples et comporés+.
Renfermant dans les trois classes des Végétaux, des Animaux et des
Mineraux, tout ce qui est l’objet de la Physique, de la Chimie, de
la Pharmacie et des Arts les plus utiles à la société des hommes. 2
Vol. Paris, mit Abbild. im Text. 1694. 2 Edit. (par ~Pomet~ fils) mit
zahlreichen Tafeln. 1735. Die erste Pharmakognosie in unserem Sinne
(vgl. Geschichte).

  Auch noch sehr unvollkommen ist das System in dem nur ausländische
  Drogen usw. behandelnden Werke:

  ~Mich. Bernh. Valentini~, +Museum museorum+ oder vollständige
  Schaubühne aller Materialien und Spezereyen nebst deren natürlichen
  Beschreibung, Election, Nutzen und Gebrauch, aus anderen
  Material-, Kunst- und Naturalien-Kammern, Oost- und West-Indischen
  Reiß-Beschreibungen, curiosen Zeit- und Tag-Registern etc. 2 B.
  Frankfurt 1704–1714. Mit historisch interessanten «etlich hundert
  sauberen Kupfferstöcken» (und derselbe: Historia simplicium reformata
  sub Musei Museorum titulo antehac in vernacula edita p. ~C. Becker~,
  1716 und 1723). Das Werk ist wissenschaftlich unbedeutend, die
  Abbildungen schlecht und zum Teil anderen Werken (~Pomet~) entnommen.

~Steph. Franc. Geoffroy~, +Tractatus de materia medica+ sive de
medicamentorum simplicium historia, virtute, delectu et usu. 3 Vol.
Paris 1741. 1 B. de fossilibus, 2 B. de vegetabilibus exoticis, 3 B.
de vegetabilibus indigenis. Franz.: Traité de la matière médicale
ou de l’histoire, des vertus, du choix, et de l’usage des rémedes
simples Paris 1757 (dazu: Les figures des plantes d’usage en médecine,
décrits dans le matière médicale de ~Geoffroy~, dessinés par de
~Garsault~, 643 Tafeln); deutsch: 1760–1766. Der zweite Band ist nach
den Pflanzenteilen geordnet und enthält die 9 Kapitel: de radicibus,
de corticibus, de lignis, de plantis quibusdam maritimis, de surculis
quibusdam, foliis et floribus, de fructibus et seminibus, de plantarum
succis liquidis et concretis (de resinis liquidis, d. r. solidis, de
succis gummosis, de gummi-resinis), de succis arte quadam e plantis
extractis, de tuberibus, fungis et adnatis quibusdam vegetabilibus.
Innerhalb dieser Kapitel sind die Drogen alphabetisch geordnet. Der
dritte Band ist alphabetisch nach den Stammpflanzennamen geordnet.

~Geoffroy~ benutzt also ein gemischtes System. Das Werk, dessen
lateinische Ausgabe nur die anorganischen und vegetabilischen
Drogen behandelt, enthält auch Arzneivorschriften bei den einzelnen
Drogen, wendet sich also wohl vornehmlich an Ärzte. Es ist von
wissenschaftlichem Werte (siehe Geschichte).

  ~R. A. Vogel~, +Historia materiae medicae+. Lugd. Bat. 1758, 1764,
  1768.

  ~C. Alston~, +Lectures on materia medica+. 2 Vol. London 1770.

  ~J. L. Ebermaier~, +Taschenbuch der Pharmazie+ 1809.

~J. B. Trommsdorff~, +Handbuch der pharmazeutischen Waarenkunde+.
Erfurt 1799. 2. Aufl. 1806. 3. Aufl. 1822. Die erste Pharmakognosie in
deutscher Sprache.

~Trommsdorff~, der die Pharmakognosie als einen Teil der gesamten
Warenkunde vortrug, und alle drei Reiche behandelt, ordnete die Drogen
nach organographischen Prinzipien. Er begann mit den Cryptogamen,
behandelte dann die Wurzeln, Stengel, Hölzer, Rinden usw.

~F. Goebel~ und ~G. Kunze~, +Pharmazeutische Waarenkunde+. Eisenach
1827–1834. 2 B. mit zahlr. Taf.

~J. W. C. Martius~, +Grundriß der Pharmakognosie d. Pflanzenreiches+.
Erlangen 1832. Der Grundriß von ~Martius~ ist nicht viel anderes als
die Neubearbeitung des zweiten Teiles des Werkes von ~Trommsdorff~ (s.
oben). ~Martius~ beschränkt sich auf das Pflanzenreich.

~J. W.~ und ~Fr. Döbereiner~, +Deutsches Apothekerbuch+, Abteilung:
Pharmazeutische Technologie und Warenkunde. Stuttgart 1842.

Innerhalb der einzelnen Gruppen erfolgte dann die Anordnung meist nach
dem Alphabet, so z. B. bei ~Martius~, ~Geoffroy~; was ~Schleiden~
das «+unrein pharmakognostische oder pharmakognostisch-alphabetische
System+» nennt, später dann auch nach dem natürlichen Pflanzensystem.

Das «+vollständig pharmakognostische System+» wurde zuerst von ~Berg~
1851 aufgestellt und besonders von ~Schleiden~ (1857) verteidigt.
Es ist, wie ~Schleiden~ sagt, «durchweg den Drogen als solchen und
ihrer eigentümlichen Natur entlehnt». ~Schleiden~ unterscheidet
zunächst als erste Abteilung: Ganze Pflanzen oder Pflanzenteile
mit den Strukturverhältnissen organischer Gewebe versehen. Die
erste Unterabteilung umfaßt: Vollständige Pflanzen oder Drogen, die
wenigstens alle diejenigen Organteile besitzen, welche zu einer
vollständigen botanisch-systematischen Bestimmung der Pflanzen nötig
sind. Diese Abteilung, die die Kräuter umfaßt, gliedert er nach dem
natürlichen Pflanzensystem, «da wir die hierher gehörigen Pflanzen
ganz wie Pflanzen behandeln dürfen». Die zweite Unterabteilung umfaßt:
Teile der Pflanzen, welche zur vollständigen botanisch-systematischen
Bestimmung der Pflanzen nicht hinreichend sind. Diese Unterabteilung
enthält das Gros der Pflanzendrogen: die kryptogamischen Drogen, die
Wurzeln, Stämme, Hölzer, Rinden, Blätter, Knospen, Blüten, Früchte,
Samen, Teile von Früchten und Samen und Drogen mit organischer
Gewebestruktur, die nicht als bestimmte Pflanzenteile erscheinen. Die
weitere Einteilung dieser großen Klassen basiert ~Schleiden~ auf leicht
erkennbare äußere Merkmale sowohl «empirische oder sinnliche» oder
«wissenschaftliche», wie z. B. Farbe, Querbruch, Größe und Verteilung
der Gefäße, Vorhandensein oder Fehlen von Korkwärzchen usw. Bei den
Früchten, Blättern und Blüten legt er die botanisch-morphologische
Einteilung derselben zugrunde, bei den Samen die Beschaffenheit des
Keims, Vorhandensein und Fehlen von Endosperm u. a. m. Auch hier wird
wieder die weitere Gliederung nach Pflanzenfamilien gemacht. Bei den
Rinden dagegen benutzt er den Geschmack als Einteilungsprinzip.

Die zweite große Abteilung umfaßt die Stoffe, welche aus den Pflanzen
abgeschieden sind und keine organisch-zellige Struktur zeigen. Und zwar
zunächst die Stoffe, welche in bestimmt geformten Körnern vorkommen
(Stärke), dann Stoffe, welche als Gemenge verschiedener formloser
oder körniger Substanzen unter dem Mikroskop erkannt werden können
(_Traganth_) und endlich Stoffe, welche unter dem Mikroskop homogen
erscheinen (Harze, Öle).

Daß dies System noch manche Mängel besitzt, ist klar und es wurde daher
in der Folgezeit mannigfaltig, besonders im einzelnen modifiziert. Aber
die allgemeinen Grundsätze desselben wurden doch ziemlich allgemein
akzeptiert.

~Schleiden~ verfolgte mit seinem Systeme einen praktischen Zweck.
Es sollte zugleich ein Schlüssel sein für die Diagnose. Es sollte
ermöglichen, eine unbekannte Droge aufzufinden, zu erkennen.

Auf pharmakognostisch-morphologischer, d. h. organographischer
Grundlage bauten ihre Systeme auf:

~Otto Berg~, +Pharmazeutische Waarenkunde. Pharmakognosie des Pflanzen-
und Tierreiches+. Berlin 1851 (als zweiter Band der 2. Aufl. der
pharmazeut. Botanik). 2. Aufl. 1858. 3. Aufl. 1863. 4. Aufl. 1869.
5. Aufl. 1879 (von der 4. Aufl. an herausg. von ~A. Garcke~). Ohne
Abbildungen (der anatomische Atlas bildet die Ergänzung).

~Berg~ bemerkt in der ersten Auflage (1851): «Um eine natürliche
Methode der Klassifikation für die pharmazeutische Warenkunde zu
erreichen, habe ich die Rohwaren nach ihrer organischen Bedeutung, wenn
sie eine Struktur besitzen und nach ihrer chemischen Beziehung, wenn
sie strukturlos sind, in Klassen gebracht, diese nach den wesentlichen
Bestandteilen in Ordnungen geteilt und die einzelnen Arten jeder
Ordnung nach ihrer Verwandschaft zusammengestellt.»

«+Die Beschreibung des inneren Baues gehört bei den mit einer Struktur
versehenen Droguen gleichfalls zur Naturgeschichte derselben+, und
um so mehr, als die äußere Beschaffenheit, Textur und durch diese
der Bruch, von der Anordnung der Elementarorgane abhängen. +Häufig
läßt sich auch mit dem Mikroskop entweder unmittelbar oder auf
mikrochemischem Wege der Sitz der wesentlichen Bestandteile entdecken+,
so daß dadurch ein Kriterium für die Güte der Handelssorten einer
Drogue gewonnen werden kann.»

~Berg~, +der also schon vor 58 Jahren die Bedeutung der Anatomie und
Mikrochemie für die Pharmakognosie erkannte+, zieht zur Einteilung
mancherlei spezielle Merkmale herbei, bei den Wurzeln und Rhizomen
z. B. Fehlen, Vorkommen und Verteilung der Balsambehälter und
Milchgefäße, bei den Hölzern die Gefäße und Farbstoffe, bei den Rinden
den Bruch und die Zeichnung des Querschnittbildes, bei den Blättern
außer dem Umriß auch die Balsambehälter und Öldrüsen. Bei den Blüten
und Früchten hält er sich an die botanisch-morphologische Einteilung.
Auch ob ein Pflanzenteil frisch oder getrocknet verwendet wird, wird
von ihm berücksichtigt.

~M. J. Schleiden~, +Handbuch d. botanischen Pharmakognosie+ für Ärzte,
Apotheker und Botaniker. Leipzig 1857. Mit 82 Holzschn. ~Schleiden~
behandelt nur die Pflanzendrogen, gibt aber schon einige anatomische
Abbildungen.

~Albert Wigand~, +Lehrbuch der Pharmakognosie+. Berlin 1863. 2.
Aufl. 1874. 3. Aufl. 1879. 4. Aufl. 1887. Mit 188 Holzschn. ~Wigand~
behandelt alle drei Reiche. Er bevorzugt bei der Diagnose der
Pflanzendrogen das Lupenbild.

~F. A. Flückiger~, +Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreiches+.
1. Aufl. 1867. 2. Aufl. 1883. 3. Aufl. 1891. Mehr Handbuch wie
Lehrbuch, daher schon auf dem Titelblatte der II. Auflage als
+Pharmakognosie des Pflanzenreiches+ bezeichnet. Keine Abbildungen.

~Flückigers~ +Pharmakognosie ist epochal für die Entwicklung
der Drogenkunde. Die moderne wissenschaftliche Pharmakognosie datiert
vom Erscheinen dieses Buches+ (vgl. S. 12 und den Abschnitt
Geschichte).

~Flückiger~ gibt in der ersten Auflage seines Lehrbuches (1867)
eine «Übersicht nach praktischen Merkmalen», die auch das Mikroskop
berücksichtigt, sonst aber besonders auf Geruch, Geschmack, Farbe,
Form, Dicke, Bruch der nach organographischen Grundsätzen angeordneten
Drogen abstellt. Er benutzt jedoch diese Einteilung selbst nicht,
sondern macht sich ein einfacheres System zurecht, bei dem allerdings
auch wieder Geruch und Geschmack neben morphologischen Merkmalen die
Hauptrolle spielen. ~Flückiger~ teilt z. B. folgendermaßen ein:

Halb oder ganz unterirdische Organe.

I. Rhizome und Wurzeln der Monocotylen: a) nicht aromatische, b)
aromatische.

II. Rhizome und Wurzeln der Dicotylen: a) Wurzeln und Ausläufer von
schleimigem und süßem Geschmacke, b) adstringierende Wurzeln, c)
bitterliche oder bittere Rhizome, Wurzeln und Knollen: 1. nicht mit
besonderen Saftschläuchen versehen, 2. von besonderen Schläuchen
durchzogen; d) Wurzeln von kratzendem Geschmacke, e) aromatische
Wurzeln und Rhizome: 1. amylumhaltige, 2. amylumfreie; f) Knollen von
scharf brennendem Geschmacke.

Daß diese eines klaren einheitlichen Prinzipes entbehrende Einteilung
besonders glücklich wäre, könnte man nicht behaupten. Sie ist wohl aus
praktischen Bedürfnissen entsprungen.

~Flückiger~ beschränkt sich nicht nur auf die Pharmakognosie des
+Pflanzenreiches+, sondern behandelt auch nur eine relativ kleine Zahl
von Drogen, diese aber nach allen Richtungen, besonders auch chemisch
und historisch und nach den Handelsverhältnissen, alles auf Grund von
Quellenstudium und eigener Anschauung.

~Flückiger~ bemerkt (1867): «Die Pharmakognosie kann nicht anders
gefaßt werden denn als eine +gleichzeitige Anwendung verschiedener
wissenschaftlicher Disziplinen+ zum Zwecke einer allseitigen Kenntnis
der Arzneistoffe. Welche Zweige der Naturgeschichte zunächst
herbeizuziehen sind, springt in die Augen; zur Vervollständigung des
Bildes einer Droge gehören aber auch noch die hervorragendsten Züge der
+Geschichte+ und der +Handelsverhältnisse+.»

«Mit nicht geringerem und nicht größerem Rechte beansprucht die
Pharmakognosie eine Selbständigkeit als z. B. die Geographie, welche
zu ihren Zwecken und auf ihre Weise in noch weit ausgedehnterem Maße
sammelt, bearbeitet und erweitert, was andere Wissenszweige ihr
zuführen. +Die Pharmakognosie findet leicht ihre Grenzen da gesteckt,
wo eine einzelne andere Disziplin ebensogut und besser eintreten kann.+»

~Henkel~, +Handbuch der Pharmakognosie+. Tübingen 1867 (vom gleichen
Autor: Merkmale der Echtheit und Güte der Arzneistoffe, Tübingen 1864).

~A. Vogl~, +Arzneikörper aus den drei Naturreichen+.
Pharmakognostischer Teil des Kommentars zur österreich. Pharmakopoee.
Wien 1869. 3. Aufl. 1879. 4. Aufl. 1892 mit 215 Abbild. ~Vogl~
behandelt die Dogen aus allen drei Reichen.

~Vogl~ bemerkt: «Überall dort, wo es mir passend schien, habe ich die
besonders charakteristischen Gewebselemente hervorgehoben und die
Resultate der mikrochemischen Untersuchung mitgeteilt. Auf diesem
Wege ist es möglich, manche wertvolle Anhaltspunkte zu gewinnen
zur Beurteilung der betreffenden Arzneikörper im zerkleinerten
Zustande, abgesehen davon, daß durch den mikrochemischen Befund die
Ergebnisse der makrochemischen Untersuchung vervollständigt und
kontrolliert werden. Das ist auch der Grund, weshalb die histologischen
Verhältnisse auch bei solchen Arzneikörpern erörtert wurden, die wie
z. B. offizinelle Blätter auch auf einem einfacheren Wege hinreichend
leicht erkannt und unterschieden werden können, wenn sie uns in
toto oder in größeren Bruchstücken vorliegen. So lassen sich selbst
gepulverte _Belladonna_-, _Hyoscyamus_-, _Digitalis_-, _Thea_-,
_Senna_- usw. Blätter mikroskopisch sicher erkennen. Gerade in diesem
Punkte, in der Auffindung charakteristischer Gewebselemente und eines
bezeichnenden mikrochemischen Verhaltens, bewährt sich der praktische
Wert der mikroskopischen Untersuchungsmethode ganz besonders, und es
ist vorauszusehen, daß die ausgedehntere Benutzung des Mikroskops
in nächster Zukunft auch diese noch wenig betretene Richtung des
pharmakognostischen Studiums mächtig fördern werde.»

~Oudemans~, +Handleiting tot de Pharmacognosie van het Planten-
en Dierenrijk+. Haarlem 1865. 2. Aufl. Amsterd. 1880; mit Karten.
Das wichtigste Werk der holländischen Pharmakognosie. Von
demselben Verfasser auch: Aanteekeningen op het systematisch- en
pharmacognostisch-botanische gedeelte der Pharmacopoea Neerlandica.
Rotterdam 1854–56; mit 37 Taf.

~Marmé~, +Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzen- und Tierreiches+.
Leipzig 1886.

~Oudemans~ und ~Marmé~ beschränken sich auf das Pflanzen- und Tierreich.

~John M. Maich~, +A manual of organic Materia medica+. Philadelphia
1882. 4 Edit. 1890; mit 259 Abbild. (for the use of students).

~Jos. Moeller~, +Lehrbuch der Pharmakognosie+. Wien 1888. 2. Aufl.
1906 mit 373 recht guten Abbild. Behandelt Pflanzen- und Tierdrogen
nur botanisch (und zoologisch), die chemischen Bestandteile werden nur
gestreift oder ganz übergangen.

~Arthur Meyer~, +Wissenschaftliche Drogenkunde+. Ein illustriertes
Lehrbuch der Pharmakognosie und eine wissenschaftliche Anleitung
zur eingehenden botanischen Untersuchung pflanzlicher Drogen für
Apotheker. Berlin. 1. T. 1891, mit 269 Abbild. 2. T. 1892, mit 387
Abbild. Vorwiegend botanisch. Die Zahl der behandelten Drogen, die
ausschließlich dem Pflanzenreich angehören, beschränkt, aber die
Beschreibung sehr eingehend, auch die Entwicklungsgeschichte und die
(moderne) Morphologie, sowie auch die Biologie werden berücksichtigt.
Die Abbildungen werden auch allen botanischen Ansprüchen gerecht. «Die
Form der botanischen Beschreibung der Droge ist so gewählt, daß sie
voraussetzt, der Leser habe während des Studiums dieser Beschreibung
die betreffende Droge bei der Hand und betrachte sie, je nach
Erfordernis mit dem bloßen Auge, der Lupe oder dem Mikroskope.»

~Meyer~ unterscheidet in seinem streng wissenschaftlichen Werke
Wurzeldrogen, Achsendrogen, Blattdrogen, Blütendrogen, Fruchtdrogen,
Samendrogen, Ausdrücke, die sich überall jetzt eingebürgert haben. Die
Unterabteilungen sind ziemlich willkürlich gemacht.

~A. Meyer~ sagt in seiner +Drogenkunde+, die Pharmakognosie solle
lehren: «1. wie man eine Droge in ganzem, zerschnittenem und
pulverisiertem Zustande von allen anderen Körpern unterscheiden kann
und 2. welche Eigenschaften die Droge besitzen muß, damit ihre Qualität
als gut bezeichnet werden darf.»

Das sind nach meiner Auffassung Aufgaben der angewandten
Pharmakognosie.

~H. Kraemer~, +A course in botany and pharmacognosy+. Philadelphia
1902. 2. Edit. als +Text book of botany and pharmacognosy+ 1907. Mit
321 Fig.

~G. Karsten~, +Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreiches+. Jena
1903. Mit 528 Abbild., zum Teil nach Photographien. Nur botanisch, aber
zuverlässig, auch in den Abbildungen.

~Rabow~, ~Wilczek~ und ~Reiss~, +Die offizinellen Drogen und ihre
Präparate+. Straßburg 1903. Mit 43 schwarz. Lichtdrucktafeln nach
Photogr. Text deutsch und französ., auch die Drogen selbst sind zum
Teil abgebildet.

       *       *       *       *       *

Neuerdings hat ~Linde~ (Apothek.-Zeit. 1906, S. 186 u. 1907, S. 699)
den Versuch gemacht, das morphologische System weiter auszubilden. Die
Gruppen sind zwar dieselben wie bei ~Flückiger~, ~Berg~, ~Moeller~,
~Vogl~ u. a., er vereinigt jedoch die pflanzlichen und tierischen
Drogen und macht zwei große Abteilungen: Drogen mit organischer
Struktur und Drogen ohne solche, und verwendet innerhalb der
Gruppen den didaktischen Grundsatz vom Einfachen zum Verwickelten
vorzuschreiten: Er benutzt zunächst morphologische, dann erst,
wenn diese nicht ausreichen, anatomische Eigentümlichkeiten zur
weiteren Einteilung. Jeder Drogengruppe sind allgemeine Bemerkungen
vorausgeschickt.

       *       *       *       *       *

Alle drei Reiche schlossen ein: ~Hagen~, ~Trommsdorff~, ~Guibourt~,
~Wiggers~, ~Schroff~, ~Wigand~ und ~Vogl~, während ~Berg~, ~Henkel~,
~Oudemans~ und ~Marmé~ die Pharmakognosie auf die der Pflanzen und
Tiere, ~Schleiden~, ~Flückiger~ und ~Hanbury~, ~A. Meyer~, ~Planchon~
und ~Collin~ auf die der Pflanzen allein einschränkten.

Der +Canon Medicinae+ ~Linnés~ lautet: Regnum vegetabile
praestantissima, lapideum durissima, animale paucissima producit
medicamina.


4. Einteilung nach den chemischen Bestandteilen.

(Chemische Systeme.)

Die Einteilung nach den Bestandteilen würde, wie aus den Ausführungen
auf S. 6 und aus denen im Abschnitt Pharmakochemie hervorgeht, dem mir
vorschwebenden Ziele der wissenschaftlichen Pharmakognosie am nächsten
kommen. Denn wegen ihrer Bestandteile benutzen wir die Drogen in der
Heilkunde und das Ziel der wissenschaftlichen Pharmakognosie ist die
Verknüpfung der Drogen auf Grund ihrer Bestandteile. Die Versuche, die
Drogen nach ihren Bestandteilen zu gruppieren, gehen denn auch weit
zurück. Der erste derartige Versuch war:

~Joh. Frid. Cartheuser~, +Fundamenta materiae medicae+ tam generalis
quam specialis. Francf. 1767.

~Cartheuser~ unterscheidet folgende Sectiones: de insipidis terreis
et terreo gelatinosis, de insipidis et subdulcibus Mucilagineis
et Gelatinosis, de dulcibus subdulcibus, leniter amaricantibus,
austeriusculis atque balsamicis Unguinoso-oleosis et Pinguibus, de
Acidis et Acidulo-dulcibus, -- de austeris stypticis, de dulcibus, de
Acribus alterantibus, de amaris et amaricantibus, de acribis et amaris
Purgantibus, tam Emeticis quam Catharticis, de Vaporosis, Inebriantibus
et Narcoticis, de Balsamicis et Aromaticis, de Amaricantibus,
Austeriusculis, blandis Balsamicis, Acriusculis, Subdulcibus, Terreo-
aut mucilagineo-subadstringentibus, aliisque sapore mixto donatis
-- die übrigen sind rein mineralisch -- (von ~Cartheuser~ auch:
Pharmacologia theoretica-practica 1745, 1763 und 1770).

Dies +gemischt-chemisch-pharmakologische System+ ist natürlich eine
sehr rohe Einteilung, aber historisch interessant. Dann folgten:

~Donald Monroe~, +A treatise of medical and pharmaceutical chymistry
and the materia medica+. 3 Vol. London 1788, ein Werk, das ~Hahnemann~
1791 (und 1794) ins Deutsche übersetzte.

~Batsch~, +Versuch einer Arzneimittellehre+ nach den Verwandtschaften
der wirkenden Bestandteile, Jena 1790. In ihm werden Säuren, Schärfen,
zusammenziehende Mittel, Süßigkeiten, Schleime, Fettigkeiten und
geistige Mittel unterschieden.

~F. A. C. Gren~, +System+ (+Handbuch+) +der Pharmakologie+ oder der
Lehre von den Arzneimitteln. Halle 1790–1792. 2. Aufl. 1798–99. 3.
Aufl. (von ~Bernhardi~ und ~Bucholz~) 1813.

~Gren~ unterschied in diesem wertvollen Buche: die schleimigen, die
mehligen und stärkeartigen, die gallertartigen, die eiweißartigen,
die zuckerartigen, die fettigen, die ätherischöligten, die bitteren,
die adstringierenden, die harzigen, die scharfen, die narkotischen,
die campherartigen Arzneidrogen und die mit vegetabilischen Säuren.
~Bucholz~ vermehrte dann die Klassen.

Bedeutung gewannen solche Einteilungsversuche aber erst, als die Chemie
weiter vorgeschritten war, d. h. im XIX. Jahrh. ~Pfaff~ war der erste,
der hier Bahn brach in dem Werke:

~C. H. Pfaff~, +System der Materia medica nach chemischen Prinzipien+
mit Rücksicht auf die sinnlichen Merkmale und die Heilverhältnisse der
Arzneimittel. 7. B. Leipzig 1808–1824.

~Pfaff~ bemerkt: «Die chemische Arzneimittellehre erhält nur dadurch
eine wissenschaftliche Form, daß sie die Arzneimittel nach ihren
wesentlichen Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten in ihrer Grundmischung
und davon abhängigen Qualitäten in ein so viel mögliches natürliches
System ordnet.»

«Es kommt nämlich bei der systematischen Anordnung der Arzneimittel
nach chemischen Prinzipien vorzüglich darauf an, die Arzneimittel
nach denjenigen chemischen Verhältnissen und Beschaffenheiten
zusammenzustellen, welche in der nächsten und unmittelbarsten Beziehung
mit ihrem Heilverhältnisse stehen. Es entsteht dadurch die Aufgabe,
in den Arzneimitteln die +wirklichen Heilstoffe+ oder Heilgrundlagen
chemisch auszumitteln, um dieselben zum Einteilungsgrunde bei der
Klassifikation zu gebrauchen.»

~Pfaff~ unterscheidet: Schleimige Arzneimittel, -- Stärkeartige A., --
Gallertartige A., -- Zuckerartige A., -- A. mit süßem Extraktivstoff,
-- Fettige A., -- A. mit bitterem Extraktivstoff, -- A. mit kratzendem
Extraktivstoff, -- A. mit starkfärbendem Extraktivstoff, -- A. mit
vorwaltendem zusammenziehendem Grundstoffe, sog. Gerbestoffe, -- A. mit
Chinastoff und Gerbestoff in inniger Verbindung, -- Kaffeestoffhaltige
A., -- Rhabarberstoffhaltige A., -- Aloëstoffhaltige A., --
Pikromelhaltige A., -- Harze und harzstoffhaltige A., -- Gummiharze, --
Natürliche Balsame, -- Ätherische Öle und ätherisches Öl als vorzüglich
wirksamen Bestandteil enthaltende A., -- Campherhaltige A., -- A. mit
Anemonenstoffen, -- A. mit narkotischem Stoffe, -- Blausäurehaltige A.,
-- A. mit flüchtiger Schärfe, die nicht als ätherisches Öl darstellbar
ist.

Dies System enthält schon fast alles Wesentliche und kann mit geringen
Modifikationen und unter Modernisierung der Nomenklatur beinahe auch
heute noch als Grundlage dienen.

Eines chemischen Systems bediente sich auch:

~J. F. John~, +Chem. Tabellen der Pflanzenanalysen+ oder Versuch eines
systematischen Verzeichnisses der bis jetzt zerlegten Vegetabilien nach
den vorwaltenden näheren Bestandteilen geordnet. Nürnberg 1814.

~J. C. Ebermaier~, +Tabellarische Übersicht der Kennzeichen der
Ächtheit und Güte sämtlicher bisher gebräuchlicher Arzneymittel+ 1802.
2. Aufl. 1810. 3. Aufl. 1815. 4. Aufl. 1819 (mit wechselndem Titel). 5.
Aufl. +Pharmakognostische Tabellen+ 1827 (von ~G. W. Schwartze~) und:

~G. W. Schwartze~, +Pharmakologische Tabellen+ oder systematische
Arzneimittellehre in tabellarischer Form. Leipzig 1819–25. 2. Aufl.
1833.

  Ferner:

  ~F. G. Voigtel~, +Vollständiges System der Arzneimittellehre+,
  herausg. v. Kühn, 4 B. Leipzig 1816–17.

  ~C. W. Hufeland~, +Conspectus materiae medicae+. Berol. 1816. 2.
  Aufl. 1820. 3. Aufl. 1828. 4. Aufl. 1835.

  ~G. A. Richter~, +Ausführliche Arzneimittellehre+. 5 B. 1826–32.

  ~L. A. Kraus~, +Wissenschaftliche Übersicht der gesamten
  Heilmittellehre+. Göttingen 1831.


Das System von ~Ferd. Aug. Falck~, welches derselbe in dem Heftchen:
+Übersicht der speziellen Drogenkunde+, Berlin 1883 (1. Aufl. 1877)
mitteilt, und das einen weiteren Fortschritt bedeutet, enthält folgende
Abteilungen:

  I. +Alkaloide+: 1. Sauerstofffreie Alkaloide. 2. Sauerstoffhaltige
  Alkaloide: A. nicht spaltbar; B. spaltbar, als Produkte liefernd: α)
  Glykokoll, Base und Säure. β) Base und Säure. γ) Base und Zucker =
  N-haltige alkalische Glukoside.

  II. +Glukoside+: 1. N-haltige Glukoside. A. neutrale; B. saure. 2. N-
  und S-haltige Glukoside: A. neutrale; B. saure. 3. N-freie Glukoside:
  A. neutrale; B. saure.

  III. +Säuren und Anhydride+: 1. Pflanzensäuren: A. allgemeiner
  verbreitete; B. vereinzelt vorkommende. 2. Säureanhydride.

  IV. +Gerbstoffe+: 1. Brenzcatechin liefernd. 2. Pyrogallol liefernd.

  V. +Indifferente Stoffe+: 1. Bitterstoffe. 2. Scharfe Stoffe. 3.
  Farbstoffe.

  VI. +Kohlenhydrate+: 1. Amylum. 2. Inulin. 3. Triticin. 4. Schleim.
  5. Arabinsäure. 6. Zuckerarten: A. Milchzucker; B. Rohrzucker; C.
  Invertzucker. 7. Mannit.

  VII. +Ester+: 1. des Glyzerins: Fette. A. Fette Öle. α) trocknende
  Öle; β) nichttrocknende Öle. B. Butter und Talgarten. 2. einwertiger
  Alkohole: Wachsarten.

  VIII. +Ätherische Öle+: 1. Sauerstofffreie; Kohlenwasserstoffe. 2.
  Sauerstoffhaltige; Kohlenwasserstoffe und: A. Hydrate derselben; B.
  Campher und Campher ähnliche; C. Phenole. D. Aldehyde; E. Ester. 3.
  Schwefelhaltige äther. Öle. 4. Ungenügend untersuchte äther. Öle.

  IX. +Harze+. X. +Mechanica+. XI. +Anorganica+.

~Buchheim~ hat alsdann 1879 in dem Aufsatze: +Über pharmakognostische
Systeme+ (Arch. d. Pharm. 1876, S. 481) ein anderes chemisches System
aufgestellt. Er unterscheidet:

  +Gruppe der Kohlehydrate+ -- Stärkemehl -- Zucker -- Gummi und
  Pflanzenschleim.

  +Gruppe des Eiweißes und seiner Derivate+ -- Eiweißkörper --
  Albuminoide -- putride Stoffe.

  +Gruppe der Glyzeride+ -- Gr. d. Olivenöls -- Gr. d. Crotonöls.

  +Gruppe des Cardols.+

  +Gruppe des Senföls.+

  +Gruppe des Cantharidins.+

  +Gruppe der Säureanhydride+ -- Gr. d. Euphorbinsäureanhydrids -- Gr.
  d. Convolvulinanhydrids.

  +Gruppe des Aloetins.+

  +Gruppe der Cathartinsäure.+

  +Gruppe der Filixsäure.+

  +Gruppe der Gerbsäuren.+

  +Gruppe der Alkaloide+ -- Gr. d. Piperin -- Chinin -- Kaffeïn
  -- Coniin -- Strychnin -- Morphin -- Atropin -- Pilocarpin --
  Physostigmin -- Nikotin -- Aconitin -- Veratrin -- Colchicin.

  +Gruppe der Glykoside+ -- Digitalin -- Saponin.

  +Gruppe der Bitterstoffe.+

  +Gruppe der ätherischen Öle.+

  +Gruppe der+ (+indifferenten+) +Harze.+

  +Gruppe der Farbstoffe.+

Auch ~Buchheim~, der Begründer des ersten pharmakologischen
Universitätsinstitutes, betont, daß die wirklich natürliche und
wissenschaftliche Einteilung der Drogen nur die nach den wirksamen
Bestandteilen ist, da die Drogen Arzneistoffe sind und nur wegen der in
ihnen enthaltenen Stoffe angewendet werden.

~Pöhl~ hat einen ähnlichen Versuch veröffentlicht: +Klassifikation
der pharmakognostischen Stoffe auf die chemische Beschaffenheit ihrer
Bestandteile gegründet+. St. Petersburg 1877.

Das System, das ~Fonssagrives~ in dem +Traité de matière médicale+ ou
Pharmacographie, physiologie et technique des agents médicamenteux,
Paris 1885, benutzt, ist ein gemischt botanisch-chemisches. Er macht
pharmakologische Gruppen, z. B. eine pharmakologische Gruppe der
Harze, eine der Gummata, der Aldehyde usw., dann Gruppen nach den
Pflanzenfamilien, z. B. eine Gruppe der _Aurantiaceen_, eine der
_Balsamifluae_ usw. und ordnet diese Familien alphabetisch. Das
bedeutet keinen Fortschritt.

Der einzige, der bisher ein chemisches System einem ausführlichen
modernen Lehrbuche der Pharmakognosie zugrunde legte, ist ~J. Hérail~
in dem +Traité de Pharmacologie et de matière médicale+. Paris 1901
avec 483 Fig.

  ~Hérail~, der tierische und pflanzliche Drogen abhandelt, bildet
  folgende Gruppen:

  1. +Médicaments mécaniques+ (z. B. _Lycopodium_, _Blutegel_).

  2. +Matières sucrées.+ -- Glucose droit ou dextrose -- Saccharides.
  -- Alcools hexabasiques.

  3. +Principes amylosiques.+ -- Amidon -- Mucilages (M. simples -- [M.
  cellulosiques -- M. pectosiques] -- M. mixtes -- M. indeterminés) --
  Gommes.

  4. +Matières grasses.+ -- Huiles (H. animales -- H. végétales) --
  Matières grasses solides (M. g. s. d’origine animale -- M. g. s.
  d’orig. végétale) -- Cires (C. animales -- C. végétales).

  5. +Médicaments à Glucosides.+ Glucosides ternaires -- G. azotés (G.
  azotés proprement dits -- G. sulfo-azotés).

  6. +Médicaments à tannoides+ s. adstrigents.

  7. +Médicaments à alcaloides.+

  8. +Produits anthracéniques+, d. i. meine Gruppe der
  Oxymethylanthrachinondrogen (_Aloë_, _Senna_, _Rheum_, _Frangula_).

  9. +Médicaments à composés aromatiques.+

  a. Produits terpèniques.

  1. Terpènes:

  Groupe des Terpènes et Sesquiterpènes,

  G. des Polyterpènes.

  2. Alcools terpèniques et leurs éthers:

  Groupe du Bornéol,

  G. du Linalol,

  G. du Géraniol et du Citronellol,

  G. du Menthol.

  3. Alcools sesquiterpèniques.

  4. Aldéhydes aromatiques:

  Groupe de l’aldéhyde benzoique,

  G. de l’aldéhyde cuminique,

  G. de l’aldéhyde cinnamique,

  G. du Citral et du Citronellal.

  5. Cétones aromatiques:

  Groupe de la Méthylnonylcétone,

  G. de l’Irone,

  G. de la Carvone,

  G. de la Pulégone,

  G. de la Thuyone,

  G. de la Fénone,

  G. du Camphre,

  G. de la Cantharidine.

  6. Lactones.

  7. Phenoles et de dérivés phenoliques:

  Groupe du Thymol et du Carvacrol,

  G. de l’Eugénole et de Chavibétol,

  G. de l’anéthol et de l’Estragol,

  G. du Safrol,

  G. de l’Apiol.

  8. Aldéhydes-phénols:

  Groupe de l’Aldéhyde salicylique,

  G. du Diosphénol,

  G. de l’Aldéhyde protocatéchique.

  9. Cineol (Eucalyptol).

  10. Éthers d’Alcools de la série grasse.

  b. Matières résineuses. Résines -- Oleo résines (O. r. proprement
  dites -- Médicaments à essence et à résine) -- Gommes résines.

  10. +Liquides et sucs organiques.+ Liquides organiques -- Serums
  thérapeutiques -- Organes et sucs animaux.

  11. +Matières colorantes.+

Das System ~Falcks~ (s. oben), das aus dem Jahre 1877 (resp. 1883)
stammt und damals ein verdienstlicher Versuch war, ist jetzt natürlich
veraltet. Aber auch wenn wir heute ein neues aufstellen, wird dies
ebenfalls in kurzer Zeit veraltet sein, -- wir sehen dies bei dem
System ~Hérails~ aus dem Jahre 1901, das schon jetzt stark modifiziert
werden müßte, -- denn die Entwicklung der Pharmakochemie ist in vollem
Fluß. +Es ist unmöglich, schon jetzt etwas irgendwie bleibendes für
das Gesamtgebiet der Drogen zu schaffen.+ Es bleibt nichts anderes
übrig, als vorläufig die sichergestellten Gruppen herauszunehmen
und abzuwarten, bis auch in den übrigen Teilen etwas mehr Klarheit
geschaffen ist.

Vorläufig lassen sich zurzeit (1908) folgende Gruppen bilden:

1. =Alkaloiddrogen.=

  a) Hauptalkaloid vom Pyridin abzuleiten (_Faenum graecum_, _Conium_,
  _Nicotiana_, _Piper_).

  b) Hauptalkaloid vom Pyrrolidin abzuleiten (_Atropa_, _Hyoscyamus_,
  _Datura_, _Coca_, _Cort. granati_).

  c) Hauptalkaloid von Chinolin abzuleiten (_China_).

  d) Hauptalkaloid vom Isochinolin abzuleiten (_Berberis_, _Hydrastis_).

  e) Hauptalkaloid von Phenanthren abzuleiten (_Opium_).

  f) Hauptalkaloid vom Glyoxalin abzuleiten (_Pilocarpus_).

  g) Hauptalkaloid vom Purin abzuleiten (Purindrogen: _Kola_,
  _Guarana_, _Mate_, _Kaffee_, _Tee_, _Cacao_).

  h) Alkaloide unbekannter Konstitution (_Aconit_).

  2. =Glukosiddrogen= (meist bitter) mit Ausschluß der Tanniddrogen,
  die Tannoglukoside enthalten.

  a) Anthrachinondrogen, enthalten Anthraglukoside, d. h. Zuckeräther
  von Oxymethylanthrachinonen (_Rheum_, _Senna_, _Aloë_, _Frangula_),
  neben freien Oxymethylanthrachinonen.

  Anhang: Flavon- u. Flavonoldrogen.

  b) +Cyanwasserstoffdrogen+, enthalten ein Glukosid, das Blausäure
  abspaltet (_Amygdalus_).

  c) +Senföldrogen+, enthalten ein Glukosid, das ein Senföl abspaltet
  (_Sinapis_).

  d) +Saponindrogen+ (_Senega_, _Sarsaparilla_, _Quillaja_,
  _Saponaria_, _Digitalis_).

  I. enthalten ein Saponin der Formel CₙH₂ₙ₋₈O₁₀.

  α) Gruppe: C₁₆H₂₄O₁₀

  β)    „    C₁₇H₂₆O₁₀

  γ)    „    C₁₈H₂₈O₁₀

  δ)    „    C₁₉H₃₀O₁₀

  ε)    „    C₂₀H₃₂O₁₀.

  Andere Saponine der Formel CₙH₂ₙ₋₈O₁₀.

  II. enthalten ein Saponin der Formel CₙH₂ₙ₋₁₀O₁₈.

  e) +Glukuretindrogen+ (_Jalape_, _Scammonium_, _Turpethum_).

  f) +Hesperidindrogen+ (_Aurantieen_).

  g) +Salicindrogen+ (_Salix_).

  h) Drogen, die andere Glykoside enthalten.

  3. =Bitterstoffdrogen=, deren Bitterstoff kein Glykosid ist
  (_Coccelskörner_).

  4. =Riechstoffdrogen=, d. h. solche, die ätherische Öle oder andere
  riechende Substanzen enthalten.

  I. Wichtigster Bestandteil ein Kohlenwasserstoff:

  a) aliphatische Kohlenwasserstoffe, z. B. Heptan (_Pinus_,
  _Sabiniana_),

  b) olefinische Kohlenwasserstoffe,

  c) zyklische Terpenkohlenwasserstoffe, z. B. Pinen, Phellandren (_Ol.
  terebinth_, _Phellandrium_, _Angelica_).

  II. Wichtigster Bestandteil ein Alkohol:

  a) olefinische Terpenalkohole, z. B. Linalool, Geraniol (_Lavendel_,
  _Flor. aurantii_, _Coriander_, _Ol. bergamottae_, _Ol. rosae_),

  b) zyclische Terpenalkohole, z. B. Menthol, Borneol, Terpineol
  (_Mentha_, _Rosmarinus_, _Levisticum_),

  c) Sesquiterpenalkohole.

  III. Wichtigster Bestandteil ein Phenol oder Phenoläther, z. B.
  Anethol, Chavicol, Eugenol, Safrol, Myristicin, Apiol, Thymol,
  Diosphenol, Carvacrol (_Anis_, _Sternanis_, _Betel_, _Caryophyllus_,
  _Sassafras_, _Macis_, _Petroselinum_, _Ajowan_, _Buccu_, _Thymus_,
  _Origanum_).

  IV. Wichtigster Bestandteil ein Aldehyd:

  a) olefinische Terpenaldehyde, z. B. Citral, Citronellal (Citrus,
  Melissa),

  b) zyklische Aldehyde, z. B. Benzaldehyd, Vanillin, Piperonal,
  Zimtaldehyd, Cuminaldehyd (_Ol. amygdal. aether._, _Vanille_,
  _Cinnamomum_, _Cuminum_).

  V. Wichtigster Bestandteil ein Keton:

  a) aliphatische Ketone, z. B. Methylnonylketon (_Herb. rutae_),

  b) olefinische Terpenketone, z. B. Methylheptenon (_Lemongrasöl_),

  c) zyklische Terpenketone, z. B. Fenchon, Carvon, Thujon, Iron,
  Campher (_Foeniculum_, _Carum_, _Carvi_, _Anethum_, _Salvia_,
  _Tanacetum_, _Artemisia Absinthium_, _Iris_, _Chines. Campher_).

  VI. Wichtigster Bestandteil ein Lacton oder Anhydrid, z. B. Cineol,
  Sedanolid, Alantolacton (_Ol. cajeput._, _Laurus_, _Eucalyptus_,
  _Cina_, _Apium_, _Inula Helenium_, _Melilotus_, _Tonco_, _Faham_).

  VII. Wichtigster Bestandteil eine Säure oder ein Ester (Anthemis
  nobilis).

  5. =Farbstoffdrogen.=

  a) Orcingruppe (_Lackmus_),

  b) Pyrongruppe (_Galanga_, _Gemmae populi_, _Lign. Campech._, _Lign.
  Fernamb._),

  c) Anthrachinongruppe (_Rubia tinctor._, _Alkanna_, _Chrysarobin_),

  d) Naphthalingruppe (_Lapachoholz_),

  e) Indolgruppe (_Indigo_),

  f) Chromoretine (siehe unter Harze).

6. =Kohlehydratdrogen= (mit Ausschluß der Zuckerdrogen).

  I. +Stärkedrogen+ (_Cerealien_, _Leguminosen_--Stärkemehle).

  II. +Inulindrogen+ (_Kompositenwurzeln_).

  III. +Schleim- und Gummidrogen+, enthalten Hemicellulosen:

  a) Schleimdrogen (_Malvaceen_, _Linaceen_, _Sterculiaceen_,
  _Traganth_, _Salep_, _Meeresalgen_),

  b) Pektindrogen (pektinliefernde Früchte),

  c) Lichenindrogen (_Cetraria_),

  d) Gummidrogen (_Gummi arabicum_).

  7. =Süßstoffdrogen.=

  a) Solche, die Körper der Zuckergruppe (Aldosen oder Ketosen)
  enthalten (_Zucker_),

  b) solche, die süßschmeckende Alkohole (z. B. Mannit) enthalten
  (_Manna_),

  c) solche, die süße Äther der Glukuronsäure (z. B. Glycyrrhizin)
  enthalten (_Glycyrrhiza_),

  8. =Tanniddrogen=, d. h. Drogen, die Körper der Gerbstoffgruppe
  enthalten -- frei oder als Tannoglukoside.

  a) Enthalten nicht glukosidische Verbindungen.

  I. Enthalten Tannogene: Protocatechusäure, Kaffeesäure, Gallussäure.

  II. Enthalten nicht glukosidische Tannide.

  1. Protocatechutannide,

  2. Gallotannide.

  b) Enthalten glukosidische Verbindungen.

  1. Protocatechu-Glukotannide,

  2. Gallo-Glukotannide.

  c) Enthalten Phloglukotannide.

  1. Protocatechu-Phloroglukotannide,

  2. Gallo-Phloroglukotannide.

  d) Catechingruppe.

  e) Drogen, die Phloroglucinderivate enthalten: _Filix_, _Kamala_,
  _Embelia_. (Taenicide Drogen.)

  f) Drogen, die andere gerbstoffartige Substanzen (z. B. Maklurin)
  enthalten.

9. =Fettdrogen=, d. h. solche, die in erster Linie wegen des in ihnen
enthaltenen Fettes oder fetten Öles angewendet werden.

10. =Säuredrogen=, d. h. solche Drogen, deren wichtigste Bestandteile
Pflanzensäuren oder saure Salze sind.

11. =Harzdrogen.=

  A. +Resinretine+ oder +Esterharze+, enthalten Harzester (Resine).

  I. +Resinotannolresinretine+, Harze, die Tannolresine enthalten
  (Resinotannolharze).

  1. Benzharze (_Benzoë_, _Perubalsam_, _Akaroïd_),

  2. Umbelliferen- (Gummi-)Harze (_Asa foetida_).

  II. +Resinolresinretine+, Harze, die Resinolresine enthalten
  (_Styrax_).

  B. +Resenretine+ oder +Resenharze+, charakteristischer Bestandteil:
  Resene.

  I. Burseraceenharze (_Olibanum_, _Myrrha_).

  II. Anacardiaceenharze (_Mastix_).

  III. Dipterocarpeenharze (_Gurjunbalsam_).

  C. +Resinosäureretine+ oder +Resinosäureharze+, Hauptbestandteil:
  Eine oder mehrere Harzsäuren.

  I. Koniferenharze (_Terpentine_, _Colophonium_).

  II. Caesalpinioideenharze (_Copaivabalsam_).

  D. +Resinolretine+ oder +Resinolharze+, Hauptbestandteil:
  Harzalkohole (Resinole) (_Guajac_).

  E. +Aliphatoretine+ oder +Fettharze+, enthalten Körper der Fettreihe
  (_Stocklack_, _Agaricum_).

  F. +Chromoretine+ oder Farbharze, Harzkörper gefärbt (_Gutti_).

  G. +Enzymoretine+, enthalten eine Gummase (_Japan. Lack_).

  (H. +Glukoretine+ -- werden besser zu den Glukosiden gestellt, s.
  oben.)

  I. +Laktoretine+, Milchsäfte.

  I. Guttaperchagruppe.

  II. Kautschukgruppe.

  III. Euphorbiumgruppe.

  IV. Lactucariumgruppe.

  (K. +Pseudoretine.+)

Dies System ist natürlich unvollkommen und muß unvollkommen sein, da
nach meiner Schätzung nur ungefähr ein Prozent aller Drogen bisher
so untersucht sind, daß man sagen kann, welches ihr Haupt- oder
wichtigster Bestandteil und wohin dieser zu stellen ist.

Oft ist auch die sog. chemische Einteilung keine rein chemische
gewesen, sondern man zog auch die pharmakologische Wirkung mit herbei,
so daß gemischte Systeme entstanden, wie ja schon das ~Cartheusers~ (s.
oben) ein solches ist.

Diese leiten dann hinüber zu den eigentlichen
physiologisch-pharmakologischen Systemen.


5. Einteilungen nach den physiologischen Wirkungen der Arzneimittel.

Da ich die Pharmakologie aus der Pharmakognosie ganz eliminiere, könnte
ich diese Systeme übergehen. Doch mag derselben -- aus historischen
Gründen -- mit einigen Worten gedacht werden. Ich verweise im übrigen
auf ~Pereiras~ +Heilmittellehre+ (S. 216). ~Pereira~ gliedert
diese Systeme in folgende (veraltete) Klassen: 1. Einteilung nach
der allgemeinen Beschaffenheit der Arzneiwirkungen, 2. nach der
~Brown~schen Theorie, 3. nach der Lehre vom Contrastimulus, 4. nach
~Broussais~ Theorie, 5. nach physiologisch-chemischen Prinzipien, 6.
nach den einzelnen affizierten Teilen, 7. physiologische Einteilung
nach ~Pereira~. Doch folgt ~Pereira~ selbst einem anderen System (vgl.
S. 219).

Endlich hat man auch:


6. Einteilungen, welche sich auf die therapeutischen Eigentümlichkeiten
der Arzneimittel gründen,

versucht. Auch diese können hier übergangen werden.

  Doch mögen an dieser Stelle aus Gruppe 5 und 6, da auch
  pharmakognostisch und chemisch interessant, genannt sein:

  ~Chomel~, +Catalogus plantarum officinalium secundum facultates+.
  Paris 1730. -- ~J. R. Spielmann~, Institutiones materiae medicae
  praelectionibus academicis accomodatae Argentor. 1766, 1774 u.
  1784 (innerhalb der pharmakologischen Gruppen alphabetisch). --
  ~Benjamin Smith Barton~, +Collections for an essay towards a
  Materia medica+ of the United States. Phil. 1798 and 1804 (in
  Bulletin of the Lloyd library). -- ~K. F. Burdach~, +System
  der Arzneimittellehre+. 3 B. 1807–09, 2. Aufl. 4 B. 1817–19.
  -- ~C. H. E. Bischoff~, +Die Lehre von den chem. Heilmitteln+.
  3 B. 1825–31. -- ~W. Grabau~, +Chemisch. physiolog. System d.
  Pharmakodynamik+. Kiel 1837–38. -- ~Joh. H. Dierbach~, +Synopsis
  materiae medicae+. 2 Vol. Heidelb. 1841. -- ~Buchheim~, Lehrb. d.
  Arzneimittellehre. 1856 u. 1859. -- ~Buchheim-Harnack~, Lehrbuch
  der Arzneimittellehre. Hamburg 1883. -- ~Husemann~, Handbuch
  der gesamten Arzneimittellehre. 1883. -- ~Cantani~, Manuale di
  Farmacologia clinica, materia medica e terapeutica. Neapel 1890.
  -- ~Bernatzik~ u. ~Vogl~, Lehrbuch der Arzneimittellehre. Wien
  1886. -- ~Binz~, Vorlesungen über Pharmakologie. Berlin 1886 und
  Grundz. d. Arzneimittellehre. 13. Aufl. 1901. -- ~Cloëtta-Filehne~,
  Lehrb. d. Arzneimittellehre. 10. Aufl. 1901. -- ~Schmiedeberg~,
  Grundr. d. Pharmakologie. 5. Aufl. 1906. -- ~Tappeiner~, Lehrb.
  d. Arzneimittellehre. 6. Aufl. 1907. -- ~Fränkel~, Kurzgefaßte
  Arzneimittellehre, 1906 u. Arzneimittelsynthese, 1906. -- ~Penzoldt~,
  Lehrb. d. klin. Arzneibehandl. 5. Aufl. 1900. -- ~Kobert~, Lehrb.
  der Pharmakotherapie. 1897 und 1908. -- ~R. Heinz~, Lehrb. d.
  Arzneimittellehre. 1907. -- ~M. Elfstrand~, Läkemedelslära med
  särskild hänsyn till svenska farmakopéen. Upsala 1905. --


7. Geographisch-pharmakologisches System.

Ein sehr merkwürdiges System hat 1833 ~Dierbach~ in Heidelberg in
der Abhandlung: +Chloris medica+ oder Übersicht der Arzneipflanzen
nach ihrer geographischen Verteilung und nach ihren Heilkräften.
Ein botanisch-pharmakologischer Versuch (~Trommsdorffs~ N.
Journ. d. Pharm. 1833 u. 1834) aufgestellt. Man kann es ein
geographisch-pharmakologisches nennen. Es fußt auf dem Gedanken: ubi
morbus ibi remedium (siehe S. 20), der gerade damals in ~Schnurrers~
Geographischer Nosologie, Stuttgart 1813, zum Ausdrucke gebracht worden
war, übrigens viel älter ist (vgl. S. 20). ~Dierbach~ unterscheidet:

  1. Hyperboräische Arzneipflanzen:

    a) hyperboräische Ceres,

    b) hyperboräische Pomona,

    c) Brech- und Purgiermittel,

    d) scharfe Mittel,

    e) auflösende, schleimausführende Mittel,

    f) diaphoretische und diuretische Mittel,

    g) bittre und adstringierende Mittel,

    h) ätherisch-ölige aromatische Mittel,

    i) beruhigende Mittel,

und führt diese Gruppen dann durch auch bei den folgenden Reichen:

  2. Europäische Arzneipflanzen. 3. Scythische Arzneipflanzen.
  4. Orientalische Arzneipflanzen. 5. Chinesische und japanische
  Arzneipflanzen. 6. Ostindische Arzneipflanzen. 7. Arzneipflanzen
  des nördlichen Afrika. 8. Arzneipflanzen des tropischen Afrika. 9.
  Arzneipflanzen des südlichen Afrika.

(Vgl. auch ~Dierbach~, Die Endogenen, betrachtet nach ihren
Bestandteilen und Eigenschaften, ~Trommsdorff~, N. Journ. 1832.)


Anhang.

  +Lehr- und Handbücher der Materia medica unbekannter Zugehörigkeit+
  (nicht gesehen): ~J. Praevotii~, de remed. simpl. et comp. 1656, 1666
  und 1676. -- ~Fr. Hoffmann~, Clavis pharmaceutic. Halle 1675. --
  ~Marggrav~, mat. med. contract. exhib. medicament. simpl. et comp.
  Ed. sec. Amst. 1682. -- ~Wedel~, Amoenitates materiae medicae. Jen.
  1684. -- ~S. Dale~, Pharmacologia. Lond. 1693. -- ~Rivinus~, Censura
  medicamentorum officinalium. Lips. 1707. -- ~Tournefort~, Traité de
  la matière médicale. Paris 1717. 2 B. -- ~Boerhave~, Libellus de
  materia medica. 1740. -- ~D. de Gorter~, Mater. med. Amst. 1740. --
  ~Linné~, Censura medicamentorum simplicium vegetabilium. Ups. 1753.
  -- ~H. J. N. Cranz~, Mat. med. et chirurg. Ed. alt. Vienn. 1765.
  -- ~Alston~, Materia medica. London 1770. -- ~A. C. Ernstingius~,
  Nucleus totius medicinae quinque partitus oder des vollkommenen und
  allezeit fertigen Apothekers. 2. B. Lemgo 1770. -- ~Nic. Winckler~,
  Chronica herbarum, s. quo tempore colligendae sint. Aug. Vind. 1771.
  -- ~Mellin~, Pract. mat. med. 2. Aufl. 1778. -- ~Cullen~, Materia
  medica oder Lehre v. d. Nahrungs- und Arzneymitteln. Deutsch von
  ~Cousbruch~, Leipzig. 2. Aufl. 1790. -- ~Hackel~, Vollständ. prakt.
  Abhandl. von d. Arzneim., nach deren Ursprunge, Unters., Güte, chem.
  Bestandt. 3 B. Wien 1793. -- ~Savi~, Materia medica vegetabile
  toscana. Florenz 1805. 60 Taf. -- ~A. von Hallers~ Arzneimittellehre
  von ~Sam. Hahnemann~, Leipzig 1806, ist eine Übersetzung des Werkes
  von ~Vicat~, Matière médicale, Bern 1776, das ~Vicat~, ein Lausanner
  Arzt, aus ~Hallers~ Historia Stirpium ausgezogen. -- ~Chevalier~ et
  ~Richard~, Dictionnaire des drogues simples. Paris 1827. -- ~Theile~,
  Pharmaz. Warenkunde. 1831/32. -- ~Roques~, Phytographie médicale.
  1835. -- ~Royle~, A manual of materia medica and therapeutics. London
  1847. -- ~Schwarzkopf~, Lehrbuch der Droguenwarenkunde. Leipzig
  1854. -- ~Bouchardat~, Matière medicale. 1873. -- ~Fristed~, Lärobok
  i organisk Pharmacologi. Upsala 1873. -- ~van Heurck~, Notions
  succinctes sur l’origine et l’emploi des drogues simples. Bruxelles
  1876. -- ~Dunin Wasowicz~, +Farmakognozya+. Podrcznik dla lekarzy
  powiatowych, aptekarzy i stuchaczy nauk farmaceutycznych napisat
  ze szczególném uwzglgdnieniem lekospisów niemieckiego, rakuskiego
  i rossyjskiego. We Lwowie 1883. -- ~Cauvet~, Nouveaux éléments de
  matière médicale comprenant l’histoire des drogues simples d’origine
  animale et végétale. 3 Ed. Paris 1886, avec 701 Fig. -- ~George
  J. Davis~, The pharmacology of the newer mater. med., embracing
  the botany, chemistry, pharmacy and therapeutics of new remedies.
  Detroit (Mich.) 1892. -- ~John B. Shoemaker~, Materia medica and
  therapeutics. 2 Vol. Philadelphia 1893. -- ~Samuel O. L. Potter~,
  Materia medica, Pharmacy and Therapeutics. 5 ed. Philadelph. 1894. --
  ~W. H. White~ and ~Reynold W. Wilcox~, Materia med. and therapeutics.
  2 ed. Philadelph. 1894. -- ~Brissemoret~ et ~Joanin~, Les drogues
  usuelles. Paris 1898. -- ~Czirikoff~, Pharmakognosie. Charkow
  (russisch).

  Auf chemischer Grundlage: ~C. A. Gerhard~, Materia medica oder
  Lehre von den rohen Arzneimitteln. Berlin 1766 und 1772. -- ~J. R.
  Spielmann~, Institutiones materiae medicae. Argentor. 1766, 1774,
  1784. -- ~Spielmanns~ Anleit. z. Kenntn. d. Arzneimittel. Straßburg
  1775, 1778, 1785. -- ~Joh. G. Gleditsch~, Wissensch. d. Arzneimittel.
  Berlin 1779–1781. -- ~von dem Sande~ und ~Sam. Hahnemann~, Die
  Kennzeichen der Güte und Verfälsch. d. Arzneimittel. Dresden
  1787. -- ~Donned Monro~, Treatise on medical and pharmaceutical
  chemistry and materia medica. London 1788. Deutsch von ~Hahnemann~:
  ~D. Monros~ chemisch-pharmazeutische Arzneimittellehre. Leipzig
  1791–1794. -- ~Conr. Moench~, Systemat. Lehre von den einfach. u.
  gebräuchlichsten zusammengesetzt. Arzneimitteln. Marburg 1789, 1792
  und 1795. -- ~Storr~, Sciagraphia methodi materiae medicae qualitatum
  aestimationi superstructae. Tübingen 1792–1799. -- ~Joh. Clem. Tode~,
  Arzneimittellehre. Copenhagen 1797–1799. -- ~C. H. Th. Schreger~,
  Tabellarische Charakteristik der echten u. unechten Arzneikörper.
  Fürth 1804. -- ~G. A. Bertele~, Handbuch der dynamischen
  Arzneimittellehre. Landshut 1805.

Die Abbildungswerke siehe Pharmakosystematik, die anatomischen Werke
siehe Pharmakoanatomie, die morphologischen siehe Pharmakomorphologie.
Die Werke, welche für die Geschichte der Pharmakognosie wichtig sind,
werden im Abschnitt Pharmakohistoria aufgeführt.


Grundrisse, Repetitorien, Tabellen usw. der Pharmakognosie.

  ~Wedel~, Syllabus materiae medicae select. Jenae 1735. -- ~J. L.
  L. Löseke~, Materia medica. 4. Aufl. von ~Zückert~. Berlin 1773.
  -- ~Hermbstädt~, Katechismus der Apothekerkunst. Berlin 1792. --
  ~C. H. Calmeyer~, Lehrbuch der Roharzneywaarenkunde. Hamburg 1808.
  -- ~Seydler~, Analecta pharmacognostica. Halae 1815. -- ~J. Chr.
  Ebermaier~, Tabellar. Übers. d. Kennzeichen d. Echtheit u. Güte,
  sowie d. fehlerhaft. Beschaffenh. d. Verwechsl. u. Verfälsch.
  sämtl. bis jetzt gebräuchl. einfachen, zubereitet. u. zusammenges.
  Arzneimittel. Leipzig 1820. -- +Ders.+: Pharmakognost. Tabellen
  1827 (vgl. S. 3). -- ~Walther~, Pharmakogn.-pharmakolog. Tabellen.
  Mainz 1838. -- ~Dietrich~, Taschenb. d. pharmaz.-vegetab. Rohwarenk.
  1842–1846. -- ~W. Artus~, Repetitorium u. Examinatorium über
  pharmazeutische Waarenkunde. Weimar 1843. -- ~Schmidt~, Taschenb. d.
  pharmaz.-vegetab. Rohwarenk. Jena 1847. -- ~Winkler~, Pharmakogn.
  Tabellen 1849. -- ~Cauvet~, Elements d’histoire nat. méd. 1868
  u. 1887. -- ~Freyberger~, D. organ. Drog. d. neuen deutsch.
  Reichspharmakop. 1874 (Tabell.). -- ~G. Planchon~, Traité pratique
  1875. -- ~Sayre~, Conspectus of organic mater. med. 1880. --
  ~Flückiger~, Grundriß der Pharmakognosie 1883, 2. Aufl. 1894. --
  ~Hugo Schulz~, Die offizinellen Pflanzen u. Pflanzenpräparate 1885.
  -- ~P. Giacosa~, Elementi di farmacognosia con aggiunte. Torino
  1886. -- ~C. Kreuz~, Pharmk. für den Erstunterricht. Wien 1886. --
  ~A. F. W. Schimper~, Taschenb. der medizin.-pharmazeut. Botan. und
  pflanzlichen Drogenkunde. Straßburg 1886 und derselbe: Syllabus
  der Vorlesungen über pflanzliche Pharmakognosie. Straßburg 1887.
  3. Aufl. (1901) als Repetitorium der pflanzlichen Pharmakognosie
  und offizinellen Botanik. -- ~Wills~, Manual of vegetable materia
  medica. 9 edit. 1886. -- ~Lojander~, Repetitor. i botanisk
  farmacognosie 1888. -- ~L. Chabrun~, Manual de drogas. Barcelona
  1897. -- ~Hansen~, Drogenkunde 1897. -- ~Stephan~, Pharmakognost.
  Tabellen, 3. Aufl. 1897. -- ~Greenish~, Introduction to the study of
  materia medica. London 1899. -- ~C. Jehn~, Repetitor. d. Chem. u.
  Pharmakogn., 9. Aufl. 1899. -- ~Walter Laurén~, Suomen Farmakopean
  Kasvirohdokset (finnisch) und Finska Farmakopéns Växtdroger
  (schwedisch). Helsingfors 1900. -- ~Pietsch~ u. ~Fuchs~, Katechismus
  d. Drogenkunde. 2. Aufl. Leipzig 1900. -- Anonym: +The students
  columns+, Mat. med. of the pharmac. Mat med. of the B. P. addendum.
  Extra official materia medica. Fortlaufende Beschreibung von Drogen
  in Pharm. Journ. 1900 u. flgd. -- ~Biechele~, Pharmakognosie in
  Verbind. m. spez. Botan. in tabellarischer Form. 2. Aufl. 1901. --
  +Ders.+: Mikroskop. Prüf. d. offizinellen Drogen 1904. -- ~Lücker~,
  Pharmakognost. Tabellen. 1901. -- ~Moor~, Suggested standards of
  purity for foods and drugs. London 1902. -- ~Schlickum~, Ausbild.
  d. jungen Pharmazeuten. 10. Aufl. 1902. -- ~Berendes~, der
  angehende Apotheker, II. Band Pharmakogn. Stuttgart 1904. -- ~M.
  Biechele~, Mikrosk. Prüf. d. offizin. Drog. Regensb. 1904. -- ~F.
  Schmitthenner~, Pharmakognos. d. Pflanzen- und Tierreiches (Samml.
  Göschen, Leipzig 1905). -- ~Thoms~ und ~Gilg~, Warenkunde (in Schule
  der Pharmazie). 3. Aufl. Berlin 1905. Mit 216 Abbild. -- ~O. Linde~,
  Repetitor. d. Pharmakognosie in Tabellenform mit 46 Abbild. Göttingen
  1906. -- ~H. Zörnig~, Tabellen für das pharmakognostische Praktikum.
  München 1906. -- In ~Breitensteins~ Repetitorien: Kurzes Repetitor.
  d. Pharmakogn. -- ~Collin~, Précis de matière medicale. Paris. --
  ~Horowitz~, Repetit. d. Pharmak. -- ~Kreuz~, Materia medica. Berlin.
  -- ~Southall~, Materia medica. -- ~Humphrey~, Pharmacopedia.


Monographien.

  ~F. von Müller~, Eucalyptographia. Melbourne 1879–84.

  ~Moens~, Kinacultuur in Azië. Batavia 1882.

  ~G. E. Haarsma~, Der Tabakbau in Deli. Amsterdam 1890.

  ~Tichomirow~, die Kultur u. Gewinn. des Tees auf Ceylon, Java und in
  China. Petersburg 1893.

  ~Warburg~, die _Muskatnuß_, ihre Geschichte, Botanik, Kultur, Handel
  und Verwertung. Leipzig 1897.

  ~Busse~, Studien über die _Vanille_, aus Arbeit des kais.
  Gesundheitsamtes. Berlin 1898.

  ~E. F. A. Obach~, Guttapercha, Cantor lectures. Soc. for the
  Encouragement of arts etc. London 1898 (auch holländ. und deutsch
  erschienen).

  ~Tschirch~, Studien über den _Rhabarber_ und seine Stammpflanze. Wien
  1904.

In dem +Beschrijvende Catalogus van het Koloniaal Museum in Haarlem+
finden sich (einzeln im Handel erhältliche) populär geschriebene
Monographien von _Kaffee_, _Tee_, _Cacao_, _Vanille_, _China_,
_Zucker_, _Tabak_, _Reis_, _Kautschuk_, _Guttapercha_ u. a. Über die
gleichen Gegenstände finden sich auch eine Menge anderer Monographien
im Handel.

Ebenso gab das +Scientific department+ von ~Fred. Stearns~ & Co. in
Detroit Monographien heraus, z. B. von _Kola_ (1894).

Das +Kaiserliche Gesundheitsamt+ in Berlin gibt populär geschriebene
Monographien heraus; so erschien 1903: der _Kaffee_. Weitere Literatur
S. 245 u. 255.


Medizinisch-pharmazeutische Botanik.

Die +medizinisch-pharmazeutische Botanik+, der ~A. F. W. Schimper~ auf
dem Titel eines seiner Bücher (s. oben S. 238) den verkehrt gebildeten
Namen «offizinelle Botanik» gibt (nur die Drogen, nicht die Botanik
sind «offizinell»), ist zwar schon im vorhergehenden gestreift worden.
Speziell ihr sind außer den bereits erwähnten die folgenden Werke
gewidmet.

  ~Waldschmiedt~, De vegetabilium usu in medicina. Hiliae 1707. --
  ~Chomel~, Abrégé de l’histoire des plantes usuelles. Paris 1712. --
  ib. 1803. -- ~Camerarius~, Biga botanica. Tubingae 1712. -- ~Zorn~,
  Botanologia medica. Berlin 1714. -- ~Feuillée~, Hist. des plantes
  médicales de Perou et Chile. Paris 1714–1725. -- ~Valentini~,
  Historia simplicium reformata. Francofurti a./M. 1716. fol. --
  ~Tournefort~, Traité de la matière médicale. Paris 1717. --
  ~Mäller~, Botanicum officinale. London 1722. -- ~Knowles~, Materia
  medica botanica. Londini 1723. -- ~Blair~, Pharmaco-botanologia.
  London 1723–28. -- ~Monti~, Exoticorum simplicium varii indices.
  Bononiae 1724. -- (~Martyn~), Tabulae synopticae plantarum
  officinalium. Londini 1726 fol. -- ~Hermann~, Cynosura materiae
  medicae. Argentorati 1726–31. -- ~H. Boerhave~, Historia plantarum,
  quae in horto academico Lugduni Batavorum crescunt cum earum
  characteribus et medicinalibus virtutibus. Rom 1727, 2 Ed. Lond.
  1731. 3 Ed. 1738 («Maculosissimum et confusissimum opus ab Anonymo
  quodam conscriptum», ~Pritzel~). -- ~Kraeutermann~, Compendiöses
  Lexicon exoticorum et materialium. Arnstadt 1730. -- ~Alleyne~, New
  english dispensatory. London 1733. -- ~Malouin~, Chymie médicinale.
  Paris 1734. -- ~Albrecht~, De aromatum exoticorum noxa. Erfordiae
  1740. -- ~Morandi~, Historia botanica practica. Mediolani 1744.
  fol. -- ~Hill~, A history of the materia medica, London 1751. --
  ~Haller~, De praestantia remediorum vegetabilium. Goettingae 1752.
  -- ~Linné~, Plantae officinales. Upsaliae 1753. -- ~Linnaeus~,
  Censura medicamentorum simplicium vegetabilium. Upsaliae 1753.
  -- ~Banal~, Catalogue des plantes usuelles. Montpellier 1755. --
  ~Sheldrake~, Botanicum medicinale. London s. a. fol. -- ~Crantz~,
  Materia medica. Viennae 1762. -- ~Aken~, Svenska Medicinal
  Växterna. Örebro 1764. -- ~Schwencke~, Kruidkundige beschrijving
  etc. Gravenhage 1766. -- ~Arnauld~ et ~Saterne~, Description des
  plantes usuelles. Paris 1767. -- ~Dagoly~, Collection des plantes
  usuelles. Paris 1767. fol. -- ~J. G. Gleditsch~, Verzeichnis der
  gewöhnlichsten Arzneigewächse, ihrer Teile und rohen Produkte, welche
  in den größeren teutschen Apotheken gefunden werden. Berl. 1769. --
  ~Gardeners~ Dictionary. 6 edit. 1771. -- ~J. F. Gmelin~, Abhandl.
  von giftigen Gewächsen, welche in Teutschland und vornehmlich in
  Schwaben wild wachsen. Ulm 1775. -- ~Vicat~, Matière médicale
  tirée de Halleri Historia stirpium Helvetiae. Bern 1776. -- ib.
  1791. -- ~Banal~, Catalogue des plantes médicinales. Montpellier
  1780. -- ib. 1784. -- ~Lichtenstein~, Anleitung zur medizinischen
  Kräuterkunde. Helmstedt 1782–86. -- ~Happe~, Botanica pharmaceutica.
  Berolini 1788 (-1806). fol. -- ~Cullen~, Treatise of Materia medica.
  Edinburgh 1789. -- ~W. Woodville~, Medical botany. 3 Vol. 1790.
  -- ~Schrader~, Die norddeutschen Arzneipflanzen. Berlin 1792. --
  ~Coste~ et ~Willemet~, Matière médicale indigène. Nancy 1793. --
  ~J. Chr. Ebermaier~, Vergleich. Beschreib. derjenigen Pflanzen,
  welche in d. Apotheken leicht miteinander verwechselt werden.
  Braunschweig 1794. -- ~Grindel~, Pharmazeutische Botanik. Riga
  1802. -- ~Hoffmann~, Syllabus plantarum officinalium. Goettingen
  1802. -- ~Noehden~, Entwurf zu Vorlesungen über pharmakologische
  Botanik. Göttingen 1802. -- ~Vitet~, Matière médicale. Lyon 1803. --
  ~Alibert~, Matière médicale. Paris 1804. -- ib. 1826. -- ~Schwilgué~,
  Traité de matière médicale. Paris 1805. -- ib. 1818- -- ~Dubuisson~,
  Plantes usuelles indigènes et exotiques. Paris 1809. -- ~Bodard~,
  Analyse de cours de botanique médicale comparée. Paris 1809. -- ~J.
  Chr. F. Graumüller~, Handbuch der pharmazeut. medizin. Botanik.
  5 B. 1813–1818 (auch pharmakogn. und chem. interessant). -- ~J.
  Bigelow~, American medical botany. 3 Vol. 1817–1820. -- ~P. C.
  Barton~, Vegetable materia medica of the United States or medicinal
  botany. London 1818. -- ~Goetz~, Descriptio plantarum exoticarum
  officinalium. Viennae 1818. -- ~J. H. Dierbach~, Handb. d. medizin.
  pharmazeut. Botanik. Heidelberg 1819. -- ~Poiret~, Flore médicale.
  1820. -- ~A. Richard~, Botanique medicale. 2 B. 1823. Medizin.
  Botanik, deutsch von ~Kunze~ und ~Kummer~. 2 B. Berlin 1824–26.
  -- ~J. Stephenson~ and ~J. M. Churchill~, Medical botany. 4 Vol.
  1827–31. 2 ed. (von ~Burnet~) 1834–36. -- ~Thomson~, Botanique du
  droguiste. Paris 1827. -- ~D. Wagner~, Pharmaz.-medizin. Botanik.
  2 B. Wien 1828–30. -- ~Smyttère~, Tableaux d’histoire naturelle
  médicale. Paris 1829. -- ~Smyttère~, Phytologie pharmaceutique et
  médicale. Paris 1829. -- ~Nees von Esenbeck~ und ~Ebermaier~, Handb.
  d. pharmazeut. Botanik. 2 B. 1830–31. -- ~Anslijn~, Handleiding der
  Botanie ... tot de Artzenijmeng-Kunde. Amsterdam 1831. -- Leijd.
  1835–38. -- ~Ascherson~, Pharmazeutische Botanik. Berlin 1831.
  -- ~Schlichtkrull~, De officinelle planter. Kjöbnhavn 1831. --
  ~Ehrmann~, Pharmazeutische Botanik. Wien 1832. -- ~Graves~, Hortus
  medicus. London 1833. -- ~Winkler~, Abbildungen (und Beschreibungen)
  der homöopathisch geprüften Arzneigewächse. Leipzig 1834–36. --
  ~Vriese~, Plantenkunde voor Apothekers en Artsen. Leiden 1835–38.
  -- ~Vavasseur~, Dictionnaire universel de botanique ... médicale
  etc. Paris 1836. -- ~Castle~, Introduction to the medical botany.
  London 1837. -- ~Maly~, Systematische Beschreibung der deutschen
  Arzneigewächse. Grätz 1837. -- ~Barton~ et ~Castle~, The British
  Flora medica. London 1837–38. -- ~Miquel~, Leerboek tot de Kennis
  der artsenjigewassen. Amsterdam 1838. -- ~Ph. Lor. Geiger~,
  Pharmazeut. Botanik. 2. Aufl. von ~Nees von Esenbeck~ und ~Dierbach~.
  Heidelberg 1839–43. -- ~Katzer~, Übersicht der offizinellen
  Pflanzen der österreichischen Pharmacopoee. Wien 1840. -- ~Stupper~,
  Medizinisch-pharmazeutische Botanik. Wien 1841–43. -- ~Dietrich~,
  Taschenbuch der pharmazeutisch-vegetabilischen Rohwarenkunde. Jena
  1842–46. -- ~Bischoff~, Medizin.-pharmazeut. Botanik. Erlangen 1843.
  2. Aufl. 1847. -- ~Cassone~, Flora medico-farmaceutica. Torino
  1846–52. -- ~Winkler~, Handbuch der medizinisch-pharmazeutischen
  Botanik. Leipzig 1846 sqq. -- ~Schmidt~, Taschenbuch der
  pharmazeutisch-vegetabilischen Rohwarenkunde. Jena 1847 sqq. --
  ~Vriese~, Chloris medica. Amsterdam 1847 sqq. -- ~Targioni-Tozzetti~,
  Corso di botanica medico-pharmaceutica. 2. Aufl. Firenze 1847. --
  ~Lindley~, Medical and economical botany. London 1849.

~Otto Berg~, +Handbuch d. pharmazeutischen Botanik+ (für Pharmazeuten
und Mediziner). Berlin 1845. 2. Aufl. 1850. 3. Aufl. 1855. -- ~O.
Berg~, Charakteristik d. f. d. Arzneikunde u. Technik wichtigsten
Pflanzen-Genera. Berlin 1845. -- ~M. J. Schleiden~, +Handbuch d.
medizin.-pharmazeut. Botanik+ zum Gebrauch bei Vorlesungen und zum
Selbststudium. Leipzig 1852. -- ~K. Martius~, +Syllabus de botanica
pharmaceutico-medica+. Monachii 1852. -- ~Hartig~, +Naturgesch. d.
forstlichen Kulturpflanzen+ Deutschlands 1852. -- ~Bossu~, +Plantes
médicales+. Paris 1854. -- ~Göppert~, +Die offizinellen u. techn.
wichtig. Pflanzen unserer Gärten+ 1857. Nachtrag: Uns. offizinellen
Pflanzen. Görlitz 1883. Ferner: Katalog d. botan. Museen d. Univers.
Breslau. Görlitz 1884. -- ~Henkel~, +Atlas z. medizin.-pharm. Botan.+
1863. 2. Aufl. 1873. -- ~Maly~, +Beschreibung der Medizinalpflanzen+.
Wien 1863. -- ~Luerssen~, +Medizin.-pharmazeut. Botanik+ oder
Handbuch der systematischen Botanik mit besonderer Berücksichtigung
der Arzneipflanzen. 2 B. 1879–1882. Mit Abbild. -- ~Jos. Herz~,
+Synopsis d. pharmazeut. Botanik+. Ellwangen 1883. -- ~Luerssen~,
+Die Pflanzen d. Pharmakop.+ germ. 1883. -- ~Leunis~, +Synopsis+;
Botanik von ~Frank~. 3. Aufl. 1883. -- ~Baillon~, +Traité de botanique
médicale+. 2 vol. Paris 1884–89. Mit zahlr. Abbild. -- ~Hugo Schulz~,
+Die offizinellen Pflanzen und Pflanzenpräparate+. Wiesbaden 1885. --
~H. Karsten~, +Illustriertes Repetitorium der pharmazeut.-medizin.
Botanik+. Berlin 1886. Mit 477 Fig., und Flora von Deutschland,
pharmaz.-med. Botan. 2. Aufl. 1895. -- ~Dujardin-Beaumetz~ et ~Egasse~,
+Plantes médicinales+. Paris 1889. -- ~C. Müller~, +Medizinalflora+.
Berlin 1890. -- ~L. Trabut~, +Précis de botanique médicale+ 1891. --
~Schimpfky~, +Unsere Heilpfl.+, ihr Nutzen und ihre Anwend. 1893, m.
Ergänzungsb. 1894 (m. farb. Abb.). -- ~Héraud~, +Nouveau dictionnaire
des plantes médicinales+. 3 Ed. 1895 avec 294 Fig. -- ~H. Baillon~,
+Traité de Botanique médicale cryptogamique+, suivi du tableau du
Droguier de la Faculté de médecine de Paris. Paris 1897, 370 Fig.
-- ~A. Voigt~, Pharmazeutisch-technische Botanik. 1894–1896 Hamburg
1897/99. -- ~Plack~, +Repetitor. d. Botanik m. bes. Berücks. d.
offizinellen Pflanz.+ 1899. -- ~Hansen~, +Systemat. Charakterist. d.
mediz. wicht. Pflanzenfam.+ 2. Aufl. 1907. -- ~A. Engler~, +Syllabus
der Pflanzenfamilien+. Eine Übersicht über das gesamte Pflanzensystem
mit Berücksicht. d. Medizinal- und Nutzpflanzen nebst einer Übersicht
über d. Florenreiche u. Florengebiete d. Erde, z. Gebr. bei Vorlesungen
u. Studien über spezielle u. medizin.-pharmazeut. Botanik. 5. Aufl.
1907 (Fortsetzung von ~Eichlers~ Syllabus). -- ~Giesenhagen~, Unsere
wichtigsten Kulturpflanzen. 2. Aufl. 1907.

Vgl. auch ~W. Trelease~, Medical Botany (J. Am. med. Ass. Sept. 1897).
-- ~Warburg~, Gesch. u. Entwickl. d. angew. Botanik. Ber. d. bot. Ges.
1901.


Kolonialbotanik.

  ~J. von Warszewicz~, Handelspflanzen, welche für Ostindische
  Colonisten wichtig und von großem Wert sein können. Bull. du Congrès
  Intern. de Botan. et de Hortic. 1865. -- ~C. A. J. A. Oudemans~, De
  Handelsplanten. 36 gekleurde platen met bijschrift voor Nederland.
  Amsterdam 1883. -- ~J. L. de Lanessan~, Les plantes utiles des
  Colonies françaises. Paris 1886. -- ~G. S. Boulger~, The uses of
  plants: a manual of economic botany, with special reference to
  vegetable products introduced during the last fifty years. London
  1889. -- ~G. Heuzé~, Les plantes industrielles. Paris 1893. -- ~R.
  Sadebeck~, Die wichtigeren Nutzpflanzen und deren Erzeugnisse aus
  den deutschen Colonien. Jahrb. d. Hamb. Wissenschaftl. Anstalten
  1896. -- ~H. Jumelle~, Les cultures coloniales. Plantes alimentaires.
  Paris 1901. -- ~P. de Janville~, Atlas de poche des plantes utiles
  des pays chauds les plus importantes pour le commerce. Paris 1902.
  -- ~Ad. Damseaux~, Les plantes de la grande culture. Namur-Bruxelles
  1905. -- ~P. Anema~, Plantkunde, ten dienste van de lagere school
  in Ned.-Indie. Groningen 1906. -- ~E. de Wildeman~, Les plantes
  tropicales de grande culture. T. 1. Caféier, Cacaoyer, Colatier,
  Vanillier, Bananiers. Bruxelles 1908. (Vgl. auch die im Kapitel
  Pharmakoërgasie S. 73, 74 u. 239 aufgeführten Werke, die von ~Heckel~
  herausgegebenen +Annales de l’institut colonial in Marseille+ (S.
  254) und das Kapitel Pharmakosystematik.)


Giftpflanzen.

Ein vielfach gesondert behandeltes Kapitel der Pharmakobotanik, das
eine ziemlich große Literatur besitzt, ist das der =Giftpflanzen=. Es
fällt aber nur zum Teil mit der Pharmakobotanik zusammen, denn nicht
alle giftigen Pflanzen sind auch Heilmittel. Ich verweise z. B. auf die
giftigen Pilze.

  Ein Verzeichnis der älteren Publikationen über die Giftpflanzen (bis
  1847) findet sich in ~Pritzels~ Thesaurus litterat. botanic. 1877.

  ~Petrus de Abano~, Tractatus de venenis. Mantuae 1472. fol. --
  ~Ardoynis~, Liber de venenis. Venetiis 1492. fol. -- Basileae 1562.
  fol. -- ~Arma~, Opus de venenis. Taurini 1558. -- ~Ponzetti~, De
  venenis libri tres. Basileae 1562. fol. -- ~Grevin~, Deux livres
  des venins. Anvers 1568. -- ~Bacci~, Prolegomena de venenis. Romae
  1586. -- ~Buechner~, De venenis. Halae 1746. -- ~Gmelin~, De materia
  toxicorum vegetabilium in medicamentum convertenda. Tubingae 1765.
  -- ~Gmelin~, Abhandlung von den giftigen Gewächsen. Ulm 1775. --
  ~Vicat~, Histoire des plantes vénéneuses de la Suisse. Yverdun 1776.
  -- ~Bulliard~, Histoire des plantes vénéneuses et suspectes de la
  France. Paris 1784. fol. -- ~Halle~, Die deutschen Giftpflanzen.
  Berlin 1784–93. -- ib. 1801–5. -- ~Plenck~, Toxicologia. Viennae
  1785. -- ~Puihn~, Materia venenaria regni vegetabilis. Lipsiae
  1785. -- ~Schulze~, Toxicologia veterum. Halae 1788. -- ~Kolbani~,
  Ungarische Giftpflanzen. Preßburg 1791. -- ~Dunker~, Beschreibung
  der Giftpflanzen. Brandenburg 1796–97. -- ~Frege~, Anleitung zur
  Kenntnis der Giftpflanzen. Kopenhagen 1796. -- ~Kerner~, Deutschlands
  Giftpflanzen. Hannover 1798. -- ~Kohlhaas~, Giftpflanzen. Regensburg
  1805. -- ~Orfila~, Traité des poisons, ou Toxicologie générale.
  Paris 1813–15. -- Ed. III: ib. 1826. -- ~Goetz~, Abbildungen
  deutscher Giftpflanzen. Weimar 1817. -- ~Juch~, Die Giftpflanzen.
  Augsburg 1817. fol. -- ~Ljungberg~, De plantis venenatis. Upsaliae
  1822. -- Die Giftpflanzen des Elsasses (m. 37 Taf.). Straßburg
  1825. -- ~Dietrich~, Deutschlands Giftpflanzen. Jena 1826. --
  ~Winkler~, Sämtliche Giftgewächse Deutschlands. Berlin 1831. --
  ~Taddei~, Repertorio dei veleni e contravveleni. Firenze 1835. --
  ~Henry~, Die Giftpflanzen Deutschlands. Bonn 1836. -- ~Michel~, De
  nordneederlandsche vergiftige gewassen. Amsterdam 1836. fol. --
  ~Schottlaender~, Giftpflanzen Deutschlands. Ulm 1837. -- ~Brandt~,
  ~Phoebus~ et ~Ratzeburg~, Abbildung und Beschreibung der deutschen
  Giftgewächse. Berlin 1838. -- ~Phoebus~, Deutschlands kryptogamische
  Giftgewächse. Berlin 1838. -- ~Guenther~ et ~Bertuch~, Pinakothek der
  deutschen Giftgewächse. Jena 1840. -- ~Hegetschweiler~ und ~Labram~,
  Die Giftpflanzen d. Schweiz (m. 38 Taf). Zürich 1843. -- ~Berge~ und
  ~Riecke~, Giftpflanzenbuch. Stuttgart 1845. -- ~Duchesne~, Repertoire
  des plantes utiles et des plantes vénéneuses du globe. 2 Ed. Brux.
  1846. -- ~Schimpfky~, Deutschlands wichtigste Giftgewächse (m. farb.
  Abb.). 1894. -- ~Schlitzberger~, Die Gift- und Heilpflanzen, m. 136
  farb. Abb. 1899. -- ~Gressler~, Deutschlands Giftpflanzen, bearb.
  v. ~Andrae~ (m. 8 farb. Taf.) 17. Aufl. 1904. -- ~Ahles~, Unsere
  wichtigeren Giftgewächse. 4. Aufl. 1904. -- ~Mitlacher~, Toxikolog.
  oder forens. wichtige Pflanzen u. vegetabilische Drogen usw.
  Berlin-Wien 1904.


Wichtigste Publikationen über eßbare und giftige Pilze
(zusammengestellt von ~B. Studer~).

  ~Krombholz~, Naturgetreue Abbildungen und Beschreibung der eßbaren,
  schädlichen und verdächtigen Schwämme (78 farbige Foliotafeln). Prag
  1831.

  ~Secretan~, Mycologie suisse. 3 Vol. Genève et Paris 1831.

  ~Trog~, Verzeichnis schweiz. Schwämme. Bern 1844.

  ~Trog~, Die eßbaren, verdächtigen und giftigen Schwämme der Schweiz
  (36 farb. Foliotafeln gemalt von ~Bergun~). Bern 1845–50.

  ~Trog~, Die Schwämme des Waldes. Bern 1848.

  ~Boudier~, Die Pilze in ökonomischer, chemischer und toxikologischer
  Hinsicht (deutsch von ~Husemann~). Berlin 1867.

  ~F. W. Lorinser~, Die wichtigsten eßbaren, verdächtigen und giftigen
  Schwämme (12 farb. Tafeln). Wien 1876.

  ~Louis Favre~, Les champignons comestibles (48 farb. Tafeln).
  Paris-Neuchâtel 1876.

  ~Ahles~, Allgemein verbreitete eßbare und schädliche Pilze. II. Aufl.
  (40 farb. Tafeln). Eßlingen b. Stuttgart 1876.

  ~O. Wünsche~, Die Pilze. Leipzig 1877.

  ~H. O. Lenz~, Nützliche, schädliche und verdächtige Schwämme. VI.
  Aufl. (20 farb. Tafeln). Gotha 1879.

  ~W. Medicus~, Unsere eßbaren Schwämme (23 farb. Bilder).
  Kaiserslautern 1882.

  ~Elias Fries~, Hymenomycetes europaei. Upsala 1884.

  ~Rabenhorst~, Kryptogamen. Bd. I: Pilze. Leipzig 1884.

  ~Schröter~, Pilze Schlesiens. 1889.

  ~Leuba~, Die eßbaren Schwämme und die giftigen Arten, welche zur
  Verwechslung geeignet (54 farbige Tafeln). Zürich 1892 (franz.
  Ausgabe: Neuchâtel 1890).

  ~O. Wünsche~, Die verbreitetsten Pilze Deutschlands. Leipzig 1896.

  ~Edm. Michael~, Führer für Pilzfreunde. Zwickau i. S. 1902.

  Ausgabe A für Schulen. 2 Teile. 175 Pilzgruppen auf 16 farb. Tafeln.

     »    B für Pilzsammler und Pilzfreunde. 3 Bde. mit 278 farb.
            Pilzgruppen.

     »    C Volksausgabe mit 29 farbigen Pilzgruppen.

  ~G. Hahn~, Der Pilzsammler oder Anleitung zur Kenntnis der
  wichtigsten Pilze Deutschlands und der angrenzenden Länder. Aufl. III
  (mit 32 farb. Tafeln). Gera 1903.

  ~Blücher~, Praktische Pilzkunde (mit 32 farb. Bildern).
  Miniaturbibliothek. Berlin 1904.

  ~Matern~, Die am häufigsten vorkommenden eßbaren, bezw. giftigen
  Pilze. ~Mück~s praktisches Taschenbuch. Wien 1904.

  +Pilzmerkblatt+ des Kaiserl. Gesundheitsamtes (1 farb. Tafel mit 21
  Pilzen). Berlin 1904.

  ~P. Sydow~, Eßbare und giftige Pilze (m. 64 farb. Tafeln). Heidelberg
  1905.

  ~Kath~, Pilzbuch (mit 14 farb. Tafeln). Langensalza 1905.

  ~Henings~, ~Lindau~, ~Lindner~, ~Neger~, Pilze. Leipzig 1905.

  ~Unger~, Unsere wichtigsten Pilze (m. 4 farb. Tafeln). ~Möller~s
  Bibliothek für Gesundheitspfl. Oranienburg 1906.

  ~B. Studer~, Die wichtigsten Speisepilze der Schweiz. III. Aufl. (m.
  12 farb. Tafeln). Bern 1906.

  ~W. Raschke~, Tafel eßbarer Pilze. Tafel giftiger und verdächtiger
  Pilze. Annaberg im Erzgeb.

  ~Constantin~ et ~Dufour~, Nouvelle flore des champignons. ed. II.
  Paris.

  ~J. Röll~, Unsere eßbaren Pilze. Tübingen.

  ~Magnus~, Die Pilze von Tirol. Innsbruck.

  ~Saccardo~, Sylloge fungorum omnium hujusque cognitor. Padua.

Bei den vielfachen Beziehungen, die die +Nahrungsmittelkunde+ und die
+technische Rohstofflehre+ zur Pharmakognosie besitzen, seien auch
die hauptsächlichsten Werke dieser Wissenszweige, soweit sie uns hier
angehen, aufgeführt. In vielen derselben sind auch Drogen erwähnt.


Technische Rohstofflehre.

  ~Chomel~, Abrégé de l’histoire des plantes usuelles. Paris 1712 (und
  1803).

  ~Savary~, Dictionnaire de commerce. 1750.

  ~Kerner~, Handelsprodukte aus dem Pflanzenreiche. Sechs Hefte mit
  illuminierten Kupfern. Stuttgart 1783–1786.

~G. R. Böhmer~, Technische Geschichte der Pflanzen, welche bey
Handwerken, Künsten und Manufakturen bereits in Gebrauch sind oder noch
gebraucht werden können. 2 B. Leipzig 1794.

~J. Beckmann~, Vorbereitung zur Warenkunde oder zur Kenntnis der
vornehmsten ausländischen Waren. 6 Stücke. Göttingen 1795 u. 1800.

  ~P. A. Nemnich~, Warenlexikon in 12 Sprachen. 3 T. 1797, und Neues
  Warenlexikon in 12 Sprachen. Hamburg 1820.

  ~G. H. Buse~, Vollständ. Handbuch der Warenkunde. 10 B. Erfurt
  1798–1820.

  ~G. Chr. Bohns~, Warenlager oder Wörterbuch der Produkten- und
  Warenkunde. Neu von ~Norrmann~. 2 B. Hamburg 1805.

  ~J. D. Wagener~, Allgem. Warenlexikon. 2 B. Hamburg 1811.

  ~J. S. Winterschmidt~, Naturgetreue Darstellung aller in- und
  ausländ. Material-Samen und getrockneten Früchte, wie sie gewöhnlich
  im Handel vorkommen. Nürnberg 1818.

  ~J. M. Leuchs~, Allgemeines Warenlexikon. Nürnberg 1825–1826.

  ~G. Thon~, Ausführliches und vollständiges Warenlexikon. Ilmenau 1829.

  ~Zenker~, Merkantilische Warenkunde. Jena 1829–1835.

  ~J. C. Schedel~, Neues und vollständiges allgemeines Warenlexikon. 4.
  Aufl. von ~Poppe~. 2 B. Leipzig 1830.

  ~Erdmann-Königs~ Grundriß der allgemeinen Warenkunde unter
  Berücksichtigung der Technologie, 1. Aufl. 1833, von der 12. Aufl.
  (1895) an von ~Ed. Hanausek~, 14. Aufl. 1906 mit 416 Abb. Leipzig u.
  Wien.

  ~Karl Noback~, Lehrb. d. Warenkunde. Leipzig 1842.

  ~Duchesne~, Répertoire des plantes utiles et des plantes vénéneuses
  du globe. 2 ed. Brux. 1846.

  ~Henkel~, Warenlexikon für Drogisten, Apotheker und Kaufleute. 3.
  Aufl. 1873.

~Wiesner~, Die Rohstoffe des Pflanzenreiches. Leipzig 1873. 2. Aufl.
(in Gemeinsch. mit zahlr. Mitarbeitern) 1900.

  ~Paspale~, Compendio di Botanica ordinato specialmente alle
  conescenza della piante utili più comuni. Napoli 1878.

  ~H. Gross~, Die wichtigeren Handelspflanzen in Bild und Wort.
  Eßlingen 1880.

  ~Eger~, Technolog. Wörterbuch. Braunschweig 1882.

  ~Seubert~, Handbuch d. allgemeinen Warenkunde. Stuttgart 1883.

  ~K. Müller~, Prakt. Pflanzenkunde für Handel, Gewerbe und
  Hauswirtschaft. Stuttg. 1884.

  ~Dammer~, Illustr. Lexikon der Verfälschungen. Leipzig 1887.

  ~O. Jaeger~, Leitfaden zur Einführung in das Studium der allgemeinen
  organischen Warenkunde. Stuttgart 1888.

  ~H. Braun~ und ~T. F. Hanausek~, Materialienkunde. Wien 1891.

  ~Weidingers~ Warenlexikon, herausg. von ~T. F. Hanausek~. 2. Aufl.
  Leipzig 1892.

  ~Warburg~, Die aus den deutsch. Kolonien exportierten Produkte u.
  deren Verwertung in der Industrie. Berlin 1896.

  ~M. Pietzsch~, Katechismus der Waarenkunde. 6. Aufl. 1900.

  ~O. Lueger~, Lexikon der gesamten Technik und ihrer
  Hilfswissenschaften. Stuttgart u. Leipzig. 2. Aufl. 1906 (im
  Erscheinen begriffen). Groß angelegtes Riesenwerk.

  ~A. Mentz~ og ~C. H. Ostenfeld~, Planteverdenen i Menneskets
  Tjeneste. Kjöbenhavn-Kristiania 1906 (m. viel. Abbild.).

  ~D. Dietrich~, Taschenbuch der Warenkunde.

=Monographien:=

  Allgemeine Warenkunde und Rohstofflehre, bearbeitet von ~R.
  Benedikt~, ~H. Braun~, ~C. Councler~, ~F. H. Haenlein~, ~T. F.
  Hanausek~, ~F. v. Hoehnel~, ~Jos. Moeller~, ~Ed. Valenta~ und
  ~Wittmack~. Kassel, Fischer.

  ~Ed. Hanausek~, Technologie der Drechslerkunst.

  ~Fr. von Hoehnel~, Die Stärke- und die Mahlprodukte. Kassel 1882.
  Derselbe, Die Gerberinden. Berlin 1880. Derselbe, Die Mikroskopie d.
  techn. verwendeten Faserstoffe. Wien 1887. 2. Aufl. 1905.

  ~J. Moeller~, Die Rohstoffe des Tischler- und Drechslergewerbes.
  Kassel.

  ~E. Valenta~, Die Klebe- und Verdickungsmittel. Kassel 1884.

~Boéry~, Les plantes oléagineuses huiles et tourteau et les plantes
alimentaires des pays chauds. Paris 1889.

~Beauvisage~, Les matières grasses. Paris 1891.

~Brévans~, Les légumes et les fruits. Paris 1893.

~Charabot~, Les parfums artificiels. Paris 1899.

~P. D’Aygalliers~, l’Olivier et l’huile d’olive. Paris 1900.

~Piesse~, Chimie des parfums et fabrication des essences etc. Paris
1903.

~Eug. Collin~ et ~Em. Perrot~, Les Residus industriels, utilisés par
l’agriculture comme aliments et comme engrais. Paris 1904.

  ~F. Zetzsche~, Die wichtigsten Faserstoffe der europäischen
  Industrie. 1904. Mit 46 Mikrophot.

~Lafar~, Handbuch der technischen Mycologie. 4. B. Jena, Fischer.

  (Bez. der Literatur über Harze, Fette und ätherische Öle vgl.
  Pharmakochemie.)

Einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Warenkunde
gab ~Giulio Morpurgo~, La Merciologia nelle sue origini e nella sua
evoluzione. Trieste 1907. Vgl. ferner: ~Wiesner~, Über d. Bedeutung
der techn. Rohstofflehre als selbständige Disziplin und deren Behandl.
als Lehrgegenstand. Dingl. polyt. Journ. 1880. -- ~J. Collins~, Study
of economic botany and its claims educationally and commercially
considered. London 1872.


Nahrungsmittelkunde.

  ~L. Nonni~, Diaeteticon s. de re cibaria. Antw. 1646.

  ~M. Sebitz~, de alimentorum facultatibus. Argent. 1650.

  ~J. F. Zückert~, Materia alimentaria. Berlin 1768, und: Von den
  Nahrungsmitteln. Berl. 1775.

  ~Reich~, Die Nahrungs- und Genußmittel. 1860.

  ~A. E. Vogl~, Nahrungs- und Genußmittel aus dem Pflanzenreich.
  Anleitung zum Erkennen der Nahrungsmittel, Genußmittel und Gewürze
  mit Hilfe des Mikroskops. Prag 1872. Mit 116 Holzschn. Derselbe, Die
  wichtigsten vegetabilischen Nahrungs- und Genußmittel, mit besonderer
  Berücksichtigung der mikroskop. Untersuchung. Berlin-Wien 1899. Mit
  271 Holzschn.

  ~F. Elsner~, Untersuch. von Lebensmitteln und Verbrauchsgegenständen,
  Berlin 1878, und die Praxis d. Chemik. b. Unters. von
  Nahrungsmitteln. 8. Aufl. 1907.

  ~O. Dietzsch~, Die wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel. 3. Aufl.
  Zürich 1879.

  ~Capaun-Karlowa~, Unsere Lebensmittel. 1879.

  ~J. Bell~, Analyse d. Verfälsch. d. Nahrungsmittel. Deutsch v. Mirus.
  1882 u. 1884.

  ~T. F. Hanausek~, Die Nahrungs- und Genußmittel aus dem
  Pflanzenreich. Kassel 1884.

  ~Jos. Moeller~, Mikroskopie der Nahrungs- und Genußmittel aus dem
  Pflanzenreiche. Berlin 1886. 2. Aufl. 1905 (mit ~Winton~, m. 599
  Fig.).

  ~A. F. W. Schimper~, Anleitung zur mikroskop. Untersuchung der
  vegetabilischen Nahrungs- und Genußmittel. Jena 1886. 2. Aufl. 1900.
  Mit 134 Abbild.

  ~Bonnet~, Précis d’analyse microscopique des denrées alimentaires.
  Paris 1890.

  ~H. Molisch~, Grundriß einer Histochemie der pflanzlichen
  Genußmittel. Jena 1891.

  ~E. Macé~, Les substances alimentaires. Paris 1891. Mit 24 Taf. und
  408 Fig.

  ~Claes~ et ~Thyes~, Histologie et morphologie des tests des graines
  composant les tourteaux alimentaires (m. 7 Taf.). Paris 1893.

  ~H. Thoms~ u. ~E. Gilg~, Einführung in die praktische
  Nahrungsmittelchemie. Leipzig 1899.

  ~Bujard~ und ~Baier~, Hilfsbuch f. Nahrungsmittelchemiker. 2. Aufl.
  1900.

  ~Marion~ et ~Manget~, Tableaux synoptiques pour l’analyse des
  farines. Paris 1901.

  ~E. Seel~, Gewinnung u. Darstellung der wichtigsten Nahrungs- und
  Genußmittel. Stuttgart 1902.

  ~Moor~, Suggested standards of purity for foods and drugs. 1902.

  ~König~, Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genußmittel. 3 B. 4.
  Aufl. 1903–1907.

  ~Mansfeld~, Die Unters. v. Nahrungs- u. Genußm. 1905.

  ~Breteau~, Falsifications et alterations des substances alimentaires.
  Paris 1906.

  ~A. L. Winton~ (and ~Jos. Moeller~) the microscopy of vegetable
  foods. New York 1906.

  ~H. Röttger~, Kurzes Lehrb. d. Nahrungsmittelchemie. 3. Aufl. 1907.

  ~Varges~, Nahrungsmittelchemie. 1907.

  ~Dammer~, Lexikon der Verfälschungen.

  ~H. G. Greenish~, The microscopical examination of foods and drugs.
  London.

  ~Soubeiran~, Dictionnaire des falsifications (m. 218 Fig.).



                           «Nur aus ihren Zeitschriften, nicht aus ihren
                           Lehrbüchern kann man die Entwicklung
                           einer Wissenschaft wirklich kennen lernen.»

                                                       ~Sudhoff.~


VII. Die für die Pharmakognosie in Betracht kommenden Zeitschriften,
Jahresberichte, Institutspublikationen, Handels-, Ausstellungs- und
Kongressberichte.


Im folgenden gebe ich die Titel der Zeitschriften,
Institutspublikationen und Jahresberichte, in denen sich
pharmakochemische, pharmakobotanische oder pharmakohistorische Arbeiten
befinden oder in denen über solche referiert wird. Angefügt sind die
wichtigsten Handelsberichte, Ausstellungs- und Kongreßberichte und die
allgemeine bibliographische Literatur. Die Lehr- und Handbücher der
Pharmakognosie und pharmazeutischen Botanik sind im Kapitel Systeme der
Pharmakognosie, die pharmakogeographischen Publikationen im Kapitel
Pharmakogeographie, die anatomischen im Kapitel Pharmakoanatomie,
die linguistischen und Abbildungswerke, sowie die Floren im Kapitel
Pharmakosystematik, die pharmakochemischen im Kapitel Pharmakochemie zu
finden.


1. Zeitschriften.

  +Almanach oder Taschenbuch für Scheidekünstler und Apotheker+, gegr.
  1780 von ~Göttling~. 1780–1829. 50 Bändchen. 1803–1819 als Taschenb.
  f. Sch. u. Ap. Red.: ~Bucholz~, ~Brandes~ 1820–1829. Red.: ~J. B.
  Trommsdorff~.

  +Trommsdorffs Journal der Pharmacie+ für Ärzte und Apotheker. B.
  I–XXVI 1793–1816; fortgesetzt: +Neues Journ. d. Pharm.+ I–XXVII
  1817–1834. Red.: ~Joh. Barth~, ~Trommsdorff~ (s. auch Ann. d. Ph.).

  +Berlinisches Jahrbuch für die Pharmacie+ und die damit verbundenen
  Wissenschaften, gegr. 1795 als Berl. Jahrb. d. Pharm. 1796–1840. Von
  1815 an: Deutsches Jahrb. f. d. Pharm.

  +Chemisches Archiv+ (~Crell~), gegr. 1783. Neues chem. Arch.
  1784–1791, neuestes 1798. Vorher ging: ~Crells~ Chem. Journal
  1778–1781; dann: Die neuesten Entdeckungen der Chemie 1781–1786.

  +Chemische Annalen für die Freunde der Naturlehre+, gegr. 1784 von
  ~Lorenz Crell~, «~Crells~ Annalen» 1784–1803. 40 B.

  +Magazin für Pharmacie, Botanik und Materia medica+ 1782–1784. Red.:
  ~Pfingsten~.

  +Journal für praktische Chemie+ (~Erdmanns~), gegr. 1798 als
  Allgemeines Journ. d. Chem. (Red.: ~Scherer~) 1798–1803; dann: Neues
  allgem. Journ. d. Ch. 1803; dann: Journal für d. Chemie, Physik und
  Mineralogie 1806–1810. Red.: ~Gehlen~; dann: Journal für Chemie und
  Physik 1811–1833. Red.: ~Schweigger~; dann: +Journal für praktische
  Chemie.+ 108 B. 1834–1869. Red.: ~Erdmann~ und ~Schweigger-Seidel~.
  Die neue Folge Red.: ~Kolbe~, ~Ernst Meyer~ beginnt 1870. Wird
  fortgesetzt.

  +Magazin+ für die neuesten Erfahrungen, Entdeckungen und
  Berichtigungen im Gebiete +der Pharmacie+, gegr. 1823; dann von
  1824 an: +Magazin für Pharmacie+ und die dahin einschlagenden
  Wissenschaften; von 1829: Magazin für Pharmacie und
  Experimentalkritik. Red.: ~Hänle~, ~Geiger~. B. 1–36. 1823–1831 (s.
  auch Annal. d. Ph.).

  [+Ein Magazin für Apotheker+, +Chemisten+ und +Materialisten+
  erschien 1785–1787, fortgesetzt bis 1790 als Repertorium für Chemie,
  Pharmacie und Arzneimittelkunde. Red.: ~Elwert~.]

  +Pharmaceutisches Centralblatt+ (u. Chem. Centralblatt), gegr. 1830.
  20 B. 1830–1849. Red.: ~Weinlig~, ~Buchheim~, ~Knop~. Fortgesetzt
  als: +Chemisch-pharmazeut. Centralblatt+ 5 V. (XXI–XXV) 1850–1855;
  dann von 1856 an als +Chemisches Centralblatt+. Red.: ~Knop~,
  ~Arendt~. Neue Folge (XXVI–XXXIX) 1856–1869, dritte Folge (XL–LIX)
  1870–1888, vierte Folge (LX–LXVII) 1889–1896. Von 1897 an von der
  deutschen chemischen Gesellschaft herausgegeben (Red.: ~A. Hesse~)
  unter dem Titel: +Chemisches Zentralblatt+. Vollständiges Repertorium
  für alle Zweige der reinen und angewandten Chemie. B. I (1897) ist
  der fünften Folge erster Band.

  +Archiv der Pharmazie+, als Archiv des Apothekervereins im nördlichen
  Teutschland (Fortsetzung der Pharmaz. Monatsblätter, die nur zwei
  Jahre bestanden), 1822 gegründet. Red.: ~R. Brandes~. Erste Reihe B.
  I–L. 1822–1834. Dann: Archiv der Pharmacie d. Apothekervereins im
  nördlichen Teutschland und Arch. d. Ph. Eine Zeitschrift des allgem.
  deutschen Apotheker-Vereins, Abt. Norddeutschland. Zweite Reihe B.
  LI–CC. 1835–1872. Red.: ~Brandes~, ~Wackenroder~, ~Bley~. Dann (seit
  1874): Arch. d. Ph., Zeitschrift des deutschen Apothekervereins.
  Dritte Reihe B. CCI–CCXVII. 1872–1889. Red.: ~Ludwig~, ~E.
  Reichardt~. Vom Band CCXVIII wird nicht mehr nebenher auch in Reihen
  gezählt, sondern fortlaufend. Red.: ~E. Schmidt~ und ~Beckurts~. 1907
  ist B. CCXXXXV erschienen. Jetziger Titel: +Archiv der Pharmazie+,
  herausg. vom deutschen Apothekerverein (s. auch. Annal. d. Pharm.).

  +Annalen der Pharmazie+ (vereinigt aus Archiv d. Pharm. und Magazin
  d. Pharm.). Red.: ~Brandes~, ~Geiger~, ~Liebig~. B. I–X. 1832–1834.
  Fortgesetzt als:

  +Annalen der Pharmazie+ (vereinigt aus ~Trommsdorffs~ N. Journ.
  d. Pharm., Arch. d. Pharm. und Magazin für Pharmacie und
  Experimentalkritik). Red.: ~Trommsdorff~, ~Brandes~, ~Geiger~,
  ~Liebig~, ~Merck~, ~Mohr~. B. XI–XXXII 1834–1839. Fortgesetzt als:

  +Annalen der Chemie und Pharmacie.+ Red.: ~Wöhler~ und ~Liebig~. B.
  XXXIII–CLXVIII 1840–1873. Dann: ~Justus Liebigs~ A. d. Ch. u. Pharm.
  B. CLXIX–CLXXII (1873). Seit 1874: ~Justus Liebigs~ +Annalen der
  Chemie+. 1907 ist der 353. Band erschienen.

  ~Buchners~ +Repertorium+, gegr. 1815 als +Repertorium für die
  Pharmacie+, begonnen von ~Gehlen~. Red.: ~J. A. Buchner~. 50
  B. 1815–1834, zweite Reihe 50 B. 1835–1848, dritte Reihe 10 B.
  1849–1851. Im Ganzen 110 Duodezbändchen. Fortgesetzt in größerem
  Format als: +Neues Repertorium für Pharmacie+. 25 B. 1852–1876.

  +Vierteljahrsschrift für praktische Pharmacie+, gegr. 1852. Red.: ~G.
  C. Wittstein~. B. I–XXII 1852–1873.

  +Berichte der pharmazeutischen Gesellschaft+ (Berlin), gegr. 1891;
  von 1896 an: Ber. d. deutsch. pharmazeut. Gesellschaft, herausg.
  vom Vorstande. 1907 erschien der 17. Jahrg. Die Gesellschaft gibt
  seit 1895 auch +Berichte über die pharmakognostische Literatur aller
  Länder+ heraus (s. S. 252).

  +Journal de pharmacie et de chimie+ (Paris), gegr. 1815 unter dem
  Titel: Journal de pharmacie et des sciences accessoires. B. I-XXVII
  1815–1841. Wird, da ein Bulletin de pharm. et des scienc. access.
  1809–1814 voranging, jetzt meist als zweite Serie gezählt, obwohl
  dies nicht auf dem Titel steht. Dann von 1842 an als: Journal de
  pharmac. et de chimie, dritte Serie, B. I–XLVI 1842–1864; vierte
  Serie, B. I–XXX 1865–1879; fünfte Serie, B. I-XXX 1880–1894; sechste
  Serie (B. I 1895) noch laufend. 1907 erschien B. XXV und XXVI. Red.:
  ~Bourquelot~.

  +Bulletin des sciences pharmacologiques+ (Paris), gegr. 1899. Jährl.
  2 Bände. 1907 erschien T. XV u. XVI. Red.: ~Perrot~. (Berücksichtigt
  die Pharmakognosie eingehend.)

  +Pharmaceutical Journal and Transactions+, gegr. 1841 von ~Jacob
  Bell~. Erste Serie 1841–1859 18 B.; zweite Serie 1859–1870 11
  B.; dritte Serie 1870–1895 25 B. Von 1895 an lautet der Titel:
  +Pharmaceutical Journal+. Vierte Serie von 1895 an. 1907 erschien
  der 25. B. (d. 79. B. der ganzen Folge). Official Organ of the
  Pharmaceutical Society in London. Red.: ~J. Humphrey~.

  +Nederlandsch Tijdschrift voor Pharmacie en Toxicologie+, gegr.
  1849 als: Tijdschrift voor wetenschappelijke Pharmacie benevens
  mededeelingen over Chemie, Pharmacie en Pharmacognosie van het
  planten- en dierenrijk («~Haaxmanns~ Tijdschr.»). Red.: ~P. J.
  Haaxmann~. 19 B. 1849–1867 (in vier Serien). Dann: Nieuw Tijdschr.
  voor de Pharmacie in Nederland 1868–1888. 21 B. Dann: Nederl.
  Tijdschr. voor Pharmacie, Chemie en Toxicol. 1889–1901. Red.: ~Wefers
  Bettinck~ und ~Guldensteeden Egeling~. 1902 mit Pharmac. Weekbl.
  (s. d.) verschmolzen.

  +Pharmaceutisch Weekblad+, gegr. 1863 von ~Opwijrda~. Bis 1901 38
  Jahrgänge. Dann (1902) mit Ned. Tijdschr. (s. d.) verschmolzen.
  1907 erschien der 44. Jahrg. Titel: +Pharmaceutisch Weekblad
  voor Nederland+. Tijdschrift voor Apothekers en Apotheekhondende
  Geneeskundigen. Red.: ~van Itallie~, seit 1907 ~van der Wielen~.

  +Zeitschrift des Allgem. Österreichischen Apotheker-Vereins+ (Wien),
  gegr. 1846 als Österreich. Zeitschr. für Pharmazie (bis 1862). 1907
  erschien der 45. Jahrg. (der ganz. Serie 61 B.). Red.: ~Sicha~.

  Die Abhandlungen und Vorträge daraus, die oft pharmakobotanische
  Themata behandeln, erscheinen auch seit 1900 gesondert als
  +Österreichische Jahreshefte für Pharmazie und verwandte
  Wissenszweige+.

  +Pharmazeutische Praxis+ (Wien), gegr. 1902. Red.: ~Longinovits~.
  1907 erschien der 5. Jahrg. (berücksichtigt die Pharmakognosie
  eingehend).

  +Schweizerische Wochenschrift für Pharmazie+, gegr. 1848 als Mitteil.
  d. Schweiz. Apothekerver. 4. Jahrg. 1848–1854, fortgesetzt als
  Schweiz. Zeitschrift für Pharmazie, B. I–VII (oder XI d. Mitteil.)
  1856–1862. Dann von 1863 an: Schweiz. Wochenschrift für Pharmazie,
  B. I–XXIX (oder XL d. Mitteil.) 1863–1891. Von 1892 an: +Schweiz.
  Wochenschrift für Chemie und Pharmazie+. 1907 erschien der B. XLIV
  (d. sämtl. Vereinspublikat. LIV. B.).

  +Pharmazeutische Zeitschrift für Rußland+, gegr. 1861 von
  ~Casselmann~, herausg. von d. pharmaz. Ges. in St. Petersburg, von
  1898 an russisch unter dem Titel: Russki Pharmazewticeski Journal
  Peterburg. Red.: ~Klinge~.

  Pharmazewt Moskau.

  Pharmaçewtiçeski Westnik. Moskau.

  +Giornale di Farmacia+, chimica e scienze accessore, gegr. 1824, bis
  1834 19 B. Fortgesetzt als: Biblioteca di farmacia 1834–1845 und
  als: Annali di chimica applicata 1845–1884 und Annali di chimica
  medico-farmaceutica 1885 und endlich (von 1885 an) als: +Annali di
  chimica e di farmacologia+.

  +Bolletino Chimico farmaceutico+ (Milano), gegr. 1861 von ~Pietro
  Viscardi~. 1907 erschien Vol. 46. Direktor: ~Vitali~. Red.:
  ~Castoldi~.

  +l’Orosi+, Bolletino (Giornale) di chimica, farmacia e
  scienze affini, gegr. 1878, herausg. von der Associazione
  chimico-farmaceutica fiorentina.

  +Giornale di Farmacia+ (Triest), gegr. 1895.

  +Journal de pharmacie d’Anvers+, gegr. 1844.

  +Bulletin de la société royale de Pharmacie de Bruxelles+, gegr. 1856.

  +Annales de Pharmacie+ (Louvain), gegr. 1894. Red.: ~Ranvez~.

  +American Journal of Pharmacy+ (Philadelphia), publ. by the
  Philadelph. college of pharm., gegr. 1829. 1907 erschien der 79.
  Band. Red.: ~Kraemer~.

  +Drugs and Medicines of North America+, a Quarterly, Cincinnati,
  gegr. 1885. Red.: ~J. U. Lloyd~ und ~C. G. Lloyd~.

  +Journal of pharmacology+ (New York), gegr. 1893.

  +Pharmazeutische Rundschau+ (New York), gegr. 1882. Red.: ~Fr.
  Hoffmann~, von B. XIV (1896) an englisch als +Pharmaceutical Review+.
  Red.: ~E. Kremers~.

  +The Pacific Pharmacist+ (San Francisco), gegr. 1907.

  Revista Sud-Americana de Cicucias Médicas y farmacéuticas (Buenos
  Aires), gegr. 1903. Red.: ~Dessy~.

  +Archiv for Pharmaci og Chemi+ (Dänisches), gegr. 1844 als Archiv for
  Pharmaci, später 1868: Ny Pharm. Tidende, seit 1893 als Archiv for
  Pharm. og chemi. 1907 erschien B. 14 (d. 64. B. der ganzen Serie).
  Red.: ~Klöcker~.

  Farmaceutisk Tidskrift (Stockholm).

  +Den norske Apotheker forenings Tidsskrift.+

  Upsala läkare forenings Förhandlingar.

  Tidsskrift for Apothekervaesen, gegr. 1892.

  +Nordisk Farmaceutisk Tidskrift+ (Copenhagen), gegr. 1893.

  Archiv for Pharmaci ag technisk Chemi.

  +Farmaceutiskt Notisblad+ (Helsingfors), gegr. 1891.

  +Tidsskrift for Kemi, Farmaci og Terapi. Pharmacia+ (Kristiania),
  gegr. 1904. Red.: ~Koren~.

  +Buletinul farmaceutic+ (Bukarest), gegr. 1896.

  +Journal of the pharmaceutical society+ of Japan (nur der Titel und
  der Index englisch, sonst japanisch).

  +Jahrbuch für praktische Pharmacie und verwandte Fächer+,
  herausg. von d. Pfälzischen Ges. f. Pharm. und Technik und deren
  Grundwissenschaften, gegr. 1838. Red.: ~Herberger~ und ~Winckler~.
  (Zweite Folge von 1841 an.) Vom B. XVIII an: Zeitschr. d. allgem.
  teutschen Apotheker-Vereins, Abt. Süddeutschland. Red.: ~Hoffmann~
  und ~Winckler~. Abgeschlossen mit B. XXVII (der neuen Folge B.
  XXIV), fortgesetzt von 1854 an als: +Neues Jahrbuch für Pharmacie
  und verwandte Fächer+. Red.: ~Walz~ und ~Winckler~, von 1863–1874.
  Red.: ~Vorwerk~. (Zuletzt als: Zeitschr. d. Allgem. Deutsch.
  Apothekervereins.) 1874 eingegangen.

  +Allgemeine pharmazeutische Zeitschrift+, gegr. 1843 von ~Artus~;
  von 1862–1864: Allgem. Zeitschr. f. Pharmazie, Pharmakologie u.
  Toxikologie. 1864 eingegangen.

  +Pharmazeutische Zentralhalle für Deutschland+, gegr. 1859. Red.:
  ~H. Hager~; von 1880 an Red.: ~Hager~ und ~Geissler~. 1880 erschien
  der neuen Folge erster Band (= XXXI. Jahrg.); von 1896 an Red.:
  ~Schneider~, dann ~Schneider~ und ~Süss~. 1907 ist der B. XLVIII (der
  neuen Folge B. XXVIII) erschienen.

  +Zeitschrift für Nahrungsmittel-Untersuchung, Hygiene und Warenkunde+
  (Wien), gegr. 1886. Red.: ~Heger~. Eingegangen.

  +Forschungsberichte über Lebensmittel und ihre Beziehungen zur
  Hygiene, über forense Chemie und Pharmakognosie+, gegr. 1894. Red.:
  ~Hilger~. Fortgesetzt als: Zeitschr. f. Unters. der Nahrungs- und
  Genußmittel, sowie der Gebrauchsgegenstände, gegr. 1898. 1907
  erschien der X. Band. Red.: ~Bömer~.

  +Pharmazeutische Zeitung+ (Berlin), gegr. 1855 von ~H. Müller~
  in Bunzlau. Jetzt in Berlin. Red.: ~Böttger~. 1907 erschien der
  52. Jahrg. Die +Pharmazeutische Zeitung+ brachte früher wertvolle
  pharmakognostische Berichte aus dem Auslande (~Husemann~), jetzt
  berücksichtigt sie auch die Pharmakognosie in den «+Pharmazeut.
  Monatsberichten+».

  +Pharmazeutische Post+ (Wien), gegr. 1868 von ~A. Hellmann~. 1907
  erschien der 40. Jahrg. Red.: ~Heger~.

  +Süddeutsche Apotheker-Zeitung+ (Stuttgarter) seit 1886, begr. 1860
  als Pharm. Wochenbl. Red.: ~Fr. Kober~. 1907 erschien der 37. Jahrg.

  +Pharmaceutische Wochenschrift+, begr. 1883.

  +Apotheker-Zeitung+ (Berliner), mit gutem Repertorium (~Beckurts~),
  herausg. vom deutschen Apotheker-Verein, gegr. 1885. Red.: ~Wobbe~.
  1907 erschien der 22. Jahrg.

  +Journal der Pharmazie von Elsaß-Lothringen+, gegr. 1873 als +Journal
  de pharmacie d’Alsace-Lorraine+. 1907 erschien der 34. Jahrg.

  +Répertoire de Pharmacie+, Archives de Pharmacie et journal de chimie
  médicale réunis, gegr. 1844, neue Serie 1874. 1876 wurde das Repert.
  de Pharm. mit dem 1825 gegründeten Journal de chimie médicale, de
  pharm. et de toxicologie vereinigt. Red.: ~Crinon~. 1907 erschien der
  3. Serie 19. B.

  +Les nouveaux remèdes+ (Paris), gegr. 1884.

  +Chemist and Druggist+ (London), gegr. 1859. 1907 erschien Vol. LXX.
  Red.: ~Mac Ewan~. (Wichtig für die englischen Handelsverhältnisse der
  Drogen.) +Chemist and Druggist+ of Australasia (seit 1878).

  +Western Druggist+ (Chicago), gegr. 1868 als Pharmacist and chemical
  record, 1873–1887 Pharmacist.

  +American Druggist+ and Pharmaceutical Record. Americas Leading Drug
  Journal, New York, gegr. 1871. 1908 erschien der 37. Jahrg. Vol. LII.
  (Darin viele Mitteil. über den amerikan. Drogenmarkt).

  +New Remedies+ (New York).

  +Bulletin of the Lloyd-library+ of botany, pharmacy and meteria
  medica, seit 1900 zwanglose Bulletins. In drei Serien: Reproduction
  S. (historisch), Mycological S. und Pharmacy S., bis 1907 sind 9
  Bulletins erschienen.

         *       *       *       *       *

  +Gyógyszerészi Folyóirat.+ A magyar országi gyógyszerészegylet
  értesitöje. (Pharmazeutische Zeitschrift, Berichte der ungar. pharm.
  Gesellschaft.) Budapest, seit 1906. Red.: ~Deér~.

  +Gyógyszerészi Hetilap+ (Pharmazeutische Wochenschrift). Budapest,
  seit 1862. Red.: ~Varsagh~.

  +Gyógyszerészi Közlöny+ (Pharmazeutische Mitteilungen). Budapest,
  seit 1885. Red.: ~Karlowszky~.

  +Gyógyszerészi Értesitö+ (Pharmazeutische Berichte). Budapest, seit
  1893. Red.: ~Lukács~.

  +A Gyógyszerész+ (Der Apotheker). Budapest, seit 1898. Red.: ~Grosz~.

         *       *       *       *       *

  +Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft+ («Berliner
  Berichte»), gegr. 1868. 1907 erschien B. 40.

  +Bulletin de la Société chimique de Paris+, gegr. 1861 als Bulletin
  des séances de la sociéte chimique de Paris. Die dritte Serie des
  Bulletin de la soc. chim. beginnt 1889.

  +Proceedings of the chemical society of London+, gegr. 1843. Von 1862
  an: +Journal of the chemical society+.

  +Proceedings of the american chemical Society+, gegr. 1877. Von 1879
  an: +Journal of the american chemical Society+.

  +Journal of the Society of chemical industry+ (London), gegr. 1882.

  +American chemical journal+, gegr. 1870. Red.: ~Ira Remsen~.

  +Chemiker-Zeitung+ (Cöthener), gegr. 1877 als Allgem.
  Chemiker-Zeitung von ~G. Krause~. 1907 erschien der 30. Jahrg.

  +Österreichische Chemiker-Zeitung+ (Wien) [Dr. ~Heger~], früher:
  Zeitschr. f. Nahrungsmittelunters. usw. (s. oben).

  +Annales de chimie et physique+, gegr. 1789 als Annales de chimie.
  Red.: ~Lavoisier~, ~Berthollet~, ~Fourcroy~ usw. Von 1817 an: Annales
  de chimie et physique.

  ~Poggendorffs~ +Annalen+, gegr. 1790 als Journal der Physik von
  ~Gren~, dann 1794–1798: Neues Journal der Physik, dann 1798–1818 als
  Annalen der Physik. Red.: ~Gilbert~. 1819–1824 als Annalen der Physik
  und physikalischen Chemie (~Gilberts~ Annalen) geführt. Von 1824 an
  (Red.: ~Poggendorff~; dann ~Wiedemann~): +Annalen der Physik und
  Chemie+.

  +Zeitschrift für angewandte Chemie+, gegr. 1887. 1907 erschien der
  20. Jahrg. Red.: ~Rassow~.

  +Zeitschrift für analytische Chemie+, gegr. 1862 von ~R. Fresenius~.
  1907 erschien der 46. Jahrg.

  +Annales de Chimie analytique appliquée à la Pharmacie etc.+, gegr.
  1896. Red: ~Crinon~.

  +Monatshefte für Chemie+ und verw. Teil. and. Wissensch. (Aus den
  Sitzungsber. d. Wien. Akad.), gegr. 1880.

  ~Hoppe-Seylers~ +Zeitschrift f. physiologische Chemie+, 1907 erschien
  B. 49.

  +Biochemische Zeitschrift+ (Berlin), gegr. 1906. Red.: ~Neuberg~.

  +Biochem. Centralblatt+ (Centralbl. f. d. Ges. Biologie).
  Vollständiges Sammelorgan für die Grenzgebiete d. Medizin und Chemie.
  Red.: ~Oppenheimer~. 1908 erschien d. Band VII.

  +Chemical News+, gegr. 1843 als Chemical Gazette. Von 1860 an:
  Chemical News.

  +Gazetta chimica italiana+, gegr. 1871 von ~Paterno~.

         *       *       *       *       *

  ~Dinglers~ +polytechnisches Journal+, gegr. 1820 von ~Joh. Gottf.
  Dingler~. 1831 trat ~E. M. Dingler~ in die Redaktion, später:
  ~Zeman~, ~Ferd. Fischer~, ~Hollenberg~, ~Kast~.

  ~Ed. Hanauseks~ Zentralorgan für Warenkunde und Technologie.
  Stuttgart 1891.

  +Die Warenkunde.+ Zeitschr. f. Handel, Industrie und Gewerbe, gegr.
  1906. ~Wangen~, ~Stange~.

         *       *       *       *       *

  +Botanisches Zentralblatt+, gegr. 1879 von ~Uhlworm~, jetzt nur
  referierend, Organ der Association internationale des botanistes.
  1907 erschien der 104. B.

  +Jahresberichte der Vereinigung für angewandte Botanik+, gegr. 1902.
  Jährlich ein Band.

  Zeitschrift f. angewandte Mikroskopie, gegr. 1894. Red.: ~Marpmann~.

  +Zeitschr. f. wissenschaftl. Mikroskopie.+

  ~Englers~ botan. Jahrbücher.

  Zentralblatt für Bakteriologie.

  Chemische Revue über die Fett- und Harzindustrie, gegr. 1893.

  Auch andere Spezialgebiete haben ihre Zeitschriften, wie Kautschuk
  und Guttapercha (Zeitschr. f. Chem. und Industrie d. Kolloide,
  Gummizeitung [Dresden] u. and.), der Zucker, die Stärke usw. Die
  den tropischen Kulturen gewidmeten Zeitschriften sind im Kapitel
  Pharmakoërgasie (S. 74) zu finden.

Vielfach findet man pharmakognostisch Interessantes auch in den
Berichten, Mitteilungen, Abhandlungen, Transactions, Journals,
Proceedings, Bulletins der verschiedenen +geographischen+
Gesellschaften, in ~Petermanns~ Geograph. Mitteilungen, dem Globus, den
Journalen der einzelnen Zweige (branches) der Royal Asiatic Society, im
Geographical Magazine u. a.


Zeitschriften, in denen sich die Geschichte der Pharmakognosie
betreffende Arbeiten finden.


Ältere Zeitschriften:

  Arch. f. d. Geschichte d. Arzneykunde von ~Wittwer~ 1790.

  Beitr. z. Gesch. d. Arzneiwissensch. von ~Sprengel~ 1794–1796.

  ~Janus~, Zeitschr. f. Geschichte u. Literat. d. Medizin (~Henschel~)
  1846–1853.

  Deutsch. Arch. f. Gesch. d. Med. v. ~Rohlfs~ 1878–1885.


Neuere Zeitschriften:

  Mitteil. z. Geschichte d. Medizin u. d. Naturwissenschaften, seit
  1901. Red.: ~Kahlbaum~ u. ~Sudhoff~, jetzt ~Gunther~ u. ~Sudhoff~.

  ~Janus~, Arch. internat. pour l’histoire de la médecine etc., seit
  1896. Red.: ~Nieuwenhuis~ und ~van Leersum~.

  Abhandl. z. Geschichte d. Medizin von ~Magnus~, ~Neuburger~ und
  ~Sudhoff~.

  Bulletin de la soc. franc. pour l’histoire de la médicine Paris.

  La Revue historique et médicale Paris, seit 1904.

  Medical Library and Historical Journal New York, seit 1903.

  +Archiv für Geschichte der Medizin+, herausgegeb. von der
  ~Puschmann~-Stiftung. Red.: ~Sudhoff~, in zwanglos. Heften seit 1907.

  +Studien zur Geschichte der Medizin+, herausgegeb. von der
  ~Puschmann~-Stiftung. Red.: ~Sudhoff~, in zwanglos. Heften seit 1907.

  ~Kobert~, Histor. Studien. Zwanglose Hefte, erschienen sind 1–4.

  In ~Virchows~ +Jahresber. d. ges. Medizin+ befindet sich ein
  ständiger Abschnitt: +Geschichte d. Medizin+ (z. Z. Red.: ~Pagel~).

Ferner werden historische Arbeiten publiziert besonders in: Pharmaz.
Post (Wien), Apotheker-Zeitung (Berlin), Pharmac. Zeit, Süddeutsche
Apotheker-Zeitung, Pharmaceutical Review, Journ. de pharm. et de
chimie, France médicale, Pharmacia (Christiania), Schweiz. Wochenschr.
f. Chem. u. Pharm., ~Rebers~ Fortschritt (eingegangen) u. a.


2. Jahresberichte.

  +Jahresbericht der Pharmazie+, gegr. 1841 als Jahresber. über d.
  Fortschritte d. ges. Pharmacie u. Pharmakologie im In- und Auslande.
  Red.: ~Dierbach~ und ~Martius~. Separatabdr. für Pharmazeuten aus
  ~Canstatts~ Jahresber. über d. Fortschr. d. ges. Med. Fortgesetzt
  als: Jahresber. über d. Fortschr. d. Pharmacie in allen Ländern.
  B. II–IX 1842–1849. Dann: ~C. Canstatts~ Jahresber. über d.
  Fortschr. in d. Pharmacie. B. X–XXV 1849–1865. Red.: ~Scherer~,
  ~Wiggers~, ~Heidenreich~, ~Eisenmann~ u. a. Dann: Jahresber. über d.
  Fortschritte der Pharmakognosie, Pharmazie und Toxikologie. B. I–XXIV
  1866–1889. Red.: ~Wulfsberg~, ~Dragendorff~, ~Marmé~, ~Beckurts~.
  Seit 1890: +Jahresber. d. Pharmazie+, herausg. vom deutschen
  Apothekerverein. Red.: ~Beckurts~.

+Bericht über die pharmakognostische Literatur aller Länder+
(Jahresbericht), herausg. von der deutschen pharmazeut. Gesellschaft
(als Beilage zu den Berichten). 1907 erschien der Bericht für 1905.
Eine Zeitlang (z. B. 1898) berichtete ~Siedler~ in den Sitzungen der
Pharm. Ges. «über neu eingegangene Drogen».

  +Year-Book of pharmacy+ (British Pharm. Conference). A practical
  summary of researches in pharmacy, materia medica and pharmaceutical
  chemistry, gegr. 1865. Red.: ~Wood~ and ~Sharp~. 1907 erschien der
  42. Band (für 1906).

  +Proceedings of the American Pharmaceutical Association+, von 1856
  an mit wissenschaftl. Mitteilungen. Jetzt ein starker Band mit
  wissenschaftl. Originalarbeiten und einem Report of progress of
  pharmacy (Jahresbericht). 1907 erschien B. 54 (für 1906).

  +Jahresbericht der Botanik+ (~Just~), gegr. 1873 unter dem Titel:
  +Botanischer Jahresbericht+. Systematisch geordnetes Repertorium
  der botanischen Literatur aller Länder. Red.: ~Leop. Just~. Unter
  wechselnder Redaktion als ~Justs~ +botanischer Jahresbericht+ jetzt
  bis B. XXXIII (1905) vorgerückt. Enthält auch Abschnitte: Chemische
  Physiologie und Bericht über die pharmakognostische Literatur aller
  Länder.

  +Progressus rei botanicae+ seit 1907. Red.: ~Lotsy~.

  +Jahresbericht der Chemie+, gegr. 1822 als: Jahresber. über d.
  Fortschritte der physischen Wissenschaften. Red.: ~Berzelius~.
  Übers.: ~Gmelin~. B. I–XX 1822–1841. Fortgesetzt als: Jahresber. über
  d. Fortschritte der Chemie und Mineralogie. B. XXI–XXX 1842–1851 (die
  letzten Bände nach ~Berzelius~’ Tode von ~Svanberg~) -- meist als
  ~Berzelius~’ Jahresber. zitiert. Mittlerweile erschien seit 1847 der
  Jahresbericht über die Fortschritte der reinen, pharmazeutischen und
  technischen Chemie. Red.: ~Liebig~ und ~Kopp~. B. I–IX 1847–1856,
  der von 1858 an den Titel +Jahresbericht über die Fortschritte
  der Chemie und verwandter Teile anderer Wissenschaften+ führt und
  zunächst von ~Kopp~ und ~Will~ herausgegeben wurde, dann unter
  wechselnder Redaktion bis heute fortgeführt wird. 1907 erschien der
  Bericht über 1900 von ~Bodländer~, ~Kerp~ und ~Troeger~ -- meist als
  ~Liebig-Kopps~ Jahresber. zitiert.

  +Jahrbuch der Chemie+ (~Rich. Meyers~), gegr. 1890. Red.: ~Rich.
  Meyer~. 1907 erschien 17. Jahrg. Jährlich ein Band.

  ~Schmidts~ +Jahrbücher+ d. ges. Medizin enthalten auch Referate über
  Drogen.


3. Institutspublikationen.

  +Untersuchungen aus dem pharmazeut. Institute der Universität
  Dorpat.+ 1864–1894. Dir.: ~Dragendorff~ (vorwiegend
  pharmakochemisch). In verschiedenen Zeitschr., z. B. Arch. d. Pharm.,
  Pharm. Zeitschr. f. Rußl. Verzeichnis der Arbeiten in letzterem
  Journal 1895 und in ~Kobert~, Histor. Studien III 1893.

  Arbeiten aus dem pharmazeut. Laboratorium d. Universität +Moskau+.
  Dir. ~Tichomiroff~. Ausschließlich pharmakobotanisch.

  +Arbeiten aus dem pharmazeut.-chemischen Institut der Universität
  Marburg+ (Sep.-Abd. aus Arch. d. Pharm.) seit 1886. Dir.: ~Ernst
  Schmidt~. Ausschließlich chemisch, aber auch für die Pharmakognosie
  wertvoll.

  +Arbeiten aus dem pharmazeutischen Institut in Straßburg.+ Dir.:
  ~Schär~ (meist im Arch. d. Pharm. u. anderwärts). Pharmakobotanisch
  und pharmakochemisch.

  +Arbeiten aus dem pharmazeut. Institut Berlin.+ Dir.: ~Thoms~. Seit
  1904 4 B. (vorwiegend chemisch).

  +Mitteil. aus dem pharmazeut. Institut der techn. Hochschule
  Braunschweig.+ Dir.: ~Beckurts~. Vertreter der Pharmakognosie:
  ~Linde~.

  Mitteilungen aus dem pharmazeutischen Institut der Universität
  Breslau. Dir.: (~Poleck~, jetzt:) ~Gadamer~.

  +Arbeiten aus dem pharmazeut. Institut der Universität Bern+
  seit 1890. Dir.: ~A. Tschirch~. +Sowohl pharmakochemisch wie
  pharmakobotanisch+. Die chemischen als Sep.-Abdr. aus d. Arch. d.
  Pharm. 4 B. Die botanischen (reich illustriert) erscheinen separat,
  bis 1907 7 B. Die «Indischen Fragmente» erschienen im Arch. d.
  Pharm. 1890 u. flgd. Die «Kleinen Beiträge zur Pharmakobotanik und
  Pharmakochemie»in der Schweiz. Wochenschr. 1897 u. flgd. (bis 1908
  XVI).

  +Arbeiten aus der pharmazeut. Abteilung des eidgenöss. Polytechnikums
  in Zürich.+ Dir.: ~Hartwich~. In verschiedenen Zeitschriften.
  Pharmakobotanisch und pharmakochemisch.

  +Museum of the Pharmaceutical Society+ of Great Britain. (London.)
  Der Curator ~Holmes~ veröffentlicht (meist im Pharm. Journ.) Berichte
  über die Eingänge und wissenschaftlichen Arbeiten. Der letzte +Museum
  Report+ (London 1903) umfaßt 1903–1906.

  +Wellcome chemical research laboratories+ (London). Dir.: ~Power~.
  In zwanglosen Heften, wertvolle pharmakochemische Arbeiten. 1907
  erschien Nr. 61.

  +Mitteil. aus dem pharmakologisch-pharmakognost. Institut der K. K.
  Universität Wien.+ Ehem. Dir.: ~Vogl~. Meist in der Zeitschr. d.
  Österr. Apotheker-Ver. Nur pharmakobotanisch.

  +Chemisches Laboratorium der K. K. Miltär-Sanitäts Komitees in Wien.+
  Dir.: ~Kratschmer~ (Mitteil. bes. von ~Em. Senft~).

  +Mitteil. aus d. pharmakologisch-pharmakognost. Institut der
  Universität Graz.+ Dir.: ~Moeller~. Meist in der Zeitschr. d. Österr.
  Apotheker-Ver. Nur pharmakobotanisch.

  +Mitteil. aus d. Laboratorium f. Warenkunde an d. Wiener
  Handelsakademie.+ Dir.: ~Ed. Hanausek~.

  +Pharmakognostisches Institut+ der deutsch. Universität Prag. Dir.:
  ~Pohl~.

  +Annales de l’institut colonial de Marseille+, gegr. 1892. Jedes Jahr
  ein Band mit Abbild. Bis jetzt (1906) 14 Bände. Red.: ~Ed. Heckel~.
  Pharmakobotanisch, reich illustriert. Wichtig für die Kolonialbotanik.

  +Ecole supérieure de pharmacie Paris+, Travaux du laboratoire de
  matière médicale de l’école supérieure de pharmacie de Paris.
  Dir.: ~Perrot~. Bis 1907 4 B. mit vielen Figuren. Ausschließlich
  pharmakobotanisch, reich illustriert.

  --, Travaux du laboratoire de chimie galenique. Dir.: ~Bourquelot~
  (im Journ. de pharm. chim. u. anderwärts). Ausschließlich
  pharmakochemisch.

  +Thèses de l’école supérieure de pharmacie+ (Université de Paris).

  Die älteren sind aufgeführt in: ~P. Dorveaux~, Catalogue des thèses
  soutenues devant l’école de pharmacie de Paris 1815–1889. Paris 1891
  und ~P. Dorveaux~, Catalogue des thèses de pharmacie soutenues en
  province 1803–1894 (mit Anhang zu vorstehendem Katalog der Pariser
  Thesen).

  +Ecole supérieure de pharmacie Montpellier+ Thèses et Travaux. (Jetzt
  besonders: ~Louis Planchon~).

  +Laboratoire de matière médicale, Université de Toulouse.+ Dir.:
  ~Braemer~.

  +Laboratoire de matière médicale.+ Nancy (früher: ~Schlagdenhauffen~).

  +Travaux du laboratoire de chimie appliquée+ à l’industrie des
  résines à l’Université de +Bordeaux+. Dir.: ~Vèzes~ (meist in der
  Rev. commerc.).

  Arbeiten des +pharmazeut. Institutes der medizin. Fakultät der
  kaiserl. Univers. Tokyo+ in Japan, werden teils in Journal of the
  Tokyo Chemical Society, teils im Arch. d. Pharm., teils anderwärts
  publiziert.

         *       *       *       *       *

  +K. botan. Garten und Museum Berlin+, Notizblatt, in zwanglos. Heften
  seit 1895 und +Jahrbuch des botan. Gartens u. botan. Museums zu
  Berlin+. Bisweilen auch pharmakobotanisch.

  +Kais. Gesundheitsamt Berlin+ gibt aufklärende Schriften über
  Nahrungs- und Genußmittel heraus. In den «Mitteilungen» und
  «Arbeiten» auch pharmakognostisches (z. B. von ~Busse~).

  +Berichte über Land- und Forstwirtschaft in Deutsch-Ostafrika+
  (biolog.-landwirtsch. Institut Amani), gegr. 1905.

  +Arbeiten der biologischen Abteilung für Land- und Forstwirtschaft+,
  früher (seit 1900) am Kais. Gesundheitsamte, jetzt: Reichsamt für
  Land- und Forstwirtschaft. Berlin. 1906 erschien B 5.

  +Annales du Musée du Congo+ (Bruxelles-Tervueren) publié par ordre du
  secrétaire d’état seit 1903. Fol. mit schönen Tafeln.

  +Recueil de l’institut botanique de l’université de Bruxelles.+ Ehem.
  Dir.: ~Errera~ (enthält auch pharmakogn. Interessantes).

  +Bulletin van het Koloniaal Museum te Haarlem+, begr. von ~van
  Eeden~. Herausgeb.: ~Greshoff~. Mit Abhandlungen und wertvollen
  Monographien.

  Auch die Maatschappij van Nijverheid gibt (durch das Koloniaal
  Museum) Monographien (Beschrijvende Catalogus) heraus (vgl. S. 239).

  +Gouvernements Kina Onderneming+ in de Residentie
  Preanger-Regentschappen (Java). Jaarverslag, jährlich ein Heft mit
  Tafeln. Quartalsberichte über den Stand der Chinaunternehmungen im
  Javasche Courant.

  +Depart. van Landbouw+, Batavia, gibt Berichte und Mededeelingen
  heraus. Dir.: ~Treub~.

  +Slands plantentuin+ Buitenzorg. Dir.: ~Treub~ (steht jetzt unter
  dem Dep. van Landbouw). Annalen, Verslag und Mededeelingen des
  botanischen Institutes und botan. Gartens in Buitenzorg (Java). Von
  den Annales du Jardin botan. de Buitenzorg erschien 1907 der 6. B.
  der 2. Serie. In Buitenzorg besteht auch ein phytochemisches und ein
  agrikulturchemisches Laboratorium. Daraus: Pharmakochemische Arbeiten
  aus den Laboratorien des Buitenzorger Gartens (~Greshoff~, ~Boorsma~,
  ~Romburgh~, ~Tromp de Haas~).

  +Kew Gardens+ (London), Bulletin of Royal Kew Gardens, Bulletin of
  miscellaneous information. -- «Kew Bulletin».

  +Imperial Institute+, London. Gibt Bulletins heraus. 1906 erschien
  Vol. III.

  Departement of Land Rec. and Agric., Allahabad (Indien) gibt
  Bulletins heraus, ebenso zahlreiche andere Provinzial Departments of
  Agriculture in Vorderindien.

  Museum of economic products and arts in Calcutta, Reporter on
  economic products. Dir.: ~Hooper~, -- Agricultur Ledger.

  +Bulletin économique de l’Indo-Chine. Hanoï.+

  +United States Department of Agriculture+, Washington. Annual.
  Report. Das Bureau of chemistry, das B. of forestry, das B. of plant
  industry, das B. of botany u. a. geben in zwangloser Folge Bulletins
  heraus, die oft pharmakognostisch Interessantes enthalten.

  +Instituto agronomico do Estado de S. Paulo+ (Brazil) em Campinas,
  gibt ein Relatione annual heraus, das auch pharmakognostisch
  Interessantes enthält.

  +Bulletin of the College of Agriculture+ Tokyo (Japan). Englisch und
  deutsch, enthält oft pharmakogn. Interessantes.

  Den +Zucker+ betreffen: Mededeelingen und Jaarverslag, Proefstation
  Midden Java. -- Proefstation West Java. Kagok Pekalongan. --
  Proefstation Oost Java. -- Archiev voor de Java Suikerindustrie. --
  Jaarboek voor suikerfabrikanten Ost Java.


4. Handelsberichte u. dgl.

  +Handelsbericht von+ ~Gehe & Co.~, Dresden, gegr. 1872 unter dem
  Titel «Droguenberichte»; früher jährlich zweimal, jetzt jährlich
  einmal erscheinend.

  Monatliche Liste von ~Julius Grossmann~, Hamburg, mit angehängten
  Notizen (wichtig für die Großhandelsverhältnisse).

  +Geschäftsbericht von+ ~Caesar~ & ~Loretz~ in Halle a./S.; jährlich
  ein Heft (wichtig besonders für die Wertbestimmungen).

  +Bericht von+ ~Schimmel~ & ~Co.~, Fabrik ätherischer Öle. Leipzig
  (jetzt Miltitz bei Leipzig); jährlich 2 Hefte, seit dem Anfang der
  achtziger Jahre mit wissensch. Mitteil.

  +Bericht von+ ~Heinrich Haensel~, Fabrik äther. Öle, Pirna; jährlich
  4 Hefte.

  Wissenschaftliche und industrielle Berichte von ~Roure-Bertrand~ fils
  in Grasse, gegr. 1900; jährlich 2 Hefte mit Abbildungen (deutsch und
  französisch).

  ~E. Merck~ (Darmstadt), Jahresbericht, gegr. 1886; jährlich ein Heft.

  ~Helfenberger~ +Annalen+, gegr. 1886 von ~E. Dieterich~; jährlich ein
  Heft (wichtig bes. für die Wertbestimmungen).

  ~Squibbs~ Ephemeris of materia medica, pharmacy and therapeutics.
  Brooklyn.

  Jahresberichte der ~Zimmer~schen Chininfabrik in Frankfurt a./M.

  ~Brückner, Lampe & Co.~, Jahres-Marktbericht über den Drogenhandel
  (in der Pharm. Zeit.). Jährlich ein Heft.

  ~Riedels~ +Berichte+ (Berlin). Ausgew. Arbeit. aus d. wissensch.
  Laborator.

  ~Evans sons, Lescher & Webb~ (London), Analytical Notes
  (Wertbestimmungen).

  ~Christy & Co.~ (London), New Commercial plants in illustrierten
  Heften seit 1878.

  ~Parke Davis & Co.~ (Detroit), Working Bulletin; kurze illustrierte
  Monographien.

  Vgl. auch S. 239.


5. Ausstellungsberichte.

  1. +Weltausstellungen+: Berichte über die +Wiener Weltausstellung+
  1873 (durch die österreichischen Gelehrten); über die Pariser 1867
  (durch ~Flückiger~). ~Flückiger~, Schweiz. Wochenschr. f. Pharm.
  Pharmaz. Reiseeindrücke (London, Paris) 1867. Pharmakogn. Umschau in
  der Pariser Ausstellung 1878 und Arch. d. Pharm. 1879. -- ~Paul~,
  ~Holmes~ and ~Passmore~, Univ. internat. Exhibition Paris 1878
  (London 1878). -- ~Schär~, Ausst. pharmaz. wichtig. Pflanzenprod.
  Amsterdam 1877. Arch. d. Pharm. 1878. -- ~Wittmack~, Nutzpfl. aller
  Zonen auf d. Pariser Weltausstellung 1878 (Berl. 1879). -- Über die
  Weltausstellung Paris 1878 ferner: Österreichischer Bericht über d.
  Weltausstellung in Paris 1878. -- ~Matsugata~, Le Japon à l’Exposit.
  univ. Paris 1878. -- ~Collin~, Exposit. internat. Paris 1900, in
  Journ. pharm. chim. 1900.

  2. +Kleinere Ausstellungen+: Report of the Madras exhibition 1855.
  -- Katalog der pharmakognostischen, pharmazeut. und chemischen
  Sammlung aus d. brasilian. Flora zur National-Ausstellung in Rio de
  Janeiro 1866. Wien 1868. -- ~H. Zippel~, Siamese exhibits of the
  Amsterdam exhibition of 1877. -- ~T. N. Mukharji~, A descriptive
  catalogue of Indian produce, contributed to the Amsterdam exhibition
  1883. Calcutta 1883. -- ~Ernst~, Exposicion nacional de Venezuela en
  1883, Carácas 1886. -- Reports of the Colonial and Indian Exhibition
  London 1886. -- ~Tschirch~, Die auf der südamerikan. Ausstellung
  in Berlin ausgestellten Drogen, Pharm. Zeit. 1887. -- ~M. Gürke~,
  Bericht über die Kolonialausstellung zu Berlin 1896. -- Catalogus
  der Nederlandsche West-Indische Tentoonstelling te Haarlem 1899.
  -- Descriptive catalogue of the exhibit of the Wellcome Chemical
  Research Laboratories at the internat. exposit. St. Louis 1904.
  London 1904. -- ~Perrot~, Les produits naturels du sol à l’exposition
  coloniale de Marseille. Rev. gén. d. sc. 1906.

  Auch die +internationalen pharmazeutischen Ausstellungen+ enthielten
  oft viel wertvolles Material. Über die Wiener 1883 berichteten ~Paul~
  und ~Passmore~.

  Selbst die +Kataloge+ der Ausstellungen sind schon interessant,
  z. B.: Catalogue of the contributions from India to the London
  exhibition 1862, Calcutta 1862. -- Catalogue der Cap-Ausstellung
  auf der Pariser Weltausstellung 1867 (engl.). -- ~Forbes Watson~,
  Catalogue of the Indian department Vienna exhibition 1873. --
  ~Guzman~, République de Salvador. Catalogue des Objects exposés etc.
  Paris 1878. -- Chine, Douanes maritimes impér. Catalogue spec. Expos.
  Paris 1878. -- Catalogue des prod. des colon. franç. (Expos. univers.
  Paris 1878). -- Queensland, Catalogue of exhibits. Expos. Paris 1878.
  -- Catalogus der Tentoonstelling van geneeskrachtige en nuttige
  planten te s’Gravenhage 1895. -- Catalogue général des produits
  exposés de l’exposition coloniale de Marseille 1906.

Diese +Ausstellungsberichte+ bilden eine wichtige Quelle der
Pharmakognosie. Einige der lehrreichsten der pharmakognostischen
Ausstellungskollektionen sind der Ecole supérieure de pharmacie in
Paris und dem Museum der Pharmaceutical society of Great Britain in
London erhalten geblieben.


6. Kongressberichte.

Internationaler botan. Kongreß London 1866. Eine gewisse Berühmtheit
hat für uns dieser Kongreß (und die International horticultur
exhibition in London 1866) erlangt, da auf ihm der Name «Cinchona»
statt «Tschintschona», wie ~Markham~ wegen der Aussprache des Namens
der Gräfin Anna von Chinchon [spr. Tschintschon] zu schreiben wünschte,
definitiv festgesetzt wurde.

Actes du Congrès international des botanistes à Amsterdam 1877 (hatte
eine Sektion Chinarinden). --

~F. Heim~, Compte rendu des travaux de la première Réunion
internationale d’Agronomie coloniale provoquée par la Société française
de colonisation. Paris 1906.

Ferner: die +Berichte über die internationalen pharmazeutischen
Kongresse+ (Braunschweig 1865, Paris 1867, Wien 1869, Petersburg 1874,
London 1881, Brüssel 1885, Chicago 1893, Brüssel 1898, Paris 1900 --
besonders die zwei letzten) und die Sektionen Pharmazie, Pharmakologie,
Pharmakognosie einiger medizinischer Kongresse (z. B. Moskau 1897).

Sodann sind wichtig: +Die Verhandlungen der Sektion Pharmazie der
Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte+, früher im «Tageblatt»
jetzt in den «Verhandlungen» publiziert (über sie berichtet auch
die pharm. Fachpresse eingehend). Zum ersten Male finden wir eine
selbständige +Sektion Pharmazie+ -- ~Joh. Bart. Trommsdorff~ war ihr
Begründer -- auf der Versammlung in Hamburg 1830, zum zweiten Male
in Jena 1836, dann 1837 in Prag, 1839 in Pyrmont, zuletzt 1841 in
Braunschweig. Nach 43jährigem Schlafe wurde sie dann 1884 in Magdeburg
neu in den Kreis der Sektionen eingefügt und ist seitdem zuerst in
der medizinischen, dann in der naturwissenschaftlichen Gruppe dauernd
erhalten geblieben. Sie trägt jetzt meist den Namen «Sektion Pharmazie
und Pharmakognosie».


7. Bibliographie.

Ansätze zu einer +Bibliographie der Pharmakognosie+ finden sich
bei ~Blumenbach~, ~Sprengel~, ~Grässe~, ~Jöcher~ und besonders in
~Pereira~, Elements of Materia medica 1857 (vgl. S. 219), dann in
~Flückigers~ Pharmakognosie (vgl. S. 225) und der Pharmacographia
(vgl. S. 222). Eine handschriftliche Bibliographie der Pharmazie (von
~Piper~ 1883) liegt in der Bibliothek der Pharmaceutical Society of
Great Britain in London. Besonders wertvoll ist der +Jahresbericht der
Pharmazie+ (S. 253) und der +Pharmakognostische Bericht der pharmazeut.
Ges. in Berlin+ (S. 248 u. 253).

Das im Abschnitt «Systeme der Pharmakognosie» (S. 216–245) mitgeteilte
kann als ein Versuch gelten, eine Bibliographie der Pharmakognosie,
soweit die selbständigen Werke in Betracht kommen, zu schaffen
(weiteres im historischen Teile) und was die in periodischen
Zeitschriften usw. erschienenen Publikationen betrifft, anzubahnen.

  Wichtig für uns ist ferner: Catalogue of scientific papers publ.
  in Periodicals and Transactions 1800–1873. Comp. by the Royal Soc.
  London 8 vol. and New Series for the years 1874–1883. 3 Vol. and
  supplement. 1867–1902. Wichtig besonders für die ältere Literatur,
  gibt aber nur die Titel. Die Ergänzung dazu ist: ~Bolton~, A select
  Bibliography of chemistry 1492–1892.

  International catalogue of scientific literature publ. for the
  internat. council by the Royal soc. London I. 1901. Bibliographie d.
  deutsch. naturwiss. Literatur, herausg. im Auftr. d. Reichsamt d.
  Innern vom deutsch. Bureau d. internat. Bibliogr. in Berlin I 1902 u.
  flgd.

~Pritzel~, Thesaurus litteraturae botanicae. 2. Aufl. Lips. 1872. --
~Jackson~, Guide to the literature of botany, including nearly 6000
titles not in ~Pritzel~. 1881. -- ~Jackson~, Vegetable technology, +a
bibliographphy of economic botany+ founded upon the collections of
~G. J. Symons~. 1882. -- ~Lindau~ et ~Sydow~, Thesaurus litteraturae
mycologicae et lichenologicae. Lips. 1907.

[Illustration: Fig. 293.

+Cosmas+ und +Damianus+, die Schutzheiligen der Pharmazie. Ausschnitt
aus einem Gemälde Tizians in Santa Maria della Salute in Venedig.]

+Spezialbibliographien+ erscheinen besonders in Amerika häufig in den
Publikationen der Lloyd Library, in Pharmaceutical Review u. and. (In
letzterem z. B. über Morphin, Santonin, Apiol usw.)

  +Bibliothekkataloge+: Katalog der +Flückigerbibliothek+ im
  pharmazeut. Institut der Universität Straßburg. 1904. -- (Katalog
  der) +Bibliothek der deutsch. pharmazeut. Gesellschaft+. 1903.
  -- +Catalogue of the library of the Pharmaceutical Society+
  of Great Britain by ~Knapman~. London 1901 (enthält auch
  den der Hanbury-Bibliothek). -- Katalog der +Bibliothek des
  Koloniaal-Museums+. Haarlem 1908. -- The +Lloyd Library+ of Botany,
  Pharmacy and Materia Medica. Bulletin nᵒ. 1 (1906). Cincinnati, Ohio.

Die älteste Universitätsbibliothek ist die von ~Thomas Bodley~ 1617
gestiftete Bodleian library in Oxford.

Die beste +Bibliothek+ pharmakognostischer Werke findet sich in der
1570 gegründeten Bibliothek der +Ecole supérieure de pharmacie+ in
Paris (Bibliothekar: ~Dorveaux~). Viele ältere Werke finden sich auch
in Straßburg (pharmazeut. Institut und Landesbibliothek), London
(Pharmac. Society of Great Britain), in der Bibliothek der Faculté de
Médecine in Paris, im Koloniaal Museum in Haarlem, in Bern (pharmazeut.
Institut) und Zürich (pharmazeut. Abteil. des Polytechnikums), sowie in
der Sammlung ~Reber~ in Genf.



                                   Wirken -- Leben und Kräfte wecken ist
                                   das Ziel! --


VIII. Der Unterricht in der Pharmakognosie.


Der erste Lehrer der Pharmakognosie war der Arzt ~Francesco Buonafede~,
der, Ende des XV. Jahrh. geboren, in Rom Medizin studiert hatte
und 1533 nach +Padua+ gekommen war. Er war der erste, der den
pharmakognostischen Unterricht an einer Universität organisierte (um
1549). Er hielt nicht nur eine +Lectura simplicium+, eine theoretische
Vorlesung, sondern auch an der Hand einer Drogensammlung und an dem
frischen Material eines botanischen (besonders Arzneipflanzen-) Gartens
eine +Ostensio simplicium+, ein Demonstrationskolleg (siehe auch
Pharmacomorphologia). In Padua war dann 1550–1562 der vortreffliche
Pharmakognost ~Gabriele Fallopio~ Lector simplicium, dann am
gleichen Orte ~Prospero Alpino~ (geb. 1553, † 1617)«Ostensore dei
Semplici»(~Rob. de Visiani~, +Memoria dell’ origine ed anzianità dell’
orto botanico di Padova+, Venezia 1839). Vornehmlich pharmakologische
Vorlesungen «de simplicibus» finden wir schon früher. So las z. B.
~Luca Ghini~ bereits 1534–1544 in Bologna de simplicibus.

In der Folgezeit scheint das Beispiel ~Buonafedes~ nicht überall
befolgt worden zu sein. Doch finden wir im XVII. und XVIII. Jahrh.
überall Ärzte, die schlecht und recht bei Gelegenheit der Besprechung
der Arzneimittel auch die Drogen in den Vorlesungen behandelten,
aber nicht immer mit Zuziehung von Demonstrationsmaterial in Gestalt
einer Drogensammlung. Die «Vires», die «virtus» der Droge, d. h.
das pharmakologische, waren die Hauptsache, die Droge selbst trat
zurück. Erst ~N. Lémery~ (geb. 1635, † 1715) und ~Steph. Franc.
Geoffroy~ (geb. 1673, † 1731) können wir wieder als eigentliche
Professoren der Pharmakognosie ansprechen und noch lange nach ihnen
blieb die Pharmakognosie in den Händen der Ärzte und der Chemiker
(~Neumann~). Erst gegen Ende des XVIII. Jahrh. nehmen Apotheker
(~Guibourt~, ~Trommsdorff~) den Unterricht in der Pharmakognosie in
die Hand, der dann in die Hände der Botaniker überging, um bei diesen
bis auf ~Flückiger~ und darüber hinaus zu bleiben (vgl. das Kapitel
Pharmakohistoria).

       *       *       *       *       *

Der Unterricht in der Pharmakognosie wird jetzt nach sehr verschiedenen
Methoden erteilt.

In +Frankreich+, wo der akademische Unterricht der Pharmazeuten in
den «Ecoles de pharmacie»erteilt wird, die den Universitäten entweder
direkt (Paris) oder den Facultés mixtes (de médicine et de pharmacie)
eingegliedert sind, oder aber als selbständige Anstalten (Fachschulen)
fortbestehen, gibt es einen meist aus der Pharmazie hervorgegangenen
«Professeur de matière médicale», der meist von Fach Botaniker ist.
Die Pharmakochemie liegt in den Händen von Chemikern. Doch macht sich
neuerdings eine pharmakochemisch-pharmakobotanische Schule bemerkbar
(~Goris~).

In +England+, wo der gesamte höhere Unterricht bekanntlich -- mit
wenigen Ausnahmen -- Sache nichtstaatlicher Korporationen oder privater
Unternehmungen ist, findet man an den «schools of pharmacy», die
außerhalb der Universitäten stehen, ebenfalls Professoren der materia
medica, die die Pharmakognosie vom botanischen Standpunkte betreiben.
Pharmakochemie wird nicht gelesen und wissenschaftlich von einigen
Vertretern der organischen Chemie getrieben.

Ähnliches gilt von +Deutschland+, in dem jahrzehntelang der
Unterricht in der Pharmakognosie darniederlag. Die pharmazeutischen
Universitätsinstitute, die sich in Deutschland rasch zu hoher
Blüte entwickelt haben, sind mit wenigen Ausnahmen (Straßburg)
pharmazeutisch-chemische.

«Den idealen Anforderungen, welche an eine zeitgemäß ausgestattete
+pharmakognostische+ Anstalt zu stellen wären, entsprechen die
pharmazeutischen Institute an den Universitäten Deutschlands sehr
wenig»(~Flückiger~).

Das erste pharmazeutische Universitätsinstitut in Deutschland
wurde von ~Joh. Bart. Trommsdorff~ 1795 in Erfurt gegründet.
Es war mit einer Pension für die Zöglinge verbunden. Später
errichteten auch ~Schweigger-Seidel~ (1829) in Halle, ~Göbel~
(1825) in Jena, ~Martius~ (1850) in Erlangen, ~Buchner~
(1828) in Landshut u. and. pharmazeutische Institute. Das von
~Martius~ hieß«Pharmakognostisch-pharmazeutisches Institut». Die
Entwicklungsgeschichte der pharmazeutischen Universitätsinstitute habe
ich in der Festrede zur Einweihung des pharmazeutischen Institutes in
Bern 1893 geschildert (Pharm. Post 1894).

Als ~Garcke~ 1904 in Berlin starb, habe ich auf die Notwendigkeit
hingewiesen, auch der Pharmakognosie mehr Aufmerksamkeit zu widmen.
Das Mahnwort hat ein Echo gefunden. Die Hauptversammlung des deutschen
Apothekervereins in Hamburg 1904 nahm folgende Resolution an:

«Der deutsche Apothekerverein bedauert, daß dem für den Apothekerberuf
außerordentlich wichtigen Studium der Pharmakognosie auf den deutschen
Hochschulen viel zu wenig Beachtung geschenkt wird, und beauftragt den
Vorstand, bei den Regierungen dahin vorstellig zu werden, daß auf allen
deutschen Hochschulen Lehrstühle für Pharmakognosie errichtet und mit
aus der Pharmazie hervorgegangenen Lehrkräften besetzt werden.»

Die allen deutschen Regierungen übermittelte Resolution hat keinen
sichtbaren Erfolg gehabt; obwohl der Vorstand des D. A. V. seine
Bemühungen 1907 fortsetzte, ist alles beim alten geblieben. Die
Pharmakognosie befindet sich mit einigen Ausnahmen in den Händen nicht
aus der Pharmazie hervorgegangener Botaniker; obwohl schon ~Buchheim~
(1879) bemerkte: «So lange der Unterricht der Pharmazeuten in der
Drogenkunde von einem botanischen Standpunkte ausgeht und vorzugsweise
in den Händen von Fachbotanikern liegt, ist ein erheblicher Fortschritt
dieser Disziplin nicht zu erwarten».

In der +Schweiz+ ist an einigen Orten wenigstens (+Bern+, an der
Universität, +Zürich+, am Polytechnikum) der aus der Pharmazie
hervorgegangene Professor der Pharmakognosie zugleich Professor der
pharmazeutischen Chemie und Direktor des pharmazeutischen Institutes
(wie in +Straßburg+). An diesen Orten findet also die Pharmakognosie
eine ausreichende Berücksichtigung und das Vorhandensein eines
Institutes gibt die Möglichkeit zu selbständiger Forschung auf beiden
Gebieten, sowohl der Pharmakobotanik wie der Pharmakochemie.

In +Österreich+, dem ebenso wie +Ungarn+ pharmazeutische Institute
gänzlich fehlen, ist die Pharmakognosie an mehreren Stellen (wie
auch in +Leipzig+) mit der Pharmakologie verbunden, liegt also in
den Händen von Ärzten. Die Institute tragen meist die Bezeichnung
+Pharmakologisch-pharmakognostische+ (Wien, Graz), in +Prag+ besteht
ein pharmakognostisches Institut.

In +Schweden+ (+Stockholm+) ist in dem Farmaceutiska Institutet die
Pharmakognosie mit der Botanik verbunden.

In +Nordamerika+ wird das Fach ähnlich wie in England an den
ebenfalls privater Initiative ihre Entstehung verdankenden, sehr
zahlreichen Instituten -- colleges of pharmacy -- vorwiegend vom
botanischen Standpunkte betrieben. In Amerika ist also der Lehrer der
Pharmakognosie Botaniker, z. B. ~Kraemer~ am Philadelphia College of
pharmacy, der ältesten Anstalt dieser Art in Amerika (1821 gegründet).
Die School of pharmacy in Ann Arbor ist der Universität eingegliedert.
Ihr Decan ~Schlotterbeck~ ist, wie die Mehrzahl meiner Schüler,
die akademische Lehrstellen innehaben, Pharmakobotaniker +und+
Pharmakochemiker.

Pharmakoanatomische Kurse werden jetzt wohl an den meisten
Universitäten abgehalten.

Über die Drogenmuseen vgl. das Kapitel Pharmakomorphologie.

Meine Forderung lautet:

+Die Pharmakognosie muß an den höheren Lehranstalten als ein
selbständiges Lehrfach durch einen aus dem Apothekerstande
hervorgegangenen, pharmakochemisch und pharmakobotanisch
durchgebildeten ordentlichen Professor gelehrt werden, dem ein Institut
mit Laboratorien und Sammlungsräumen zur Verfügung zu stellen ist. Die
Professur für Pharmakognosie kann entweder mit der für pharmazeutische
Chemie und der Leitung des pharmazeutischen Institutes verbunden oder
als koordinierte Professur neben der für pharmazeutische Chemie in
einer koordinierten Institutsabteilung eingerichtet werden. Lehrstuhl
und Institut sind womöglich der medizinischen Fakultät der Universität
einzugliedern.+

Bei der +Forschung+ kann entweder an dem monistischen Standpunkte
festgehalten werden oder ein Dualismus eintreten, d. h. Zusammenarbeit
eines Pharmakobotanikers mit einem Pharmakochemiker, wie es z. B. in
der Zusammenarbeit von ~Heckel~ und ~Schlagdenhauffen~ so schön in die
Erscheinung trat.

Durch Beschränkung der +Doktorpromotion+ auf solche Kandidaten, welche
die Maturitätsprüfung bestanden haben, ist im Beginn des XX. Jahrh.
der wissenschaftlichen Pharmakognosie, wie auch der pharmazeutischen
Chemie in Deutschland, das ja zum Eintritte in das Fach die Maturität
nicht fordert, ein schwerer Schlag versetzt worden. Dadurch wurde
eine große Menge tüchtiger Apotheker vom weiteren Studium abgehalten.
Denn die Aussicht auf Erwerbung des Doktorgrades veranlaßte viele,
sich wissenschaftlichen Fragen zu widmen, die sonst weder Zeit noch
Geld dazu verwendet hätten. So bleiben jetzt eine Menge von Kräften
ungenutzt, die früher zur Förderung der Wissenschaft herangezogen
werden konnten.

       *       *       *       *       *

Der Unterricht in der Pharmakognosie beginnt in der +Lehrzeit+. Er
beginnt damit, daß der Eleve mit dem Aussehen der Drogen bekannt
gemacht wird. Jede Apotheke ist ja eine Drogensammlung und der Eleve
braucht also nur die Schubladen aufzuziehen oder die Deckel von den
Gefäßen zu nehmen, um die Drogen kennen zu lernen. Da aber viele
Drogen in den Schubladen sich in geschnittenem Zustande befinden
(_Lignum guajaci_, _Rad. althaeae_, _Rhiz. graminis_ u. a.), wird er
doch gut tun, sich eine kleine Drogensammlung anzulegen, die mit Hilfe
der Großdrogenhäuser leicht komplettiert werden kann. Es ist besser,
sich selbst die Sammlung anzulegen, denn das erweckt mehr Freude am
Gegenstand als eine fertige Sammlung zu kaufen. Aber man kann zur
Not auch eine der im Handel angebotenen Sammlungen erwerben. Das ist
immer noch besser als gar keine zur Hand zu haben. Die Betrachtung
der Drogen mit bloßem Auge und mit der Lupe und die Vergleichung
derselben lehrt beobachten. Und eigene Beobachtung ist die Basis aller
Naturforschung. Es ist Pflicht des Chefs, den jungen Fachgenossen zum
Beobachten anzuhalten, ihn beobachten zu lehren. Ein Apotheker, der
nicht beobachten kann, ist ein schlechter Apotheker. Dann muß der
Praktikant sich auch die Namen der Stammpflanzen einprägen. Das ist
Gedächtnissache. Aber das Gedächtnis ist auch ein Instrument, das man
im Fache braucht, und zwar ein solches, das durch Übung besser wird.
Man muß es also üben.

Die Beobachtung der morphologischen +und physikalischen+
Eigentümlichkeiten einer Droge führen ganz von selbst zur
Unterscheidung der Droge von anderen und zur Erkennung von
Verwechslungen und Verfälschungen. Auch auf diesem Gebiete muß sich
der Eleve die Anfangsgründe aneignen, damit er nicht einmal _Herb.
artemisiae absinthii_ abgibt, wenn _Herb. artemisiae vulgar._ verlangt
wird.

Die +chemischen+ Bestandteile kann der Anfänger noch beiseite lassen,
oder sich doch nur das allerwesentlichste aneignen.

Dagegen muß er auch außer den gemeinen Pflanzen der Heimat die lebenden
Arznei- und Nutzpflanzen kennen lernen -- im Garten und auf Exkursionen
in die Umgegend. Gar viele Apotheker gibt es auch heute noch, die den
Grund zu ihren botanischen Kenntnissen während ihrer Lehrzeit gelegt
haben, die ein verständiger Chef beobachten, d. h. sehen gelehrt hat.

Das pharmakognostische Studium auf der Universität hat zwei
Voraussetzungen: Kenntnis der pharmazeutischen Praxis und +genügende+
Vorkenntnisse in der Chemie und Botanik. Es sollte daher nicht in das
erste Semester gelegt werden.

Der +Unterricht in der Pharmakognosie an der Universität+ zerfällt in
einen theoretischen und einen praktischen Teil.

Der theoretische Teil besteht in der +Vorlesung über Pharmakognosie+.
Diese Vorlesung soll das Gesamtgebiet der Pharmakognosie in einem
Semester behandeln, muß daher mindestens 4–6stündig sein. Aber auch
dann wird man den umfangreichen Stoff nicht bewältigen. Es empfiehlt
sich daher, in den alternierenden Semestern Ergänzungsvorlesungen
zu halten, die ausgewählte größere Kapitel, wie die Harze, die
Purindrogen, die Anthrachinondrogen, _Chinarinde_ u. and., behandeln
und besondere Vorlesungen über Pharmakochemie und pharmazeutische
Botanik einzuschieben oder von Hilfskräften halten zu lassen. In der
Vorlesung über Pharmakognosie muß die Droge nach +allen+ Richtungen
behandelt werden, nicht nur in botanischer. Man wird gut tun, um den
Unterricht anregender zu gestalten und Gelegenheit zu zusammenfassenden
Auseinandersetzungen zu finden, die Drogen nach dem natürlichen
Pflanzensystem geordnet vorzutragen. Das chemisch zusammengehörige
läßt sich bei Wahl dieses Systems oft gut miteinander verbinden (s.
S. 220) und jeder wichtigen Familie kann eine allgemeine Übersicht
über die anatomischen und chemischen Besonderheiten vorausgeschickt
werden. Ich ziehe dies System für die Vorlesung vor und erörtere
lieber die morphologisch-anatomischen Eigentümlichkeiten der
morphologischen Gruppen im Praktikum (S. 270) und der Vorlesung über
angewandte Anatomie. Erst derartige zusammenfassende Übersichten mit
vergleichenden Ausblicken auf benachbarte Gebiete machen die Vorlesung
interessant und wertvoll, ja rechtfertigen sie eigentlich erst.
Denn eine Aufzählung der Merkmale findet man in jedem einschlägigen
Werke und man kann sie sich selbst an der Droge aufsuchen -- dazu
braucht man keinen Lehrer. Zudem: gibt es etwas Geisttödenderes als
das Hersagen von Merkmalen?: «Die Wurzel ist braun und runzlig, und
hat einen dunklen Cambiumring». Ich kenne solche Vorlesungen über
Pharmakognosie, aber ich schätze sie nicht. Sie sind es, die die
Pharmakognosie in Mißkredit gebracht haben. Das «Enzyklopädische»
soll in der Vorlesung zurücktreten gegenüber der Erörterung des
Verbindenden, des Allgemeinen, des Charakteristischen. Die Vorlesung
soll das allgemeine Verständnis wecken. Sie muß durch ein möglichst
umfassendes, dem +Drogenmuseum+ (siehe das Kapitel Pharmakomorphologie)
entnommenes Demonstrationsmaterial illustriert werden. Die in der
Vorlesung behandelte Droge in ihren Handelssorten, die Verfälschungen,
die Bestandteile, die Packungen, in Rahmen aufgestellte oder als
Wandtafeln aufgehängte Abbildungen und Karten, sowie historisch
wichtige Publikationen müssen im Hörsaal zu einer Ausstellung vereinigt
werden, zu deren eingehender Betrachtung vor und nach der Vorlesung die
Studierenden einzuladen sind. Einiges davon kann nach der Vorlesung
noch besonders demonstriert werden. Bei der Beschreibung der Droge muß
jeder der Studierenden das Objekt in Händen haben. Die Beschreibung
wird durch möglichst zahlreiche Skizzen mit bunter Kreide an der
Wandtafel erläutert, die die Studierenden mit Buntstiften an den Rand
ihres Heftes abzeichnen müssen. Eine solche, mit wenigen Strichen das
allerwesentlichste herausarbeitende Wandtafelskizze ist wichtiger als
eine lange Beschreibung und auch als die aufgehängten (und zu näherer
Betrachtung acht Tage hängen bleibenden) Wandtafeln, oder gar die zu
schnell wieder verschwindenden, mittelst des Skioptikons projizierten,
meist sehr detailreichen Abbildungen, die man erst «lesen» lernen
muß, um sie ganz zu verstehen. Dagegen kann die Demonstration
mikroskopischer Präparate und die Anstellung von Experimenten
unterbleiben, da der Studierende diesen Teil im Praktikum selbst zu
übernehmen hat.

Denn die Vorlesung muß durch +Übungen+ ergänzt werden und zwar
sowohl morphologisch-anatomischen wie pharmakochemischen. Um diese
erfolgreich abhalten zu können ist es nötig, daß der Dozent ein
Institut zur Verfügung hat, also entweder selbst der Leiter des
pharmazeutischen Universitätsinstitutes ist oder einer selbständigen,
der chemischen koordinierten Abteilung desselben vorsteht. Die
morphologisch-anatomischen Übungen in Pharmakognosie werden am besten
über drei Semester verteilt und vierstündig abgehalten mit zwei
zusammenhängenden Stunden, so daß das Praktikum zwölfstündig ist.
Im ersten oder den ersten zwei Semestern soll der Studierende das
botanische Praktikum besuchen, um botanisch vorgebildet zu werden.

Das pharmakognostische Praktikum soll nicht ein rein anatomisches sein,
sondern muß mit einer Besprechung der +Morphologie der Droge+ beginnen,
die der Studierende in der Hand hält (vgl. auch Pharmakomorphologie).
Dann wird zunächst (mit Hilfe der Lupe oder des zerlegten Okulars des
Mikroskopes) das +Lupenbild+ studiert und dann erst zum Rasiermesser
gegriffen, um Schnitte für das +Mikroskop+ zu machen. Es ist unbedingt
erforderlich, daß der Studierende vom ersten Tage an die Schnitte, die
er beobachten soll, +selbst+ herstellt. Er lernt es schnell. Wenn man
in den ersten Stunden Geduld hat und dem Anfänger öfter die Führung des
Messers zeigt, merkt man bald Fortschritte und sieht nach kurzer Zeit
brauchbare Schnitte aus den Händen der Praktizierenden hervorgehen.
Das +Mikrotom+ ist für das Praktikum überflüssig, die Verteilung
von mit ihm vor dem Praktikum durch den Assistenten hergestellten
Schnitten unter die Studierenden schädlich. Der Studierende soll
+selbst präparieren+. Die Präparate gelangen nun zur Beobachtung,
Skizzen an der Wandtafel erläutern den Schnitt, auch können anatomische
Abbildungen der Atlanten (s. Pharmakoanatomie), die jeder neben
sein Mikroskop legt, oder Wandtafeln, die aufgehängt werden und die
möglichst lange hängen bleiben müssen, zur weiteren Orientierung
herangezogen werden. Die Hauptsache bleibt aber, daß der Beobachter
das Beobachtete selbst und zwar freihändig ohne Zeichenapparat -- aber
mit Benutzung der Buntstifte -- zeichnet. +Zeichnen heißt beobachten.+
Zeichnen können heißt also beobachten können. Nur wenn man etwas
zeichnen kann, hat man es recht beobachtet. Für gewöhnlich erklären
sämtliche Praktikanten nicht zeichnen zu können. Sie lernen es aber
mit ganz verschwindenden Ausnahmen rasch. Oft werden dabei wahre
Zeichentalente entdeckt, die gar nicht wissen, daß sie es sind.

In drei Semestern läßt sich die Materie bewältigen. Im ersten gibt man
einen kurzen Überblick über die gesamte Angewandte Anatomie, d. h.
man hält ein anatomisches Praktikum ab, bei dem +nur+ Drogen als
Objekte benutzt werden (S. 266). Man legt also wie in der Vorlesung
die natürlichen Pflanzenfamilien hier das System der Pflanzenanatomie
zugrunde, beginnt mit den Zellinhaltsbestandteilen, behandelt dann die
Membran und endlich die Gewebe und Gewebesysteme. Zu diesem ersten
Praktikum gehört ein halbstündiges Theoretikum, in dem ein ganz kurzer
Grundriß der +Angewandten Pflanzenanatomie+ vorgetragen wird, der
sich eng an das im Praktikum gesehene anschließt -- gewissermaßen
das Skelett, zu dem das Praktikum Fleisch und Blut liefert. Im
zweiten Semester werden dann die noch nicht behandelten Drogen nach
morphologischen Gruppen durchgenommen (S. 270), im dritten folgen die
Nahrungs- und Genußmittel und einige technischen Drogen, wie z. B. die
Gespinstfasern (S. 272).

Die +gepulverte Droge+ kann man im Praktikum an die Droge selbst
anschließen. Besser jedoch werden die Drogenpulver, Mehle und
gemahlenen Genußmittel in einem besonderen einstündigen Praktikum am
Schlusse der Studienzeit durchgenommen (S. 272). Die Untersuchung der
Drogenpulver ist bereits angewandte Pharmakognosie. Für den, der die
Droge, das Nahrungs- oder Genußmittel selbst anatomisch gut kennt,
bietet die Pulveranalyse keine besonderen Schwierigkeiten mehr. Nach
kurzer Übung kann der Praktikant nicht nur einfache Drogenpulver
erkennen, sondern auch Beimischungen diagnostizieren. Ich gebe als
Aufgaben in der Staatsprüfung Mischungen von 3–4 feingepulverten
Drogen. In 3–4 Stunden sind die Analysen gemacht.

Das morphologisch-anatomische Praktikum (s. hinten) ist ein
vorzügliches Mittel, um beobachten und die naturwissenschaftliche
Methode kennen zu lernen und sich im naturwissenschaftlichen Denken zu
üben.

Weniger ist dies bei dem parallel mit dem mikroskopischen
einhergehenden +pharmakochemischen Praktikum+ (s. hinten S. 273) der
Fall, in dem unter anderem die +chemischen Wertbestimmungen der Drogen+
geübt werden. Da diese Wertbestimmungen nach bestimmten Rezepten, die
auf Vereinbarungen beruhen und die nicht zu absoluten Zahlen führen,
ausgeführt werden müssen, muß sich der Praktikant streng, ja sklavisch
an diese Vorschriften halten. Er gewöhnt sich bei diesen Untersuchungen
zwar an peinliche Genauigkeit, findet aber wenig Spielraum für
eigenes Denken und Kombinieren, wie z. B. im toxikologischen
Praktikum, das nach meinen Erfahrungen eine ganz ausgezeichnete Schule
naturwissenschaftlich denken und beobachten zu lernen ist. Immerhin muß
sich der Praktikant auch in den Wertbestimmungen die nötige Übung und
Fertigkeit erwerben.

Schließlich muß jeder Praktikant mindestens +einen Pflanzenstoff
isolieren+. Das kann sehr gut in dem Semester geschehen, in dem die
präparativen, organisch-chemischen Arbeiten im Institut vorgenommen
werden. Man wählt natürlich nur einfachere Aufgaben, wie Amygdalin,
Aloïn, Chrysophansäure, Kaffein, Morphin, Pimarsäure, Ölsäure, Amyrin
oder dergl. (s. S. 273).

So ausgebildet tritt der Pharmakognost dann in die Praxis. Er ist durch
diesen Gang der Ausbildung befähigt, die unzerkleinerten Drogen sicher
zu erkennen und eventuelle Verfälschungen leicht aufzufinden und zu
diagnostizieren, die Drogenpulver, die er aus der Fabrik kauft, auf
Identität und Reinheit zu prüfen und die Wertbestimmungen der Drogen
in exakter Weise durchzuführen, d. h. +angewandte Pharmakognosie+
kunstgerecht auszuüben. Er ist befähigt, sich vor Betrug zu schützen
und in die Lage versetzt, nur tadellose Drogen dem Arzte und dem
Publikum zur Verfügung zu stellen. +Ein wissenschaftlich gut geschulter
Apotheker ist also auch wirtschaftlich besser ausgerüstet, als ein
schlecht geschulter.+

Der oben geschilderte Ausbildungsgang ist nun keineswegs etwa eine
Utopie. Er ist von mir 1890 in Bern organisiert worden und eine
achtzehnjährige Erfahrung hat seine Durchführbarkeit und Brauchbarkeit
erwiesen, auch wenn das akademische Studium nur vier Semester dauert.
Ich will aber natürlich nicht behaupten, daß man die Sache nicht auch
anders organisieren kann.

Jedenfalls geht aber daraus hervor, daß die Pharmakognosie kein Fach
ist, das man als Lehrer «im Nebenamt» betreiben kann. Es erfordert
einen ganzen Mann in unabhängiger Stellung, der eine gute Vorbildung
in Chemie +und+ Botanik besitzt und aus der Pharmazie hervorgegangen
ist. Es erfordert aber auch die nötigen chemischen und mikroskopischen
Laboratorien sowie Sammlungsräume, d. h. ein pharmazeutisches Institut
oder eine selbständige Abteilung desselben.

       *       *       *       *       *

Für Belohnung wissenschaftlicher Arbeit vorwiegend auf dem Gebiete
der Pharmakognosie bestehen +zwei Medaillen+, die 1881 gestiftete
~Hanbury~-+Medaille+, die die Inschrift trägt: «Awarded for original
research in the natural history and chemistry of drugs», und die 1892
(auf meine Anregung hin) gestiftete ~Flückiger~-+Medaille+, die die
Inschrift trägt: «Scientia non unius populi sed orbis terrarum».

Die goldene ~Hanbury~-+Medaille+ wird alle zwei Jahre verliehen (zum
ersten Male 1881). Es haben sie erhalten: ~Flückiger~, ~J. E. Howard~,
~G. Dragendorff~, ~W. Dymock~, ~G. Planchon~, ~J. O. Hesse~, ~J. M.
Maisch~, ~A. Vogl~, ~J. E. de Vrij~, ~A. Ladenburg~, ~G. Watt~, ~E.
Collin~, ~Ernst Schmidt~, ~Hooper~.

Die ~Flückiger~-+Medaille+ erhielten: ~Attfield~, ~Beckurts~,
~Dragendorff~, ~Fritzsche~, ~Giacosa~, ~Hanbury-La Mortola~, ~Heckel~,
~Hilger~, ~Hoffmann~, ~Holmes~, ~Husemann~, ~Nagelvoort~, ~Nyegaard~,
~Peckolt~, ~G. Planchon~, ~Schär~, ~E. Schmidt~, ~Tschirch~. Sie wird
seit 1897 nur in Gold und nur alle fünf Jahre verliehen.



Anhang.

  =Schema für ein mikroskopisch-pharmakognostisches Praktikum.=

  (Unter Zugrundelegung des Anatomischen Atlas von ~Tschirch~ und
  ~Oesterle~ und der Angewandten Anatomie von A. ~Tschirch~.)


=I. Kurs in der allgemeinen angewandten Anatomie= (Anfängerkurs).

Die Zelle: Grundgewebe des _Mais_stengels.

1. +Zellinhaltsbestandteile.+

  a) Eiweißartige.

  Zellkern und Protoplasma: Epidermis der inneren Zwiebelschalen.

  Aleuron: _Sem. lini_, _Sem. amygdalae_, _Sem. sinapis_.

Diagnostische Bedeutung des Aleurons: Unterscheidung der Futtermittel
(s. d.) nach den Aleuronkörnern.

  Chlorophyllkörner: _Belladonnablatt_.

  Chromatophoren: _Fruct. capsici_.

  Leukoplasten: _Rhiz. iridis_.

  b) Stärke.

  α) Intakte: _Kartoffel_, _Cerealien_, _Leguminosensamen_,
  _Arrowroot_, _Sago_.

Diagnostische Bedeutung der Stärke: Unterscheidung der Mehle nach den
Stärkekörnern.

  β) Verkleisterte: _Curcuma_, _Salep_, _Jalape_.

  γ) Dektrinierte: _Dextrin_.

  δ) Amylodextrinstärke: _Macis_.

  c) Inulin: _Rad. taraxaci_, _Rhiz. enulae_.

  d) Öl und Ölplasma: _Sem. lini_, _Secale cornutum_.

  e) Gerbstoff: Cort. _quercus_, _Fruct. ceratoniae_, _Rhiz.
  tormentillae_.

  f) Calciumoxalat.

  α) Raphiden: _Bulb. scillae_, _Vanille_.

  β) Prismen: _Rhiz. iridis_, _Vanille_.

  γ) Zwillinge: _Fol. hyoscyami_.

  δ) Drusen: _Rhiz. rhei_, _Cort. granati_, _Fol. stramonii_.

  ε) Kristallsand: _Fol. belladonnae_.

  ζ) Kristalle in Taschen: _Fol. aurantii_.

  η) Kristalle in Sclereïden: _Bacc. juniperi_, _Rad. colombo_.

Diagnostische Bedeutung der Calciumoxalatkristalle:
Differentialdiagnose zwischen _Belladonna_, _Datura_, _Hyoscyamus_ und
_Digitalis_.

  θ) Andere Kristalle: _Pulpa Tamarindi_.

Anhang. Sekrete: _Barbadosaloë_, _Styrax liquid._, _französ.
Terpentin_, _Euphorbium_, _Manilaelemi_, _Indigo_.

2. +Zellmembran.+

a) Morphologie der Zellwand.

  α) Dünnwandige Zellwände mit einfachen Tüpfeln: Mark von _Rad.
  sarsaparillae_.

  β) Stärker verdickte Zellwände mit einfachen Tüpfeln: Endodermis von
  _Rad. sarsaparillae_.

  γ) Stark verdickte Zellwände mit Spaltentüpfeln: Libriform von
  _Rad. sarsaparillae_.

  δ) Wände mit behöften Tüpfeln: Holz von _Pinus_.

  ε) Gefäße mit Ring-, Spiral-, Leisten- und Netzleistenverdickungen:
  Stengel von _Conium_. Getüpfelte Gefäße: _Rad. sarsaparillae_.

Diagnostische Bedeutung der Gefäßwandskulptur: Differentialdiagnose
zwischen _Feigenkaffee_ und _Cichorie_.

  b) +Chemismus+ der Zellwand (Reaktionen!).

  α) Cellulose: _Baumwolle_, Collenchym des _Mentha_stengels.

  β) Lichenin: _Lichen islandic_.

  γ) Amyloid: Pergamentpapier.

  δ) Schleimmembran: _Rad. althaeae_, _Sem. lini_, _Sem. foenugraeci_,
  _Flos tiliae_, _Traganth_.

  ε) Verholzte Membran: Holz von _Pinus_.

  ζ) Korkmembran: _Kartoffel_, _Cort. condurango_.

  η) Cuticula: _Fol. digitalis_, _Fol. sennae_, Stengel von _Conium_.

Diagnostische Bedeutung der Faltung, Streifung und Warzenbildung auf
der Cuticula: _Mate_, _Coca_.

  θ) Interzellularsubstanz: Holz von _Pinus_. Pectin: _Fruct. sambuci_,
  _Fruct. cydoniae_. Schleim: _Carrageen_.

3. +Gewebe.+

  a) Bildungsgewebe.

  α) Cambium: _Rad. angelicae_.

  β) Meristem: Plumula und Radicula des _Mandel_samens.

  γ) Procambiumstränge: Cotyledonen des _Strychnos_- und _Coffea_samens.

  δ) Phellogen: _Cort. quercus_.

  b) Epidermalgewebe.

  α) Epidermis: _Fol. belladonnae_, _Fol. sennae_.

Diagnostische Bedeutung der Epidermis in der Flächenansicht: _Senna_
und _Belladonna_ -- Malabar- und Ceylon-_Cardamomen_.

  β) Kork: _Rad. colombo_, _Rhiz. zingiberis_. Phelloderm: _Cort.
  canellae._

  γ) Haare: _Fol. digitalis_, _Fol. althaeae_, _Fol. absinth._, _Flos
  verbasci_, _Flos lavendulae_, _Baumwolle_, Paleae von _Rhiz filicis_.
  Haare mit Cystolithen: _Herb. cannabis_.

Diagnostische Bedeutung der Haarorgane: _Malva_- und _Verbascum_blätter
in _Digitalis_. -- _Senna_- und _Arghel_blätter. -- Paleae der
_Filiceen_rhizome.

  c) Assimilationsgewebe.

  α) Bifaciales Blatt: _Fol. menthae_.

  β) Zentrisches Blatt: _Fol. sennae_.

  γ) Blattnerven: _Fol. nicotianae_.

  δ) Blattzähne: _Tee_ (ganz junges und älteres Blatt), _Fol.
  digitalis_.

Diagnostische Bedeutung der Blattzähne: _Fol. digitalis_ und
Verfälschungen.

  d) Leitungsgewebe.

  α) Bestandteile des Gefäßbündels (Gefäße, Siebröhren): Stengel von
  _Zea Mais_ und _Conium maculatum_.

  β) Obliteration der Siebröhren: _Rad. liquiritiae_. Verstopfung der
  Gefäße, Kernholz: _Lign. guajaci_.

  γ) Arten der Gefäßbündel:

  1. monokotylische: _Zea Mais_;

  dikotylische: _Rhiz. podophylli_, _Rhiz. hydrastidis_;

  2. kollaterale: _Zea Mais_;

  bikollaterale: Stengel von _Hyoscyamus_;

  radiale: _Rad. sarsaparillae_;

  konzentrische: _Rhiz. calami_, _Rhiz. filicis_.

  δ) Holzkörper und Rinde: _Lignum quassiae_, _Cort. frangulae_.

  Jahresringe und Markstrahlen: _Pinusholz_, _Stipit. dulcamarae_,
  _Lign. quassiae_.

Diagnostische Bedeutung der Markstrahlen: _Lign. quassiae jamaicens._
und _surinamiens_.

  e) Durchlüftungssystem.

  α) Spaltöffnungen und Nebenzellen: _Fol. belladonnae_, _Fol. sennae_.

Diagnostische Bedeutung der Spaltöffnungen und der Zahl der
Nebenzellen: _Mate_, _Coca_, _Belladonna_, _Mentha_, _Citrus_.

  β) Lentizellen: _Cort. frangulae_.

  γ) Luftführende Interzellularen: _Rhiz. calami_.

  f) Mechanisches Gewebe.

  α) Collenchym: Stengel von _Mentha piperita_.

  β) Bastzellen: _Rad. liquiritiae_, _Rad. althaeae_, _Cort. chinae_,
  _Cort. cinnamom_, _Linumstengel_.

Diagnostische Bedeutung der Bastzellen: _Chinarinde_, _Zimt_, _Nelke_.

  γ) Libriform: _Lign. guajaci_.

  δ) Sklereïden: _Fruct. amomi_, _Sem. phaseoli_, _Cascara Sagrada_.
  Astrosklereïden: Fruchtstiel von _Illicium anisatum_, Blatt von
  _Thea_.

Diagnostische Bedeutung der Sklereïden: Echter und giftiger _Sternanis_.

  ε) Endodermis: _Rad. sarsaparillae_, _Rhiz. calami_.

  g) Sekretbehälter.

  α) Ölzellen: _Rhiz. zingiberis_, _Rhiz. calami_, _Fol. lauri_,
  _Cubebe_.

  β) Schizogene Sekretbehälter: _Rad. angelicae_, _Fruct. foeniculi_,
  Blatt von _Pinus_.

Diagnostische Bedeutung der schizogenen Sekretbehälter: _Angelica_,
_Levisticum_, _Pimpinella_.

  γ) Oblitoschizogene Sekretbehälter: _Caryophylli_.

  δ) Schizolysigene Sekretbehälter: _Fruct. aurantii_.

  ε) Drüsenhaare: _Flos chamomillae_, _Fol. menthae_, _Herb. cannabis_,
  _Rhiz. filicis_, _Kamala_, _Lupulin_.

Diagnostische Bedeutung der Drüsenhaare: Kompositen- und
Labiaten-Drüsen.

  ζ) Milchröhren: _Cort. condurango_, _Feige_, _Rad. taraxaci_.

Diagnostische Bedeutung der Milchröhren: _Feigenkaffee_ und _Cichorie_.

h) Fortpflanzungssystem.

  1. +Blüte.+

  α) Ganz junge Entwicklungsstadien der Blüte: _Flos. cinae_.

  β) Kelch, Corolle, Stamina, Griffel: _Flos chamomillae_, _Flos
  lavandulae_, _Flos malvae_, _Flos verbasci_, _Flos koso_,
  _Caryophylli_.

Diagnostische Bedeutung der Pollenkörner: _Crocus_, _Calendula_,
_Carthamus_ -- _Honig_.

  2. +Frucht+: _Fruct. aurantii immatur._, _Fruct. papaveris_, _Fruct.
  foeniculi_.

  3. +Samen.+

  α) Samenschale: _Faenum graecum_, _Mandel_ (Nährschicht).

  β) Samen ohne Endosperm: _Kola_, _Sem. quercus_, _Sinapis_.

  Samen mit Endosperm: _Ricinus_, _Triticum_.

  Samen mit Perisperm: _Piper_, _Cardamomen_.

  γ) Der Keimling: _Sem. strychni_, _Coffea_, _Amygdalus_.

  δ) Arillus und Caruncula: _Myristica_, _Cardamomum_, _Ricinus_,
  _Colchicum_.

  Die öfter gebrauchten Präparate werden in Glyzerin aufgehoben.


II. =Morphologisch-anatomischer Kurs der speziellen Pharmakognosie=
(für Vorgerücktere). Ergänzt, erweitert und vertieft den ersten Kurs.
Bei jeder Droge wird zunächst die Morphologie, dann die Anatomie
durchgenommen.

  1. +Wurzeldrogen.+

  a) Primärer Bau bei Monokotylen: junge Wurzel von _Iris_.

  Sekundärer Bau bei Monokotylen: _Rad. sarsaparillae_.

  b) Primärer Bau bei Dikotylen: zarte Wurzeln von _Valeriana_.

  Übergang des primären in den sekundären Bau: etwas ältere Wurzeln von
  _Valeriana_.

  Sekundärer Bau bei Dikotylen: _Rad. levistici_, _Rad. colombo_, _Rad.
  ipecacuanhae_, _Rad. althaeae_, _Rad. belladonnae_.

  c) Ernährungswurzeln und Befestigungswurzeln: _Valeriana_.

  d) Speicherwurzeln: _Tub. aconiti_, _Tub. salep_, _Rad. belladonnae_.

  e) Besonderheiten im Bau: _Rad. senegae_, _Rad. ononidis_, _Tub.
  jalapae_, _Rad. gentianae_, _Rad. scammoniae_.

2. +Achsendrogen.+

  A. Unterirdische Achsen.

  a) Rhizome (auch mit Rücksicht auf die Verzweigungsarten): _Rhiz.
  galangae_, _Rhiz. zingiberis_, _Rhiz. curcumae_, _Rhiz. veratri_,
  _Rhiz. hydrastidis_.

  b) Zwiebeln: _Scilla_, _Allium_, _Cepa_.

  c) Knollen: _Colchicum_.

  d) Wandersproß: _Rhiz. graminis_; Wandersproß und Speichersproß:
  _Rhiz. imperatoriae_, _Rhiz. valerianae_.

  e) Besonderheiten im Bau: _Rhiz. rhei_.

  B. Oberirdische Achsen.

  a) Krautige Stengel: _Mentha_, _Conium_.

  b) Hölzer: _Lign. fernambuci_, _Lign. campechian._, _Lign. quassiae_,
  _Lign. guajaci_.

  c) Rinden: _Cort. frangulae_, _Cort. mezerei_, _Cort. cinnamomi
  zeylanici_, _Cort. quercus_, _Cort. chinae_, _Cort. cascarillae_.

3. +Blattdrogen.+

  Unbehaarte: _Fol. cocae_, _Fol. menyanthidis_, _Fol. uvae ursi_.

  Behaarte: _Fol. althaeae_, _Fol. hamamelidis_, _Fol. hyoscyami_.

  Mit Drüsenhaaren: _Fol. menthae_, _Fol. melissae_, _Fol. rosmarin_,
  _Fol. salviae_.

  Mit Sekretbehältern: _Fol. aurantii_, _Fol. rutae_, _Fol. eucalypti_,
  _Fol. jaborandi_.

4. +Blütendrogen.+

  Knospen: _Caryophylli_, _Flos aurantii_.

  Einzelblüten: _Flos sambuci_, _Flos verbasci_, _Flos tiliae_.

  Blütenkörbe (Pappus): _Flos arnicae_, _Flos chamomillae_.

5. +Fruchtdrogen.+

  Umbelliferenfrüchte: _Foeniculum_, _Carum Carvi_, _Anis_, _Conium_,
  _Coriander_.

  Aurantieenfrüchte: _Citrus_ (in allen Entwicklungsstadien).

  Piperaceenfrüchte: _Piper_, _Cubeba_.

  Papaveraceenfrüchte: _Papaver_ (und _Opium_).

  Magnoliaceenfrüchte: _Illicium anisatum_.

  Orchideenfrüchte: _Vanille_.

  Koniferenfrüchte: _Baccae juniperi_.

6. +Samendrogen.+

Samen, bei denen die Cotyledonen Speicherorgan:

  mit Aleuron: _Amygdalus_,

  mit Stärke: _Bohne_.

Samen, bei denen das Endosperm Speicherorgan:

  mit Stärke: _Triticum_, _Mais_,

  mit Aleuron: _Ricinus_, _Sabadilla_,

  mit Schleim: _Faenum graec._, _Fruct. sennae_,

  mit Reservezellulose: _Strychnos_, _Areca_.

Samen, bei denen das Perisperm Speicherorgan: _Piper_.

Samen, bei denen der Keimling blattartige zarte Cotyledonen hat:
_Strychnos_.

Samen mit gekrümmtem Keimling: _Papaver_, _Cannabis_.

Samen mit nicht differenziertem Keimling: _Colchicum_, _Sabadilla_.

Samen mit Saugorganen: _Cardamomen_, _Zea Mais_.

Samen mit Flugorgan: _Strophantus_.

Samen mit gefalteten Cotyledonen: _Cacao_, _Caryophyllus_.

Samen mit ruminiertem Endosperm: _Sem. arecae_, _Sem. myristicae_.

Samen mit Schleimepidermis: _Sinapis_, _Cydonia_, _Linum_.

Samen mit hartem Endosperm und zarter Samenschale: _Colchicum_.

Samen mit zartem Endosperm und harter Samenschale: _Cardamomum_,
_Linum_.

Samen mit obliterierter Samenschale, die in harter Fruchtschale
eingeschlossen bleiben: _Piper_.

7. +Kryptogamen-Drogen.+

  _Rhiz. filicis._

  _Lycopodium_ und Fälschungen (_Pinus_-, _Corylus_-Pollen, Schwefel,
  Talcum, Stärke).

  _Lichen Islandicus_.

  _Kieselguhr_, _Agar-Agar_-Diatomeen.

  _Carrageen_, _Laminaria_.

  _Saccharomyces_ (_Faex compressa_).

  _Secale cornutum_, _Fungus igniarius_, _Fungus laricis_.

  _Ustilago Maidis_.

8. +Gallen.+

  Kleinasiatische und chinesische Gallen.

Die mehrmals gebrauchten Präparate werden in Glyzerin aufgehoben.


III. Kurs der angewandten Pharmakoanatomie.

Analyse gemischter _Tees_.

Analyse einfacher und zusammengemischter Drogenpulver, Diagnose von
Verfälschungen in Drogenpulvern, Abschätzung der Menge der fremden
Beimischungen.


IV. Spezialkurs für Nahrungs- und Genußmittel und Gebrauchsgegenstände.

A. +Nahrungsmittel+ (ganz und gemahlen).

  1. Die Cerealienfrüchte und ihre Mehle: _Triticum_, _Secale_,
  _Hordeum_, _Avena_, _Mais_, _Oryza_.

  +Verfälschungen+: _Mutterkorn_, Brandpilzsporen, _Rade_,
  _Taumellolch_, ausgewachsenes Getreide, verdorbenes Mehl.

  2. Die _Leguminosensamen_ und ihre Mehle: _Phaseolus_, _Pisum_.

B. +Genußmittel+ (ganz und gemahlen).

  1. Die +Purindrogen+.

  α) _Tee_ und Verfälschungen (_Epilobium_).

  β) _Cacao_ und Verfälschungen (_Cacao_schalen).

  γ) _Kaffee_ und Verfälschungen (_Cichorie_, _Feigenkaffee_,
  _Eichelkaffee_, _Saccakaffee_, _Carobben_, _Lupinen_, _Rübe_).

  δ) _Mate._

  ε) _Cola._

  ζ) _Guarana._

  η) _Tabak._

C. +Gewürze+ (ganz und gemahlen).

  1. Blüten und Blütenteile.

  α) _Kappern._

  β) _Safran_ und Verfälschungen (_Calendula_, _Carthamus_, _Curcuma_,
  _Santel_, _Campeche_ -- mit Reaktionen).

  γ) _Gewürznelken_, _Anthophylli_, _Nelkenstiele_.

  δ) _Zimtblüten._

  2. +Früchte und Samen.+

  α) Pfeffer und Verfälschungen (_Palmkerne_, _Oliventrestern_,
  _Kleie_, _Leinkuchen_, _Copra_).

  β) _Piment._

  γ) _Paprika._

  δ) _Cardamomen._

  ε) _Vanille._

  ζ) _Sternanis_ und _Sikimi_früchte.

  η) _Muskatnuß_ und Verfälschungen (_Papuanüsse_).

  θ) _Macis_ und Verfälschungen (Bombay-_Macis_).

  ι) _Schwarzer Senf_ und Verfälschungen (_Brassica Rapa_ und _Napus_).

  κ) _Weißer Senf._

  λ) Umbelliferenfrüchte: _Kümmel_, _Coriander_, _Anis_, _Fenchel_.

  3. +Rinden.+

   α) _Zimt_, chinesischer und ceylanischer, _Canella_, _Nelkenzimt_.
  Verfälschungen: _Haselnuß_schalen, _Zimt_matta.

  4. +Rhizome.+

  α) _Ingwer_ und Verfälschungen.

  β) _Curcuma._

  γ) _Zedoaria_ und _Galgant_.

  δ) _Kalmus._

D. +Futtermittel.+

  Preßkuchen von _Lein_, _Raps_, _Mandel_, _Baumwollsamen_, _Hanf_,
  _Ricinus_, _Sesam_.

E. +Gebrauchsgegenstände.+

  1. Gespinstfasern.

  _Baumwolle_, _Lein_, _Hanf_, _Wolle_, _Seide_.

  Analyse von Gespinsten und Geweben.

  2. Hölzer.

  3. Papier, Holzschliff.

  4. Insektenpulver und Verfälschungen.


Schema für ein pharmakochemisches Praktikum.

  1. Präparative Arbeiten, Darstellung von Pflanzenstoffen; reine
  Pharmakochemie.

  Amygdalin aus _Sem. amygdal. amar._

  Barbaloin aus _Barbadosaloë_.

  Glycyrrhizinsäure aus _Rad. liquiritiae_.

  Glycyrrhetinsäure aus Glycyrrhizinsäure.

  Kaffein aus _Fol. Theae_.

  Cumarin aus _Tonkobohnen_.

  Emodin aus _Cort. frangulae_.

  Chrysophansäure aus _Rhiz. rhei_.

  Ölsäure aus _Ol. amygdalae_.

  Strychnin aus _Sem. strychni_.

  Piperin aus _Piper album_.

  Abietinsäure aus _Colophonium_.

  Pimarsäure aus _franz. Terpentin_.

  Euphorbon aus _Euphorbium_.

  Amyrin aus _Manila-Elemi_.

  Benzoësäure aus _Benzoë_.

  Zimtsäure aus _Styrax_.

  Zimtaldehyd aus _Zimtöl_.

  2. Wertbestimmungen; angewandte Pharmakochemie.

  a) Bei Alkaloiddrogen (gravimetrisch und titrimetrisch): _Cort.
  chinae_, _Opium_, _Guarana_, _Sem. arecae_, _Sem. strychni_, _Fol.
  belladonnae_, _Fruct. conii_, _Rhiz. hydrastidis_, _Rad. belladonnae_.

  b) Bei Harzdrogen (Säurezahl, Verseifungszahl usw.): _Colophonium_,
  _Perubalsam_, _Copaivabalsam_, _Benzoë_, _Styrax_.

  c) Bei ätherischen Ölen (Aldehyd-, Menthol-, Santalol-Bestimmung):
  _Ol. cinnamomi_, _Ol. menthae_, _Ol. santali_.

  d) Bei Fetten und fetten Ölen (Säurezahl, Jodzahl, -- Refraktion):
  _Ol. amygdalae_, _Ol. olivae_, _Ol. Cacao_. Schmelzpunkt: _Ol.
  cacao_, _Adeps_.

  e) Bei Wachsen (Säurezahl): _Cera flava_.

  f) Bei _Flor. cinae_ (Santonin) und _Senf_ (Senföl).

  g) Trockengewicht- und Aschebestimmungen: _Crocus_, _Kamala_.

  h) Kolorimetrische Bestimmungen: _Crocus_, _Rhiz. rhei_.

  =Lit.= +Jon. Pereira+, Introductory lecture on mat. medica delivered
  at the establishment of the pharm. soc. Pharm. Journ. Transact.
  1. (1842) p. 565. -- A. T. +Thomson+, Intr. lect. to a course of
  general and med. botany etc. Ebenda p. 620. -- +Buchheim+, Über die
  Aufgaben der jetzigen Vertreter der Pharmazie an den Universitäten.
  Arch. Ph. 1879. XI. 289. -- +Flückiger+, Der pharmazeut. Unterricht
  in Deutschland. Arch. Pharm. 1885. -- +Derselbe+, Universität oder
  Fachschule. Pharm. Zeit. 1888. -- +Tschirch+, Die Pharmakognosie
  als Wissensch. u. ihre Bedeut. f. d. pharmazeut. Studium. Pharm.
  Zeit 1881. -- +Derselbe+, Das pharmazeut. Universitätsinstitut u.
  d. akadem. Studium d. Pharmazeut. in der Schweiz, Deutschland u.
  Österreich. Bern 1891. -- +Derselbe+, Die Entwicklungsgeschichte d.
  pharmaz. Universitätsinstitute. Pharm. Post. 1893. -- +Derselbe+,
  Erinnerungen an +August Garcke+, Ber. pharm. Ges. 1904. --
  +Derselbe+, Pro pharmacognosia. Ebenda 1907. -- +Derselbe+, Was ist
  eigentlich Pharmakognosie? Zeitschr. öster. Apoth.-Ver. 1896 und
  Pharmaz. Zentralhalle 1907. -- +Hartwich+, Noch ein Wort über die
  Pharmakognosie in Deutschland. Apoth.-Zeit. 1907. Nr. 14. -- +Arthur
  Meyer+, Professuren für Pharmakognosie an den deutschen Hochschulen.
  Apoth.-Zeit. 1907. Nr. 22.

  Für das pharmakognostische Praktikum: +Schär+ und +Zenetti+,
  Anleitung zu analytisch-chemischen Übungsarbeiten. Berlin 1897. --
  +Rosenthaler+, Grundzüge der chem. Pflanzenuntersuchung. Berlin
  1904. Die Literatur für das pharmakoanatomische Praktikum siehe
  Pharmakoanatomie.



                      «Was soll man von dem vielfältigen arglistigen
                      Betrug, gefährlichen Ränken und Schränken
                      sagen, welche von Materialisten verderblicherweise
                      geübt werden.»

                                        ~Ludw. von Hornick~ 1645.


IX. Angewandte Pharmakognosie.


Von dem mitten in der Praxis stehenden Apotheker wird niemand
verlangen, daß er reine Pharmakognosie wissenschaftlich betreibe,
dazu fehlt es ihm an Zeit und meist auch an dem nötigen Rüstzeug,
den notwendigen wissenschaftlichen Hilfsmitteln, aber +er ist recht
eigentlich der Vertreter der angewandten Pharmakognosie+. Auch kann
er sehr wohl die Bestrebungen der wissenschaftlichen Pharmakognosie
von sich aus unterstützen, wie dies schon der Apotheker ~Matthias
Bansa~ (1641) getan, der ~Joh. Schröder~ mit Material versah, wie
wir es von dem Hofapotheker der Königin Elisabeth, ~Hugo Morgan~,
wissen, der (Ende des XVI. Jahrh.) ~Clusius~ unterstützte und wie es
auch der portugiesische Apotheker ~Pires~ in seinen berühmten Briefen
(1512–1516) tat. Ferner seien erwähnt der Apotheker ~Joh. Heinr. Linck~
in Leipzig (um 1719), der treffliche Leipziger Apotheker ~Joh. Ralla~,
dem sein Neffe ~Cordus~ die Anregung zu dem Dispensatorium verdankt
und der, ebenso wie der Wittenberger Apotheker ~Kaspar Pfruend~,
~Cordus~ mit Rat unterstützte, sowie endlich der um die Einführung der
_Ipecacuanha_ (1672) verdiente Apotheker ~Claquenelle~. Der Jesuit
~G. J. Kamel~ (Camellus), der in Manila eine Apotheke errichtete,
sandte von 1688 an viele Pflanzen und deren Produkte, sowie von ihm
gezeichnete Abbildungen -- unter anderem _Ignatiusbohnen_ -- an ~Ray~
und ~Petiver~ in London.

Beispiele dafür, daß auch mitten in der Praxis stehende praktische
Apotheker wissenschaftlich vollwertige Arbeit auf pharmakognostischem
Gebiet zu leisten vermögen, bieten ~Jahns~ (Göttingen) durch seine
Untersuchungen über Trigonellin und die Arecaalkaloide, ~Hartwich~
(damals Tangermünde) durch seine Studien über die Gallen, ~Aweng~,
~Gerock~, ~Tunmann~, ~Kremel~ und andere, die als Floristen,
Pilzforscher oder dergl. tätig waren und sind.

Die Abgrenzung der angewandten Pharmakognosie von der reinen wurde von
dem Zeitpunkt an notwendig, wo die letztere sich zu einer selbständigen
reinen Wissenschaft entwickelt hatte. Der Ausdruck «angewandte
Pharmakognosie» wurde von mir zuerst in dem auf dem XII. medizinischen
Kongresse in Moskau 1897 gehaltenen Vortrage: «Die Anwendung der
vergleichenden Anatomie zur Lösung von Fragen der angewandten
Pharmakognosie» benutzt.

  Die angewandte Pharmakognosie umfaßt:

  1. die Prüfung der Drogen auf Identität und Reinheit (Verfälschungen
  und Verwechslungen),

  2. Aufbewahrung der Drogen.


1. Prüfung der Drogen auf Identität und Reinheit

(+Verfälschungen und Verwechslungen+).

Die Erkennung von Verfälschungen und Verwechslungen ist der wichtigste
Teil der angewandten Pharmakognosie. Wissenschaftliche Pharmakognosie
wird ja zum Teil nur deshalb getrieben, um den Apotheker in den Stand
zu setzen, die Drogen richtig beurteilen zu lernen, sie also auf
Identität und Reinheit prüfen zu können.

Verfälschungen erwähnt schon ~Plinius~ an verschiedenen Stellen. Im
Artikel _Bdellium_ z. B. bespricht er die Verfälschungen mit anderen
Harzen und fährt fort: «Man erkennt sie aber alle (was auch in Bezug
auf die übrigen Räucherspezies ein für allemal hier gesagt sein mag)
am Geruche, der Farbe, der Schwere, dem Geschmacke und dem Verhalten
am Feuer». Auch bei _Weihrauch_ und _Myrrhe_ beschreibt ~Plinius~ die
Verfälschungen und ihre Erkennung. ~Scribonius Largus~, sowie auch
~Dioscurides~, ~Celsus~ und ~Plinius~ berichten über Fälschungen des
_Opiums_.

Auch ~Dioscurides~ erwähnt oft die Verfälschungen und gibt die
Zeichen für die Echtheit und Güte an, z. B. bei der _Keltischen
Narde_, der _Cassia_, dem _Zimt_, dem _Balsam_. Beim _Safran_ gibt er
eine Anleitung zur Erkennung von ausgezogenem (Krokomagma) oder mit
eingedicktem Moste, mit zerriebener Bleiglätte oder Molybdaina (Minium)
verfälschtem _Safran_. Und ~Plinius~ bemerkt vom _Safran_«adulteratur
nihil aeque»und vom _Pfeffer_, daß er mit _Wachholderbeeren_ vermischt
werde.

Schon im XI. Jahrh. wird in dem Buche: +De simplicibus medicamin. ad
Paternianum+ auf die Ähnlichkeit von _Anis_- und _Conium_früchten
hingewiesen, die man so leicht verwechseln kann.

Ebenso gedenkt der +Ricettario fiorentino+ (XV. Jahrh.) zahlreicher
Verfälschungen.

~Oribasius~ (geb. c. 350) gibt bereits in den +Synagogai+ bei einigen
Drogen Reaktionen auf Identität und Reinheit an, und ~Cronenburg~
empfiehlt in seinem Werke: +De compositione medicamentorum+, Frankfurt
1555, eine genaue Prüfung aller Arzneimittel.

Die älteste uns erhalten gebliebene +Verordnung gegen Verfälschung+
stammt aus dem XIII. Jahrh. (um 1277) und wurde in Marseille erlassen
(Statut. Massiliens. 5. 21).

In Venedig bestand 1374 ein eigenes «+Ufficio dello Zafferano+» zur
Überwachung des _Safran_handels.

1412 erließ Köln ein Verbot gegen gefälschten _Ingwer_ (Liber
registrationum senatus 1396–1440).

In Nürnberg mußten die Färber schwören, zum Färben nur _Waid_ und nicht
_Indigo_ zu verwenden, und es stand Todesstrafe auf Übertretung des
Gebotes (~Nübling~).

Besonders der _Safran_ war von jeher der Verfälschung unterworfen. Eine
Ordnung über «_Safran_ und dessen Schau und Kauf» findet sich unter
den Nürnberger Polizeigesetzen des XV. Jahrh. Schon in dieser wird
verlangt, daß die Bezeichnung genau dem Befunde entsprechen müsse, also
für «Ortsaffran und Lyonisch Saffran» nicht ein minderwertiger _Safran_
gegeben werden dürfe, und daß «Föminelle und geverlichen Pulver»nicht
beigemengt sein sollen. Die Strafen für _Safran_fälschung waren sehr
hart. Aus den Nürnberger Annalen sehen wir, daß ~Jobst Friedenkern~,
der gefälschten Safran für gut verkauft, «sammt dem Saffran lebendig
verbrannt worden am 17. Jacobstag 1449». Ebenso sind ~Hanns Kölbel~
und ~Lienhard Frey~ 1456 wegen Fälschung des _Safrans_ und anderen
Gewürzes «sammt ihrer gefälschten Waar lebendig verbrennet» die ~Else
Pfragnerin~, «die ihnen darzu geholfen», aber lebendig begraben worden!
1499 wurden ~Hannsen Bock~ in Nürnberg «wegen betrüglicher Arznei»
beide Augen ausgestochen. Später, im XVI. und XVII. Jahrh., wurde dann
nur die Ware verbrannt (~Peters~), ja sogar ein Zusatz von 8% Feminell
zum _Safran_ erlaubt. Besser davon kam in Venedig 1402 der Apotheker
~Zanoni de Rossi~, der sich ertappen ließ, als er dem _Theriak_ keinen
_Rhabarber_, kein _Amomum_, _Opopanax_ und _Safran_ zusetzte, den
_Safran_ mit _Carthamus_ verfälschte und falschen _Moschus_ hielt. Die
Avogaria di commun ließ seine Präparate über die Rialtobrücke in den
Kanal werfen, den Sünder aus dem Berufe stoßen, gefangen setzen und mit
einer Buße von 400 Golddukaten belegen -- allerdings nur in contumaciam
(~Flückiger-Tschirch~, +Grundlagen+). Ein anderer Apotheker, der statt
weißer rote _Korallen_ benutzt hatte, wurde im XV. Jahrh. vom König von
Aragonien zu einer Buße von 9000 Dukaten und einjährigem Ehrverluste
verurteilt. Im Jahre 1456 wurden in Zofingen (Schweiz) zwei Bürger
wegen Fälscherei des _Safrans_ und anderer Gewürze lebendig verbrannt
und eine Frau, welche dabei behilflich gewesen, lebendig begraben
(~Reber~).

Auf dem Reichstage von Augsburg 1551 wurde sogar ein für das ganze
deutsche Reich gültiges Polizeigesetz gegen geschmierten _Safran_
erlassen. Aber schon im XIV. Jahrh. bestanden solche Verordnungen in
Regensburg und München. Im Privilegium aromatariorum von Mailand (1573)
werden Piperino und Zafloro als verwerfliche Surrogate des _Pfeffers_
und _Safrans_ bezeichnet.

Das Edikt Heinrichs II. von Frankreich bedrohte die _Safran_fälscher
mit körperlicher Züchtigung (vgl. auch ~Elben~, +Die Lehre von der
Warenfälschung+. Diss. Tübingen 1881).

Auch der Fälschung der _Nelken_ mit Stielen (Fusti) wird schon in
einer Nürnberger Verordnung vom Jahre 1443 Erwähnung getan (~Baader~,
Nürnberger Polizeiverordn.) und 1721 werden als Fälschungen der
_Nelken_ und des _Zimt_: ausgezogene Droge, Baumrinde, braune Wurzeln,
als Fälschungen des _Pfeffer_: faules Holz und scharfe Wurzeln, als
solche des _Ingwer_: zerstoßene Erbsen aufgeführt (~Hönn~). Gefärbter
_Ingwer_ wird auch in einer Verordnung Karls V. erwähnt.

Daß die amtliche Erlaubnis, Succedanea quid pro quo (vgl. S. 18) den
echten Drogen zu substituieren, ebenfalls vielfach zu Betrug und
Fälschung in den Apotheken führte, ersehen wir aus den beiden von
~Peters~ mitgeteilten Schmähschriften: ~Lisseto Benanico~, +Eröffnung
aller betrüglicher Handgriffe und Irrsalen, so von den Apoteckern
begangen werden+, 1533, und ~Anton Lodetto~, +Gespräch von den
Betrügereien etlicher Apotheker+ 1569.

Die Einführung regelmäßiger Apothekenrevisionen und die Handhaben,
welche die moderne Wissenschaft -- Pharmakobotanik und Pharmakochemie
-- liefern, haben diesem Treiben fast ganz ein Ende gemacht. Auf diesem
Gebiete wird kein Laudator temporis acti seine Stimme erheben. Die
«gute alte Zeit» war hier eine «schlechte alte Zeit». Und es ist in
+jeder+ Hinsicht besser geworden, trotzdem die Strafen für Fälschung
nicht mehr so grausame sind wie ehedem und niemand mehr hingerichtet,
lebendig verbrannt oder lebendig begraben, ertränkt oder der Augen
beraubt, ja nicht einmal mehr körperlich gezüchtigt und höchstens mit
«einem pfund Buß ohne Gnade» und «Strafe der Verlierung» belegt wird,
wenn man ihn auf einer Fälschung ertappt.

Schon ~Hönn~ empfiehlt in seinem Buche: «+Kurz eingerichtetes
Betrugslexikon+» (Leipzig 1720) die +Scheidekunst+ zur Aufdeckung
von Fälschungen, wie der Beimischung von Holzmehl und Erbsenmehl (im
_Ingwer_), von extrahierten Gewürzen und Beschwerungsmitteln (im
_Safran_).

Vorschriften zur Untersuchung des _Färberwaid_ finden sich in der
Schweidnitzer Tuchwebeordnung vom Jahre 1335 (+Codex diplomaticus
Silesiae+).

Bereicherung unserer Kenntnisse über Drogenfälschungen und
minderwertige Handelssorten verdanken wir in neuerer Zeit besonders
~Hartwich~, ~Holmes~ und ~Perrot~.

Die =Prüfung auf Identität und Reinheit= kann eine dreifache sein.
Zunächst wird man die Droge immer +morphologisch+ prüfen, dann
+mikroskopisch+ und endlich +chemisch+ und +physikalisch+.

       *       *       *       *       *

Die =morphologische Prüfung= erstreckt sich auf das äußere Aussehn, die
Form der Teile und ihre gegenseitigen Beziehungen zueinander, sowie auf
die Größenverhältnisse. Hier wird also das, was die Pharmakomorphologie
lehrt, auf den praktischen Fall angewendet. Bei den Wurzeln wird man
also ihre Form, Anheftung, äußere Skulptur (Runzeln), Dicke und Länge;
bei den Rhizomen das Verzweigungssystem, die Oberflächengestaltung
(Querrunzeln, Blattnarben) und den Durchmesser; bei den Blättern die
Umrißgestaltung, die Skulptur des Randes (Blattzähne, Blattspitze),
die Nervatur; bei den Blüten den allgemeinen Bau und die Form der
Teile in Betracht ziehen. Schon diese morphologische Prüfung führt den
pharmakobotanisch Geschulten schnell zur Feststellung der Identität und
zur Auffindung etwaiger Beimischungen. Konnte ich doch z. B. zeigen,
daß allein die Nervatur der Blattzähne genügt, um die gewöhnlichen
Beimengungen der _Digitalis_blätter und des _Tee_ zu ermitteln.

Im extremsten Falle ist die vorliegende Droge überhaupt nicht das
verlangte Objekt. Das kommt selten vor. So besteht wohl einmal: _Rhiz.
hellebori_ nur aus den Rhizomen von _Actaea spicata_, _Rhiz. filicis_
nur aus den Rhizomen von _Aspidium spinulosum_ oder _montanum_,
_Rad. Senegae_ nur aus _Rad. Vincetoxici_ oder _Rad. Serpentariae_,
_Herba Sabinae_ nur aus den Sprossen von _Juniperus phoenicea_, _Fol.
belladonnae_ aus der ganz wertlosen «_Belladonne d’Italie_».

Häufiger ist der Fall, daß fremde Beimengungen in größerer oder
geringerer Menge sich der echten Droge beigemischt vorfinden. Das kann
zufällig geschehen sein, indem der Sammler ein äußerlich ähnliches
Objekt mit sammelte, bei _Helleborus_ z. B. _Actaea spicata_, beim
_Kalmus Iris Pseudacorus_. Dies dürfte der häufigere Fall sein. Oder es
fand entweder am Produktionsorte oder beim Drogisten eine absichtliche,
also betrügerische Beimengung minderwertiger oder wertloser Drogen
statt. Beides kommt vor. Ja es werden sogar Kunstprodukte eigens
hergestellt, um Drogenfälschungen vorzunehmen. Bekannt sind die Fälle,
wo _Anis_-, _Kaffee_- und _Pfeffer_früchte aus Lehm geformt und den
echten beigemischt worden waren, bekannt ist besonders die zu einer
ganzen Industrie herangewachsene _Safran_fälschung, bei der nicht nur
mit Teerfarbstoffen gefärbte _Calendula_blüten, sondern auch eigens
präparierte Grasblattstreifen, Keimlinge von Leguminosen und Cerealien
Verwendung finden. Künstliche _Muskatnüsse_, aus _Muskatnuß_pulver und
Mineralsubstanzen gemischt und in Formen gepreßt, fanden ~Ranvez~ und
~Planken~ (1900). Natürlich wenden sich die Fälscher in erster Linie
den teuren Drogen zu. Von der Beschwerung des _Opiums_ mit Schrot-
und Bleikugeln wird noch im Kapitel Pharmakophysik die Rede sein und
auch beim _Crocus_«lohnt es sich»ja. Dann aber sind auch besonders
die Drogen, die infolge von Mißernten nur in geringer Menge angeboten
wurden, ganz besonders der Verfälschung unterworfen. Ist z. B. die
_Cubeben_ernte schmal und ungleich ausgefallen, so treten sofort fremde
Früchte und Samen, sowie Stiele in vermehrter Menge in den _Cubeben_
auf und werden die _Cascarilla_zufuhren gering, so finden sich in der
Droge mehr andere Rinden als sonst.

Ganz besonders gefährlich sind giftige Beimengungen. Niemals darf der
Apotheker unterlassen, den _Anis_ auf _Conium_früchte, den _Sternanis_
auf _Sikimi_früchte zu untersuchen. Denn schon eine kleine Beimengung
hat die schwersten Folgen.

       *       *       *       *       *

Nicht immer reicht aber die morphologische Prüfung aus und es muß erst
die =Lupe= und dann das =Mikroskop= zur Hand genommen werden. Besonders
der Lupe möchte ich auf dem Gebiete der angewandten Pharmakognosie das
Wort reden. Sie sollte ein rechter Apotheker, der auch ein rechter
Pharmakognost sein muß, überhaupt immer in der Westentasche bei
sich tragen. Wie viel sieht der Geübte schon mit diesem einfachen
Instrumente! Immerhin hat die Leistungsfähigkeit auch dieses
Instrumentes seine Grenzen und man muß zum =Mikroskope= greifen. Dies
ist nur selten bei ganzen Drogen nötig, immer bei gepulverten. Hier ist
der Ort, wo der Apotheker das, was er in der Pharmakobotanik, speziell
der Pharmakoanatomie, gelernt hat, verwerten kann. Denn nur ein
geschulter Pharmakognost findet sich in der =mikroskopischen Analyse=
pulveriger oder gepulverter Drogen zurecht. Hier aber ist auch der
Ort, wo die mikroskopische Methode über alle anderen triumphiert und
ihre größten praktischen Erfolge erzielt. Ein Blick in das Mikroskop
genügt z. B., um festzustellen, ob ein _Lycopodium_, eine _Kamala_, ein
_Lupulin_ verfälscht und womit es verfälscht ist. In vier Semestern
kann der Studierende so weit gebracht werden, daß er ein Gemisch von
3–4 feinst gepulverten Drogen mit sicherem Erfolge analysiert, wenn es
sich nicht gerade um besonders schwierige Objekte (Blattpulver, _Rad.
gentianae_ oder dergl.) handelt.

Ein besonderer Fall, wo die mikroskopische Diagnose einer Droge auf
das Vorhandensein einer +fremden+ Beimischung gegründet wird, ist
der _Agar-Agar_, den man geradezu an den in ihm stets vorkommenden
Diatomeen mikroskopisch erkennen kann.

In wünschenswertester Weise ergänzt wird aber die anatomische
Methode durch die =chemisch-physikalische= (vgl. Pharmakochemie und
Pharmakophysik). Schon ~Buchheim~ bemerkt (1879): «Somit hat die
botanische Pharmakognosie nur die Bedeutung eines Aushilfsmittels, an
dessen Stelle wir sobald wie möglich etwas besseres setzen müssen.
Die Bestimmung der Güte einer Droge läßt sich nur auf chemischem
Wege erreichen». Dieser Ausspruch ist berechtigt, jedoch mit der
Einschränkung, daß es auch Fälle gibt, wo die chemische Prüfung
versagt und die mikroskopische allein oder doch besser und rascher zum
Ziele führt (Stärke, Mehle, _Lycopodium_, _Kamala_). Ja gerade bei
Drogen+pulvern+ kommen wir mit der chemischen Untersuchung oft nicht
vorwärts und müssen zum Mikroskope greifen.

Schon die Feststellung von =Geruch=, =Geschmack= und =Farbe= sind
wichtig. Beträchtlich ist die Schwierigkeit sicherer Farbenbestimmung
selbst bei Leuten, die nicht farbenblind sind. Ganz vernachlässigt
ist die Übung unserer Nase und Zunge. Die Tea taster freilich und
die Degustatoren der Weinhändler besitzen eine geübte Zunge und eine
feine Nase, die Mehrzahl der Menschen aber vernachlässigen in einer
unverantwortlichen Weise die Übung dieser beiden Sinnesorgane. In der
angewandten Pharmakognosie spielen dieselben aber eine so wichtige
Rolle, daß ich mich ernstlich gefragt habe, ob es nicht angezeigt sei,
Riech- und Schmeck-Kurse für Apotheker einzurichten, um Zunge und
Nase zu üben. Es steht mit der Verwahrlosung dieser Sinnesorgane fast
so schlimm wie mit dem Zeichnen. Es gibt wahre Stümper im Riechen.
Es ist mir einmal vorgekommen -- es war allerdings im Examen -- daß
ein Praktikant Petroleum, auch nachdem er daran gerochen, für --
_Pfefferminzöl_ ausgab! Und doch kann man durch Übung Zunge und Nase so
schärfen, daß man auch Substanzen, die allgemein für geruchlos gelten,
schon durch ihren spezifischen Geruch voneinander unterscheiden kann,
wie z. B. Kartoffelstärke und Calciumkarbonat.

Immerhin bleiben aber die Prüfungen nach Geruch, Geschmack und Farbe
_individuell_. Der eine wird es in ihnen zu großer Virtuosität bringen,
ein anderer bringt es darin zu nichts Rechtem, denn es gibt auch hier
Talente und Stümper.

Vorzuziehen ist immer eine +objektive Prüfung+, die +jeder+ durchführen
kann, auch wenn er kein spezifisches Talent dazu hat. Das sind nun die
chemischen, und zwar zunächst die +qualitativen Reaktionen+.

Bei den nicht organisierten Drogen stehen sie überhaupt im Vordergrund.
Nicht daß man bei ihnen das Mikroskop nicht brauchen kann. Im
Gegenteil. Auch _Aloë_, _Elemi_, _französ. Terpentin_, _Traganth_ und
_Styrax_ bieten mikroskopische Bilder, die so charakteristisch sind,
daß sie zur Feststellung von Identität und Reinheit brauchbar sind.
Aber andere Drogen, wie die klaren Balsame, die ätherischen und fetten
Öle, können ja nur chemisch-physikalisch geprüft werden. Hier spielen
neben der +Feststellung des spezifischen Gewichtes+, des +Schmelz-
und Siedepunktes+, des +Aschengehaltes+, der +tinktorialen Kraft+ die
chemischen Reaktionen die Hauptrolle. Aber auch bei den organisierten
Drogen greift der Pharmakognost gern zu Identitätsreaktionen. Wie
leicht läßt sich durch solche der echte vom falschen _Sternanis_
unterscheiden, wie wirkungsvoll unterstützen chemische Reaktionen
die mikroskopische Prüfung des _Crocus_, wie leicht ist es mit Hilfe
einfacher Methoden nachzuweisen, ob die Oxymethylanthrachinondrogen
extrahiert sind oder nicht, oder ob ein _Digitalis_blatt wirklich
Digitoxin enthält.

Wo irgend möglich, wird man aber von der qualitativen Reaktion zur
+quantitativen Bestimmung+ vorschreiten. Schon die kolorimetrische
Bestimmung und die Feststellung der Fluoreszenzgrenze sind ja
quantitative Reaktionen. Die Feststellung der tinktorialen Kraft
kann mit Erfolg bei den Oxymethylanthrachinondrogen (nach dem
Ausschütteln der ätherischen Lösung mit Ammoniak), dann auch beim
_Crocus_ benutzt werden, der Feststellung der Sichtbarkeitsgrenze
der Fluoreszenz kann man sich bei der _Aloë_ bedienen; denn Aloin in
Boraxlösung fluoresziert. Aber die kolorimetrischen Prüfungen mit
und ohne Kolorimeter sind doch nicht ganz scharfe. Schärfer sind die
+titrimetrischen+ und besonders die +gravimetrischen Bestimmungen+.
Und so haben denn auch diese quantitativen Methoden mehr und mehr die
qualitativen verdrängt. Auch die Arzneibücher wenden ihnen mehr und
mehr ihre Aufmerksamkeit zu. Die neue schweizerische Pharmakopoee
(Edit. IV) gibt bei 35 Drogen quantitative Bestimmungen der wirksamen
Bestandteile an. Es sind dies: gravimetrische oder titrimetrische (oder
kombinierte) Bestimmung des Gesamtalkaloidgehaltes oder einzelner
Alkaloide, Säurezahl, Verseifungszahl und Jodzahl und Bestimmung
einzelner wichtiger Bestandteile (z. B. des Cinnameïns).

Jedenfalls darf aber eine quantitative Bestimmung der sog. wirksamen
Bestandteile nur dann eingeführt werden, wenn man die wirksamen
Bestandteile kennt -- bei _Secale cornutum_ und _Rhiz. Filicis_ hat
sie zurzeit noch keinen Zweck -- und immer muß sie den Erfordernissen
der Praxis angepaßt sein, die von einer in der +Praxis+ brauchbaren
Methode verlangen, daß +sie möglichst wenig umständlich, auch mit
einer geringen Menge Material in nicht zu langer Zeit ausführbar und
doch+ für die Praxis +genügend genau+ -- also: rasch, billig und
zuverlässig ist. Diese Bedingungen erfüllen z. B. die titrimetrischen
Bestimmungsmethoden in ausgezeichneter Weise.

       *       *       *       *       *

Wie man einen Drogenartikel unter Berücksichtigung aller beobachteten
Verfälschungsmittel und Benutzung aller Hilfsmittel (botanischer und
chemischer) für ein Arzneibuch, das ja in seinen Drogenartikeln die
besten Beispiele angewandter Pharmakognosie liefert -- oder doch
liefern soll -- kurz und doch erschöpfend redigieren kann, möge der
Artikel _Crocus_ in der Pharmakopoea Helvet. IV zeigen. Er lautet
(die Substanzen, auf welche sich die Prüfung bezieht, sind von mir in
Klammer beigesetzt):

  Die bisweilen noch durch ein sehr kurzes (+minderwertige
  griffelreiche Sorten+) helleres Griffelstück zusammengehaltenen drei
  Narben von _Crocus sativus L._

  Die charakteristisch riechenden Narbenschenkel der _Safran_blüte
  sind dunkelrot und, in Wasser aufgeweicht, 25–35 mm lang (+andere+
  _Crocus_+arten+). Sie bilden eine oben offene und dort gekerbte,
  lange, seitlich aufgeschlitzte Trichterröhre (_Carthamus_,
  _Calendula_, _Gramineenblätter_ und _Keimlinge_ usw.).

  Das Gewebe der Narbe besteht aus zarten, gestreckten Zellen. Vom
  Griffel tritt in jede Narbe ein Gefäßbündel ein. Dasselbe gabelt
  sich im oberen breiteren Teile der Narbe in zahlreiche Äste. Der
  obere Rand der Narbe ist mit Papillen besetzt, zwischen denen sich
  bisweilen die großen, runden, 35–50 mik. messenden Pollenkörner
  mit derber, glatter Exine (+die Pollenkörner von+ _Calendula_ und
  _Carthamus_ +haben keine glatte Exine+) finden.

  Das Pulver zeige bei Betrachtung mit dem Mikroskop unter Öl
  vorwiegend tief orangerote und nur sehr wenig gelbe Partikel
  (+Griffel+) und keine Kristalle (+beigemengte Salze+,
  _Safran_+surrogat+). Die Fragmente zeigen, in Wasser betrachtet,
  zartwandige gestreckte Zellen und zarte Gefäßbündel mit engen
  Spiralgefäßen. Dazwischen liegen einige wenige Pollenkörner. Weder
  Haare noch Korollenfragmente mit Sekretschläuchen (_Carthamus_) noch
  Holzzellen und Libriform (_Santel_, _Fernambuc_, _Campeche_) noch
  gelbe Kleisterballen (_Curcuma_) dürfen sich darin finden.

  Bringt man ein wenig des tieforangeroten Pulvers trocken auf den
  Objektträger, legt das Deckglas auf und läßt Schwefelsäure zufließen,
  so müssen von jedem Körnchen tiefblaue Streifen abfließen. Die zuerst
  tiefblau gefärbten Körnchen werden rasch rot, dann braunrot. Ammoniak
  färbt bei gleicher Behandlung gelb (+Safransurrogat+).

  Mit Kalilauge erwärmt, entwickle _Safran_ kein Ammoniak (+Ammonsalze,
  die nicht in der Asche gefunden werden+). Bei 100° getrocknet,
  verliere er höchstens 12% an Gewicht (+zu viel Feuchtigkeit+) und
  werde brüchig (+Glyzerin+). 100 T. _Safran_ sollen an Petroläther
  höchstens 5 T. abgeben (+Fette+). Der getrocknete _Safran_
  hinterlasse nach dem Verbrennen höchstens 6% Asche (+mineralische
  Beimengungen+).

  Man bringt 1 dg feingeschnittenen _Safran_ in 1 Liter Wasser und
  läßt über Nacht stehen. 10 ccm dieses Auszuges, mit 1 Liter Wasser
  gemischt, sollen eine noch deutlich gelb gefärbte Flüssigkeit geben
  (+extrahierter+ _Safran_). Der wässerige Auszug des _Safrans_
  schmecke schwach bitter, nicht süß (_Zucker_).

Dies Beispiel und die obigen Ausführungen zeigen auf das deutlichste,
daß auch die angewandte Pharmakognosie keine rein botanische Disziplin,
sondern daß sie zur guten Hälfte chemisch ist (vgl. S. 8).

Für einige Drogen, z. B. für _Fol. digitalis_, ist auch die
physiologische Prüfung am Frosch oder an Warmblütlern zur
Wertbestimmung herangezogen worden. Sie liegt schon außerhalb
der Aufgaben der Pharmakognosie und gehört in das Gebiet der
experimentellen Pharmakologie.

Die Droge endet, bevor sie in die Hände des Kranken kommt, in der
Apotheke. Der Apotheker ist die einzige Instanz in der langen Reihe
der Leute, durch deren Hände die Droge geht, dem die +Pflicht+
der Drogenkontrolle überbunden und der ausreichend vorgebildet
ist, sie sachgemäß durchzuführen. +Keine Droge darf von ihm an das
arzneibedürftige Publikum abgegeben werden, ohne daß er zuvor sie auf
Identität und Reinheit geprüft hat.+

Aber es dürfte sich doch auch empfehlen, daß schon im Einfuhrhafen
eine bessere Drogenkontrolle eingeführt würde. Wenn sich die
importierenden Firmen einer großen Hafenstadt vereinigten, könnten
sie sehr wohl eine +Kontrollstation+ einrichten und unterhalten,
die von einem pharmakognostisch gut geschulten Apotheker geleitet,
mit 3–4 Assistenten die gesamte Drogenkontrolle besorgen würde.
Dann könnte man schon im Einfuhrhafen den _Perubalsam_ nach seinem
Cinnameïngehalte, die _Ipecacuanha_ nach ihrem Gehalte an Emetin und
Cephaëlin, das _Zimtöl_ nach dem Zimtaldehyd- und das _Santelöl_ nach
dem Santalolgehalte handeln, wie man schon jetzt die _Chinarinde_
nach ihrem Chiningehalte bezahlt (S. 179). Dort könnten auch Säure,
Ester und Jodzahl der Harze, Balsame und Fette bestimmt werden. Und
ich könnte mir sehr wohl einen jetzt als ideal empfundenen Zustand
realisiert denken, wo kein größerer Posten einer wertvollen Droge die
Speicher des Importhafens verläßt, um in den Kleinhandel einzutreten,
ohne mit einem Zertifikat über seine Beschaffenheit versehn zu sein.
Denn Drogen nur nach dem Aussehn kaufen, heißt die Katze im Sack
kaufen. Ich will nur daran erinnern, daß es Drogen gibt, die prächtig
aussehn und doch nichts taugen. Mir ist einmal eine wunderschöne
_China regia plana_ in die Hände gekommen, die keine Spur _Chinin_
enthielt. Der Drogist von heute sieht noch zu sehr auf schönes Aussehn
und zu wenig auf den Gehalt. Immerhin nimmt doch auch schon der
Großdrogenhandel Rücksicht auf die Pharmakopoeen und bietet einige
Waren (z. B. _Copaivabalsam_) in pharmakopoegemäßen Sorten an (vgl. S.
202).

+Drogenprüfungsanstalten in den Handelszentren+, besonders den
Einfuhrhäfen, könnten auch den Fälschungen und Substitutionen steuern,
so daß nicht erst in der Apotheke der giftige _Sternanis_ erkannt wird,
jahrelang falsche _Cascarilla_ im Handel bleibt und aus _Aspidium
spinulosum_ bereitetes _Filix_extrakt verkauft wird. Sie würden
freilich keineswegs den Apotheker von der Pflicht entbinden, seine
Drogen anzusehn und die Drogenpulver zu mikroskopieren, könnten aber
als zweites Schutzmittel sehr nützlich wirken.

In die Bresche getreten sind aus eigener Initiative und auf eigene
Kosten einige große Drogenhandlungen des Binnenlandes, die übrigens zum
Teil direkte Verbindungen mit den überseeischen Plätzen unterhalten
und auch einige Importeure in Hafenplätzen. So unterwerfen z. B.
~Gehe & Co.~, ~Caesar & Loretz~, ~Schimmel & Co.~, ~Hänsel~, ~Merck~,
~Roeder~, ~J. D. Riedel~, ~Brückner~, ~Lampe & Co.~, ~Julius Grossmann~
u. and. die wichtigsten Waren einer sorgfältigen chemischen Kontrolle
und die Handelsberichte dieser Firmen enthalten viele wertvolle
Mitteilungen über bei der Prüfung erzielte Ergebnisse, die besonders
für die angewandte Pharmakognosie von Wichtigkeit und längst ein
Faktor geworden sind, mit dem der Praktiker und die Redakteure der
Pharmakopoeen rechnen müssen.

Übrigens treffen, wie ich schon oben (S. 170) bemerkte, die
Angestellten der Großdrogenhäuser, die als «taster» fungieren, auf
Grund reicher Erfahrung auch ohne Analyse sehr oft das Richtige und
beurteilen im allgemeinen schon nach dem Äußeren, nach Aussehn, Farbe,
Geruch und Geschmack die Droge richtig nach ihrem Wert, wenigstens in
den Fällen, wo das Äußere einen Schluß zuläßt.

Es ist für den der Praxis des täglichen Lebens ferner stehenden
Pharmakognosten ziemlich schwierig, sich ein Bild davon zu machen,
+welche Verunreinigungen und Verfälschungen bei den Drogen wirklich
auch heute noch vorkommen+. Die Angaben der Lehrbücher über
Verfälschungen stammen meist aus früherer Zeit, werden oft aus einem
Lehrbuche ins andere kritiklos hinübergenommen und entsprechen
nicht immer, ja nicht einmal häufig dem tatsächlich Vorkommenden.
Die Leiter der Untersuchungslaboratorien der Großdrogenhandlungen
und die Apothekenrevisoren sind fast die einzigen, welche einen
Einblick erhalten in die Welt der Drogen «wie sie ist», die von den
Verfälschungen und Beimischungen der Drogen, wie sie heute vorkommen,
Kenntnis erhalten. +Es wäre sehr wünschenswert, wenn diese regelmäßige
Berichte ihrer Befunde veröffentlichen würden.+ In den Handels- und
Drogenberichten einiger Großdrogenhäuser wird bisweilen von Fälschungen
berichtet, aber meist nur, wenn es sich um besonders flagrante Fälle
handelt. Diese werden dann wohl auch in der Fachpresse besprochen,
wie z. B. der neulich vorgekommene Fall von giftigem _Sternanis_. Die
wichtigsten Auskünfte aber vermögen die +Apothekenrevisoren+ zu geben,
die an Stelle der «Beschauer» , «Prüfer», «Merkarte» Nürnbergs (im XV.
Jahrh.) und der «Signori sopra le merci» Venedigs (im XIV. Jahrh.)
getreten sind.

Es ist sehr dankenswert, daß dann und wann ein Apothekenrevisor, wie
z. B. ~Mitlacher~ in Wien (1904)«die Ergebnisse der Apothekenvisitation
bezüglich der Arzneidrogen»veröffentlicht. Es wäre sehr wünschenswert,
wenn dies regelmäßig geschähe.

Ein schlagendes Beispiel für die außerordentliche Bedeutung, die
die angewandte Pharmakognosie für die Praxis des Apothekers und
die allgemeine Gesundheitspflege besitzt, ist in neuester Zeit uns
entgegengetreten. Es ist gelungen, mit giftigen _Sikkimi_früchten
vermischten _Sternanis_ rechtzeitig abzufangen, ohne daß Vergiftungen
vorgekommen sind. Was das bedeutet, geht schon daraus hervor, daß das
Sikkimin giftiger ist als Pikrotoxin. Ebenso gelang es in neuester
Zeit, mit _Conium_früchten vermischten _Anis_ rechtzeitig zu erkennen,
so daß es auch hier nicht zu Vergiftungen kam. Andererseits hätte jener
bedauerliche, durch beigemengten _Aconit_ verursachte Vergiftungsfall,
der tödlich verlief (1898), vermieden werden können, wenn das fragliche
_Tormentillrhizom_ sorgfältig durchmustert worden wäre.

  =Lit.= +Schelenz+, Geschichte d. Pharmazie. -- +Flückiger-Tschirch+,
  Grundlagen. -- +Georg Paul Hönn+, Kurz eingerichtetes Betrugslexikon.
  Leipz. 1720. -- A. +Bussy+ et A. F. +Boutron-Charlard+, Traité
  des moyens de reconnaitre les falsifications des drogues simples
  et composées. Paris 1829. -- +Favre+, De la Sophistication des
  substances médicamenteuses et des moyens de la reconnaitre. Paris
  1812. -- +Desmarest+, Traité des falsifications relatives à la
  médecine etc. Paris 1828. -- +Walchner+, Verfälschung der Droguen.
  Karlsruhe 1842. -- K. +Elben+, Zur Lehre der Warenverfälschungen
  in geschichtl. Hinsicht. Diss. Tübingen 1881. -- +Peters+, Aus
  pharmazeut. Vorzeit. 1 Band (2. Aufl.) 1891. Neue Folge 1889.
  -- +Kraemer+, What is Pharmakognosie? Pharm. Journ. 1899, Nr.
  1526. -- +La Wall+ u. +Pursel+ (Verfälschungen u. Substitutionen
  gebräuchlicher Drogen im nordamerikanischen Handel). Amer. Journ.
  pharm. 1899 p. 393. -- +Villiers+ et +Collin+, Traité des altérations
  et falsifications des substances alimentaires. Paris 1900 avec 633
  Fig. -- +Wardleworth+ (Neue Drogen auf dem englischen Markt u.
  Substitutionen exotischer Drogen), Pharm. Journ. Nov. 1900 p. 512.
  -- +Mitlacher+, Zeitschr. d. österr. Apothekerv. 1904. -- +Perrot+,
  Substitutions et falsifications de quelques drogues medicament. Bull.
  sc. pharmacolog. 1907. p. 346.


2. Aufbewahrung der Drogen.

Auch die +Aufbewahrung der Drogen+ gehört in das Gebiet der angewandten
Pharmakognosie. Nur der wird eine Droge sachgemäß aufbewahren und zur
richtigen Zeit erneuern können, der ihre Eigenschaften kennt. Es ist
also pharmakognostische Schulung erforderlich, um den praktischen
Erfordernissen einer richtigen +Aufbewahrung+ gerecht zu werden.

Bereits bei ~Dioscurides~ finden sich Angaben über Aufbewahrung.
«Für die flüssigen Arzneien eignet sich ein durch und durch dichter
Behälter aus Silber, Glas oder Horn verfertigt, auch ein irdener,
nicht poröser ist dazu passend und ein hölzerner, wie er besonders
aus Buchsbaum verfertigt wird. Die erzenen Gefäße sind angebracht für
Augen- und feuchte Mittel, besonders für solche, die aus Essig, aus
Teer und Cedernharz bereitet sind. Fette und Mark müssen in Zinngefäßen
aufbewahrt werden.» -- «Weiterhin muß man wissen, daß einige
Pflanzenmittel viele Jahre sich halten, wie die weiße und schwarze
_Nießwurz_, die übrigen zumeist auf drei Jahre hin brauchbar sind.» --
«Man muß die reinen Wurzeln sofort an nicht feuchten Orten trocknen,
die mit Erde oder Lehm behafteten in Wasser abwaschen, die Blüten
aber und was Wohlgerüche enthält in trockenen Kästen von Lindenholz
aufbewahren. Manches gibt es, was vorteilhaft in Papier oder Blätter
eingehüllt wird zur Erhaltung der Samen.»

Auch in ~Susrutas~ +Ayur-Veda+ (siehe Geschichte) befinden sich Angaben
über die Beschaffenheit der Räume, in denen die Drogen aufbewahrt
werden sollen.

~Saladin~ sagt in dem um die Mitte des XV. Jahrh. verfaßten Compendium
aromatariorum: «In primis igitur debet quilibet aromatarius sibi
locum aptum eligere, in quo apothecam aptissimam ad res medicinales
conservandas tenere valeat, ita, quod sit a ventis et a Sole defensa
et quod non sit humida, nec fumosa, aut pulverulenta, quia praedicta
omnia habent tam simplices, quam compositas medicinas corrumpere aut
alterare.» -- «Et quia flores herbarum sunt rarioris et subtilioris
substantiae quam herbae ideo minori tempore conservantur et ideo
usque ad annum conservantur et non ultra.» Und auch der +Ricettario
fiorentino+ enthält bereits ein Kapitel: «Del pro vedere eleggere e
+conservare+ le medicine semplici.»

Sehr genaue und bestimmte Vorschläge macht ~Brunfels~ in seiner
+Reformation der Apotecken+ (Straßb. 1536):

«In was geschirren, eine yede Artzney soll bewaret werden»: «Blümlin
unn was wolriechenden samens, soll bewaret werden in zarten büchsen
oder lädlinen, oder was sonst zart, damit sie nit allein nit ersticken,
sonder auch nit verriechen, und zu gar dürre werdent, was aber von
früchten artzneyen ist, soll in Silber, glaß, horn, oder krüg, die nit
durchschlahen verfaßt werden. Artzneyen zugehörent den augen, oder die
do gemacht, von weichem bäch (Pech) oder Cedersaft, sollen in Eerinen
geschirren erhalten werden, Marck, Unschlyt, und was der feyste seind
in zynenen büchsen. Die Rob werden am allerbasten behalten in erdenen
Leonischen oder niderlendischen krüglin, desgleichen die Conserve.
Aber die öle wärent am allerbasten in gläsinen geschirren, solten auch
woll verstopfft sein. Species Aromatice in goldt, silber oder sonst
guten züg. Alles was Sur, in verbichten, oder verwächsten geschirren.
Der Thiriacks, so er gerecht, were auch woll einer güldinen büchßen
werdt, aber yetzundt so mag er in einer zynenen oder bleyen büchßen,
auch woll bleyben.»

Von vielen Drogen wissen wir, daß sie durch längere Aufbewahrung
an Wert verlieren. Es kommt dies daher, daß die Stoffumsetzung
innerhalb einer Arzneipflanze oder einem Teile derselben nicht mit
dem beim Trocknen eintretenden Absterben erlischt, sondern daß auch
in der trocknen Droge noch mannigfache Umsetzungen stattfinden. Der
Alkaloidgehalt vieler Drogen geht mit der Zeit zurück (Alkaloiddrogen),
auf Veränderungen in der Zusammensetzung deutende Geruchsänderungen
treten ein (_Lupulin_), die Farbe verändert sich (z. B. von
grünlich in rot: _Filix_), der Geruch verschwindet oder geht
zurück (Riechstoffdrogen). Sehr merkwürdig ist es, daß die meisten
Riechstoffdrogen rascher ihren Geruch verlieren und «dumpfig» werden,
wenn sie dicht übereinander geschichtet in hermetisch verschlossenen
Gefäßen aufbewahrt werden. Es geschieht dies besonders dann, wenn die
Drogen nicht ganz trocken sind. Auch _Herb. cannabis_ darf nicht in
festverschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden, sondern (am besten) in
perforierten Holzbüchsen. Für Aufbewahrung von Drogen eignen sich am
besten Holzfässer, Hartpappe-Kisten oder -Fässer oder Blechbüchsen.

Sehr bemerkenswert ist die Tatsache, daß eine an sich und im freien
Zustande nicht sehr zersetzliche Substanz dadurch in die Zersetzung mit
hineingezogen wird, daß sie sich in Gesellschaft leicht zersetzlicher
und in Zersetzung begriffener Verbindungen befindet. So sehen wir,
daß in ölreichen Drogen zu der Zeit, wo dieselben ranzig werden, auch
andere Substanzen sich zu zersetzen beginnen. Für solche postmortalen
Umsetzungen ist die Gegenwart von Wasser immer förderlich, für
viele direkt notwendig. Das Trocknen der Droge konserviert also die
Bestandteile und das Trockenhalten wird für viele zur Notwendigkeit.

Um Drogen dauernd trocken zu halten, empfiehlt sich die Anwendung der
sogenannten +Kalkkiste+, d. h. einer Blechkiste mit gut schließendem
Deckel und doppeltem durchbrochenem Boden, unter welchem sich eine
Schicht gebrannten Kalkes befindet. Bei Drogen, die nur in kleineren
Mengen vorrätig gehalten werden, tritt an Stelle der Kiste ein
Porzellangefäß. «+Über Kalk+» +aufbewahrte Drogen+ halten sich
jahrelang unverändert. Deshalb fordert die neue Pharmacopoea helvetica
(Edit. IV) bei zahlreichen empfindlichen Drogen, die starkwirkende
Substanzen enthalten und in gleichmäßiger Beschaffenheit erhalten
werden müssen -- wie _Fol. Digitalis_ und _Secale cornutum_ -- direkt
die Aufbewahrung über Kalk. Auch die holländische Pharmakopoee kennt
diese Aufbewahrung über Kalk. In der Tat hält sich z. B. _Secale
cornutum_ jahrelang unverändert, wenn man Sorge trägt, daß es trocken
aufbewahrt wird. Und auch bei anderen Drogen wird die jährliche
Erneuerung überflüssig, wenn sie über Kalk aufbewahrt werden.

Ganz besonders bewährt sich aber die Aufbewahrung über Kalk bei
Drogen, die leicht Feuchtigkeit aus der Luft anziehen, wie z. B.
_Bulbus Scillae_, und solchen, die gepulvert leicht zusammenfließen
(_Galbanum_, _Ammoniacum_).

Da _Vanille_ oft geschimmelt in Europa eintrifft, sollte auch
den Pflanzern die Kalkkiste empfohlen werden. Wenn nur über Kalk
getrocknete _Vanille_ verpackt wird, kann sie nicht schimmeln.
~Greshoff~ hat die Brauchbarkeit der Kalkkiste in den Tropen erprobt
und empfiehlt sie warm.

Die jetzt meist als «~Lehmann-Hager~scher Kalktrockenkasten»
bezeichnete Kalkkiste (bezw. das Kalkglas) findet man übrigens schon in
einer Handschrift aus der Wende des XVI. Jahrh. erwähnt, die ~Leroy de
la Marche~ (1887) und neuerdings ~Guareschi~ (1905) herausgegeben hat
(~Schelenz~).

Wie außerordentlich Trockenhalten konserviert, zeigen die Pflanzenfunde
in altägyptischen Gräbern. Wie ~Schweinfurth~ zeigte, sind bei
den Pflanzenbinden der Mumien oft noch die Blätter (z. B. _Mentha
piperita_) grün und die Blüten (z. B. _Carthamus tinctorius_) in ihren
natürlichen Farben erhalten, trotzdem sie 3–5000 Jahre alt sind.



X. Die Beschreibung der Droge.


Die ausführliche Beschreibung der Droge nach +allen+ Richtungen hin ist
die erste und vornehmste Aufgabe der wissenschaftlichen Pharmakognosie.
Sie sollte bei Pflanzendrogen folgende Punkte umfassen:

  1. Name der Droge, Synonymie und Etymologie.

  2. Name der Stammpflanze, Synonymie und Etymologie -- Abbildungen.

  3. Systematische Stellung der Stammpflanze.

  4. Systematisch-morphologische Beschreibung der Stammpflanze.

  5. Vorkommen und Verbreitung derselben.

  5a. (event.) Kultur der Arzneipflanze. Schädlinge der Kulturen.

  6. Gewinnung der Droge. Einsammlung und Erntebereitung.

  7. Handelswege.

  8. Handelssorten. Verpackung.

  9. Beschreibung der Droge:

  a) Morphologische Beschreibung.

  b) Anatomie der Droge.

  c) Chemische Bestandteile.

  d) Pharmakochemische Klassifikation. Stellung im pharmakochemischen
  System.

  e) Geruch und Geschmack.

  10. Beimischungen und Verfälschungen.

  10a. (event.) Tierische Schädlinge der Droge.

  18. Prüfung und Wertbestimmung.

  19. Geschichte.

  20. Verwendung.

  21. Paralleldrogen.




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